NATUR & UMWELT - Land Burgenland
←
→
Transkription von Seiteninhalten
Wenn Ihr Browser die Seite nicht korrekt rendert, bitte, lesen Sie den Inhalt der Seite unten
3 0 . J a h r g a n g • A u s g a b e 3 / 2 0 2 0 • H e r b s t
NATUR & UMWELT
i m P a n n o n i s c h e n R a u m
VORBILD VORARLBERG
Naturbegegnung
BUNTES BURGENLAND vor der
Naturjuwele, Haustüre
die es zu
schützen gilt
SÜDBURGENLAND
Immer mehr
Gemeinden schaffen
Schutzgebiete
PLUSENERGIEQUARTIER
Informationsaustausch
für eine effiziente
Energienutzung
Biodiversität in der Krise
Wie jeder Einzelne in seinen unmittelbaren
Lebensbereichen helfen kannIn dieser Ausgabe:
Editorial Hianzenverein
03 Mag. Hermann Frühstück 27 As kluani Viecher-ABC
Buchtipp Gärtnern ohne Diözese Eisenstadt
04 28 Lebendige Zukunft
invasive Pflanzen
10 Biodiversität im Siedlungsraum:
Lebensraum für Tiere & Pflanzen 05 Buntes Burgenland 29
Burgenländischer Forstverein
Schalenwild im Burgenland
Naturjuwele schützen!
Burgenländischer Müllverband
06 Biodiversität in der Krise? 30 Illegal entsorgte Elektroaltgeräte
Prof. Dr. Thomas Wrbka 33
Natur im Garten Burgenland WLV Nördliches Burgenland
07 31 Neues Wasserwerk in Kittsee
Förderung der Artenvielfalt
Biodiversität & Siedlungsraum Innovationslabor act4.energy
08 32 Ziel: Plusenergiequartier
Lebensraum für Tiere & Pflanzen
Natur vor der Haustüre Forschung Burgenland
10 34 Klimaschutz & Mülltrennung
am Beispiel Vorarlberg
Aktionstag Schöpfung 2020
36 Patient „KLIMA“
Glyphosatfreie Gemeinden
12 Gütesiegel für Alternativen
15 NB-Projekt: Gemeinde-Schutz-
gebiete im Südburgenland
13 Wunderbar naturnah
mit dem Verein UNSER DORF
Naturschutzorgane Bgld.
14 Workshop & Familientreffen
Naturschutzbund-Projekt
15 Schutzgebiete im Südbgld.
n TITELFOTO:
Ing. Peter WEBER aus Güssing
hat uns das diesmalige Titelfoto
BIO AUSTRIA Burgenland
16 Bioland Burgenland
zur Verfügung gestellt. Es zeigt
Weißstörche, die vor einem
Esterhazy beeindruckenden Halbmond
17 Biolandwirtschaft zum Angreifen im Hintergrund in Richtung
Verein BERTA Afrika aufbrechen, wo sie
18 Versuche: Mähgutübertragung für die nächsten Monate
ihre Winterquartiere
18 Verein BERTA: Versuche für
Mähgutübertragung
19
Naturschutzbund Burgenland
Jahreshauptversammlung 2020
beziehen werden.
Naturpark Geschriebenstein
20 Auf und unter der Erd‘
Naturpark Landseer Berge
21 Naturparkpflege & Ferienspiel
Welterbe-Naturpark
22 Artenvielfalt & Rasen“mäher“
Naturpark Rosalia-Kogelberg
23 Innovative Naturparkideen
Dreiländer-Naturpark Raab
24 Sommer f. Kinder & Obstraupe
Naturpark in der Weinidylle
25 Steuobst, Maulbeeren & Co.
NP Neusiedler See – Seewinkel
26 Nationalpark Neusiedler See – 26 Nationalpark-Ausstellung neu!
Seewinkel: Neue Ausstellung
N+U 2editorial
„TRINKT, O AUGEN,
WAS DIE WIMPER HÄLT...“ Mag. Hermann Frühstück
Um Biodiversität und Artenvielfalt zu erhalten, be- Eidechsen sonnen sich auf Natursteinmauern, aller-
ziehungsweise auch zu fördern, kann jeder Einzelne lei Vögel nisten in den Bäumen und Sträuchern und
etwas beitragen. singen jeden Morgen ihre Lieder. Die Libellen ziehen
Jeder, der einen Garten hat, einen Grünstreifen vor ihre kunstvollen Flugkreise über dem Wasser, zwi-
dem Haus – und wenn diese noch so klein sind – kann schen den Seerosen im Schwimmteich sonnen sich
diese so gestalten und pflegen, dass eine Vielfalt von die Frösche und stimmen ihr Konzert zur Abend-
Arten leben und existieren kann. Der Grünstreifen vor dämmerung an, wobei die Fledermäuse nach Flug-
dem Haus kann als artenreiche Wiese angelegt und insekten haschen und die kleine Ringelnatter ihr
muss nicht als kurz geschorener Rasen gepflegt wer- Nachtversteck aufsucht. Und als Höhepunkt des
den. Nicht nur, dass dabei ein Beitrag zur Artenvielfalt Naturtheaters im Garten stürzt sich der Eisvogel vom
geleistet wird, erspart man sich Kosten, wenn dieser Ast des Baums ins Wasser des Teichs und holt sich
Wiesenstreifen nur ma- einen Wasserkäfer zur
ximal zweimal im Jahr Mahlzeit.
gemäht werden muss. Was kann schöner, er-
Ebenso kann man es holsamer und befriedi-
halten, wenn man seinen gender sein, als dieses
Garten im und um das Schauspiel Tag für Tag
Haus als Obstgarten mit zu erleben, wenn man
hochstämmigen Bäu- müde und abgekämpft
men und einer Blumen- von der Arbeit in sein
wiese darunter anlegt Haus und seinen Garten
und als solche behan- zurückkehrt?! Und das
delt. Noch mehr Natur alles ist völlig gratis zu
im Garten ist mit einer bekommen, wenn man
artenreichen Hecke als es zulässt, dass eine
Begrenzung, mit Wild- Vielfalt von Arten Mitbe-
und Beerensträuchern, n Schauplatz manch‘ einzigartigen Naturtheaters wohner in seinem eige-
einem Gemüsegarten kann ein schön angelegter Schwimmteich im Garten nen Garten sein darf.
und vielfältigen Blumen- sein – oder ... Doch ist es oft nicht
beeten leicht machbar. ganz anders? Es liegt
Ein naturbelassener an uns selbst, indem
Schwimmteich anstatt wir dies zulassen und
eines Swimmingpools fördern. Ein Spruch von
gibt dem Ganzen eine Lew N. Tolstoi kann das
besondere Note. Szenario verdeutlichen:
Insgesamt erfordert „Wir zerstören Millionen
das weniger Arbeit und Blüten, um Schlösser
Pflege, man fördert die zu errichten, dabei ist
Artenvielfalt und als eine einzige Distelblüte
Belohnung bekommt wertvoller als tausend
man dazu noch erleb- Schlösser.“ Dem soll
nisreiche Momente nichts hinzugefügt wer-
geliefert. Die Bienen, den, meint Ihr
Hummeln, Fliegen, Kä-
fer und Schmetterlin- Hermann
ge, die zahlreich die FRÜHSTÜCK
Blumen und blühen- n ... aber auch eine vielfältige Wiese in einem Obst- Landesleiter
den Kräuter besuchen, garten, die unzähligen Arten als Habitat und / oder Naturschutzorgane
erfreuen das Auge. Nahrungsquelle dient. Fotos: H. Frühstück Burgenland
3 N+UImpressum + Offenlegung ReUse-Shops:
Retro, Vintage & Oldie but Goldie
Verleger, Inhaber, Herausgeber: • Die Zeitschrift transportiert
• Verein der Burgenländischen im wesentlichen die Inhalte des Neulich war ich wieder in einem
Naturschutzorgane – VBNO Natur- und Umweltschutzes im dieser ReUse-Shops – gibt’s eh im
Europaplatz 1, 7000 Eisenstadt Pannonischen Raum und dient als ganzen Burgenland. Ich sage euch,
T 057 600 2812 (Karin Wild) Sprachrohr sowie Koordinations- das ist eine wahre Fundgrube für
• Co-Herausgeber: und Informations-Drehscheibe Second-Hand-Freaks. Coole Sachen
- Amt der Burgenländischen aller mit Natur- und Umweltschutz zum unschlagbaren Preis – von
Landesregierung, Abteilung 4, befassten burgenländischen Insti-
Kleidung über Technik bis zu Origi-
Hauptref. Natur- und Klimaschutz tutionen.Das gemeinsame Ziel ist
nal LPs. Wo gibt’s denn
- Landesumweltanwaltschaft die Gewährleistung einer verstärk-
Burgenland
das sonst noch?
ten Zusammenarbeit und mehr
Effizienz in der Arbeit für den
Redaktionsbeirat: Und alle Sachen
Natur- und Umweltschutz. HITS
Lois Berger, sind tip-top und
Johann Binder, 80‘s in einem super
• „Natur & Umwelt im Pannoni-
Thomas Böhm, Zustand. Ich finde
schen Raum” erscheint vier Mal
Ernst Breitegger, die ReUse-Shops
pro Jahr und wird in enger Zusam-
Hermann Fercsak, echt stark und die Idee
menarbeit mit den folgenden
Hermann Frühstück, very nachhaltig.
Vereinen und Institutionen erstellt:
Christian Horvath,
Thomas Knoll, Weitere Infos findest du unter
• Naturschutzbund Burgenland, www.reuse-burgenland.at
Anton Koo,
• Bgld. Naturschutzorgane,
Alois Lang,
• Verein B.E.R.T.A.
Andreas Leitgeb,
• Bio Austria Burgenland,
Ernst Leitner,
• Welterbe-Naturpark,
Markus Malits,
• NuP Rosalia-Kogelberg, www.bmv.at
Verena Münzenrieder European Regional Development Fund
• NuP Landseer Berge,
Michael Niederkofler
• NuP Geschriebenstein-Irottkö,
Gottfried Reisner,
• NuP In der Weinidylle,
Nikolaus Sauer,
Ramona Schmidt,
• NuP Raab-Örsèg-Gori˘cko,
• Bgld. Müllverband,
Buchtipp: Gärtnern ohne
Thomas Schneemann,
Andrea Sedlatschek,
Doris Seel,
• NP Neusiedler See – Seewinkel,
• WLV Nördliches Burgenland
invasive Pflanzen
Ernst Trettler,
• Verein „Initiative Welterbe” Anspruchslos und wunderbar gelb blühend bis in
• „Hianzenverein” den Oktober hinein – darum fanden nordamerikanische
Thomas Zechmeister,
• Burgenland Tourismus
Markus Zechner Goldruten den Weg in unsere Gärten. Robust und mit
Christine Zopf-Renner • Biolog. Station Neusiedler See
• Diözese Eisenstadt hübschen, farbigen Fruchtständen und großen, Schat-
• Bgld. Forstverein ten spendenden Blättern – der Götterbaum aus China
Redaktion, Produktion:
DIE SCHREIBMEISTER OG • Esterházy Betriebe schien eine ideale Baumart für Park und Garten zu sein.
Manfred Murczek • Innovationslabor act4.energy Aber Goldrute und Götterbaum blieben nicht in den Gär-
2491 Neufeld/L., Lisztgasse 2 • Forschung Burgenland ten, sondern fanden den Weg in unsere Natur, wo sie
T +43 676 6106297 • Mobilitätszentrale Burgenland
keine Fressfeinde haben und darum heute beträchtliche
murczek@speed.at
• „Natur & Umwelt im Pannoni-
Schäden verursachen.
www.schreibmeister.info
schen Raum” ist ein grenzüber- Norbert Griebl, Gärtnermeister und Kräuterpäda-
Auflage: 7.500 Stück schreitendes – A, HU, SK, SLO, goge, stellt 70 Gartenpflanzen vor, die aus den Gärten
HR ... – Informationsmedium und entwischt sind und die
• Es wird ausdrücklich darauf auch das offizielle Mitglieder- das Zeug haben, zu ei-
hingewiesen, dass die Inhalte magazin des Naturschutzbunds
nem Problem für unsere
der Artikel nicht in allen Fällen Burgenland. Mitgliedsgemeinden
des Naturschutzbunds Burgen-
Natur zu werden. Und er
die Meinung des Verlegers bzw.
des Herausgebers wiedergeben. land: Leithaprodersdorf, Stotzing, zeigt auch die passen-
Für die Inhalte sind die jeweiligen Müllendorf, Baumgarten, Gols, den heimischen Alter-
Autoren direkt verantwortlich. Pöttelsdorf, Zemendorf-Stöttera, nativen. Ein Aufruf und
Mattersburg, Forchtenstein, Ratgeber an alle Gärtne-
• Bezahlte, redaktionell gestaltete Eberau, Rohr i. Bgld., Ollersdorf,
rinnen und Gärtner, de-
Anzeigen oder Beiträge, für die Burgauberg-Neudauberg, Markt
ein Druckkostenbeitrag geleistet Allhau, Wolfau, Grafenscha-
nen unsere biologische
wurde, sind entsprechend chen, Oberschützen, Bernstein, Vielfalt am Herzen liegt!
gekennzeichnet. Rechnitz, Mogersdorf, Neusiedl Naturschutz beginnt im
am See, Tadten, Unterrabnitz- eigenen Garten. ISBN:
Schwendgraben, Draßmarkt. 978-3-258-08069-7
N+U 4Foto: Zoological Society of London
n links: In Weingraben freut sich Bürgermeister Peter Kohlmann über das Auffinden der Großen
Quelljungfer. In Zillingtal werden hingegen Blumenwiesen angelegt. Im Bild oben präsentieren
Bürgermeister Johann Fellinger und LH-Stv.in Astrid Eisenkopf (rechts) stolz erste Erfolge.
Naturjuwele schützen!
„Wir haben die Große Quell- in der Gemeinde zur Förderung gebiet mit wunderbaren Streu-
jungfer gefunden!“ Bürgermeis- von Bestäubern, wie Wildbienen obstwiesen. In Forchtenstein ler-
ter Peter Kohlmann ist fasziniert und Schmetterlinge. Bereits im nen die Volksschüler im Rahmen
von Libellen und entsprechend März wurde eine Blumenwiese am mehrerer Insektenwerkstätten ihre
begeistert: In seinem Gemeinde- Siedlungsrand angelegt. Ein „Sor- artenreiche Umgebung kennen.
gebiet, in Weingraben im Natur- genkind“ hingegen war bisher der „Das ist eine schöne Koopera-
park Landseer Berge, lebt die massive Bewuchs mit Goldrute im tion“ freuen sich Bürgermeiste-
größte europäische Libelle (Cor- mehrere Hektar großen Rückhal- rin Riki Reismüller und Direktorin
dulegaster heros)! Bislang unent- tebecken. Hier wird nun ein Pfle- Silke Teuschl.
deckt, konnte unser Team diese ge-Regime zur Eindämmung der Bis zu 14 Gemeinden können
gefährdete Art unverbauter Wald- Neophyten und Förderung der am Projekt teilnehmen. LH-Stv.in
bäche, die auch im Anhang II und Feuchtwiesenarten gemeinsam Astrid Eisenkopf zeigt sich erfreut
IV der Flora-Fauna-Habitat-Richt- mit der Gemeinde entwickelt und über das große Interesse: „Das
linie gelistet ist, im heurigen Som- umgesetzt. Erste Erfolge, wie die Bewusstsein für Naturschutz und
mer nach einiger Suche gleich Wieder-Etablierung einer kleinen naturnahe Grünraumpflege ist
an zwei Gewässern nachweisen: Graudistelwiese zeigen sich be- in den Gemeinden in den letzten
Sowohl an der Rabnitz samt Zu- reits nach wenigen Monaten! Jahren enorm gestiegen. Darauf
bringern als auch am Dorfaubach Zahlreiche weitere Aktivitäten wollen wir aufbauen und die Ge-
leben die adulten Libellen eben- werden ab Herbst umgesetzt: In meinden, die ihren Beitrag zum
so wie ihre Larven. Nun bemüht Oslip lädt die Gemeinde die Bevöl- Naturschutz leisten wollen, ent-
sich die Gemeinde, dass dieser kerung zum Mitmachen beim ers- sprechend unterstützen.“
naturnahe Zustand auch erhalten ten Pflegeeinsatz am Silberberg Text und Fotos
bleibt. ein, um die weitere Verbuschung Dr. Julia KELEMEN-FINAN
Peter Kohlmann ist einer von der Halbtrockenrasen hintanzu- DI Thomas HOLZER
mehreren Bürgermeistern, die mit halten. In Stoob erforschen die
ihrer „Mustergemeinde“ bereits Schüler der Mittelschule gemein- Projektträger:
am neuesten Projekt von natur- sam mit den engagierten Biologie- naturschutzakademie.at
schutzakademie.at „buntes bur- Lehrerinnen und dem Projektteam Horner Str. 51, 2000 Stockerau
genland: Naturjuwele schützen.“ die Artenvielfalt am Noplerberg/ www.buntesburgenland.at
mitmachen. Projektinhalte und Biri, einem Landschaftsschutz- office@naturschutzakadmie.at
Zielgruppen sind in den Gemein-
den unterschiedlich. Zillingtal,
deren Bürgermeister Johann Fel-
linger sich als erster zur Teilnah-
me am Projekt meldete, wünscht
sich möglichst viel Blütenpracht
5 N+UArtensterben, Landschaftswandel
– Biodiversität in der Krise? Teil 3 3
Biodiversität wird oft mit Artenreichtum – also der Zahl unterschiedlicher Organismen-
arten – eines Gebiets gleichgesetzt. Doch schon in der 1992 in Rio de Janeiro verabschie-
deten Biodiversitätskonvention wurde festgelegt, dass dieses wichtige Konzept auch die
Vielfalt von Lebensräumen und Ökosystemen beinhalten soll.
w Auswege aus der „State of the Nature“ zusammen- – in deutlich geringerem Umfang
Biodiversitätskrise gefasst. erbracht werden. Am Beispiel des
In Folge der bisherigen Aus- Auch in Österreich hat sich Insektensterbens lässt sich zei-
führungen stellen sich die Fragen: ein Biodiversitätsrat konstituiert, gen, wie das lange Zeit unbemerkt
Muss von einer Biodiversitätskrise der im Herbst mit „5 Kernforde- gebliebene Wegbrechen ganzer
oder gar dem Artensterben ge- rungen“ zum Stopp des Biodi- Organismengruppen die Bestäu-
sprochen werden? Und wie könn- versitätsverlustes bis 2030 an die bung von Nutz- und Wildpflanzen
te diesem noch begegnet werden? Öffentlichkeit getreten ist. Erfreu- gefährdet. Der Verlust der biolo-
Faktenbasierte Antworten auf die- licherweise hat die neue Bundes- gischen Vielfalt hat – nicht nur in
se Fragen sind nur möglich, wenn regierung diese Forderungen zu diesem Fall – die Minderung einer
es weltweit zu systematischer Ver- einem Großteil in ihr Regierungs- ökonomisch hochrelevanten Öko-
knüpfung biodiversitätsrelevanter programm übernommen. systemleistung und damit Kom-
Informationen durch den Einsatz Das Ergebnis der genannten pensationskosten in schwer ab-
von „big data“-Technologie und und vieler weiterer – zum Groß- schätzbarer Höhe zur Folge.
deren Bewertung durch möglichst teil prominent publizierter – Be- Die – auch in Österreich mess-
viele renommierte, unabhängig standsaufnahmen ist, wie bereits bare – Biodiversitätskrise wird nur
agierende Fachwissenschaft- angedeutet, alarmierend und kann dann bewältigt werden können,
lerInnen kommt. Es kann in die- seriöser Weise eigentlich nur mit wenn adäquate Naturschutzstra-
ser Hinsicht als Erfolg bezeichnet dem Begriff „Aussterbekrise“ cha- tegien (weiter) entwickelt werden,
werden, dass es im Juni 2010 zur rakterisiert werden. Oder, wie es denen ein ernsthaftes Nachhal-
Gründung des Weltbiodiversitäts- in einer amerikanischen Publika- tigkeitskonzept zugrunde liegt.
rats (IPBES – Intergovernmental tion jüngst formuliert wurde: Wir Die Ausweisung weiterer (Groß)
Platform for Biodiversity and Eco- befinden uns auf einem „march Schutzgebiete ist unbestritten
system Services) gekommen ist, towards mass extinction“. Gegen- notwendig, muss aber durch
einer unter der Schirmherrschaft wärtig gelten 1 Million Arten als konsequente, großräumige Le-
der Vereinten Nationen stehenden gefährdet, durch unser Zutun ver- bensraumvernetzung und natur-
Institution, die analog zum Weltkli- schwinden Organismenarten ein- verträgliche Landnutzungsformen
marat (IPCC) agiert und die Welt- tausendmal (!) schneller aus un- ergänzt werden, wie sie beispiels-
öffentlichkeit regelmäßig über den seren Ökosystemen als dies über weise naturnahe Waldwirtschaft
Zustand unserer Lebensgrund- viele Millionen Jahre Erdgeschich- und Biolandbau darstellen.
lagen informiert sowie Entschei- te der Fall war. Wurde die Evoluti- Analog zur technischen ist
dungsträgerInnen zu adäquaten on irdischer Lebensformen bisher also eine „grüne“ Infrastruktur
Beschlüssen ermuntert und in der von fünf markanten, planetaren als strategisch geplantes Netz-
Implementierung entsprechender Ereignissen – wie beispielsweise werk naturnaher, aber auch agra-
Politik unterstützen will. Bezeich- Meteoriteneinschläge – zurück- risch oder forstlich genutzter Le-
nenderweise kam der Anstoß zu geworfen, sind beim derzeitigen bensräume zu entwickeln, die
solchen globalen „assessments“ sechsten Massensterben eindeu- idealerweise nicht nur die Le-
von weltweit agierenden Natur- tig wir Menschen die zumindest bensraumfunktion für bedrohte
schutz-NGOs, beispielsweise mittelbare Ursache, ein Phäno- Arten erfüllen, sondern im Sinne
dem WWF, dessen – alle zwei men, das euphemistisch auch als der Multifunktionalität auch Leis-
Jahre publizierter – „Living Planet Anthropozän bezeichnet wird. tungen wie Klimaregulation, Hu-
Report“ in vielerlei Hinsicht Vor- Wenn Arten verschwinden, musaufbau, Wasserrückhalt uvm.
bildcharakter besitzt. Auch von werden die Netze des Lebens erbringen. Den erfolgreichen und
der Europäischen Umweltagentur weitmaschiger, Ökosysteme we- international anerkannten öster-
(EEA – European Environmental niger stabil. Dies hat zur Folge, reichischen Nationalparks wird
Agency) werden regelmäßig soge- dass auch die Leistungen der dabei eine Schlüsselfunktion zu-
nannte Umweltindikatoren erfasst Natur, die wir in Anspruch neh- kommen können. In vermehrtem
und für den Bereich Biodiversität men – oftmals ohne uns dessen Ausmaß sollten aber auch die von
jüngst zu einem Bericht über den in vollem Umfang bewusst zu sein der UNESCO als Modellregionen
N+U 6für nachhaltige Entwicklung kon-
zipierten Biosphärenparks einge- Sichtbare Förderung von
richtet und die so empfindlichen
Feuchtlebensräume unter den
Schutz der Ramsarkonvention
Artenvielfalt: NATUR IM GARTEN
gestellt und mit Hilfe sogenann- Was 1999 in Niederösterreich und -materialien bei Gartentagen
ter „wise use“-Konzepte weiter- als zartes Pflänzchen begann, ist und in Gartencentern, werden auf
entwickelt, ggf. auch restauriert heute eine florierende Bewegung. Anfrage laufend neue Gärten aus-
werden. Nicht nur in Österreich sondern gezeichnet und deren Besitzer-
Lösungsansätze dieser Art in sieben europäischen Ländern Innen hinkünftig auch miteinander
sind nicht neu, sollten aber auf- ziert die Plakette mit dem Igel die vernetzt.
grund der ernsten Bedrohungs- Gartenzäune von Naturgarten- Voller Vorfreude wird auf das
lage rasch in Angriff genommen liebhaberinnen und -liebhabern. Jahr 2021 geblickt, in dem erst-
werden. Analog zu gängigen Ma- Seit mittlerweile 21 Jahren malig rund 50 mit der Plakette
nagementmethoden in der Wirt- setzt sich „Natur im Garten“ nun ausgezeichnete Naturgärten ihre
schaft müssen auch im Bereich schon für die Ökologisierung von Türen für BesucherInnen öffnen.
Naturschutz und naturverträgliche Gärten und Grünräumen sowie Auf diese Weise werden Inter-
Landnutzung Controlling und be- die Förderung der Biodiversität essierten prachtvolle Einblicke,
gleitendes Monitoring als Kon- ein. Ziel ist es, europaweit ein wertvolle Ideen, Umsetzungs-
trollinstrumente für Zielerreichung Bewusstsein für die Bedeutung möglichkeiten und Bepflanzungs-
und Optimierung verstärkt einge- von naturnahen Lebensräumen beispiele angeboten.
setzt werden. Schon jetzt zeigt für die heimische Fauna und Flora Ob Plakette, Informations-
sich nämlich, dass völkerrechtlich zu schaffen. materialien, Newsletter oder Vor-
verbindliche Zielsetzungen – etwa Im Burgenland ist die beim träge – bei Interesse genügt ein
die „Aichi“-Biodiversitätsziele – Burgenländischen Volksbildungs- Anruf oder ein e-mail bei „Natur
verfehlt werden, weil bestehende werk angesiedelte Initiative seit im Garten“ Burgenland. Denn
Verpflichtungen nicht genügend 2017 aktiv und erfreut sich ste- gemeinsam können wir für Tiere,
ernstgenommen und zu wenig tigen Wachstums. Hier, wo die Pflanzen und Menschen gesun-
Ressourcen bereitgestellt wer- Bewegung im Vergleich noch re- de und nachhaltige Lebensräume
den. Österreich muss sich eine lativ jung ist, wurden bereits 300 schaffen und erhalten!
„Biodiversitäts-Milliarde“ leisten, „Natur im Garten“-Plaketten ver-
um an seine einstige Vorreiterrolle geben. Sie sind ein sichtbares Natur im Garten Burgenland
in Natur- und Umweltschutz anzu- Zeichen für Engagement im Be- T 02682-62282
schließen. Aufgrund der erwart- reich des Naturschutzes und der burgenland@naturimgarten.at
baren regional- und umweltöko- Förderung von Artenvielfalt im www.naturimgarten.at
nomischen Effekte kann aber da- Privatgarten.
von ausgegangen werden, dass Gepaart mit Informations-
sich diese Investitionen auch in veranstaltungen, wie Vorträgen
wirtschaftlicher Hinsicht bezahlt und Workshops zu Themen wie
machen. „Naturnahe Gartengestaltung
Text und Fotos und -pflege“ sollen Gartenbesit-
Ass.Prof. Dr. Thomas WRBKA zerInnen dazu motiviert werden,
Universität Wien Lebensräume für Tiere und Pflan-
Dept. Botanik & Biodiversität zen im Privatbereich zu schaffen.
Unterstützt wird die Aktion durch
eine aktive Bewerbung über Soci-
al Media, die sich größter Beliebt-
heit erfreut und zum gegenseiti-
Über den Autor gen Wissensaustausch anregt.
Ass.Prof. Gespickt mit Garten-, Ausflugs-
Dr. Thomas und Veranstaltungstipps können
WRBKA lehrt sich Interessierte hier ein um-
und forscht als fassendes Bild der notwendigen
Vegetations- und und möglichen Schritte nachhal-
Landschafts- tiger Gartengestaltung machen.
ökologe an Ergänzt wird das Angebot durch
der Universität einen regelmäßig versandten
Wien am Institut für Botanik und Newsletter. Durch bereits aktive
Biodiversität und ist Vorsitzender PlakettenbesitzerInnen motiviert,
des Wissenschaftlichen Beirats aber auch durch die Präsenz der
im Nationalpark Neusiedlersee – Initiative mit Informationsständen
Seewinkel
7 N+UBiodiversität im Siedlungsraum
Dicht verbaute Stadt- und Ortszentren, versiegelte Gewer-
begebiete und geordnete Park- und Gartenlandschaften –
das bekannte Stadt- und Ortsbild täuscht. Denn auch die
Natur ist in unseren Siedlungen präsent und bietet Lebens-
räume für Tier- und Pflanzenarten.
Österreich ist europäischer als Lebensraum oder zur Futter-
Spitzenreiter in Bezug auf Flä- suche nutzen. Eines der höchsten
chenverbrauch und Bodenver- Entwicklungspotenziale haben
siegelung. Dies betrifft aber nicht Ruderalflächen, die natürlichen
nur Großstädte, denn vor allem im oder hemeroben Ursprungs sein
länd-lichen, meist zudem auch in- können. Schottergruben oder alte
tensiv agrarisch genutzten Raum Steinbrüche werden schon seit
gehen reichhaltige Natur- und Kul- langem als wertvolle Biotope er-
turlandschaftsflächen durch groß- kannt und sind zum Teil auch na-
zügig dimensionierte Bauprojekte turschutzrechtlich geschützt.
verloren. Damit einher geht der
quantitative, aber auch qualitati- w Grundlagen und Initiativen
ve Verlust an Tier- und Pflanzen- Bereits im Jahr 1992 hat sich
populationen sowie an vielfältigen Österreich zum „Übereinkom-
Lebensräumen. men über die biologische Vielfalt“
Lange Zeit war die gängige (CBD) bekannt, dem ein umfas- n Steinplatten im Bereich eines
Meinung, dass Stadt bzw. Sied- sendes Verständnis von biologi- Spielplatzes
lungsraum und Natur unverein- scher Vielfalt zugrunde liegt und
bare Gegensatze seien. Doch das die Nutzung der biologischen
Natur in unseren Städten und Vielfalt durch den Menschen mit Strukturen im Siedlungsraum, die
Dörfern ist allgegenwärtig: Gär- einbezieht. Aber auch das Bur- zur Verbesserung der Lebens-
ten, Park- und Friedhofanlagen, genländische Naturschutzgesetz bedingungen für die Tier- und
Bachufer, extensive oder unge- bietet eine rechtliche Grundlage Pflanzenwelt, aber auch für den
nutzte Flächen, Mauerritzen und für den Arten- und Lebensraum- Menschen beitragen.
Pflasterfugen, Schutt- und Ab- schutz. Die Biodiversitäts-Strate- Mögliche kleine Maßnahmen
lagerungsstätten sowie Gewer- gie Österreich 2030 thematisiert zur Rückeroberung unser Städ-
be- und Industrieareale bieten die Bedeutung und die Funktionen te und Dörfer durch die Natur
vielfältige Lebensräume für oft intakter Ökosysteme, die etwa es- sind etwa das Zulassen des Be-
überraschende und zum Teil auch sentiell für die geistige Gesundheit wuchses in Pflasterritzen, die ex-
seltene Tier- und Pflanzenarten. und den Klimaschutz sind und tensive Begrünung der Dächer,
Siedlungsräume bieten ein Mo- Bedeutung als Erholungsraum, Fassadenbegrünungen oder das
saik unterschiedlichster Standort- aber auch für die wirtschaftliche Zulassen von kleinen Pfützen.
und Lebensbedingungen, meist Entwicklung haben. Schon dadurch werden etwa
auf kleinem Raum, teilweise flä- Habitate für Insekten (z. B. für
chig, selten vernetzt. w Siedlungsraum gestalten Laufkäfer oder Spinnen) oder
Untersuchungen, etwa in der Was ist also zu tun? Um nach- Amphibien sowie Futterstellen
Schweiz, haben gezeigt, dass haltig und dauerhaft Biodiversität für Vögel geschaffen. Durch den
städtische Strukturen zum Teil in unseren Städten und Dörfern Bodenaufbau, das Oberflächen-
doppelt so viele Pflanzenarten be- erreichen zu können, muss der material, die Bepflanzung oder
herbergen als überwiegend land- Siedlungsraum „natürlicher“ ge- den Wasserhaushalt können auf
und forstwirtschaftlich genutzte staltet werden. Die Bedeutung kleinstem Raum unterschiedliche
Räume. Dabei sind in unseren der Städte und Dörfer ist nicht Lebensräume entstehen.
Siedlungen nicht nur „Allerwelts- nur in stadträumlich-funktionaler, Bei Spielplätzen werden durch
arten“ zu finden, sondern auch klimatischer und sozialer Hinsicht den Verzicht auf teure Marken-
seltene, teilweise geschützte und gegeben, sondern muss um die spielgeräte und den Einsatz
bedrohte Tier- und Pflanzenar- Dimension „naturnah“ erweitert natürlicher Landschafts- bzw.
ten. Jeder kennt beispielsweise werden. Im Bewusstsein der Men- Gestaltungselemente (Brach-
das Einwandern von Füchsen, schen findet Natur in der freien und Wiesenflächen, bekletterba-
Greifvögeln, Rehen, Wanderfal- Landschaft statt, im Ort selbst re Findlinge, liegendes Totholz,
ken, Fledermäusen oder Igel, die muss es „sauber“ und gepflegt Bodenmodellierungen, Wasser-
unser unmittelbares Wohnumfeld sein. Dabei sind es auch „wilde“ läufe etc.) die Phantasie angeregt,
N+U 8die Aktivität der Spielplatznutzer
gesteigert und die Kommunika-
tion zwischen den Generationen
gefördert.
Durch die Extensivierung der
Pflege in den öffentlichen Be-
reichen kann eine Umwandlung
von intensiv gepflegten Rasen-
flächen in artenreiche (Blumen-)
Wiesenflächen erreicht werden,
etwa in Parkanlagen und/oder am
Friedhof. Auch die Pflanzung von
autochthonen Stauden, beispiels-
weise auf Verkehrsinseln oder in
Baumscheiben, trägt zu einer Ex-
tensivierung der Pflegemaßnah-
men und zur Verbesserung der
Artenvielfalt bei. Diese Extensivie-
rungsmaßnahmen machen sich n Extensive Staudenpflanzung (oben) und offene Pflasterfugen (unten)
zudem in den Gemeindebudgets
bemerkbar, zumal weniger Pfle-
geaufwand erforderlich wird und wird. Daher sind Maßnahmen zur
damit Kosten gespart werden Aufwertung von Lebensräumen
können. im Ort in einem regen Austausch
Durch die Erhaltung von mit den Bewohnerinnen und
Ruderalflächen (z. B. nicht mehr Bewohnern zu kommunizieren;
genutzte Betriebsstandorte) und Infotafeln am Rand einer extensiv
Sekundärbiotopen (z. B. alte Stein- gepflegten oder naturnah gestal-
brüche) können hochwertige teten Anlage reichen häufig nicht
Lebensräume entstehen, die der aus. Ziel muss es sein, durch Auf-
heimischen Fauna und Flora als klärungsarbeit ein Bewusstsein in
Rückzugsort dienen, aber auch der Bevölkerung zu schaffen, da-
als Erkundungs- und Erlebnis- mit „Natur im Ort“ als selbstver-
raum für die Bevölkerung – ein ständlich und als Lebensqualität
„Robinsonspielplatz“ ohne hohe wahrgenommen wird.
Finanzierungskosten. Um langfristig mit mehr Bio-
Kleine, naturnahe Flächen im diversität in unseren Städten und
Ort erfüllen als Trittsteinbiotope Dörfern Erfolg zu haben, wird die-
wichtige ökologische Funktionen. ses Verständnis und vor allem die
Da sie isoliert liegen und oft nur Akzeptanz in der Bevölkerung ent-
temporär vorhanden sind, kommt scheidend sein. Auch wenn sich
der Vernetzung unterschiedlicher das Artenspektrum in Anbetracht
Biotoptypen, der Verbindung von des Klimawandels bereits ver-
Mikro- und Makrohabitaten sowie schiebt, so gibt es durchaus noch
der Verbindung mit größeren Le- Luft nach oben für ökologisch Die Autorin:
bensräumen (innerhalb der Sied- vielfältige, von unterschiedlichen DI Karin GRAF
lungsgebiete und bis in die Kul- Pflanzen- und Tierarten bevölker- Studium der
turlandschaft hinaus) in Bezug auf te Biotope im Ort. Die Situierung Landschafts-
ihre Nachhaltigkeit und Lebensfä- und Vernetzung entlang fußläu- ökologie und
higkeit besondere Bedeutung zu. figer Wege erlauben nicht nur neue Landschafts-ge-
Doch das Nebeneinander sied- Beobachtungen im Alltag, son- staltung an der
lungsbezogener Anforderungen dern schaffen auch Begegnungen BOKU und der
und der „Natur im Ort“ ist nicht zwischen Bewohnerinnen und Architektur an der TU Wien.
immer konfliktfrei. Es bedarf meist Bewohnern untereinander sowie Seit 2014 Universitätslektorin
eines umfassenden Aufklärungs- mit (seltenen) Tier- und Pflanzen- an der TU Wien, Institut für
prozesses bei allen Generationen. arten und lassen jahreszeitliche Städtebau, Landschaftsarchitek-
Erfahrungen aus der Gemeinde- Prozesse hautnah erleben. Da- tur und Entwerfen, Studio
arbeit zeigen, dass mehr „Natur durch kann die natürliche Vielfalt Städtebau.
im Ort“ oft mit Ungepflegtheit im Ort wieder stärker bewusst und Lebt und arbeitet als Land-
verwechselt, Wiesen- statt Ra- geschätzt werden und Naturerle- schaftsplanerin in Niederöster-
senflächen als ungenügende Ge- ben und -wahrnehmung gefördert reich, Wien und im Burgenland
meindearbeit wahrgenommen werden. u office@digraf.at • www.digraf.at
9 N+UNaturbegegnung vor der Haustüre
Natur im Siedlungsraum sorgt für Lebensqualität und Gewinnung oder Mahdgutüber-
ermöglicht Naturbegegnung vor der Haustüre. Es werden tragung ausprobiert, geduldig
gewartet, ob nun in dieser Stein-
Lebensräume für Tiere und Pflanzen geschaffen, Vernet- wüste vielleicht doch noch was
zungen ermöglicht und die Auswirkungen des Klimawan- wächst, Nahrungs- und Nisthabi-
dels abgepuffert. tate für Wildbienen angelegt und
reger Austausch unter den Kurs-
Vorarlberg bemüht sich schon zung und Austauschtreffen, ein teilnehmerInnen gepflegt. In vie-
lange, die Gemeinden in ihrer vielfältiges Seminar- und Exkur- len Gemeinden können sich die
Naturschutzkompetenz zu stär- sionsprogramm gemeinsam mit Ergebnisse sehen lassen und das
ken. Von 2008 bis 2018 konnten interessierten Gemeinden zu er- Wildbienenmonitoring in Rankweil
wir die Gemeinden über das Pro- reichen versuchten. hat gezeigt, dass die Flächen von
gramm „Naturvielfalt in der Ge- Ein großer Erfolg wurden die den Insekten dankend angenom-
meinde“ unterstützen. Ziel war es, Kurse „bunt und artenreich“ für men werden. Auf neu angelegten
dass Naturschutz fest im Gemein- Bauhofmitarbeitende in den Ge- Flächen konnten 139 Wildbienen-
dealltag verankert wird, Natur und meinden. In den Kursen wurden arten, teilweise auch in großer
Landschaft bei der Siedlungs- die TeilnehmerInnen von 2013 Abundanz, gefunden werden.
entwicklung mitgedacht werden, – 2015 und von 2016 – 2018
Klimawandelanpassungsmaßnah- jeweils über drei Jahre bei der An- w Rahmenbedingungen schaffen
men mit biodiversitätsfördern- lage und Pflege von naturnahem, Daneben haben wir auch im-
den Maßnahmen verbunden wer- öffentlichem Grün begleitet – siehe mer versucht auf die Rahmenbe-
den, Naturerlebnis direkt vor der www.buntundartenreich.at. dingungen einzuwirken. Sei es,
Haustüre möglich ist, eine hohe Gemeinsam wurde aus den dass die Ökologie in die Bewer-
Lebensqualität durch vielfältige Erfolgen und Misserfolgen ge- tung des kommunalen Gebäude-
Lebensräume für Menschen, Tie- lernt, Lösungen und Verbesse- ausweises aufgenommen wurde
re und Pflanzen gegeben ist und rungsmöglichkeiten gesucht, und so ein Anreiz besteht, natur-
so auch die Klimaresilienz erhöht unterschiedliches Saatgut mit nahe Elemente in die Außenraum-
wird. Hehre Ziele, die wir durch und ohne Initialpflanzen erprobt, begrünung aufzunehmen oder
praxisnahe Beratungen, Vernet- regionales Saatgut über eBeetle- Dach- und Fassadenbegrünungen
bei öffentlichen Gebäuden umzu-
setzen, oder durch aktive Mitwir-
kung im Prozess der Entwicklung
eines Raumbildes in Vorarlberg.
Ein weiterer Schlüsselfaktor ist
der Planungssektor. Im Rahmen
eines Interreg-Projekts wurde mit
zahlreichen Partnern ein Dialog-
Prozess mit Planung, Bauwirt-
schaft und Politik lanciert, der im
internationalen Symposium „natur
vielfalt bauen“ mündete – siehe
www.naturvielfaltbauen.org.
n Gelungen: ein naturnahes Biotop im Siedlungsraum (oben); und erstes KGA-Dach im Dorf Lauterach (kleines Bild)
N + U 10Die Ergebnisse des Symposi-
ums fließen in ein internationales
EU-Life-Projekt ein. Das Projekt
BooGI-BOP („Boosting Urban
Green Infrastructure through Bio-
diversity Oriented Design of Busi-
ness Premises“) hat seinen Fokus
auf Betriebsareale und -gebiete
gelegt – siehe www.biodiversity-
premises.eu/de/. Dieser Sektor
birgt ein riesiges Verbesserungs-
potential hinsichtlich Biodiversität
und Klimawandelanpassungs-
maßnahmen. Vorarlberg hat im
Rahmen des Projekts ein Dis-
kussionspapier als Gesprächs-
grundlage mit Stakeholdern aus
Politik, Verwaltung, Planung,
Standesvertretungen, Wissen-
schaft und Unternehmen erstellt.
Weiters werden 20 Betriebe und
zwei Betriebsgebiete beraten,
wie sie durch Berücksichtigung
von Boden, Pflanzen und Tieren
im Betriebsareal und am Gebäu- n Abenteuerlich: Blumen- und Spielwiese mit Mehrwert
de lebenswerte Standorte ent-
wickeln. Parallel dazu bieten wir
im Rahmen eines Interreg-Pro- Biodiversitätsdächer angelegt. den KLAR-Regionen und durch
jekts einen praxisnahen Kurs zu viele örtliche Initiativen umge-
Biodiversitätsdächern an – siehe w KLAR Regionen und setzt. Ein Projekt zur Stärkung von
www.buntundartenreich.at – und örtliche Initiativen regionalem Saatgut (Heublumen-
in drei Gemeinden werden mit Zahlreiche Aktivitäten zu mehr Wiese aus dem Sack) ist im Auf-
fachlicher Unterstützung Pilot- Natur im Siedlungsraum werden in bau. Mit der Abt. Straßenbau sind
wir im Gespräch. Der Verband für
Obst- und Gartenkultur Vorarl-
berg (OGV) zertifiziert naturnahe
Gärten, der Imkerverband setzt
sich für mehr Blühflächen ein. Ein
Ratgeber zum Thema Gründach
und Photovoltaik geht gerade in
Druck. Es regt sich was an ver-
schiedenen Ecken und Enden.
So lassen wir uns seit vielen
Jahren auch durch Rückschläge
nicht entmutigen und arbeiten
frei nach dem Motto des afrika-
nischen Sprichworts „Wenn viele
kleine Menschen an vielen klei-
nen Orten viele kleine Dinge tun,
können sie das Gesicht der Welt
verändern“. u
Die Autorin:
Christiane
MACHOLD
Biologin,
Naturschutz-
Sachverstän-
dige im Amt
der Vorarlber-
ger Landesregierung,
n Praktikabel: Blumenwiese grenzt an Parkplatz Programm- und Projektleiterin
11 N + Un LRin Astrid Eisenkopf, LR Heinrich Dorner n Neufeld / Leitha kommt seit 2017 ohne Glyphosat aus
Gemeinden verzichten auf Glyphosat
Glyphosat ist seit vielen Jahren duzieren. „Mein Ziel ist, dass das öffentlichen Bereich verzichten und
in einer Reihe von weltweit zugelas- ganze Burgenland glyphosatfrei auf das händische Entfernen des
senen Unkrautbekämpfungsmitteln, wird. Ich möchte, dass unsere Kin- Unkrauts umstellen. Bei der Umstel-
wie zum Beispiel im Mittel „Round der in einer gesunden Umgebung lung, die zwar mehr Personalauf-
up“, als Wirkstoff enthalten. Der Stoff aufwachsen. Dazu müssen wir auf wand mit sich bringt, mussten auch
wirkt als Totalherbizid, das heißt, er allen Ebenen ansetzen – die Flächen wir sehr innovativ sein. Verschiede-
vernichtet alle grünen Pflanzen. Wo des Landes und aller landesnahen ne Alternativen wurden ausprobiert,
Glyphosat gespritzt wird, wächst Betriebe werden glyphosatfrei ge- diverse Arbeitsgeräte getestet. Es
keine Pflanze mehr – außer sie ist pflegt. Wir gehen mit gutem Beispiel gibt zwar nicht das eine optimale
resistent. Der Einsatz von glypho- voran, um auch die Gemeinden, die Arbeitsgerät, aber mit den Investi-
satbasierten Herbiziden ist in den Landwirtschaft und Privatpersonen tionen in ein spezielles Kehrgerät,
letzten Jahren massiv angestiegen. davon zu überzeugen, dass es auch in Kehrbesen sowie in ein auf Infra-
400 Tonnen Glyphosat werden jähr- ohne Glyphosat funktioniert. Mit der rottechnik basierendes Arbeitsgerät
lich österreichweit aufgebracht, die Bio-Wende sind wir im Agrarbereich konnten wir die manuelle Entfernung
Spritzmittel sind in jedem Garten- auf einem guten Weg“, so die für des Unkrauts durch unsere Gemein-
oder Baumarkt frei erhältlich. Umweltschutz zuständige LH-Stv.in dearbeiter erleichtern.“
Das meist eingesetzte Pflan- Mag.a Astrid Eisenkopf. Generell gilt: Naturnahe Grün-
zengift der Welt tötet jede Pflanze, Das Gütesiegel „Ökologische Ge- flächen, wie Wildblumenwiesen oder
die nicht gentechnisch so verän- meinde“ zeichnet jene Gemeinden Trockenbeete, sind nicht nur einfa-
dert wurde, dass sie den Herbizid- aus, die freiwillig auf das umstrittene cher in der Pflege, sondern bieten
einsatz überlebt. Viele Studien brin- Pestizid verzichten. Mittlerweile ha- Insekten und anderen Tierarten
gen die Verwendung von Glyphosat ben 60 Gemeinden im Burgenland einen wertvollen Lebensraum. u
mit negativen gesundheitlichen Fol- das Glyphosat aus der öffentlichen
gen in Verbindung. Bei vielen der ne- Grünraumpflege verbannt. Der Ver-
gativen gesundheitlichen Auswirkun- zicht auf die bequeme und billige Die Abteilung 5 – Bau-
gen handelt es sich um chronische Unkrautbekämpfung mittels Herbi- direktion – des Amts der
oder langfristige Erkrankungen. Die zid stellt die Gemeinden vor neue Bgld. Landesregierung
Weltgesundheitsorganisation WHO Herausforderungen. Unkrautjäten in
hat Glyphosat als „wahrscheinlich Handarbeit ist oftmals zu teuer und ... verzichtet im Bereich der
krebserregend“ eingestuft. zeitaufwändig. Grünraumbewirtschaftung
Während auf nationaler Ebene Wie die Umstellung dennoch entlang der Straßen seit 2013
noch diskutiert wird, ob das im Na- gelingt, zeigt die Stadtgemeinde auf den Einsatz von Glypho-
tionalrat im Jahr 2019 beschlossene Neufeld an der Leitha, die seit 2017 sat. Seit 2018 sind auch alle
Totalverbot von Glyphosat mit dem glyphosatfrei ist. Bürgermeister landesnahen Unternehmen
Unionsrecht vereinbar ist, setzt das Michael Lampel berichtet: „Natür- glyphosatfrei.
Land Burgenland verschiedenste lich war es für uns auch selbstver- Das Gütesiegel „ökologische
Maßnahmen, um den Einsatz von ständlich, dass wir der Umwelt und Gemeinde“ wurde 2016 ins
Glyphosat Schritt für Schritt zu re- Gesundheit zuliebe auf Glyphosat im Leben gerufen.
N + U 12Wunderbar naturnah
leisten“, erklärt Marlene Hrabanek-
Bunyai, GFin des Vereins UNSER
DORF. Sie rät zu mehr Mut zur
Unordnung. Adrett aussehende,
Verein UNSER DORF motiviert Gemeinden, das Burgenland perfekt gepflegte Gärten und Grün-
flächen sind für Lebewesen „toter,
BeeFit zu machen wertloser Lebensraum, aus biologi-
„Natur- und Klimaschutz spielt in Bedeutung der Nützlinge und da- scher Sicht leider leere Wüsten“.
den Gemeinden eine immer wichti- mit die Wichtigkeit ihres Schutzes
gere Rolle. Aktiver Naturschutz und deutlich. Auch Verkehrsflächen in w Zentrale Wissensplattform
der Erhalt der Biodiversität im Bur- Gemeinden dürfen aufgrund der zu- Eisenkopf sieht als Projektziel
genland betrifft jede Gemeinde und nehmenden Versiegelung der Land- „eine zentrale Wissensplattform,
muss sich über unsere Schutzge- schaft als wichtige Lebensräume die vermittelnd und landesweit als
biete hinaus erstrecken. Es braucht von Insekten und Mikro-Ökosyste- Netzwerk zwischen Gemeinden,
einen ganzheitlichen Ansatz, der men nicht mehr außer Acht gelas- Vereinen, Bevölkerung, Naturschutz
über den Status ‚glyphosatfrei‘ sen werden. „Das Projekt ‚Burgen- und bestehenden Initiativen agiert“.
hinausgeht. Mit dem Naturschutz- land beefit‘ soll landesweit einen Kern des Projekts sei es, dass
projekt ‚Burgenland BeeFit‘ wollen positiven Einfluss auf den Erhalt der sich Gemeinden, wenn sie be-
wir in den burgenländischen Ge- Artenvielfalt haben und durch aktive stimmte Kriterien erfüllen, als „bee-
meinden ein Zeichen für den Erhalt Informationsarbeit sowie bewuss- fit“ auszeichnen lassen können.
der Artenvielfalt setzen“, erklärte te Öffentlichkeitsarbeit Gemeinden Darunter fallen Kriterien, wie z. B.
Naturschutzreferentin LH-Stv. Mag.a und die Bevölkerung für die Themen der Verzicht auf Pestizide und auf
Astrid Eisenkopf bei der Vorstellung Artenvielfalt, Wildbienen, Insekten chemisch synthetische Dünger so-
des Projekts. Der Verein „Unser und Lebensräume sensibilisieren wie die Verwendung von torffreier
Dorf“ als neue Biodiversitätsplatt- und auch aktivieren“, so Eisenkopf. Blumenerde, die Anlage von Blüh-
form des Landes unterstützt und flächen und Kleinlebensräumen,
berät die Gemeinden dabei. Erfüllt wie Totholzhecken, Kleinbiotopen,
eine Gemeinde bestimmte Kriteri- w Mehr Mut zur Unordnung wilder Ecken im Gemeindegarten,
en, kann sie sich als „wunderbar „Verkehrsflächen sind zwar Vogelnistkästen oder Streuobst-
naturnah“-Gemeinde auszeichnen meist nur schmale Streifen entlang und Wildkräuterwiesen.
lassen. der Straßen, Wege und Gehstei- „Mehr Artenvielfalt bedeutet
ge, eignen sich aber aufgrund ihrer letztlich auch mehr Lebensqualität.
w Lebensraum Verkehrsfläche durch das ganze Land laufenden Ein Dorf ist mehr als nur die Häu-
Die Tatsache, dass 80 % aller linearen Strukturen hervorragend, ser und Straßen. Wir alle sind Dorf.
Pflanzen und fast 70 % aller Nah- um die Lebensräume der Nützlin- Und da heißt es: MITGESTALTEN!“,
rungspflanzen von Insekten be- ge miteinander zu verbinden und appelliert Eisenkopf.
stäubt werden, macht die große so deren Verbreitung zu gewähr- Quelle Text und Foto: LMSB
n v. l.: Brigitte Gerger, GFin Verein Wieseninitiative, LH Stv.in Astrid Eisenkopf, Obfrau des Vereins UNSER DORF,
Helmut Hareter, Bgm. Breitenbrunn, Marlene Hrabanek-Bunyai, GFin des Vereins UNSER DORF
13 N + UVBNO: Workshop & Familientreffen
kleinen Vortrags einen Einblick in die
vielen Aktivitäten und Projekte der
Freistadt, die sich mit Klimaschutz,
Lebensraumgestaltung, Biodiversi-
tätserhaltung, ökologisch orientierter
Beim schon traditionellen Vor- Raumplanung etc. beschäftigen. Die
stands-Familientreffen des Vereins „kleinste Großstadt“ mit rund 15.000
der burgenländischen Naturschutz- Einwohnern hat auf diesem Gebiet
organe (VBNO), einer lehrreichen einiges zu bieten, von Blumenwie-
und informativen Zusammenkunft sen über Baumpflanz-Aktionen und
des VBNO-Vorstands, gab es dieses stadteigener Honig-Produktion bis
Jahr eine kleine Änderung, was des- zu Gratis-Parkplätzen für Elektro-
sen Ablauf betraf. autos etc.
Schon am Vormittag war näm- Verein der burgenländischen
lich ein vierstündiger Workshop Naturschutzorgane – VBNO
zum Thema „Sicheres Auftreten bei A-7000 Eisenstadt, Europaplatz1 n oben: Security-Experte Herbert
Amtshandlungen“ angesagt. Mag. Landesltg.: Hermann Frühstück Wagner (rechts) zeigt, wie man
Herbert Wagner, zertifizierter Risi- Tel. 0664 / 140 96 00 als Naturschutzorgan im Rahmen
komanager und Geschäftsführer hermann.fruehstueck@schule.at eines Einsatzes richtig reagiert.
einer großen Sicherheitsfirma, zu-
dem auch geprüftes ehrenamtliches
Naturschutzorgan, brachte den Teil-
nehmern per Vortrag und anhand
praktischer Rollenspiele anschaulich
nahe, was einem ehrenamtlichen
Naturschutzorgan bei den jewei-
ligen Dienstverrichtungen passieren
könnte und wie man dabei agieren
bzw. reagieren sollte. Die Rückmel-
dungen und Vorschläge werden in
ein Schulungspaket eingearbeitet,
das im kommenden Jahr allen Be-
zirksgruppen als „verpflichtender
Fortbildungskurs“ angeboten wer-
den soll.
Nach dem Mittagessen, zu dem
nun auch einige Eheleute bzw. Part-
nerinnen und Partner sowie Kinder
n oben: Bei einem vormittägigen Workshop konnten die VBNO-Vorstands-
hinzugekommen waren, gab es eine
mitglieder die Cselley-Mühle in Oslip kennenlernen.
Führung durch die Cselley Mühle in
n unten: Am Nachmittag des Familientreffens stand u.a. ein Besuch bei
Oslip. Dieser altehrwürdige Gebäu- Eisenstadts Bürgermeister, Thomas Steiner (rechts) auf dem Programm.
dekomplex wurde von den Künstlern
Sepp Laubner und Robert Schneider
1976 als „Aktionszentrum“ in Betrieb
genommen und fungiert seither als
Veranstaltungsort für Kunstaktionen,
Konzerte, Ausstellungen, Kararett-
Vorführungen etc.
Anschließend begab man sich
nach Eisenstadt, wo Stadtführe-
rin Gisela Spatzierer der Gruppe im
Zuge einer Führung einen sehr inte-
ressanten und kurzweiligen Einblick
in die Geschichte der Landeshaupt-
stadt gab. Ein Empfang bei Bürger-
meister Mag. Thomas Steiner bilde-
te den Abschluss des Familientreffs.
Der Stadtchef gab anhand eines
N + U 14Foto: Helmut Höttinger
Foto: Klaus Michalek
n Erlenbruchwald, Sumpfdottblumen in Neuberg n Grünfrosch in Gemeindeschutzgebiet
Schutzgebiete im Südburgenland
Im Rahmen des Leader-Projekts „Gemeindeschutzgebiete Südburgenlands produziert. Vor
im Südburgenland“ werden neue Gemeindeschutzgebiete Ort wurden bereits Naturbankerl
im Südburgenland ausgewiesen und auch der Öffentlichkeit aus Lärchenholz aufgestellt, die
der Bevölkerung zur Ruhe und Er-
vorgestellt. holung dienen sollen.
In den neu ausgewiesenen Ge- In der Projektlaufzeit von drei
meindeschutzgebieten wird gera- Jahren werden zwei Veranstal-
de eine Naturerhebung (Kartierung tungen (z. B. Exkursion mit Schü-
der Amphibien, Libellen, Schmet- lern oder Naturspaziergang mit
terlinge, Vögel und des Pflanzen- der Bevölkerung) durchgeführt
Viele Gemeinden im Burgen- bestands) durchgeführt sowie ein und Artikel in „Natur & Umwelt
land haben bereits ein Gemein- Pflegeplan für die Schutzgebiets- im Pannonischen Raum“, in der
deschutzgebiet eingerichtet. Im flächen ausgearbeitet. Begleitend lokalen Presse, in den Gemeinde-
Südburgenland sind dies Bern- dazu wurden erste Pflegemaß- zeitungen und auf den Gemeinde-
stein, Grafenschachen, Ollers- nahmen umgesetzt. Homepages veröffentlicht, in de-
dorf, Rechnitz und St. Martin an Für den Erhalt seltener Ar- nen die Gemeindeschutzgebiete
der Raab. Damit werden – auf ten und Lebensräume bedarf es vorgestellt werden. Das neue Lea-
Beschluss des Gemeinderats und auch einer intensiven Öffentlich- der-Projekt „Gemeindeschutz-
ohne Verordnung der Landes- keitsarbeit. Deshalb werden in gebiete im Südburgenland“ star-
regierung – naturnahe Flächen den sechs Gemeinden – Bildein, tete im Jänner 2020 und endet im
als etwas Besonderes, für die Neuberg, Olbendorf, Rauchwart, Dezember 2022.
jeweilige Gemeinde Wertvolles Unterwart und Wolfau – mit neu- Autor
hervorgehoben. en Gemeindeschutzgebieten Dr. Klaus MICHALEK
Dazu zählen Naturflächen, Info-Tafeln installiert, ein indivi- Naturschutzbund Burgenland
wie z. B. Feuchtbiotope, Streu- dueller Gemeinde-Folder erstellt, Joseph-Haydn-Gasse 11
obst- und naturnahe Mähwiesen, eine gemeinsame Broschüre und 7000 Eisenstadt
Trockenrasen, Kopfweiden- und ein Leporello (Faltbuch) für alle www.naturschutzbund-
Edelkastanienbestände. Für das elf Gemeindeschutzgebiete des burgenland.at
Überleben vieler Tierarten, wie
z. B. Vögel, Amphibien, Schmet-
terlinge, in der Kulturlandschaft ist
ein Netzwerk von Biotopen (Bio-
topverbundsystem und Trittstein-
biotope) unumgänglich.
Ziel des Projekts ist es, sol-
che Biotope als Ergänzung der
Landes-Naturschutzgebiete, die n Naturbankerl
einen strengen Schutzstatus auf- im Gemeinde-
weisen, mit der offiziellen Wid- schutzgebiet
mung als „Gemeindeschutz-ge- Rauchwart – mit
biet“ unter nachhaltigen Schutz Bgm.in Michaela
zu stellen und somit Naturraum zu Raber (sitzend,
erhalten, aber auch Flächen zur rechts)
Naherholung und für den Touris-
mus zu schaffen. So wird konkre-
ter Naturschutz in den Gemeinden
vor Ort gefördert.
15 N + UBioland Burgenland w Fachberatung und Produktent-
wicklung;
w Öffentlichkeitsarbeit und Konsu-
die Preise zusätzlich unter Druck mentInnen-Information.
bringen und den ökonomischen w Ökologisierungsstrategie für
Erfolg der Betriebe gefährden. die gesamte Landwirtschaft
Um die derzeit gegebene be- umsetzen:
triebswirtschaftliche Attraktivität w Maßnahmen und Projekte im Be-
im Bio-Ackerbau zukünftig auf- reich Biodiversität, Bodenschutz,
recht zu halten, bedarf es flan- Klimaschutz und Klimawandel-
kierender Maßnahmen zur Ent- anpassung;
wicklung des Bio-Markts sowie w verbindende Klammer zwischen
im Bereich Beratung und Bildung. biologischer und konventioneller
Der Burgenländische Landtag Ein vermehrter Einsatz von Bio- Landwirtschaft schaffen, Aus-
hat im Jahr 2018 die Einleitung produkten in der Außer-Haus- tausch ermöglichen.
einer umfassenden „Bio-Wende“ Verpflegung kann zusätzliche w Kooperationen entlang der Wert-
im Burgenland beschlossen. Diese Absatzmöglichkeiten eröffnen. schöpfungskette stärken:
umfasst neben der Ausweitung der Soll der Selbstversorgungs- w Kooperation zwischen landwirt-
biologischen Landwirtschaft auch grad mit regional produzierten, schaftlichen Betrieben stärken;
Ziele, die über die Landwirtschaft tierischen Bio-Lebensmitteln im w Bio-Verarbeitung ausbauen, Ko-
hinausgehen und das institutionel- Burgenland zukünftig gesteigert operation zwischen Biobetrieben
le Umfeld sowie die Lebensmittel- werden, braucht es zusätzliche und Verarbeitung stärken;
Wertschöpfungskette betreffen. Unterstützungsmaßnahmen in der w Bio-Absatzwege ausbauen, v. a.
Auf politischer Ebene wur- auch in Tourismus und in der
den für diesen Prozess hin zu Außer-Haus-Verpflegung;
einem „Bioland Burgenland“ w biologische und regionale
www.bio-austria.at
eine Reihe von Maßnahmen Produktion verknüpfen, regio-
von der Burgenländischen nale Wertschöpfung erhöhen,
Landesregierung formuliert Kooperationen in der Region
und teilweise bereits in Um- Die Biobäuerinnen stärken.
& Biobauern
setzung gebracht. Auf wis- w Durch das Bioland Burgen-
senschaftlicher Ebene wurde land Identität stiften und eine
das Forschungsinstitut für Bio-Vorreiterrolle einnehmen:
biologischen Landbau (FiBL) w Einbindung aller maßgeb-
beauftragt, die Entwicklung licher Akteurinnen und Akteure
hin zum „Bioland Burgenland“ von der landwirtschaftlichen
durch eine Machbarkeitsstu- Produktion über die Verarbei-
die und wissenschaftliche tung und Vermarktung bis zum
Umsetzungsbegleitung zu Konsum sowie Interessensver-
unterstützen. tretung und Politik;
w Positive Bilder transportieren,
w Ergebnisse, Empfehlungen
Bio, regional und sicher. motivieren.
© BIO AUSTRIA/David Faber
Die Erreichbarkeit des Ziels Die Machbarkeitsstudie
eines 50 % Bio-Flächenanteils Unbelastete, hochwertige Lebensmittel „Bioland Burgenland“ (175 Sei-
sichern das Wohlergehen unserer Kinder.
im Burgenland bis 2027 ist ten) kann unter folgendem Link
wahrscheinlich, wenn sich die heruntergeladen werden:
Wachstumsraten der letzten www.burgenland.at/
Jahre ähnlich fortsetzen. Das liegt landwirtschaftlichen Produktion, themen/agrar/
nicht zuletzt an der relativ guten um die betriebswirtschaftliche bioland-burgenland/
Einkommenssituation für Biobe- Attraktivität im Bereich der Bio- machbarkeitsstudie-
triebe – in Österreich und im Bur- Tierhaltung zu steigern. bioland-burgenland/
genland. Vergleichsweise hohe Um ein Bioland Burgenland
Premiumpreise für Ackerkulturen gelungen umzusetzen, sollten Ak- DI Ernst TRETTLER
bildeten in den letzten Jahren ver- tivitäten und Maßnahmen in ver- GF BIO AUSTRIA Burgenland
mutlich ein starkes Bio-Umstel- schiedenen Entwicklungsfeldern
lungsmotiv für Ackerbaubetriebe; gesetzt werden. Besonders her- BIO AUSTRIA Burgenland
allerdings fluktuieren nicht nur die vorzuheben sind folgende vorge- A-7350 Oberpullendorf, Hauptstr. 7
konventionellen, sondern auch die schlagene Maßnahmen: T +43 2612 43 642-0; F-40
Bio-Erzeugerpreise. Eine flächen- w Auf die bestehende Vielfalt in der burgenland@bio-austria.at
mäßige Ausdehnung des Bioland- landwirtschaftlichen Produktion www.bio-austria.at
baus und dadurch ein zunehmen- aufbauen und diese weiter aus-
des Angebot an Bio-Ware können bauen mit Hilfe von
N + U 16Sie können auch lesen