PREIS - DIE WIRTSCHAFT KÖLN

 
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PREIS - DIE WIRTSCHAFT KÖLN
WWW.DIEWIRTSCHAFT-KOELN.DE | AUSGABE 01.22

                                       DAS WIRTSCHAFTS-MAGAZIN FÜR KÖLN UND DIE REGION

                                                    EIN HOHER
                                                    PREIS
                                                     Wie umgehen mit der Inflation?

                                                                               KLASSISCHE PR
                                                                                 VS. ONLINE-
                                                                                 MARKETING
                                                                                              Experten diskutieren
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                                                                                DÄMPFER FÜR
                                                                                KONJUNKTUR
                                                                             Preissteigerungen bremsen Aufschwung
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Nähe zum Mandanten
Eine der besonderen Stärken der Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH ist die Nähe zu ihren
Mandanten. Unsere vor Ort in Köln tätigen Beraterinnen und Berater sind nicht nur mit den
Bedürfnissen der in der Region ansässigen Großunternehmen vertraut, sondern auch mit den
Erwartungen der inhabergeführten mittelständischen Unternehmen. Sprechen Sie uns an!

Ihr Ansprechpartner: Dr. Detlef Mäder
Telefon + 49 221 9937 25711, detlef.maeder@luther-lawfirm.com

              Bangkok, Berlin, Brüssel, Delhi-Gurugram, Düsseldorf, Essen, Frankfurt a. M.,
              Hamburg, Hannover, Jakarta, Köln, Kuala Lumpur, Leipzig, London, Luxemburg,
              München, Shanghai, Singapur, Stuttgart, Yangon

              Rechts- und Steuerberatung | www.luther-lawfirm.com
PREIS - DIE WIRTSCHAFT KÖLN
Vorwort |

LIEBE LESERINNEN
UND LESER,                                     des geselligen Zusammenseins nur unter
                                               2G+-Voraussetzungen.
                                               Lange Monate konnte mit Brot und Spielen          Unsere Zertifikats-
                                               nicht gedient werden. Der Einzelhandel
                                               dicht, die Kneipen geschlossen, Menschen          lehrgänge im Bereich
                                               unter Quarantäne und zahlreiche Geschäf-
                                               te, die ihre letzten finanziellen Reserven in     Außenwirtschaft, Zoll
                                               die Waagschale warfen, um am Ende doch
                                               Konkurs anmelden zu müssen. Auch weil             und Exportkontrolle
                                               zugesagte Leistungen – Thema Wahlge-
                                               schenke – ausblieben.
                                               Da kann es schon mal sein, dass die Psyche        Seminare, Webinare, Netzwerk-Ver-
der römische Dichter Juvenal hat im 1. Jahr-   einen abbekommt. Da wird der Gutwillige           anstaltungen sowie Inhouse und Bera-
hundert nach Christus mit seinen drei Wör-     zum Mutwilligen oder gar zum Wutwilligen,         tungsangebote – die Reguvis Akade-
tern „Panem et Circensis“ – also Brot und      sprich Querdenker oder auch zum sinnfrei-
                                                                                                 mie ist der Partner in jeder Phase Ihrer
Zirkusspiele – eine Aussage getroffen, die     en Spaziergänger. So wie wir Deutschen
                                               dem Covid-19-Virus am Anfang entschlos-           beruflichen Entwicklung. Gemeinsam
wohl aktueller denn je ist. Denn übersetzt
verbirgt sich hinter dem satirischen Spruch    sen Paroli geboten haben, so verzetteln           mit unseren Referent:innen garantieren
auch heute noch die Strategie politischer      wir uns heuer in Regulierungswut und              wir Ihnen exzellentes Know-how sowie
Machthaber, das Volk mit Wahlgeschenken        Bürokratie. Die volkswirtschaftlich völlig        aktuelle und versierte Lerninhalte.
und eindrucksvoll inszenierten Großereig-      überzogene schädigende Rücksicht auf ge-
nissen bzw. der Hinlenkung zum Konsum          wisse Pfründe macht sich ebenso bemerk-
von wirtschaftlichen oder politischen Reali-   bar wie der fehlende Weitblick eines nicht
täten, Zielen oder Problemen abzulenken.       existierenden Plans B und zeigt besonders
                                               deutlich das völlige Versagen der politisch
                                                                                                                        Zollfachwirt/ in
Im römisch geprägten Köln geht man in
                                               Verantwortlichen auf. Kurzarbeit und an-                                 (brav)®
Zeiten von „Pandemie et Circensis“ wie
immer seinen eigenen Weg. Zum Beispiel         satzweiser Ausgleich der Verluste der vielen
der Zugweg. Der führt diesmal nicht durch      betroffenen Branchen und Betriebe sind da-
                                               für nur ein schwacher Trost.                                             Exportkontroll-
die Innenstadt, sondern einmal durch das
Colosseum, äh RheinEnergieSTADION. In          Daher macht es angesichts der eher ende-                                 fachwirt/in
der 50.000 Zuschauer fassenden Arena           mischen Omikron-Variante absolut Sinn, in                                (brav)®
dürfen immerhin 8.800 Jecke dabei sein         Köln dem Karneval wieder mehr Freiräume
und Prinz, Bauer und Jungfrau zujubeln.        zu verschaffen. Ansonsten bekämen die
Inklusive Brot in Form einer leckeren Stadi-   Kölner Querdenker noch mehr Zulauf. Und                                  die Praxis
onwurst.                                       das wäre wirklich kontraproduktiv. 14 Tage                               des Zollrechts
Immerhin ein Fortschritt. Denn die Gladi-      nach Rosenmontag wissen wir, wer recht
atoren des 1. FC Köln haben in den vergan-     hatte: Lauterbach oder Kuckelkorn.
genen Wochen alles erlebt. Von der vollen      Titelthema Inflation. Zwei Prozent sind gut,                             AW NExT
Hütte gegen Mönchengladbach bis zum            fünf Prozent, wie sie derzeit rund um den                                Fernlehrgang
Spiel vor gänzlich leeren Rängen. Dem Fuß-     Globus herrschen, sind schlecht. Und sie
                                                                                                                        manager/in Zoll
ballfan erschließt sich in keinster Weise      trifft alle, egal ob arm, ob reich. Wobei reich
mehr, welche Regel wann gilt und wie an-       sich dabei weniger einen Kopf machen
gewendet wird. Und in gleichem Maße sind       muss, wenn er an der Tanke plötzlich fünf
die vielen weiteren Regelungen und Verbote     Euro mehr für eine Füllung zahlt. Sie trifft
in Zusammenhang mit Corona dem römi-           diejenigen zuerst und besonders hart, die
schen Kölner nur noch schwer vermittelbar.     sowieso nicht viel haben. Wobei wir wieder
Für die tollen Tage hat sich Köln – wie auch   beim „Panem“ wären. Der Staat oder die
viele weitere Kommunen – dazu entschlos-       Stadt sollten unbürokratisch die unterstüt-
sen, das Stadtgebiet als „Brauchtumszone“      zen, die eine Inflation nicht so leicht abfe-     Bleiben Sie up to date mit dem
auszuweisen. „Bereiche, in denen durch         dern können.
                                                                                                 Reguvis AKAdEmIE Newsletter:
das brauchtumsbedingte Zusammentreffen
                                               Herzlichst                                        www.reguvis.de/newsletter
einer Vielzahl von Menschen von erhöhten
Infektionsrisiken auszugehen ist“ (Stadt
Köln). Also keine Partymeilen, sondern
Zonen im öffentlichen Raum zum Zwecke                             Eugen Weis, Herausgeber        www.reguvis.de/akademie |
                                                                                                 veranstaltungen@reguvis.de |
www.diewirtschaft-koeln.de                                                                  3    Tel: 0221 -97668-8080
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HIGHLIGHTS DIESER AUSGABE

                                                                               Foto: photoschmidt - stock.adobe.com

                                                                                                                                                                                                Foto: RWE AG, Joerg Mettlach
                                                                                                                      AUFGABE: NEUE ARBEITSPLÄTZE
                                                                                                                                                                          12
                                                                                                                      Zukunftsagentur Rheinisches Revier
                                                                                                                      ...........................................................ab Seite 12

                                                                                                                                                                                                Foto: gandolf - stock.adobe.com
RASANTE PREISSTEIGERUNGEN
                                                           06                                                         KAMPF GEGEN KLIMAWANDEL
                                                                                                                                                                           14
Wie umgehen mit der Inflation?                                                                                        Was die Bundesregierung vorhat
...........................................................ab Seite 06                                                ........................................................... ab Seite 14

    IMPRESSUM
    Verlag und Herausgeber:                               Redaktionsleitung:                                                                    Fotos: stock.adobe.com, Alex Weis,
    Weis Wirtschaftsmedien GmbH                           Matthias Ehlert (ViSdP)                                                               Envato, sowie Kunden und privat
    Eugen Weis                                            Hahnenstr. 12, 50667 Köln
    Hahnenstr. 12, 50667 Köln                             redaktion@diewirtschaft-koeln.de                                                      Druck: Druckhaus DOC
    Telefon 0221.4743924                                                                                                                        Zeißstr. 23-27, 50171 Kerpen
                                                          Redaktion:
    info@diewirtschaft-koeln.de                                                                                                                 Telefon: 02237.9757011
                                                          Matthias Ehlert (me), Heribert Eiden (he),
    www.diewirtschaft-koeln.de
                                                          Monika Eiden (mei), Christian Esser (ce),
                                                                                                                                                Gestaltung / Layout:
    Objekt- und Anzeigenleitung:                          Jana Leckel (jl), Astrid Waligura (aw),
                                                          Eugen Weis (ew)                                                                       amannDESIGN
    Alex Weis
    Hahnenstr. 12, 50667 Köln                                                                                                                   Humboldtstr. 60, 51379 Leverkusen
                                                          Jahrgang: 7, Heft 1/2022
    Telefon: 0221.4743924                                                                                                                       Telefon 02171.7053860
    anzeigen@diewirtschaft-koeln.de                       Auflage: 17.000 Exemplare                                                             www.amanndesign.de
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    lungsort und Gerichtsstand ist Köln. Unser Verlag wird beraten und rechtlich vertreten durch: Rechtsanwälte Stiletto Wilhelm & Kollegen.

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                                                                                                             Inhalt |                                                                          Responsive-Design oder DSGVO
                                                                                                                                                                                                stehen Sie auf dem Schlauch?

                                                                                                                                                                                                  KEIN PROBLEM!

                                                     Foto: Cl audio Heinzmann

                                                                                                                                                           Foto: m.mphoto - stock.adobe.com
                                                                                                                                                                                                   STARTEN
                                                                                                                                                                                                   SIE MIT
                                                                                                                                                                                                   UNS DIGITAL
                                                                                                                                                                                                   DURCH!

PR VS. ONLINE-MARKETING
                               20                                                              KONJUNKTUR
                                                                                                                                 26
Experten diskutieren                                                                           Dämpfer für Betriebe
................................ ab Seite 20                                                   ................................ ab Seite 26

                                                                                               WEITERE THEMEN:                                                                                   SEARCH ENGINE
                                                     Foto: littlewolf1989 - stock.adobe.com

                                                                                               Neue Grundsteuer ....................... S. 22
                                                                                                                                                                                                OPTIMIZATION (SEO)
                                                                                               Handel hofft auf Hilfe .................. S. 24                                                  WEBSITE-BUILDING
                                                                                               Digitales Büro gestalten .............. S. 25
                                                                                               NRW Wirtschaft ........................... S. 32                                                     SOCIAL MEDIA
                                                                                               Käse aus dem Labor ..................... S. 42                                                        BETREUUNG
                                                                                               ... und vieles mehr ...
                                                                                                                                                                                                      MARKETING

FACHKRÄFTEMANGEL
                              34                                                                 IMMER
                                                                                                  UP TO
                                                                                                  DATE
                                                                                                                                                                                                DSGVO-BERATUNG
                                                                                                                                                                                                    E-COMMERCE
Ohne Migration geht nichts
                                                                                               www.diewirtschaft-koeln.de
                                                                                                                                                                                                  SEARCH ENGINE
................................ ab Seite 34                                                                                                                                                     MARKETING (SEM)
                                                                                                                                                                                                     MOBILE APPS
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November 2021. Namentlich gekennzeichnete Ar-
tikel geben nicht in jedem Falle die Meinung des
                                                                                              einzuscannen. Daraufhin werden Sie bequem di-
                                                                                              rekt zu dem jeweiligen Online-Angebot weiter-
                                                                                                                                                                                              Ob lokaler Dienstleister, KMU,
Herausgebers wieder. Für unverlangt eingesandte                                               geleitet. Auf unserem Internetangebot finden Sie                                                Start-up oder Großprojekt: Mit
Manuskripte und Fotos übernimmt   w                                                           bspw. weiterführende Infos oder können direkt
                                                                                                                                                                                              über 10 Jahren Erfahrung in der
keine Haftung. Für fehlerhafte oder unterbliebene                                             an Gewinnspielen teilnehmen. Dabei erheben wir
Angaben übernehmen wir keine Gewähr.
Bei Nichtlieferung ohne Verschulden des Verlages
                                                                                              Analysedaten für statistische Zwecke und zur Ver-
                                                                                              besserung unseres Angebots, die wir bspw. durch
                                                                                                                                                                                              digitalen Welt, helfen wir auch Ih-
oder infolge von Störungen des Arbeitsfriedens                                                anonymisiertes Tracking erfassen. Es werden da-                                                 nen beim erfolgreichen Auf- oder
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Es gelten unsere AGBs.                                                                        Dritte weitergegeben.
                                                                                                                                                                                              Ausbau Ihrer Online-Präsenzen.
Copyright/ Urheberrecht: Nachdruck und Ver-                                                   Weitere Informationen und die Möglichkeiten
vielfältigung, auch auszugsweise, nur mit schrift-                                            diese Datenerhebung zu unterbinden finden Sie
                                                                                              online in unserer Datenschutzerklärung unter:

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richtsstand ist Köln.                                                                         Haftung für etwaige Fehler oder Irrtümer und wir
                                                                                              weisen daraufhin, dass allein die jeweiligen Seiten-
                                                                                                                                                                                                   CityNEWS Verlag
Datenschutz/Disclaimer: Sie finden in unse-
rer Print-Ausgabe an verschiedenen Stellen soge-
                                                                                              betreiber für die Inhalte verantwortlich sind.
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                                                                                                                                                                                                Tel.: 0221 - 47 43 923
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    Über Jahre hinweg war die Inflation kein großes Thema, doch nun steigen seit Monaten die Preise rasant

EIN HOHER PREIS
Wie umgehen mit der aktuellen Inflation?

    Die Inflationsrate in Deutschland ist so hoch wie seit etwa 30 Jahren nicht. Nicht nur               sich dagegen recht deutlich und bei Indus-
    hierzulande müssen Verbraucher und Unternehmen für dieselben Produkte immer                          triegütern ohne Energie blieb der Preis-
    tiefer in die Tasche greifen, besonders Energie und Treibstoff sind derzeit besonders                druck, von Bekleidung abgesehen, hoch“,
    teuer. Das Problem belastet die gesamte Weltwirtschaft. Die Frage: Ist das nur ein                   schreibt die Bundesbank in ihrem Monats-
    vorübergehendes Phänomen oder bleibt es bei diesem Trend oder wird es sogar noch                     bericht. Die Inflationsrate sank gegenüber
    schlimmer?                                                                                           dem Vorjahr von insgesamt 6,0 Prozent auf
                                                                                                         5,7 Prozent, liegt aber dennoch weiterhin
Über Jahre hinweg war die Inflation kein             preisen. Seit einigen Monaten reißt man an          auf einem hohen Niveau. Für das Gesamt-
großes Thema und musste es auch nicht                den Tankstellen die Augen auf, weil man             jahr 2021 gibt der HVPI eine überdurch-
sein. Die Preissteigerungen in den vergan-           kaum glauben mag, wie teuer Benzin, Die-            schnittlich hohe Preissteigerung an. Nach
genen Jahren waren moderat, gleichzeitig             sel und Co. sind. Wer aktuell seinen Heizöl-        0,4 Prozent im Jahr 2020 sei die HVPI-Ra-
stiegen die Löhne. In der Coronapandemie             tank auffüllen lassen muss, braucht eben-           te im Jahr 2021 auf 3,2 Prozent gestiegen.
profitierten Verbraucher zudem von zwi-              falls starke Nerven. Doch gab es bei den            Als Gründe gibt die Bundesbank Sonde-
schenzeitlich verringerten Mehrwertsteu-             Energiepreisen zum Jahresende 2021 nicht            reffekte wie die Einführung des Klimapa-
ersätzen, die den Konsum ankurbeln soll-             mehr allzu hohe Sprünge, wie die Bundes-            kets, die Erholung der Rohölpreise und die
ten. Auch medial wurde das Thema fast gar            bank mitteilt. Die Inflationsrate verharrt          Rücknahme der zwischenzeitlichen Mehr-
nicht wahrgenommen. Gründe dafür gab                 dennoch weiterhin auf sehr hohem Niveau.            wertsteuersätze an. Aufgrund von Liefer-
es nicht. Diese Entwicklung hat sich nicht           Im Dezember seien die Verbraucherprei-              engpässen und daraus resultierenden Prei-
weiter fortgesetzt, im Gegenteil. Schon vor          se im Vergleich zum November 2021 nur               sanpassungen zur Kompensation haben
einigen Monaten wurde beispielsweise                 noch etwas angestiegen, wie der harmoni-            sich Dienstleistungen und Industriegüter
Brot deutlich teurer. Bei der Ernte von Wei-         sierte Verbraucherpreisindex (HVPI) zeigt.          ohne Energie merklich verteuert. „Da diese
zen gab es Probleme in zahlreichen Regio-            „Die Energiepreise gaben infolge der fal-           Faktoren auch ins neue Jahr hineinwirken,
nen durch Ausfälle. Toastbrot, Nudeln und            lenden Rohölnotierung erstmals seit eini-           dürfte die Rate zu Jahresbeginn 2022 wei-
Co. kosten einige Cents mehr pro Packung,            gen Monaten spürbar nach“, berichtet die            ter außerordentlich hoch bleiben, obwohl
eine spürbare Auswirkung im Geldbeutel               Bundesbank. Der Preisanstieg bei Dienst-            die oben genannten Sondereffekte entfal-
hat dies aber nicht unbedingt zur Folge.             leistungen habe sich ebenfalls etwas ab-            len. Hinzu kommt, dass aufgrund der er-
Anders ist dies insbesondere bei Energie-            geschwächt. „Nahrungsmittel verteuerten             heblich angestiegenen Marktnotierung für

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Erdgas die entsprechenden Endkundenta-          stärker spüren. Gleichzeitig reduzierte die      die Inflation anheizen würde. Je nachdem,
rife kräftig angehoben werden“, so die Ein-     Bundesregierung die Erwartungen für das          wie hoch diese ausfallen, wäre der Effekt
schätzung der Fachleute.                        Wirtschaftswachstum zuletzt. Kein Wun-           des höheren Arbeitslohns, auch wenn der
                                                der, denn durch die hohe Inflation sinkt         Sprung von knapp unter zehn auf zwölf Eu-
      Weltwirtschaft von                        gleichzeitig die Kaufkraft. Das wird insbe-      ro massiv wäre, womöglich schnell wieder
                                                sondere die Betriebe treffen, die durch die      verpufft. Die Gefahr, dass sich Kaufprei-
      Inflation betroffen                       Coronapandemie starke Einbußen hinneh-           se und Löhne immer weiter in die Höhe
                                                men mussten und darauf hoffen, dass sich         schaukeln, ist gegeben.
Das Inflationsproblem betrifft nicht nur        nach der Omikron-Welle und anschließen-          Ein wichtiger Faktor, um auch mit Infla-
Deutschland, sondern den gesamten Eu-           den Lockerungen wieder mehr Kunden für           tionsraten über zwei Prozent dauerhaft
roraum und auch jenseits des Atlantiks          ihre Dienstleistungen und Produkte inter-        klarzukommen, liegt in einer wachsenden
in den USA zogen die Verbraucherpreise          essieren und sie kaufen werden. Fragt sich       Wirtschaft und steigenden Löhnen. Doch
deutlich an. Über Monate hinweg haben           nur, ob sie es sich dann noch leisten kön-       ob das auch wirklich wie erhofft eintritt,
die US-Notenbank FED und die Europäi-           nen und wollen oder weitere Investitionen        ist fraglich. Sogar das Gegenteil erscheint
sche Zentralbank EZB dem Treiben zuge-          lieber aufschieben.                              möglich, wenn an falschen politischen
sehen. Doch nun wird der Druck größer zu                                                         Stellschrauben gedreht wird. Im Interview
handeln. Die FED will handeln, damit die                                                         mit der „Welt“ sieht Michael Hüther, Chef
Inflation kein dauerhaftes Problem in den        Mindestlohn von 12 Euro                         des IW Köln, sogar die Möglichkeit einer
USA wird. Sowohl FED als auch EZB haben               eine Lösung?                               Stagflation: „Die steigenden Preise, die wir
in den vergangenen Monaten dabei zuge-                                                           im Moment erleben, sind immer noch Fol-
sehen, wie sich Preise teils massiv erhöht      Da klingt es für viele Menschen, gerade mit      gen der Pandemie und der Probleme in den
haben, und haben die Lage als vorüberge-        geringem Einkommen, gut, dass die Bun-           Lieferketten. Hinzu kommen politische Ef-
hende Lage beschrieben. Gründe für die-         desregierung eine drastische Anhebung            fekte, die Öl- und Gaspreise steigen lassen,
se Haltung gibt es genügend, denn durch         des Mindestlohns schon ab Oktober 2022           und natürlich auch klimapolitische Maß-
die Coronapandemie gab es Sondereffek-          plant. Aktuell liegt dieser bei 9,82 Euro        nahmen. Der steigende CO2-Preis schlägt
te durch Lockdowns, gestörte Lieferket-         pro Stunde. Mit einem Mindestlohn von            auch auf die Inflation durch. Das ist der
ten, Öffnungen, neue Lockdowns und was          12 Euro würde ein grundlegendes Wahl-            Moment. Über den Tag hinaus kann daraus
sonst noch alles aus dem Takt geraten ist.      versprechen umgesetzt werden. Doch ist           etwas Besorgniserregendes entstehen. Eu-
Nachdem man nun lange das Treiben beob-         fraglich, ob diese Mindestlohnerhöhung           ropa droht eine Stagflation, wenn die Poli-
achtet hat, ist insbesondere die FED jetzt in   nicht auch drastische Auswirkungen auf           tik nicht aufpasst. Ich rede hier nicht über
der Situation, handeln zu müssen. Dreimal       die Preise haben wird. Werden Arbeitneh-         dieses oder kommendes Jahr, sondern weit
will man in diesem Jahr die Zinsen min-         mer teuer für Unternehmen, werden diese          in das Jahrzehnt hinein, das vor uns liegt.
destens anheben, bei Bedarf sogar noch          auch die Mehrkosten wieder erwirtschaf-          Eine längere Phase der Stagflation ist eine
häufiger. Wertpapierkäufe sollen erst mal       ten müssen und der einfachste Weg, dies          reale Gefahr.“W
bis Ende März vollständig heruntergefah-        zu tun, ist, die Preise für Dienstleistungen
ren werden. Das wird man auf den gesam-         und Produkte zu erhöhen, was wiederum                                        Christian Esser
ten Weltmärkten spüren.
Und die EZB? Dort hält man sich noch rela-

                                                                                                                                          Foto: photoschmidt - stock.adobe.com | Illustration: Maksim - stock.adobe.com
tiv bedeckt und glaubt, dass sich die Prob-
lemlage schon wieder lösen wird. Doch die
Zukunftsprognosen, muss selbst EZB-Che-
fin Christine Lagarde einräumen, sind
von vielen Unsicherheiten geprägt. Zin-
serhöhungen sind nicht in Planung, selbst
Strafgebühren, die die Geschäftsbanken
auf Einlagen zahlen müssen, bleiben be-
stehen. Einzig bei den Wertpapierkäufen
will man das Tempo drosseln, aber anders
als die FED nicht vollständig stoppen. Im
gesamten Euroraum sind die Verbraucher-
preise im Durchschnitt um mehr als fünf
Prozent nach oben geschnellt, in Frank-
reich etwas weniger, in anderen Staaten
hingegen etwas stärker. Für Deutschland
erwartet die Bundesregierung für das Jahr
2022 noch einmal eine hohe Inflation in
Höhe von 3,3 Prozent, wie im aktuellen
Jahreswirtschaftsbericht      prognostiziert
wird. Das würde damit das 2-Prozent-Ziel
der EZB noch einmal deutlich überstei-
gen. Die Verbraucher dürften die erhöhten        Bei einer Stagflation wird die Lage brenzlig
Verbraucherpreise noch einmal deutlich

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    Alles wird teurer - das Portemonnaie leer. Nun drohen auch Lebensmittel massiv teurer zu werden.

SOZIALER SPRENGSTOFF
INFLATION?
Bund beschließt Einmalzahlung für Wohngeldberechtigte

    Die Inflation trifft diejenigen zuerst und besonders hart, die sowieso nicht viel ha-              und Nahrungsmittel. Kraft- und Schmier-
    ben. Wer sowieso schon spart und jeden Euro mehrfach umdreht, kommt so schnell                     stoffe führten bei einem Paarhaushalt mit
    an die Grenzen des Machbaren. Einfach die Heizung abzudrehen, abends im Dunkeln                    zwei Kindern und mittlerem Einkommen
    zu sitzen oder auf Brot und Milch zu verzichten, darf keine Option sein. Muss der                  zu einer Teuerungsrate von 1,3 Prozent.
    Staat handeln?                                                                                     Bei einer alleinlebenden Person mit gerin-
                                                                                                       gem Einkommen lag die Teuerungsrate im
Ungewöhnlich deutlich sind die Verbrau-              Haushalte mit geringem Einkommen pro-             konkreten Beispiel bei nur 0,4 Prozent. Ge-
cherpreise in Deutschland angestiegen,               zentual eher weniger von der aktuellen            rade die verwendeten Energieträger sowie
im Dezember 2021 um über fünf Prozent,               Teuerungsrate betroffen. Die damit einher-        die benutzten Verkehrsmittel wirken sich
so stark wie seit Juni 1992 nicht mehr.              gehenden Problemstellungen ergeben sich           anhand des Beispiels „Paarhaushalt mit
Durch Sondereffekte war die Inflation im             aber erst auf den zweiten Blick. Denn die-        mittlerem Einkommen“ in unterschiedli-
ersten Pandemiejahr 2020 rückläufig und              sen Haushalten fehlen finanzielle Rück-           cher Art und Weise aus: Wird der Haushalt
lag bei -0,3 Prozent. Sondereffekte wirk-            lagen, um die großen Preisanstiege für
                                                                                                       mit Gas beheizt und werden öffentliche
ten sowohl 2020 als auch 2021. Eine Stu-             Energie, Heizung und Nahrungsmittel ab-
                                                                                                       Verkehrsmittel benutzt, liegt die Inflati-
die des Instituts für Makroökonomie und              zufedern. Der Bund will besonders Haus-
                                                                                                       onsrate in diesem Fall bei 3,8 Prozent im
                                                     halte, die Wohngeld beziehen, nun einmal
Konjunkturforschung IMK) der Hans-Böck-                                                                Vergleich zu 5,5 Prozent für einen reprä-
                                                     entlasten.
ler-Stiftung untersucht, wer vom aktuel-                                                               sentativen Haushalt derselben Gruppe. Die
len Inflationsgeschehen besonders stark                                                                Spanne der berechneten haushaltsspezifi-
betroffen ist. Die Berechnungen des Insti-                   Strom und Heizöl                          schen Inflationsraten im Dezember 2021
tuts zeigen, dass sich die Inflationsbelas-                  besonders teuer                           liegt zwischen 4,4 und 5,5 Prozent. Beson-
tung unterschiedlich auf unterschiedliche                                                              ders gering wirkte sich die Inflationsrate
Haushaltstypen und Einkommenshöhen                   Große Unterschiede ergeben sich aufgrund          für eine alleinstehende Person mit einem
auswirkt. Die Ergebnisse zeigen: Zwar sind           der Bereiche Verkehr, Haushaltsenergie            Nettoeinkommen von unter 900 Euro aus.

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Hier lag die Teuerungsrate bei 2,6 Prozent,     le-Haushalte mit geringem Einkommen             teriums einen einmaligen Zuschlag für
der niedrigste Wert bei den Untersuchun-        nicht noch deutlicher auswirkt, begründet       Energiekosten erhalten. Ein Single-Haus-
gen. Ein repräsentativer Paarhaushalt mit       die Studie damit, dass sich diese Menschen      halt soll 135 Euro erhalten, ein Zwei-Per-
zwei Kindern mit einem geringen und ei-         andere Waren und Dienstleistungen, die          sonen-Haushalt, der Wohngeld bezieht,
nem mittleren Einkommen verzeichnete            starke Preisanstiege zeigen, sowieso nicht      soll einen Zuschuss von 175 Euro erhalten.
eine Inflationsrate von 3,3 Prozent im un-      leisten können. Darunter fallen Ausgaben        Mit jeder weiteren Person, die im Haushalt
tersuchten Zeitraum. Aufgrund der Aktua-        für Benzin oder andere Ausgaben rund um         lebt, soll der Zuschuss um jeweils 35 Euro
lität und der Problemstellung der Inflation     das Thema Auto oder Reisen.                     steigen. Der Bund will für den einmaligen
in Deutschland will das Institut die Erhe-      Für Paarhaushalte mit zwei Kindern und          Zuschuss Mittel in Höhe von 130 Millionen
bungen zur Teuerungsrate für Haushalte          jeweils niedrigen Einkommen entstand            Euro zur Verfügung stellen. Rund 710.000
künftig monatlich untersuchen. Insgesamt        eine Teuerungsrate von 5,3 Prozent. Ge-         Haushalte, die Wohngeld zwischen Okto-
wurden acht unterschiedliche, repräsen-         stiegene Preise für Lebensmittel, höhere        ber 2021 und März 2022 bezogen haben,
tative Haushaltstypen untersucht: Paar-         Strom- und Heizkosten belasten die Men-         sollen diesen einmaligen Zuschuss erhal-
haushalte mit zwei Kindern und niedrigem        schen massiv, für diese Gruppe sind zu-         ten. Dieser soll möglichst noch im ersten
(2000–2600 Euro), mittlerem (3600–              dem die deutlich höheren Kraftstoffpreise       Halbjahr 2022 ausgezahlt werden, damit
5000 Euro), höherem (mehr als 5000 Euro)        von hoher Relevanz. Alleinstehende ohne         er rechtzeitig vor den Nebenkostenabrech-
monatlichem Haushaltsnettoeinkommen;            Kinder mit sehr hohen Einkommen haben           nungen bei den Leistungsberechtigten an-
Singlehaushalte mit niedrigem (unter 900        eine Mehrbelastung von 4,7 Prozent im De-       kommt.
Euro), mittlerem (1500–2000 Euro), höhe-        zember erfahren müssen.                         Zum 1. Juni sollen die Hilfsgelder ausge-
rem (2000–2600 Euro) und hohem (mehr                                                            zahlt werden. Zudem will der Bund Mieter
als 5000 Euro) Haushaltsnettoeinkom-                 Zuschüsse gefordert                        entlasten, indem der CO2-Preis zwischen
men sowie Paarhaushalte ohne Kinder mit                                                         Mietern und Vermietern aufgeteilt wird.
mittlerem Haushaltsnettoeinkommen zwi-          Besonders hoch ist die Belastung für Paar-      Aktuell zahlt diesen nur der Mieter über
schen 3600 und 5000 Euro monatlich.             haushalte mit mittlerem Einkommen, ins-         die Nebenkostenabrechnung.
                                                besondere wenn sie mit Heizöl heizen und        Außerdem will der Bund Stromkunden
                                                mit einem Auto mit Verbrennungsmotor            bei der EEG-Umlage entlasten. „Wir haben
 Haushalte unterschiedlich                      unterwegs sind. Bei dieser Kombination          sehr stark steigende Energiepreise. Das
      stark belastet                            beläuft sich die Inflationsrate auf 5,9 Pro-    belastet die Familien, belastet die Men-
                                                zent. Heizt ein vergleichbarer Haushalt         schen, belastet auch die Wirtschaft“, sagte
„In den vergangenen Monaten ist die Infla-      mit Gas anstelle von Heizöl, liegt die Teu-     Bundesfinanzminister Christian Lindner
tion hochgeschnellt. Viele aktuell preist-      erungsrate bei 5,2 Prozent. Verzichtet das      „RTL“. „Wir können reagieren. Wir können
reibende Faktoren beruhen dabei auf co-         Paar zudem auf ein Auto und fährt mit öf-       schnellstmöglich, spätestens bis zur Jah-
ronabedingten Sondereffekten, wie auch          fentlichen Verkehrsmitteln, liegt die Mehr-     resmitte, auf die EEG-Umlage verzichten.
die Preisentwicklung für das Jahr 2021 ins-     belastung bei 3,8 Prozent. Tober fordert        Die verteuert den Strompreis. Man kann
gesamt zeigt, die mit 3,1 Prozent deutlich      die Politik auf, die weitere Entwicklung        davon ausgehen, dass etwa 1,1 Milliarden
niedriger ist als die Monatszahlen zum Jah-     der Inflation genau zu beobachten und           Euro jeden Monat gezahlt werden von den
resende. Wir rechnen damit, dass sich die       möglicherweise über Hilfen für Haushalte        Menschen für die erneuerbaren Energien.
Inflation im laufenden Jahr wieder spürbar      mit niedrigen Einkommen nachzudenken:           Das brauchen wir nicht mehr, das wollen
abschwächt. Trotzdem belastet die Teue-                                                         wir mit den Mitteln des Bundes den Men-
rung die Haushalte in Deutschland. Und
                                                „Gerade für Menschen mit geringem Ein-
                                                kommen stellen die aktuell hohen Energie-       schen abnehmen.“   W
grundsätzlich haben Haushalte mit niedri-       preise eine große Belastung dar. Das gilt
gem Einkommen ein besonderes Problem,           selbst für Menschen in der Hartz-IV-Grund-                                  Christian Esser
weil sie vor allem unverzichtbare Alltags-      sicherung, da hier zwar die üblichen Heiz-
güter kaufen und kaum Spielräume besit-         kosten, nicht aber die Stromkosten vom
zen, ihr Konsumniveau durch Rückgriff           Staat übernommen werden“, so Tober. „Ein
auf Erspartes aufrechtzuerhalten“, sagt Dr.     Zuschuss für Geringverdienende, ins-
Silke Tober, die den monatlichen IMK Mo-        besondere jene mit Kindern, ist da-
nitor konzipiert. „Grob zusammengefasst         her in der aktuellen Situation eine
lässt sich schlussfolgern, dass die Inflation   sinnvolle verteilungspolitische
gegenwärtig nicht überproportional Haus-        Maßnahme.“
halte mit geringeren Einkommen trifft“, so
Tober. Die vergleichsweise niedrige Teue-            Wohngeld-
rungsrate bei Single-Haushalten mit gerin-
gem Einkommen erweise sich allerdings
                                                     berechtigte
als zweischneidig – dies gehe über das Pro-          hoffen auf
                                                                                                                                                          F o t o:

blem fehlender Rücklagen hinaus. Auf die-             Zuschuss
                                                                                                                                                         jan v

se Haushaltstypen wirkt sich vor allem der
                                                                                                                                                     ier

erhebliche Preisanstieg bei Lebensmitteln
                                                                                                                                                   - st

                                                Tobers Forderungen nach ei-
                                                                                                                                                  oc

und Haushaltsenergie aus. Das Problem ist       nem Zuschuss für Geringverdie-
                                                                                                                                              .a     k
                                                                                                                                              do

deshalb besonders groß, weil bei beiden Be-     ner findet in Berlin fruchtbaren
                                                                                                                                              b

                                                                                                                                         e.
                                                                                                                                    co
                                                                                                                                m
reichen kaum weitere Einschnitte möglich        Boden. Bezieher von Wohngeld sol-
sind. Dass sich die Teuerungsrate für Sing-     len laut Plänen des Bundesbauminis-

www.diewirtschaft-koeln.de                                                                                                                           9
PREIS - DIE WIRTSCHAFT KÖLN
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                                                                                                                                  Foto: abcmedia - stock.adobe.com | Illustration: Maksim - stock.adobe.com
 Strom- und Gaskunden müssen immer höhere Energiepreise hinnehmen

ENERGIEVERSORGER
IN DER PFLICHT
Bund will Rechte von Stromkunden stärken

  Manch ein Verbraucher hat in der letzten Zeit böse Überraschungen erlebt, als plötz-     hielten Abmahnungen. Zugleich wurde
  lich Strom- und Gaspreise unkalkulierbar in die Höhe schossen. Denn viele sahen          die Energiekartellbehörde NRW zum Han-
  sich plötzlichen Kündigungen ihrer Versorger gegenüber, die unter den hohen Han-         deln aufgefordert. „Bei allem Verständnis
  delspreisen für Strom plötzlich einknickten und Verbraucher aus ihren Verträgen          für die nicht ganz einfache Situation der
  hinauskickten.                                                                           Grundversorger – so geht es nicht. Die Be-
                                                                                           nachteiligung von Verbraucher:innen, die
Da freut man sich, dass man einen schein-     Betroffene sind ob der schlagartigen Erhö-   ohne eigenes Verschulden in die Grund-
bar so günstigen Stromtarif bei einem Bil-    hung ihrer Gas- und Stromkosten verzwei-     versorgung zurückfallen, ist rechtswid-
liganbieter ergattern konnte, und plötzlich   felt, insbesondere Haushalte mit geringem    rig und widerspricht dem eigentlichen
kommt das böse Erwachen. Tausende Ver-        Einkommen wissen kaum noch, wie sie die      Schutzzweck der Grundversorgung“, sagt
träge wurden gekündigt. Die Folge für die     hohen Rechnungen bezahlen können.            Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Ver-
Verbraucher ist, dass sie in die sogenann-                                                 braucherzentrale NRW. „Wir werden da-
te Ersatzversorgung regionaler Stroman-                                                    her mit allen juristischen Mitteln gegen
bieter rutschten und sich mit viel höheren
                                               Verbraucherschützer ver-                    diese Benachteiligung vorgehen, die nur
Kosten konfrontiert sahen. Die neuen, un-       schicken Abmahnungen                       auf Grundlage eines willkürlich festge-
verhofften Kunden wurden zur Kasse ge-                                                     legten Stichtags erfolgt.“ Die RheinEner-
beten, die Kosten für Energie lagen teil-     Verbraucherschützer und Verbände wie         gie weist das Unterlassungsbegehren der
weise um ein Vielfaches über denen, die       die Verbraucherzentrale NRW gehen mitt-      Verbraucherzentrale NRW zurück und ist
Bestandskunden entrichten müssen. Nach        lerweile juristisch gegen die Aufspaltung    überzeugt davon, dass die Preisspreizung
drei Monaten erfolgt der Wechsel in die       von Strom- und Gaspreisen zwischen Neu-      für Neukunden rechtmäßig ist. „Unser
sogenannte Grundversorgung, sofern die        und Bestandskunden vor. Die Stadtwerke       Verhalten ist kundenfreundlich, weil wir
Kunden nicht vorher einen neuen Anbieter      Gütersloh, die Wuppertaler WSW Energie       in einer besonderen Situation die zusätz-
und Tarif gefunden haben. Immer mehr          & Wasser AG sowie die RheinEnergie er-       lichen Kosten für eine nicht planbare zu-

10                                                                                                        www.diewirtschaft-koeln.de
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sätzliche Energiebeschaffung dort zugeord-    diese Unternehmen in Zeiten niedriger               ne gibt es vom Bundesverband der Ener-
net haben, wo sie entstanden sind – durch     Einkaufspreise hohe Gewinne erzielen und            gie- und Wasserwirtschaft (BDEW). „Eine
Weitergabe dieser zusätzlichen Kosten an      einstreichen, lassen sie beim ersten Anzei-         längere Frist zur Anzeige der Geschäftsauf-
die neuen grundversorgten Kunden“, sagt       chen eines schwieriger werdenden Mark-              gabe gibt Verbraucherinnen und Verbrau-
RheinEnergie-Vertriebsvorstand      Achim     tes die Kunden im Stich und verlagern ihr           chern Zeit, sich um eine alternative Strom-
Südmeier. Daher bestehe für den regiona-      betriebswirtschaftliches Risiko so auf die          oder Gasversorgung zu kümmern, und
len Versorger kein Grund, eine Unterlas-      Grundversorger und die Allgemeinheit.               schafft Transparenz. Damit werden Situati-
sungserklärung gegenüber der Verbrau-         Das verlangt nach neuen rechtlichen Rege-           onen vermieden, wie wir sie in den letzten
cherzentrale NRW abzugeben.                   lungen.“                                            Wochen gesehen haben: Hunderttausende
                                              Für diese Regelungen ist der Gesetzgeber            Kundinnen und Kunden fallen unerwar-
      Strompreise gehen                       verantwortlich. Dort sieht man ebenfalls
                                                                                                  tet in die Ersatzversorgung, weil unseriö-
                                              Handlungsbedarf. Die Bundesregierung
        durch die Decke                       plant daher eine Änderung des Energie-
                                                                                                  se Unternehmen einfach die Versorgung
                                                                                                  eingestellt haben“, sagt Kerstin Andreae,
                                              wirtschaftsgesetzes. Dadurch sollen kurz-
Grundlegend steht die Branche der Ener-                                                           Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsfüh-
                                              fristige Kündigungen von Strom- und Gas-
gieversorger derzeit unter einem enormen                                                          rung. Privatkunden sind derzeit auf breiter
                                              verträgen durch Energie-Discounter und
Druck. Laut RheinEnergie seien die Bör-                                                           Front von höheren Energiekosten betrof-
                                              Preissprünge verhindert werden. Pläne der
senpreise für Energie teils um mehr als       Regierung sehen vor, dass eine Kündigung            fen. Dies zeigen Untersuchungen des Ver-
400 Prozent angestiegen. Dadurch, dass        künftig mehrere Monate im Voraus ange-              gleichsportals Check24. Laut der Erhebung
Billiganbieter ihre Kunden teils ohne jede    kündigt werden muss, damit Verbraucher              gibt es immer häufiger Preiserhöhungen
Vorwarnung plötzlich nicht mehr beliefert     die Möglichkeit haben, in der Zwischenzeit          bei der Grundversorgung. Seit August 2021
haben und Verträge einseitig kündigten,       einen neuen Anbieter zu finden. Zudem               hat das Portal über 2.000 Preiserhöhun-
mussten die regionalen Energieversorger       sind einheitliche Tarife in der Grundver-           gen bei Strom- und Gasgrundversorgung
den Mehrbedarf auf den Strombörsen zu                                                             ermittelt. 769 davon betreffen Neukunden-
                                                                                                                                  W
                                              sorgung im Gespräch, um Neukunden nicht
entsprechenden Höchstpreisen nachkau-         in die Situation zu bringen, ein Vielfaches         tarife in der Grundversorgung.
fen. Daher erklärt sich auch der rasante      der Kosten im Vergleich zu Bestandskun-
Preisanstieg für die Neukunden, zudem         den aufbringen zu müssen. Lob für die Plä-                                      Christian Esser
seien sie nur für wenige Tage von den ho-
hen Grundversorgungspreisen betroffen

                                                                                                                                          Foto: Mitch Shark - stock.adobe.com
gewesen. Für den weiteren Jahresverlauf
rechnet die RheinEnergie mit einer weite-
ren Konsolidierung der Preise. „Deswegen
ist uns auch nicht klar, warum die Verbrau-
cherzentrale NRW sich neben zwei anderen
ausgerechnet unser Unternehmen für eine
Abmahnung ausgesucht hat“, so Südmeier.
Es müsse stattdessen ein Umdenken eini-
ger Anbieter am Markt geben. „Es ist an der
Zeit, sich mit dem Marktverhalten einzel-
ner Energie-Discounter kritisch auseinan-       Es wird nach Wegen gesucht, um der Inflation den Stecker zu ziehen
derzusetzen“, mahnt Südmeier. „Während

          Großartige Perspektiven.
                                                            Empfehlung im Jahrbuch
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  Das Braunkohlekraftwerk Weisweiler bei Eschweiler im Rheinischen Revier

NEUE ARBEITSPLÄTZE FÜR
DAS RHEINISCHE REVIER
Mit dem bevorstehenden Kohleausstieg droht vielen derzeit noch Angestellten die Arbeitslosigkeit.
Die Zukunftsagentur Rheinisches Revier will dies verhindern.

  Der Kohleausstieg rückt immer näher. Seit der Ampelkoalition könnte er sogar schon            Bestes, um möglichst wenig Menschen in
  2030 statt 2038 stattfinden. Was für Umweltfreunde vielerorts für ein erleichter-             die Arbeitslosigkeit zu schicken: „RWE wird
  tes Aufatmen sorgt, besorgt die Angestellten in den betroffenen Regionen. Allein im           diese Beschäftigten auch im Zuge des Koh-
  Rheinischen Revier arbeiten viele Tausend Menschen in der Förderung und Verstro-              leausstiegs nicht ins Bergfreie fallen lassen.
  mung von Braunkohle.                                                                          Mithilfe des staatlichen Anpassungsgel-
                                                                                                des ist ein sozialverträglicher Personalab-
Der Braunkohleausstieg ist seit Jahren ein       tigte sind direkt betroffen. Doch was vielen   bau für die Kolleginnen und Kollegen ab 58
umstrittenes Thema in der Bundespolitik.         nicht bewusst ist: An jedem direkt betroffe-   möglich. Das muss auch unter den Vorzei-
Während es Umweltschützern nicht schnell         nen Arbeitsplatz hängen etwa zwei weitere      chen des beabsichtigten vorgezogenen Koh-
genug gehen kann, bangen Angestellte die-        Arbeitsplätze von Zulieferbetrieben, wie et-   leausstiegs so sein. Die Arbeitsplätze sind
ser Industrie um ihren Job und haben Zu-         wa Anlagenbauern, Anstreichern, Zeltver-       jedoch für die Region weitgehend verloren.
kunftsängste. In Deutschland gibt es vier        leihern, Zimmervermietern oder von Zeitar-     Den Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt
Regionen, in denen aktuell noch Braunkoh-        beitsfirmen, sodass noch einmal ca. 15.000     auch regional verträglich zu gestalten, steht
le abgebaut wird: das Helmstedter Revier,        weitere Menschen betroffen sind. Ebenfalls     auf einem anderen Blatt“, so Guido Steffen,
das Mitteldeutsche Revier, das Lausitzer Re-     gefährdet sind etwa 50.000 Beschäftig-         Pressesprecher der RWE Power AG. Neben
vier sowie das Rheinische Revier. Das Rhei-      te aus energieintensiven Industrien, also      dem von der Bundesregierung bereits 2018
nische Braunkohlerevier befindet sich im         Branchen, die mit Baustoffen wie Chemie,       beschlossenen Anpassungsgeld, das bis zu
Städtedreieck Aachen, Köln und Mönchen-          Glas, Papier oder Stahl arbeiten.              fünf Jahre ausgezahlt wird und so einen frü-
gladbach und umfasst die drei Tagebaue           Den ersten 3.000 Angestellten dieser Bran-     heren Einstieg ins Rentenalter ermöglicht,
in Garzweiler, Hambach und Inden. Ins-           chen könnte schon 2023 die Arbeitslosigkeit    ist RWE bemüht, jüngeren Angestellten Jobs
gesamt fallen sechs Kreise, bestehend aus        drohen, bis Ende 2030 kämen weitere 3.000      in konzerninternen Bereichen der erneuer-
65 Städten und Gemeinden mit ca. 2,4 Mil-        hinzu – ausgehend von dem ursprünglich         baren Energie zu vermitteln. Und auch RWE
lionen Menschen, in dieses Gebiet. Das im        geplanten Kohleausstieg 2038. Der Haupt-       Power unterstützt den Strukturwandel da-
Südwesten NRWs gelegene Revier ist somit         arbeitgeber von Angestellten der Braun-        hin gehend, dass die Tochtergesellschaft
das größte Braunkohlerevier in ganz Euro-        kohleindustrie, RWE, bereitet sich auf die     unter anderem Flächen für Gewerbe sowie
pa. Zwischen 8.000 und 9.000 Beschäf-            drohende Veränderung vor und gibt sein         Industrie und Wohnen zur Verfügung stellt

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und an einer hochwertigen Rekultivierung         modernisieren und einen Prozess in Gang          weitere sind geplant. Das Gesamtbudget pro
arbeitet, etwa mit Forschung und Entwick-        zu setzen, der mittel- und langfristig in ei-    Aufruf beträgt 400 Millionen Euro.
lung von E-Fuels und Wasserstoff.                ner sich selbst tragenden prosperierenden        Viele Projekte und Initiativen, die aktu-
Allen Bemühungen zum Trotz wird RWE              Entwicklung mündet.                              ell laufen oder gefördert wurden, schaffen
den Wegfall der vielen Tausend Jobs jedoch       Den Förderauftakt machte 2017 das Bundes-        neue Arbeitsplätze. Doch wie kann sicher-
nicht allein auffangen können. An dieser         modellvorhaben Unternehmen Revier, das           gestellt werden, dass diejenigen, die ihren
Stelle kommt die Zukunftsagentur Rheini-         als inzwischen etabliertes Förderprogramm        Job verlieren werden, auch qualifiziert für
sches Revier ins Spiel. Seit 2017 firmiert sie   des Bundeswirtschaftsministeriums jähr-          die neuen Berufe sind? „Was soll ein Bag-
unter diesem Titel und nahm noch im sel-         lich zwei Millionen Euro in zukunftswei-         gerfahrer mit einem Forschungsjob? Fra-
ben Jahr ihre Arbeit am Strukturwandelpro-       sende Projekte in der Region investiert.         gen dieser Art hören wir öfter“, weiß Bo-
zess mit Verabschiedung der Bundesgesetze        Projekte, die bereits gefördert werden, sind     do Middeldorf. „Das übersieht jedoch, dass
auf. Erst im vergangenen Jahr wurden we-         unter anderem der Industry Hub in Dorma-         im Bereich der Kohleverstromung viele gut
sentliche Weichenstellungen für die weitere      gen und dem Rhein-Kreis Neuss, der sich          qualifizierte Menschen arbeiten, für die
Arbeit der Zukunftsagentur vorgenommen,          als Innovations-Inkubator und -Accelerator       wir Anreize brauchen, um in der Region zu
die noch in diesem Jahr umgesetzt werden.        für Unternehmen der Region versteht oder         bleiben. Zum anderen entstehen im Zuge
Sie setzt sich aus einem Kernteam, einem         etwa der Strukturwandelladen Eschweiler,         des Strukturwandels bei Weitem nicht nur
Aufsichtsrat, einer Gesellschafterversamm-       bei dem es sich um ein bürgernahes Infor-        Akademikerjobs. Dennoch müssen wir für
lung sowie der Anrainerkonferenz zusam-          mations- und Beteiligungsformat handelt,         die Beschäftigten die Möglichkeit schaffen,
men, die dem Aufsichtsrat zur Seite steht.       mit dem der Strukturwandel für die in der        sich auf neue berufliche Anforderungen
Gemeinsam werden Leitbilder, Innovations-        Region lebenden Menschen sicht- und greif-       vorzubereiten. Deshalb nimmt das Thema
strategien und Handlungskonzepte entwi-          bar gemacht werden soll.                         Bildung eine Schlüsselrolle im Prozess des
ckelt und der Strukturwandel wird durch          In den vergangenen Jahren gab es ver-            Strukturwandels ein. Lebenslanges Lernen
Initiierung und Durchführung von Projek-         schiedene Förderprogramme, deren Umset-          für alle, die fit sein wollen für die Jobs der
ten unterstützt. Die Zukunftsagentur ar-         zung inzwischen abgeschlossen ist, aktuell       Zukunft, manifestiert sich bereits in mehre-
beitet dabei eng mit ihren Partnern aus der      noch läuft oder geplant ist. Aus „Sofortpro-     ren Projekten, Initiativen und Netzwerken.
Wissenschaft, der Wirtschaft, der Politik        grammPlus“, „Starterpaket Kernrevier“            Aber auch ein hoch spezialisiertes Start-up
und den Verbänden innerhalb und außer-           und „Unternehmen Revier“ gingen insge-           kommt ohne Bürokraft, Zulieferer, Dienst-
halb der Region zusammen.                        samt 128 aktive Projekte hervor, von de-         leister nicht aus“, führt er fort.
Dem Geschäftsführer Bodo Middeldorf zu-          nen für 47 Projekte – inklusive Teilprojek-      Dank der Zukunftsagentur Rheinisches Re-
folge sieht sich die Zukunftsagentur als         te – die Förderzugänge bereits identifiziert     vier, der finanziellen Unterstützung der Po-
Koordinator und Treiber des größten Kli-         sind, sodass der Förderantrag gestellt wer-      litik und der weitsichtigen Planung seitens
maschutzprojektes der Welt: „Als Sachwal-        den kann oder schon gestellt wurde. Diese        Arbeitgeber der Braunkohleindustrie bleibt
terin regionaler Interessen stehen wir den       Programme zielten primär darauf ab, beste-       demnach zu hoffen, dass die meisten der-
Unternehmen, Kommunen und Instituti-             henden Projekten einen schnelleren Start         zeit Beschäftigten auch zum Zeitpunkt des
                                                 zu ermöglichen, die Aufrufe dafür sind in-       Braunkohleausstieges einen Job haben oder
onen zur Seite und wollen sie befähigen,
wegweisende Projekte zur Bewältigung des         zwischen abgeschlossen. Seit April 2021          finden werden.   W
Strukturwandels zu entwickeln. Ziel ist es,      gibt es jedoch das Regelprogramm REVIER.
das Rheinische Revier auf Basis des in 2021      GESTALTEN. Zwei Aufrufe, die im vergan-                                           Jana Leckel
beschlossenen Wirtschafts- und Struktur-         genen Jahr an den Start gingen, sind ab-
programms zur erfolgreichsten Transfor-          geschlossen, seit dem 1. Februar (Bewer-           Weitere Infos unter:
mationsregion Europas zu machen“, führt          bungsfrist 30. Juni) läuft der dritte Aufruf,    www.rheinisches-revier.de
er fort.
Das Wirtschafts- und Strukturprogramm
benennt insgesamt vier Handlungsfelder
                                                                                                                                                   Foto: Susanne Klömpges

mit zahlreichen Projektansätzen, im Rah-
men derer die größten Erfolge für die wirt-
schaftliche Entwicklung erwartet werden:

→   Industrie und Energie
→   Ressourcen und Agrobusiness
→   Innovation und Bildung
→   Raum und Infrastruktur

An erster Stelle stehen hier Themen eines
klimaneutralen Umbaus der Industrie und
damit verbundene Beschäftigungseffekte.
Denn in den nächsten Jahren wird es nicht
nur darum gehen, die Auswirkungen des
Kohleausstiegs weitestgehend zu kompen-
sieren, sondern auch darum, das Rheini-            Bodo Middeldorf, Geschäftsführer der Zukunftsagentur Rheinisches Revier
sche Revier wirtschaftlich grundlegend zu

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 Nach sieben Jahren findet im Juni 2022 der G7-Gipfel wieder auf dem bayrischen Schloss Elmau statt

MEHR TEMPO FÜRS KLIMA
Große Herausforderungen für neue Bundesregierung

  Bei den Bundestagswahlen haben die Wahlberechtigten ein klares Votum für einen                      valente ausgestoßen. Im Vergleich zum
  sozialverträglichen Wandel hin zu Klimaneutralität abgegeben. Die Hoffnungen in                     Jahr 2019 war dies ein Rückgang um 8,9
  die neue Bundesregierung waren groß, doch wirken die Grünen, die genau dafür                        Prozent und im Vergleich zum Jahr 1990
  stehen sollten, bisher nicht als die großen Gewinner der Koalition. Die muss aber lie-              um 41,3 Prozent. Maßgeblich verantwort-
  fern, damit die Wähler sie nicht bei künftigen Wahlen abstraft. Es gibt viel zu tun.                lich für den deutlichen Rückgang sind die
                                                                                                      Auswirkungen der Coronapandemie. Für
        Corona lässt                              Rückstand wettzumachen. Hierzu müssen               das Jahr 2021 wird wieder ein Anstieg der
                                                  wir die Geschwindigkeit unserer Emissi-             CO2-Äquivalente erwartet. Dirk Messner,
      Emissionen sinken                           onsminderung verdreifachen und deutlich             Präsident des Umweltbundesamts, ordnet
                                                  mehr in weniger Zeit tun“, so Habeck und            die Klimaschutzbilanz ein: „Die Corona-
Für die neue Bundesregierung ist klar, dass       weiter: „Wir wollen bis 2045 klimaneutral           krise hat 2020 die Emissionen stark sin-
es gewaltige Kraftanstrengungen braucht,          werden und bis 2030 den Anteil erneuer-             ken lassen. Das wird aber nicht von Dau-
um das Ziel der Klimaneutralität zu errei-        barer Energie auf 80 Prozent steigern. Die          er sein, denn 2021 stiegen die Emissionen
chen. Die Voraussetzungen für den Start           Arbeit dafür hat begonnen. Die prioritären          nach unseren ersten Prognosen wieder an.
sind aber nicht so gut. Kommende Klima-           Gesetze, Verordnungen und Maßnahmen                 Um Deutschland bis 2045 klimaneutral zu
ziele werden wohl deutlich verfehlt wer-          setzen wir jetzt aufs Gleis – ein erstes Kli-       machen, brauchen wir daher mehr Energie
den, wie die von Wirtschafts- und Klima-          maschutz-Paket kommt bis Ende April, ein            aus Wind und Sonne, mehr Elektromobili-
schutzminister Robert Habeck vorgestellte         zweites im Sommer.“ Doch bis dahin wird             tät und eine Wärmewende hin zu erneuer-
Eröffnungsbilanz Klimaschutz zeigt. „Wir          Deutschland weiterhin in großen Mengen              baren Energien sowie eine grundlegende
starten mit einem drastischen Rückstand.          CO2-Äquivalente produzieren. Dies zeigen            Transformation der Industrieproduktion.
Die bisherigen Klimaschutzmaßnahmen               ein Blick auf die finale Klimaschutzbilanz          Die ersten Schritte sind dazu getan, jetzt
sind in allen Sektoren unzureichend. Es           von 2020 und der Ausblick auf das gerade            müssen alle Ressorts an die Umsetzung
ist absehbar, dass die Klimaziele der Jahre       abgelaufene Jahr 2021. Laut Umweltbun-              gehen.“ Eine vollständige Prognose zu den
2022 und 2023 verfehlt werden. Aber wir           desamt wurden 2020 in Deutschland ins-              ausgestoßenen CO2-Äquivalenten will das
unternehmen alle Anstrengungen, um den            gesamt 728,7 Millionen Tonnen CO2-Äqui-             UBA Mitte März veröffentlichen.

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          G7 als Chance?                        Ziele zu besprechen und im Anschluss zu          drei Monaten überstieg die Anzahl der För-
                                                erreichen, stehen in diesem Jahr wichti-         deranträge die geplante Fördersumme. Die
Der Klimawandel ist längst da und wird          ge Termine an. Ende Mai treffen sich die         Reißleine wurde gezogen, das Förderpro-
in Zukunft massive Auswirkungen haben.          Umwelt-, Klima- und Energieminister der          gramm früher als angedacht beendet und
Die Flutkatastrophe vom Juli 2021 war           Teilnehmerstaaten. Bereits im März so-           viele Antragsteller stehen nun im Regen
wahrscheinlich nur ein Startschuss für          wie im September tauschen sich die Han-          und ohne Förderung da. Gut für das Klima
die Zunahme von Extremwetterverhält-            delsminister der G7 aus. Höhepunkt wird          ist dieser Stopp nicht und das Vertrauen in
nissen, die uns in den kommenden Jahren         der G7-Gipfel vom 26. bis 28. Juni 2022 auf      Förderprogramme des Bundes dürfte damit
beschäftigen werden. Der Wiederaufbau in        Schloss Elmau.                                   auch nicht gestiegen sein. Die KfW-Förde-
den betroffenen Regionen wird noch Jah-                                                          rung bezog sich auf drei unterschiedliche
                                                                                                 Typen: das Effizienzhaus/Effizienzgebäu-
re dauern, die Spuren der Katastrophe mit                 Plötzlicher                            de 55 im Neubau, Effizienzhaus/Effizienz-
über 140 Todesopfern und Schäden in Mil-
liardenhöhe werden die Menschen in den
                                                       Förderungsstopp                           gebäude 40 im Neubau sowie die energe-
betroffenen Regionen noch Jahre beschäf-                                                         tische Sanierung. Schuld für das Fiasko
                                                Bis dahin ist vielleicht eine Lösung beim        trägt laut Bundeswirtschaftsministerium
tigen. Die Bundesregierung verfolgt klare
                                                Thema Gebäudesanierung auf den Weg               die Vorgängerregierung. Notwendige An-
Pläne, um Deutschland klimaneutral zu
                                                gebracht worden. Eigentlich sollten große        passungen des Förderprogramms und
machen. Doch auch, wenn Deutschland
                                                Teile des Förderprogramms für effizien-          Baustandards seien in den vergangenen
dieses Ziel erreicht, ist das nur ein kleiner
                                                te Gebäude (BEG) des Bundes bis Ende Ja-         Jahren versäumt worden.
Erfolg im weltweiten Kontext. Eine Chan-
                                                nuar 2022 laufen. Doch kurz vor Ende des         Bald will das Bundesministerium für
ce bietet die deutsche G7-Präsidentschaft
                                                Förderprogramms zog der Bund die Reiß-           Wirtschaft und Klimaschutz ein Paket
im Jahr 2022. Die Bundesregierung will
                                                leine. Am 24. Januar kam die überraschen-        mit Sofortmaßnahmen vorlegen. Im Fo-
die Chance nutzen, um für einen verbes-
                                                de Nachricht, dass keine weiteren Anträge        kus liegen hierbei: eine Novelle des Er-
serten Klima- und Umweltschutz zu wer-
                                                angenommen werden. Was mit Anträgen              neuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), der
ben. Ein Grundsatzprogramm steht unter
                                                passiert, die noch kurz davor eingereicht        Ausbau von Solar- und Windenergie, Sen-
dem Motto „Fortschritt für eine gerechte
                                                wurden, weiß noch niemand. Eins ist aber         kung des Strompreises über die Finanzie-
Welt“, dazu zählt vor allem auch die Kli-
                                                klar: Es gibt erst mal kein weiteres Geld        rung der EEG-Umlage über den Bund, Kli-
magerechtigkeit. Bundesumwelt- und Ver-
                                                von der KfW. Ein Großteil der Gebäude in         maschutzverträge mit der Industrie, eine
braucherschutzministerin Steffi Lemke
wirbt für eine internationale Kraftanstren-     Deutschland ist älter als 50 Jahre und bei       Wärmestrategie, eine Überarbeitung des
gung: „Wir brauchen einen grundlegenden         den aktuell aufgerufenen Energiepreisen          Gebäudeenergiegesetzes sowie eine Anpas-
Systemwandel hin zur ökologischen Nach-         ist jeder Euro, den man durch gute Däm-          sung der Wasserstoffstrategie. Darüber hi-
haltigkeit in allen Lebensbereichen. Im         mung und Energieeffizienz einsparen              naus werden weitere Maßnahmen geprüft.
Rahmen der deutschen G7-Präsidentschaft         kann, gut angelegt und investiert. Daher         „Das alles ist eine Mammut-Aufgabe. Und
setze ich mich deshalb besonders für ei-        wundert es nicht, dass viele Antragstel-         es wird einige Jahre dauern, bis wir die Er-
nen ambitionierten globalen Rahmen bei          ler kurz vor Fristende noch auf den För-         folge sehen werden. Aber das, was wir jetzt
der Weltnaturschutzkonferenz in Kunming         dermittel-Zug aufspringen wollten. Bei           machen, legt die Grundlage dafür, Klima-
                                                der Förderung ging es um sogenannte Ef-          schutz und Wohlstand zusammenzubrin-
ein, mit dem wir den Trend beim Artenster-
ben umkehren können. Wir wollen einen           fizienzhäuser im Neubau und energetische         gen“, so Habeck. W
G7-Ocean-Deal auf den Weg bringen, um           Sanierung. 20 Milliarden Euro Fördersum-
die gemeinsamen Initiativen zum Schutz          me wurden dafür eingeplant, doch binnen                                      Christian Esser
der Ozeane und gegen die Verschmutzung
der Meere voranzubringen. Die nachhal-
                                                                                                                                          Foto: Soonthorn - stock.adobe.com

tige Ressourcennutzung, die Anpassung
an die Auswirkungen der Klimakrise und
ökologisch nachhaltige Lieferketten sollen
weitere Schwerpunkte im G7-Jahr bilden.“
Auch Robert Habeck, Bundesminister für
Wirtschaft und Klimaschutz, nennt klare
Ziele: „Mein Ziel ist ein klarer Impuls der
G7 für die internationale Zusammenarbeit
und den Multilateralismus. Dazu zählt vor
allem eine ambitionierte klima- und ener-
giepolitische Agenda. Das bedeutet einen
beschleunigten globalen Kohleausstieg,
eine forcierte Dekarbonisierung der Sek-
toren und das Streben nach einer weltweit
gerechten Transformation. In der Handels-
politik wollen wir im Kreis der G7 Wege für
die Reform der Welthandelsorganisation
ausloten und den internationalen Handel
mit seinen globalen Lieferketten offener,        Erneuerbare Energien sollen intensiver gefördert werden
fairer und nachhaltiger gestalten.“ Um die

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