STAND PUNKT - EDU Basel-Stadt
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STAND
PUNKT
Christlich-politische
Monatszeitschrift
September 2017
Abstimmungsvorlagen
vom 24. September
-
LETZTE RUHE «MIT ECHTER LIEBE» KANTON BASEL-STADT
ÜBER BESTATTUNGSRITEN UND EIN FACHMANN ZUR GEFAHR VON RIEHENER WAHLEN: AM 04.02.18
FRIEDHÖFE WIRD IMMER LAUTER DROGEN UND ZU GANZHEITLICHER FINDEN DIE FÜR DIE EDU IM KANTON
DISKUTIERT PRÄVENTION WICHTIGSTEN WAHLEN STATT
SEITE 7 SEITEN 8–10 KANTONALER INNENTEILJa zumJa zum
Eidgenössische Volksinitiative
Eidgenössische Volksinitiative
letzter
Mitte abtrennen Aufruf!!!
Bitte nicht in der Bitte nicht in der
Mitte abtrennen
Noch fehlen einige Tausend Unterschriften.
Darum:
Verhüllungsverbot
Verhüllungsverbot – Seite abtrennen und sofort unterschreiben
– in Kuvert einsenden an:
Initiativkomitee «Ja zum Verhüllungsverbot»
Postfach 54, 8416 Flaach
Im Bundesblatt veröffentlicht
Im Bundesblatt
am: 15.3.2016
veröffentlicht am: 15.3.2016
Danke für Ihre Unterstützung! EDU Schweiz
berechtigten
Die unterzeichneten
Schweizer Bürgerinnen
stimmberechtigten
und Bürger
Schweizer
stellenBürgerinnen
hiermit gestützt
und Bürger
auf Art.stellen
34, 136,hiermit
139 und
gestützt
194 derauf Art. 34, 136, 139 und 194 der
h dem
Bundesverfassung
Bundesgesetz vom
und17.
nach
Dezember
dem Bundesgesetz
1976 über die
vompolitischen
17. Dezember
Rechte,
1976
Art.über
68ff.,
diefolgendes
politischen
Begehren:
Rechte, Art. 68ff., folgendes Begehren:
olgt geändert:
Die Bundesverfassung wird wie folgt geändert:
es eigenen
Art. 10a
Gesichts
Verbot der Verhüllung des eigenen Gesichts
öffentlichen
1 Niemand
Raum darf
und sein
an Orten
Gesicht
verhüllen,
im öffentlichen
die öffentlich
Raumzugänglich
und an Orten
sindverhüllen,
oder an denen
die öffentlich
grundsätzlich
zugänglich
von jedermann
sind oder an
beanspruchbare
denen grundsätzlich von jedermann beanspruchbare
erden; das Dienstleistungen
Verbot gilt nichtangeboten
für Sakralstätten.
werden; das Verbot gilt nicht für Sakralstätten.
ngen, 2ihr Niemand
Gesicht aufgrund
darf eineihres
Person
Geschlechts
zwingen, ihr
zu verhüllen.
Gesicht aufgrund ihres Geschlechts zu verhüllen.
vor. Diese
3 Das umfassen
Gesetz ausschliesslich
sieht Ausnahmen Gründe
vor. Diese
der Gesundheit,
umfassen ausschliesslich
der Sicherheit, Gründe
der klimatischen
der Gesundheit,
Bedingungen
der Sicherheit,
und des der
einheimischen
klimatischen Bedingungen und des einheimischen
Brauchtums.
Art. 197 Ziff. 12
. 10a (Verbot
12. Übergangsbestimmung
der Verhüllung des eigenen
zu Art. 10a
Gesichts)
(Verbot der Verhüllung des eigenen Gesichts)
Artikel
Die10a
Ausführungsgesetzgebung
ist innert zweier Jahre nach
zu Artikel
dessen10a
Annahme
ist innert
durch
zweier
VolkJahre
und Stände
nach dessen
zu erarbeiten.
Annahme durch Volk und Stände zu erarbeiten.
us nachstehenden
Das Initiativkomitee,
Urheberinnen
bestehend
und aus
Urhebern,
nachstehenden
ist berechtigt,
Urheberinnen
diese Volksinitiative
und Urhebern, mit ist
absoluter
berechtigt,
Mehrheit
diese der
Volksinitiative
noch stimmberechtigten
mit absoluter Mehrheit der noch stimmberechtigten
Mitglieder zurückzuziehen:
erhüllungsverbot»
Co-Präsidium Komitee «Ja zum Verhüllungsverbot»
Patrick 58A,
dhofstrasse Freudiger,
4900 Langenthal BE; Roland Haldimann,
Grossrat, Waldhofstrasse Langenthal BE; Roland82B,
58A, 4900Schönenwerderstrasse Haldimann,
5036 Oberentfelden AG; Ulrich Schlüer,
Schönenwerderstrasse alt Oberentfelden AG; Ulrich Schlüer, alt
82B, 5036
ach ZH; Walter Wobmann,
Nationalrat, Postfach 54,
Nationalrat,
8416 Flaach ZH; Walter
Sagigass Wobmann,
9, 5014 Gretzenbach SO; Daniel
Nationalrat, Zingg,9,Dorfstrasse
Sagigass 5014 Gretzenbach
11, 3366SO; Daniel Zingg,
Bollodingen BE. Dorfstrasse 11, 3366 Bollodingen BE.
um Verhüllungsverbot»
Weitere Mitglieder Komitee «Ja zum Verhüllungsverbot»
emin Jean-Luc
du Grand Roé Addor,
21, Nationalrat,
1965 Savièse VS; Robert
chemin Bartuma,
du Grand Roé 21,Schachen strasseVS;70,Robert
1965 Savièse 8645 Bartuma,
Jona SG; Iris Canonica,
Schachen strasse
via70,
cantonale,
8645 Jona
6958 SG; Iris Canonica, via cantonale, 6958
Clottu,
Bidogno
Nationalrat,
(Capriasca)
Le Bois Raymond
TI; de l‘Halle 3,Clottu,
2406 La
Nationalrat,
Brévine NE; Olgade
Le Bois Cippà,
l‘Halleal3,Strecin
2406 7,La 6574
Brévine
ViraNE; Olga Cippà,TI;
(Gambarogno) al Oskar
StrecinFreysinger,
7, 6574 Vira (Gambarogno) TI; Oskar Freysinger,
az 5, Staatsrat,
1965 Savièsechemin Thomas
VS; de Fuchs, Grossrat,
Crettamalernaz Savièse VS; Thomas
5, 1965 Niederbottigenweg Fuchs,
101, Bern; Andrea
3018Grossrat, Geissbühler,101,
Niederbottigenweg Nationalrätin,
3018 Bern; Andrea
Oberer Geissbühler, Nationalrätin, Oberer Galgen
Galgen
ringhelli,
26, 3323
Postfach
Bäriswil Giorgio
911,BE;6616 LosoneGhiringhelli,
TI; Andreas Glarner,
Postfach 911,
Nationalrat,
6616 Losone TI; Andreas 9,
Eggächerstrasse Glarner,
8966 Oberwil-Lieli
Nationalrat, AG; Ronald Hämmerli,
Eggächerstrasse 9, 8966 Oberwil-Lieli AG; Ronald Hämmerli,
ann Lei,
am Bach
Kantonsrat, Bilten GL; Hermann
7, 8865Mühletobelstrasse 59A,Lei,
8500
Kantonsrat,
Frauenfeld TG; Anian Liebrand,
Mühletobelstrasse 59A, Luzernerstrasse
8500 Frauenfeld142,TG; Anian Liebrand,
6014 Luzern; Marina Masoni, 142, 6014 Luzern; Marina Masoni,
Luzernerstrasse
ans Moser,
via Frasca
Hostetgasse
10, 6900 9, Lugano
9470 TI; Hans
Buchs SG;Moser,
Yves Nidegger,
HostetgasseNationalrat,
9, 9470 Buchs
Délices SG;2,Yves
1203Nidegger,
Genf; JuliaNationalrat,
Onken, Bilchenstrasse
Délices 2, 1203 8580 Julia Onken, Bilchenstrasse 12, 8580
12, Genf;
llonstrasse Adrian
Amriswil13,TG;3007 Bern;Pulver,
Lorenzo Quadri, Nationalrat,
Morillonstrasse 13, 3007viaBern; Lorenzo20A,
S. Gottardo Quadri,
6900Nationalrat, Lukas
Lugano TI; via Reimann,
S. Gottardo 20A,
Nationalrat,
6900 Lugano TI; Lukas Reimann, Nationalrat, Ulrich-
Ulrich-
dith Uebersax,
Röschstrasse Lindenstrasse
13, 9500 Wil90, Judith
SG;8738 Uebersax,
Uetliburg SG; Claude-Alain
LindenstrasseVoiblet,
90, 8738 Grossrat,
Uetliburg SG; Claude-Alain
avenue Voiblet,
de la Vallombreuse 50,Grossrat,
1004 Lausanne
avenue deVD.la Vallombreuse 50, 1004 Lausanne VD.
ur Stimmberechtigte unterzeichnen,
Auf dieser Liste können nur Stimmberechtigte
die in der genannten
unterzeichnen,
politischen
die inGemeinde
der genannten
in eidgenössischen
politischen Gemeinde in eidgenössischen
rechtigt
Angelegenheiten stimmberechtigt
sind. Bürgerinnen und Bürger, die
sind.
dasBürgerinnen
Begehren unterstützen,
und Bürger, mögen
die dases
Begehren
handschriftlich
unterstützen,
unterzeichnen.
mögen es handschriftlich unterzeichnen.
Postleitzahl:
Politische Gemeinde: Politische Gemeinde: Kanton: Kanton:
Nr. Name, Vornamen
Geburtsdatum Wohnadresse Geburtsdatum Wohnadresse
Eigenhändige Unterschrift Kontrolle
Eigenhändige Unterschrift Kontrolle
hriftlich und leserlich
(Blockschrift)
schreiben
eigenhändig,
Tag Monathandschriftlich
Jahr Strasse,
und leserlich
Hausnummer
schreiben Tag Monat Jahr Strasse, Hausnummer Leer lassen Leer lassen
1
2
3
ng besticht
Wer beioder
einer
sich
Unterschriftensammlung
bestechen lässt oder wer
besticht
das Ergebnis
oder sich
einer
bestechen
Unterschriftensammlung
lässt oder wer dasfür
Ergebnis
eine Volksinitiative
einer Unterschriftensammlung
fälscht, macht sich strafbar
für eine Volksinitiative
nach fälscht, macht sich strafbar nach
282 des
Art.Strafgesetzbuches.
281 beziehungsweise nach Art. 282 des Strafgesetzbuches.
Die untenstehende
bescheinigung wird durchStimmrechtsbescheinigung wird durch das Initiativkomitee eingeholt.
das Initiativkomitee eingeholt.
Ablauf der Sammelfrist: 15.9.2017
scheinigt
Die unterzeichnete
hiermit, dass obenstehende
Amtsperson bescheinigt
_________ (Anzahl)
hiermit, dass
Unterzeichnerinnen
obenstehende und _________
Unterzeichner
(Anzahl) der
Unterzeichnerinnen
Volksinitiative und Amtsstempel
Unterzeichner der Volksinitiative Amtsstempel
stimmberechtigt
in eidgenössischen
sind und
Angelegenheiten
ihre politischen stimmberechtigt
Rechte in der erwähnten
sind undGemeinde
ihre politischen
ausüben.
Rechte in der erwähnten Gemeinde ausüben.
Die zur Bescheinigung zuständige Amtsperson:
Die zur Bescheinigung zuständige Amtsperson:
Ort:
Amtliche Amtliche
Eigenhändige Eigenhändige
Datum: Eigenschaft: Eigenschaft:
Unterschrift: Unterschrift:
te sofort vollständigBitte
odersofort
teilweise
vollständig
ausgefüllt
odereinsenden
teilweise an:
ausgefüllt einsenden an:
vkomitee «Ja zumInitiativkomitee
Verhüllungsverbot»,
«Ja zumPostfach
Verhüllungsverbot»,
54, 8416 Flaach
Postfach 54, 8416 Flaach
mationen oder
Mehr Bestellung
Informationen
beziehungsweise
oder Bestellung
Herunterladen
beziehungsweise
von Bogen:
Herunterladen von Bogen:
www.verhuellungsverbot.chwww.verhuellungsverbot.ch
nfo@verhuellungsverbot.ch
E-Mail: info@verhuellungsverbot.ch
– Tel. 052 301 31 00 – Fax
– Tel.
052
052
301
301
3131
0300 – Fax 052 301 31 03
GRUSSWORTE
LIEBE LESERIN,
LIEBER LESER
Ich freue mich über die 1. August-Ansprache von Bundespräsidentin Doris Leuthard. Sie
präsentierte das Motto «Zukunft gestalten – unsere Werte erhalten». Dieses basiert
auf einem früheren Wahlslogan der EDU. Wir verdankten die präsidiale Wahrnehmung un-
seres Schaffens und wünschten der Magistratin Weisheit und Segen in ihrem Amt.
Der vorliegende «Standpunkt» orientiert über aktuelle Vorgänge in Politik, Kirche und Ge-
sellschaft. Wir reiben uns oft verwundert die Augen darüber, wie Werte neu definiert,
wie Täter zu Opfern werden, Unrecht zunehmend zu Recht wird. «Die Welt ist aus den
Fugen, Maloney», stellt der Polizist im gleichnamigen Hörspiel von SRF fest.
Entscheidend ist, wie unsere Reaktion ausfällt. Sie kann von Resignation und Rückzug bis
zum bewussten Engagement reichen. Im Wissen um starken Gegenwind, aber auch
um den Auftrag zu wirken, «solange es Tag ist». Die Frage ist: Schaue ich auf die Wellen wie
Petrus oder auf Jesus Christus, den Anfänger und Vollender?
«Im Trubel der Menschen bewahre mein Herz», bat der weise König David. Diese Aussage
spricht mitten ins Leben hinein. Sie ermutigt, trotz negativen Strömungen immer wieder
den Weg zur Quelle einzuschlagen. •
Thomas Feuz, Redaktionsleiter
Briefwechsel
Hoi Michel Sälü Rösli
Du sprachst mich auf die Ferien an. Viele meiner Kollegen Danke für Deine Mitteilung betreffend Ferien. Krass, wie
im Pflegeheim wollen mit ihrer Familie weg. So plane ich wir heute schon sehr jung die halbe Welt bereisen können!
meine Ferien ausserhalb der Schulferien, kürzlich eine Auf Deine Frage nach einem besonderen Erlebnis kommt
Wanderwoche im Berner Oberland. mir eines in den Sinn: Auf der Hinreise an den Bielersee
In der Kindheit machten wir uns zu Hause nützlich (Heuen vergass ich mein Handy im Zug. Mein Kollege und ich hör-
und Obsten), spielten viel, ab und zu gab's einen Ausflug. ten Musik und dösten vor uns hin, als plötzlich unser Bahn-
Ferien bei Verwandten brachten Abwechslung. Ich war hof kam. Da hiess es schnell aussteigen… Ich bemerkte
mächtig stolz, als ich während meines Welschlandjahres mein Malheur erst, als der Zug bereits wieder anfuhr. Wir
ans Meer mitfahren durfte. Übrigens: Meine Eltern mach- gaben eine Verlustmeldung auf und schauten auf der App,
ten erstmals mit über 70 gemeinsam Ferien… wann der Zug eventuell wieder zurückkommt. Aber das
Sommereinsätze (Evangelisation/Mission) waren der Hit in half nichts. Meine Eltern nahmen auch noch mit den SBB
der Jugendgruppe. So kam ich nach Sizilien. Und du nach Kontakt auf. Und dann galt es, zu hoffen, zu beten und zu
Spanien! Manchmal waren Ferien dazu da, «alte Bekannte» warten. Die Freude war riesengross, als ich das Handy am
zu besuchen. Toll sind organisierte Wochen in einem Bahnhof abholen konnte.
christlichen Haus. Man lernt interessante Leute kennen, Beim Zelten lebten wir vor allem von Brot, Fleisch und Ge-
geniesst gutes Essen und Komfort, Andachten und Gottes- tränken, vor allem von viiiel Fleisch (Salat und Gemüse
dienste. Im November setze ich seit Jahren eine Ferienwo- gab's dann wieder zu Hause). Ehrlich: Wenn ich genug
che für die EDU ein: Anlässe, Flyer verteilen etc. Fleisch habe, braucht es kein Dessert! Ein guter Döner oder
In den Frühlingsferien war meine behinderte Schwester ein saftiges Stück Fleisch übertrumpfen jede Nachspeise –
erstmals bei mir. Wir machten uns in der Küche bei der auch wenn dafür noch Platz wäre. Wir mussten nie hungrig
Musicalwoche nützlich (du erinnerst dich: gutes Miteinan- in die Schlafsäcke gehen. Und wenn der Hunger wieder er-
der von Jung und Alt). wachte, gingen wir auch mal ins Restaurant und gönnten
Jetzt sind deine Ferien Erinnerung. Hattest du ein besonde- uns eine Gute-Nacht-Pizza.
res Erlebnis? Was essen Jugendliche heute besonders gern, Darf ich Dich mal etwas zur Politik fragen? Was bedeutet
nebst Dessert? Dir der 1. August? Und die Schweiz?
Liebe Grüsse von Rösli Fässler Gruss, Michel Feuz
EDU-STANDPUNKT SEPTEMBER 2017 3DEBATTIEREN & ABSTIMMEN
Gutes System nicht JA zur Zusatz-
finanzierung der
«verschlimmbessern»!
AHV durch Erhö-
hung der Mehr-
wertsteuer
Die «Reform der Altersvorsorge 2020» besteht aus zwei miteinander ver-
bundenen Vorlagen. Während die EDU die Zusatzfinanzierung der AHV
bejaht, sagt sie Nein zum Bundesgesetz. Insbesondere kritisiert die EDU
einzelne problematische Aspekte der Reform. Die Materie ist komplex.
a. Nationalrat Markus Wäfler
Die Abstimmungsvorlagen vom 24. September abstimmung im Nationalrat fiel wenig über-
beinhalten den dritten Anlauf für die 11. zeugend aus: 101:92 bei 4 Enthaltungen zur
AHV-Reform. Die erste Vorlage betrifft eine ge- Mwst-Erhöhung und 100:93 bei 4 Enthaltungen
staffelte Erhöhung der Mehrwertsteuer um ins- zum Bundesgesetz.
gesamt 0,6 Prozent, was eine Änderung von BV-
Art. 130 bedingt. Für diese Verfassungsänderung Insgesamt gutes System
braucht es die Annahme durch Volk und Stände. Die Schweiz hat ein intelligentes 3-Säulen-Sys-
Die zweite Vorlage ist das Bundesgesetz über die tem. Die erste Säule ist die seit 1948 für alle Er-
Reform der Altersvorsorge 2020, ein Paket von werbstätigen obligatorische AHV mit einer Um-
Änderungen in 12 Bundesgesetzen. Hier reicht lagefinanzierung: Die Lohnabzugsbeiträge
das Volksmehr. Für die Inkraftsetzung der werden direkt zur Auszahlung der AHV-Renten
«Reform der Altersvorsorge 2020» ist die Annah- an ehemals erwerbstätige und nicht erwerbstäti-
me beider Vorlagen nötig. ge Personen verwendet. Die AHV erfüllt eine
zentrale soziale Ausgleichsaufgabe, indem sie
Parlament: nur knappe Mehrheit unabhängig von der früheren Lohnhöhe allen
Im Parlament waren diese Gesetzesänderungen Personen eine AHV-Rente zwischen 1175 und
sehr umstritten. Über alle Parteien hinweg war 2350 Franken pro Monat auszahlt – also auch an
unbestritten, dass unsere Altersvorsorge vor al- 100-Prozent-Mütter.
lem aufgrund der demographischen Entwick- Die zweite Säule ist das BVG, die Pensionskas-
lung dringend reformiert werden muss und die sen, obligatorisch seit 1985 für alle unselbstän-
aktuellen Rentenhöhen bei AHV und BVG-Pensi- dig Erwerbstätigen mit Jahreseinkommen zwi-
onskassen erhalten bleiben sollen. Zerstritten schen 21 150 und 84 600 Franken. Die
war man über die Frage, wie diese Wünsche zu Pensionskassen werden im sogenannten Kapital-
realisieren und zu finanzieren sind. Die Schluss- deckungsverfahren finanziert, indem die Beiträ-
ge von Arbeitgeber und -nehmer zur Äufnung
des eigenen Alterskapitals von erwerbstätigen
Personen verwendet werden, aus dem später die
eigene Altersrente der Pensionskasse bezahlt
wird, aber nur an ehemals Erwerbstätige. Wer
mehr verdient, zahlt mehr Beiträge und bezieht
später eine höhere Pensionskassenrente.
Als dritte fakultative Säule werden die persönli-
chen Ersparnisse bezeichnet. Ergänzungsleis-
tungen und Hilflosenentschädigungen bilden er-
gänzende Teile unseres Vorsorgesystems.
Massiv veränderte Rahmen-
bedingungen
In Westeuropa wird das gravierende Geburten-
defizit seit Jahren durch Masseneinwanderung
kompensiert. Ohne diese würde die Einwohner-
zahl sinken. Unter anderem verschärfen die Ab-
treibungen das Problem. 2014 lebten knapp 30
Prozent der Paarhaushalte in der Schweiz ohne
Kinder. Ihre AHV-Rente werden sie sich von den
Kindern anderer bezahlen lassen. Das Umlage-
Geburtenrückgänge, höhere Lebenserwartung: Fast zwei Drittel verfahren bei der AHV-Finanzierung bedingt ei-
der Bevölkerung leben allein oder als Paar ohne Kinder. nen Generationenvertrag, eine Generationen-So-
lidarität. Mit der heute weit verbreiteten
4 EDU-STANDPUNKT SEPTEMBER 2017DEBATTIEREN & ABSTIMMEN
Philosophie «Hauptsache, es stimmt für mich» zung/-Zuschläge => mildere Kürzung/Zuschläge
ist diese nur noch teilweise vorhanden. bei AHV = Mehrkosten; Teilrenten zwischen 20–
Bei der Einführung der AHV 1948 rechnete man 80 % => flexiblere Anpassung an pers.
mit 12 bis 14 Rentnerjahren, heute sind es 19 Bedürfnisse; über 58-jährige Arbeitslo-
bis 22; für einen AHV-Rentner kamen 6 Erwerbs-
tätige auf, heute sind es 3,4; die Geburtenrate
se mit BVG/PK-Rente => bisher nur Kapi-
talbezug, neu Verbleib in PK.
NEIN
betrug 19,2, heute noch 10,5 pro 1000 Einwohner;
zum Bundes-
die Anzahl Kinder pro Frau im gebärfähigen Genaue Zahlen fehlen gesetz über die
Alter nahm von 2,54 auf 1,5 ab. Erstaunlicherweise fehlen in der Ab- Reform der
stimmungsbotschaft Zahlenangaben Altersvorsorge
Massnahmen und Auswirkungen und Vergleiche über die finanziellen 2020
Das Bundesgesetz über die Reform der Altersvor- Auswirkungen der Massnahmen fast
sorge 2020 beinhaltet unter anderem nachste- vollständig. Nicht einmal die Auswir-
hend aufgeführte Änderungen (Aufzählung kungen auf den AHV-Fonds werden zahlenmäs-
nicht abschliessend). Massnahme => Wirkung sig dargestellt.
bei vollständiger Umsetzung: Wieso dieses Versteckspiel des Bundesrats? So-
Referenz-Rentenalter 65 für Frauen + Männer wohl in der Parlamentsdebatte wie seither in der
=> Minderausgaben bei AHV und BVG/PK; Sen- Abstimmungsdiskussion in den Medien werden
kung des Umwandlungssatzes BVG auf 6 % => die finanziellen Auswirkungen sehr wider-
Red. BVG/PK Renten wegen längerer Bezugsdau- sprüchlich dargelegt. Dies auch, weil die zugrun-
er; BVG-Leistungsgarantie für > 45jährige => kei- de gelegten Annahmen, etwa bezüglich Wirt-
ne Rentenreduktion durch U’satz 6 %, Mehrkos- schaftswachstum, Zuwanderung,
ten für PK!; Erhöhung der AHV-Lohnabzüge + Kapitalmarkt-Entwicklungen usw. teilweise wie
0,3 % ab 2021 => für AHV-Erhöhungen + 70.– u. ein Horoskop zu lesen sind. Tatsache ist, dass
155 %, erhöht Lohn-NK; Erhöhung AHV-Neu- AHV und BVG/PK, die zum grössten Teil über
Rente um 70.–/Monat => Mehrausgaben bei der Lohnprozente finanziert werden, stark von der
AHV; Erhöhung AHV-Ehepaar-Neurente auf Entwicklung der beitragspflichtigen Lohnsum-
155 % => Mehrausgaben bei der AHV; Reduktion me und von der wirtschaftlichen Entwicklung
Koordinationsabzug bei BVG/PK => Erhöhung abhängig sind.
vers. Lohn + PK-Rente; Erhöhung der BVG- Möglicherweise braucht es eine rote Karte der
Altersgutschriften => Erhöhung vers. Lohn + Stimmbürger, um das Parlament zu einem reali-
PK-Rente; flexible Pensionierung AHV und BVG/ täts- und problemlösungsorientierten Reform-
PK Alter 62–70 => flexiblere Anpassung an pers. kompromiss zu zwingen. •
Bedürfnisse; Anpassung der Sätze für AHV-Kür-
PAROLE DER EDU:
JA, NEIN
Die Delegiertenversammlung sagte am 12. Au-
gust in Olten mit 51:19 Stimmen (3 Enthaltun-
gen) Ja zum Bundesbeschluss über die Zusatzfi-
nanzierung der AHV durch eine Erhöhung der
Mehrwertsteuer (Pro-Referat: Christine Egersze-
gi, alt StR FDP AG, Präsidentin der Eidg.
BVG-Kommission; Kontra: Henrique Schneider,
Schweiz. Gewerbeverband sgv) und mit 46:18 (7)
Nein zum Bundesgesetz vom 17.3.2017 über die
Reform der Altersvorsorge 2020 (Referate: dito).
Mit dem Ja zur Erhöhung der Mehrwertsteuer
Parolenfassung in Olten will die EDU zum Ausdruck bringen, dass es eine
Sanierung der AHV braucht.
EDU-STANDPUNKT SEPTEMBER 2017 5DEBATTIEREN & ABSTIMMEN
NEIN zum
Bundesbeschluss
über die Ernäh-
rungssicherheit
«Ernährungssicherheit»: Nein
zu falscher Weichenstellung!
Am 24. September soll ein Gegenvorschlag zur Ernährungssicherheits-
Initiative durchgewunken werden, der das ursprüngliche Hauptanliegen
direkt torpediert.
Lisa Leisi
Für den besseren Weg – darum Nein
Die Initiative forderte unmissverständlich: Gibt die Schweiz nach, gefährdet sie die heutige
«Der Bund stärkt die Versorgung der Bevölke- Versorgung mit hochwertigen regionalen Lebens-
rung mit Lebensmitteln aus vielfältiger und mitteln. Sie erschwert massiv die Lebensgrundla-
nachhaltiger einheimischer Produktion.» gen der Landwirte und macht sich im Nahrungs-
Beim Gegenvorschlag soll der Bund die Versor- mittelbereich abhängiger vom Ausland. Das kann
gung der Bevölkerung mit Lebensmitteln zwar sich in Krisenzeiten fatal auswirken.
noch sicherstellen. Aber er setzt dabei auf eine Der bessere Weg: Die Schweiz setzt sich dafür ein,
auf den Markt ausgerichtete Land- und Ernäh- dass jedes Land eine individuelle, starke, eigen-
rungswirtschaft und grenzüberschreitende ständige Versorgung mit Nahrungsmitteln för-
Handelsbeziehungen, die zu einer global ori- dern kann und nur bei Bedarf importiert wird.
entierten, nachhaltigen Land- und Ernäh- Nur so kann jedes Land auf die spezifischen eige-
rungswirtschaft beitragen sollen. Das ist eine nen Herausforderungen Rücksicht nehmen. In
deutliche Richtungsänderung. der Schweiz sind das unter anderem das Bauerns-
terben, Massenimporte billiger Lebensmittel und
«Bauernopfer» für Preise für Landwirtschaftsprodukte, die nicht
Handelsverträge? einmal die Selbstkosten decken. Dafür haben wir
Bundesrat Johann Schneider-Ammann erklärte hohe Subventionen, welche die Bevölkerung nicht
in einem Interview in der NZZ vom 8.7.2017 un- mehr nachvollziehen kann. Ebenso gilt es, das
ter dem Titel «Bauern nicht unter Heimat- Klima, die Topografie, die Löhne, die Umwelt-
schutz», die Abstimmung am 24. September sei standards mit ihren vielen Vorschriften sowie den
ein Schritt Richtung offene Märkte. Das ist im Umweltschutz zugunsten kurzer Transportwege
Kern das Gegenteil des Hauptanliegens der ur- zu beachten.
sprünglichen Initiative, die in Rekordzeit von Die EDU empfiehlt deshalb die Nein-Parole – als
drei Monaten von 148 000 Stimmberechtigten bisher einzige Partei der Schweiz. •
unterzeichnet wurde.
Der Bundesrat wollte das Original unbedingt
verhindern, denn er steht unter Druck: Die
WTO rügte die Schweiz wegen Importrestrikti-
onen und Importzöllen im Agrarsektor, ebenso PAROLE DER EDU: NEIN
die USA. Die EU will eine Reduktion von Aus- Die Delegiertenversammlung beschloss am
nahmeregelungen in Bezug auf das Cassis -de- 12. August in Olten mit 31:25 Stimmen (12 Ent-
Dijon-Prinzip; ebenso wendet sie sich gegen haltungen) die Nein-Parole zum Gegenvorschlag
die neuen Swissness-Regelungen. Zudem hat (Pro-Referat: Alois Huber, Präsident Bauernver-
die WTO bereits im Jahr 2015 Exportsubventio- band Aargau und Mitglied des Initiativkomitees,
nen verboten. SVP AG; Kontra: Lisa Leisi, Präsidentin EDU SG).
6 EDU-STANDPUNKT SEPTEMBER 2017RELIGION
Ruhe in Frieden?
Wünsche für Bestattungsriten und Grabfelder, wie auch die Interpretatio-
nen des Gebots «der schicklichen Beerdigung» werden immer vielfältiger.
Politische Gemeinden stehen laufend vor neuen Fragen. Die EDU-Kreispartei
Wil hat das Thema im Juli anlässlich einer lokalen Vernehmlassung vertieft
aufgearbeitet.
David Gysel
Wegen des Gebots «der schicklichen Beerdi- Sind vor dem Friedhof alle gleich?
gung» will ein Gemeinderat «für Verstorbene an- Muslimische «Grabfelder» entsprechen übrigens
derer Glaubensgemeinschaften, namentlich sol- nicht dem eigentlichen Wunsch der Muslime. Is-
che muslimischen Glaubens, spezielle lamische Homepages sprechen von eigenen
Grabfelder bezeichnen und abweichende Gra- «Friedhöfen» und begründen dies wie folgt:
besruhen» festlegen können. Eigene Grabfelder Nicht konsequente Muslime und Andersgläubige
und das Thema der ewigen Grabesruhe betref- werden in den Gräbern bestraft. «Die Verstorbe-
fen tatsächlich Juden und Muslime, aber Bestat- nen, die danebenliegen, hören, was um sie her-
tungsriten mit besonderen Ansprüchen gibt es um passiert. Deshalb ist es sehr zu empfehlen,
auch in anderen Religionen. Deshalb könnte es dass Muslime in einem muslimischen Friedhof
angesichts der neuzeitlichen Vielfältigkeit der beerdigt werden» (www.tauhid.net). Die Grabes-
Religionen in der Schweiz willkürlich und viel- ruhe eines Moslems soll nicht durch Qualenge-
leicht auch kurzsichtig sein, wenn – nur, oder, räusche anderer gestört werden.
ausgerechnet – eine dieser Religionen in kom- Frauen sollen die Grabesruhe ebenfalls nicht
munalen Reglementen Erwähnung findet. stören: «Der Besuch auf den Gräbern ist den
Frauen verboten, auf Grund der vorher erwähn-
Ein fröhliches Jekami ten Worte (Gott verdamme die Frauen, welche
Manche Gemeinden haben für Moslems Anlagen die Gräber besuchen...)» (www.islamheute.ch).
zur Leichenwaschung mit fliessendem Wasser
gebaut. Für Hindus jedoch wäre nach einer ritu- Fragwürdige Fragmentierung der
ellen Waschung die öffentliche Verbrennung so- Gesellschaft
wie die Spaltung des Schädels des Leichnams Solche Aussagen widersprechen nach Ansicht
wichtig, «damit die unsterbliche individuelle der EDU Kreis Wil der Achtung der Menschen-
Seele (Atman) des Verstorbenen entweichen würde und der Gleichheit, die vordergründig als
kann» (www.nachlassbegleiter.de). Bald könn- Ziel der Neuregelungen angeführt werden. Die
ten, ist der Website der Stadt St. Gallen zu ent- Individualisierung und Fragmentierung der Ge-
nehmen, andere potenzielle Wünsche, wie zum sellschaft – und damit der zerfallende Zusam-
Beispiel «Luftbestattungen (Heissluftballon, menhalt – zeigen sich zum Beispiel auch an ei-
Hubschrauber, Weltraum), Verarbeitung von nem Friedhof für Lesben in Berlin. Wer alle
Asche zu Diamanten, Gefriertrocknen (Promes- vordergründigen «Freiheiten» und «Rechte» für
sion)», aus der Bevölkerung aufkommen. Ein Tote fordert, fordert sie meist auch für Lebende.
multikulturelles «Jeder kann mitmachen» also. Und auf Kosten anderer. •
Um die letzte irdische Ruhestätte wird zuweilen ziemlich unsanft Islamischer Friedhof: Die Gebeine von Muslimen
diskutiert. (Bild: Friedhof in Wil SG) müssen ewig im Grab bleiben können. (Istanbul)
EDU-STANDPUNKT SEPTEMBER 2017 7FRAGEN & ANTWORTEN
«Mit echter Liebe
gegen Missstände aufstehen»
Heutiges Indoor-Cannabis weist einen bis zu 40 Mal höheren THC-Gehalt
auf als früher. Trotzdem wird die Forderung nach einer Legalisierung lau-
ter. Wie steht es mit dem medizinisch motivierten Einsatz von Cannabis?
Im Gespräch mit dem Drogenfachmann und Therapie-Pionier Paul Stettler.
Zuversichtlich und glaubensvoll: Paul Stettler, Gründer und Leiter der Wohngemeinschaft «El Rafa».
Interview: Thomas Feuz
Paul Stettler, was sagt Ihnen der Begriff Was waren die Gründe dafür?
«Jugend ohne Drogen»? Die Drogenlobby einerseits, aber auch Medien
1997 kam die Volksinitiative mit diesem Titel zur und linke Kreise vermittelten die Haltung, dass
Abstimmung. Besorgte Bürger setzten sich für es hartherzig und menschenverachtend sei, ent-
eine Wende in der Drogenpolitik ein. schieden gegen den Drogenkonsum durchzugrei-
fen. Es wurde gezielt Mitleid für die Süchtigen
Sie waren massgeblich am Zustandekom- geweckt, während den Befürwortern der Initiati-
men der Volksinitiative beteiligt. Warum? ve Lieblosigkeit unterstellt wurde.
In einer Lebenskrise sind Jugendliche besonders Ich bin aber überzeugt, dass sich echte Liebe im-
gefährdet, mit Drogen zu experimentieren. Die- mer gegen das stellen muss, was jemandem
se Gefahr ist umso grösser, je leichter Drogen Schaden zufügt. Wer erkennt, welcher Schaden
verfügbar sind. Ein entschiedenes Vorgehen ge- durch den Drogenkonsum bei Menschen ange-
gen den Drogenhandel und auch gegen den Kon- richtet wird, der wird alles daransetzen, diesen
sum wirkt sich für diese Menschen positiver aus Konsum zu verhindern. Leider ist es uns nicht
als ein oberflächliches Dulden und Verharmlo- gelungen, den Stimmbürgern diese Einsicht zu
sen der Drogen. Aus diesem Grund setzten wir vermitteln.
uns für die Initiative ein, die zum Ziel hatte, die
Verfügbarkeit von Drogen zu reduzieren und die Gut ein Jahr vor der Abstimmung starteten
Abhängigen beim Ausstieg zu unterstützen. Lei- Sie Ihre abstinenzorientierte Drogenarbeit.
der gelang es dem linken politischen Lager, mit Welche Auswirkungen hatte der Abstim-
massiver Unterstützung der Medien, die Initian- mungsausgang für Sie? Wie erging es ande-
ten in die Ecke der verständnislosen Hinterwäld- ren Institutionen in der Schweiz?
ler und Sektierer zu drängen. Die Motivation für den Ausstieg aus der Sucht
ging deutlich zurück. Statt der Vorbereitung auf
An der Abstimmung vom 28.9.1997 nahmen einen Entzug entstanden vermehrt eine Passivi-
40,83 Prozent der Stimmberechtigten teil; tät und eine Akzeptanz für ein Leben mit der
70,7 % von ihnen lehnten die Initiative ab. Sucht. Während vorher viele Drogensüchtige
8 EDU-STANDPUNKT SEPTEMBER 2017FRAGEN & ANTWORTEN
«WIR MÜSSEN DARAUF ACHTEN, WIE ES UNSEREN
NÄCHSTEN GEHT. AUFRICHTIGE ZUWENDUNG
KÖNNTE DEN GRIFF ZU DROGEN ERSPAREN.»
einsahen, dass sie irgendwann frei werden soll- Sie kritisierten die neue Marschrichtung.
ten, brachte vor allem die Einführung der Dro- Wie lautete Ihre Alternative?
genabgabe eine problematische Alternative. Vie- Gefährdete Menschen müssen mit ihren Proble-
le sagten sich: «Wenn es dann gar nicht mehr men ernst genommen werden. Echte Zuwendung
geht, kann ich ja noch vom Staat Heroin erhal- in schwierigen Lebenssituationen kann helfen,
ten.» So wurde die Arbeit abstinenzorientierter den Einstieg zu verhindern. Ebenso brauchen
Einrichtungen untergraben. Bei uns kam sicher Menschen, die bereits in eine Abhängigkeit gera-
dazu, dass viele Suchtberater den christlichen ten sind, Ermutigung und Unterstützung, um
Glauben als Verlagerung der Abhängigkeit be- wieder von den zerstörerischen Substanzen weg-
trachteten und deshalb von einer christlichen zukommen. Diese Tätigkeiten müssten unter-
Therapie abrieten. Diese Entwicklung führte da- stützt werden, statt sie mit falschen Signalen zu
zu, dass viele – vor allem christliche – Therapie- untergraben.
stellen geschlossen wurden.
Nun feierte Ihre Institution «El Rafa»
…und das trotz niedrigen Rückfallquoten! («Gott heilt») das 30-Jahr-Jubiläum. An ins-
Leider werden im Suchtbereich die Resultate gesamt vier Standorten präsentierte sich
kaum beachtet. Vielmehr wird Qualität daran Ihre breit gefächerte Wohn- und Lebensge-
gemessen, ob Institutionen professionell geführt meinschaft. Wie lauten die Grundüberle-
werden und die Mitarbeiter über anerkannte gungen, wie sieht das Angebot aus?
Ausbildungen verfügen. Unsere Erfahrung zeigt Der Ansatz ist überall der gleiche: Als christliche
aber, dass für tiefgreifende Veränderungen die Familiengemeinschaft zusammen wohnen und
Herzen der Betroffenen erreicht werden müs- arbeiten, damit Menschen an Leib, Seele und
sen. Wir glauben und erleben, dass dies durch Geist gesunden können und von Gebundenhei-
Gottes verändernde Liebe geschieht. ten frei werden. In Schwendibach bei Thun be-
steht das Angebot für Männer mit Suchtproble-
Das Abstimmungsresultat motivierte Parla- men oder psychischen Schwierigkeiten, welche
ment und Regierung, das sogenannte Vier- in der Bauschreinerei eine Beschäftigung finden.
säulenprogramm zu entwickeln. Welche In Erlenbach im Simmental erhalten Frauen aus
Überlegungen liegen diesem zugrunde? schwierigen Lebenssituationen ein Zuhause und
Die Überlegung, dass in den Bereichen Präventi- eine Beschäftigung in der Brockenstube. Im
on, Therapie, Schadensminderung und Repressi- Chuderhüsi (in Nähe der Gotthelf-Kirche Würz-
on gleichermassen Anstrengungen unternom- brunnen, d. Red.) betätigen sich die Bewohner
men werden müssen, ist sicher richtig. Leider im Ausflugsrestaurant und in Aeschau teilen in
wurden aber vor allem die Bereiche Prävention insgesamt 14 Wohnungen Einzelpersonen und
und Schadensminderung von einer ungesunden Familien ihr Zuhause.
Akzeptanz des Drogenkonsums geprägt. So wur-
de zu wenig unternommen, um glaubwürdig auf Wie wird Ihre Arbeit getragen?
die Gefahren der Drogen hinzuweisen – und un- Da wir in erster Linie eine christliche Ausrich-
ter dem Deckmantel der Schadensminderung so- tung haben, wurde eine Kostenbeteiligung von
gar das Konsumverhalten unterstützt. Sozialdiensten oft abgelehnt. Dies führte dazu,
PAUL STETTLER
geboren 1956, El.-Ing., verheiratet mit Hanni,
5 Kinder, 9 Enkel. Ab 1987 Aufbau der Dro-
gentherapiestelle El Rafa in Obergoldbach
und später in Schwendibach. Kandidierte ver-
schiedentlich für die EDU. Heute tätig als
Hauptverantwortlicher für die verschiedenen
Arbeitszweige von El Rafa.
www.elrafa.ch
EDU-STANDPUNKT SEPTEMBER 2017 9FRAGEN & ANTWORTEN / BUCHREZENSION
dass wir heute ganz auf staatliche Beiträge ver- Gleichzeitig nutzen wir aber die Möglichkeiten,
zichten und uns grösstenteils durch die verschie- um einander gegenseitig mit praktischer Arbeit,
denen Erwerbszweige finanzieren. Weitere we- mit Rat und im Gebet zu unterstützen. Wir ver-
sentliche Beiträge sind die unentgeltliche trauen darauf, dass der Gott, welcher in den ver-
Unterstützung von zahlreichen Helfern und gangenen 30 Jahren durch viele Schwierigkeiten
Spenden aus unserem Freundeskreis. geholfen hat, auch in Zukunft seine Hand über El
Rafa halten wird.
Welche Bedeutung hat heute der Bereich
Drogen im weitesten Sinn? Wie lautet Ihr «Vermächtnis» an Men-
In der Öffentlichkeit hat das Thema an Bedeu- schen, die sich für eine möglichst drogen-
tung verloren, was aber nicht heisst, dass die freie Gesellschaft einsetzen?
Probleme wirklich bewältigt werden konnten. Wir wollen uns nicht über die Benachteiligung
Der Konsum findet heute unauffälliger statt und christlicher Drogenarbeit beklagen. Vielmehr
die Sozialhilfe kann die äussere Verwahrlosung wollen wir die vorhandenen Möglichkeiten nut-
der Süchtigen oft verhindern. Die innere Ver- zen, um Menschen in Problemsituationen beizu-
wahrlosung der Betroffenen besteht jedoch wei- stehen.
terhin und wird oft übersehen.
Haben Sie ein Lebensmotto?
Wie beurteilen Sie die laufende Debatte um Gib einen Menschen nie auf!
die Legalisierung von Cannabis?
Die Verharmlosung von Cannabis betrachte ich
als etwas sehr Gefährliches, weil Jugendliche da-
El Rafa
durch viel leichtfertiger mit dem Konsum begin-
nen. Zudem ist gerade eine der Wirkungen dieser
Substanz, dass die Konsumenten gleichgültig
werden und negative Veränderungen in ihrem Le-
ben kaum beachten. Bei zahlreichen Konsumen- Drogen, Süchte, Lebenskrisen:
ten von Cannabis kommt es zudem zu psychi- Chance für einen Neuanfang!
schen Erkrankungen. Der Staat müsste deshalb
unbedingt aufzeigen, dass Cannabis unberechen- Die christliche Therapiearbeit El Rafa hat eine
bare und gefährliche Auswirkungen hat. bewegte Geschichte. Von Behörden bekämpft,
von Kritikern verunglimpft und von Bewohnern
…und wie betrachten Sie den medizinisch bedroht, mehrmals vor dem finanziellen Ruin
motivierten Einsatz von Hanfprodukten? und in vielen Bereichen der Zeit weit voraus.
Es mag durchaus Bereiche geben, bei denen der Während ihrer Arbeit mit problembeladenen
Einsatz von Hanfprodukten Schmerzen lindern Menschen lernten Paul und Hanni Stettler und
kann und Entspannung bringt. Leider werden ihre Mitarbeiter einen Gott kennen, der auch in
daraus aber falsche Schlüsse für diejenigen ge- ausweglosen Situationen eine Lösung bereithält.
zogen, welche die Substanz konsumieren, um Das Buch beschreibt das Abenteuer El Rafa aus
sich damit zu berauschen. einer persönlichen Perspektive. Es macht Mut,
an einen Gott zu glauben, der eingreift, wenn
Laisser-faire wie in vielen anderen Berei- eine Lösung unmöglich scheint. Und es zeigt ei-
chen… Hat die Politik versagt? nen Gott, der sich besonders verletzten Men-
Die Verantwortung kann nicht nur der Politik zu- schen annimmt und ihnen einen Neuanfang er-
geschoben werden. Als ganze Gesellschaft müss- möglicht.
ten wir mehr darauf achten, wie es unseren Fazit: die ideale Ergänzung zum Interview – und
Nächsten geht. Aufrichtige Zuwendung könnte wertvoll für alle, die an Menschen und ihren
vielen Jugendlichen den Griff zum Joint ersparen. Schicksalen interessiert sind.
Sie haben die Arbeit von «El Rafa» aufge- DAS BUCH
baut. Wohin entwickelt sich diese, wenn
Sie Ihren Ruhestand antreten werden? «El Rafa. Drogen, Süchte,
Wir sind bestrebt, die Verantwortung für die Lebenskrisen: Chance für einen
verschiedenen Standorte und Arbeitszweige Neuanfang!»
schrittweise zu übertragen. Und wir sind dank-
bar für alle Mitarbeitenden, die sich schon heute Edition Wortschatz, Schwarzenfeld
mit ganzer Kraft für das Anliegen von El Rafa 148 Seiten, ca. CHF 19
einsetzen. Mit ihnen soll die Arbeit an jedem ISBN 978-3-943362-29-9
Standort möglichst unabhängig geführt werden. edition-wortschatz.de
10 EDU-STANDPUNKT SEPTEMBER 2017Aufruf Riehener Wahlen
Am 4. Februar 2018 finden die Wahlen in den Einwohnerrat der Gemeinde Riehen statt.
Für die EDU BS sind dies die wichtigsten Wahlen, da wir hier die besten Chancen haben,
einen Sitz zu erobern. Einerseits ist der Wähleranteil der EDU in unserem Kanton in Rie-
hen traditionell am höchsten, andererseits braucht es für den Erhalt von einem der 40
zu vergebenden Sitze nur 2.44% der Stimmen. Das entspricht lediglich ca. 170 vollen Lis-
ten.
Daher sind alle Mitglieder und Sympathisanten meinsam erreichbar:
aufgefordert, uns bei der Wahl zu unterstützen. 1. Personen finden, die sich als Kandidaten für
Es geht um nur ca. 170 volle Listen, die für einen die EDU-Liste aufstellen lassen.
Sitz notwendig sind. Das heisst, wenn 170 Perso- 2. Personen finden, welche die (komplette) EDU-
nen die EDU-Liste oder die leere Liste beschriftet Liste einwerfen.
mit EDU einwerfen, gewinnen wir einen Sitz! 3. Selber wählen gehen und die EDU-Liste ein-
Dieser Sitz macht einen enormen Unterschied, werfen!
denn eine mutige, klar christlich-bürgerliche 4. Gottes Segen erbitten.
Stimme kann viel bewirken. In der Bibel bewirkt Während der dritte und vierte Punkt hoffentlich
Gott oft viel durch eine einzige, Ihm treue Per- selbstverständlich sind, werde ich Punkt eins
son - auch in heidnischem Umfeld (als Beispiel und zwei etwas erläutern.
für einen Mann und eine Frau: Daniel in Baby-
lon, Esther in Assyrien). Aufruf zur Kandidatur
Wir haben bereits einige Kandidaten. Damit eine
Was ist zu tun? Liste aber attraktiv ist, sollten darauf möglichst
Dieses Ziel erreichen wir sicher, wenn alle mit- viele Personen sein, welche man in den Einwoh-
helfen. Die Aufgaben sind einfach, doch nur ge- nerrat wählen kann. Denn jeder Kandidat gibt
EDU-stanDpUnkt sEptEmbEr 2017 1EDU basEl-staDt
« in DEr bibEl bEwirkt werfen, die sonst nicht stimmen würden. Moti-
gott oft viEl DUrch vieren Sie also möglichst viele Personen aus Ih-
rem Riehener Bekanntenkreis, die EDU-Liste
EinE EinzigE, ihm trEUE einzuwerfen. Sie dürfen Leuten auch beim Wäh-
pErson » len helfen und die Liste in den Briefkasten wer-
fen (z.B. bei älteren Senioren).
Markus Grob
Zusammenfassung
Beten Sie für ein gutes Gelingen der Wahlen und
auf eine Art ein öffentliches Bekenntnis ab, dass beteiligen Sie sich aktiv, indem Sie Personen als
die Partei gut. Es macht einen schlechten Ein- Kandidaten für die Liste melden und selber im
druck, wenn sich nur wenige Kandidaten auf der Bekanntenkreis weibeln, damit die EDU-Liste
Liste befinden. Alle sind daher gebeten, in ihrem eingeworfen wird.
Bekanntenkreis zu schauen, ob sich Personen Am 2. September und im Januar machen wir im
finden, die sich auf die Liste setzen lassen möch- Dorfzentrum Riehen wieder eine Standaktion.
ten und diese mir zu melden bzw. dem Parteise- Die EDU ist seit über zwei Jahren jeweils vor den
kretariat (siehe Impressum). Die Person sollte Abstimmungen präsent. Gerne dürfen Sie teil-
eine christlich- bürgerliche Gesinnung haben, nehmen oder vorbeischauen: Es gibt wie immer
muss aber nicht Parteimitglied sein oder wer- "EDU-Leckerli" und Informationen zu den Ab-
den. Wie wäre es eigentlich, wenn Sie sich selber stimmungen. Vor den Wahlen wird es einen Pro-
als Kandidat (bzw. selbstverständlich Kandida- spekt geben, den alle stimmberechtigten Riehe-
tin) melden? Allfällige weitere Informationen ner erhalten. Die EDU wird einen aktiven
können Sie jederzeit in unserem Parteisekretari- Wahlkampf betreiben.
at einholen. Gott mit Ihnen und vielen Dank für Ihre Mithilfe
Damit die notwendigen Listen bei der Wahl zu-
sammenkommen, müssen dazu noch alle jene Markus Grob Pantaleoni,
Leute mobilisiert werden, die EDU-Liste einzu- Präsident EDU Riehen. •
EiDgEnössischE volksabstimmUng vom 24. sEptEmbEr 2017
NEIN zur Steuererhöhung und
zum Ausbau der AHV
Unter dem Deckmantel der an sich nötigen Reform der Altersvorsorge soll die jetzt
schon defizitäre AHV weiter ausgebaut werden, anstatt dass man die leider notwendi-
gen Korrekturen endlich vornimmt.
Markus Grob, Vizepräsident EDU BS, Telekom- Da die durchschnittliche Lebenserwartung lau-
Informatiker FH, verheiratet, 3 Kinder, und Ro- fend gestiegen und das Rentenalter nicht erhöht
land Herzig, Präsident der EDU BS, Finanzpla- worden ist, gerät vor allem die AHV zunehmend
ner mit eidg. FA finanziell in Schieflage. Seit der Einführung der
AHV im Jahre 1948, wo für Männer und (!) Frau-
en ein Renteneintrittsalter von 65 galt, ist die
Unsere Altersvorsorge ist auf drei Säulen aufge- durchschnittliche Rentenbezugsdauer von 12 auf
baut. Die erste Säule ist die staatliche AHV, die 18 Jahre gestiegen. Die AHV wurde damit um
im Umlageverfahren finanziert wird. Die Gene- über 50% ausgebaut! Dieser wichtigste Punkt
ration im Erwerbsalter bezahlt für die Generati- wird mit der Reform nur minimal angegangen
on im Rentenalter. Die zweite Säule ist eine Art und stattdessen werden sogar die Renten erhöht,
obligatorische Lebensversicherung für Arbeit- wie der folgende Überblick zeigt.
nehmer. Die Arbeitnehmer zahlen in die Pensi-
onskasse des Arbeitgebers und sparen sich so Die gewichtigen Änderungen der
ein eigenes Altersguthaben an, aus dem dann Reform
ihre Rente finanziert wird. In der dritten Säule • Statt dass der Mehrwertsteuersatz durch den
kann darüber hinaus jeder freiwillig für das Al- Wegfall des befristeten Beitrags zur Sanierung
ter sparen, wobei es steuerliche Vergünstigun- der IV um 0.3% im 2018 sinkt, wird er im 2021
gen gibt. sogar um 0.3% auf 8.3% erhöht. Insgesamt flies-
2 EDU-stanDpUnkt sEptEmbEr 2017EDU basEl-staDt
der Satz versicherungsmathematisch berechnet
wird, normal wie bei jeder Lebensversicherung.
Es könnte durchaus sein, dass bereits in wenigen
Jahren ein höherer Umwandlungssatz gerecht
wäre, wenn nämlich die Gelddruckerei der
Schweizerischen Nationalbank zu einer höheren
Teuerung führt.
Gesamtwirkung der Reform
Faktisch bringt die SP mit den 70 CHF Erhöhung
für alle neuen Rentner die kürzlich abgelehnte
Initiative für eine 10%-ige Erhöhung der AHV
durch die Hintertüre doch noch teilweise durch.
Argumentiert wird, dies sei eine Kompensation
für die Senkung des Umwandlungssatzes bei der
Pensionskasse. Dies ist grösstenteils eine Augen-
wischerei, denn die Senkung des Umwandlungs-
satzes gilt bei Personen ab 45 Jahren nur auf neu
einbezahlten Beiträgen! Durch diese Besitz-
ausschnitt aus der nzz standgarantie sind die Arbeitnehmer mit Pensi-
am 12.08.2017. onskasse, die relativ kurz vor der Rente stehen,
die grossen Gewinner der Reform zulasten aller
anderen Bevölkerungsgruppen: Sie bekommen
sen damit zusätzliche 0.6% Mehrwertsteuer in wie heute versicherungstechnisch überhöhte
die AHV. Pensionskassenrenten und dazu noch neu die 70
• Die Lohnabgaben an die AHV steigen um 0.3%. CHF AHV pro Monat mehr!
• Die AHV-Rente wird um 70 CHF pro Monat für Da nur Neurentner die 70 CHF mehr AHV erhal-
alle erhöht, die neu pensioniert werden. Heutige ten, wächst der Anteil der Rentner mit der 70
Rentner erhalten also keine Erhöhung. CHF höheren AHV langsam Jahr für Jahr und da-
• Die Plafonierung der Renten für Ehepaare wird mit die Kosten. Aufgrund der schnellen Erhö-
von 150 auf 155% der maximalen Einzelrente an- hung der Steuern und Lohnabgaben ergibt sich
gehoben. Diese Verringerung der Benachteili- in den ersten Jahren eine Nettomehreinnahme
gung von Ehepaaren gegenüber Konkubi- für die AHV, die jedoch Jahr für Jahr sinkt und
natspaaren ist zwar zu begrüssen, ist aber ab dem Jahr 2031 sogar ins Negative fällt. Dies
ebenfalls ein Ausbau der AHV. Warum plafo- zeigt die nebenstehende offizielle Grafik des
niert man nicht die AHV für Konkubinatspaare? Bundesamt für Sozialversicherungen. Ab 2031
• Das ordentliche Rentenalter für Frauen steigt in steht die AHV also schlechter da, als wenn man
den Jahren 2018-2021 um je 3 Monate von 64 auf nichts machen würde!
65 Jahren. Damit werden Männer und Frauen
gleichgestellt. Vorschläge für eine echte Reform
• Der AHV-Renteneintritt wird besser flexibili- Dies ist der Grund, weshalb sogar die Befürwor-
siert. Neu kann man zwischen 62 und 70 Jahren ter zugeben, dass nach einer Annahme der Re-
die Rente auch teilweise vorbeziehen bzw. auf- form, umgehend eine zweite Reform eingeleitet
schieben, wobei diese Änderungen versiche- werden muss. Diese müsste härter werden, als
rungstechnisch korrekt berechnet werden (kei- eine Reform nach der Ablehnung der vorliegen-
ne Bevorteilung von Vorbezügen gegenüber den Scheinreform! Gute Vorschläge für eine ech-
Aufschüben). te Reform wurden im übrigen im Parlament dis-
• Bei der Pensionskasse wird der Satz, mit dem kutiert, aber leider knapp abgelehnt. Sie
aus dem angesparten Altersguthaben die Jahres- könnten sofort aus der Schublade gezogen wer-
rente berechnet wird, in den Jahren 2019-2022 den. Zum Beispiel eine Stabilisierungsmechanik,
um je 0.2% von 6.8% auf 6.0% gesenkt. Die Sen- bei der das ordentliche Rentenalter schrittweise
kung dieses Umwandlungssatzes ist aufgrund auf maximal 67 Jahre und die Mehrwertsteuer
der höheren Lebenserwartung und der tiefen um maximal 0.4% erhöht würden, wenn die Re-
Zinsen dringend nötig. Seit Jahren wird Neurent- serven der AHV auf unter 80% einer Jahresaus-
nern eine zu hohe Rente ausbezahlt, indem den gabe fallen. Wenn die unnötigen Ausgaben des
Erwerbstätigen ihre Sparbeiträge nicht vollstän- Bundes eingeschränkt würden (wie etwa Zahlun-
dig ihrem Altersguthaben angerechnet werden. gen an kriegstreibende Palästinenser-Organisa-
Diesen "Rentenklau" haben die Linken verur- tionen, andere sogenannte Entwicklungshilfe-
sacht, die das Volk populistisch eben mit dem gelder, Kohäsionsmilliarden an die EU, Gelder
Argument "Rentenklau" in einer Abstimmung im für mehr Asylanten), könnte man auch problem-
2010 überzeugt hatten, den Umwandlungssatz los auf eine Steuererhöhung verzichten.
nicht zu senken. Der Umwandlungssatz müsste Die Mitgliederversammlung der EDU BS hat mit
entpolitisiert werden, indem im Gesetz nicht ei- 8 gegen 1 Stimmen sowohl die Steuererhöhung,
ne fixe Zahl festgeschrieben wird, sondern dass als auch die Altersreform abgelehnt. •
EDU-stanDpUnkt sEptEmbEr 2017 3EDU basEl-staDt
Nachruf Jean-Paul Hafner
Im Andenken an den kürzlich verstorbenen ehemaligen Präsidenten der EDU Basel-Stadt
freut es uns, nachfolgende Worte von seinem Sohn Patrick Hafner, Grossrat und Bürger-
rat SVP, veröffentlichen zu können.
Patrick Hafner, Grossrat und Bürgerrat SVP
Jean-Paul Hafner wurde am 12. Mai 1934 in Basel
geboren als zweiter Sohn eines gebürtigen Solo-
thurners und einer Waadtländerin: Walter und
Marthe Hafner-Leuba. Er wuchs sozusagen als
Einzelkind auf, da sein Bruder 8 Jahre älter war.
Jean-Paul besuchte die Schulen in Basel und ab-
solvierte dann eine KV-Lehre in einem Haushalt-
warengeschäft der gehobenen Klasse. Danach
bekam er eine Anstellung bei Ciba, die im Lauf Jean-paul hafner
der Jahre zu Ciba-Geigy und schliesslich zur No-
vartis wurde, eine sogenannte Lebensstelle, wie
es für seine Generation üblich und wünschens-
wert war. Es erfüllte ihn mit Stolz, dass er es oh- von uns heimgegangen.
ne Studium zu einer leitenden Stellung gebracht Jean-Paul Hafner hat immer gern die Schriften
hatte. Am Anfang seiner Karriere hatte er 2 ½ von Wilhelm Busch gelesen, sodass ein Zitat von
Jahre bei der Ciba Mailand gearbeitet, wo er ihm gut als Schlusswort passt: "Es kann einer ein
auch sein geliebtes Italienisch gelernt hat. In schwacher Sünder sein, der mancherlei Nieder-
diese Zeit fällt auch die Heirat mit Marlies Brun- lagen erlebt. Wenn er aber auf dem Weg des
ner. Das Ehepaar wurde mit drei Kindern, zwei Glaubens ist, dann ist er Gott lieber als ein ande-
Söhnen und einer Tochter, beschenkt, später ka- rer, der herrlich und moralisch hochstehend ist,
men Schwiegertochter und Schwiegersohn und aber auf dem falschen Weg."
dann die beiden geliebten Enkeltöchter dazu. Wir werden Jean-Paul Hafner als lieben Mitmen-
Neben seinem Beruf hat sich Jean-Paul Hafner schen in Erinnerung behalten, der sich in der
politisch engagiert in der EDU, der Partei, die EDU sehr für das Einbringen der christlichen
auf biblische Grundlagen setzt. Das war für ihn Werte in die Politik eingesetzt hat. •
zentral und er hat sich oft Gedanken gemacht,
wie die christlichen Werte noch stärker in die
Politik eingebracht werden könnten. Von 1989
bis 1997 präsidierte er die EDU Basel-Stadt.
Die Musik, besonders sein geliebter Jazz, hat ihn
ein Leben lang begleitet. Seine Plattensammlung
war immens. Dass die Musik ihm sehr wichtig
war, zeigen auch Berichte, dass er bis fast zuletzt
auf seine Musik reagiert hat, und sei es nur mit
der Andeutung eines Lächelns oder Bewegen der
Hände und Füsse. Impressum
In seinen letzten Lebensjahren hat ihm seine zu-
nehmende Demenzerkrankung sehr zu schaffen REdAktIoN REdAktIoN
EdU Basel-Stadt roland herzig
gemacht. Seit einer Lungenentzündung, die ihn
st. alban-anlage 23a, 4052 basel
am 1. April 2017 ins Felix Platter-Spital brachte, roland.herzig@edu-schweiz.ch gEStAltUNg
konnte man nicht mehr wirklich mit ihm kom- anja herzig
munizieren, da er delirierte. Nichtsdestotrotz ANzEIgENVERkAUf
061 273 4032 dRUck UNd SPEdItIoN
berichtet eine Freundin der Familie, dass er zwi- roland.herzig@edu-schweiz.ch Jordi ag, belp
schen wirren Sätzen deutlich die Worte "Jesus ist postcheck 17-33-8
meine Zuversicht" gesprochen und auch das Va- iban ch90 0900 0000 1700 0033 8 fotoS
terunser mitgebetet habe. Am 14. Mai 2017 ist er http://bs.edu-schweiz.ch anja herzig, patrick hafner
4 EDU-stanDpUnkt sEptEmbEr 2017HINTERGRUND
Lobbying für Sex –
im Klassenzimmer
LGBT-Lobbygruppen (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender) erhalten Zugang zu
immer mehr Deutschschweizer Schulklassen. Wollen wir das? Es braucht
die Aufdeckung von Grenzüberschreitungen und beherzten Widerstand vor Ort
und in der Politik. Nur so kann diese Gehirnwäsche durch die «Sexualpädagogik
der Vielfalt» gestoppt werden, bevor sie noch mehr Schaden anrichtet.
Mit «GLL» (Nordwest- und Zentralschweiz, Zü- ranz-Erziehung gemacht wird, ist das Gehirn-
rich), «ABQ» (Kanton Bern) und «Comout» (Kan- wäsche.
tone St. Gallen und Appenzell) boomen gleich Es ist höchste Zeit, dass kantonale Bildungsdi-
drei schwul-lesbische Schulprojekte. Es ist davon rektoren, Kantonsparlamentarier, Schulleiter,
auszugehen, dass hinter verschlossen Schulzim- Klassenlehrpersonen, letztlich wir alle diesen
mertüren zwar subtile, aber radikale Gender-In- Missständen ein Ende setzen. •
doktrination betrieben wird. Heterosexualität
Lisa Leisi und Zweigeschlechtlichkeit – also das Natür-
lichste der Welt – soll als Norm radikal hinter-
fragt werden.
Indoktrination…
Treff punkt
Das Vorgehen der GLL-Aktivistin Laura Eigen-
mann beispielsweise ist hochgradig schamver-
letzend. Sie berichtet in der Jugendzeitschrift
«Milchbüechli», wie sie Schülerinnen und Schü-
lern ausführlich schildert, wie Lesben Sex ha-
ben. Laut Unterrichtsmaterial der «Fachstelle
für Aids- und Sexualfragen St. Gallen-Appenzell
(AHSGA)», die für das Projekt «Comout» zustän-
dig ist, sollen Schüler ab der 4. Klasse lernen, MARIA RITA MARTY
dass keine Lebensform besser sei als die ande-
ren. Kindern soll auch zugemutet werden, sich in (54), Kantonsrätin EDU Kt. Zürich,
homosexuelle Lebenswelten hineinzuversetzen Mitglied der Justizkommission;
und diese «gut» zu finden. Das verstösst klar ge- verheiratet, 3 erwachsene Kinder;
gen das schulische Indoktrinationsverbot. Letzt- lic. iur., Juristin in einem Rechts-
lich gehe es um «gleiches Recht für jede Liebe», anwaltsbüro in Zürich; Gutenswil
zieht etwa Zukunft.ch Bilanz. (Volketswil).
…bis zu Gehirnwäsche TOPS
Druck auf Schüler, gleichgeschlechtliche Sexuali- • ich bin gesegnet mit meiner Familie
tät als wertvoll und gleichwertig mit der Hete- • dass ich in einem wunderschönen Land leben
rosexualität zu akzeptieren, wird auch vom Sexu- darf
alpädagogen-Dachverband «Sexuelle Gesundheit • ich darf das machen, was meinen Talenten
Schweiz» aufgebaut. Wenn jedoch jede Aus- entspricht, und kann diese einsetzen
drucksform menschlicher Sexualität letztlich • 2. Timotheus 1,7
gleichwertig sein soll, bleibt als gemeinsamer
Nenner nur noch die Lust übrig. Diese rückt FLOPS
dann einseitig ins Zentrum der Sexualpädagogik. • die Verblendung in dieser Welt: das Gute wird
Eine ganzheitliche Sicht menschlicher Sexualität als böse erachtet und das Böse als gut
wird Schülern aus ideologischen Gründen vor- (Lebensschützer werden als gefährliche Fun-
enthalten: Aspekte wie eine stabile Beziehung, damentalisten, Abtreibungsbefürworter als
Treue oder Fruchtbarkeit werden zu nebensäch- friedliebende Personen dargestellt)
lichen Optionen erklärt. • eine mehrheitlich antichristlich eingestellte
Wenn bereits jegliches «Unbehagen gegenüber Medienlandschaft, die anderen Meinungen
der Homosexualität» als Diskriminierung gilt keine Plattform gibt
und die vollständige Akzeptanz des homosexuel- • der mangelnde Mut, für christliche Werte hin-
len Lebensstils zum Massstab schulischer Tole- auszutreten
EDU-STANDPUNKT SEPTEMBER 2017 11Sie können auch lesen