BÜROMARKT BEAT PAHUD - SEITE 04 - SVIT Schweiz

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BÜROMARKT BEAT PAHUD - SEITE 04 - SVIT Schweiz
NR. 07 | JULI 2018           85. Jahrgang | Erscheint monatlich | CHF 7.– | www.svit.ch

BÜROMARKT
BEAT PAHUD – SEITE 04

IMMOBILIENPOLITIK. Abschluss- gleich Angebotsmieten.................................................................................... 10
IMMOBILIENWIRTSCHAFT. Leichte Entspannung am Büromarkt................................................................. 12
BAU & HAUS. Gestaltungsvielfalt von Beton........................................................................................................................ 40
BÜROMARKT BEAT PAHUD - SEITE 04 - SVIT Schweiz
EDITORIAL             AUF EIN WORT

DIE WAFFE
BLEIBT STUMPF

                                ANDREAS
                                INGOLD
                                «Ich weiss, dass ich
                                nichts weiss – mein
                                Fazit nach der Lek­
                                türe eines Betrei­
                                bungsregisteraus­
                                zugs.»

  Der Bundesrat hat Anfang Juli einen Bericht
über die schweizweite Betreibungsauskunft
vorgelegt. Den Auftrag dazu hatte er vom
Nationalrat im Jahr 2012 gefasst. Dieser
hatte ein Postulat überwiesen, in dem der zu-
nehmende Schuldnertourismus und die stumpfe
Waffe des Betreibungsregisterauszugs moniert
worden war.
Wer nun ein «Rüstungsprogramm» für das
schweizerische Betreibungswesen erwartet hat,
sieht sich getäuscht. Die Regierung räumt ein,
dass Betreibungsauskünfte über Privatpersonen
nur beschränkt aussagekräftig sind. Bei den Be-
treibungsämtern erfolge zwar teilweise eine Ab-
gleichung der Personalien mit den Einwohner-
registern. Dies sei jedoch nicht schweizweit und
über Kantonsgrenzen hinweg gewährleistet. Zu-
dem seien auch die Daten in den Einwohnerre-

                                                       Gemeinsam
gistern nicht in allen Fällen vollständig und ak-
tuell. Der Aufwand für eine Verbesserung wäre
erheblich, schreibt der Bundesrat schulterzu-
ckend und empfiehlt, stattdessen den Hinweis
auf die beschränkte Aussagekraft auf dem Aus-
zug weiter zu verdeutlichen. «Parallel sollte ei-
                                                       kommen
ne weitergehende Information spezifisch für
Gläubiger in gewissen Branchen – wie zum Bei-
spiel in der Immobilienvermietung – in Betracht
                                                       wir weiter
gezogen werden. Dies könnte ebenfalls einfach          Für heute und morgen: Energie 360°
und kostengünstig, beispielsweise über Bran-
chenverbände, erfolgen.»                               bietet das ganze Spektrum an Möglichkeiten
Im sonst zum Perfektionismus trachtenden,              für Ihre individuell beste Energie- und
Kosten zumeist ausblendenden Verwaltungs-
                                                       Mobilitätslösung.
apparat ist die Nonchalance doch einigermas-
sen erstaunlich. Es wird akzeptiert, dass so-
wohl Betreibungs- als auch Einwohnerregister           www.energie360.ch
unzulänglich sind. Die Privatwirtschaft hat sich
längst mit privaten Bonitätsauskünften behol-
fen. Doch die Tage deren Aussagekraft könnten
angesichts des neuen Datenschutzgesetzes ge-
zählt sein.

Andreas Ingold

2   |   immobilia Juli 2018
BÜROMARKT BEAT PAHUD - SEITE 04 - SVIT Schweiz
IMMOBILIA                                                                                                                            INHALT NR. 07 JULI 2018
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 NR. 07 | JULI 2018           85. Jahrgang | Erscheint monatlich | CHF 7.– | www.svit.ch

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 BÜROMARKT
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 BEAT PAHUD – SEITE 04

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 IMMOBILIENPOLITIK. Abschluss- gleich Angebotsmieten ................................................................................... 10
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 IMMOBILIENWIRTSCHAFT. Leichte Entspannung am Büromarkt................................................................. 12
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 BAU & HAUS. Gestaltungsvielfalt von Beton ....................................................................................................................... 40
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        Remo Pahud
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        (Foto: Urs Bigler)

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                FOKUS                                                                                                                                                                                        MANAGEMENT
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                04	«BÜROFLÄCHEN ZUM ATMEN»                                                                                                                                                                  36		 VERÄNDERTE GESCHÄFTSMODELLE
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   Beat Pahud, Gesamtprojektleiter «The Circle at                                                                                                                                                   In der FM-Branche wird in Zukunft die intervall-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   Zürich Airport» sieht der Eröffnung trotz Über-                                                                                                                                                  bezogene Leistungs­erbringung von der impuls-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   angebot von Büroflächen entspannt entgegen.                                                                                                                                                      bezogenen abgelöst.

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                IMMOBILIENPOLITIK                                                                                                                                                                            BAU & HAUS
        ZITIERT
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                10		 ABSCHLUSS- GLEICH ANGEBOTSMIETEN                                                                                                                                                      37		 RENAISSANCE DER BETONSCHALEN
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       Ein Vergleich der Wohnungsmieten zeigt, dass                                                                                                                                                 Ingenieure haben sie sich an Prinzipen des
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       in der Schweiz Wohnungen grösstenteils zum                                                                                                                                                   Schalenpioniers Heinz Isler angelehnt.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       inserierten Preis vermietet werden.                                                                                                                                                   39		 «JUNGES BAUDENKMAL»
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                11	 KURZMELDUNGEN                                                                                                                                                                                 Der Denkmalpfleger Stefan Blank spricht
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    über die Geschichte der Betonschalen an
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                IMMOBILIENWIRTSCHAFT                                                                                                                                                                                der Raststätte Deitingen Süd.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                12	DROHT EINE ABWERTUNG?                                                                                                                                                                    40		 GESTALTUNGSVIELFALT WÄCHST
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Die Preise für Büroflächen sind unter Druck.                                                                                                                                                    Grau, glatt, stabil: Beton ist scheinbar leicht zu
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Dennoch geben Experten Entwarnung: Tiefere                                                                                                                                                      charakterisieren. Doch sein Potenzial ist längst
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Schätzwerte sind derzeit nicht in Sicht.                                                                                                                                                        noch nicht ausgeschöpft.
          Trotz guter Funda-
      mentaldaten weht auf                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      14	«EIN PERMANENTER DRUCK»
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Jan Eckert, CEO JLL Schweiz, erklärt im Inter-                                                                                                                                           IMMOBILIENBERUF
      dem Büromarkt nur ein
      laues Lüftchen.»                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             view, warum die Mieten und teilweise auch die                                                                                                                                             43		 TRAININGSLAGER FÜR BEWIRTSCHAFTUNGSPROFIS
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   Bewertungen am Büromarkt unter Druck sind.                                                                                                                                                       Auf dem Programm des diesjährigen SVIT
                     YONAS MULUGETA                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             16	MIETERSUCHE FÜR BÜROFLÄCHEN                                                                                                                                                                     Campus stehen Themen des Mietrechts und die
                     CEO der CSL Immobi­                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                            Auswirkungen der Digitalisierung.
                     lien AG in Zürich.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             Ausserhalb der Top-Lagen ist die Vermarktung
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    von Büroflächen schwierig. Aber es gibt Metho-                                                                                                                                           44		 DIE SCHERE KLAFFT AUSEINANDER
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    den, die trotzdem Erfolg versprechen.                                                                                                                                                           Gewerbe- und Industrieobjekte stehen unter
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                18	NACHFRAGE KOMPENSIERT ANGEBOT                                                                                                                                                                   Druck. Im Seminar der SEK-Kammer werden ihre
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Gemäss aktuellem Online-Wohnungsindex ist                                                                                                                                                       Mitglieder auf den neusten Stand gebracht.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    die Zahl der Mietwohnungen leicht gestiegen                                                                                                                                              45		 SEMINARE UND TAGUNGEN
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    und die Insertionszeiten haben sich verkürzt.                                                                                                                                            46		 KURSE DER SVIT-MITGLIEDERORGANISATIONEN
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                20	WOLKIGER KOMFORT
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Immobilienverwaltungen entdecken die Vorzü-                                                                                                                                              VERBAND
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    ge von Cloud-Lösungen. Doch bis sie verlässlich                                                                                                                                          51		 SVIT PLENUM 2018: EITEL FREUDE UND SONNENSCHEIN
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    sind, müssen einige Fragen geklärt werden.                                                                                                                                               54		 IMMOBILIEN RICHTIG VERSTEUERN
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                22	AUF DIE PLÄTZE, FERTIG, LOS                                                                                                                                                                     Rund um den Besitz von Immobilien stellen sich
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Mehr Autos auf den Strassen fördern das                                                                                                                                                         spezifische Steuerfragen, wie beispielsweise zur
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Falschparken­auf privaten Grundstücken.                                                                                                                                                         Grundstück- und Mehrwertsteuer.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                24	REALISTISCHE WÜNSCHE                                                                                                                                                                     57		 VEREINTE GENERATIONEN
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Die Schweizer Wohnbevölkerung wünscht sich                                                                                                                                                      Am 16. Mai 2018 fand im Brockenhaus der
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    ein eigenes Haus mit grossen Aussenräumen                                                                                                                                                       Stadt Zürich bereits zum zweiten Mal die Gene-
                                                                                                                                                                                                                     NR. 11 |
                                                                                                                                                                                                                              NOVEMBER
                                                                                                                                                                                                                                         2015
                                                                                                                                                                                                                                                   82. Jahrgang
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    und guter Verkehrsanbindung.                                                                                                                                                                    rationen-Cloud statt.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                26	DATENSAMMLER WIDER WILLEN
                                                                                                                                                                                                                                                                            | Erscheint
                                                                                                                                                                                                                                                                                          monatlich
                                                                                                                                                                                                                                                                                                           | CHF 6.–
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     | www.svit.ch

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             58		 SVIT OSTSCHWEIZ: LEERSTEHENDE VERKAUFSFLÄCHEN
                                                                        6.– | www.svit.ch
                                                                  | CHF
                                                      monatlich
                                        | Erscheint
                         83. Jahrgang
                  2016
       | JANUAR
NR. 01

                                                                                       NR. 10 | OKTOBER
                                                                                                        2015              82. Jahrgang |
                                                                                                                                         Erscheint monatlich                                                                                                                                                                                                                                                     | www.svit.ch
                                                                                                                                                             | CHF 6.– | www.svit.ch                                                                                                                                                                                                                   | CHF 6.–

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Bei Immobiliengeschäften rückt die treuhände-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      monatlich
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        | Erscheint
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          82. Jahrgang
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        2015

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Leerstandsziffern und Aktivitäten von Banken
                                                                                                                                                                                                                                                                                             DEZEMBER
                                                                                                                                                                                                                                                                                    NR. 12 |

                                                                                                                                                                             AMELIE-T
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    rische Datenverarbeitung in den Vordergrund.                                                                                                                                                    fordern die Immobilienbranche heraus.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                27	SIND DIE GUTEN ZEITEN VORBEI?
                                                                                                                                                                                                                                                    HERES MA

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             59		 BEWEGTE ZEITEN IM FM
                                                                                                                                                                                 LANGZEI
                                                                                                                                                                                                                  TSTRATE
                                                                                                                                                                                                                                 GIEN FÜR
                                                                                                                                                                                                                                                            YER
                                                                                                                                                                                                                                                         DAS STOCKWE

                                                                                                                      M                                                                                                                                                                      RKEIGEN

                                                                         WILHEL
                                                                                                                                                                  IMMOBILIE
                                                                                                                                                                                                    NPOLITIK.                                                                                                                 TUM – SEITE
                                                                                                                                                                 IMMOBILIE                                                Wahlausgan                                                                                                                                         04
                                                                                                                                                                                                                        g weckt

                         SASCHA
                                                                                                                                                                                                 NWIRTSCHA                      Erwartunge
                                                                                                         04                                                     IMMOBILIE                                   FT. Logistik-                  n ..............................
                                                                                             SEITE                                                                                               NRECHT.                  und Industrieim
                                                                                   MENT,                                                                                                            14   Handlungsb                       mobilien
                                                                                                                                                                                                                                                                            ..............................

                                                                  IM INVEST                                                                                                                                                          edarf im                                                              .........................
                                                                                                                                                                                   .....................                                                                                       als Anlagealter                                                              10

                                                                                                                                                                                                                      STEFAN
                                          VITÄT                                                                                                                                                                 28                                     Stockwerke
                                                                                                                                      Druck .........................                                                                                                          igentum                                                   native ..............
                                    KREATI                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  34
                                                                                                  nsen erhöhen
                                                                                                                                                                                          ...................
                          ÜBER                                                                                                                                .........................
                                                                                                                                                                                                                 34
                                                                                                                                                                                                                                                                                             ..............................
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                              ..............................
                                                                                    t – Negativzi

                                                                                                                                                                                                                     ZANETTI
                                                                                                                                  .........................                                    ...............                                                                                                                                                 ..........   42
                                                                       Investmen                      .........................                                    .........................

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                ZIMMERLI

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Objekte im höheren Preissegment in Zentrums-
                                              CHAFT.                    .........................
                                                                                                  aftung
                                                                                                         .........................
                                    IENWIRTS               ch erneuern
                            IMMOBIL              energetis            in der Bewirtsch

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Am 10. FM-Day standen der digitale Wandel
                                         Richtig

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        JOËLLE
                                   HAUS.                   luktuation                                                                                                                                     SOZIALE NETZWERKE
                             BAU &            F. Personalf                                                                                                                                           IM WOHNBEREICH
                                     IENBERU                                                                                                                                                                        – SEITE 04                                                                                                                                                                              SEITE 04
                             IMMOBIL                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  T 2016 –                                                                                                                                                                            10
                                                           IMMOBILIENPOLITIK.                                                                                                                                                                                                                                                                                   GSMARK                                                                                                                                                    .............................
                                                                                                        Wohnbudget der                                                                                                                                                                                                   WOHNUN                                                                                                                                                          ..............................                                    16
                                                                           IMMOBILIENWIRTSCHA                                                            Schweizer Haushalte                                                                                                                                                                                                                                  überholt
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        ..............................                                             .....................
                                                                                                                                                                                                                      seit Jahren stabil
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 gsziffer ist
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                               ..............................
                                                                                                       FT. Stephan Jung                                                                          ............................                                                                                                                                                                                                                          achfrage                                                                      66
                                                                                                                           zur Zukunft des                                                                                    12                                                                                                                                                      Leerwohnun
                                                                           VERBAND. Valuation                                                stationären Detailhandels                                                                                                                                                                                                                                  g treibt Wohnungsn
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      ..............................
                                                                                                     Congress: Preis                                                                                                                                                                                                                                            NPOLITIK.                                                                                              ..............................
                                                                                                                     ist nicht gleich Wert                                                                     ............. 36
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                               IMMOBILIE                                                FT. Zuwanderun                                  ..............................
                                                                                                                                           .............................................................
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  NWIRTSCHA                          2015..............................
                                                                                                                                                                                                                                                                       56                                                                                                              Estate Campus
                                                                                                                                                                                                                                                ....................
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 IMMOBILIE
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   Swiss Real
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  VERBAND.

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    lagen zu vermieten, ist schwierig. Dennoch gibt                                                                                                                                                 und die zunehmende Mobilität im Mittelpunkt.
                   Bestellung                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       es vielverprechende Möglichkeiten.
                   Jahresabonnement                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             28	KOLUMNE: VORSCHAU AUF DEN ERSTEN MAKLERTAG                                                                                                                                               MARKTPLATZ
                   12 Ausgaben:                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 28	DER MONAT IN DER IMMOBILIENWIRTSCHAFT                                                                                                                                                    49	STELLENMARKT
                   nur CHF 78.00                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             60	MARKTPLATZ & PRODUKTE-NEWS
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                IMMOBILIENRECHT
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             66	BEZUGSQUELLENREGISTER
                   E-Druck AG                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   34		 WO DIE GRENZEN VERLAUFEN
                   Simone Feurer
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             69		 ADRESSEN & TERMINE
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       Das Bundesgericht befasst sich jüngst mit                                                                                                                                             70	ZUGUTERLETZT / IMPRESSUM
                   simone.feurer@edruck.ch
                   Tel. 071 246 41 41
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       der Abgrenzung zwischen Miet- und Dar­
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       lehensverträgen.

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  immobilia Juli 2018   |   3
BÜROMARKT BEAT PAHUD - SEITE 04 - SVIT Schweiz
FOKUS           BÜROMARKT

4   |   immobilia Juli 2018
BÜROMARKT BEAT PAHUD - SEITE 04 - SVIT Schweiz
«Büroflächen
                                                 IVO CATHOMEN*   

                                                 – Büroflächen in «The Circle» kosten
                                                 zwischen 300 und über 600 CHF.

   zum Atmen»
                                                 Wie liegen Sie damit am Markt?
                                                 – Anfänglich war die Vermietung an-
                                                 spruchsvoll – weniger wegen der Miet-
                                                 preise, sondern eher wegen des langen
                                                 Zeithorizonts von bis zu sechs Jahren bis
                                                 zur Fertigstellung. Inzwischen haben wir
       Mit 180 000 Quadratmetern ist             eine gute «Response». Die Flächenpreise

                   6
                                                 konnten wir dabei halten. Die Mietinteres-
    «The Circle at Zürich Airport» das           senten erachten die Preise an dieser Lage
        derzeit grösste Bauprojekt für           als angemessen.

      kommerzielle Nutzungen in der                 Der Schlüssel zum
            Schweiz. Ungeachtet des              Erfolg liegt in der
                                                 An­bindung an den
           Überangebots am Zürcher               öffentlichen Verkehr.»
           Büro­flächenmarkt lässt der
Vermietungsstand Gesamtprojektleiter
   Beat Pahud dem Eröffnungsdatum
                                                 – Wie ist der Vermietungsstand?
             positiv entgegenblicken.            – Wir sind auf Kurs. Als wir 2015 die Bau-
                                                 etappe 1 auslösten, lagen wir damit über
                             Fotos: Urs Bigler
                                                 alle Nutzungen bei 50%. 2016 lancierten
                                                 wir die Etappe 2 ohne Vorvermietung, weil
                                                 wir die langanhaltende Bauphase mit al-
                                                 len negativen Auswirkungen für die Mie-
                                                 ter vermeiden wollten. Mittlerweile rech-
                                                 nen wir damit, dass wir in diesem Herbst

                                                 ANZEIGE

                                                                       immobilia Juli 2018   |   5
BÜROMARKT BEAT PAHUD - SEITE 04 - SVIT Schweiz
FOKUS           BÜROMARKT

  Wir sprechen hier nicht von einer
Diversifikation der Flughafen Zürich AG,
sondern von einer Weiterentwicklung der
Destination Flughafen Zürich.»

                                                                                                                BIOGRAPHIE
                                                                                                                BEAT PAHUD
                                                                                                                (*1967) Dipl. Ing. ETH in
                                                                                                                Kulturtechnik und Dipl.
                                                                                                                Betriebswissenschafter
                                                                                                                ETH, war nach dreijähriger
                                                                                                                Tätigkeit im ostdeutschen
                                                                                                                Wiederaufbau ab 1995 für
                                                                                                                die Flughafen Zürich AG
                                                                                                                in verschiedenen
                                                                                                                Funktionen tätig. Weitere
                                                                                                                Stationen führten ihn
                                                                                                                als Expansionsleiter und
                                                                                                                Geschäftsführer zu Aldi
                                                                                                                Suisse AG und als Head
                                                                                                                Training Academy zur
                                                                                                                Straumann Gruppe. Anfang
                                                                                                                2014 kehrte er an den
                                                                                                                Flughafen zurück, wo er
                                                                                                                seither das Projekt «The
                                                                                                                Circle at Zürich Airport»
                                                                                                                leitet. Beat Pahud ist in
                                                                                                                Goldach SG aufgewachsen.

60% erreichen werden. Anderthalb Jah-        – Die Grundidee von Architekt Riken           sersdorf. Der Bahnhof verfügt noch über
re vor Eröffnung ist dies ein guter Ver-     Yamamoto beruht auf der Erlebniswelt des      Kapazität; der Bushof ist erweiterbar. Hin-
mietungsstand.                               Zürcher Niederdorfs mit seinen Gassen         sichtlich der Parkplätze ist die Situation
– Was stimmt Sie zuversichtlich?             und unterschiedlichen Nutzungen. Dies         gut. Prognosen des Verkehrswachstums
– Der Markt für Büroflächen ist zwar an-     hat uns überzeugt. Er hat einen guten         zeigen aber, dass wir hier noch Kapazitä-
spruchsvoll. Aber wir haben an einem der     Umgang­mit der Dichte gefunden. Auf           ten schaffen müssen.
wichtigsten Verkehrsdrehkreuze mit einem­    30 000 Quadratmetern Fläche schaffen          – Basiert Ihre Vermietungsstrategie
der grössten Bahnhöfe und dem grössten       wir 180 000 Quadratmeter Nutzfläche           auf Verdrängung oder Neuansiedlung?
Bushof der Schweiz, einer Tramlinie mit      von hoher Qualität – nicht zuletzt durch      – Das ist je nach Modul unterschiedlich. Im
direkter Verbindung in die Innenstadt, Au-   die Fassade, die 14 Meter über die Stras-     Büromarkt ist es eindeutig Verdrängung.
tobahnanschluss, 20 000 Parkplätzen und      senfläche ragt. Das Volumen ist aufge­        Anbieter von demodierten Büro­flächen an
drei Start- und Landebahnen beste Voraus-    brochen in sechs Gebäude, und diese wie-      schlechter Lage werden Mühe haben,
setzungen. Zudem überzeugt «The Circle»      derum in verschiedene Kuben. Er nennt         Nachmieter zu finden. Teils langjährige
mit einem architek­tonisch hochwertigen      dies «Pixelation». Das hat zwar eine gros-    Mieter ziehen unter anderem zu uns an den
Konzept, dem spannenden­Nutzungsmix          se Fassadenabwicklung zur Folge, bringt       Flughafen. Hier können wir unsere Stärken
und der Posi­tionierung als Landmark.        aber mehr Licht und Flächenqualität.          ausspielen. Anders sieht es im «Conferenc­
– Was macht es zur «Landmark»?               – Welcher Teil der Infrastruktur              ing» aus. Hier ziehen wir neue Geschäfte
– Ich mache ein Beispiel. Im neuen Kon-      ist für die Mieter entscheidend?              an, und im Bereich Retail spielt im Zuge
gresszentrum kann der künftige Betreiber     – Soviel vorweg: Die Flugpisten spielen ei-   der Digitalisierung des Detailhandels der
bis zu 2500 Personen empfangen, davon        ne untergeordnete Rolle. Auf der Land­seite   Wandel vom reinen Abverkauf hin zur Er-
im grössten Saal bis 1500 Personen. Wir      orten wir das grösste Potenzial. 150 000      lebniswelt eine entscheidende Rolle.
verfügen über 550 Hotelzimmer in «The        Menschen nutzen pro Tag den Flughafen,        – Wo kommen Ihre Büromieter her?
Circle» und in unmittelbarer Nähe. Damit     knapp die Hälfte ohne zu fliegen. Wir sind    – Microsoft zieht von Wallisellen, Abraxas
können wir Konferenzen Raum bieten, die      somit primär eine landseitige Verkehrs-       aus der Stadt zu uns. Treiber sind die Kon-
bisher in der Schweiz keinen Ort gleicher    drehscheibe.                                  solidierung mehrerer Standorte und die
Qualität fanden. Das bringt neue Kongres-    – Haben Sie noch Wünsche an                   Effizienz der Büroflächen. Das sind bran-
se in die Schweiz und nach Zürich.           die Verkehrsinfrastruktur?                    chenweite langjährige Trends. Im Büro-
– Was unterscheidet ein                      – Längerfristig wünsche ich mir eine Ver-     bereich spielt die Flexibilität eine überra-
Landmark von einer Retortenstadt?            längerung der Tramlinie in Richtung Bas-      gende Rolle. Unsere Nutzer mieten nur

6   |   immobilia Juli 2018
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einer Projektentwicklung, sondern von
                                                                                           Städtebau. Nehmen wir die grosse Park-
                                                                                           anlage hinter «The Circle» als Beispiel.
                                                                                           Hier investieren wir einen zweistelligen
                                                                                           Millionenbetrag auf 80 000 Quadratme-
                                                                                           tern. Damit schaffen wir Freiraum für Mit-
                                                                                           arbeiter, Besucher und die Bevölkerung.
                                                                                           – Was ist Ihr unternehmerischer
                                                                                           und persönlicher Break-even des
                                                                                           Projekts?­
                                                                                           – Dieser ist erreicht, wenn unsere Mieter
                                                                                           und Partner in «The Circle» Erfolg haben.
                                                                                           Alles deutet darauf hin, dass wir auf der
                                                                                           Zielgeraden sind. Für mich persönlich ist
                                                                                           das Projekt mit der Inbetriebnahme abge-
                                                                                           schlossen.
                                                                                           – Ihr Vermietungserfolg ist stark
                                                                                           von der Entwicklung des
                                                                                           Wirtschaftsraums Zürich abhängig.
                                                                                           Ist das ein Risiko­faktor?
                                                                                           – Ich schlafe diesbezüglich nachts sehr
                                                                                           gut. Der Flughafen ist die Region der
                                                                                           Schweiz mit dem stärksten Wachstum.
                                                                                           Das zeigt, dass wir «The Circle» richtig
                                                                                           und am richtigen Ort und mit den richti-
                                                                                           gen Nutzungen realisieren.
                                                                                           – Ursprünglich zielte das Projekt
                                                                                           auf Neuansiedlungen aus dem
Flächen, die sie effektiv dauerhaft brau-     – Wie steht es um die                        Ausland ab. Das hat sich relativiert.
chen. Temporäre Nutzungen können              Rentabilität der Flächen?                    – Das stimmt. Insgesamt wurden im Raum
flexibel­stunden- oder tageweise hinzu        – Büro und Verkauf sind zwar rentabler als   Zürich in jüngster Zeit keine grösseren in-
gemietet werden, beispielsweise Sit-          zum Beispiel die Restaurants, aber keine     ternationalen Unternehmen mehr ange-
zungszimmer, Coworking-Spaces oder            Nutzung funktioniert ohne die anderen.       siedelt. Auch wir zielen nicht mehr darauf
Schulungsräume. Damit schaffen wir die        Insofern ist es schwierig zu sagen, wel-     ab, sondern auf Unternehmen, die bereits
nötige­Flexibilität, die Unternehmen zum      ches die rentabelste ist. Wir müssen da-     in der weiteren Umgebung ansässig sind.
Atmen brauchen.                               nach fragen, was wir alles brauchen, um      – Ist das Opportunismus?
– Wird die City durch eine solche             den Mieter das zu bieten, was sie brau-      – Nein, das ist Realismus. Es gibt kaum Un-
Entwicklung nicht geschwächt?                 chen, um erfolgreich zu sein.                ternehmen mehr, die auf einen Schlag mit
– Gut erschlossene grosse Zentren wie                                                      500 Mitarbeitern in die Schweiz und nach
die Zürcher City dürften auch künftig            Wir spüren am Markt:                      Zürich kommen.
kaum Probleme haben, kleinere und mitt-
                                              Kollabora­tion, Flächeneffi-                 – Sie sind aber trotzdem
lere Zentren stehen aber vor grossen He-                                                   international präsent?
rausforderungen, ebenso kleinere Shop-        zienz und Flexibilität sind                  – Wir gehen an ausgewählte Konferenzen,
pingcenter.                                   die wichtigsten Treiber am                   Messen und mit der Exportorganisation
– Und was sind für Sie die                    Büroflächenmarkt.»­                          Swiss Global Enterprise ins Ausland. Dort
Herausforderungen?                                                                         suchen wir das Gespräch, aber nicht den
– Die Vermietung ist und bleibt eine «Chal-                                                Abschluss. Ein solches Ansinnen wäre
lenge». Wir werden einen guten Vermie-                                                     illusorisch.­
tungsstand erreichen, müssen dafür aber                                                    – Wie lautet der Auftrag an die
hart arbeiten. Die zweite Herausforderung     – Und dazu braucht es                        Vermarkter der Büroflächen?
ist baulicher Natur. Wir realisieren «The     alle Nutzungsformen?                         – Wir haben die Zielgruppen definiert, in
Circle» in einer sehr beengten Umgebung,      – Jede profitiert von der andern. Das Uni-   der ersten Phase waren es – auch aus Ka-
was hohe logistische Anfor­derungen stellt.   versitätsspital kommt mit dem Ambula-        pazitätsgründen – grössere Unter­nehmen.
Als dritte Herausforderung nenne ich die      torium nicht zuletzt auch wegen des          Die Resonanz zeigte uns ein erhöhtes In-
Übergabe der Gebäude. Wir sind bereits        Kon­ferenzzentrums zu uns. Es sind die       teresse in den Bereichen Informatik und
an der Planung und Vorbereitung für die       Synergien, die eine entscheidende Rolle      Technologie. Mittlerweile vermieten wir
Abnahme und Inbetriebnahme.                   spielen. Wir sprechen hier nicht mehr von    auch Flächen unter 1000 Quadratmetern.

                                                                                                                 immobilia Juli 2018   |   7
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Wir wissen, was passieren wird.

                      Wir sind im konstanten digitalen Austausch mit
                   unseren Aufzügen. So können wir den Grossteil aller
                    Probleme beheben, bevor sie überhaupt auftreten.

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FOKUS       BÜROMARKT

   Der Trend zu Airport-Cities ist
international, die Voraussetzungen
sind aber überall anders.»

– Braucht es im Bürobereich einen               tre, beim Coworking-Anbieter oder im        Projekträumen für temporäre Kollaborati-
Mix oder eine Fokussierung?                     Bildungsmodul. Wir wollen lieber mehr       onen zwischen Unternehmen.
– Dies ist vielleicht nicht so wichtig wie im   Mieter als Mieter mit grossen, ungenutz-    – Sie selbst sind an den Flughafen
Retail. Wir haben Cluster in den Be­reichen     ten Flächen.                                zurückgekehrt. Warum?
Technologie, Finanzsektor und Beratung          – Sie sprechen damit vor allem              – Nach dem Studium war ich drei Jahre
gebildet, die sich gegenseitig bereichern       Unternehmen an, die für neue                lang in Ostdeutschland in der Industrie­
können. Aber am Ende des Tages ist dies         Arbeitsplatzkonzepte bereit sind.           sanierung tätig. Dann kam ich erstmals
ein Plan. In der Realität hängt es meist        – Natürlich können unsere Mieter auch       zum Flughafen Zürich. Bei Aldi war ich für
vom Markt und Timing ab.                        persönliche Einzelbüros einrichten. Aber    den Auf- und Ausbau des Unternehmens­
– Wie begeht man den Grat zwischen              Kosten und Fläche pro Arbeitsplatz sind     zuständig. Bei der Straumann Gruppe
Plan und Realität ohne Unfall?                  in allen Bürosektoren kritische Grössen.    sammelte ich Erfahrungen im interna-
– Wir haben sehr viele Kundengespräche          Viele Mieter nutzen den Umzug als Chan-     tionalen Geschäft und im Verkauf. Alles
geführt, durch sie dazugelernt und das          ce, die eigenen Abläufe und Strukturen      waren­einmalige und sehr reizvolle Auf-
Produkt auch angepasst. Schlagwort: Fle-        zu überdenken. Hier finden sie eine opti-   gaben. Auch das Projekt «The Circle» ist
xibilisierung. Im Kern sind wir dem Nut-        male Umgebung dafür. Nur ein Beispiel       eine solche einmalige Chance, und der
zungskonzept aber treu geblieben.               ist das WLAN auf dem gesamten Gelän-        Flughafen ein faszinierendes Universum.
– Apropos Flexibilisierung.                     de, das allen zur Verfügung steht und       – Irgendwann ist der Bau fertig.
Was heisst das konkret? Fläche                  orts­unabhängiges Arbeiten unterstützt.     Und dann?
ist ja per se etwas Unflexibles.                – Gibt es Zusammenarbeit auch über          – Das überlege ich mir später.
– Wir können nachweisen, dass ein Mie-          Unternehmensgrenzen hinaus?
ter bei uns weniger Fläche fix mieten           – Microsoft wird beispielsweise seinen                 *IVO CATHOMEN
                                                                                                       Dr. oec. HSG, ist Redaktor
muss als an anderen Standorten. Das             Partnerunternehmen die Möglichkeit bie-                der Zeitschrift Immobilia.
liegt einerseits an der Effizienz der Flä-      ten, temporär bei ihnen in «The Circle»
chen, anderseits an den erwähnten zu-           zu arbeiten. Ein anderes Beispiel ist der
mietbaren Flächen im Conference Cen-            Coworking-Space-Betreiber «Spaces» mit

                                                                                                                      immobilia Juli 2018   |   9
BÜROMARKT BEAT PAHUD - SEITE 04 - SVIT Schweiz
IMMOBILIENPOLITIK                         MIETWOHNUNGSMARKT

Abschluss- gleich Angebotsmiete
Der Vergleich von inserierten Wohnungsmieten zu tatsächlichen Mieten zeigt, dass
in der Schweiz Wohnungen grösstenteils zum inserierten Preis vermietet werden.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der HWZ im Auftrag des SVIT Schweiz.

ABWEICHUNG ZWISCHEN ANGEBOTS- UND ABSCHLUSSMIETZINS
Basis: 13 000 Online-Wohnungsinserate zw. 1. Januar 2013 und 31. Dezember 2016, schweizweit

         90%
                                                                  81.7%
         80%

         70%

         60%

         50%

         40%

         30%

         20%

          10%                                                                   5,7%            5,0%            4,2%
                   0,6%            1,0%            1,7%
          0%
                10 bis 20%       5 bis 10%        2 bis 5%        keine        2 bis 5%       5 bis 10%      10 bis 20%

                                                                                                             19
                   höher           höher           höher        Abweichung       tiefer          tiefer          tiefer
                als inseriert   als inseriert   als inseriert                als inseriert   als inseriert   als inseriert

In den Agglomerationen liegt die Übereinstimmung praktisch bei 100%.

IVO CATHOMEN                                                         Zudem zeigen sich deutliche, regio­                    Vermieter­von Wohnungen in einer Ge-
PRINZIP «NICHT VERHANDELBAR». Wer die                             nale Unterschiede. In der französisch-                     meinde mit einem Wohnungsüberangebot
Mietzinsentwicklung anhand der online                             sprachigen Schweiz werden weniger Ra-                      sind schneller bereit, Rabatte zu gewäh-
inserierten­Wohnungsangebote aufzeich-                            batte gewährt (Waadt/Wallis 8,2%, Genf                     ren, auch wenn die Wohnungen bereits re-
net, steht regelmässig in der Kritik, dass es                     10,7%). Die meisten Preisreduktionen                       lativ günstig sind. In Gemeinden mit Inser-
sich dabei um Angebots- und nicht um                              wurden in der Innerschweiz mit 18% und                     tionszeiten von über 50 Tagen werden bei
effektive­Abschlussmietzinse handle. Der                          dem Tessin­mit 21% festgestellt. Diese                     knapp einem Viertel der wiedervermiete-
SVIT Schweiz ging diesem Einwand nach                             Regionen zeichnen sich durch relativ lan-                  ten Wohnungen Preisabschläge gewährt.
und beauftragte das Swiss Real Estate In-                         ge Insertionszeiten­aus, was auf ein Über-
stitute der HWZ Hochschule für Wirtschaft                         angebot an Mietwohnungen hinweist.                         GUTER INDIKATOR FÜR EFFEKTIVE MIETEN. Da
Zürich mit einer Untersuchung. Die Analy-                                                                                    Angebotsmietzinse im Vergleich zu Ab-
se umfasste 13 000 Wohnungsinserate auf                           HÄUFIGER MIETZINSNACHLÄSSE FÜR TEURERE                     schlussmietzinsen wesentlich transparen-
Internetplattformen, die mit den tatsäch-                         WOHNUNGEN. Die detaillierte Untersuchung                   ter und einfacher zu erheben sind, stellt
lich abgeschlossenen Mietverträgen abge-                          zeigt, dass verschiedene Faktoren Einfluss                 sich die Frage, inwiefern sich diese als In-
glichen wurden. Sie kommt zu folgendem                            auf die Häufigkeit von Preisanpassungen                    dikator für effektive Mieten eignen. Die
Ergebnis: Zwischen Anfang 2013 und En-                            haben. So hat die absolute Höhe der Mie-                   durchgeführte Analyse verdeutlicht, dass
de 2016 wurden in der Schweiz 82% der                             te einen starken Einfluss. Bei sehr günsti-
Wohnungen zum inserierten Mietzins ver-                           gen Wohnungen (weniger als 1000 CHF                          Nur rund jede siebte
mietet. Lediglich in 15% der Fälle wurden                         Nettomiete pro Monat) wurden nur bei 9%
Preisreduktionen gewährt, und in margi-                           der inserierten Wohnungen Preisnachläs-
                                                                                                                             Wohnung wird günstiger
nalen 4% dieser Fälle lagen die Preis­                            se gewährt. Im Luxussegment mit Preisen                    vermietet als
reduktionen zwischen 10 und 20%. In 3%                            von mehr als 3500 CHF sind es über 26%                     ausgeschrieben.»
der Fälle wurden die Wohnungen sogar                              der Fälle.                                                 PROF. DR. PETER ILG, STUDIENAUTOR
teurer als inseriert vermietet.                                       Durch die hohe Korrelation von Miet-
                                                                  preis und Wohnfläche steigt mit der Qua-
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                                                                  nachlässe. Wenig erstaunlich ist zudem die                  die Messung von Abschlussmieten darstel-
                                                                  Tatsache, dass bei Wohnungen, die länger                    len, wenn es sich nicht um teure Mietwoh-
 Konflikte im StWE mediativ klären                                ausgeschrieben werden müssen, vermehrt                      nungen (Nettomieten über 2500 CHF pro
  ME-Versammlungen moderieren                                     Preisreduktionen gewährt werden.                            Monat) oder Mietwohnungen in Gemein-
          Moderator / Mediator M.A.                                                                                           den mit starkem Überangebot (über 40 In-
     empfiehlt sich. Tel. 044 251 08 41                           ÜBERANGEBOT GENERIERT RABATTE. Vermieter                    sertionstage) handelt. Das heisst, Ange-
     www.kreuzplatz-mediation.ch                                  reagieren mit preislichen Anpassungen                       botsmieten sind in rund 90% der Fälle ein
                                                                  auf die jeweils aktuelle Marktsituation.                   ­guter Indikator für effektive Mieten.

10   |   immobilia Juli 2018
KURZMELDUNGEN

32
                                        Nach dem Willen des SVIT soll es kein
                                        generelles Recht der Mieter auf Untervermietung
                                        über Buchungsplattformen geben.

SCHWEIZ                                 tiösen Vorschlag des Bundes-         den Betreibungsauskünften          fechtung des Anfangsmietzin-
                                        rats. Dieser soll frühestens         verbessert werden. Zum an-         ses (Art. 270 ff. OR) betreffen.
SVIT GEGEN                              Ende 2027 der Bundesver-             dern ermuntert der Bundesrat       Die Kommission teilt das An-
ÄNDERUNG                                sammlung die Einführung ei-          die Kantone dazu, ihre Praxis      liegen der parlamentarischen
DES VMWG                                nes landesweit einheitlichen         zu vereinheitlichen, um die        Initiative von Nationalrat Olivi-
Der SVIT Schweiz hat sich im            Gebäudestandards vorschla-           Aussagekraft der Auskünfte         er Feller und ist der Ansicht,
Vernehmlassungsverfahren                gen können – je nachdem, wie         weiter zu erhöhen.                 dass die Berechnung der zu-
des Bundesrats gegen eine               weit die Reduktion des CO2-                                             lässigen Rendite durch den
Anpassung der Verordnung                Ausstosses aus Gebäuden bis                                             Gesetzgeber festgelegt wer-
über die Miete und Pacht von            dann erfolgt ist. Die Kommis-        REVISION                           den soll. Die Kommission ist
Wohn- und Geschäftsräumen               sion hält es auch nicht für an-      ÖFFENTLICHES BE-                   weiter der Ansicht, dass die
ausgesprochen. Es besteht aus           gebracht, auf nationaler Ebe-        SCHAFFUNGSWESEN                    Gerichte derart hohe Anforde-
Sicht des Verbandes im privat-          ne ein Zwischenziel für die          Öffentliche Beschaffungen          rungen an die Detaillierung
rechtlichen Bereich kein                Gebäudeemissionen bis                sollen an das bezüglich Preis      der Vergleichskriterien der
Handlungsbedarf zur Rege-               2026/27 aufzustellen, wie dies       und Qualität beste Angebot         Orts- und Quartierüblichkeit
lung der kurzfristigen Unter-           der Bundesrat vorschlägt.            vergeben werden. Das hat           stellen, dass der Beweis mit
vermietung. Ausserdem hält er           Stattdessen tritt die Kommissi-      der Nationalrat in der Bera-       vernünftigem Aufwand nicht
ein generelles Recht der Mie-           on dafür ein, den Kantonen bis       tung zur Revision des Öffent-      erbracht werden kann. Die
ter zur Untervermietung für             2030 Zeit zu geben, das Ziel         lichen Beschaffungswesens          Kommission kommt deshalb
schädlich. Dem Mietwoh-                 von minus 50% gegenüber              (BöB) beschlossen. Mit die-        im Sinne der parlamentari-
nungsmarkt, besonders in den            1990 zu erreichen.                   sem Entscheid ermöglicht           schen Initiative von National-
Ballungszentren und touristi-                                                der Nationalrat bessere In-        rat Hans Egloff zum Schluss,
schen Regionen, könnte da-                                                   vestitionen von Steuergel-         dass die Kriterien für den Ver-
durch Wohn­raum entzogen                KEINE VERBESSERUNG                   dern in preiswerte Qualität        gleich im Gesetz festzulegen
werden. Die Vernehmlassung              DER BETREIBUNGS-                     und Nachhaltigkeit. Die            sind. Zudem spricht sich die
des SVIT Schweiz finden Sie             AUSKUNFT                             gleichzeitige Harmonisierung       Kommission dafür aus, dass
unter www.svit.ch/politik.              Weil eine Betreibung grund-          der kantonalen Beschaf-            die Bestimmungen über den
                                        sätzlich nur im Register desje-      fungsordnungen eröffnet            missbräuchlichen Mietzins
                                        nigen Betreibungsamtes ver-          Chancen zum Abbau unnöti-          und die Anfechtung des An-
KEINE GRENZWERTE                        merkt wird, das die Betreibung       ger Regulierungskosten.            fangsmietzinses nur gelten
FÜR GEBÄUDESEKTOR                       durchführt, sind Betreibungs-                                           sollen, wenn auf dem Markt
Die Umweltkommission des                auskünfte nur beschränkt aus-                                           Wohnungsmangel herrscht
Nationalrats will es den Kanto-         sagekräftig. Der Bundesrat hat       MIETRECHT                          (parlamentarische Initiativen
nen überlassen, die Reduktion           diese Problematik im Auftrag         BESCHÄFTIGT                        Nantermod). Eine Streichung
der CO2-Emissionen bei Ge-              des Parlaments analysiert und        RECHTSKOMMISSION                   der Einschränkungen des
bäuden voranzutreiben. Sie              seinen Bericht dazu Anfang           Die Rechtskommission des           Rechts auf Anfechtung des
verzichtet darauf, bereits zum          Juli verabschiedet. Auch wenn        Nationalrats (RK-N) hat meh-       Anfangsmietzinses gemäss
jetzigen Zeitpunkt Grenzwerte           es keine einfache Lösung gibt,       rere parlamentarische Initiati-    Art. 270 Absatz 1 Bst. a und b
für den Gebäudesektor zu de-            schlägt er doch punktuelle           ven vorgeprüft, welche den         hat die Kommission abgelehnt
finieren. Damit stellt sich die         Verbesserungen vor: Zum ei-          missbräuchlichen Mietzins          (parlamentarische Initiative
Kommission gegen den ambi-              nen soll die Information auf         (Art. 269 ff. OR) sowie die An-    Carlo Sommaruga).

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            Dr. David Hersberger | Schützenweg 34 | 4123 Allschwil                  für Wohn-, Geschäfts- und Industrieliegenschaften
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IMMOBILIENWIRTSCHAFT                BÜROMARKT

Droht eine Abwertung?
Die Preise bei neuen Vertragsabschlüssen für Büroflächen sind unter Druck,
ob das nun im Bankenviertel von Genf oder irgendwo im Mittelland ist. Experten
geben dennoch Entwarnung: Tiefere Schätzwerte sind derzeit nicht in Sicht.

Bahnhofstrasse 53, im Eigentum der AXA Leben AG: neu eröffnete Ladenflächen im Erdgeschoss, Bürofächen in den oberen Stockwerken
(Bild: Luca Zanier).

JÜRG ZULLIGER*                                  weiter. «800 CHF an der Rue du Rhône bei         HÄRTERE GANGART. «Die Konkurrenz auf
ANGEBOT ÜBERTRIFFT NACHFRAGE. Wer die            Seesicht sind heute ein guter Preis.» Frü­       dem Markt für Büros, Gewerbe und Retail
Strecke von der Zürcher City in Richtung         her waren im Finanzdistrikt durchaus             hat sich verschärft», sagt Ernst Schaufel­
Flughafen fährt, sieht in Zürich Nord und        Mieten von 1100 oder 1200 CHF möglich.           berger, Leiter des Immobiliensektors von
in Opfikon oder Wallisellen unzählige                                                             AXA Investment Managers Schweiz. In
Werbebanner: «Büros zu mieten.» Es gibt             Die Mieten sind teils er­                     dieser Funktion trägt er unter anderem
zwar keine offizielle Statistik, doch die                                                         die Verantwortung für den Bereich Immo­
Leerstände sind für Schweizer Verhältnis­
                                                 heblich unter Druck, etwa                        bilien Schweiz – ein Portfolio zu einem
se beträchtlich. Hinzu kommen laufend            für Büros am Flughafen.»                         stolzen Wert von rund 13 Mrd. EUR. Im
noch weitere Überkapazitäten, weil im­           HERVÉ FROIDEVAUX, WÜEST PARTNER, GENF            aktuellen Umfeld könne es immer vor­
mer noch viel gebaut wird. In Genf ist es                                                         kommen, dass ein Mieter wechsle – zum
nicht anders, wie Hervé Froidevaux vom                                                            Beispiel von einem bestehenden, älteren
Beratungsunternehmen Wüest Partner                                                                Bürohaus in einen Neubau, der verkehrs­
bestätigt: «Die Mieten sind teils erheblich      Das hat auch mit dem Strukturwandel zu           mässig besser erschlossen, respektive
unter Druck.» Wenn am Genfer Flughafen           tun. Selbst Traditionshäuser wie Lombard         zentraler gelegen ist.
für Büros die Mieten eine Zeit lang bei gut      Odier und andere verlassen die City. Die             «So ist es auf dem kompetitiven Markt
550 CHF pro Quadratmeter und Jahr la­            renommierte Privatbank, die vor 222 Jah­         durchaus möglich, dass ein Mieter ein bes­
gen, sieht man heute Abschlüsse beim             ren gegründet wurde, realisiert am Stand­        seres Angebot zum gleichen Preis oder so­
Preis von 350 CHF.                               ort «Bellevue» etwas ausserhalb der Stadt        gar günstiger findet», so Ernst Schaufel­
    Auch die Spitzenmieten an den Top­           ein von Herzog & de Meuron entworfenes           berger. Hinzu kommen noch Lagefaktoren,
lagen seien gesunken, sagt Froidevaux            neues Bürohaus.                                  die sich teils gegenläufig entwickeln.­Wäh­

12   |   immobilia Juli 2018
Eine Stichprobe bei einigen grossen In­   marktgerechten Diskontierungssatz für
                                              vestoren und Immobilien-AGs zeigt             vergleichbare Objekte herzuleiten.
                                              allerdings,­dass Abwertungen bis jetzt noch
                                              die Ausnahme bleiben. Nehmen wir als Bei­     DIE KUNST DES SCHÄTZENS. Auch für Jan
                                              spiel Swiss Prime Site (SPS) mit einem Im­    Eckert, CEO des Beratungs- und Dienst­
                                              mobilienportfolio von über 10 Mrd. CHF:       leistungsunternehmen JLL, ist es ent­
                                              Sowohl per Ende 2016 als auch per Ende        scheidend, ausreichend Informationen zu
                                              2017 verzeichnete SPS je Aufwertungen         haben, um für bestimmte Objekte plausi­
                                              von Liegenschaften von über 60 Mio. CHF.      ble Diskontsätze festsetzen zu können:
                                              Dabei dürften mehrere Faktoren zusam­         «Dabei kommt es immer auch darauf an,
                                              mengekommen sein, etwa die Optimierung        ob über gewisse Transaktionen auch tat­
                                              bei den Leerständen, aber auch Vergleiche     sächlich Marktdaten verfügbar sind oder
                                              mit Handänderungen vergleichbarer Bü­         ob diese durch ein eigenes Research auf­
                                              roimmobilien, die die Schätzer mitberück­     gebaut werden müssen.» Es gebe Märkte
                                              sichtigen.                                    – wie etwa im Kanton Genf –, wo die Trans­

                                              STELLSCHRAUBE ZINSEN. Als wesentlicher           Diskontfaktoren müssen
                                              Treiber gelten vor allem die anhaltend tie­
                                              fen Zinsen respektive eben die tiefen Dis­
                                                                                            im Moment nicht angepasst
                                              kontsätze in den DCF-Bewertungen. Was         werden. Aber jeder Inves­
                                              aufgrund sinkender Marktmieten allen­         tor sollte verschiedene
                                              falls die Bewertungen drücken könnte,         Szenarien durchspielen.»
                                              wird durch den Faktor Zins oft mehr als       ERNST SCHAUFELBERGER, AXA INVESTMENT MANAGERS
                                              wieder aufgewogen. Die Frage ist bloss:
                                              Blüht den Eigentümern im ungünstigsten
                                              Fall irgendwann eine doppelte Abwertung
                                              – wenn zum einen die Zinsen steigen und
                                              zum anderen die Mieten stagnieren oder        aktionspreise öffentlich zugänglich seien.
                                              fallen? Vorerst sieht es nicht so aus, je­    In allen anderen Fällen müssten die Schät­
                                              denfalls solange sich an der Geldpolitik      zer mit Vergleichswerten arbeiten oder
                                              und den Zinsen am Geldmarkt nicht fun­        versuchen, die von Investoren für spezifi­
                                              damental etwas ändert. Die Renditeerwar­      sche Liegenschaften verlangten Renditen
                                              tungen sind bis jetzt immer weiter gefal­     zu modellieren (siehe Interview nächste
                                              len, sowohl bei Mehrfamilienhäusern als       Seiten).
                                              auch bei Büroimmobilien.                          Zur Frage der Wertentwicklung und
                                                  Jan Bärthel, Head of Valuation bei        der Risiken ist noch an einen wesentlichen
rend sich Leerstände an guten City-Lagen      Wüest Partner, sagt dazu: «Die Spitzen­       Unterschied zu Schweizer Wohnimmobi­
noch eher beheben lassen, sei die Nach­       renditen für Zürcher Büroliegenschaften       lien zu erinnern. Die Mieten von Wohnun­
frage nach Büroflächen an peripheren La­      sind seit 2010 von reichlich 3,5% auf in­     gen sind in der Schweiz an den offiziellen
gen deutlich schwächer, wenn nicht sogar      zwischen rund 2,5% gefallen.» Für die         Referenzzins geknüpft. Sofern die Markt­
manchmal «nahe bei Null».                     Festsetzung der Diskontierungssätze sei       lage es zulässt, können die Verwaltungen
    Anders als noch vor fünf oder zehn        es wichtig, echte Transaktionen mit ihren     steigende Zinsen und damit höhere Kapi­
Jahren müssen sich die Investoren damit       resultierenden Renditen zu kennen. «Es        talkosten abwälzen. Bei Büros gibt es al­
auseinandersetzen, dass bei auslaufen­        braucht eine ständige Marktbeobachtung»,      lenfalls eine Indexierung mit der Teue­
den Mietverträgen die neuen Abschlüsse        so Bärthel. Etwas vereinfacht gesagt:         rung, aber der Investor trägt allgemein ein
nicht immer auf einem Preisniveau in ge­      Während nach konventioneller Methode          höheres Zinsänderungsrisiko. Ist das In­
wohnter Höhe möglich sind. Tiefere Miet­      Schätzer einen bestimmten Referenzzins        vestment auch noch zu einem guten Teil
erträge haben aber zur Konsequenz, dass       annehmen und dann je nach Objekt, La­         fremdfinanziert, könnte sich die Ertrags­
die Bewertungen in einem gängigen Dis­        ge, Nutzung, Risiken etc. bestimmte Zu‑       situation in einer veränderten Zinsland­
counted-Cashflow-Bewertungsmodell an­         und Abschläge vornehmen, arbeiten die         schaft deutlich verschlechtern. Je nach
gepasst werden müssen. Die künftigen          Experten von Wüest Partner mit einer          Hintergrund und Rechnungslegung schla­
Cashflows sind ein zentraler Faktor in die­   fundierten Datengrundlage: «Aufgrund          gen schlechtere Erträge und Abwertun­
ser Bewertung. Müssen sie zum Beispiel        unserer Transaktionsdatenbank kennen          gen auch in der Erfolgsrechnung eines In­
um 5 oder 10% nach unten angepasst            wir in vielen Fällen nicht nur die Kauf­      vestors zu Buch. So sind viele Anleger im
werden, fällt damit der aktuelle DCF-Wert     preise sondern auch die Cashflows der         Immobilienbereich gut beraten, auch ein­
des Objekts – sofern alle anderen Parame­     gehandelten Immobilien.» Mit diesen           mal Szenarien mit Wertkorrekturen und
ter unverändert bleiben.                      Informationen­ist es möglich, den aktuell     Abschreibungen durchzuspielen.

                                                                                                                       immobilia Juli 2018   |   13
IMMOBILIENWIRTSCHAFT               INTERVIEW BÜROMARKT

«Ein permanenter Druck»
Bei der Bewertung von Büroimmobilien müssen künftige Erträge mithilfe der DCF-
Methode modelliert und Zinsannahmen getroffen werden. Die Mieten und teils auch die
Bewertungen seien unter Druck, sagt Jan Eckert, CEO von Jones Lang LaSalle Schweiz.

                                                                                              Neunzigerjahre ist vorbei. Damals konn­
                                                                                              ten die Vermieter ihre Büroimmobi­lien
                                                                                              quasi im Rohbau zur Verfügung stellen
                                                                                              und fanden im Nu Mietinteressenten.
                                                                                              Heute muss man sich sehr viel aktiver um
 BIOGRAPHIE                                                                                   die richtige Positionierung, um die Kon­
 JAN ECKERT                                                                                   zepte, um die Gestaltung der Produkte
 Jan Eckert ist seit 2011                                                                     und um die Zielgruppendefinition küm­
 CEO von JLL. Das Bera-                                                                       mern. Teils steht sogar schon die Frage
 tungs- und Dienstleis-                                                                       im Raum, ob der Eigentümer der Immo­
 tungsunternehmen
 mit verschiedenen Nie-
                                                                                              bilie nicht nur den Mieterausbau finan­
 derlassungen ist auf                                                                         ziert, sondern auch zahlreiche Service­
 Bewertungen, Transak-                                                                        leistungen für den Mieter anbietet. Diese
 tionen und Vermark-                                                                          Tendenz hat aber ohne Zweifel auch ih­
 tungen von Immobilien                                                                        re Vorteile. Die Investoren müssen heute
 spezialisiert.
                                                                                              wesentlich kreativer agieren, getreu dem
                                                                                              Motto: Konkurrenz belebt das Geschäft.
                                                                                              – Kein Investor zeigt gerne die
JÜRG ZULLIGER*                                 manenten Druck auf die Büroflächen. All       Abwertung von Immobilien in seiner
– Herr Eckert, sind die Mieten                  die unterschiedlichen Gebäude – oder          Bilanz oder in seiner Erfolgsrechnung.
für Büros in der Schweiz generell               besser: Mietobjekte – waren einem ver­        Sind diese Incentives bzw. Anreize
unter Druck?                                    schärften Wettbewerb ausgesetzt.              nicht einfach ein «Trick», um keine
– Jan Eckert: Grundsätzlich ja. Das ist aber    – Wie sehen Sie die neusten                   Abwertungen ausweisen zu müssen?
gar kein neues Phänomen, diese Tendenz          Tendenzen?                                    – Es gab sicher eine Gruppe von Eigentü­
hat sich schon seit vier oder fünf Jahren ab­   – Die Phase dieser Korrektur haben wir        mern, die diese Strategie relativ stark aus­
gezeichnet. Ein Druck auf die Mieten war        bereits durchlaufen, und es gibt Anzei­       gereizt hat. Inzwischen ist aber natürlich
auch insofern spürbar, als viele Investo­       chen einer Stabilisierung. An sehr guten      auch allen Schätzern und Bewertungsex­
ren verschiedene Anreize bzw. Incentives­       Citylagen im Finanzdistrikt der Städte ver­   perten völlig klar, dass sie die Zahlen und
zum Abschluss von neuen Mietverträgen           zeichnen wir für gewisse Losgrössen bei       die Unterlagen genauer anschauen müs­
boten. Darunter fallen vor allem mietfreie      Büros sogar wieder einen leichten Anstieg     sen! Vor allem wenn ein Mietpreis aktu­
Perioden zu Beginn eines Mietverhältnis­                                                      ell etwas schräg in der Landschaft steht,
ses oder auch die Kostenbeteiligung des           In grösseren Portfolios                     wird man kritische Fragen stellen. So
Eigentümers am Mieterausbau. Bei einem          von institutionellen In­                      gehört es heute ganz selbstverständlich
Mietvertrag, der zum Beispiel über fünf         vestoren gleichen sich                        zum Business, dass der Bewerter sämt­
Jahre läuft, bedeutet ein halbes Jahr miet­                                                   liche Unterlagen einsieht, inklusive aller
freie Periode doch ein beträchtliches Ent­      verschiedene­Effekte aus.»                    Zusätze zum Mietvertrag und aller An­
gegenkommen. Richtig gerechnet, liegt                                                         hänge, in denen solche Incentives oder
dann der Preis pro Quadratmeter und Jahr                                                      der Ausbaugrad geregelt sind.
eben nicht bei zum Beispiel 300, sondern                                                      – Dieser Druck bei den Cashflows
bei 270 CHF.                                                                                  hat also nicht zu Abwertungen bei
– Was sehen Sie als Ursachen                                                                  Büroimmobilien geführt?
dieser Veränderung?                                                                           – Wir müssen diese Zahlen natürlich im
– Es kamen zwar so gut wie gar keine spe­       der Mieten. Die Aktivitäten auf der Nach­     Zusammenhang sehen. Parallel dazu
kulativen Projekte auf den Markt. Aber          frageseite für Büroflächen haben in den       verzeichneten wir in den letzten Jahren
es war gang und gäbe, Projekte auszu­           letzten sechs Monaten wieder zugenom­         fallende Zinsen und sinkende Renditeer­
lösen, sobald ein Vorvermietungsstand           men. Dabei dürfen wir nicht vergessen,        wartungen. Diese Kompression bei den
von 30 bis 50% erreicht war. Dabei hat          dass wir für dieses Jahr mit einem Wirt­      Diskontsätzen hat natürlich zu Aufwer­
man oft nicht daran gedacht, dass man           schaftswachstum und wachsender Be­            tungen von Immobilien geführt. In der
für die restlichen Flächen Leerstände in        schäftigung rechnen. Auch die Prognosen       Praxis führte dies dazu, dass die höhere
Kauf nehmen muss. Das führte zu einer           für 2019 sehen gut aus.                       Bewertung zu einem Teil in die negativen
Ausweitung des Angebots. Ein weiterer           – Sind aber die «goldenen Jahre»              Anpassungen der Cashflows geflossen
wichtiger Faktor war die Umstrukturie­          von früher vorbei? Haben wir                  ist. Die Werte in den Büchern von Inves­
rung in der Finanz- und Bankbranche             mehr Wettbewerb wie in Frankfurt,             toren sind deshalb weniger stark gestie­
und damit eine Schwäche auf der Nach­           Berlin oder Paris?                            gen, als das rein aufgrund der Zins-Ef­
frageseite. Die fortwährenden Verände­          – Die Investoren und Flächenvermark­          fekte hätte erwartet werden können. In
rungen und Standortverlagerungen von            ter müssen sich auf geänderte Rahmen­         fast allen Bewertungen von Büroimmo­
Finanzinstituten führten zu einem per­          bedingungen einstellen. Die Phase der         bilien war eine Tendenz sichtbar, diese­

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höheren Risiken bei den Cashflows zu                    kommerziellen Bereich finden sich für        Wie muss ein Schätzer hier vorgehen,
modellieren. Darunter fallen vor allem                  Geschäfts- und Büroimmobilien an B-          damit er plausible Annahmen trifft?
der längere Zeitraum der heute üblich                   und C-Lagen mit auslaufenden Mietver­        – Jeder Experte, der Immobilienschät­
ist, um eine Wiedervermietung erfolg­                   trägen heute kaum noch Käufer. Doch in       zungen vornimmt, muss sich laufend ein
reich abzuschliessen. Der Schätzer muss                 grösseren Portfolios von institutionellen    Bild über die Transaktionen auf dem
aber auch den Trend zu fallenden Markt­                 Investoren gleichen sich verschiedene        Markt machen. Man muss detailliert
mieten modellieren.                                     Effekte aus. Denn auf der anderen Seite      darüber­Bescheid wissen, welche Käufer
– Kommt es aber in Bezug auf                            wird man im Bestand auch Top-Objekte         zu welchen Kapitalkosten welche Im­
Einzelobjekte zu tatsächlichen                          haben, für deren Fläche noch 15-jährige      mobilien kaufen. Daraus ergeben sich
Abwertungen, etwa in einer                              Mietverträge gelten. Wenn solche Objek­      die wesentlichen Informationen, unter
Grössenordnung von 5 oder 10%?                          te auch noch an einem guten Standort lie­    anderem­auch die für bestimmte Lagen
– Insgesamt befinden wir uns mit dem Ge­                gen, profitieren sie von einer immer noch    und für bestimmte Objekte plausiblen
schäftsflächenmarkt nicht mehr in einer­                starken Nachfrage. Für solche voll ver­      Diskontsätze.­ 
Wachstumsphase, das stimmt. Jedes Ob­                   mieteten Immobilien werden nach wie
jekt muss aber wieder separat geschätzt                 vor Spitzenpreise bezahlt.                              *JÜRG ZULLIGER
                                                                                                                Der Autor ist Buchautor und Journalist BR
und beurteilt werden. Handelt es sich                   – In den gängigen Bewertungs-                           (Master of Science Uni Zürich). Er publiziert
um eine Büroimmobilie mit einem aus­                    Methoden nach Ertragswert oder                          regelmässig zu Fachthemen rund um Immo-
laufenden Mietvertrag, und der Eigen­                   Discounted Cashflow stellt der                          bilien, Bau und Investments.
tümer findet keine Nachmieter, kann die                 in die Rechnung eingesetzte Zins­
Abwertung tatsächlich erheblich sein. Im                faktor eine zentrale Grösse dar.

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                                                                                          New Work
                                                                                      Silver Society
                                                                                   Wissensgesellschaft
                                                                                Urbanisierung
                                                                             Individualisierung

          Die Zukunft kann kommen, wir sind bereit
          Real Estate Management – nächste Generation
                                                         Städte verdichten sich. Häuser werden intelligent. Dinge reden mit Dingen.
                                                         Die Menschen arbeiten, wo sie gerade sind. Eine neue Welt erwartet uns. Sie
                                                         verändert alles. Je mehr wir davon verstehen, desto lustvoller und erfolgreicher
                                                         können wir damit umgehen. Das gilt auch für das Real Estate Management.
                                                         Wir haben uns auf das vorbereitet, was morgen wirklich wird. Damit Immobilien
                                                         für Eigentümer profitabel und für Mieter attraktiv bleiben.

          Livit Real Estate Management
          Experten für Bewirtschaftung, Facility Management,
          Vermietungsmanagement, Baumanagement
          www.livit.ch

                                                                                                                               immobilia Juli 2018      |   15
IMMOBILIENWIRTSCHAFT                  BÜROLIEGENSCHAFTEN

Mietersuche für Büroflächen
Ausserhalb der Top-ÖV-Lagen wird die Vermarktung von Büroflächen zukünftig
noch schwieriger. Verschiedene Methoden der Netzwerkanalyse zeigen Wege auf,
wie die Vermarktung dennoch gelingt.

Bereits gut erschlossene Lagen weisen einen deutlich höheren Vermarktungsaufwand und längere Insertionszeiten auf (Bild: 123rf.com).

MARTIN WARLAND*                                  ten den Schweizer Büromarkt massgeb­               NACHFRAGEMUSTER ERKENNEN. Eine klare
ZWEI ÖV-ERREICHBARKEITSKLASSEN. Auf dem           lich vorantreiben. Hierzu zählen Firmen            Zielgruppendefinition ist daher insbeson­
Schweizer Büromarkt scheint es derzeit            wie Finanzdienstleister oder Architektur­          dere für die Vermarktung von Büro­flächen
nur zwei ÖV-Erreichbarkeitsklassen zu             büros. Eine nähere Betrachtung dieser              jenseits der Top-ÖV-Erreichbarkeit ent­
geben: Sehr gut erschlossen – und alles           Unternehmensgruppe zeigt hinsichtlich              scheidend. Mittels einer Netzwerkana­lyse
andere. Bereits «nur» gut erschlossene            der ÖV-Güteklassen statistisch signifi­            lassen sich hierfür erste Anhaltspunkte
Lagen weisen einen deutlich höheren               kante Unterschiede: 43% der IT-Firmen              finden. Die Analyse beruht auf der einfa­
Vermarktungsaufwand und längere In­               und 38% der Architekturbüros entschei­             chen Annahme, dass zwei Unternehmen,
sertionszeiten auf. Die Unterschiede zwi­         den sich innerhalb der Städte für weniger          welche Büroflächen in derselben Liegen­
schen gut, mittelmässig und gering er­            gut erreichbare Standorte. Ebenso befin­           schaft nachfragen, ganz offensichtlich
schlossenen Lagen sind hingegen relativ           den sich 30% der Ingenieurbüros in nur             ähnliche Standortpräferenzen haben. Für
klein. Während die wachsende Bedeu­               mässig erschlossenen Lagen. Diese Stand­           jede Branche kann mit dieser Heran­
tung der ÖV-Erreichbarkeit bei der Ak­            orte sind teilweise Streulagen in stark            gehensweise analysiert werden, mit wel­
quise neuer Liegenschaften eine nützli­           durch Wohnnutzung geprägten Quartie­               cher anderen Branche sich die Standort­
che Information ist, stellt dies Eigentümer       ren. Zunächst mag es überraschen, dass             präferenzen ähneln. Das Netzwerk von
hinsichtlich ihrer Bestandsliegenschaf­           sich selbst 23% der Unternehmensbera­              IT-Beratungsfirmen zeigt beispielsweise,
ten vor eine grosse Herausforderung: Wie          tungen ausserhalb der höchsten ÖV-Güte­            dass diese Firmen mit 72% der im Sample­
lassen sich neue Mieter für Büroflächen           klasse befinden. Dies lässt sich vermutlich        vertretenen Unternehmensbranchen ver­
finden, die nur mittelmässig per ÖV er­           jedoch durch die räumliche Organisation            bunden sind. Das bedeutet, dass ihre
schlossen sind?                                   dieser Unternehmen erklären, denn Un­              Standortansprüche wenig spezifisch sind
                                                  ternehmensberatungen trennen ihre Tä­              und sie als potenzielle Mieter für viele Bü­
MIETER IN DEZENTRALEN LAGEN. Um diese             tigkeiten zum Teil in Front-und Backof­            roflächen in unterschiedlichen Lagen in
Frage zu beantworten, analysierte die Li­         fices. Die Ergebnisse widerlegen somit             Frage kommen.
vit AG mehr als 3000 Büroflächen. Der Fo­         die gängige Annahme, dass wissensin­                   Unternehmensberatungen hingegen
kus muss bei solch einer Analyse auf wis­         tensive Dienstleister nur in sehr gut er­          weisen sehr spezifische Standortansprü­
sensintensive Dienstleister gerichtet sein,       schlossenen ÖV-Lagen als Mieter in Fra­            che auf. Wie das Netzwerk dieser Firmen
da sie mit rund 1,6 Millionen Beschäftig­         ge kommen.                                         zeigt, sind sie mit nur 13% der anderen

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Unternehmensbranchen verbunden. Dass          Umnutzung von Büroflächen in andere Ge­               der Netzwerkanalyse sind hierbei geeig­
Unternehmensberatungen sehr spezifi­          werbenutzungen erlauben. Die Positionie­              net, um Erkenntnisse zu gewinnen, die
sche Standortansprüche haben, zeigt sich      rung in Marktnischen ist hierbei häufig er­           sich direkt bei der Mietersuche anwenden
auch an ihrer starken räumlichen Konzen­      folgsversprechend, da für Mieter mit                  lassen: Ausgehend von ersten Interessen­
tration: So weisen 63% der Liegenschaf­       spezifischen Anforderungen ein relativ                ten, die sich die Flächen zeigen lassen,
ten mit Unternehmensberatungen mindes­        knappes Angebot besteht. So kann eine                 kann auf andere Unternehmensbranchen
tens eine weitere Unternehmens­beratung       Arztpraxis mitunter hohe infrastrukturelle            geschlossen werden, für welche die Flä­
in derselben Liegenschaft auf.                Anforderungen stellen, die sich nicht effi­           che aufgrund ähnlicher Standortansprü­
                                              zient in vielen Objekten realisieren lassen.          che ebenfalls interessant sein könnte.
POSITIONIERUNG IN MARKTNISCHEN. Für Büro­     Zudem ist beispielsweise die Nachfrage                Vermarktungsmassnahmen können somit
flächen, die sich nicht in Gehdistanz einer   seitens Fitnessstudios und Kindertages­               auch an schwierigen Standorten zielgrup­
S-Bahn befinden, wird die Herausforde­        stätten nach wie vor hoch. Erreichbarkeit             penorientiert gestaltet werden.
rung Mieter zu finden, in Zukunft noch        spielt zwar auch für diese Unternehmen
grösser. So findet die derzeitige Angebots­   eine grosse Rolle, allerdings primär per                                *DR. MARTIN WARLAND
                                                                                                                      Der Autor ist Projektleiter
ausweitung fast ausschliesslich in den La­    Auto statt ÖV.                                                          Research & Data bei der Livit AG.
gen der höchsten ÖV-Güteklasse statt. Um          Die vorliegende Analyse zeigt, wie die
in dem Verdrängungswettbewerb standzu­        Aufbereitung und Auswertung grosser
halten, gilt es daher bei Objekten in weni­   Datenmengen die Vermarktung von Büro­
ger gut erschlossenen Lagen zu prüfen, ob     flächen mit mittelmässiger ÖV-Erreich­
die spezifischen Objekt­eigenschaften eine    barkeit unterstützen kann. Die Methoden

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                                                           Karin Ottiger, Schulung & Support eXtenso IT-Services AG

                                                                                                          eXtenso IT-Services AG
                                                                                                          Schaffhauserstrasse 110, 8152 Glattbrugg
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