MAGAZIN - Was kommt nach dem Kohleabbau? Auf dem Weg zur fossilfreien Mobilität - VCS Verkehrs-Club der Schweiz
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VCS mAGAZIN
5 / November 2017
F Ü R M O B I L I TÄT M I T Z U K U N F T
Was kommt nach dem
Kohleabbau?
Auf dem Weg zur fossilfreien Mobilität.
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nicht! VCS-Bonus-Angebot
VCS-Bonus-AngebotaufaufSeite
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diesemHeft!
Heft!EDITORIAL P O L I T IK
4 Kurz & bündig
Hilflos trotz Fakten
6 Digitalisierung auf gutem Weg
Die moderne Art von Gebühren für Lastwagen und PW
«Klimawandel? Den gibt es.
© VCS/Susanne Troxler
Aber menschgemacht ist er 8 Velo macht glücklich
Die besten Ideen, wie Velofahren im Alltag sicherer,
nicht!» Begegnet ist mir die- bequemer oder spannender wird.
se Aussage, als ich fürs Dos-
16 Zu Fuss zur Schule
sier auf Stimmenfang war. Der VCS sorgt dafür, dass Kinder sicher zu Fuss
Ich muss den Mann reichlich unterwegs sind.
dumm angestarrt haben – dabei hatte ich den ipcc-
D OS SIE R
Bericht «Zusammenfassung für politische Entschei-
22 Was kommt
© Fotolia/sergeialyohsin
dungsträger» gelesen, mit unseren Experten im Haus
nach der Kohle?
diskutiert und mich ins Thema vertieft. Schmelzen-
Will die Schweiz Ziele
de Gletscher sind eine Realität, die Diagramme im
des Pariser Abkommens
Bericht eindeutig. Dennoch war mein Gegenüber erreichen, ist der Ausstieg
von seiner Einschätzung überzeugt. Er kenne ande- aus fossiler Energie Pflicht.
Wie kann es klappen?
re Quellen, die er mir gern zur Verfügung stelle. Ich
habe verzichtet, vielleicht etwas feige. Für mich ist
klar, dass der Mensch massiv ins System eingreift, der 30 MITGLIEDER ANGEBOTE
Natur schadet und die Zukunft unserer Kindeskinder
gefährdet. Was zwar nicht dazu führt, dass ich mich 34 BERICHTE AUS DEN VC S-REGIONEN
depressiv auf dem Sofa zusammenrolle. Aber ist mein
persönlicher Beitrag gross genug? Müsste ich noch R E I SE N
mehr lesen, geschickter argumentieren? Noch be- 44 Wenn die Schlote nicht mehr rauchen
Eine Entdeckungsreise im Ruhrgebiet
wusster einkaufen, aufs Reisen verzichten?
Man kann auch einen Beruf daraus machen, wie Del- 48 Verschneite Gipfel
Das Kleinwalsertal zeigt grosses
phine Cluzel und Olivier Evalet. Das Paar aus Genf hat Umweltengagement
die Plattform karibou.ch gegründet. Darauf vernetzen
sie Verarbeiter, lokale Produzenten und Konsumentin- 51 Auf der Spur von Dachs und Gams
Schneeschuhwandern und Spuren lesen
nen miteinander (Seite 55). Vielleicht ist das der Weg:
52 Rendez-vous mit dem Samichlaus
Die Technik der Moderne klug nutzen, um die Welt für
Drei Tipps für Weihnachtsmärkte
die Menschen von morgen zu erhalten.
Und man soll jede Reise bewusst geniessen: Eine 56 D E B AT T E
Schneeschuhwanderung in Begleitung eines Försters Wettbewerb im Bahnverkehr
lässt einen staunen. Und im Kleinwalsertal nimmt Was bringt es den Kunden?
man Umweltschutz erfreulich ernst.
Wie soll man mit all denen umgehen, die Fakten an- 60 LESERBRIEFE
ders sehen? Wenn Sie eine Antwort haben: Ich freue
64 WETTBEWERB
mich auf Ihre Zuschriften. Und wünsche Ihnen ein
ruhiges Jahresende! 65 BITTE MITDENKEN!
Dominique Eva Rast, Redaktionsverantwortliche VCS-Magazin Mass halten statt masslos konsumieren
Titelbild: Die Zeche Zollverein ist heute ein lebendiger Kulturort und Ausgangs- 66 C ARTOON
punkt für schöne Radtouren. (© Anna Schwartz)
VCS MAGAZIN 5/17 3POLITIK
VCS rettet Drittverkaufsstellen der SBB
Es ist geschafft! Die Drittverkaufsstellen der SBB leben weiter. kauf von ÖV-Tickets in diesen 50 Verkaufsstellen zu schliessen, hat
Das hat nach dem Nationalrat auch der Ständerat in seiner viele Menschen verärgert und entsprechend mobilisiert. Insgesamt
Herbstsession entschieden. 32 000 haben die Petition des VCS unterschrieben. Sie alle – und
auch der VCS – wurden jetzt für ihr Engagement belohnt.
Mit dem Entscheid der beiden Räte sollen Beratung und Verkauf von
© zVg
ÖV-Tickets durch private Stationshalter, ausgewählte Avec-Shops,
Migrolinos und Poststellen mindestens bis ins Jahr 2020 möglich
sein. Der VCS hat sich stark für diese kostengünstige Form des Ser-
vice public engagiert. Schliesslich ist dem VCS wichtig, dass der
Zugang zum öffentlichen Verkehr für alle möglichst einfach funk-
tioniert. Und der VCS war es auch, der das Stationshalter-Modell
in Wipkingen vor ziemlich genau 20 Jahren mitbegründete. Damit
konnte der Verband dazu beitragen, dass das Quartier wieder stär-
ker belebt, die Verrohung gestoppt und der Service für den öffentli-
chen Verkehr verbessert werden konnte.
Das Stationshalter-Modell hat sich in der Folge weiter ausgebrei-
tet. Gemeinsam mit den Migrolino-, Avec-Shops und Poststellen
machen diese insgesamt 50 Verkaufsstellen rund einen Viertel
aller bedienten SBB-Verkaufsstellen aus. Warum also nicht auch in
Zukunft neben dem Kaugummi ein Zugticket verkaufen? Dieses sim-
ple Argument hat vielen National- und Ständeräten eingeleuchtet.
Denn sie wussten: Direkte Kosten für diesen Service haben weder
die SBB noch der Steuerzahler. Das Modell läuft privatwirtschaft-
lich und ist beliebt. Das Parlament wollte diesen Service nicht Der Entscheid des Parlaments rettet auch den Bahnhof
ohne Not abschaffen. Der Entscheid der SBB, per Ende Jahr den Ver- Kreuzlingen Hafen.
Nord-Süd-Güterverkehr: richten sich vermehrt an die Netzgesellschaft der Deutschen Bahn,
Anfällig für Gleisstörungen beispielsweise in der neuesten Interpellation der SP-Nationalrätin
Martina Munz. Auch die Präsidentin des VCS, Evi Allemann, fordert,
Im Rahmen von Bauarbeiten an einem Eisenbahntunnel bei Rastatt «dass die Stabilität des Gütertransports auf der Schiene gesichert
(D) sackte das Bahntrassee plötzlich ab und wurde in der Folge sein muss. Hier ist die Politik gefordert.»
für knapp zwei Monate für Züge unpassierbar. Ausweichrouten auf
Bahnnebenstrecken sowie über die Rheinschifffahrt hatten nicht
genügend Kapazität, um die Nachfrage nach Gütertransporten zu FLUX prämiert Bahnhof mit Schmalspurbahn
stillen. Viele Gütertransporte wurden in der Folge klimaschädlich
über die Strasse abgewickelt. PostAuto, der VCS und der Verband öffentlicher Verkehr VöV prä-
Das schienenbasierte Cargo-System der Schweiz verbucht gemäss mieren jedes Jahr gemeinsam einen Bahnhof, der aus Sicht der
Logistikern Umsatzeinbussen von rund 50 Millionen Franken. Ge- Kunden, der Gestaltung und des Betriebs besonders überzeugt. Die
nauso schlimm ist, dass Jury des «FLUX – Goldener Verkehrsknoten» hat dieses Jahr touris-
damit die Verlässlichkeit tische Umsteigeknoten mit «Meterspur»
© SBB CFF FFS
© Philippe Gasser, Citec Ingénieurs Conseils
der Bahn aufgrund ihrer of- unter die Lupe genommen. Die schmalen
© Philippe Gasser, Citec Ingénieurs Conseils
fenkundigen Verletzlichkeit Gleise eignen sich besonders für enge Kur-
infrage gestellt wird. Damit ven in Berggebieten. Von den 19 begutach-
die Rückverlagerung auf teten Umsteigeknoten kommen drei in die
die Schiene funktioniert, engere Auswahl: Der Bahnhof Arosa (GR),
müssen Kapazitätseng- Innertkirchen (BE) und Château-d’Oex
pässe des Bahnnetzes auf (VD). Am 30. November gibt die Jury in
der gesamten Nord-Süd- Bern bekannt, welche Gemeinde den Preis
Güterverkehrsachse besei- «FLUX – Goldener Verkehrsknoten» und
tigt und die Schiene mit somit 5000 Franken erhält.
kompensatorischen Mass-
Seit dem 2. Oktober ist die Rheintal nahmen unterstützt wer- Der ÖV-Oscar geht dieses Jahr an
strecke endlich wieder offen. den. Solche Forderungen einen «Meterspur»-Bahnhof.
4 VCS MAGAZIN 5/17POLITIK
Mit dem Solar-Pass sauber unterwegs Kursbuch – es lebt weiter
© VCS
Das Engagement vom VCS und der SBB für erneuerbare Energie Die Mitarbeiterinnen und Mit-
geht weiter: Auch in Zukunft können VCS-Mitglieder aktiv einen arbeiter des VCS, die Anliegen,
Beitrag leisten, dass die Bahn nur mit sauberem Strom fährt. Der Bestellungen, Lob und Tadel
Solar-Pass garantiert einen fixen Anteil von zehn Prozent Solar- unserer Mitglieder entgegenneh-
strom im Bahnstrommix für jeweils 5000 Personenkilometer. Diese men, sind im Moment im besten
zehn Prozent Öko-Strom ersetzen die zehn Prozent aus anderen Sinne voll ausgelastet. Denn die
Energiequellen wie zum Beispiel Atomkraft. Die SBB verpflichtet Bestellungen für das Kursbuch
sich, entsprechende «naturemade star»-Solarstrom-Herkunftsnach- übertreffen die Erwartungen
weise einzukaufen. des VCS bei weitem. Unser
Mehr Infos: Mitglieder-Service kann sich
www.verkehrsclub.ch/solar-pass über viele sehr positive Rück-
meldungen freuen. Das freut
den VCS natürlich sehr. Bereits
© VCS
sind gegen 4000 Bestellungen
eingegangen. Der Vorteil für
VCS-Mitglieder: Jeder und jede Das Kursbuch eignet sich auch als
erhält ganz sicher ein Kursbuch. Weihnachtsgeschenk.
Weil der VCS – gemeinsam mit
der IGöV und Pro Bahn Schweiz – das Kursbuch zum ersten Mal
(ohne Postauto-Verbindungen) eigenständig herausgibt, erfolgt die
Auflage in limitierter Höhe. Wer sich sein Kursbuch sichern will,
bestellt am besten jetzt: Per Telefon unter 031 328 58 58, per Mail
an kursbuch@verkehrsclub.ch oder am einfachsten unter
Aktiv für sauberen Strom mit dem Solar-Pass. www.verkehrsclub.ch/kursbuch.
© muellerluetolf.ch, Quelle: VCÖ/EU Pocketbook Transport 2016
ELEKTRIFIZIERUNG DES BAHNNETZES: DIE SCHWEIZ AN DER SPITZE
In der Schweiz ist Bahnfahren eine saubere Sache:
Das Bahnnetz ist zu hundert Prozent elektrifiziert.
Zudem fährt die SBB im Schnitt mit 90 Prozent
Strom aus Wasserkraft. Deshalb haben in der
Schweiz auch Fernbusse im Vergleich mit der Bahn
einen massiv höheren CO2-Ausstoss. In den Nach-
Deutschland 52% barländern Österreich und vor allem in Deutschland
verkehren nach wie vor teilweise dieselbetriebene
Züge, da das Bahnnetz nicht vollständig elektrifi-
ziert ist. Zudem stammt gerade in Deutschland viel
Strom aus Kohlekraftwerken (30 Prozent Steinkoh-
le, 6,1 Prozent Braunkohle).
Schweiz 100%
Österreich 70%
VCS MAGAZIN 5/17 5POLITIK
Digitalisierung auf gutem Weg
Von Filippo Rivola Sowohl bei Autos als auch bei Lastwagen könnte sich die
Gebührenerhebung für die Benutzung des Strassennetzes ändern
und physisch verschwinden.
tronischen Mautdienstes (EETS) für den
© Fotolia/hykoe
Schwerverkehr. In den letzten Jahrzehn-
ten wurden in verschiedenen europäischen
Ländern unterschiedliche Schwerverkehrs-
abgabe-Systeme eingeführt. Um die admi-
nistrativen Abläufe zu vereinfachen, hat die
EU einen Erfassungsapparat vorgeschla-
gen, der die Daten aller Mautsysteme in Eu-
ropa registriert. Das Unternehmen, das die
Box liefert, erfasst alle Systeme, erhebt den
Betrag beim Transporteur und verteilt ihn
anschliessend an die Behörden der durch-
reisten Länder. Die Schweiz als Nichtmit-
gliedstaat der EU oder des EWR muss den
EETS nicht in ihre Schwerverkehrsabga-
be integrieren. Sie möchte aber eine Zusam-
menarbeit. Ein Zwang für die Lastwagen,
eine EETS-Box anzuschaffen, ist im Moment
in der Schweiz noch nicht vorgesehen, denn
das heutige Erfassungssystem ist noch nicht
amortisiert und wird bis mindestens 2024 in
Betrieb sein.
Der VCS unterstützt den Fortschritt
Der VCS hat sich positiv zu den Vernehmlas-
sungen geäussert. Die elektronische Vignet-
Auch auf der Strasse bringt die Digitalisierung den erwünschten Fortschritt. te optimiert den ganzen Prozess, vermeidet
eine Überproduktion der physischen Vig-
nette, vereinfacht die administrative Arbeit
M it einer Vernehmlassung in diesem
Herbst hat der Bund seine Pläne für die
Einführung einer elektronischen Vignet-
ist, und wenn dies nicht der Fall ist, erhält
der Inhaber des Nummernschildes eine Bus-
se. Ein ähnliches System wird bereits heute
und erleichtert das Aufspüren von Betrü-
gern. Ein ausländischer Tourist, der durch
die Schweiz fährt, wäre nicht mehr gezwun-
te publik gemacht, welche die Klebeetikette bei zahlreichen städtischen Road-Pricing- gen, an der Grenze anzuhalten, was wiede-
– die bekanntlich im Winter kaum von der Systemen wie zum Beispiel in London prak- rum die Grenzwächter entlastet. Und eine
Scheibe zu kratzen ist – ersetzen soll. Kon- tiziert. In Zukunft werden neue Technologi- Zusammenarbeit beim Schwerverkehrstran-
kret soll sich der Fahrzeuginhaber über eine en selbst diese Kontrollsysteme überflüssig sit würde die Überprüfung der von auslän-
Smartphone-App oder auf einer spezifischen machen, wenn das Fahrzeug den Behörden dischen Lastwagen gefahrenen Kilometer
Webseite anmelden und so jährlich vierzig automatisch seine Position übermittelt. überflüssig machen. Die Höhe der Abgabe
Franken bezahlen. Für Personen ohne digi- Strenge gesetzliche Vorschriften garantieren bleibt gleich, so dass der Transit durch die
talen Zugang wird es möglich sein, die Ab- den Datenschutz, und es wird aufgrund die- Schweiz gegenüber heute nicht attraktiver
gabe via kantonale Fahrzeugsteuern zu ent- ser Daten kein Benutzerprofil erstellt. wird. Die Digitalisierung der Strassenver-
richten. Es wird also das Nummernschild kehrsabgaben gehört zu den positiven Fort-
registriert und nicht mehr, wie bis anhin, das Einheitliches System für die schritten der neuen Technologien, weshalb
Fahrzeug. Fixe oder mobile Kontrolleinrich- Schwerverkehrsabgaben in Europa sie der VCS mit Überzeugung unterstützt.
tungen auf dem Autobahnnetz werden über- In einer zweiten Vernehmlassung ging es
prüfen, ob das Schild im System registriert um die Einführung des Europäischen Elek-
6 VCS MAGAZIN 5/17POLITIK
Ständerat unterstützt Klimaschutz
Von Dominique Eva Rast Unter dem Deckmantel der Förderung von Elektroautos wäre
beinahe ein höherer CO2-Ausstoss ermöglicht worden. Die Motion
von CVP-Nationalrat Fabio Regazzi gab vor, Autos mit geringerem
Ausstoss zu fördern, hätte aber das Gegenteil erreicht.
I m Mai 2017 haben 58 Prozent der Bevölke-
rung die Energiestrategie 2050 angenom-
men und damit auch das CO2-Neuwagenziel.
Dieses sieht vor, dass der durchschnittliche
CO2-Ausstoss der Schweizer Neuwagen ab 95 g 119 g
CO2
2020 noch 95 Gramm CO2 pro gefahrenen
Kilometer betragen darf. Heute sind es 130
Gramm pro Kilometer. Diese Umsetzung
CO2
funktioniert ohne Verbote von bestimmten
Automodellen. Um Anreize zu setzen, sol-
len Autoimporteure Elektrofahrzeuge und
Von Parlament und Volk entschiedene Durchschnittliche Emissionswerte
besonders emissionsarme Neuwagen mit ei-
durchschnittliche Emissionswerte Motion Regazzi
nem CO2-Ausstoss, der unter 50 Gramm/
Kilometer liegt, höher gewichten dürfen als
normale Autos. Deshalb plant der Bund ge- gerechnet würde. Was nach Förderung von maschutz ein Bärendienst erwiesen wird»,
nau wie die Europäische Union, dass Elek- Elektroautos aussieht, hätte zum Gegenteil zeigte sich Evi Allemann, VCS-Präsidentin
troautos zeitlich befristet doppelt angerech- geführt. Die Forderung von Regazzi hätte und SP-Nationalrätin, erstaunt.
net werden dürfen. das in der Energiestrategie 2050 beschlosse-
ne CO2-Ziel von 95 Gramm ad absurdum ge- Im Ständerat abgeschmettert
Unbefristete Sonderregelung führt. Denn: Je höher der Anteil an E-Autos, Immerhin: Der Ständerat hat seine staatspo-
Die Motion Regazzi sah aber vor, dass bei desto weiter steigt der CO2-Mittelwert über litische Verantwortung wahrgenommen und
der Berechnung dieses Neuwagenflotten- das 95-Gramm-Ziel. Die Mehrfachzählung nicht einfach blindlings eine vermeintliche
ziels (durchschnittlicher CO2-Ausstoss) je- von Elektroautos gemäss der Motion Regaz- Elektroförderung beschlossen, die aber dem
des Elektroauto unbefristet wie 3,5 Autos zi hätte dazu geführt, dass ab 2023 faktisch Klimaschutz massiv schadet. In der vorbera-
mit einem Null-Gramm-CO2-Ausstoss an- das Ziel wieder bei rund 120 Gramm pro tenden Kommission dann war das Wissen et-
Kilometer gelegen wäre. Ein Plan, der nicht was höher – die Motion wurde dem Ständerat
einmal dem grossen Autoimporteurverband zur Ablehnung empfohlen. Und dieser folgte
© Adam Di Loreto/iStockphoto
eingefallen ist: Der Branchenverband auto- der Empfehlung und lehnte am 13. Septem-
schweiz hat in seiner Vernehmlassungsant- ber die Motion klar ab. Damit ist zumindest
wort nur gefordert, dass während einer be- eine Massnahme vorhanden, um den CO2-
fristeten Zeit Elektroautos doppelt an das Ausstoss des Verkehrs zu reduzieren. Bis ins
Flottenziel angerechnet werden dürfen. Jahr 2020 müssen alle Sektoren 10,7 Millionen
Tonnen CO2 sparen. Mit dem Neuwagenziel
Im Nationalrat angenommen wird eine Million Tonnen CO2 pro Jahr ein-
Die Worte von Bundesrätin Leuthard, die gespart. Mit seinem «Nein» zur Motion, und
gegen die Motion war, stiessen im National- auch zu einem verzögerten sogenannten «Pha-
rat auf wenig Gehör. Die Motion wurde klar sing-in» während der Debatte über die Ener-
angenommen, zum Entsetzen der Verkehrs- giestrategie, hat der Ständerat entschieden,
und Umweltverbände. «Offenbar war vielen dass die Umsetzung analog zur EU erfolgt. «In
nicht klar, dass mit dieser Motion dem Kli- unseren Bergen sehen wir die Auswirkungen
des Klimawandels bereits jetzt deutlich. Wir
erreichen die Pariser Klimaziele nur, wenn
auch der Autoverkehr den CO2-Ausstoss re-
duziert», hält VCS-Präsidentin Evi Allemann
Elektroautos fördern – aber richtig! fest.
VCS MAGAZIN 5/17 7POLITIK
200 Jahre: Das feiern wir!
Von Camille Marion 2017 ist ein Jubiläumsjahr für das Velo: Es war der 12. Juni 1817, als
Baron Karl Drais die 14,4 Kilometer von Mannheim zum Relaishaus
in Schwetzingen auf seiner Laufmaschine zurücklegte. Der weltweite
Siegeszug des Zweirads nahm seinen Anfang.
200 Jahre später hat das Velo nichts
von seiner Attraktivität einge-
büsst. Das schnelle, praktische und preiswer-
benutzt, kennt keine Grenzen und vereint
Liebhaber jeder Herkunft, jeden Alters und
jeder sozialen Klasse.
glücklich». Ein Beweis dafür, dass dieses
Transportmittel uns immer noch bewegt.
Mehr Sicherheit, technische Verbesse-
te Transportmittel schont Gesundheit und rungen, bessere Sichtbarkeit, Optimierung
Umwelt. Der VCS hat sich stets mit Überzeu- Gute Ideen waren gesucht für den Familieneinsatz oder als Tiertrans-
gung dafür eingesetzt, insbesondere bei den Um das Jubiläum gebührend zu feiern, for- portmittel, Schutz gegen das unberechenba-
politischen Behörden. Denn längst ist erwie- derte der VCS die Velofans auf, ihre krea- re Schweizer Wetter: Die Wettbewerbsbei-
sen, dass es Infrastrukturen braucht, damit tiven Ideen für eine noch perfektere Aus- träge sind äusserst vielfältig und anregend.
das Fahrrad auch wirklich benutzt wird. Dem stattung des Zweirads zu teilen. Wie kann Die Jury hat diskutiert und die zehn
heute leider allzu verbreiteten «Mehr Stras- das kleine Prunkstück noch cooler werden? besten Ideen ausgewählt. Die Erfinderin-
sen, mehr Staus», ein Mantra, das auch der Es hat ja schon viel zu bieten: es ist leicht, nen und Erfinder der Projekte werden be-
VCS immer wieder bemühen muss, möchten schnell, billig, umweltfreundlich. Doch der lohnt und erhalten tolle Preise, offeriert von
wir deshalb das optimistischere «Mehr Rad- Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, die m-way und Ortlieb, den zwei Partnern des
wege, mehr Radfahrende» entgegensetzen. Tüftler warten immer wieder mit Überra- Wettbewerbs. Der VCS bedankt sich herz-
Das Velo ist ein Fahrzeug, das Emotio- schungen auf. Entsprechend gross war die lich bei allen, die mitgemacht haben.
nen auslöst. Es wird auf der ganzen Welt Teilnahme am Wettbewerb «Velo macht
DAS SIND DIE FÜNF PREISTRÄGER
1
Isabelle Wackernagel, Zürich
1. Als leichten Schmuck, der gut wie Anti-Camou-
flage funktioniert. Mit einer schönen zweifarbigen
Kombination oder als Kontrast, (reflex)grau-
schwarz oder (reflex)grau-violett oder in einer Kom-
bination, die dem (reflex)grau tagsüber eine schöne
Harmonie gibt. So wirkt es spielerisch und attraktiv.
2. Jeansjacke: Beidseitig tragbar hell und dunkel.
Am Tag ist es ein jeansfarbener Stoff mit klassisch
einfachem Schnitt mit weichem Griff. Nachts, beim
Anleuchten des Stoffes, schimmert der Stoff auf.
3. Cape-Gilet: Im Alltag jeansfarbig, möglich in
jeansblau – hell, jeans-schwarz – hell, je nach
Tragart. Das Aufleuchten des Stoffes ist einfach ein
Erhellen, die Einfassung mit Reflex ist stark auf-
leuchtend.
1. 2. 3.
8 VCS MAGAZIN 5/17POLITIK
2
Beat Locher, Zürich
Meine alltäglichen Transporte
führe ich mit dem Velo mit An-
hänger oder mit dem speziellen
Gepäckträgeraufsatz durch. Mit
diesem kann ich problemlos bis
zu 20 Kilogramm transportieren. Häufig bin ich
in der Stadt unterwegs und muss mit meinem
Veloanhänger sehr aufpassen (Breite). Öfters
stehe ich auch hinter einer Autokolonne, da der
Platz rechts zu knapp ist. Mit dem Veloträger-
Aufsatz kann ich neu fast 95 Prozent meiner
Alltagstransporte durchführen. Mit den Spann-
gurten kann ich eine normale Kiste, aber auch
grössere Gegenstände, transportieren. Auch
bei 45 km/h fährt das Velo sehr ruhig und
sicher, das Velo ist vollgefedert. Dieser prakti-
sche Aufsatz kann auf jedem normalen Veloge-
päckträger hinten montiert werden.
Hans Huber, Meiringen
3 Schlauchloser, wartungsfreier Ganzjahresreifen mit
ausfahrbaren Spikes für das Pendlervelo! Mehr Si-
cherheit für Pendler und Schüler – auch im Winter!
Das Ziel ist, einen Ganzjahresreifen zu erschaffen,
der durch seine Stabilität – gegeben durch den Fe-
derstahl – schlauchlos auskommt. Ein wartungsfreier, plattenloser
Reifen fürs ganze Jahr! Gerade auch im Winter soll man durch die
ausfahrbaren Spikes ohne Stürze sicher zur Arbeit, Schule etc.
kommen. Das Prinzip: Mit Hilfe eines Federstahlbandes, welches
einseitig fix mit dem Reifen verbunden ist, lässt sich mittels Schie-
ber das Band vergrössern oder verkleinern. Das heisst, die Spikes
werden je nach Witterung bei Schnee, Eis und Glätte ausgefahren
und können mit dem Schieber problemlos und schnell wieder ein-
gefahren werden, falls sie nicht mehr benötigt werden.
4
Didier Very, Genève
Seit Jahren überlege ich mir ein Konzept für
ein Velo mit Anhänger und Solarantrieb. Ich
habe immer noch weder Zeit noch Geld, um meine Ideen
umzusetzen. Vor 25 Jahren, als das so noch kaum exis-
tierte, habe ich
einen Anhänger
für die Ferien
konzipiert und
umgesetzt. Alles
wurde flach in
den Kofferraum
des Autos ver- 5 Mechthild Voigt, Bülach
staut.
Bitte Körbe mit Reflektoren!
Hier ist mein aufgepepptes
Velo mit zerschnittener
Sicherheitsweste. www.gluecklichvelo.ch
VCS MAGAZIN 5/17 9POLITIK
Assistenz ist erwünscht
Von Dominique Eva Rast Fahrassistenzsysteme sind bei Fahrlehrerinnen und Fahrlehrern, Polizei-
behörden und Strassenverkehrsämtern bekannt. Und werden bezüglich
Verkehrssicherheit als nützlich eingestuft: Das zeigt eine neue Umfrage.
N achtsichtassistent, Müdigkeitswarner, Park-
assistent: Der Helfer im modernen Auto
gibt es viele. Moderne Fahrassistenzsys-
über die verschiedenen Systeme zu informie-
ren. Die Unterstützungsmöglichkeiten sind
aber unterschiedlich bekannt: Während der
Mehr Sicherheit
Unumstritten ist, dass der Verkehr dank As-
sistenzsystemen sicherer und komfortabler
teme könnten theoretisch rund 50 Prozent Parkassistent den meisten vertraut ist, ist dies wird. Je rund 90 Prozent der drei befragten
der schweren Unfälle vermeiden. Aber sind beim Nachtsichtassistenten und dem Müdig- Gruppen gehen mit dieser Aussage einig. Kri-
sie auch bekannt und akzeptiert? Das woll- keitswarner deutlich weniger oft der Fall. Ge- tisch angemerkt wurde, dass mit Assistenz-
te der VCS Verkehrs-Club der Schweiz mit ei- rade der Müdigkeitswarner kann aber für die systemen den Lenkerinnen und Lenkern die
ner Umfrage bei Fahrlehrern, Polizeibehörden Verkehrssicherheit eine wichtige Rolle spie- Verantwortung (zu) stark entzogen wird oder
und Strassenverkehrsämtern herausfinden. len: Das System analysiert ununterbrochen diese abgelenkt werden. Die Signale, War-
Bemerkenswert ist, dass die Befragten den Sys- das Lenkverhalten auf Anzeichen nachlas- nungen oder Töne werden teilweise als unan-
temen grundsätzlich einen grossen Nutzen für sender Konzentration. Je nach System wird genehm empfunden oder es mangelt schlicht
die Verkehrssicherheit attestieren. Der Wis- die am Steuer sitzende Person (Augen- und am Vertrauen in die Fahrassistenzsysteme.
senstand über die verschiedenen Möglichkei- Kopfbewegungen) oder ihr Fahrverhalten Uneinig sind sich die Befragten, ob Fahr-
ten ist im Vergleich zu den durchschnittlichen (Schlangenlinien) beobachtet. Auch Tages- assistenzsysteme neue Risiken generieren.
Autofahrerinnen und Autofahrern höher. zeit, Geschwindigkeit oder Blinkverhalten Die Bedenken sind ähnlich wie bei der Frage
werden vom System berücksichtigt. Erkennt zur Sicherheit. Dazu kommt das Risiko, dass
Wenig bekannte Helfer das System entsprechende Symptome, emp- die Konzentration nachlässt oder die Fahrer
Eine Mehrheit der befragten Fahrlehrerin- fiehlt das System eine Pause und warnt den nachlässig werden, weil sie davon ausgehen,
nen und Fahrlehrer legt bei der Ausbildung Fahrzeuglenkenden mit einem deutlichen dass der Assistent für Sicherheit sorgt.
der Schülerinnen und Schüler Wert darauf, akustischen oder optischen Signal.
Gerne mehr Unterstützung
Die Umfrage zeigt auch, dass die Befragten
Der Parkassistent sorgt dafür, dass der Puls bei der Einfahrt ins Parkhaus ganz ruhig bleibt.
froh sind, wenn sie unterstützt werden, etwa
© shutterstock/lightpoet
mit Flyern, Videos und Workshops. Gut 80
Prozent wünschen sich mehr Unterstützung
bei der Präventionsarbeit. «Das bestärkt uns in
unserer Arbeit», sagt Martin Winder, der beim
VCS die Kampagne «Sicheres Auto» leitet.
Gemeinsame Kampagne
Die Website www.sicheresauto.ch informiert
über Fahrassistenzsysteme (FAS) und bietet mit
einer umfangreichen Datenbank Angaben über
die Verfügbarkeit von FAS für die meistver-
kauften Autos der Schweiz. Mit der Kampagne
soll die Verbreitung von FAS gefördert und so
die Sicherheit auf Schweizer Strassen für alle
Verkehrsteilnehmer erhöht werden. «Sicheres
Auto» ist eine Kampagne des VCS Verkehrs-
Club der Schweiz, unterstützt durch den FVS
Fonds für Verkehrssicherheit, die bfu – Bera-
tungsstelle für Unfallverhütung und den DVR
Deutschen Verkehrssicherheitsrat.
10 VCS MAGAZIN 5/17In 15 Minuten
mit dem Velo am Arbeitsort!
Die VillageOffice Genossenschaft packt das Pendlerproblem an der Wurzel.
Wir erstellen ein Netzwerk von gemeinschaftlich genutzten Arbeitsorten in der Nähe des
Wohnortes. Damit sparen wir jährlich 4,5 Milliarden Pendelkilometer.
Der erste Schritt ist gemacht: Coworking-Spaces an 37 Standorten in der ganzen Schweiz
sind Teil unseres Netzwerkes und mehrere Unternehmen nutzen unser Angebot bereits.
Hilfst du mit, die nächsten Schritte zu machen? Mit einer Spende von 100 Franken wirst
du Genossenschafter/-in und unterstützt den Aufbau dieses Ökosystems.
www.villageoffice.ch/mitmachen
VillageOffice wird unterstützt durch die Koordinationsstelle für nachhaltige Mobilität (KOMO)
der Schweizerischen Eidgenossenschaft und durch den Förderfonds Engagement Migros.POLITIK
Überblick im Normen-Salat
Von Dominique Eva Rast Ein neuer Abgastest zeigt, wie viele Schadstoffe Dieselautos wirklich
ausstossen. Geprüft wird seit dem 1. September auch auf der Strasse.
Das gilt allerdings nur für neue Modelle.
A ktuell werden auch in der Schweiz Die-
selfahrzeuge verkauft, die ein Vielfaches
mehr an Schadstoffen ausstossen, als es das
optimierten Bedingungen der Katalysator
stets sauber arbeitet. Auf der Strasse ist die
Realität eine ganz andere. Der Katalysator
WLTP-Test (Worldwide harmonized Light-
duty vehicles Test Procedure): Dieser wird
weiterhin im Labor, auf dem sogenannten
Gesetz erlaubt. Dabei handelt es sich nicht setzt bei jeder Gelegenheit aus, angeblich Rollenprüfstand, durchgeführt. Durch mehr
etwa um alte Fahrzeuge. Es geht um fabrik- um den Motor zu schonen. Diesem Umstand Beschleunigungsphasen und Autobahnan-
neue Diesler, die auf dem Prüfstand die Nor- schiebt die neue Abgasnorm «Euro 6d-TEMP» teile soll er den realen Kraftstoffverbrauch
men erfüllen – in der Realität allerdings viel einen Riegel vor. Denn neu wird die Emis- sowie Schadstoffausstoss jedoch besser ab-
dreckiger unterwegs sind. sionsmessung im Labor mit einem Test auf bilden als der bisherige Test. Zusätzlich zu
Die Gründe sind bekannt: Die Fahrzeuge der Strasse ergänzt. Für eine Genehmigung diesem WLTP-Test erfolgt ein realitätsna-
bestehen die Tests im Labor, weil unter den braucht es dann zum einen den bestandenen her Strassentest (Real Driving Emissions
Eine neue Studie von «Transport & Environment» zeigt, dass der Absatz für Dieselfahrzeuge trotz des
Skandals wächst. Hauptgrund ist, dass Diesel in den meisten europäischen Ländern tiefer besteuert wird
als Benzin.
Quelle: T&E/Global Fuel Economy Initiative & OICA
Europa ist eine Diesel-Insel
7 von 10 Dieselautos werden in Europa verkauft
2%
1% China 3%
USA Südkorea
70%
Europa 2%
Türkei
15%
Indien
Restliche Welt: 7%
12 VCS MAGAZIN 5/17POLITIK
Test RDE). Das EU-Parlament beschloss
© VCS/Julia Heiri
Anfang Februar 2016 die Einführung des
RDE-Tests per September 2017 – trotz Ge-
genwehr der Autobauer, welche die Einfüh-
rung des schärferen Zulassungstest auf das
Jahr 2020 verschieben wollten. Die Schweiz
übernimmt diese Anpassung der EU-Abgas-
gesetzgebung automatisch.
Übergangsfrist schützt Hersteller
Was klingt, als wäre das Problem nun end-
lich gelöst, hat einen grossen Haken: Die
neue Abgasnorm «Euro 6d-TEMP» muss le-
diglich von Diesel-Modellen, die eine neue
europäische Zulassung anstreben, erfüllt
werden: Also nur von Modellen, die neu
auf den Markt gebracht werden. Fabrikneue
Diesel-Modelle, die bereits vor dem 1. Sep-
tember eine europäische Typengenehmi-
gung hatten, dürfen weiterhin verkauft wer-
den. Erst ab dem 1. September 2019 müssen
sämtliche Neuwagen, die in der Schweiz ver-
kauft und immatrikuliert werden, die neue
Norm erfüllen. Bis heute ist erst ein Mo-
dell erhältlich, das «Euro 6d-TEMP» erfüllt.
Dieselmodelle, die bereits auf dem Markt
sind, dürfen noch bis im August 2019 ver- Der schwarze Ballon zeigt den realen Schadstoffausstoss, der rote den Grenzwert.
kauft werden. Dies bedeutet: Während wei-
terer zwei Jahre werden fabrikneue Diesel-
autos verkauft, die im Durchschnitt fünf Mal
mehr Stickoxide ausstossen als erlaubt. Grob
Die wahre, dreckige Geschichte
geschätzt handelt es sich dabei um 250 000
Dieselautos, die etwa 15 Jahre auf Schweizer
Strassen unterwegs sein und die Luftqualität
erheblich belasten werden.
«Transport & Environment» zeigt in einer neuen Studie, wie viel Schadstoffe
Politik handelt nicht Dieselautos über den ganzen Lebenszyklus verteilt ausstossen.
Das ist natürlich nicht im Sinn des VCS und Von Dominique Eva Rast
auch nicht im Sinne des Gesetzgebers. Der
VCS forderte deshalb, dass die Schweiz die
Einhaltung der Emissionsgrenzwerte be-
schleunigt. Eine entsprechende Motion
von VCS-Präsidentin Evi Allemann wurde
E in Argument für Dieselautos ist stets,
dass sie im Grundsatz weniger umwelt-
schädlich sind als Benzinautos. Aktuell sind
fahrzeugen so hoch ist: Die Kombination von
laschen Grenzwert-Tests und tiefer besteu-
ertem Treibstoff führten gemäss T&E dazu,
vom Bundesrat zur Ablehnung empfohlen. rund 37 Millionen Dieselfahrzeuge in Euro- dass über die Hälfte aller Fahrzeuge in Eu-
Wer sich die Anschaffung eines Dieselfahr- pa unterwegs. Transport and Environment, ropa mit Diesel betrieben werden. Weltweit
zeugs überlegt, sollte beim Händler eine die Dachorganisation von nichtstaatlichen gesehen werden 70 Prozent aller Diesler in
schriftliche Bestätigung der Einhaltung der europäischen Organisationen aus dem nach- Europa verkauft. T&E weist darauf hin, dass
Abgasnorm «Euro 6d-TEMP» verlangen. haltigen Verkehrsbereich, hat nun den CO2- es nun an der Zeit sei, neue Technologien zu
Grundsätzlich rät der VCS vom Kauf eines Ausstoss über den ganzen Lebenszyklus hin- fördern. Dabei streichen sie effiziente Gas-
Dieselautos aktuell ab oder empfiehlt zumin- weg berechnet. Fazit: Bezieht man auch die autos und moderne Elektroautos hervor.
dest, kein Dieselauto anzuschaffen, das nicht Produktion der Fahrzeuge sowie die Herstel- Diesel werde je länger je mehr ein Nischen-
der «Euro 6d-TEMP»-Norm entspricht. lung der Treibstoffe ein, schneiden Benziner produkt und koste Europas Wirtschaft,
sogar besser ab. Energieversorgung, Klima und Umwelt viel
zu viel.
Nun neue Technologien fördern
Das ist wohl der erstaunlichste Schluss, zu Die ganze Studie lesen:
dem die Studie kommt. Sie zeigt aber auch www.transportenvironment.org > publications >
auf, wieso in Europa der Anteil an Diesel- diesel (englisch)
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Elektromobilität in Gemeinden
Von Stephan Walter Eine neue Broschüre von EnergieSchweiz zeigt Gemeinden, wie
sie Elektromobilität auf kommunaler Ebene unterstützen können.
Die Tipps gehen von der Vorbildfunktion von Gemeinden über Lade
infrastrukturen bis hin zu Informations- und Beratungsangeboten.
D er Strassenverkehr in der Schweiz ist
heute nahezu vollständig von fossilen
Energieträgern abhängig und verantwort-
nalfahrzeuge tragen alle ebenso
dazu bei, energieeffiziente Mobili-
tätsangebote zu schaffen. Für Ge-
lich für über einen Viertel des Schweizer meinden und Städte ist es daher
Energieverbrauchs. Die «Energiestrategie schon heute sinnvoll, sich mit ak-
2050» der Schweiz hat unter anderem das tuellen und zukünftigen Entwick-
Ziel, die verfügbare Energie effizienter zu lungen im Bereich Elektromo-
nutzen und den Ausbau von erneuerbaren bilität auseinanderzusetzen und
Energieträgern zu fördern. Die Elektromo- konkrete Massnahmen zu planen
bilität bietet die Chance, einen Beitrag zur und umzusetzen.
Erreichung dieser Ziele zu leisten, da Elek-
tromotoren im Vergleich zu Verbrennungs- Hilfestellung zur
motoren einen weit höheren Wirkungs- praktischen Umsetzung
grad haben. Die Schweiz verfügt dank ihres Zusammen mit Vertretern des
Strommixes mit hohen Anteilen erneuerba- Gemeinde- und Städteverbands,
rer Energieträger zudem über günstige Vo- der Kantone, EnergieSchweiz für
raussetzungen, um Elektrofahrzeuge um- Gemeinden und der Branchen-
weltschonend anzutreiben. verbände erarbeitete das Bun-
desamt für Energie BFE deshalb
Kommunales Engagement einen kurzen Leitfaden, um Ge-
Für immer mehr Gemeinden und Städ- meinden und kleineren Städten
te stellt sich die Frage, wie sie den aktuellen aufzuzeigen, was sie im Bereich
und zukünftigen Anforderungen der Elekt- Elektromobilität tun können. Da-
romobilität gerecht werden und wie sie de- rin enthalten sind Massnahmen-
ren Entwicklung unterstützen und steuern vorschläge und Praxisbeispie-
können. Gemeinden und Städte haben da- le für vorbildliche Umsetzungen
bei zahlreiche Einfluss- und Gestaltungs- von Massnahmen in den fol-
möglichkeiten. Die Schaffung von Lade- genden vier Handlungsfeldern:
möglichkeiten für Elektrofahrzeuge am Planung, Vorbildfunktion, In-
Ausgangs- und Zielort sowie die Realisie- formation und Beratung sowie
rung von Veloschnellrouten beeinflusst zum Infrastruktur und Dienstleistun-
Beispiel die Verkehrsmittelwahl nachhaltig. gen. Zudem sind zahlreiche Hin-
© wikicommons
Bauherren und Grundeigentümer können weise und Links zu weiterführen-
sensibilisiert oder sogar verpflichtet wer- den Informationen und wichtigen
den, bei der Planung und Projektierung von Kontaktstellen aufgeführt. Der Elektroautos brauchen Strom:
Neu- und Umbauten die Elektromobilität Leitfaden richtet sich in erster Li- Deshalb sind öffentliche Tankstellen nötig.
(zum Beispiel Verlegung von Leerrohren) zu nie an Entscheidungsträger in Gemeinden
berücksichtigen. Attraktive und neuartige und Städten sowie an Verkehrsplaner, Archi-
Sharing-Angebote (zum Beispiel elektrische tekten und Fachplaner, steht aber selbstver-
Lastenvelos) erleichtern den multimodalen ständlich auch anderen interessierten Perso-
Verkehr und reduzieren das Verkehrsauf- nen zur Verfügung. Infos
kommen. Elektromobilität beschränkt sich Broschüre Elektromobilität in Gemeinden – Hand-
dabei nicht nur auf elektrisch betriebene lungsleitfaden mit Praxisbeispielen. Download
Autos. E-Bikes, E-Scooters und E-Kommu- unter: www.energieschweiz.ch > Mobilität
VCS MAGAZIN 5/17 15POLITIK
Der Pedibus ist auf Kurs
Von Françoise Lanci-Montant Wahrscheinlich kennen Sie den Pedibus: So wie die meisten, die bei
der ersten Umfrage des Link-Instituts und des VCS zur Kindermobilität
und zum Einfluss des Pedibus mitgemacht haben.
M ehr als tausend Eltern wurden 2016 zur
Mobilität ihrer Kinder befragt und zu
den Gründen, die ihre Entscheide beein-
bis anhin nie Thema einer Evaluation, ob-
wohl es ihn in der Westschweiz seit 17 Jah-
ren gibt. Für Patrick Naef «bringt die Studie
der italienischen Schweiz), in der Deutsch-
schweiz (28 Prozent) deutlich weniger. Rod-
rigo Luruena, Pedibus-Kampagnenleiter für
flussen. Themen der Umfrage waren der Pe- äusserst lehrreiche Erkenntnisse zur Mobili- die Westschweiz und das Tessin, erklärt die-
dibus in der Westschweiz, sein Einfluss auf tät der Kinder, die während langer Zeit den sen Unterschied dadurch, dass der Pedibus
die Kindermobilität und das Verhalten der Status von ‹Unsichtbaren› hatten». Kinder in der Deutschschweiz erst in jüngerer Zeit
Eltern sowie der wahrgenommene Nutzen. stellen einen grossen und wachsenden Be- eingeführt wurde und hier wesentlich we-
Der Geograf und Ethnologe Patrick Naef hat völkerungsanteil dar: 2016 waren 928 268 niger Geld zur Verfügung steht als in der
die Ergebnisse in einer Studie analysiert, die Schülerinnen und Schüler täglich auf einem Westschweiz, wo die Kampagne seit 17 Jah-
im September 2017 vom VCS publiziert wur- Schulweg unterwegs. ren läuft.
de (verfügbar unter www.verkehrsclub.ch). Die meisten Westschweizerinnen und
Ritterschlag für den Pedibus Westschweizer, die den Pedibus kennen,
Das «unsichtbare» Kind Auf nationaler Ebene ist der Pedibus in den sind äusserst zufrieden (96 Prozent) mit dem
Die Studie füllt eine Lücke. Es gibt nur we- verschiedenen Sprachregionen unterschied- Angebot. Ein sehr erfreuliches Ergebnis und
nige Untersuchungen zur Frage, wie Kinder lich bekannt. In der lateinischen Schweiz eine Bestätigung dafür, dass die laufende
unterwegs sind und wie ihre Mobilitätsge- kennt man die Einrichtung sehr gut (96 Pro- Kampagne den Bedürfnissen und Erwartun-
wohnheiten aussehen. Auch der Pedibus war zent in der Westschweiz und 81 Prozent in gen der betroffenen Eltern entspricht.
Weniger Kinder gehen zu Fuss zur Schule
In der Schweiz gehen 75 Prozent der Kinder selbständig zu Fuss zur Schule, auch dank dem Pedibus. In der Schweiz sind es immer noch viele Kin-
der (75 Prozent), die selbständig zu Fuss zur
Schule gehen. Doch auch unser Land entgeht
dem in dieser Hinsicht allgemein rückläufi-
gen Trend nicht. Einerseits wegen der zuneh-
menden Distanzen, andererseits auch wegen
eines starken Unsicherheitsgefühls gegenüber
dem Strassenverkehr. Laut Bundesamt für
Statistik ist die Zahl der 6- bis 9-jährigen Kin-
der, die selber zur Schule gehen, in den letz-
ten 20 Jahren um 10 Prozent zurückgegangen.
Umgekehrt ist der Anteil der mit dem Auto in
die Schule gebrachten Kinder von 23 Prozent
1994 auf 27 Prozent im Jahr 2015 angestie-
gen. Zudem treten in dieser Beziehung deut-
liche Unterschiede zwischen den Sprachregi-
onen zu Tage: So sind in der Deutschschweiz
wesentlich mehr Kinder selber auf dem Schul-
weg unterwegs als in der Romandie oder der
italienischen Schweiz.
Gegen Unsicherheit, für Selbständigkeit
© Lundi 13 / Nicolas Righetti
Die Studie zeigt, dass vor allem die Unsicher-
heit, die viele Eltern im Zusammenhang mit
dem Schulweg haben, sie dazu verleitet, ihre
Kinder zu begleiten. In der Westschweiz ist
die Sicherheit auch der Hauptgrund für das
16 VCS MAGAZIN 5/17POLITIK
© Lundi 13 / Nicolas Righetti
Die VCS-Studie zeigt, dass der Pedibus eine sehr grosse und positive
Auswirkung auf den Langsamverkehr ganz allgemein hat.
Mitmachen beim Pedibus, während dieser
in anderen Ländern wie Frankreich oder den
Vereinigten Staaten in erster Linie mit sozi- und weniger mit dem Auto unterwegs sind die kantonalen Koordinationen, die zur Ver-
alen Beziehungen und der Organisation des als früher. Der Pedibus und die Sensibilisie- fügung gestellten Materialien und Instru-
Familienlebens in Verbindung gebracht wird. rungskampagnen beschränken sich also nicht mente sowie die regelmässig organisierten
In diesem Kontext stellt der Pedibus – ein auf die Schaffung neuer Linien, sondern füh- Feste sind Schlüsselelemente dieses Erfolgs.
guter Mittelweg zwischen elterlicher Beglei- ren auch allgemein zu einem anderen Mobili- Die Kampagne kann auch als Modell für an-
tung und selbständiger Mobilität für die tätsverhalten, das die Wahl der Verkehrsmit- dere Kantone und Länder dienen und von
jüngsten Schulkinder – eine sinnvolle Lö- tel in den Familien beeinflusst. diesen übernommen werden, um den Kin-
sung im Kampf gegen die rückläufige Selb- Die Ergebnisse zeigen, dass der Pedibus dern mehr Sicherheit zu bieten, wenn sie un-
ständigkeit der Schülerinnen und Schüler optimal funktioniert und seine Ziele in der terwegs sind, und um den Langsamverkehr
auf dem Schulweg dar. Er bietet eine ideale Westschweiz vollumfänglich erreicht. Die zu fördern.
Alternative zur individuellen Begleitung vom VCS bereitgestellte Struktur, die Unter-
der Kinder und trägt dazu bei, den Verkehr stützung während des ganzen Jahres durch www.schulwege.ch
der Elterntaxis und damit die Anzahl Autos
rund um die Schulen zu senken. So hilft er
mit, den Teufelskreis zu durchbrechen, den
das zunehmende Unsicherheitsgefühl der Kurz vorgestellt: Das Bureau Conseil des VCS
Eltern und der damit einhergehende Mehr-
Das Bureau Conseil in Genf ist die Westschweizer Antenne des VCS Schweiz. Es führt Werbe- und
verkehr durch Elterntaxis bilden.
Sensibilisierungskampagnen rund um den Langsamverkehr durch, insbesondere für Kinder und
Kampagne wirkt Senioren, die verletzlichsten Verkehrsteilnehmer. Insgesamt arbeiten zwölf Personen für das Bu-
Die Studie zeigt auch, dass die Pedibus-Kam- reau Conseil, sieben in Genf und fünf in den Kantonen Waadt, Freiburg, Wallis und Tessin. Sieben
pagne eine sehr grosse und positive Auswir- Kampagnen und Projekte betreut das Bureau Conseil für die Westschweiz: Seniorenmobilität, Pe-
kung auf den Langsamverkehr ganz allgemein dibus, Schulwegpläne, Internationaler Tag zu Fuss zur Schule, Plattform Wohnen mit nachhaltiger
hat. Fast die Hälfte der befragten Westschwei- Mobilität, «Zwei Schritte zum Tram» und die Kurse «Rundum mobil» für Seniorinnen und Senioren.
zer Eltern geben an, ihre Mobilität als Folge Pedibus und Schulwegpläne fürs Tessin werden ebenfalls von Genf aus betreut.
der Kampagne nachhaltiger zu gestalten. Un- Das Bureau Conseil vertritt den VCS an der jährlichen Konferenz Walk 21, in der Vereinigung «Rue
ter ihnen sind viele, die heute mehr zu Fuss de l’Avenir» und im europäischen Netzwerk «Réseau Rues».
VCS MAGAZIN 5/17 17POLITIK
Begehrte autofreie Wohnungen
Von Samuel Bernhard 19 Wohnungen, 30 Mieterinnen und Mieter und gerade mal
1 Parkplatz – und zwar für Gäste, nicht für Bewohner/-innen.
sich Einkaufsgeschäfte, Parkplätze zu bauen
© Tobias Holenweger
ergab keinen Sinn.
Sämtliche Wohnungen sind seit Bezugs-
beginn vermietet. Dies zeigt: Autofreies
Wohnen ist begehrt – auch in einer Klein-
stadt. Das autoreduzierte Planen, Bauen und
Wohnen ist definitiv kein ausschliessliches
Phänomen der grossen Städte mehr!
Viele neue Projekte auf der
Webplattform PAWO
Die Siedlung «Gartenstrasse» in Baden ist eine
von vielen neuen Siedlungen auf der «Plattform
autofrei/autoarm Wohnen» (PAWO). Diese Platt-
form – ein Projekt des VCS – wächst rasant:
Die neuste autofreie Siedlung «Gartenstrasse» in Baden aus der Vogelperspektive.
Rund 20 Projekte sind detailliert dokumentiert,
rund die Hälfte davon sind bereits bewohnte
A
Siedlungen. Weitere neue Daten gibt es zu
ttraktiv präsentiert sich die Siedlung Alter gekommene Siedlung in der Nähe des
den Projekten «Kochermatte» in Aegerten BE,
«Gartenstrasse» der Genossenschaft Bahnhofs zeitgemäss erneuern. Nachdem
«Wasenstrasse» in Biel, «Soubeyran» in Genf
Lägern Wohnen mitten im Zentrum der die revidierte Bau- und Nutzungsordnung
Stadt Baden. Dafür stehen zahlreiche Ve- der Stadt Baden im Frühjahr 2015 rechts- sowie «Kronenwiese» und «Zollhaus» in Zürich.
lo-Abstellplätze zur Verfügung: 25 gedeck- kräftig und damit das autofreie Wohnen im Die neu dokumentierten Projekte bringen einen
te Plätze im Aussenraum sowie 41 Plätze im Zentrum explizit neu zugelassen wurde, leg- Zuwachs von rund 300 Wohnungen zum autore-
Untergeschoss der Siedlung. ten wir sofort los – und realisierten ein Pro- duzierten Wohnungsbestand.
Christoph Bernet von Lägern Wohnen er- jekt ohne Parkplätze.» Die ÖV-Erschliessung
innert sich: «Wir wollten die bestehende, ins ist perfekt, in unmittelbarer Nähe befinden www.wohnbau-mobilitaet.ch
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18 VCS MAGAZIN 5/17POLITIK
Was kostet Mobilität?
© Fotolia/celianestudio
Von Dominique Eva Rast Nachhaltige Mobilität fördern, das wollen alle. Idealerweise fördert
nicht nur das Gewissen die Nachhaltigkeit, sondern auch der Preis.
D ie Studie des Preisüberwachers trägt
den etwas sperrigen Titel «Entwick-
lung der Fahrkosten im Strassen- und Schie-
gegen gestiegen. Ein Retourbillett 2. Klasse
auf der Strecke Bern–Zürich kostete 1990 50
Franken, 2016 war es doppelt so viel. Lohnt
als mit dem Auto. Denn der Autokilometer
kostet nach üblichen Berechnungen 70 Rap-
pen. Ein Generalabonnement 2. Klasse kostet
nenverkehr». Die letzte Ausgabe datiert von es sich also, Auto zu fahren? 3860 Franken. Viel Geld – doch ein Auto, mit
2016. Der Inhalt gefällt aber auch heute nie- dem man 15 000 Kilometer pro Jahr fährt,
mandem, dem wichtig ist, dass der öffentli- Bahn hat die Nase vorn schlägt im Schnitt mit 10 435 Franken zu Bu-
che Verkehr im Vergleich zum Strassenver- Natürlich nicht. Sinnvoll ist nämlich, die ge- che. Wenn man nun auch noch vergleicht,
kehr günstiger ist. Denn über einen längeren samten Kosten zu betrachten. Das erklärt die wie viel CO2 das jeweilige Fahrzeug pro Kilo-
Zeitraum betrachtet, steigen die Bahnprei- SBB etwa ihren Geschäftskunden. Mit einem meter ausstösst, hat die Bahn in der Schweiz
se massiv stärker als die Preise fürs Auto- Generalabonnement 2. Klasse kostet der Ki- ganz klar die Nase vorn.
fahren. Der Autokilometer ist seit 2013 so- lometer nur gerade 15,4 Rappen auf einer Ba-
gar rund sieben Prozent günstiger geworden. sis von 25 000 Kilometer pro Jahr. Wer damit
Die Bahnpreise – insbesondere für Reisende 15 000 Kilometer pro Jahr fährt, zahlt 24 Rap- Vergleichsrechner zur Umweltbilanz von
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