Bibliotheken heute Heft 4 / 2007 - Die Themen
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ISSN 1860-4188
bibliotheken heute
Heft 4 / 2007
Die Themen:
Schwerpunktthema „Demographische Entwicklung und Bibliotheken“
Zeitreise in eine Bibliothek des Jahres 2030
Kulturelles Erbe und neue Medien: Interview mit Ralf W. Wildermuthbibliotheken heute
Herausgegeben vom Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz
Gefördert vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft,
Jugend und Kultur, Mainz
Herausgeber und Redaktion:
Dr. Helmut Frühauf (Koblenz)
Angelika Hesse M.A. (Neustadt)
Elisabeth Kavala (Speyer)
Gudrun Kippe-Wengler M.A. † (Koblenz)
Sandra Mehmeti, MSc (Koblenz)
Jürgen Seefeldt (v.i.S.d.P.) (Koblenz)
Anschriften der Redaktionsmitglieder:
Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz
Büchereistelle Koblenz
Bahnhofplatz 14, 56068 Koblenz
Tel.: (0261) 91500-301, Fax: (0261) 91500-302
E-Mail: mehmeti@lbz-rlp.de
E-Mail: seefeldt@lbz-rlp.de
Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz
Büchereistelle Neustadt
Lindenstraße 7-11, 67433 Neustadt/Weinstr.
Tel.: (06321) 3915-0, Fax: (06321) 3915-39
E-Mail: hesse@lbz-rlp.de
Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz
Rheinische Landesbibliothek
Bahnhofplatz 14, 56068 Koblenz
Tel.: (0261) 91500-101, Fax: (0261) 91500-900
E-Mail: direktion@lbz-rlp.de
Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz
Pfälzische Landesbibliothek
Otto-Mayer-Straße 9, 67343 Speyer
Tel.: (06232) 9006-0, Fax: (06232) 9006-200
E-Mail: kavala@lbz-rlp.de
Homepage aller Einrichtungen des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz:
www.lbz-rlp.de
Druck: Druckerei Fuck, Rübenacher Str. 88, 56072 Koblenz, Tel.: (0261)92787-3,
Fax: (0261)92787-40, E-Mail: kontakt@f-druck.de, Homepage: www.f-druck.de
Titelbild: 55. Fachkonferenz der Bibliotheksfachstellen in Deutschland „Den Wandel gestalten.
Öffentliche Bibliotheken und Demographische Entwicklung“ vom 17.-19. September 2007 in
Neustadt/Weinstraße. Fotos: Klaus Dahm
Preis:
Jahresabo: (4 Hefte) 30,- Euro, Einzelheft: 7,50 Euro.
(Kostenpflichtig für Privatpersonen, kirchliche Bibliotheken und für Bibliotheken außerhalb von
Rheinland-Pfalz.)INHALTSVERZEICHNIS · bibliotheken heute, Jg. 3, Heft 4
Editorial: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 162 8. Auszeichnungen und Würdigungen
Ein Freund alter Bücher geht: Ekkehard Langner
Aufsätze, Vorträge geht in den Ruhestand . . . . . . . . . . . . 185
Demographischer Wandel: Bibliotheken und Bundesverdienstkreuz für Stefan Gemmel . . 187
Fachstellen bieten Ideen und Konzepte 9. Aus dem Landesbibliothekszentrum
Von Jürgen Seefeldt . . . . . . . . . . . . . 163
Neues aus dem LBZ . . . . . . . . . . . . . . 187
Bibliotheken im demographischen Wandel –
„Bibliothekseinsichten“ in der Bibliotheca
Zeitreise in eine Bibliothek des Jahres 2030
Bipontina . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187
Von Heinz Kolz und Dr. Anja Mielke . . . . 170
Leseförderung und Veranstaltungen
Kleinere Beiträge
Bibliothekskampagne und
1. Statistik
Lesesommer 2008 . . . . . . . . . . . . . . . 191
Das kommunale und kirchliche öffentliche
Literaturtage 2007 in Montabaur . . . . . . 193
Büchereiwesen in Rheinland-Pfalz 2006 . . . 170
Ehrenamtstag 2007 in Mainz . . . . . . . . 194
2. Bibliothekspolitik
Krimifestival Tatort Eifel . . . . . . . . . . . 195
Kulturelles Erbe und neue Medien:
Interview mit Ralf W. Wildermuth . . . . . . 170 Bobenheim Roxheim:
Abenteuer Weltraumwissen . . . . . . . . . 196
3. Bibliothekspraxis
Diez: Chagall und Hauptmann von Köpenick
Ludwigshafen: Schmökern in angenehmer
INHALTSVERZEICHNIS
auf Schatzsuche . . . . . . . . . . . . . . . 197
Atmosphäre . . . . . . . . . . . . . . . . . 172
Igel: Grenzüberschreitende Kulturarbeit . . 198
4. Neueröffnungen, Jubiläen
Jockgrim: Lesenacht mit Stefan Gemmel . . 199
Gückingen: Der Lesefuchs ist erwacht –
Neueröffnung . . . . . . . . . . . . . . . . . 173 Astrid Lindgren-Veranstaltungen in Betzdorf,
Lingenfeld und Ludwigshafen . . . . . . . . 200
Hillesheim:
Krimi-Bibliothek in der Eifel eröffnet . . . . 175 Mainz:
Kunstprojekt in der Stadtbibliothek . . . . . 202
Kanzem: Neueröffnung einer kombinierten
Bücherei und Vinothek . . . . . . . . . . . 176 Zweibrücken: Nils Nager-Aktion in der
Jugendbücherei . . . . . . . . . . . . . . . . 203
Koblenz:
15 Jahre Schüler-Bücherbus „Kowelies“ . . . 177
Kurzinformationen . . . . . . . . . . . . . 205
Neuhofen: Zweimal 50 Jahre . . . . . . . . 178
Sippersfeld: Neue Räume für die Bücherei . 179 Broschürendienst . . . . . . . . . . . . . . 207
5. Tagungen, Fortbildung
Literaturdienst
Wochenendseminar 2007 der
ehrenamtlichen Büchereileiter im 1. Rheinland-Pfalz in Büchern . . . . . . . . 209
nördlichen Rheinland-Pfalz . . . . . . . . . 180 2. Literatur zum Buch- und
Tagung der ehrenamtlichen Büchereileiter in Bibliothekswesen . . . . . . . . . . . . . . 210
Rheinhessen-Pfalz . . . . . . . . . . . . . . 180
Schwarzes Brett
Tagung der hauptamtlichen Büchereileiter in
Rheinland-Pfalz . . . . . . . . . . . . . . . . 181 Ausleihangebote der Büchereistellen . . . 212
Dritter Deutscher Bibliotheksleitertag . . . 182 Fortbildungen des Landesbibliotheks-
zentrums . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 212
6. Aus den Verbänden
Termine und Veranstaltungen . . . . . . . 213
Neues aus dem DBV . . . . . . . . . . . . . 182
Tipps und Hinweise . . . . . . . . . . . . . 213
Neues vom BIB . . . . . . . . . . . . . . . . 183
Gedenk- und Aktionstage . . . . . . . . . . 214
7. Schule und Bibliothek
Pirmasens: Leseecke in Ganztagsschule Orts-, Personen- und Sachregister . . . 215
eingerichtet . . . . . . . . . . . . . . . . . . 184
Prüm: „Reginothek“ im Regino-Gymnasium
eröffnet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 184
bibliotheken heute 3 (2007) 4 161Editorial
EDITORIAL
Das Thema „Demographischer Wan- gefordert, ihr Dienstleistungsprofil den Verbänden“ für Sie gesammelt haben.
del“, das wir in diesem Heft schwer- neuen Gegebenheiten anzupassen: Ge- Erfreulich ist, dass sich die Rubrik „Neu-
punktmäßig behandeln, wird sicher die fragt als Impulsgeber und Orte der Gene- eröffnungen“ stets füllen lässt: Auch für
Bildungs- und Kulturpolitik der nächsten rationenbegegnung können sie wichtige 2008 bahnt sich eine Reihe weiterer „Bi-
Jahrzehnte ausgiebig beschäftigen. Die Beiträge zu mehr Lebensqualität leisten bliotheksgeburten“ an, wozu nicht nur
„älter, bunter und weniger“ werdende oder bei der Bildung und Lebenslanges die inzwischen über 300 Leseecken in
Gesellschaft ist damit auch für die Bi- Lernen auch als „Jungbrunnen im Alter“ den Ganztagsschulen gehören.
bliotheken zu einer echten Herausfor- verstanden werden.
derung geworden. Wie auf dem Titel- Bereits ihre Schatten voraus werfen
blatt erkennbar, wollen wir einige der Dass Rheinland-Pfalz Wert legt auf die nächstjährigen „Bibliothekstage
Ergebnisse der bundesweiten Tagung den Erhalt und die Pflege des kulturellen Rheinland-Pfalz 2008“. Das Neue und
der Bibliotheksfachstellen, die vom 17. Erbes, belegt nicht zuletzt die Gründung Besondere ist, dass diese Bibliothekstage
bis 19.9.2007 in Neustadt a.d. Weinstra- der „Generaldirektion Kulturelles Erbe“, Bestandteil der erstmals bundesweit
ße stattfand, an dieser Stelle vorstellen. die seit 2007 organisatorisch Museen durchgeführten Imagekampagne des
Wer sich alle Vorträge mit allen Details und Denkmalpflege vereint. Dank ihrer Deutschen Bibliotheksverbandes unter
genauer anschauen will, dem sei der für Handschriften und anderer historischer dem Motto „Deutschland liest. Treff-
Ende 2007 angekündigte Tagungsband Bestände verfügen auch viele Biblio- punkt Bibliothek“ sein werden. Den Zeit-
empfohlen, der gesondert beim LBZ theken über bemerkenswertes deutsches raum 23. bis 31. Oktober 2008 sollten Sie
bestellt werden kann. Weitere Beiträge und europäisches Kulturgut. In einem im Terminkalender rot anstreichen und
zum demografischen Wandel in Bezug Interview mit Ralf W. Wildermuth macht für Veranstaltungen in und mit Ihren Bi-
zur Bibliotheksarbeit werden wir in den der Direktor der Universitätsbibliothek bliotheken reservieren.
folgenden Heften immer wieder beisteu- Kaiserslautern und zugleich Vorsitzender
ern. des Beirats für das wissenschaftliche Bi- Ein frohes Weihnachtsfest und einen
bliothekwesen im Mainzer Bildungs- und guten Rutsch in ein erfolgreiches Neues
Die von Heinz Kolz in Neustadt ange- Kulturministerium deutlich, dass Bewah- Jahr wünscht Ihnen Ihr Herausgeber-
stoßene Zeitreise in eine Bibliothek des rung und Erhaltung gedruckter Schätze Team
Jahres 2030 ist nicht nur als kreatives Ge- durch Restaurierung und Digitalisierung
dankenspiel mit Spaßfaktor gedacht, die eine politische Aufgabe des Landes sein
vorgestellten Visionen eröffnen durchaus muss.
reale Einschätzungen über eine Zukunft, Ihr Herausgeber-Team
die wir heute noch beeinflussen können. Darüber hinaus gibt es wieder eine Dr. Helmut Frühauf
Auch wenn die klassische Alterspyrami- Menge an kleinen und größeren Ereig- Angelika Hesse
de, wie Kolz die Bevölkerungssituation nissen in und um Bibliotheken, die wir Elisabeth Kavala
kolportiert hat, inzwischen „zum Döner in den Rubriken „Neueröffnungen und Sandra Mehmeti
mutiert ist“, so sind die Bibliotheken Jubiläen“, „Tagungen“ oder „Aus den Jürgen Seefeldt (v.i.S.d.P.)
Redaktionsschluss für Heft 1/2008: 20. Januar 2008; für Heft 2/2008: 20. April 2008
162 bibliotheken heute 3 (2007) 4Aufsätze · Vorträge
AUFSÄTZE · VORTRÄGE
Demographischer Wandel:
Bibliotheken und Fachstellen bieten Ideen und Konzepte
Staatliche Fachstellen und Bibliotheken tagten in Neustadt/Weinstraße
Von Jürgen Seefeldt
Vom 17. bis 19. September 2007 fand in Neustadt/Weinstraße auf Einladung des Landesbibliothekszentrums Rheinland-
Pfalz die 55. „Fachkonferenz der Bibliotheksfachstellen in Deutschland“ statt. Unter dem Thema „Den Wandel gestalten
– Öffentliche Bibliotheken und demographische Entwicklung“ traf sich ein breites Publikum von mehr als 180 Teilneh-
merinnen und Teilnehmer aus Lokal- und Landespolitik, Bibliotheken und Fachstellen. Der erste Tagungstag war für
alle Fachleute aus Bibliotheken und Kommunen geöffnet. Die Teilnehmer erfuhren dabei Neues und Informatives über
Trends und Initiativen, wie sich Bibliotheken den Anforderungen der Bevölkerungsentwicklung stellen und den Wandel
aktiv mitgestalten sollten.
In seiner Begrüßung freute sich wegen ihrer hohen Nutzerzahlen un- Lebenslangen Lernens zu tätigen.“ Mit
Günter Pflaum in seiner Funktion als verzichtbare Einrichtungen geworden. dem Programm „Zukunftschance Kin-
AUFSÄTZE · VORTRÄGE
Vorsitzender der staatlichen Fachkon- Demographischer Wandel sei keine Na- der – Bildung von Anfang an“ und den
ferenz über das rege Interesse der Po- turkatastrophe, der Gesellschaft und verschiedenen Förderprojekten rund
litik und der Fachleute am Kongress. Politik hilflos ausgeliefert seien. Kluge, um Ganztagsschule und Kindergarten
Bildungs-Staatssekretärin Vera Reiß nachhaltige Zukunftsentscheidungen habe die Landesregierung in Rhein-
(Mainz) betonte in der Eröffnungsre- mit vorausschauender Planung seien land-Pfalz wichtige Weichen gestellt.
de den wachsenden Stellenwert der jetzt zügig zu treffen. „Höhere Inve- Zu den Vorzeigeprojekten gehören
Bibliotheken als Bildungspartner für stitionen,“ so Reiß, „sind vor allem für auch die Einrichtung der „Leseecken“
Kindergarten, Schule und Elternhaus. die Qualifikation und Ausbildung der in über 300 Ganztagsschulen, die als
Gerade bei der Sprach- und Leseförde- Kinder, für die Förderung und Integra- Keimzellen von Schulbibliotheken eine
rung und der Vermittlung von Informa- tion von Migratenkindern und ihren wichtige Funktion als Lern- und Lese-
tionskompetenz seien die Bibliotheken Eltern sowie für die Unterstützung des orte im schulischen Leben zu spielen
beginnen.
Auf welche Anforderungen Kommu-
nen und Staat und insbesondere die
Bibliotheken angesichts der älter wer-
den Gesellschaft reagieren müssten,
beschreib Heinz Kolz, Geschäftsführer
der staatlich unterstützten „Zukunft-
sinitiative Rheinland-Pfalz“ (ZIRP). Bi-
bliotheken als elementare Standorte
der Kultur- und Bildungsinfrastruktur
stehen seiner Meinung nach mit im
Zentrum der Bemühungen, mit guten
Konzepten den Wandel aktiv beglei-
ten zu können.
Birgit Dankert, Hamburg, stellte sich
der Frage, inwieweit Bibliotheken als
Problemlöser für die Kulturgesellschaft
der Zukunft gelten und Antworten fin-
den können, die der Gesellschaft einen
echten Mehrwert bringen. Ihre vielfäl-
tigen Gedankenanstöße gingen von
den bibliothekarischen Sozialutopien
der 1970er und 1980er Jahre aus, die
damals um das Thema „Chancengleich-
Austragungsort der Eröffnungsveranstaltung der 55. Fachkonferenz der staatli- heit für alle in einer menschlichen
chen Bibliotheksfachstellen war der historische Saalbau in Neustadt a.d. Wein- Stadt“ kreisten. Bibliotheken, die sich
straße. Foto: Jürgen Seefeldt im Zuge des Wandels neu positionie-
bibliotheken heute 3 (2007) 4 163Aufsätze · Vorträge
ren, so ihr Credo, haben gute Chancen, mit und für Senioren auf. Männer und über die „Bibliothek als Lern- und In-
den digitalen Informationstransfer zu Frauen der „Generation 50plus“ ha- tegrationsort für Migranten“ die Teil-
einem ihrer kulturellen Angebote zu ben sich zu einem festen Kreis zusam- nehmer in die gelebte Realität zurück.
machen. Wer den aktuellen Leitantrag mengeschlossen und praktizieren eine Ihr Praxisbericht über die „Internatio-
der SPD unter dem Motto „Kultur ist kreative, sich gegenseitig und mitei- nale Bibliothek“ der Statteilbibliothek
unsere Zukunft“ richtig verstehe, wo- nander immer wieder anregende Fort- im Gallus-Viertel zeigte auf, dass Bibli-
nach eine „demokratische Zukunft“ bildungs- und Veranstaltungsarbeit. otheken für ausländische Mitbürger
ohne „Erinnerungskultur“ nicht vor- Neue, bisher nur schwer erreichbare eine hohe Akzeptanz erreichen kön-
stellbar sei, der müsse auch erkennen, Benutzergruppen wurden gewonnen. nen. Angeregt durch einen Aufenthalt
dass Bibliotheken darin einen wich- Mit EDV- und Internet-Schnupper- in New York entwickelte Lotz ein inno-
tigen kulturelle Stützpfeiler darstellen kursen, Freizeit- und Fortbildungsver- vatives Serviceprogramm für erwach-
werden. anstaltungen, Lesungen und Vorlese- sene Migranten mit dem Schwerpunkt
tagen innerhalb und außerhalb der „Deutsch lernen“ und „Alphabetisie-
Eine Veränderung des Bibliothek- Bibliothek konnte die Bibliothek ihre rung für Einwanderer in deutscher
sprofils forderte auch Richard Stang Zielgruppenarbeit quantitativ und Sprache“. Mit konsequenter Kundeno-
von der Stuttgarter Hochschule der qualitativ verbessern, was sich auch rientierung, kontinuierlicher Kontakt-
Medien. Seine Vision nach angloame- der steigenden Nutzung bemerkbar arbeit und Kooperation, interessanten
rikanischem Vorbild: Bibliotheken als machte. Buch- und Medienangeboten und
„Learning Center“. In Deutschland einem multikulturell zusammenge-
werde es darum gehen, eine neue Bil- Henner Grube, Einkaufszentrale für setztes Personal mit hoher sozialer und
dungsinfrastruktur zu etablieren, die Bibliotheken Reutlingen, wagte mit kommunikativer Kompetenz könne
durch Vernetzung von traditionellen seiner Darstellung einer modernen Bi- es gelingen, so Lotz, dass sich Biblio-
primären und sekundären Bildungs- bliotheksausstattung einen Blick in die theken als Lern- und Kommunikations-
und Kultureinrichtungen gekenn- Zukunft. Was er für 2025 beschrieb, orte für Migranten etablieren, gerade
zeichnet sei. Bibliotheken werden da- war allerdings eher eine Bibliothek, auch, weil sie einfacher als andere Bil-
bei eine zentrale Rolle als Wissens- und wie sie normalerweise im Jahr 2007 dungseinrichtungen Schwellenängste
Informationsdienstleister, ebenso als überall aussehen müsste, damit sie abbauen können.
Lernort für unterschiedliche Zielgrup- noch in zwanzig Jahren als modern
pen einnehmen. „Bildungsarbeit,“ so und zeitgemäß gelten kann: Eine Bi- Die „älter, bunter und weniger“ wer-
Stang, „dürfe nicht einzig auf die be- bliothek heute und morgen sei nicht dende Gesellschaft – so ein treffendes
rufliche Qualifizierung eingeengt wer- primär ein Raum für Medien, sondern Schlagwort des Bremer Sozialwissen-
den. Wichtig sei es, den Zugang zu Bil- ein Raum für Menschen und gehöre so schaftlers Meinhard Motzko – ist auch
dung für alle zu ermöglichen, mit dem ausgestattet, dass sie eine gastliche At- für die Bibliotheksarbeit zu einer ech-
ein Lebenslanges Lernen in Form eines mosphäre, hohe Aufenthaltsqualität, ten Herausforderung geworden. Der
selbstgesteuertes Lernens einherginge. guten Einrichtungskomfort und eine Demographische Wandel wird für
Bibliotheken böten dabei mit ihren optimale Flexibilität der Räume erfül- die nächsten Jahre ohne Zweifel ein
Räumen, Techniken und Medien eine le. Sein Erfolgsmodell: Die „Hybrid- Schwerpunktthema bleiben. Die Fach-
gute Chance zur Profilierung. Zusam- Mediathek“ als lebendige Mischung konferenz der staatlichen Bibliotheks-
men mit kompetenten Verbündeten aus geselligem Marktplatz für Kom- fachstellen hat mit ihrem gelungenen
sollten weitere strategische Partner- munikation und Medienpräsentation Fachkongress in Neustadt zahlreiche
schaften eingegangen werden, ohne sowie weiteren Lernräumen und Ru- Anstöße gegeben. Alle Beiträge wer-
die die Bildungsarbeit der Bibliothek hezonen mit Buch- und Medienkabi- den demnächst in einem Band veröf-
nicht adäquat erfüllt werden könne. netten im Wechsel von Offenheit und fentlicht werden, der über das LBZ, Bü-
Verdichtung. chereistelle Neustadt, erhältlich ist.
Gudrun Kulzer von der Stadtbiblio-
thek Straubing zeigte einige Beispiele Birgit Lotz, Stadtbücherei Frankfurt
ihrer erfolgreichen Bibliotheksarbeit am Main, brachte mit ihrem Vortrag
164 bibliotheken heute 3 (2007) 4Aufsätze · Vorträge Bibliotheken im demographischen Wandel – Zeitreise in eine Bibliothek des Jahres 2030 Von Heinz Kolz und Dr. Anja Mielke Der demographische Wandel wird ab etwa 2010 die Bevölkerung in Deutschland deutlich verändern. „Wir werden weniger, wir werden älter und wir werden bunter“, lautet die kurze Beschreibung der Bevölkerungsentwicklung, die erwartet wird. Wie können sich Bibliotheken auf diesen Wandel vorbereiten, war die zentrale Frage eines Vortrages sowie einer anschließenden kreativen Zeitreise ins Jahr 2030 mit den Teilnehmern der Bibliothekskonferenz. Der demographische Wandel wird dung 2). So erhalten Familien bei der Schuljahr Zuschüsse zu den Kosten, ab etwa 2010 die Bevölkerung in Geburt, bei der Einschulung und jedes die Kinder „verursachen“. Weil sich Deutschland deutlich verändern. „Wir werden weniger, wir werden älter und wir werden bunter“, lautet die kurze Beschreibung der Bevölkerungs- entwicklung, die erwartet wird. Wie können sich Bibliotheken auf diesen Wandel vorbereiten, war die zentrale Frage eines Vortrages sowie einer an- schließenden kreativen Zeitreise ins Jahr 2030 mit den Teilnehmern der Bi- bliothekskonferenz. Im Jahr 1900 hatte die Bevölkerung quasi noch die Form einer Pyramide. In deren Sockel gab es viele junge Menschen, mit steigendem Lebensal- ter wurde sie schlanker. 1950 haben die beiden Weltkriege deutliche Ein- schnitte in der Pyramide hinterlassen. Der Pillenknick und veränderte Ein- stellungen zur Familie haben ab 1965 einen Rückgang der Kinderzahl zur Folge, der in einem schlanken Pyrami- denfuß zum Ausdruck kommt. 2050 Abbildung 1: Bevölkerungsentwicklung 1900-2050 wird die Pyramide eine bauchige Form annehmen mit wenigen Jungen und vielen Älteren (Abbildung 1). Im eu- ropäischen Vergleich hat Deutschland eine der niedrigsten Geburtenraten mit 1,34 Kindern pro Frau. In Irland und Frankreich dagegen liegt Zahl der Kinder pro Frau auf einem Niveau von 1,89 und somit nahe an der für die Bestandserhaltung notwendigen Geburtenrate von 2,1. Nach Experten- einschätzung ist in Irland die positive Einstellung junger Paare zum Thema Kinder trotz geringer staatlicher Un- terstützung Ursache für die höhere Ge- burtenzahl. Demgegenüber betreibt Frankreich seit dem Zweiten Weltkrieg eine gezielte Politik zur Erhöhung der Fertilitätsrate. 1990 kam es zu ei- ner Annäherung der französischen und deutschen Geburtenzahlen. In der Folge gelang es Frankreich, seine Geburtenrate durch eine engagierte Familienpolitik zu verbessern (Abbil- Abbildung 2: Geburtenraten in Frankreich und Deutschland bibliotheken heute 3 (2007) 4 165
Aufsätze · Vorträge
die Einkommenssteuer nach der An- umgekehrt werden, da künftig nur riante dieser Untersuchung wurde
zahl der Familienmitglieder richtet, eine deutlich geschrumpfte Anzahl an in der öffentlichen Diskussion als die
sind Familien mit durchschnittlichem Frauen als potenzielle Mütter zur Ver- wahrscheinlichste Entwicklung aner-
Einkommen und zwei bis drei Kindern fügung stehen. kannt (Abbildung 3). Sie geht von ei-
oft steuerfrei. Ein flächendeckendes ner konstant niedrigen Geburtenrate
Angebot zur Kinderbetreuung macht von 1,4 aus. Die Lebenserwartung -
es für eine junge Mutter möglich, be- Modellrechnung zur Bevölkerungs- eine zweite, wichtige Größe der Bevöl-
reits wenige Wochen nach der Geburt entwicklung in Rheinland-Pfalz kerungsentwicklung - wird nach dieser
in den Beruf zurückzukehren. Darüber Modellrechnung bis zum Jahr 2030 um
hinaus ist eine längere Babypause in Das Statistische Landesamt hat vier Jahre steigen. Bei der Zuwande-
Frankreich unüblich und der Begriff im Jahr 2002 erstmals eine Modell- rung, der dritten Variablen in der De-
der Rabenmutter völlig unbekannt. rechung zum Bevölkerungswandel für mographie, wird ein jährlicher Anstieg
Die für Deutschland skizzierte Entwick- die Landkreise und Städte in Rhein- von 5000 Menschen angenommen.
lung kann allenfalls über Jahrzehnte land-Pfalz vorgelegt. Die mittlere Va- Diese stammen derzeit vor allem aus
den benachbarten Ballungsräumen
und siedeln sich in deren ländlichen
Regionen im Umland an. Wie sich die
Zuwanderung aus anderen Ländern
nach Deutschland entwickeln wird,
ist derzeit nur schwer abzuschätzen.
Nach der mittleren Variante der Mo-
dellrechnung wird die Bevölkerung bis
2030 von 4 Millionen Menschen auf 3,7
Millionen Menschen zurückgehen und
damit einen Stand erreichen, den sie in
den 70er Jahren bereits hatte. Der Be-
völkerungsrückgang von 7,7 % wirkt
sich in den Regionen des Landes sehr
unterschiedlich aus (Abbildung 4). Die
Zusammensetzung der Altersgruppen
in der Bevölkerung wird sich bis zum
Jahr 2030 deutlich verändern (Abbil-
dung 5). Während sich der Anteil der
unter 20-Jährigen zwischen 1950 und
2030 nahezu halbiert, wird sich der
Anteil der über 60-Jährigen mehr als
verdoppeln. Jeder dritte Bürger wird
Abbildung 3: Bevölkerungsentwicklung in Rheinland-Pfalz 1950-2030 im Jahr 2030 älter als 60 Jahre sein. Der
zunehmende Anteil der Senioren und
die explosionsartig steigende Zahl der
Hochbetagten wird die Gesundheits-
und Sozialsysteme, aber auch die loka-
len Versorgungsstrukturen vor große
Herausforderungen stellen.
Zukunftsradar 2030 – die Herausfor-
derungen der Zukunft heute angehen
Im Projekt „Zukunftsradar 2030“
entwickelt die Zukunftsinitiative
Rheinland-Pfalz (ZIRP) Szenarien für
das Jahr 2030 und leitet aus diesen
Visionen Handlungsempfehlungen
für die Gegenwart ab. Dazu wird die
international anerkannte Foresight-
Methode genutzt, die sich vor allem
auf Experten-Workshops stützt, um
Erkenntnisse über die Zukunft zu er-
arbeiten. In einer Reihe von Sitzungen
wurden nacheinander vier zentrale
Abbildung 4: Bevölkerungsrückgänge in Rheinland-Pfalz nach Regionen Themenfelder zum demographischen
166 bibliotheken heute 3 (2007) 4Aufsätze · Vorträge
Wandel als Herausforderung für die Bibliotheken im Jahr 2030 – mein Blick auf Reihen von besetzten
Kommunen, die Arbeitswelt, das Mit- ein Bericht aus der Zukunft Bildschirmen, zum Teil über einem
einander der Generationen und die Sessel montiert, sowie auf einladende
Marktchancen analysiert. Im Rahmen der Fachkonferenz der Sofas und Leseecken. „Internet, Daten-
Gemeinsam mit den Experten wur- Bibliotheksfachstellen in Deutschland, banken, E-Learning und Selbstbedie-
den Szenarien für das Jahr 2030 sowie am 17. September 2007 in Neustadt, nungsterminals bestimmen unseren
Handlungsvorschläge für die Gegen- wurden die Ergebnisse der ZIRP vor- Arbeitsalltag als Bibliotheksmitarbei-
wart entwickelt. Für die landeswei- gestellt und diskutiert. Eine kreative ter“, meint Frau Bucher. „Wir verste-
te Öffentlichkeitsarbeit wurden die Zeitreise der Konferenzteilnehmer in hen uns als Berater im Dschungel der
Arbeitsergebnisse zum jeweiligen eine Bibliothek des Jahres 2030 brach- gedruckten Bücher und elektronischen
Themenfeld in zehn kurzen Leitthe- te eine Vielzahl von Ideen, wie sich Informationen“, sagt sie lachend.
sen zusammengefasst. Rund 90 Ver- die Zukunft der Büchereien darstellen „Während früher die Verwaltung der
anstaltungen mit unterschiedlichem könnte. Diese Visionen wurden von Buchbestände unsere Hauptaufga-
Fokus dienten dazu, die Ansätze mit der ZIRP ausgewertet und im Internet be war, ist es heute die Beratung zur
unterschiedlichen Zielgruppen und zum Nachlesen bereitgestellt (www. Nutzung der Onlinebibliotheken. Dem
in verschiedenen Regionen zu dis- zukunftsradar2030.de). Bibliotheksbesucher stehen nun die
kutieren. Ein Internetportal zum de- wichtigsten Buchbestände weltweit
mographischen Wandel bietet allen Das folgende Szenario greift die online zur Verfügung“, meint sie. Eine
Interessierten die kompletten Arbeits- Ideen auf und beschreibt den Besuch Gruppe Asiaten geht vorbei. Auslän-
ergebnisse, eine umfangreiche Linkli- in einer Bibliothek des Jahres 2030: der, die sich in Deutschland ansiedeln,
ste zu Internetseiten, ein Verzeichnis könnten ihr Heimweh nirgendwo bes-
mit vorbildlichen regionalen Projekten „Wir bieten unseren Kunden mo- ser verarbeiten als online in der Natio-
und weitere Hintergrundinformati- dernste Bibliothekstechnik und Lese- nalbibliothek ihres Herkunftslandes.
onen (www.zukunftsradar2030.de). wellness…“ Doch trotz aller Digitalisierung wer-
Publikationen, Presseberichte und Wir schreiben das Jahr 2030 und ich de das Buch von jedem weiterhin gerne
Ausstellungen tragen dazu bei, Ent- betrete soeben die Stadtbibliothek. in die Hand genommen. Den Flachbild-
scheidungsträger für die Gestaltung „Das Buch lebt!“ steht auf einem Pla- schirm für Kopfkissen oder Strandla-
der Aufgaben zu gewinnen und die kat in der lichtdurchfluteten Eingangs- ken gäbe es immer noch nicht. „Einen
Bevölkerung für das Thema zu inte- halle. „Herzlich willkommen in un- deutlichen Trend zum Buch stellen wir
ressieren. „Die Herausforderungen des serer modernen Wohlfühlbibliothek“, auch bei denjenigen fest, die beruflich
demographischen Wandels als Chance begrüßt mich Bibliotheksdirektorin zu viel Zeit am Bildschirm verbringen
zu begreifen, ist Voraussetzung für Frau Bucher, eine blonde Dame um die müssen“, sagt die Bibliotheksdirekto-
eine positive Zukunftsgestaltung“, so fünfzig Jahre alt. „Wir bieten unseren rin. Wir gehen vorbei an zahlreichen
der stellvertretende ZIRP-Vorsitzende, Kunden modernste Bibliothekstechnik gefüllten Bücherregalen sowie an
Ministerpräsident Kurt Beck, zur Ziel- und Lesewellness“, sagt sie. Als wir schmökernden und studierenden Le-
setzung der Projektarbeit. den Medienraum betreten, schweift sern verschiedensten Alters. „Apropos
Generationen-Mix und alternde Bevöl-
kerung: Wir möchten als Bibliotheken
Impulsgeber in einer alternden Gesell-
schaft sein“, meint Frau Bucher. Die
Anzahl der über sechzigjährigen Leser
sei bis zum Jahr 2030 stark gewachsen.
Unser Blick fällt auf meterlange Buch-
bestände mit der Aufschrift „Fit im Al-
ter“. „Wir haben die Benutzerführung
auf die Bedürfnisse älterer Menschen
und Brillenträger ausgerichtet. Die
Forderung nach einer Seniorenbiblio-
thek haben wir allerdings abgelehnt,
weil wir in einer Befragung herausge-
funden haben, dass unsere mobilen Äl-
teren die gleichen Themen interessie-
ren wie unsere jüngeren Kunden. Was
wir allerdings eingerichtet haben, ist
ein mobiler Service für alle diejenigen,
die nicht in der Lage sind uns aufzusu-
chen“, sagt Frau Bucher.
Die „Familienbibliothek“ und Treff-
punkt der Generationen
Ein kleines Mädchen mit Bilderbuch
Abbildung 5: Anteile der Altersgruppen 1950-2030 hüpft auf einem Bein vor einem Regal.
bibliotheken heute 3 (2007) 4 167Aufsätze · Vorträge
„Wie steht es eigentlich um Kinder- und Eine Firma aus der Automobilindustrie „Unterschiedlichste Nutzergruppen
Familienfreundlichkeit?“, frage ich. hat ihre komplette Fachbibliothek und mit verschiedensten Anforderungen
„Die Stadt hat sich dazu entschieden, deren Aktualisierung outgesourct. Die besuchen Büchereien, wie Kinder, jun-
das Angebot der Bibliothek für jun- Mitarbeiter haben auch während der ge Eltern und Migranten.“ Insofern
ge Familien und Kinder auszubauen. Arbeitszeit die Möglichkeit, sich ein seien zum Beispiel Lese- und Sprach-
Sie wissen, dass die Kommunen heute Fachbuch vom Kurierfahrer des Unter- förderung sowie mehrsprachige Buch-
die jungen Familien als das wichtigste nehmens an den Arbeitsplatz liefern bestände selbstverständlich.
Zukunftskapital ansehen. Mit einem zu lassen“, sagt Frau Bucher. Der Se- Auf einem Plakat steht „Gleiche Bil-
größeren Betrag der Stadt könnten minarteilnehmer pfeift anerkennend. dungschancen für alle“. Frau Bucher
wir einen Lesebereich für Mütter mit „Eine andere Firma der chemischen deutet mit der Hand auf das Plakat.
Kindern einrichten“, antwortet Frau Industrie finanziert uns den Zugang Auf Initiative des Kulturstaatsministers
Bucher. Ein älterer Herr sagt im Vorü- zur größten amerikanischen Fachbibli- haben die Bundesländer im Jahr 2010
bergehen zu uns: „Lesen hält Geist und othek für Chemie. Seitdem wir diesen ein einheitliches Bibliotheksgesetz
Körper fit und ist deshalb ein Jung- haben, gewinnen wir immer mehr Che- eingeführt. „Büchereien sollen den
brunnen für uns Ältere.“ Frau Bucher miestudenten und Wissenschaftler, die freien und demokratischen Informa-
lächelt. „Ach, das war Herr Altinger“, überregional unser Angebot nutzen. tionszugang für Bürger aller sozialen
sagt sie. „Er ist gerade auf dem Weg Gerade sind wir dabei, eine Koopera- Schichten sicherstellen. Bibliotheken
zum Themengespräch für Jung und tion mit allen Weiterbildungsträgern wurden mit diesem Gesetz zur Pflicht-
Alt, einer unserer generationenüber- der Region abzuschließen. Wir wer- aufgabe für alle Gemeinden mit mehr
greifenden Angebote.“ Herr Altinger den deren Budgets für Fachliteratur als 3000 Einwohnern. In der Folge gab
winkt grüßend dem hüpfenden Mäd- übernehmen und für die gewünschten es ein groß angelegtes Programm, um
chen zu. „Als ein wichtiger Ort der Be- Schriften sorgen“, sagt die Bibliotheks- das Angebot der Bibliotheken zu ver-
gegnung möchten wir alle Altersstufen direktorin. mitteln“, sagt Frau Bucher. Ich hole
über das Buch beziehungsweise über meinen Bibliotheksbenutzerausweis
elektronische Medien miteinander ins Bibliothekare als Informationsde- aus der Tasche und frage: „Wie viele
Gespräch bringen.“ Die Bücherei sei tektive Bürger besitzen eigentlich einen Besu-
Treffpunkt, Anlaufstelle und Lernort An einer Station für automatische cherausweis?“ „Wir finden es toll, dass
der Generationen. Ausleihe und Mediensortierung ma- heute nahezu hundert Prozent der
chen wir Halt. Auf Rollbändern fahren Bevölkerung einen hat und, dass die-
Lernzentrum Bibliothek Bücher an uns vorbei. „Tja, teils hat ser für alle Büchereien in Deutschland
Wir gehen an einigen Seminarräu- die Maschine nun den Mitarbeiter er- gilt. Heute ist jeder Bundesbürger im
men vorbei. „Stichwort lebenslanges setzt“, sage ich. „Jein, das Arbeitsprofil Jahresdurchschnitt 27-mal in einer Bi-
Lernen: auch bieten wir ein breites An- der Bibliothekare hat sich in den ver- bliothek. Bei uns liegt der Wert mit 63
gebot für die berufliche und persön- gangenen Jahren deutlich verändert“, Besuchen deutlich darüber. Vielleicht
liche Weiterbildung, insbesondere für meint Frau Bucher. Das Personal sei nun kommt dies auch dadurch, dass unse-
Berufstätige“, sagt Frau Bucher. Um- insbesondere in den Bereichen Medi- re Cafeteria den mit Abstand besten
fangreich seien die Kooperationen mit enberatung und soziale Bibliotheksar- Kaffee der Stadt anbietet. Wenn man
anderen Fortbildungseinrichtungen, beit tätig. „Könnten Sie mir bitte mal beim Kaffeetrinken auch noch nach
Arbeitsämtern, Verbänden und Un- helfen, ich komme mit der Benutzer- einem Buch greift, bin ich zufrieden“,
ternehmen. Seminarteilnehmer unter- Führung für die amerikanische Nati- meint Frau Bucher.
schiedlichsten Alters treten aus einem onalbibliothek nicht zurecht?“, fragt Eine Grundschulklasse betritt den
Unterrichtsraum. „Tja, der Ruhestand wie auf Bestellung eine Frau mittleren Medienraum. „Wie steht es eigentlich
für Arbeitnehmer beginnt ja im Jahr Alters einen Mitarbeiter. um die Zusammenarbeit mit Schulen?“,
2030 erst im Alter von Ende sechzig „Bibliotheken stellen heute weniger frage ich. „Wir kooperieren intensiv
Jahren oder sogar später“, sage ich. Informationen selbst zur Verfügung, mit Schulen und anderen Bildungs-
„Das bedeutet natürlich ebenfalls, dass sondern tragen vor allem dazu bei, di- und Kultureinrichtungen“, antwortet
junge bis ältere Arbeitnehmer stets ihr ese aufzubereiten, auszuwählen und Frau Bucher. „Unser Angebot ist eng
berufliches Fachwissen aktualisieren, zu vermitteln“, sagt Frau Bucher. Das verzahnt mit dem Unterrichtsplan der
ihre Medien- und Sozialkompetenz Wichtigste sei weiterhin der Mensch, Schulen. In allen Klassenstufen vermit-
ausbauen sowie an Weiterbildungen der sehr gut ausgebildete hoch moti- teln wir altersgerecht Medienkompe-
teilnehmen.“ Ein Seminarteilnehmer vierte Bibliothekar mit dem Hang zum tenz.“
von etwa vierzig Jahren sagt zu uns: Informationsdetektiv.
„Jeder Berufstätige ist heute selbst Die digitale Weltbibliothek
verantwortlich für den Marktwert sei- Bibliothek für alle Ein älterer, grauhaariger Mann, Herr
ner Arbeitskraft.“ Frau Bucher berich- In der Leseecke hört man Flüstern Weiß, murmelt am Onlinekatalog vor
tet uns von den erfolgreichen Koope- in Deutsch, Englisch und Türkisch so- sich hin: „O weh, das Buch, das ich
rationen mit Unternehmen, die in der wie Kinderlachen. Ein älterer Mann suche, gibt es nur in Köln, New York
Stadt ansässig sind. „Die Bestände an in abgewetzter Kleidung setzt sich und Oslo!“ Ich schaue von ihm zu Frau
Büchern und Hörbüchern zum Erwerb in einen Sessel. „Wir verstehen uns Bucher. „Kann man eigentlich heu-
von Fremdsprachen werden jährlich mit als Bibliothek für alle Bürger - früher te von einer digitalen Weltbibliothek
einem Sponsoringbeitrag eines export- waren wir mehr eine Einrichtung für sprechen?“, frage ich sie. „Ja, Büche-
orientierten Unternehmens finanziert. Bildungsbürger“, sagt Frau Bucher. reien arbeiten über nationale Gren-
168 bibliotheken heute 3 (2007) 4Aufsätze · Vorträge
zen hinweg zusammen, sind komplett lächelnd. „Bibliotheken erfüllen die vom Landesverband Hessen im Deutschen
miteinander vernetzt“, antwortet sie. verschiedensten Funktionen, auch für Bibliotheksverband e.V. Gießen 2005.
„Und was ist, wenn ich in Klein-Kle- die Kommunen. Sie sind Informations- Die Bibliothek der Zukunft. Fachkongress
ckersdorf ein Buch haben möchte, das , Erlebnis- und Veranstaltungsorte für für öffentliche Bibliotheken und Schulen
es nur in Hintertupfingen gibt?“, fragt jede Altersgruppe und Nationalität“, aus Anlass des 80-jährigen Jubiläums der
Herr Weiß. „Alle deutschen Fachstel- meint sie. Dementsprechend werde Staatlichen Büchereistelle Rheinhessen-
len bieten den gleichen Leistungskata- großer Wert auf attraktive und multi- Pfalz. 12. September 2001. Tagungsband.
log an“, antwortet Frau Bucher. „Die funktionale Raumgestaltung gelegt. Hrsg. von der Staatlichen Büchereistelle
Trennung zwischen wissenschaftlichen Wir gehen in Richtung Ausgang. Rheinhessen-Pfalz. Neustadt/Weinstraße
und öffentlichen Bibliotheken ist auch „So, nun sind wir am Ende meiner Füh- 2002.
aufgelöst. Wir arbeiten konstruktiv zu- rung angelangt“, meint Frau Bucher. Bibliothek 2007. Strategiekonzept. Hrsg.
sammen, besitzen einheitliche Netze „Zusammenfassend gesagt haben Bi- von Bertelsmann Stiftung, Bundesvereini-
und einen elektronischen Büchereien- bliotheken in den vergangenen zwei gung Deutscher Bibliotheksverbände e.V.
verbund.“ Herr Weiß seufzt erleichtert. Jahrzehnten deutliche Veränderungen Von Gabriele Beger u.a. Gütersloh 2004.
„Das nenne ich Kundenservice“, sagt erfahren“, sagt sie. Die Hauptgründe Bibliothek 2007. Internationale Best-Prac-
er lächelnd. „Dem Nutzerwunsch nach dafür lägen im demographischen Wan- tice-Recherche. Hrsg. von Bertelsmann
ortsunabhängigem schnellen Infor- del, technologischen Fortschritt, in der Stiftung, Bundesvereinigung Deutscher
mationszugang wird entsprochen“, Wissensgesellschaft sowie der Globali- Bibliotheksverbände e.V. Gütersloh 2004.
meint die Bibliotheksdirektorin. Flä- sierung. Sie blickt auf beratendes und
chendeckend könnten Büchereien als recherchierendes Bibliothekspersonal.
virtuelle Einrichtung rund um die Uhr „Dienstleistung wird bei uns groß ge- Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP)
genutzt werden. Frau Bucher macht schrieben. Das wird auch in den näch-
Die Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz
eine kreisende Armbewegung. „Di- sten Jahren eine permanente Heraus- (ZIRP) ist eine Public Private Partnership
gitale Medien kann man über das In- forderung für uns bleiben.“ (PPP)-Einrichtung), die von der Landesre-
ternet abrufen, ein Bibliotheksbesuch gierung sowie mehr als 70 Unternehmen,
ist nicht mehr zwingend nötig“, sagt Institutionen und Persönlichkeiten aus
sie. „Toll sind auch ihre Info-Stationen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kul-
mit Datenbanken, die sie überall in Literatur tur getragen wird. Hauptaufgabe der
der Stadt eingerichtet haben, zum Bei- ZIRP ist es, die Zukunftsentwicklung von
Seefeldt, Jürgen / Syré, Ludger: Portale
spiel an Parkbänken, Bushaltestellen Rheinland-Pfalz durch Projektinitiativen
zu Vergangenheit und Zukunft - Biblio-
und am Bahnhof“, werfe ich ein. Frau zu fördern und das Land im weltweiten
theken in Deutschland. Mit einem Vor-
Bucher nickt. „Praktisch ist außerdem, Standortwettbewerb der Regionen zu
wort von Barbara Lison. Hrsg. im Auftrag
dass heute jedes UMTS-Handy einen von Bibliothek & Information Deutsch- unterstützen (www.zirp.de).
Zugang zur Bibliothek am Ort oder land e.V. (BID). 3., überarb. Aufl. Hildes-
heim, Zürich, New York 2007. Die Autoren danken Herrn Dr. Stephan
der Region hat“, bemerkt sie. „Der
Fliedner, Direktor der Bibliotheken der
Ausweis-Chip liest das Interessenprofil Hessischer Bibliothekstag 2005 Bad Hom- Stadt Mainz, für seine fachlichen Hinwei-
des Nutzers und teilt ihm spezifische burg. Zukunft der Bibliotheken - Biblio- se und die kritische Durchsicht des Ma-
Informationen und Neuerscheinungen thek der Zukunft. Tagungsband. Hrsg. nuskripts.
mit.“
An einem Computer mit Schild
„Books on demand“ sitzt Frau Lern-
berg, eine Studentin mit Brille. Die
Bibliotheksdirektorin und ich schauen
ihr über die Schulter. „Die eigene Her-
stellung eines gewünschten Produkts
ist hier kinderleicht“, sagt Frau Lern-
berg. „Sie müssen einfach Lesewunsch,
Redaktion, elektronische Herstellung
eingeben und schon ist das Endpro-
dukt fertig“, erklärt sie.
Informationsdienstleistung in an-
genehmen Ambiente
Wir folgen dem Duft von Kaffee und
Gebäck und erreichen das Café und die
Ruhezonen. „Alle Räume in Ihrem Haus
sind sehr ansprechend und einladend
gestaltet: schöne Farben, viel Glas,
geschmackvolle und bequeme Sitzge-
legenheiten ...“, bemerke ich. „Uns ist Heinz Kolz ist Geschäftsführer der Zu- Dr. Anja Mielke ist Projektmitarbeite-
der Wellness- und Lebensqualität-Ge- kunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP) rin der ZIRP.
danke sehr wichtig“, sagt Frau Bucher Foto: privat Foto: privat
bibliotheken heute 3 (2007) 4 169Kleinere Beiträge · Statistik
KLEINERE BEITRÄGE
1. Statistik
Gesamtstatistik Rheinland-Pfalz 2006 –
Kommunale und kirchliche Öffentliche Bibliotheken
Wie im vergangenen Jahr wird die Deutschen Bibliotheksstatistik (www. verschiedenen Formaten (HTML, Excel,
Gesamtstatistik aller kommunalen und bibliotheksstatistik.de) im Bereich csv) exportiert werden.
kirchlichen Öffentlichen Büchereien „Variable Auswertungen“ zusammen-
an dieser Stelle nur zusammenfassend stellen. Nach der Einstellung diverser
Thomas Oberholthaus
aufgeführt. Filter (z.B. Bundesland, Bibliothekstyp,
Weitere Auswertungen lassen sich Unterhaltsträger, …) können die Da-
individuell auf der Homepage der ten für die weitere Bearbeitung in drei
Bibliotheken Bestand in Entleihungen in Ausgaben Ausgaben
(Standorte) Medieneinheiten Medieneinheiten Erwerbung gesamt
Kommunale 376 3.900.282 9.339.063 2.484.169 € 21.291.413 €
Öffentliche (44,5 %) (74,1 %) (83,5 %) (78,3 %) (94,2 %)
KLEINERE BEITRÄGE
Bibliotheken
Evangelische 69 216.812 285.301 87.357 € 258.032 €
Öffentliche (8,2 %) (4,1 %) (2,6 %) (2,8 %) (1,1 %)
Büchereien
Katholische 399 1.150.406 1.552.044 601.248 € 1.056.787 €
Öffentliche (47,3 %) (21,8 %) (13,9 %) (18,9 %) (4,7 %)
Büchereien
Gesamt 844 5.267.500 11.176.408 3.172.774 € 22.606.232 €
Rheinland-Pfalz (100 %) (100 %) (100 %) (100 %) (100 %)
Berichtigung:
Korrektur zur Landesstatistik 2006 der wissenschaftlichen Bibliotheken in Rheinland-Pfalz
Die in Heft 3/2007 unserer Zeitschrift rektur. Bitte ändern Sie auf Seite 121 die richtige Zahl 3.983 (laufende Zeit-
auf den Seiten 120 und 121 abge- unter der vertikalen Nr. 6 bei der „PLB schriften).
druckte WB-Statistik 2006 ist in einem Speyer“ unter der horizontalen Nr. 141 Wir bitten den Fehler zu entschuldi-
Punkt fehlerhaft und bedarf der Kor- (Zeitschriften) die falsche Zahl 800 in gen.
2. Bibliothekspolitik
Kulturelles Erbe und neue Medien:
wissenschaftliche Bibliotheken in Rheinland-Pfalz
Ein Interview mit Ralf Werner Wildermuth
Ralf Werner Wildermuth ist Direktor der Universitätsbibliothek Kaiserslautern und Vorsitzender des Beirates für das wis-
senschaftliche Bibliothekswesen in Rheinland-Pfalz. Im nachfolgenden Interview geht es um die Schwerpunktthemen
und Probleme, die die wissenschaftlichen Bibliotheken im Land zur Zeit intensiv beschäftigen. Die Fragen stellte Barbara
Koelges.
170 bibliotheken heute 3 (2007) 4Kleinere Beiträge · Bibliothekspolitik
Herr Wildermuth, können Sie für die Hintergründe und das Konzept er- der modernen Wissensgesellschaft.
unsere Leser kurz die Funktion des läutern? Das LBZ will gleichsam als regionalbi-
Beirates für das Wissenschaftliche Bi- bliothekarische „Clearingstelle“ eine
bliothekswesen erläutern? Angeregt durch eine Ausstellung Infrastruktur aufbauen, die den heu-
im Landtag von Nordrhein-Westfalen, tigen Anforderungen für eine tech-
Der Beirat ist ein durch Verwal- die auf bedeutende Erwerbungen der nisch erfolgreiche und nachhaltige,
tungsvorschrift des zuständigen Mi- wissenschaftlichen Bibliotheken des internationale Standards einhaltende
nisteriums gesetzlich legitimiertes, Landes und deren Leistung hinwies, Digitalisierung nennenswerter Men-
mindestens zweimal jährlich tagendes schlug die Direktorin der UB Trier, Frau gen landeskundlicher Literatur durch
Gremium, zusammengesetzt aus den Dr. Müller, vor anderthalb Jahren eine kooperierende Einrichtungen gerecht
Leiterinnen und Leitern aller Uni- Ausstellung ähnlicher Art vor. Der Bei- wird. Das LBZ und die UB Trier werden
versitätsbibliotheken, der Bibliothek rat griff diesen Vorschlag zur Selbst- damit an den Start gehen. Interesse
der Deutschen Hochschule für Ver- darstellung gerne auf. In ein bis zwei haben außerdem bereits die Stadtbi-
waltungswissenschaften Speyer, dem Vitrinen pro teilnehmender Bibliothek bliotheken Mainz, Trier und Worms
Landesbibliothekszentrum, den Stadt- und auf ergänzenden Stellflächen wer- angemeldet.
bibliotheken Mainz, Trier und Worms, den exemplarisch kulturelles Erbe und Darüber hinaus ist – wiederum auf
der Bibliothek des Bischöflichen Prie- aktuelle Leistungsschau verknüpft. Anregung der UB Trier – angedacht,
sterseminars Trier, einiger Fachhoch- im Rahmen der Schwerpunktinitiative
schulbibliotheken im turnusmäßigen „Digitale Information“ der Deutschen
Wechsel und der vom Ministerium mit Der Landtag hat beschlossen, für Forschungsgemeinschaft ein Lan-
den Belangen für die bibliothekarische den Erhalt des kulturellen Erbes in desprojekt zur Digitalisierung der in
Ausbildung und Prüfung beauftragten den Bibliotheken des Landes Mittel in den nationalen Verzeichnissen nach-
Geschäftsstelle. Beauftragte des Mini- Höhe von je 25.000 Euro für die Jahre gewiesenen Drucke des 16. und 17.
steriums und ggf. weitere Gäste neh- 2007 und 2008 für konkrete Restau- Jahrhunderts aus Verlagsorten im heu-
men an den Sitzungen teil. rierungsvorhaben zur Verfügung zu tigen Rheinland-Pfalz auf die Beine zu
Der Beirat vertritt die fachlichen stellen. Ist dies ein Schritt in die rich- stellen. Damit wäre Rheinland-Pfalz
Belange der wissenschaftlichen Bibli- tige Richtung? das erste aller Bundesländer, das „sei-
otheken – für das öffentliche Biblio- ne“ historische Buchproduktion quasi
thekswesen gibt es ein Pendant – und Eine rhetorische Frage! Selbstver- vollständig im Volltext digital über das
berät das Ministerium in Bibliotheks- ständlich ist dies ein Schritt in die rich- Internet präsentieren könnte.
angelegenheiten. tige Richtung. Die Anregung hierfür
kam ja wiederum aus dem Beirat. In
den Bibliotheken des Landesbiblio- Elektronische Medien in Form von
Welche Themen sind für die Wissen- thekszentrums, den wissenschaftlichen E-Books, Datenbanken etc. nehmen
schaftlichen Bibliotheken in Rhein- Stadtbibliotheken, aber auch den kirch- an Bedeutung mehr und mehr zu.
land-Pfalz und den Beirat im Moment lichen wissenschaftlichen Bibliotheken Wie gestalten die wissenschaftlichen
von besonderer Bedeutung? lagern manche handschriftlichen und Bibliotheken im Land bei ihrer Erwer-
gedruckten Schätze, die nicht nur kul- bungspolitik das Verhältnis zwischen
Stichwortartig aufgezählt, sind dies: turelles Erbe rheinland-pfälzischer Re- gedruckten und elektronischen Me-
• das Bewahren und das Erschließen gionen, sondern damit auch deutsches dien? Wo setzten sie ihre Schwer-
des kulturellen Erbes in Rheinland- bzw. europäisches Kulturgut sind. Be- punkte? Wie sehen Sie hier die Ent-
Pfalz, wahrung und Erhaltung dieser Schätze wicklung in der Zukunft?
• eine Richtlinie zur Bestandsausson- durch Restaurierung und ggf. Digita-
derung überholter Literatur, lisierung ist durchaus eine politische Der zunehmenden Bedeutung der
• das Thema Informationskompetenz Aufgabe. elektronischen Medien entspricht der
und Kooperation der Bibliotheken zunehmende Anteil an den Erwer-
in diesem Feld, bungsausgaben. Dabei ist über die
• die Kooperation mit dem Virtuellen Ist in diesem Zusammenhang auch Jahre eine Verlagerung des Schwer-
Campus Rheinland-Pfalz zur Lizen- das vom Landesbibliothekszentrum punkts festzustellen. Standen anfangs
zierung elektronischer Lehrmedien geplante und koordinierte Projekt hauptsächlich bibliographische Daten-
für Fachhochschulen, zur Digitalisierung landeskundlicher banken im Zentrum, so sind es heu-
• eine Ausstellung der wissenschaft- Buchbestände rheinland-pfälzischer te vor allem die elektronischen Zeit-
lichen Bibliotheken im Landtag, Bibliotheken zu sehen und können Sie schriften, die meist im Rahmen von
• und in jeder Sitzung die Ausbildung uns kurz die Planungen erläutern? Konsortien zusammen von mehreren
von Bibliotheksreferendarinnen und Bibliotheken oft über die Grenzen
-referendaren. In der Tat. Zum einen ist die Digi- einzelner Bundesländer hinweg er-
talisierung, wie gesagt, ein Mittel worben werden. Die Bibliotheken sind
zur Bewahrung unseres kulturellen hier sehr dankbar, dass das Ministeri-
Herr Wildermuth, die wissenschaft- Erbes. Zum anderen gewährleistet sie um für Bildung, Wissenschaft, Jugend
lichen Bibliotheken im Land planen die Bereitstellung des Erbes für alle und Kultur aus zentralen Mitteln rund
eine Ausstellung im Landtag für das interessierten Bürgerinnen und Bür- 73.000 Euro zur Lizenzierung der etwa
Jahr 2008. Würden Sie uns bitte kurz ger und reicht damit in den Kontext 1.200 elektronischen Zeitschriften der
bibliotheken heute 3 (2007) 4 171Kleinere Beiträge · Bibliothekspolitik
Springer-Verlagsgruppe für alle wis- in diesem und im nächsten Jahr vor-
senschaftlichen Bibliotheken in Rhein- gesehenen rund 170 neuen Stellen
land-Pfalz zur Verfügung stellt; freilich im Hochschulbereich und die bis 2010
ist dies vergleichsweise wenig, wenn erwarteten zusätzlichen 5.800 Studi-
man mal schaut, was in benachbarten enanfänger auch in die Bibliotheken
Bundesländern zentral für Konsortien drängen und neben Service und
aufgebracht wird. Arbeitsplätzen Bücher und lizenzierte
Neben den elektronischen Zeit- elektronische Medien nachfragen
schriften werden die so genannten E- werden. Die Aufbruchstimmung im
Books immer mehr Gewicht erhalten, Bildungsbereich und in der Wirtschaft
seien es Nachschlagewerke oder auch darf einfach nicht an den rheinland-
Lehrbücher und Grundlagenliteratur pfälzischen Bibliotheken vorbei ge-
für das Studium. Die Laptop-Generati- hen.
on kann immer öfter mit Zugang über
WLAN schnell mal auf einschlägige Ka- Anmerkungen
pitel und Aufsätze zugreifen. 1 Herr Wildermuth bezieht sich auf folgende
Studie:
Die Bundesländer im Standortwettbewerb
2005 / Norbert Berthold; Holger Fricke;
Wenn Sie einen Blick über die Lan- Matthias Kullas. Gütersloh: Verl. Bertelsmann-
desgrenzen hinaus werfen: Wo steht Stiftung , 2005. - 236 S.: graph. Darst. - ISBN:
das Wissenschaftliche Bibliothekswe- 3-89204-771-5.
sen in Rheinland-Pfalz im Vergleich Ralf Werner Wildermuth Auf S. 163 steht: „Im Erfolgsindex für den
Zeitraum 2002–2004 konnte das Land seinen
zum Bundesdurchschnitt? Punktwert um 0,37 auf 6,39 Punkte erhöhen
Rheinland-Pfalz nämlich feststellt, ist und verbesserte sich damit zum vierten Mal
Wir haben gesehen, dass die Bibli- bei einem sehr beachtlichen vorde- in Folge. … Entsprechend verbesserte sich
das Land zwischen Westerwald und Pfalz im
otheken in Nischen wie kulturelles ren Rang im Gesamterfolg unter allen Erfolgsindex vom 7. auf den 5. Platz … Mit
Erbe sich nicht vor den Bibliotheken Bundesländern ein Teilaspekt doch als Rheinland-Pfalz gelingt es damit erstmals
anderer Bundesländer zu verstecken „problematisch“ zu sehen, nämlich einem Land, die bisherige Top fünf der Bun-
desländer (Hamburg, Bayern, Baden-Württ-
brauchen. Und zum Beispiel ist die UB die vor 2005 weit unter Durchschnitt emberg, Hessen und Bremen) aufzubrechen.“
Mainz beim Angebot elektronischer liegenden Ausgaben für die Hochschu- Auf S. 167 steht: „Problematisch sind in die-
Medien ganz vorne unter den bundes- len.1 Die Hochschulbibliotheken haben sem Zusammenhang insbesondere die Aus-
gaben für Hochschulen. Der Punktwert für
deutschen Bibliotheken eingereiht. dies im vergleichsweise spärlichen Mit- diesen Wirkungsfaktor (nur noch 4,63 Punkte)
Aber was das „Alltagsgeschäft“ an- telfluss und der sich damit immer wei- sinkt im aktuellen Beobachtungszeitraum zum
belangt, wünscht man sich doch, dass ter öffnenden Schere zwischen Erwer- vierten Mal in Folge und liegt deutlich unter
dem Durchschnitt aller Länder (7,44 Punkte).
von den zusätzlichen Millionen Euro, bungsmitteln und Kundenerwartung
Es besteht die Gefahr, dass notwendige Inve-
die aus dem seit 2005 laufenden Lan- an eine qualitativ und quantitativ zu- stitionen in Humankapital sowie Forschungs-
desprogramm „Wissen schafft Zu- frieden stellende Medienausstattung aktivitäten ausbleiben und der Aufwärtstrend
kunft“ und im Rahmen des neuen bun- zu spüren bekommen. des Landes hierdurch bedroht sein könnte.“
2 Doris Ahnen, Ministerin für Bildung, Wissen-
desdeutschen „Hochschulpakts 2020“ Jedenfalls wäre eine Erhöhung und schaft, Jugend und Kultur, äußerte sich zum
an die Hochschulen fließen, substanti- Verstetigung der an die Bibliotheken Hochschulpakt 2020 in einer gemeinsamen
elle Summen auch für die Literatur- und fließenden Finanzen nötig, um den Pressekonferenz mit der Landeshochschul-
präsidentenkonferenz am 10. September (s.
Informationsversorgung bereitgestellt Vorsprung der Bibliotheken in ande- Staatszeitung / Rheinland-Pfalz: Staatsanzei-
werden. Wie eine Ländervergleichs- ren Bundesländern aufzuholen – allzu- ger für Rheinland-Pfalz. Nr. 34 / 58. Jahrgang,
studie der Bertelsmann-Stiftung für mal die laut Ministerin Ahnen2 schon Montag, 17. September 2007. - S. 1–2).
3. Bibliothekspraxis
Schmökern in angenehmer Atmosphäre
Renovierung der Kinder- und Jugendbibliothek der Stadtbibliothek Ludwigshafen
Während der Sommerferien 2007 gebot an Kinder- und Jugendbüchern mieden werden. In zwei Tagen wurde
wurde die Kinder- und Jugendbiblio- konnte in der Erwachsenenbibliothek der gesamte Bestand wieder einge-
thek in Ludwigshafen renoviert. Den entliehen werden. Durch eine tat- räumt.
Bestand von rund 28.000 Medienein- kräftige Umräumaktion engagierter Die Bibliothek wirkt jetzt wesentlich
heiten hatten wir während dieser Zeit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am freundlicher und heller, da alle Fenster
im benachbarten Theatersaal in Rega- Wochenende konnte eine wiederholte erneuert, eine neue Deckenbeleuch-
len zwischengelagert. Ein kleines An- Verlängerung der Schließungszeit ver- tung und helle Vorhänge angebracht
172 bibliotheken heute 3 (2007) 4Sie können auch lesen