Geld anlegen MIT GUTEM GEWISSEN - BEWUSST GENIESSEN - Oliv Zeitschriften
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WWW.OLIV-ZEITSCHRIFT.CH
11/2020
Geld
anlegen
MIT GUTEM GEWISSEN
BEWUSST
GENIESSEN
WIE MAN LERNT, Ihre Zeitschrift ist jeden Monat kostenlos hier erhältlich:
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für Ihr Wohlbefinden
AYURVEDISCH FRÜHSTÜCKEN
Wenn die Tage kühler werden und es frühmorgens noch Zu einem warmen, fein gewürzten Porridge lässt sich ein
dunkel ist, erfreut uns ein leichtes, energievolles Früh- Kompott aus Früchten geniessen. Noch schneller geht es,
stück ganz besonders. Der Ayurveda empfiehlt zum wenn klein geschnittenes Obst gleich mit dem Getreide-
Frühstück warmen Getreidebrei, der den Körper nährt brei mitgekocht wird.
und stärkt, ohne das Verdauungssystem zu belasten. Werden Früchte verwendet, empfiehlt es sich – anstelle
Da in den Morgenstunden das Kapha Dosha dominiert, der sonst üblichen Milch – Flüssigkeiten wie Wasser,
arbeitet das ayurvedische Verdauungsfeuer Agni weniger Reis-, Hafer-, Mandel- oder Nussdrink zu verwenden.
stark als zur Mittagszeit. Um der Bildung von Ama (Schla-
ckenstoffen) vorzubeugen, sollte das Frühstück der indi- Keine Zeit, um zu Hause zu frühstücken? Kochen Sie Ihr
viduellen Konstitution und Verdauungskraft angepasst Porridge kurz auf, füllen es in einen Thermosbehälter
sein. Unvorteilhaft aus ayurvedischer Sicht ist die Kombi- und geniessen es während der Arbeitspause. Auch ideal,
nation von Milchprodukten und Früchten. Auch kalte falls Sie frühmorgens noch keinen Appetit verspüren.
Lebensmittel oder Brot können das Verdauungssystem
belasten.
PORRIDGE –
DER FRÜHSTÜCKS-KLASSIKER IM AYURVEDA
Die nach ayurvedischen Kriterien zusammengestellten
Porridge-Fertigmischungen auf der Basis von Hirse-
flocken, Reisflocken und Fingerhirse sind auf die unter-
schiedlichen Bedürfnisse von Vata, Pitta und Kapha abge-
stimmt. Ohne Zuckerzusatz.
Porridge nussig – mit süssen Datteln, Kürbiskernen,
Mandeln, Cashewnüssen und einer auf das Vata Dosha
abgestimmten Kräuter- und Gewürzmischung.
Porridge fruchtig – mit süssen Maulbeeren, Datteln,
Cranberries, Himbeeren, Granatapfel und einer auf das
Pitta Dosha abgestimmten Mischung aus Blüten und
Gewürzen.
Porridge spicy – mit süssen Aprikosen, Äpfeln, Mango
und einer auf das Kapha Dosha abgestimmten, leicht
scharfen Mischung aus Kräutern und Gewürzen.
Porridges sind erhältlich in Bioläden, Reformhäusern und Drogerien.
Weitere Ayurveda Tipps und Ayurveda Produkte finden Sie auf www.veda.ch.oliv ∫ Editorial
GELD MIT MORAL
Liebe Leserin, lieber Leser
Wie schaff t man Anreize für Banken und Versicherer,
Impressum damit sie nachhaltige Investitionen tätigen? Mit der
Herausgeberin: Taxonomie meint die EU, einem Klassifikationssystem,
bossert & richter AG
Konzeption und Gestaltung:
das u. a. die weltweit erste «grüne Liste» für nachhalti-
bossert & richter AG ge Wirtschaftstätigkeiten führt. Ab dem 1. Januar 2022
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Tel. +41 62 552 04 00 muss, wer seine Produkte «ökologisch» nennt, darüber infor-
Fax +41 62 552 04 10
mieren, inwiefern sie mit dieser Taxonomie übereinstimmen. Auch unser
Erscheinungsweise:
monatlich Bundesrat ist mit dem Thema Nachhaltigkeit im schweizerischen Finanz-
Auflage: sektor beschäftigt und möchte die Finanzmarktakteure zu mehr Transparenz
42 000 Exemplare
Wert: Fr. 8.– und konkreten Zielen bewegen. Fraglich ist, ob der Klimaverträglichkeitstest
Redaktionsleitung: des Bundes bis Ende Jahr aufzeigen kann, inwieweit Investitionen und
Agnès Puebla
agnes.puebla@br-marketing.ch Finanzierungen den Klimawandel aufhalten oder fördern. Dass im grossen
Redaktion: Rahmen das Umweltbewusstsein der Finanzwelt wächst und einige Banken
Claudia Marek
claudia.marek@br-marketing.ch ihr Portfolio transparenter kommunizieren, ist beruhigend, aber noch nicht
Stéphanie Erni
zufriedenstellend. Als Anregung zeigen wir in unserem Fokus-Artikel ab
Redaktionsassistenz:
Ruth Hofmann
Seite 8 Ideen von einigen Schweizer Akteuren auf, die Alternativen für
ruth.hofmann@br-marketing.ch Anleger anbieten. Wie kann man sein Geld für «etwas Gutes» einsetzen?
Anzeigen:
inserate@oliv-zeitschrift.ch
Nicht alles verspricht gute Renditen, aber es kann helfen, ein Stück Verant-
Layout:
wortung für Mensch und Umwelt zu übernehmen. Wir wünschen Ihnen
Linda Baumann eine inspirierende Lektüre.
Michela Orlando
Jeannine Merz
Kontakt: Seien Sie herzlich gegrüsst
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info@oliv-zeitschrift.ch
Copyright:
bossert & richter AG, Seon
ISSN 1664-2635
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Agnès Puebla
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der Papierfabrik Perlen Redaktionsleiterin oliv
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Wo einst Kapuzinerbrüder lebten, ist heute das Culinarium
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Alpinum angesiedelt. Mit ihm erhält das Kulinarische Erbe
der Alpen eine Heimat, in der sich alles um die Vielfalt des
Alpenraums dreht. Kochkünstler, Schnapsbrenner, Landwir-
Veganes Falafel-Sandwich
te, Metzger, Sommeliers, Verkoster, Käseprofis und Bäcker-
mit Tahini Dip
meister beider Geschlechter kommen hier zusammen, um
gemeinsam die Zukunft des kulinarischen Kulturraums zu
gestalten. «Wir freuen uns über die Initiative, die gelungene
Renovation des Klosters und die künftige Zusammenarbeit
mit dem Culinarium Alpinum», sagt Robert Obrist, Leiter
des Departements für Beratung, Bildung und Kommuni-
kation vom FiBL. «Als Partner werden wir unser Wissen
zum Biolandbau und zur schonenden Verarbeitung von
Lebensmitteln einbringen. Die Zusammenarbeit mit der
Jetzt im
Gastronomie, insbesondere in der Zentralschweiz, eröffnet
Biofachhandel
erhältlich. auch Perspektiven für die Wertschöpfung der Biobetriebe
in der Region», erklärt er. Die Esskultur des Alpenraums
steht auch im Zentrum des Bildungsangebots. Angeboten
Ausserordentlich orien- werden Kurse zur Vielfalt von alpinen Produkten und deren
Verwendung, ganz im Zeichen von Saisonalität und Nach-
talisch und so frisch wie haltigkeit. Zu entdecken sind im Culinarium Alpinum auch
selbst gemacht. Bien bietet ein Alpsbrinzkeller, ein Klosterladen sowie eine Schulküche.
Neben den kulinarischen Erlebnissen kann zudem in vier-
diverse vegane Produkte zehn Herbergszimmern übernachtet werden. Mit seinem
vom Biopionier hosberg. Angebot in Gastronomie und Bildung will das Culinarium
Alpinum das Bewusstsein für die alpine Regionalkulinarik
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schweizweit und über die Landesgrenze hinaus stärken. Zu
den Kooperationspartnern zählen unter anderem Bio Suisse,
die Mitgliederorganisation Bio Bauern Ob- und Nidwalden,
Demeter und das FiBL. www.culinarium-alpinum.comMIT COMICS ZU MEHR NACHHALTIGKEIT
DIE GESELLSCHAFT FÜR ERNÄHRUNG REAGIERT AUF DEN HOHEN FLEISCHKONSUM.
Die Schweizerische Gesell-
schaft für Ernährung (SGE)
empfiehlt einen massvol-
len Konsum von Fleisch und
Fleischprodukten: maximal
zwei bis drei Portionen von
© www.sge-ssn.ch / illustration www.truc.ch
100 bis 120 Gramm pro Woche.
In diese Empfehlung seien
auch ökologische Aspekte mit
eingeflossen, zudem werde die
Abwechslung zwischen den
verschiedenen Proteinlieferan-
ten (Milchprodukte, Hülsen-
früchte, Fleisch, Fisch, Eier, Tofu
etc.) gefördert, wie die in Bern
ansässige Gesellschaft erklärt.
Aus der nationalen Ernäh-
rungserhebung menuCH von
2017 ging hervor, dass die Im Comic der SGE kann zum Beispiel nachgelesen werden, was Remo dazu
18- bis 75-Jährigen in der bewog, weniger Fleisch zu essen und zum Teilzeit-Vegetarier zu werden.
Schweiz täglich durchschnitt-
lich 111 Gramm Fleisch pro zehn vegane Rezepte erwei- nachhaltigen Essen und Trin- werden im vom Schweizer
Person essen – das Dreifa- tert. Zwei neue Merkblätter ken» kommen neu auch Co- Nationalfonds finanzierten
che der empfohlenen Menge. zur (ovo-lacto-)vegetarischen mics zum Einsatz, in denen Projekt auch die Gedanken
Deshalb hat die SGE nun ein und zur veganen Ernährung die Themen Fleischkonsum, der jeweiligen Comic-Figuren
neues Tellermodell-Poster sind noch in Erarbeitung. Food Waste, Herkunft und sowie deren Erfahrungen
für Vegetarier entwickelt und Ergänzend zum Merkblatt Produktionsbedingungen an- und Vorsätze für die Zukunft.
ihre Rezept-Datenbank um «FOODprints – Tipps zum gesprochen werden. Gezeigt www.sge-ssn.ch/comic
WENN NICHT JETZT – WANN DANN?
DIE ELFTE DESIGNGUT IN WINTERTHUR FINDET STATT.
Gerade in Zeiten wie diesen brau- vom 29. Oktober bis 1. November 2020
H HA
ES
LT IG E S IG N
D
chen kleine Labels Plattformen wie ihre nachhaltigen Produkte: Von Mode,
N AC W E IZ E R H U R
S C H IN T E R T
IN W die DESIGNGUT, um erfolgreich zu Schmuck und Accessoires, über Möbel, bis
werden oder ihren Umsatz halten zu Keramik ist alles vertreten. Alle Design-
zu können. Die erste Jahreshälf- schaffenden präsentieren Produkte von
te war diesbezüglich einschnei- hoher Design- sowie Materialqualität und
dend für viele Designschaffen- produzieren zudem möglichst nachhaltig
de, die ein kleines oder mitt- und lokal. Das Rahmenprogramm wird
leres Unternehmen führen. grosszügig in der Stadt Winterthur verteilt
Und genau ihnen hat sich stattfinden. Das Highlight dieses Anlasses
die DESIGNGUT seit elf ist eine Kooperation mit dem Musikkolle-
Jahren verpflichtet und so gium Winterthur am Samstagabend: eine
auch in diesem Jahr. Über Live-Musik-Modeshow im Stadthaus Win-
80 altbekannte Labels terthur. Alle Informationen zur Messe und
sowie neue, innovative dem Rahmenprogramm auf der Homepage:
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Ausstellende zeigen www.designgut.ch
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www.oliv-zeitschrift.ch 7
1
ddoliv ∫ Im Fokus
Anlegen und dabei
etwas Gutes tun
Banken haben aufgrund ihrer Anlagepolitik häufig einen
schlechten Ruf. Doch ohne Bankkonto gehts auch nicht.
Der Entscheid, wo man seine Ersparnisse deponiert,
beeinflusst auch Umwelt und Gesellschaft.
Pieter Poldervaart
V
elo und Bahn statt Auto, bio statt konventionell: Forderungen: Transparenz über alle Finanzflüsse und
Viele Menschen justieren in den letzten Jahren Investitionen, Reduktion der direkten und indirekten
ihren Konsum in Richtung Nachhaltigkeit. Ein Treibhausgasemissionen bis 2030. Um dies zu erreichen,
bisher unterschätzter Bereich, um Aspekte wie Umwelt sollten die Banken ab sofort keine neuen Investitionen
und Soziales zu stärken, ist die Finanzwelt. Dass die in fossile Energie tätigen und mit einem Massnahmen-
Banken als Hebel für Nachhaltigkeit in den Fokus rü- plan zeigen, wie sie die Finanzflüsse bis 2030 auf netto
cken, ist ausgerechnet jenen zu verdanken, denen in den Null bringen wollen. Am Schluss schafften es bloss die
seltensten Fällen das dicke Portemonnaie in der Hosen- Alternative Bank Schweiz, die Basellandschaftliche
tasche steckt: Eine Gruppe klimabewegter Jugendlicher Kantonalbank und der Vermögensverwalter Forma Fu-
kritisierte vor einem Jahr mit ihrem Tennis-Happening tura Invest auf die grüne Liste: «Die übrigen Banken ha-
in der Lausanner Filiale einer Grossbank das fehlende ben wir nochmals angeschrieben. Demnächst publizie-
Bewusstsein für den Klimawandel. ren wir die erweiterte grüne Liste», erklärt Annabelle
Ehmann, aktiv in der Arbeitsgruppe Schweizer Finanz-
GRÜNE LISTE MIT «GUTEN» BANKEN platz der Klimastreikbewegung.
Die Jugendlichen vom Klimastreik beliessen es aber nicht Um mit einer nachhaltig orientierten Geldanlage et-
bei der einen Aktion. Sie wollten es genauer wissen und was zu verändern, gibt es verschiedene Strategien. Am
verschickten den Banken einen Katalog mit folgenden populärsten ist der Ausschluss einzelner Branchen, wie
8 oliv 11/2020© stock.adobe.com
es der Klimastreik mit Kohle, Öl und Gas verlangt. Doch günstiger zu Geld kommt und gegenüber den Zögerern
dreht man Ölkonzernen, Kohleförderern und Gas-Kon- einen wirtschaftlichen Vorteil hat. Das wiederum
sortien den Geldhahn zu, bedeutet das nicht automa- kommt langfristig der Umwelt zugute. Auf diesem An-
tisch, dass die Unternehmen kollabieren und so das satz fussen die meisten der grünen Konti und Fonds,
Klima entlastet wird. Wer Ölaktien aus seinem Portfolio welche die Banken anbieten. Um Nachhaltigkeit zu de-
verbannt, verkauft die Titel quasi einem weniger kriti- finieren, wird häufig der Begriff ESG für Umwelt (Envi-
schen Anleger, und die Branche bleibt weiterhin mit ronment), Soziales (Social) und Unternehmensführung
Geld versorgt. (Governance) verwendet.
Die Alternative Bank Schweiz (ABS) verfolgt einen
«KLASSENBESTE» STATT «GELDHAHN ZU» gemischten Ansatz. Fossile Energie, Atomenergie und
Ein anderer Ansatz verzichtet deshalb weder auf Air- Gentechnik bleiben ohnehin draussen. Ins sogenannte
lines noch auf Stahlwerke im Aktiendepot, sondern Anlageuniversum kommen nur Firmen, die erfolgreich
pickt jene Unternehmen heraus, die sich besonders in- einen mehrstufigen Selektionsprozess durchlaufen ha-
tensiv mit der Reduktion ihres Umwelteinflusses aus- ben. Dabei werden ökologische, sozial-ethische und fi-
einandersetzen. «Best in Class», so der Name dieses nanzielle Faktoren gleichermassen berücksichtigt. Zwar
Modells, setzt darauf, dass mit diesem Investitionsver- freue er sich, dass die ABS auf der grünen Liste der Kli-
halten der Branchenprimus tendenziell einfacher und majugend Platz gefunden habe, sagt Michael Diaz, Leiter
www.oliv-zeitschrift.ch 9MARKTNOTIZ oliv ∫ Im Fokus
Edle Blaukappe
Anlegen und Mitglied der Geschäftsleitung der ABS.
Während der Sonnenglut des Hochsommers «Doch die Konzentration aufs Klima blendet andere The-
stellt diese aussergewöhnlich anmutende men der Ökologie aus.» Neben der unbestrittenermassen
Erscheinung ihre metallisch blauen Blüten- eminent wichtigen Klimafrage sei dies etwa das Arten-
stände zur Schau und kühlt Auge sowie sterben. Für einen wirklich nachhaltigen Ansatz müsse
auch überhitztes Gemüt. Als untypische zudem auch der soziale Aspekt berücksichtigt werden:
Vertreterin der Doldenblütler (Apiaceae) Keine Diskriminierung, menschenwürdige Arbeitsbe-
bringt sie Betrachtende ins Staunen. dingungen und ein existenzsicherndes Einkommen
Auch Insekten fühlen sich magisch vom seien zwingend, wenn ein Titel ins ABS-Universum
Flachblatt-Mannstreu (Eryngium planum) aufgenommen werden soll. Seit einem Jahr dient diese
angezogen! Diese Schönheit wird rege von Auswahl an akzeptablen Unternehmen nicht nur als
Wildbienen, Wespen und Hummeln aller Basis für vermögende ABS-Kundschaft, sondern auch
Art besucht. Oftmals sind die Blüten vor für den ersten Fonds der ABS, der schon ab 10 000 Fran-
lauter Hautflüglern, kaum mehr sichtbar. ken empfohlen wird.
Hier ergänzen sich Ästhetik und ökologische
Bedeutung wunderbar. An sonniger Lage und NACHHALTIG INVESTIEREN IM SÜDEN
auf mässig trockenem Boden erfreut uns diese Während nachhaltige Fonds Titel aus dem In- und Aus-
mehrjährige Spezies jedes Jahr auf’s Neue. land umfassen, kann auch gezielt in Projekte in Asien,
Afrika und Lateinamerika investiert werden. Die 1975
gegründete internationale Genossenschaft Oikocredit
verleiht Geld an sozial und ökologisch sinnvolle Projekte.
In der Schweiz können sich interessierte Personen den
zwei Förderkreisen Deutschschweiz oder Romandie an-
schliessen und so ihre Einlage ab 250 Franken tätigen.
Aktuell sind aus der Deutschschweiz 2600 Investo-
rinnen und Investoren mit insgesamt 65 Millionen Fran-
ken dabei. «Unser Ziel ist vor allem, mit Mikrokrediten
Geschäftsideen von Personen zu unterstützen, die auf
dem herkömmlichen Finanzmarkt nicht zu Krediten
kommen», sagt Martin Werner, Sprecher von Oikocredit
deutsche Schweiz. Dabei werden in erster Linie Frauen
berücksichtigt. Die Einlagen können innert Monatsfrist
wieder abgezogen werden, die jährliche Dividende ist
© Sebastian Wagener
abhängig vom Geschäftsgang und kann bis zu zwei Pro-
zent betragen.
DREI MILLIONEN IN DREI MONATEN
Auch die Zürcher Gebana AG ist bereits seit längerem in
Ländern des Südens aktiv: Seit 1998 importiert das Un-
Wer eine zierende, ökologisch wertvolle und ternehmen fair und biologisch produzierte Trocken-
pflegeleichte Staude für Balkon und Garten früchte, Nüsse, Öl und zunehmend auch frisches Obst aus
sucht, liegt mit dieser Wahl goldrichtig. Südeuropa. Seit Juni nun gibt Gebana Bonds in der Ge-
Unter futureplanter.ch kann man sie bequem samthöhe von drei Millionen Euro aus. Je nach Laufzeit
nach Hause liefern lassen. wird ein jährlicher Zins von 2,5 bis 4,5 Prozent ausbezahlt.
Was angesichts der verbreiteten Negativzinsen komfor-
tabel tönt, ist in Wahrheit bescheiden, räumt Gebana-
Text: Sebastian Wagener Geschäftsleiter Adrian Wiedmer ein: «Weil wir in Län-
dern wie Brasilien oder Burkina Faso investieren, ist das
Risiko eines teilweisen oder kompletten Ausfalls be-
trächtlich.» Diese Unsicherheit kommuniziere
man auch offen. Doch um Absatzmärkte für
weitere Bäuerinnen und Bauern zu er-
schliessen und in die Verarbeitung etwa
von Cashewnüssen oder getrockneter
10 oliv 11/2020Acem hat einen Mikrokredit des
© Opmeer
Oikocredit-Partners Komida erhalten.
Damit kann die junge Indonesierin ihr
Feld bestellen und als Frau ein eigenes
Einkommen erwirtschaften.
EU WILL MEHR KLARHEIT
Ob Divestment, «Best in Class» oder «Impact Investing»,
ein Gesinnungswandel beim Anlegen ist dringend not-
wendig. Das zeigt auch eine Analyse des Bundesamts für
Umwelt auf der Datenbasis von 2018. Demnach ist die
Schweizer Finanz- und Versicherungsindustrie heute so
investiert, dass sie eine globale Erwärmung von 4 bis 6
Grad in Kauf nimmt. Das Pariser Klimaabkommen fordert
aber die Limitierung der Klimaerwärmung auf maximal
1,5 Grad. Die Branche selbst hingegen ist der Meinung,
© stock.adobe.com (2)
sie sei auf gutem Weg. So schreibt die Schweizerische
Bankiervereinigung in ihrem Positionspapier vom ver-
gangenen Herbst, dass 20 Prozent der Schweizer Finanz-
produkte «Ansätze im Nachhaltigkeitsbereich aufweisen,
während der Anteil global nur bei 11 Prozent liegt». Doch
es fehlen klare Kriterien, wie Nachhaltigkeit definiert
wird. Und so besteht das Risiko, dass im Zweifelsfall je-
der noch so zaghafte grüne Ansatz zu dieser Kategorie
Mango im Ursprungsland zu investieren, brauche es fri-
sches Geld, erklärt Wiedmer. Und Geld für nachhaltige
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Projekte ist in der Schweiz offensichtlich vorhanden,
denn bereits drei Monate nach der Lancierung waren alle
Bonds gezeichnet.
Vegane Salat Bowl
mit gerösteten Süsskartoffeln
GELDSPRITZE FÜR NACHHALTIGE KMU und mariniertem Blumenkohl
Risikofreudige Anleger können auch bewusst in Schwei-
zer Kleinunternehmen investieren, die am normalen
Finanzmarkt keinen oder nur einen sehr teuren Kredit
erhalten. Hier ist die Wirkung einer nachhaltigen Anla-
ge direkt nachweisbar, weil die Firma ohne Darlehen gar
nicht zum Laufen käme. Ein Beispiel ist die Genossen-
schaft Glärnisch Textil, die seit drei Jahren daran ist,
aus Flachs und Hanf ein Baumwoll-Substitut zu entwi-
Jetzt im
ckeln. «Damit wollen wir nicht nur die ökologisch frag-
Biofachhandel
würdige Baumwolle ersetzen, sondern mittelfristig im erhältlich.
strukturschwachen Glarnerland einige 100 Arbeitsplätze
mit fairen Löhnen schaffen», so Geschäftsführer Martin
Klöti. Eine Million Franken an Genossenschaftsanteilen Geballte Nährstoffladung
und Darlehen stecken aktuell im Unternehmen, ab Mitte
2021 sollen erste Bettgarnituren, Jeans und Küchentü- und so frisch wie selbst
cher ausgeliefert werden. gemacht. Bien bietet
Ein solches «Impact Investing» in eine einzelne
Firma ist aber auch mit einem höheren Ausfall- diverse vegane Produkte
risiko behaftet, wie das Beispiel der Glarner vom Biopionier hosberg.
Textilindustrie zeigt: In diesem Sommer
www.hosberg.ch
ging die Jenny Fabrics AG in Ziegelbrü-
cke in Konkurs, die Mitlödi Textildruck
AG konnte erst im letzten Moment
durch eine Übernahme gerettet werden.
www.oliv-zeitschrift.ch 11oliv ∫ Im Fokus
geschlagen wird. Auch Finanzminister Ueli Maurer will
„
die Schweizer Finanzbranche klimaschonender machen
und verabschiedete im Juni einen Bericht und Leitlinien
Bei uns ist
zur Nachhaltigkeit im Finanzsektor. Michael Diaz von
der ABS ist skeptisch: «Vom Bundesrat hätte ich mir
wen iger süss
mehr Verbindlichkeit gewünscht, er belässt es bei Be-
kenntnissen und Empfehlungen.» Druck zu mehr Nach-
nat ürlich
haltigkeit beim Anlegen könnte von der EU kommen, die
2019 einen Aktionsplan verabschiedete. Dieser definiert,
dass Anlagen nur dann als nachhaltig bezeichnet wer-
fe in ! “
den dürfen, wenn sie mindestens drei von sechs Zielen
entsprechen und keinem Ziel zuwiderlaufen. Das sicher-
Nachhaltig investieren
kann heissen, Projekte
Kickstart-Müesli im Bereich der alternati-
Für den Kick am Morgen ven Energiegewinnung
mit knuspriger Textur und zu unterstützen ...
vollwertiger Rezeptur
... oder Projekte im
Bereich der Bildung
und Kinder- und
Jugendförderung.
Neue Breie in 2 Sorten © stock.adobe.com (3)
Mit Purpurweizen als solide Basisvariante und
Feige-Himbeer-Brei als fruchtige Abwechslung
zustellen sei zwar äusserst anspruchsvoll, räumt Diaz ein.
Doch werde damit garantiert, dass nur wirklich nachhal-
tige Anlageprodukte das grüne Label bekommen.
Unsere Verpackung ist jetzt
REDEN ÜBERS GRÜNE GELD
noch nachhaltiger!
Gezielte Anlageentscheide können eine gewisse Wirkung
Es ist der Geist aus Pioniertagen, der uns bei Allos nach über
haben, doch überschätzen darf man sie nicht. «Einfach alle
40 Jahren auch heute noch antreibt: Mit Leidenschaft und
Sorgfalt stellen wir jeden Tag aufs Neue natürliche und Öl- und Kohleproduzenten aus der persönlichen Anlage-
feine Lebensmittel her. Dabei ist es unser Ziel, möglichst strategie auszuschliessen, hat keine messbaren ökologi-
nachhaltig zu handeln – auch bei der Verpackung: Die
schen Auswirkungen. Aber es kann politische Wirkung
besteht bei unseren Müeslis und Breien schon jetzt zu 48%
aus nachwachsenden Rohstoffen und wird mit wasser- haben, wenn man die Entscheidung kommuniziert», so
basierten Farben bedruckt. Und als echter Bio-Pionier Julian Kölbel, der am Center for Sustainable Finance and
arbeiten wir immer weiter an nachhaltigeren Verpackungen Private Wealth (CSP) der Universität Zürich arbeitet. Der
für unsere Produkte. So steckt nicht nur Gutes drin,
sondern auch drumherum. Finanzexperte zeigte anhand der Ratings von fünf Ana-
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lysten, dass die Beurteilung der Nachhaltigkeit ein- und
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ERMÖGLICHT
NEUES
SCHWARZ
© Sortengarten Peter Ochsner
KÜMMEL
ROHSTOFF
Wer genügend «Flüssiges» hat und sich in Form einer Spende ganz davon trennt, kann
viel bewegen. Ein Beispiel ist der Sortengarten von Peter Ochsner im appenzellischen
Heiden. Hier gedeihen alte Gemüse-, Obst- und Beerensorten. Interessierte erhalten
Saatgut und tragen so zur Verbreitung der raren Arten bei. Finanziert werden der Sor-
tengarten sowie 35 weitere Projekte durch einen Sammelfonds, den die Stiftung Freie
Gemeinschaftsbank verwaltet. «Voraussetzung für einen solchen Fonds ist, dass das
Projekt gemeinnützig ist und eine Verbundenheit mit den Werten und Zielen der Stif-
tungsgemeinschaft besteht», erklärt Oliver Maurer von der Stiftung FGB. 2019 flossen SCHWARZKÜMMELÖL
Spenden in der Höhe von über 400 000 Franken in die verschiedenen Fonds – und in AUS KONTROLLIERTER DEMETER-
PRODUKTION FRISCH AB PRESSE
einem ähnlichen Umfang auch wieder in die Projekte. www.stiftungfgb.ch ROHSTOFF AUS DER SEKEM-
INITIATIVE IN ÄGYPTEN
desselben börsenkotierten Unternehmens enorm weit
auseinanderliegen kann. Der Aktionsplan der EU kann da
gegensteuern, ebenso das professionelle Engagement,
also das Gespräch von Anlegern mit den Firmen. Denn
im Rahmen einer solchen Kommunikation wird auch dis-
kutiert, wie lange die ausgelisteten Industrien überhaupt
noch existieren. Und die Antwort auf diese Frage interes- SCHWARZKÜMMELÖL
KAPSELN
siert dann nicht nur ökologisch und sozial Hellhörige, NATIVES SCHWARZKÜMMEL ÖL
sondern auch jene, denen hauptsächlich die Rendite ih- AUS BIOLOGISCH-DYNA MISCH
ANGEBAUTEN SCHWARZ KÜM -
rer Anlage am Herzen liegt. MEL SAMEN MIT NATÜRLI CHEM
VITAMIN E IN VEGANEN KAPSELN
SCHWARZKÜMMEL
SAMEN & PULVER
DIE GANZEN UND GEMAHLE-
NEN SAMEN DER NIGELLA
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komponenten. Die Ernten sind beschränkt, da
dies ein Wildprodukt ist, das ausschliesslich in
luftiger Höhe entlang der Südostküste in den
Urwäldern vorkommt und handgepflückt wird.
ROSA PFEFFER im PP-Beutel 50 g Papierbeutel mit
(Schinusbeere) gehört botanisch nicht zur Pfef- Fenster Streuer
ferfamilie. Ein Hauch von Schärfe paart sich mit
einer süsslichen Note. Er gilt daher als kinder-
freundlich und kann auch mit Beeren, Desserts
und Hors-d’oeuvres eingesetzt werden. Nicht
für die Mühle geeignet.
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(piper nigrum) ist der klassische Pfeffer, der
seinen Ursprung in Südindien hat. Die klima-
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© Sabina und Marcel Heinrich
16 oliv 11/2020Bunte Vielfalt auf dem Hof
und Kartoffelacker
Der Weg zu Marcel Heinrich in Filisur führt auf einen kulinarischen
Gipfel: So schmecken Kartoffeln sonst nirgends. Das liegt an den
Sorten, an der Höhenlage und am Biobauern selbst. Stephan Jaun
M
arcel Heinrich streckt eine Handvoll Kartof-
feln der Kamera entgegen. Der 48-jährige ist ©
St
ep
ein Bild von einem Mann: Kräftige Oberar- ha
n
me, gefurchte Hände, ein sonnengegerbtes Gesicht und
Ja
un
eine gute Portion Schalk unter der Schirmmütze. Auf
den ersten Blick würden wohl viele auf Forstwart oder
Landwirt tippen – und lägen richtig. Vor der Kamera
steht einer der renommiertesten Schweizer Kartoffel-
bauern. Wir stehen auf dem Hofplatz von Las Sorts, dem
Bio-Knospe-Betrieb von Sabina und Marcel Heinrich in
der Bündner Gemeinde Filisur. Was der Biobauer in den
Händen hält, ist die Corne de gatte, eine von über 40 Kar-
toffelsorten, die hier auf 1000 Meter über Meer wachsen,
und mit denen sich Marcel Heinrich weit über das Tal
hinaus einen Namen gemacht hat. Hier wachsen alte Biohof Las Sorts
Sabina und Marcel Heinrich bewirt-
Sorten von Kartoffeln, die sonst kaum noch angebaut
schaften mit zwei Lehrlingen und einer Teilzeitmitarbei-
werden, von der kleinen Blauen Veltliner über die Parli
terin aus dem Dorf den Hof Las Sorts in Filisur in zwei-
hin bis zur neu gezüchteten Roten Emmalie. Sorten, die
ter Generation. Der Betrieb ist mit der Bio-Knospe von
schwierig zu kultivieren oder zu ernten sind, aber op- Bio Suisse und dem besonders tierfreundlichen KAG-
tisch im Teller entzücken und umso erstaunlichere Ge- Freiland-Label ausgezeichnet. Heinrichs halten Rätische
schmackserlebnisse bieten: Feinste Aromen von Kasta- Grauviehkühe, Burenziegen und viele weitere Kleintiere.
nien oder Haselnüssen, eine wohlige Erdnote, oder gar Nebst Bergkartoffeln bauen sie Dinkel, Waldstaudenrog-
den Geschmack von Vanille. Faszinierend in ihren hell- gen, Ackerbohnen und Obst an. 2016 wurde der Anbau
gelben und tiefblauen Farbtönen, mit ihren Rillen und und die Vermarktung der Bergkartoffeln mit dem Bio
Beulen oder ihren runden und schmal-länglichen For- Grischun Preis ausgezeichnet. Heinrichs verkaufen ihre
men. Diese Biobergkartoffeln sind das Gegenteil von Produkte auch in ihrem neu gebauten Hofladen direkt an
dem, was eine moderne Standardsorte mitbringen soll. der Strasse zum Albulapass. www.lasorts.ch
Sie liefern weder Spitzenerträge, noch haben sie die bes-
ten Lagereigenschaften und schon gar kein detailhan-
delsfähiges Aussehen. Und sie landen auch nicht in hen, Ziegen, Eseln, Hühnern, Obstbäumen, Ackerbau
mehlig- oder festkochende Kartoffeln aufgeteilt im blau- und Wiesland.» Dieses Ideal verfolgt er auch noch
en oder grünen Pack. 19 Jahre nach der Betriebsübernahme. Und es ist mehr
als ein Kindertraum. «Ein Betrieb soll vielfältig sein und
EIN HOF WIE AUS DEM BILDERBUCH einen Kreislauf bilden», ist er überzeugt. Ein Hof, der
Ein Standardprodukt zum möglichst tiefen Preis, das vielfältige Lebensmittel für Menschen und Tiere hergibt,
wäre die industrielle Logik, nach der sich die meisten auf dem verschiedene Tiere artgerecht leben und zahl-
Landwirte richten. Aber es ist genau das Gegenteil von reiche Pflanzensorten zuhause sind: So ein Betrieb habe
dem, was Marcel Heinrich mit seinem Biohof erreichen Vorteile, die der industriellen Landwirtschaft abhand-
will. «Als wir den Betrieb von meinen Eltern übernom- engekommen seien. Die klimatischen und wirtschaftli-
men haben, hatte ich ein Bild im Kopf», erklärt er. «So chen Risiken zum Beispiel würden viel besser verteilt
wie man es in den Kinderbüchern sieht: ein Hof mit Kü- und die hofeigenen Dünger können gezielt dort einge-
www.oliv-zeitschrift.ch 17BIO - Land Schweiz ∫ Reportage
In einem fröhlichen Team geht auch schwere Arbeit leicht von der Hand. Während der Erntezeit
teilen Sabina und Marcel Heinrich Arbeit und Zeit mit vielen Erntehelfern.
setzt werden, wo sie am besten gebraucht werden. Nicht vielen Erntehelfern noch über die angehäuften Kartof-
zuletzt böte ein vielseitiger Hof auch eine vielseitigere feln, die sie mit einem altertümlichen Schüttelgraber
und damit spannendere Arbeit für die Mitarbeitenden. aus dem Boden geholt hatten. Zwei Wochen reine Hand-
arbeit erfordern die speziellen Sorten schon nur im Feld
MEHR STEINE ALS KARTOFFELN und später werden sie unter Dach noch einmal handver-
Der Biobauer steigt von seinem Hof über ein paar Stufen lesen. Die vielen Steine im Acker machen die Arbeit
hinunter zum Kartoffelacker. Vor einigen Wochen knie- nicht einfacher. Links und rechts des Felds rauschen Al-
te sich die Familie hier mit ihren zwei Lehrlingen und bula und Landwasser zu Tal, finden am unteren Zipfel
des Hofs zusammen und wälzen sich gemeinsam zum
Hinterrhein hinab. Im Süden des Kartoffelackers erhebt
sich die Vorstufe des über 3000 Meter hohen Piz Ela, im
BERG- Norden kratzt das Aroser Rothorn an dieser Marke.
KARTOFFELN Marcel Heinrichs Blick wandert talaufwärts gegen den
Muchetta, eine gewaltige Pyramide aus Wald und Stein,
auf deren Hinterseite zurzeit die hofeigenen Rätischen
Über 40 Kartoffel-Sorten baut Marcel Heinrich mit sei- Grauviehkühe und Burenziegen weiden. Steine und Ber-
nem Team in Filisur GR an. Fast jede Sorte hat ihren eige- ge überall, eine klassische Kartoffelanbauregion sieht
nen, individuellen und einzigartigen Geschmack. Das anders aus.
Bergklima und die intensivere Sonneneinstrahlung sor-
gen dafür, dass die Kartoffeln langsamer wachsen und URSACHEN DES GUTEN GESCHMACKS
sich die verschiedenen Aromen der meist alten Sorten Marcel Heinrich hat aber im Standortnachteil seines Be-
ausgeprägter entwickeln können. Wegen des langsame- triebes bald auch einen grossen Vorteil erkannt: Die
ren Wachstums und dem damit höheren Anteil Zellwän- hohe Intensität der UV-Strahlen in dieser Höhenlage, der
den weisen Bergkartoffeln einen geringeren Wasseran- geringe Krankheitsdruck im abgeschiedenen Tal, das
teil als Kartoffeln aus dem Unterland auf. Die Vermark- tiefe Dünge-Niveau und die vielen Lebensräume für
tung der Bergkartoffeln geschieht zu einem grossen Teil Nützlinge sowie die, trotz der vielen Steine, sandig-
durch den ehemaligen Spitzengastronomen Freddy leichten Böden – all das verleiht den Kartoffeln einen
Christandl, der die Einlagerung und den Verkauf organi- aussergewöhnlichen Geschmack. Und nach und nach
siert und welchem die Bergkartoffeln einen guten Teil haben sich Gourmets und Spitzengastronomen im gan-
ihres Markterfolges zu verdanken haben. zen Land dafür begeistert. «Es war ein Knochenjob», sagt
www.bergkartoffeln.ch der Biolandwirt rückblickend. Sie hätten viele Rück-
schläge erlitten und viele körperliche Strapazen auf sich
18 oliv 11/2020© Silvan Müller
© Sabina und Marcel Heinrich (3)
Zum Biobetrieb gehört ein Hofladen, wo es die
feinen Bergkartoffeln auch zu kaufen gibt.
genommen. Inzwischen hätten sie zum Glück viele Ab-
läufe vereinfachen und so manchen Handgriff effizien- Die Blauen St.Galler
ter gestalten können. bringen Farbe auf
den Teller.
SONST WÄRE ER FORSTWART GEBLIEBEN
«Ich hätte aber nie eine Standardsorte anbauen wollen,
die dann in einem blauen oder grünen Pack im Gross- DAS BLAUE SÜPPCHEN
verteiler landet», erklärt Marcel Heinrich überzeugt.
Schon deswegen nicht, weil er dann mit mehr Pflanzen-
ERLEBEN
schutzmittel hätte nachhelfen müssen, als die Schach-
telhalm-Brennnessel-Jauche, die er regelmässig appli- Zutaten für 4–6 Personen
ziert, oder die Kupferspritzung, mit der er auf seinem 00 g blaue Bergkarto eln
Betrieb etwa jedes fünfte Jahr besonders starke Kraut- (Blaue Veltliner oder St. Galler)
fäule-Krankheitsherde eingrenzen muss. «Hätte ich nur 3 EL roten Zwiebelwürfel
für die Industrie produzieren müssen, wäre ich Forst- etwas Butter
wart geblieben.» Aber dann hätte er auch nicht die vie- etwas Weisswein oder Apfelverjus
len wertvollen Beziehungen knüpfen können; denn ei- 1l Gemüsebouillon
nige der Spitzenköche, die seine Bergkartoffeln 1–2 dl Rahm
regelmässig auf ihre Teller zaubern, sind inzwischen etwas Zitronensaft
gute Freunde geworden. Freunde, die er auch mal zu Sal und fe er
Rate ziehen kann, wenn es um die nächsten Projekte
geht, die auf Las Sorts anstehen. Marcel Heinrich zeigt Zubereitung
auf einen Teil der 250 Obstbäume, die das Team mit den 1 Die Kartoffeln schälen und würfeln und mit den
Nachbarn frisch gepflanzt hat, und auf das Feld mit den Zwiebelwürfeln in Butter anziehen.
Bergackerbohnen, von denen sie heuer erstmals eine 2 Kartoffeln und Zwiebeln mit dem Weisswein
namhafte Ernte einfahren konnten. «Diese alte Berga- (oder Apfelverjus) ablöschen, mit der Bouillon
ckerbohnensorte eignet sich wegen der Frosttoleranz auffüllen und sanft weich köcheln.
besonders für den Anbau hier oben», erklärt er begeis- 3 Die Suppe anschliessend mixen. Den Rahm dazugeben
tert. Aber das ist eine andere Geschichte, die Sabina und und die Suppe mit etwas Zitronensaft, Salz und
Marcel Heinrich mit ihrem Team und ihren Freunden weissem Pfeffer abschmecken.
aus der Spitzengastronomie zuerst noch fertig schrei-
ben müssen. Quelle: Freddy Christandl, www.christandl.ch
www.oliv-zeitschrift.ch 19 www.oliv-zeitschrift.ch 19Musterseite
BIO∫- Land
oliv SchweizRubrik
∫ Porträt
Roggenfeld mit
Innenleben
Mitten in der kleinen Berner Gemeinde Wynau steht an der
Hauptstrasse der Hof von Familie Richard. Bereits in dritter
Generation wird der Pionierbetrieb nach den Richtlinien des
Biolandbaus bewirtschaftet. Immer schon kultivierten seine
Besitzer Roggen und dies immer auch für Biofarm. Sabine Lubow
N
och einige Male soll es an die- dennoch für den Schreinerberuf entschie-
sem sonnigen Junitag im nord- den. Den übt er weiterhin im 60 %-Pen-
östlichsten Zipfel des Kantons sum in einer Schreinerei in Murgenthal
Bern auftauchen, das Wörtlein «immer». aus. Den elterlichen Biobetrieb hat er
Auf dem Fussweg vom Hof zum Roggen- 2003 übernommen und widmet sich der
feld erzählt Landwirt Gerhard Richard: Landwirtschaft im Nebenerwerb «zu 60 %,
«Schon immer habe ich hier im Oberaar- inklusive Wochenende», betont er. Sein
gau gelebt, schon immer habe ich mich Vater unterstütze ihn noch wo er könne,
für die Landwirtschaft interessiert und vor allem beim Maschinenflicken. Tatkräf-
von uns Kindern am meisten mitgehol- tig steht ihm auch seine Lebensgefährtin
fen auf dem Hof.» Der zurückhaltend Catherine Schafer zur Seite. Die gelernte
und bescheiden wirkende Berner hat sich Übersetzerin arbeitet in Bern als Fach-
referentin im Bundesamt für Polizei. Als
begeisterte Natur- und Pflanzenfreundin
hat sie im Nebenerwerbskurs in der Bio- Roggen mag schönes Wetter: Viel Sonne
Schule Schwand eine Grundausbildung in und wenig Staunässe bekommen ihm gut.
Biolandbau absolviert.
KORN, DAS BRICHT, IST REIF einmal mit dem Striegel über den Acker,
Wir treffen am Rand des schönen Roggen- um gegen das Unkraut anzugehen. In
felds ein, wo feine Ähren im Sommerwind aufwändiger Handarbeit beseitigt er Bla-
wippen und uns in der gleissenden Som- cken und Disteln. Über die Jahre erntet
mersonne entgegenblinzeln. «Der Rog- der Landwirt für Biofarm zwischen 25 und
gen eignet sich gut für diesen Boden hier 50 kg Roggen pro Are, den er in die Landi
mit wenig Humus. Es ist ein genügsames Oberbipp bringt. Den richtigen Erntezeit-
Getreide, und er benötigt nicht viel Dün- punkt zu treffen, sei besonders wichtig,
ger», erklärt Gerhard Richard. Er zeigt auf sagt er. Ist in der Erntezeit eine Regenpe-
das nahegelegene Kieswerk hinter dem riode angesagt, besteht die Gefahr, dass
Feldrand. Seit den fünfziger Jahren wird die Körner schon in der Ähre auskeimen.
Biohof Richard zwischen dem Dorf Wynau und dem Na- In einem solchen Fall kann die Ernte nur
Gerhard Richard (1965) und
turgebiet Murg Kies abgebaut. Es stammt noch als Futtergetreide Verwendung fin-
Catherine Schafer (1965)
Hofübernahme: 2003; vom Aaregletscher, der einst bis ins Mit- den. Gerhard Richard: «Wenn man das
Bio-Betrieb seit 1960; telland reichte. In der biolandwirtschaftli- Korn auf den Zähnen zerbeisst und es
Landwirtschaftliche Nutzfläche: 6,6 ha; chen Praxis ist die Vielfalt an verschiede- bricht, dann ist es gut.» Er nimmt zudem
Ackerbau mit Roggen, Weizen, Hafer, Linsen; nen Ackerkulturen und Anbaupausen ein Proben aus dem Feld, um den Feuchtig-
Kunstwiese; über 40 Obstbäume,
wichtiges Grundelement der Fruchtfolge. keitsgehalt seines Roggens zu messen.
Erdbeerkultur, diverse Beerensträucher;
Gemüsegarten zur Selbstversorgung; Seinen Roggen baut Gerhard Richard nach Maximal 14,5% seien gut, hält er fest, doch
Tiere: 20 Skuddeschafe, Weizen, Hafer und Linsen an. Im Septem- wenn Schlechtwetter angesagt sei, wür-
1 Appenzeller-Sennenhund. ber sät er ihn aus und fährt im März/April de er ihn schon bei 16 % dreschen lassen.
20 oliv 11/2020Und er betont: «Dann muss man den Rog- ROGGENBROT ZUBEREITUNG:
gen aber sehr rasch in die Sammelstelle 1 Die Mehle, Körner und Nüsse mit
bringen und nachtrocknen können, sonst ZUTATEN: dem Salz in einer Schüssel mi-
wird er grau und klebt zusammen.» 200 g Biofarm schen.
Roggenvollkornmehl 2 Die Hefe und das Sauerteigpulver
SÜSSE NACHBARSCHAFT 100 g Biofarm Haushaltmehl im Wasser und Joghurt auflösen,
Vorerst profitiert Gerhard Richards Rog- (Ruchmehl) zum Mehl geben und zu einem
gen von den vielen warmen und tro- 2 EL Biofarm Roggenkörner, feuchten Teig kneten. Den Teig
ckenen Sonnentagen, bis im Juli/August eingeweicht (über Nacht) über Nacht aufgehen lassen.
der Mähdrescher kommt. Erntereif ist in und eventuell gekeimt 3 Den Backofen auf 220 °C vorheizen.
diesen Junitagen auf dem Roggenacker Einige Biofarm Baumnusskerne, 4 Den Teig mit ein wenig Mehl zu
in Wynau indes etwas anderes Feines. gehackt einem Laib formen, auf ein mit
Catherine Schafer steht vornübergebeugt 2 TL Salz Backpapier belegtes Blech legen.
in einer von bunten Blühstreifen gesäum- 10 g Hefe 5 Das Roggenbrot auf der untersten
ten Brache, die mitten durchs Feld führt. 1 Beutel Sauerteigpulver Schiene in den Ofen schieben und
Lachend kommt sie mit einer Schale 2.5 dl Wasser bei 220 °C etwa 50 Minuten backen.
frischgepflückter Erdbeeren an den Fel- 1 EL Naturjoghurt Auf einem Kuchengitter auskühlen
drand zurück: «Bitte, probieren!». In der lassen.
Tat: Diesen ausnehmend aromatischen
Früchtchen scheint die direkte Nachbar-
schaft zum Roggen bestens zu bekommen.
Seit vielen Jahren schon liefert der Biohof
von Familie Richard neben Roggen, Wei-
zen, Hafer und Linsen auch Tiefkühlerd-
beeren an Biofarm. Dazu die passionierte
Teilzeit-Bäuerin: «Die Zusammenarbeit
mit Biofarm macht Freude und ist unkom-
pliziert, die Genossenschaft ist gegenüber
uns Produzenten flexibel und wertschät-
zend.» Und nach einer weiteren Beeren-
Probierrunde fügt sie mit schelmischem
Seitenblick zu ihrem Lebenspartner hin-
zu: «Wenn wir sehen, was die Biofarm aus
unseren und all den anderen regionalen
Schweizer Produkten macht, staunen wir
immer wieder über die Vielfalt – von ih-
ren Nüssen und Kernen und erst ihren
superfeinen Flûtes bin ich ein absoluter
Fan!» Wetten, dass die beiden es «schon
immer» waren?
DER SCHÖNE MIT DEN VIELEN VORTEILEN
Nicht nur als Brot, Risotto, Suppen- Im Biolandbau ist dieses alte Brotgetreide
einlage oder Brei gibt Roggen ganz für seine Widerstandsfähigkeit gegen Krank-
viel her. Seine hohen Halme, seine heiten geschätzt: Es sorgt mit einem grossen
Ähren mit den feinen Grannen und Wurzelwerk für die Regeneration müder Bö-
seine leicht blaugrüne Farbe ma- den und lässt sich von Unkraut nicht leicht
chen ihn zu einer Schönheit. Kälte unterkriegen. Beliebt ist der aromatische und
stört ihn nicht, aber Nässestau ist schmackhafte Roggen auch für seine Vorteile
ihm zuwider. Roggen steht lieber gegenüber dem Weizen: Sein geringerer Glu-
im Trockenen. Als Fremdbestäu- ten-Gehalt macht ihn verträglicher, er sättigt
ber ist er besonders zur Blütezeit nachhaltiger, enthält mehr Folsäure, ist reich
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Voraus-gesetzt, Sie bereiten uns ernährungs- Gewürz». Das passt übrigens bestens zu allen
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