In die Ferne Ambivalenz als ständiger Begleiter " Interview: Dorothea Sturn " Die FTI-Strategie der Bundes-regierung " Portrait: Monika Oberer ...

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In die Ferne Ambivalenz als ständiger Begleiter " Interview: Dorothea Sturn " Die FTI-Strategie der Bundes-regierung " Portrait: Monika Oberer ...
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   Dorothea Sturn » Die FTI-Strategie der Bundes-
   regierung » Portrait: Monika Oberer » Persön-
   liche Paradigmen: Wolfgang Lutz
In die Ferne Ambivalenz als ständiger Begleiter " Interview: Dorothea Sturn " Die FTI-Strategie der Bundes-regierung " Portrait: Monika Oberer ...
Inhalt

      6     in die ferne ...

32                                                   46
                                                     Judith Schacher-
Frau in der wiSSENSCHAFT:                            reiter berichtet
Monika Oberer                                        aus Mexiko

                                  Editorial
                                4 Projektvorstellungen
                                                                        42   Wolfgang Lutz im Gespräch
                                                                             mit friedrich stadler

                                5 Brief des Präsidenten

                                  Thema
                             6–12 In die Ferne ...

                                  FOKUS                                       Panoptikum
                            13–15 Ambivalenz als ständiger Begleiter    32–35 Frau in der Wissenschaft
                            16–19 Interview: Dorothea Sturn                   Monika Oberer
                               20 Die FTI-Strategie der Bundes­         36–39 Interview: Helga Nowotny
                                  regierung                             40–41 International ausgezeichnet

    16
    Dorothea
                               21 Kommentar Christoph Kratky:
                                  Der Weg zum Innovation Leader
                            22–26 Karriereentwicklung wörtlich
                                                                              Barbara Horejs und Gerhard Herndl
                                                                        42–45 Persönliche Paradigmen
                                                                              Wolfgang Lutz und Friedrich Stadler
    Sturn im
    ­Gespräch                     genommen                                    im Gespräch
    mit Stefan                 27 Dritte Ausschreibung zur Förderung    46–47 Unterwegs
    Bernhardt
                                  künstlerischer Forschung –                  Judith Schacherreiter in Mexiko
                                  PEEK 2011
                               28 SFBs: Die neuen Regeln                      EVENT
                               29 Im Blickpunkt: FWF-Kunstpreis 2011;   48–49 MS Wissenschaft 2011 in Österreich
                                  Jahresrückblick im Web                   50 AmPuls: Entstehung, Einsatz &
                                                                              Entwicklung von Impfungen
                                  Kontext
                            30–31 Die Wissenschaftsbücher des
                                  Jahres
In die Ferne Ambivalenz als ständiger Begleiter " Interview: Dorothea Sturn " Die FTI-Strategie der Bundes-regierung " Portrait: Monika Oberer ...
Editorial

               50
                AmPuls über die entstehung
                und den einsatz von
                impfungen

                                               ad                                          mas                    ms                      stb

                                                            Ein Fisch namens Erwin
                                                              » Seit über 25 Jahren bietet der FWF hoch qualifizierten jungen
                                                              Wissenschafterinnen und Wissenschaftern mit dem Erwin-Schrö-
                                                              dinger-Programm die Möglichkeit, die weite Welt (der Wissen-
                                                    schaft) zu entdecken. Kein Zweifel: Für jede und jeden war die Auslandser-
                                                    fahrung bedeutend. Die Zurückgekehrten erzählen von unverzichtbaren Er-
                                                    fahrungen und sehen den Auslandsaufenthalt als Grundstein für ihre weite­
                                                    re wissenschaftliche Karriere. Kaum eine Stimme ist zu hören, die nicht die
                                                    enorme Bedeutung dieser Auslandserfahrung hervorstreicht. Das Schrödin-
                                                    ger-Programm ist zweifellos eine Erfolgsgeschichte. Jedoch weisen­jüngste
                                                    statistische Analysen auf einen kleinen Schönheitsfehler hin: Während heut-
                                                    zutage in den meisten Wissenschaftsbereichen die Mobilität, zu der auch
                                                    Auslandsaufenthalte zu Beginn der wissenschaftlichen Karriere zählen, fest
                                                    im modus vivendi verankert ist, scheinen die Geisteswissenschaf­ten und
                                                    Teile der Sozialwissenschaften diesem Trend hinterherzuhinken. So betrug
                                                    der Anteil der Geistes- und Sozialwissenschaften bei den Bewilligungen

48
                                                    (nach Summe) im Schrödinger-Programm im Jahr 2010 ledi­glich 4,6 %.
                                                    Das Coverthema widmet sich dieser Analyse, begleitet von erfolg­reichen
Die MS Wissenschaft                                 Beispielen aus dem Mobilitätsprogramm und einem Kommen­tar von FWF-
macht Station in                                    Vizepräsident und Ex-Schrödinger-Stipendiat Herbert Gottweis.
Österreich

                                                    Im „Fokus“ zeigt der Jahresrückblick die Entwicklung der Förderungstätig-
                                                    keit des FWF für das Jahr 2010. Die neue Geschäftsführerin des FWF,
                                                    Dorothea­Sturn, spricht im Interview über ihr Bild des FWF, sein Verhältnis
                                                    zu den Universitäten und dem BMWF sowie über ihre persönliche Füh-
                                                    rungsphilosophie. FWF-Präsident Christoph Kratky kommentiert die Anfang
      Call                                          2011 beschlossene FTI-Strategie der Bundesregierung. Im Anschluss finden
   51 PEEK                                          sich Portraits der 14 im Herbst 2010 bewilligten Firnberg-/Richter-Stellen­
   52 Firnberg/Richter                              inhaberinnen.
   53 SFBs
                                                    „Kontext“ stellt die Wissenschaftsbücher des Jahres vor, welche Anfang
      FWF intern                                    2011 gekürt wurden. In „Panoptikum“: „Frau in der Wissenschaft“ portrai-
   54 website.corner, Personalia                    tiert die Biochemikerin und Strukturbiologin Monika Oberer. Im Interview:
                                                    ERC-Präsidentin Helga Nowotny. Im Gespräch mit Friedrich Stadler erzählt
   55 Karikatur                                     der Sozialwissenschafter und Wittgenstein-Preisträger 2010 Wolfgang­Lutz
   56 Presseclippings                               über „die Mathematik der Menschen“. In „Unterwegs“ stellt Judith Schacher­
                                                    reiter ihr Projekt in Mexiko vor.

                                                    Stefan Bernhardt, Alexander Damianisch,
                                                    Margit Schwarz-Stiglbauer und Marc Seumenicht

                                             IMPRESSUM Medieninhaber und Herausgeber Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung
                                             (FWF), Haus der Forschung, Sensengasse 1, 1090 Wien, Tel.: 01-505 67 40-0, Fax: 01-505 67 39, office@
                                             fwf.ac.at, www.fwf.ac.at Präsident Christoph Kratky Geschäftsführerin Dorothea Sturn Redaktion
                                             Stefan­ Bernhardt (Chefredakteur), Marc Seumenicht (stv. Chefredakteur, CvD), Alexander Damianisch,
                                             Margit Schwarz-Stiglbauer Kontakt redaktion@fwf.ac.at Beiträge in dieser Ausgabe Stefan Bidner,
                                             Sabine­Haubenwallner, Rudolf­Novak, Falk Reckling, Judith Schacherreiter, Barbara Zimmermann Karika-
                                             tur Raoul Nerada Cover­ iStockphoto Grafik und Produktion Starmühler Agentur & Verlag Druck
                                             Ueber­reuter Print und Digimedia GmbH. Erscheinungsweise viermal jährlich, kostenlos zu bestellen
                                             beim FWF Hinweis Die Kommentare und Statements externer AutorInnen müssen nicht die Meinung der
                                             Redaktion wiedergeben. Gender-Regelung Bei Zitaten und Interviews wird der Authentizität wegen
                                             darauf verzichtet, diese­ gen­derneutral umzuformulieren. Steht die männliche Form allein, ist sie in
                                             diesem­Sinne als generisches Maskulinum zu verstehen.­
In die Ferne Ambivalenz als ständiger Begleiter " Interview: Dorothea Sturn " Die FTI-Strategie der Bundes-regierung " Portrait: Monika Oberer ...
Projektvorstellungen

                        In Kooperation mit der Agentur für Wissenschafts­kommunikation PR&D stellt
                        der FWF in regelmäSSiger Folge Projekte vor: Hier Kostproben und mehr …

        Vom FWF gefördert ...
        » Ready for Take-Off: www.luft-          » Eine Lösung, die sich rechnet: Mathema-       liegen besonders an der Grenze von Materi-
        fahrtrecht.at Alle für das öster­        tische Vermutung nach Jahrzehnten be-           alkörnchen. An diesen Stellen, so Berech­
        reichische Luftfahrtrecht relevan­ten    wiesen Eine im Jahr 1985 aufgestellte ma-       nungen der FH St.Pölten,­wird die Magnet-
Informationen sind nun erstmals online und       thematische Vermutung – die Andrews-Rob-        kraft des Materials geschwächt. Optimie-
kommentiert verfügbar. Damit können Juris­       bins-Vermutung – konnte jetzt erstmals be-      rungen der Materialstruktur könnten das

                                                                                                                                                © Thomas Schrefl, Sigmar Stadlmeier, European Union 2010, Manuel Kauers, Gerald Spreitzhofer, FWF/Hans Schubert
tinnen bzw. Juristen sowie Teilnehmerinnen       wiesen werden. Damit steht fest, dass sich      vermeiden und zum Einsparen von Seltenen
bzw. Teilnehmer am Luftverkehr auf eine          die Struktur sogenannter „total symme-          Erden beitragen.
vollständige und aktuelle Sammlung von           trischer planarer Partitionen“ mit einer ein-   » www.fwf.ac.at/de/public_relations/press/
Normen, Gerichtsentscheidungen und Kom-          zigen Formel beschreiben lässt. Die Beweis-     pv201102-de.html
mentierungen zugreifen. Die Datenbank ist        führung gelang unter Einsatz enormer Com-
das Ergebnis eines Projekts des FWF im           puter-Ressourcen und wurde damit erst           » Schneefrei glücklich – mehr Brutto-
Rahmen des Translational-Research-Pro-           nach „computergerechter“ Aufbereitung der       natio­nalglück dank präziser Wettervorher-
gramms.                                          Formel möglich. Dieses mit Unterstützung        sage Ein österreichisches Informationssy-
» www.fwf.ac.at/de/public_relations/press/       des FWF erzielte Ergebnis einer Forschungs-     stem zur genaueren Prognose von Schnee-
pv201012-de.html                                 gruppe aus Linz wurde in den Proceedings        fall wird jetzt auch in Teilen des Himalaja
                                                 of the National Academy of Sciences veröf-      genutzt. Das als MetGIS bezeichnete Sys­
» Gleichberechtigung für die Klassiker der       fentlicht. Mit dem Beweis ist endgültig auch    tem erlaubt dem Wetterdienst des König-
Geschlechterforschung Eine Neuinterpre-          die letzte einer ganzen Reihe berühmter ma-     reichs Bhutan erstmals, meteorologische
tation von Klassikern der feministischen Ge-     thematischer Vermutungen bewiesen, die          Daten mit geografischen Informationen in
schlechterforschung wagte Silvia Stoller im      sich auf planare Partitionen beziehen.          Bezug zu setzen. Bereits seit einiger Zeit
Rahmen eines vom FWF unterstützten Pro-          » www.fwf.ac.at/de/public_relations/press/      wird das mit Unterstützung des FWF weiter­
jekts. Die Ergebnisse fasste sie nun in ihrem    pv201101-2de.html                               entwickelte System in einigen Hochgebirgs-
Buch „Existenz – ­Differenz – Konstruktion.                                                      regionen der Welt eingesetzt. In Bhutan
Phänomenologie der Geschlechtlichkeit bei        » Silicon-Chip „ersetzt“ Seltene Erden          aber überzeugten nicht nur die reine techni­
Beauvoir, Irigaray und Butler“ zusammen.         Seltene Erden sind teuer – und fixer Be­        sche Leistungsfähig­keit des neuen Sys­tems,
Darin zeigt die Autorin erstmals, wie Ansätze­   standteil­ von Hochleistungsmagneten. Ihre      sondern auch der Beitrag, den präzisere
der feministischen Geschlechterforschung,        Verwendung für diesen Zweck lässt sich op-      Wetterprognosen zum „Bruttonationalglück“
die sich scheinbar ausschließen, doch in Be-     timieren und damit reduzieren. Das belegen      leisten – einer von Bhutan eingeführ­ten Be-
ziehung gesetzt werden können, um kons­          Com­pu­tersimulationen eines vom FWF un-        rechnungsmethode für die Bewertung des
truktive, gesellschaftsrelevante Kritik zu       terstützten SFBs. Die in den USA vorgestell-    immateriellen Lebens­standards der Bevöl-
üben.                                            ten Ergebnisse zeigen, dass es bei solchen      kerung.
» www.fwf.ac.at/de/public_relations/press/       Magneten lokale Verformungen im Kris­           » www.fwf.ac.at/de/public_relations/press/
pv201101-de.html                                 tallgitter des Materials geben kann. Diese­     pv201103-de.html

        04 » FWF info76
In die Ferne Ambivalenz als ständiger Begleiter " Interview: Dorothea Sturn " Die FTI-Strategie der Bundes-regierung " Portrait: Monika Oberer ...
Brief des Präsidenten

        » Wir werden alles daran setzen, dass die Overheadzahlungen
        möglichst bald auf die anderen Programme ausgedehnt werden. «
        Christoph Kratky, Präsident des FWF

        Erfreuliches und Bedenkliches
        » Vor Ihnen liegt das erste FWF-          von der Aufsichtsbehörde genehmigt             Förderungsgeschäft. Wir werden na-
        info dieses Jahres, und ich darf          und wurde vor Kurzem – wie vom FTFG            türlich alles daran setzen, dass die
        Ihnen ein paar durchaus erfreu-           gefordert – dem Parlament zugesandt.           Overheadzahlungen möglichst bald auf
liche Dinge zur Kenntnis bringen:                 Es wird sodann auch von der Website            die anderen Programme des FWF aus-
                                                  des FWF (unter Publikationen) zu Ihrer         gedehnt werden.
1. U
    nsere neue Geschäftsführerin ­Dorothea       geschätz­t en Einsichtnahme abrufbar
   Sturn – die Ihnen ja bereits im vorletz-       sein.                                        5. I m Februar 2011 wurde – nach langen
   ten Heft vorgestellt wurde – ist seit Jah-                                                      Geburtswehen – die FTI-Strategie der
   resbeginn im Amt, und hat sich mit En-       3. S ehr erfreut hat uns die Nationalstif-        Bundesregierung beschlossen und der
   ergie und Enthusiasmus in ihre neue              tung, die dem FWF für 2011 fast dop-           Öffentlichkeit präsentiert. Dies ist er-
   Aufgabe gestürzt. Ich bin überzeugt,             pelt so viel genehmigt hat wie von uns         freulich, da dieses Strategiepapier ein
   dass sie die auf sie zukommenden                 budgetiert, konkret 19,4 Mio. € gegen-         klares Bekenntnis zur Grundlagenfor-
   großen Anforderungen meis­t ern wird,            über geplanten 10 Mio. €.                      schung – inklusive Stärkung des FWF –
   und wir alle wünschen ihr Spaß bei ih-                                                          enthält. Natürlich warten wir voll Vor-
   rer neuen Tätigkeit.                         4. S
                                                    chon im letzten Heft haben wir ange-          freude auf die Umsetzung der ange-
                                                   kündigt, dass für neu genehmigte                kündigten Maßnahmen, über deren
2. I m Jahre 2009 – nach der großen Kri-          Einzel­p rojekte und PEEK-Projekte seit         Fris­tigkeit das Papier leider wenig aus-
    se – hat der FWF ein Fünf-Jahres-Bud-          Jahresbeginn wieder Overheads im                sagt. Ich gestatte mir, auf meinen Kom-
    get zugesichert bekommen, welches              Umfang­von 20 % der Projektkosten an            mentar auf Seite 21 hinzuweisen.
    jährlich gleichbleibende Zuwendungen           die Universitätsleitungen bezahlt wer-
    in der Höhe von 151,9 Mio. € vorsieht.         den. In der Kurato­r iumssitzung vom        Ich wünsche Ihnen wie immer viel Spaß
    Dies hat uns erstmals in die Lage ver-         7.– 9. März wurden nun die ersten Pro-      beim Lesen.
    setzt, eine faktenbasierte Mehrjahres-         jekte genehmigt, die in den Genuss
    planung durchzuführen, welche die              dieser Maßnahme kommen. So sehr             Ihr
    Basis­ unseres Mehrjahresprogramms             uns all dies freut, gibt es natürlich den
    2011–2015 bildet. Das Mehrjahrespro-           Wermutstropfen der Beschränkung auf
    gramm wurde nach Beschlussfassung              zwei Programme und die damit einher-
    durch den Aufsichtsrat kürzlich auch           gehende Sorge von Verzerrungen im

                                                                                                                  FWFinfo76» 05
In die Ferne Ambivalenz als ständiger Begleiter " Interview: Dorothea Sturn " Die FTI-Strategie der Bundes-regierung " Portrait: Monika Oberer ...
Thema » Erwin-Schrödinger-Auslandsstipendium

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06 » FWFinfo76
In die Ferne Ambivalenz als ständiger Begleiter " Interview: Dorothea Sturn " Die FTI-Strategie der Bundes-regierung " Portrait: Monika Oberer ...
Thema » Erwin-Schrödinger-Auslandsstipendium

In die Ferne …
... schweifen, denn das Gute liegt nicht immer nah! Forschungsaufenthalte im
Ausland sind für Wissenschafterinnen und Wissenschafter wichtige Horizont­
erweiterung und Karrierekick zugleich. Das Erwin-Schrödinger-­Stipendium hilft.
Text: Barbara Zimmermann, Falk Reckling

                                                           FWF info76» 07
In die Ferne Ambivalenz als ständiger Begleiter " Interview: Dorothea Sturn " Die FTI-Strategie der Bundes-regierung " Portrait: Monika Oberer ...
Thema » Erwin-Schrödinger-Auslandsstipendium

        » Die Geisteswissenschaften er-          Geisteswissenschaften bis vor einigen         Zum anderen liegt auch die Bewilligungs-
        reichen beim FWF seit Jahren mit         Jahren fast ausschließlich auf das Pro-       quote der Geisteswissenschaften unter
        13 bis 15% einen der höchsten            gramm „Einzelprojekte“ beschränkt, ha-        der anderer Disziplinengruppen und
relativen Budgetanteile und Bewilligungs-        ben sie in der jüngeren Vergangenheit         FWF-Programme (Qualität).
quoten im internationalen Vergleich von          auch bei den Großförderungen wie              Die Sozialwissenschaften schneiden im
Förderungsorganisationen. Waren die              Schwerpunkt-Programmen, Doktoratskol-         Vergleich zu anderen Programmen zwar
                                                 legs sowie START-Programm und Witt-           nicht unterdurchschnittlich ab, allerdings
                                                    genstein-Preis aufgeholt.                  kommen die meisten Anträge hier vor
                     » Das Schrödinger-Sti-            Das Erwin-­S chrödinger-Auslands­       allem aus den Wirtschaftswissenschaften,
                  pendium war die entschei-              stipendium, das vor allem jungen      dagegen gibt es kaum Anträge aus Diszi-
             dendste Zeit meines Lebens. Was               Postdocs einen ein- bis zweijäh-    plinen wie Soziologie, Politik- oder Erzie-
           ich in den Vereinigten Staaten gelernt           rigen Forschungsaufenthalt an      hungswissenschaft.
          habe, hat mich mein Leben lang beglei-             einer ausländischen Spitzen­
        tet (...) Ich habe einen Ratschlag an alle Sti-       institu­t ion und eine Rück­     Es scheint offenkundig für viele junge
       pendiatinnen und Stipendiaten: Man sollte sich         kehroption­ nach Österreich      Geistes- und Sozialwissenschafterinnen
      im Ausland von seiner Projektarbeit auch ablen-         ermöglicht, stellt allerdings    und -wissenschafter wenig attraktiv zu
      ken lassen. Mindestens ebenso wichtig wie das           eine Ausnahme dar, und das       sein, als Postdoc ein bis zwei Jahre an
       Projekt selbst sind die vielen anderen wissen-         in zweierlei Hinsicht: Zum       Spitzenins­t itutionen im Ausland zu ver-
         schaftlichen Eindrücke, die man gewinnen            einen ist die Zahl der Anträge    bringen. Und wenn sie dennoch Anträge
           kann. Das mag man nicht gleich realisie-         im Vergleich zu anderen Diszi-     stellen, so schneiden ­diese im Verhältnis
             ren, aber Jahre später profitiert man         plinengruppen und FWF-Pro-          zu anderen Disziplinengruppen in der in-
                   davon. « Alexander Somek             grammen in den Geisteswissen-          ternationalen Begutachtung unterdurch-
                                                      schaften sehr gering (Quantität).        schnittlich ab.

       » Verteilung der Erwin-Schrödinger-Auslandsstipendien 2001-2010

        Disziplinen                                Anträge               nicht bewilligt                 bewilligt          Bewilligungs-
                                          Anzahl        Anteil in %   Anzahl     Anteil in %    Anzahl        Anteil in %    ­quote in %
        Life Sciences                     584,9            52,2       267,8          57,5       317,2              48,5          54,2
        Naturwissenschaft/Technik         386,5            34,5       120,2          25,8       266,3              40,7          68,9
                                                                                                                                             © iStockphoto

        Geisteswissenschaften              59,1             5,3        33,8            7,2       25,4               3,9          42,9
        Sozialwissenschaften               89,5             8,0        44,3            9,5       45,2               6,9          50,5
        Gesamt                           1120,0          100,0        466,1        100,0        654,1            100,0           58,4

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                                                                                                      » Das Jahr in Harvard
Für die Ursachen gibt es bisher wenig em-       wissenschaftlichen Curriculums, der dann           war für mich ein Meilen-
pirische Erkenntnisse. Gleichwohl ­lassen       im Weiteren eine essenzielle Vorausset-         stein in meiner wissenschaftlichen
die Erfahrungen des FWF bei der Antrags-        zung für die Karriereentwicklung ist.         und persönlichen Entwicklung. Es lief
beratung oder bei Informationsveranstal-        Ist diese Vermutung richtig, dann be-       aber nicht alles so ganz glatt, und auch
tungen Vermutungen in eine konkrete             stehen für junge, talentierte Geistes­     dies war sehr wichtig für meine spätere Ent-
Richtung zu: Anders als in vielen Diszipli-     wissen­s chafterinnen und -wissen-        wicklung. So lernte ich, angesichts verschiede­
nen der Lebens-, Natur- und Wirtschafts-        schafter wenig institutionelle An-        ner unangenehmer Erfahrungen, meine vor-
wissenschaften gehört in den Geistes­           reize für einen längerfristigen Aus-      nehme Zurückhaltung aufzugeben und mir
wissenschaften und in einigen sozial­           landsaufenthalt. Eher im Gegenteil:        meine Rechte zu erstreiten (…) Alles in allem
wissenschaftlichen Disziplinen in Öster­        Eine Abwesenheit aufgrund eines             also sehr positive Erinnerungen, die sich
reich ein längerfristiger Forschungsauf-        Auslandsaufenthaltes kann dazu füh-           immer mehr vergolden, je älter ich
enthalt an einer ausländischen Spitzenins­      ren, dass man bei der nächsten Stellen-             werde! « Monika Fludernik
titution (spätestens als Postdoc) noch nicht    besetzung an einer österreichischen For-
zu den regelmäßigen Bestand­teilen eines        schungsstätte nicht berücksichtigt wird. »

» Ausgewählte Karrieren von Schrödinger-Stipendiatinnen und -Stipendiaten aus den
unterrepräsentierten Disziplinen der Geistes- und Sozialwissenschaften

Name                             Schrödinger-Stipendium                  Heutige Position
Rainer Bauböck                   University of Warwick                   Professor of Social and Political Theory, European University
                                                                         Institute, Florenz
Roland Faber                     Claremont Graduate School               Professor of Process Studies, Claremont School of Theology
Gerda Falkner                    University of Warwick                   Professorin für Politikwissenschaft, Universität Wien
Astrid Fellner                   University of Massachusetts             Professor of North American Literary and Cultural Studies,
                                                                         Universität des Saarlandes
Konstanze Fliedl                 Cambridge University                    Professorin für Literaturwissenschaften, Universität Wien
Monika Fludernik                 Harvard University                      Professorin für Anglistik, Universität Freiburg
Susanne Gillmayr-Bucher          Universität Tübingen                    Professorin für Katholische Theologie, RWTH Aachen
Herbert Gottweis                 Harvard University                      Professor für Politikwissenschaft, Universität Wien
Henriette Harich-Schwarzbauer    Universität Tübingen                    Professor für Lateinische Philologie, Universität Basel
Manfred Kienpointner             Universiteit van Amsterdam              Professor für Sprachwissenschaft, Universität Innsbruck
Mario Klarer                     Paul Getty Center                       Professor für Amerikastudien, Universität Innsbruck
Christopher Laferl               University of Texas                     Professor für Romanistik, Universität Salzburg
Eva Lavric                       Universidad Complutense de Madrid       Professorin für Romanistik, Universität Innsbruck
Hannes Leitgeb                   Bristol University                      Professor für Philosophie, LMU München
Gerlinde Mautner                 Lancaster University                    Professorin für Sprachwissenschaften, WU Wien
Peter Mörtenböck                 Royal Holloway University of London     Professor für Visual Culture, TU Wien
Wolfgang C. Müller               University of Oxford                    Professor für Politikwissenschaft, Universität Wien
Markus Peschl                    University of California at San Diego   Professor für Philosophie, Universität Wien
August Reinisch                  George Hopkins University               Professor für Völkerrecht und Europarecht, Universität Wien
Sieglinde Rosenberger            San Diego State University              Professorin für Politikwissenschaft, Universität Wien
Walter Scheidel                  University of Michigan                  Professor of Classics, Stanford University
Michael Schratz                  Berkeley University                     Professor für Pädagogik, Universität Innsbruck
Alexander Somek                  Harvard University                      Professor of Law, Iowa University
Eva Sturm                        New Museum of Contemporary Art          Professorin für Kunst - Vermittlung - Bildung, Universität Oldenburg
Patrick Werkner                  Bar College                             Professor für Kunstgeschichte, Universität für Angewandte Kunst, Wien
Martina Wiltschko                University of British Columbia          Professor of Linguistics, University of British Columbia

                                                                                                                      FWF info76» 09
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Thema » Erwin-Schrödinger-Auslandsstipendium

                                                                    » Wenn man als Forscher
                                                                 ins Ausland geht, sollte man
                                                             beachten, dass man am neuen Ort
                                                           auch sozial in die Gemeinschaft der For-
                                                         scher integriert ist. Dies kann man auf ver-
                                                      schiedenen Wegen erreichen:
                                                        Man hat bereits eine Arbeit in einem Top-Journal
                                                    publiziert. Dann wird man von Anfang an auch am
          » Der internationale Trend sowie         neuen Ort beachtet und kommt leichter mit den                  die das Programm für junge
          die Entwicklungen in Nachbardis-          lokal ansässigen Forschern ins Gespräch.                      Wissenschafterinnen und
          ziplinen wie den Sozialwissen-                Man hat schon vorher eine ziemlich konkrete               Wissenschafter  so attraktiv
schaften zeigen jedoch, dass sich dies zu              Zusammenarbeit mit einem der Forscher am                  machten,  sind folgende:
ändern beginnt. Eine wissenschaftliche                   neuen Ort.
Karriere, die ausschließ­lich in einem Land                  Man ist explizit in ein Doktorandenpro-           » Flexibilität: Ein Antrag für
– zumal in einem relativ kleinen – stattge-                    gramm i­ntegriert. « Ernst Fehr                ein Schrödinger-Auslandssti-
funden hat, wird es nur noch in Ausnah-                                                                     pendium kann jederzeit einge-
mefällen geben. Darüber hinaus eröffnet                                                                  reicht werden. Sobald zwei aussa-
ein Forschungsaufenthalt im Ausland ge-                                                              gekräftige Gutachten eingelangt sind,
rade für die Geisteswissenschaften ein        ten Leuten seines Faches zu lernen und            wird ein Antrag in der darauffolgenden
enormes Potenzial. Geisteswissenschaft-       mit ihnen zu kooperieren.                         Kuratoriumssitzung entschieden. In der
liche Disziplinen sind häufig sehr klein-     Aus diesen Gründen ermuntert der FWF              Regel dauert der Bearbeitungsprozess
teilig, d.h., dass der akademische Arbeits-   den wissenschaftlichen Nachwuchs sowie            vier Monate. Wurde eine positive Ent-
markt nur sehr begrenzt Stellen zur Ver-      dessen Betreuerinnen und Betreuer in              scheidung getroffen, steht der unmittel-
fügung stellt. Mit einem Auslandsaufent-      Öster­reich, verstärkt von Forschungsauf-         baren Abreise nichts mehr im Wege. Da-
halt können sich Geistes- und Sozial­         enthalten im Ausland Gebrauch zu ma-              mit kann im Durchschnitt vier Monate
wissen­schafterinnen und -wissenschafter      chen. Idealerweise sollte dies jeweils            nach der Einreichung des Antrags beim
genau diesen Arbeitsmarkt selbst erwei-       schon während des Studiums und des                FWF der Auslandsaufenthalt beginnen.
tern. Und letztlich ist es gerade für den     Doktorats, aber spätestens als Postdoc der        Die Flexibilität findet sich auch in der Pro-
wissenschaftlichen Nachwuchs essen­ziell,     Fall sein. Eine Möglichkeit dafür bietet          grammgestaltung: Ein Auslandsaufenthalt
am Anfang seiner Karriere von den bes­        das Erwin-Schrödinger-Auslandsstipendi-           kann für einen Zeitraum von 10 bis 24
                                              um. Hier hat der FWF in den letzten Jah-          ­Monaten beantragt und daran anschließend­
                                              ren nicht nur einige Flexibilisierungen            zudem die Rückkehr an eine ­österreichische
                 » ‚Schrödinger’ hat mir      eingeführt,     sondern   war  auch  immer  da-    Forschungsstätte (Dauer: 6-12 Monate) mit
              sicher den entscheidenden         rauf   bedacht,    die Bewilligungsraten   im    eingeplant werden.
           ‚Kick-Start’ für die weitere Lauf-     Vergleich      zu  anderen   Programmen        Für einen Schrödinger-Antrag steht die
        bahn gegeben. Bereits im Disserta­           sehr  hoch   zu halten.                     ganze Welt offen: Der FWF rät jedoch, für
      tionsstadium war ich ein Jahr in Groß-                                                     das eigene Forschungsvorhaben nicht nur
    britannien (University of Birmingham) und          Die Highlights des Schrödinger-           die inhaltlich passendste, sondern auch die
   so war es selbstverständlich, sich auch für          Programms Das Erwin-Schrödin-            international renommierteste Forschungs-
   die Arbeit an der Habilitation Impulse von           ger-Auslandsstipendium      konnte  in   stätte auszuwählen, zumal die Qualifikation
   außen zu holen. Nicht selbstverständlich             den  letzten  beiden  Jahren  mithilfe   der/des gastgebenden Forscherin/For-
     freilich war die Unterstützung durch das           einer Kofinanzierung   durch  die Ma-    schers und die Qualität der Gastinstitution
       Stipendium; dafür, dass es geklappt             rie-Curie-Aktion    „Cofinanzierung“      wesentliche Kriterien bei der internationa-
        hat, bin ich bis heute dankbar. «             der  EU  wesentliche   Verbesserungen      len Begutachtung des Antrages sind.
                                                                                                                                                 © iStockphoto

                    Gerlinde Mautner               erfahren. Es stellt sich nun als das Kar-
                                                 riereentwicklungsprogramm für junge             » Bewilligungschancen: Kein anderes Pro-
                                              Postdocs dar. Die wichtigsten Eckpunkte,           gramm des FWF hat eine so hohe Bewilli-

        10 » FWF info76
Thema » Erwin-Schrödinger-Auslandsstipendium

                              » Ich halte es für wichtig, For-
                           schungsergebnisse schon in einem
                       frühen Stadium zu diskutieren. Gerade in
                     Österreich herrscht(e) eine gewisse Scheu, sich
                  selbst und eigene Ansätze zu präsentieren. Amerika
                ist das beste Land, um diese Scheu zu überwinden.
               Denn in den USA wird Kritik auf eine freundliche, akzep-
             table, nicht verletzende Art gegeben. Sie ist konstruktiv und
           zeigt einem, wie man weiterarbeiten soll, statt einen als Trot-
           tel zu verdammen … Ich habe in den USA das Selbstbewusst-
           sein bekommen, das ich für meine weitere Karriere nötig hat-
            te. Ich lernte abzuschätzen, was ich konnte und was ich noch
              lernen musste. Was Ideen anbelangt, ist mir aufgefallen,
                dass Themen, die später in den Journals aufschienen, in
                 Stanford bereits drei Jahre zuvor diskutiert wurden.
                    In diesem Umfeld bekam ich einen guten Rie-
                       cher für relevante und zukunftsträchtige For-
                             schungsthemen. « Brigitte Unger

gungsquote wie das Erwin-Schrödinger-         für Besuche von Konferenzen bzw. wäh-         für die Geis­teswissenschaften nur erhöhen,
Programm. Da der hohe Impact eines            rend des laufenden Projektes (und bis zu      wenn sich die Antragszahl erhöht.
Auslands­aufenthaltes auf die Karriereent-    drei Jahre danach) Anträge für Pub­           Wir empfehlen gerade jüngeren Postdocs,
wicklung von jungen Wissenschafterinnen       likationskos­t en gestellt werden. Um Pro-    die sich mit dem Gedanken tragen, ihr ers­
und Wissenschaftern verifiziert werden        blemen im Zuge von Wechselkursschwan-         tes Einzelprojekt einzureichen oder Inte-
konnte, ist es dem FWF seit Jahren ein        kungen vorzubeugen, wird das Stipendi-        resse für ein anderes FWF-Programm
Anliegen, die Bewilligungsquoten hoch         um in der jeweiligen Landeswährung aus-       zeigen,­ zunächst das Erwin-Schrödinger-
zu halten: In den letzten Jahren lagen sie    bezahlt.                                      Auslandsstipendium als Einstieg in die
bei 45 bis 50%. (Die durchschnittlichen                                                     wissen­schaftliche Karriere zu nutzen.
Bewilligungsquoten aller ande­ren FWF-        Fazit: Kein anderes Postdoc-Programm in       Und schließlich appelliert der FWF auch
Programme liegen unter 30%).                  Österreich vereint all die obengenannten      an die Betreuerinnen und Betreuer sowie
                                              Vorteile. Aus Erfahrung weiß der FWF,         die Forschungsstätten, ihren Nachwuchs
» Förderung: Während des Auslandsauf-         dass junge Forscherinnen und Forscher –       zu einem Schritt ins Ausland zu ermuntern
enthaltes werden die Lebenshaltungskos­       und diese Erfahrung schließt auch die         und ggf. objektive oder subjektive Hürden
ten in Form eines Stipendiums ausbe-          Geis­t eswissenschaften ein – nach einem      abzubauen, die einen Wiedereinstieg an
zahlt. Jährlich werden diese Stipendien-      Auslandsaufenthalt durch die dadurch er-      einer österreichischen Forschungsstätte
sätze der Kaufkraft des jeweiligen Ziel-      worbene Qualifikation hohe Erfolgschan-       erschweren.
landes und dem Inflationsabgleich in          cen in anderen Förderungsprogrammen
­Ö sterreich angepasst (auch laufende Sti-    haben. Aber: die Chance­ auf eine Förde-      » Ein alter Witz: Mensch: „Lieber Gott,
 pendien). Weiters wird ein Reisekostenzu­    rung hat nur, wer auch einen Antrag stellt.   bitte lass mich im Lotto gewinnen!“
 schuss angeboten (auch für Kinder und        Und der FWF kann die Bewilligungsquote        Gott: „Lieber Mensch, kauf dir ein Los!“ «
 zur Betreuung mitreisender Partnerinnen
 und Partner). Eine jährliche Kinderpau-
 schale kann ebenso­ in Anspruch genom-
 men werden. Darüber hinaus refundiert
 der FWF für Neuanträge seit 1.8.2010 die                 » Beratung und Information: Ausführliche Informationen finden sich
 Kosten für eine freiwillige Pensionsversi-               unter www.fwf.ac.at/de/projects/schroedinger.html
 cherung. In der Rückkehr­phase steht ein                 Hintergründe und Erfahrungsberichte, aber auch ein Forum zum Erfah-
 Senior-Postdoc-Gehalt für die Anstellung          rungsaustausch mit ehemaligen/aktuellen/zukünftigen Schrödinger-Fellows
 an der österreichischen Forschungsstätte          bietet das Schrödinger-Portal unter www.schroedinger-portal.at
 und 10.000 € projektspezifische Mittel            » Kontakt: Barbara Zimmermann, Tel.: +43-1 505 67 40 – 8501
 p.a. zur Verfügung. Während des Aus-              E-Mail: barbara.­zimmermann@fwf.ac.at­
 landsaufenthalts können Zusatzanträge

                                                                                                              FWF info76» 11
Thema » Erwin-Schrödinger-Auslandsstipendium

        » In der Postdoc-Phase wird die weitere Karriere so richtig auf Schiene
        gestellt, warum sollte das nicht in Cambridge oder am MIT geschehen? «
        Herbert Gottweis, Vize-Präsident FWF, Schrödinger-Stipendiat am
        Center for European Studies, Harvard University, 1989/90.

        Tore zur Welt
          » Keine Frage: Ein Schrödinger-        gel und mit Recht als ein Qualitätsmerkmal       in der englischen Sprache als Begleiteffekt
          Stipendium öffnet im wahrsten          einer Bewerbung gesehen und bleibt für im-       mit sich bringt, die sonst nur sehr schwer zu
          Sinne des Wortes die Tore zur Welt.    mer Teil des CVs. Vielleicht spielt hier dann    erreichen ist. Dieser Aspekt ist insbesondere
Zunächst ermöglicht es einmal, an einer­ re-     auch der Mythos mancher ausländischer            in den Geistes- und Sozialwissenschaften
nommierten ausländischen Universität zu          Spitzenuniversitäten eine gewisse, nicht zu      von Wichtigkeit. Die Tendenz geht ja heute
forschen, entsprechende Erfahrungen zu           vernachlässigende Rolle. Aber die typische       auch in diesen Fächern immer mehr in Rich-
sammeln und wichtige internationale Kon-         Situation bei der Endauswahl etwa von Pro-       tung englischsprachige Publikationen. Aber
takte zu knüpfen, die oft karrierelang beste-    fessuren ist nun einmal die, dass die in die     anders als in den Naturwissenschaften, wo
hen bleiben. Es ist eines, zu internationalen    engere Auswahl kommenden drei oder vier          für das Publizieren und Vorträge oft ein for-
Tagungen zu fahren und Kolleginnen und           Bewerberinnen/Bewerber alle sehr gut und         melhaftes Englisch ausreicht, wird in den
Kollegen zu treffen, aber etwas anderes,         sehr ähnlich qualifiziert sind, womit der Aus-   Geistes- und Sozialwissen­schaften von den
über einen längeren Zeitraum hinweg als          landserfahrung an einer Exzellenzuniversität     Zeitschriften und Verlagen, aber auch bei

                                                                                                                                                  © FWF/Hans Schubert, iStockphoto, Starmühler
Postdoc Arbeitsbeziehungen aufzubauen.           entscheidende Bedeutung zukommen kann.           Vorträgen typischerweise ein durchaus an-
An einer exzellenten Universität lässt sich      Zudem ist zu bedenken, dass in einer Zeit, in    spruchsvolles, literarisches Englisch ver-
einmal unendlich viel lernen, von der For-       der fast jeder bessere Studierende in Europa     langt, das kaum ohne längere Auslandsauf-
schung bis zur Lehre und dem Präsenta­           ein ERASMUS-Semester oder Jahr im Aus-           enthalte im englischsprachigen Raum ent­
tionsstil bei Vorträgen. Auch prägt es, eine     land verbracht hat, das Auslandssemester als     wickel­bar ist.
Zeit lang im Ausland gelebt zu haben. In der     solches nicht mehr den unterscheidenden          Ein Schrödinger-Stipendium kann also eine
Postdoc-Phase wird ja die weitere Karriere       Wert hat, den es einmal hatte. Hingegen blei-    Vielzahl von großen Vorteilen mit sich brin-
so richtig auf die Schiene gestellt, warum       ben Auslandsjahre im englischsprachigen          gen. Es ist aus meiner Sicht ein zentraler
sollte das nicht in Cambridge oder am MIT        Ausland nach wie vor eine Qualifikation, die     Grundstein für eine wissenschaftliche
geschehen?                                       nicht viele potenzielle Mitbewerber im           Karrie­re in den Sozial- und Geisteswissen-
Ist einmal eine renommierte internationale       Karriere­wettbewerb erreicht haben. Diesem       schaften. «
Forschungsstätte als Gastgeber-Institution       Aspekt kommt vor dem Hintergrund der rela-
gewonnen und hat man dort geforscht, so          tiv geringen Antragsdichte bei Schrödin-
stellt diese Postdoc-Zeit ein karrierelang       ger-Stipendien in den Sozial- und
währendes CV-Asset dar, das immer wieder         Geisteswissenschaften besondere
in den unterschiedlichsten Kontexten eine        Bedeutung zu.
Rolle spielen kann und wird. Ganz egal, ob       Last but not least sollte be-
es nun um ein weiteres Stipendium geht,          dacht werden, dass ein oder
­einen Forschungsantrag, eine Professur oder     zwei Jahre in einem englisch-
 eine Gastprofessur: Ein Jahr in Harvard,        sprachigen Land (wo die
 ­Oxford oder Sydney verbracht zu haben,         meis­ten Top-Universitäten be-
  schaut einfach sehr gut aus, wird in der Re-   heimatet sind) meist jene fluency­

        12 » FWF info76
Fokus » Bewilligungen

                                              Das Jahr 2010 war geprägt von wechselnden Stimmungslagen. Erstmals
                                              wurde mit 2.037 entschiedenen Anträgen die 2.000er-Marke geknackt,
                                              mit 691 Neubewilligungen bzw. einem Gesamtbewilligungsvolumen von
                                              171,8 Mio. € ließ der FWF die Spuren des Krisenjahres 2009 hinter sich,
                                              das Rekordbewilligungsvolumen aus 2008 ist in greifbare Nähe gerückt.
                                              Text: Marc Seumenicht

       Ambivalenz als ständiger Begleiter
        » Mit 3.405 in der Wissenschaft       2010: Mit 24,6 % ist eine nach wie vor        den. Im Jahr 2010 gab es mit 171,8 Mio. €
        tätigen, vom FWF finanzierten         geringe und zum Vorjahr nahezu unver-         zwar die zweithöchste Gesamtbewilli-
        Personen wurde ein neuer Spit-        änderte Bewilligungsquote zu dokumen-         gungssumme in der Geschichte des FWF,
zenwert erreicht. Auf der anderen Seite       tieren. Somit müssen drei von vier bean-      diesem Wert stand allerdings das mit
steht mit 24,6 % eine nach wie vor ge-        tragten Euros abgelehnt werden.               Abstand­ höchste zu entscheiden­d e An-
ringe Bewilligungsquote (nach Summe),                                                       tragsvolumen seit Bestehen des Wissen-
die 2008er-Quote (31,9 %) liegt in weiter     Auf der Payroll Es lässt sich zeigen, dass    schaftsfonds gegenüber. So war es auch
Ferne. Und das bis 2013 fixierte Budget       die Stärkung der Investitionsmöglichkeiten    2010 erforderlich, Maßnahmen auf Pro-
lässt keinen Spielraum, um auf die dyna-      des FWF gleichbedeutend ist mit einer         grammebene vorzunehmen. Die Priori­
mische Nachfrage adäquat reagieren            Vermehrung der Anstellungsmöglichkeit         tätensetzung der Entscheidungsgremien
zu können.                                    insbesondere junger Wissenschafterinnen       des FWF lautete: Stärkung der Einzelpro-
Im Jahr 2010 wurden insgesamt 2.037 An-       und Wissenschafter am Beginn oder in ei-      jekte als Kern und Rückgrat der FWF-In-
träge auf Förderung von wissenschaft-         ner frühen Phase ihrer Karriereentwick-       vestitionstätigkeit sowie keine Kürzungen
lichen Projekten im FWF-Kuratorium be-        lung. Zum Stichtag 31. Dezember 2010          bei Programmen, die unmittelbar auf den
handelt. Bei den Schwerpunkt-Program-         hatte der FWF mehr als 3.400 in der Wis-      Ausbau der Humanressourcen abzielen.
men bzw. den Doktoratskollegs langten 40      senschaft tätige Personen auf seiner „Pay-
Konzeptanträge ein. Das Antragsvolumen        roll“ stehen. Dieser Wert hat sich seit dem   Frauenanteil Ausgeglichen fällt die Ana-
im Jahr 2010 übertraf mit rund 587 Mio. €     Jahr 2000 in etwa verdoppelt. Eine Analy-     lyse aus, wenn man das Jahr 2010 aus
bei den entschiedenen Anträgen den            se in Bezug auf die Verwendung der Mittel     „Gender-Mainstreaming“-Sicht betrach-
letztjäh­r igen Rekordwert um mehr als        ergibt, dass mit 78,4 % ein überwiegender     tet. Mit 32,3 % Bewilligungsquote (nach
100 Mio. €. Zieht man einen historischen      Teil direkt für Personalkosten – also die     Anzahl) konnten Wissenschafterinnen das
Vergleich zum Jahr 2000, so hat sich die      Anstellung junger Wissenschafterinnen         sehr erfreuliche, hohe Niveau von 2009
Anzahl der entschiedenen Projekte seit da-    und Wissenschafter – eingesetzt wird. Erst    (34,7 %) zwar nicht halten; erfreulich ist
mals verdoppelt. Auf der Bewilligungsseite­   im einstelligen Prozentbereich findet man     jedoch, dass sie damit gleichauf mit ihren
jedoch sank die Bewilligungsquote (nach       die weiteren „Kostenblöcke“, wie die pro-     Kollegen liegen. Bei der Bewilligungsquo­
Anzahl) von über 50 % auf rund 32 %.          jektspezifischen Materialkosten mit 8,4 %,    te nach Summe liegen Frauen (25,5 %)
                                              die „Sonstigen Kosten“ – etwa für Daten-      über einen Prozentpunkt vor ihren Kolle-
Positiv hervorzuheben ist die im Vergleich    beschaffung, Workshops, C-14-Analysen         gen (24,3 %). Wie gut diese Werte sind,
zum Vorjahr stark gestiegene Gesamtbe-        etc. – mit rund 7,3 %, die Reisekosten mit    lässt sich insbesondere dann zeigen,
willigungssumme, die mit 171,8 Mio. €         2,4 %, die Gerätekosten mit 1,5 % sowie       wenn man sich die bis zu zweistelligen
nur 4,3 Mio. € unter dem Rekordwert aus       die Werkverträge mit 1,2 %.                   Prozentdifferenzen der Vergangenheit in
dem Jahr 2008 liegt. Auch hier schwingt                                                     Erinnerung ruft.
Ambivalenz mit, denn der Anstieg der Be-      Fokussierung erforderlich Im Krisenjahr
willigungssumme geht einher mit einem         2009 mussten aufgrund der budgetären          Bei einer Betrachtung der einzelnen An-
noch massiveren Anstieg des Antragsvo-        Rahmenbedingungen Fokussierungen auf          gebote zeigt sich bei den internationalen
lumens. Die Konsequenz für das Jahr           bestimmte Programme vorgenommen wer-          Programmen bzw. bei der internationa- »

                                                                                                              FWF info76» 13
FOKUS » Bewilligungen

        » len Mobilität ein besonders er-   ers­t en Dekade an einer Hand abzählen         45 %. Auch diese Beobachtung zeigt,
        freuliches Bild. Bei den im Jahr    konnte, darf dies durchaus als erfolg-         dass der FWF sein Ziel, den wissenschaft-
        2010 sowohl in puncto Anträgen,     reicher Meilenstein bezeichnet werden.         lichen Nachwuchs zu fördern, in ein-
Bewilligungen als auch Bewilligungsrate     Dass in Sachen Gender-Mainstreaming            drucksvoller Weise erreicht. Öffentliche
(jeweils nach Anzahl) stark gestiegenen     weitere Anstrengungen unternommen              Mittel, die der Wissenschaftsfonds inves­
internationalen Programmen liegen Wis-      werden müssen, zeigt sich unter anderem        tiert, leisten einen wesentlichen Beitrag
senschafterinnen mit einer Bewilligungs-    an der Geschlechterzusammensetzung             dazu, das Humankapital in Österreich auf-
quote von 47,1 % klar vor ihren Kollegen    der projektantragstellenden Personen:          und auszubauen. Das Programmspektrum
(38,2 %). Im Incoming-Programm Meit-        Nach wie vor werden nur rund 30 % der          des FWF entspricht zu 100 % dem Ziel,
ner (40,7 %) sowie im Outgoing-Pro-         Anträge von Wissenschafterinnen ge-            das Forschungspotenzial des Landes in
gramm Schrödinger (45,2 %) sind die Be-     stellt, ein Anteil, der keinesfalls stagnie-   qualitativer und quantitativer Hinsicht
willigungsquoten von Frauen ähnlich er-     ren sollte.                                    auszuweiten. Der Wissenschaftsfonds
freulich.                                                                                  setzt das Prinzip „Ausbildung durch For-
                                            Altersstruktur Analysiert man die alters-      schung“ konsequent um.
Besonders hervorzuheben ist im Jahr         mäßige Zusammensetzung der Mitarbei-
2010 das START-Programm für junge           terinnen und Mitarbeiter in FWF-finan-         Internationale Begutachtung Die inter-
Spitzenforscherinnen und Spitzenfor-        zierten Forschungsvorhaben, so fällt auf,      nationale Begutachtung der Projektanträ-
scher. Erstmals seit Bestehen des Pro-      dass diese Struktur beachtlich konstant        ge ist das Herzstück der Qualitätssiche-
gramms (1996) konnte bei den Bewilli-       und jung bleibt. Die „stärksten“ Alters-       rung „Marke FWF“. Wie international üb-
gungen von sechs START-Projekten eine       stufen bei Graduierten und Postdocs sind       lich, arbeiten die Gutachterinnen und
Geschlechterparität erzielt werden, eine    die 26- bis 30-Jährigen. Der Anteil von        Gutachter für den Wissenschaftsfonds un-
vom FWF durch verschiedene Struktur-        Frauen, die in FWF-Projekten (gesamt:          entgeltlich. Im Jahr 2010 kamen von ins-
maßnahmen eingeleitete, positive Ent-       3.405, davon 1.539 Frauen, 1.866 Män-          gesamt 4.606 Gutachten mit rund 36 %
wicklung. Zieht man in Betracht, dass       ner) beschäftigt sind, erhöht sich weiter-     die meisten aus Nordamerika, gefolgt von
man die START-Projektleiterinnen der        hin kontinuierlich und liegt bereits bei       der EU (ohne Deutschland/Schweiz) mit

» Bewilligungen nach Wissenschaftsdisziplinen (Gesamtbetrachtung aller FWF-Programme)

2010                                                                  2005–2009

Geistes- und Sozial-                                               Geistes- und Sozial-
wissenschaften                                     Life Sciences   wissenschaften                                       Life Sciences
33,6 Mio. €                                         69,8 Mio. €    30,1 Mio. €                                           57,1 Mio. €
19,6 %                                                   40,7 %    19,8 %                                                     37,6 %
                                                                                                                                        © Starmühler

Naturwissenschaft                                                  Naturwissenschaft
und Technik                                                        und Technik
68,3 Mio. €                                                        64,9 Mio. €
39,8 %                                                             42,7 %

        14 » FWFinfo76
             FWF info75
Fokus » Bewilligungen

rund 33 % sowie dem deutschsprachigen                   Wissenschaftsdisziplinen Der FWF be-                       nische Wissenschaften;
Raum (Deutschland/Schweiz) mit rund                     handelt alle Forscherinnen und Forscher                   »G
                                                                                                                    eistes- und Sozialwissenschaften.
19,5 %. Die insgesamt 57 Nationen, aus                  nach den gleichen Grundsätzen ohne Be-
welchen die FWF-Gutachten stammen,                      vorzugung oder Benachteiligung einzel-                    Für das Berichtsjahr 2010 stellt sich die
zeugen von einer besonders starken in-                  ner Wissenschaftsdisziplinen. Jedes Jahr                  Situation, bezogen auf die Gesamtbewilli-
ternationalen Dynamik im „Begutach-                     wird der Wettbewerb um die Vergabebud-                    gungssumme von 171,8 Mio. €, in Pro-
tungsgeschäft“. Der Wissenschaftsfonds                  gets des FWF gleichsam neu eröffnet.                      zenten wie folgt dar:
musste für diese 4.606 Gutachten 13.549                 Nichtsdestoweniger zeigen sich auf hö-                    »L ife Sciences 40,7 %
Anfragen stellen. Diese Relation ist inter-             her aggregierter Ebene die Strukturen                     »N aturwissenschaft und Technik 39,8 %
national gesehen sehr gut. Allerdings be-               über die Jahre hinweg vergleichsweise                     »G
                                                                                                                    eistes- und Sozialwissenschaften 19,6 %
darf es zunehmend größerer Anstrengung                  stabil. Grob gesprochen kann man drei
durch das FWF-Sekretariat, diesen guten                 Bereiche beschreiben:                                     Die Zuteilung der bewilligten Projekte zu
Wert zu halten.                                         » Life Sciences, bestehend aus Humanme-                  den einzelnen Wissenschaftsdisziplinen
                                                           dizin, Veterinärmedizin und Biologie;                  erfolgt dabei bereits in der Phase der
Bearbeitungsdauer Die Bearbeitungs-                     » N aturwissenschaft und Technik, beste-                 Antragstellung durch die jeweilige Pro-
dauer konnte im Jahr 2010 konstant auf                     hend aus Naturwissenschaften (ohne                     jektleiterin bzw. den jeweiligen Projekt-
internationalem Spitzenniveau gehalten                     Biologie), Land- und Forstwirtschaft                   leiter nach der Systematik der Statistik
werden. Im Durchschnitt vergingen bei                      (ohne Veterinärmedizin) sowie tech-                    Austria. «
FWF-Programmen mit laufender Ein-
reichfrist zwischen Einreichung und Ent-
scheidung durch das FWF-Kuratorium                                   » Eine detaillierte Darstellung der Aktivitäten des FWF im Jahr 2010 findet
4,4 Monate. Im Bereich der Mobilitäts-                               sich im soeben erschienenen Jahresbericht, frei zu beziehen über office@
programme lag die durchschnittliche Be-                              fwf.ac.at bzw. online nachzulesen unter
arbeitungsdauer sogar knapp unter                               www.fwf.ac.at/de/public_relations/publikationen/fwf-jahresberichte.html
4 M­o naten.

» Prozentanteil der Gutachten nach Regionen 1992–2010

70 %                                                                                                                                             USA/Kanada

60 %                                                                                                                                             restl. EU

50 %                                                                                                                                             Deutschland/
                                                                                                                                                 Schweiz

40 %                                                                                                                                             restl. Welt

                                                                                                                                                 Österreich
30 %

20 %

10 %

0%
       1992

              1993

                     1994

                            1995

                                   1996

                                          1997

                                                 1998

                                                         1999

                                                                 2000

                                                                        2001

                                                                               2002

                                                                                      2003

                                                                                             2004

                                                                                                    2005

                                                                                                           2006

                                                                                                                   2007

                                                                                                                            2008

                                                                                                                                   2009

                                                                                                                                          2010

                                                                                                                                          FWF info76» 15
Fokus » Interview: Dorothea Sturn

                                             FWF-Geschäftsführerin Dorothea Sturn im Interview mit info-Chefredakteur
                                             Stefan Bernhardt: über ihr Bild des FWF, sein Verhältnis zu den Univer­si­
                                             täten und dem BMWF sowie über ihre persönliche Führungsphilosophie.

       ­Der Sache verpflichtet
       » Stefan Bernhardt Akronyme           auch eine kurze Zeit als Prädoc Mitarbei-    » Bernhardt Und die Innensicht?
       können es ja ganz schön in sich       terin eines FWF-Projekts.
       haben: Ab wann war für Dorothea                                                    » Sturn Obsessionen habe ich bislang
Sturn klar, dass „FWF“ nicht für „Freie      » Bernhardt Welche der landläufig anzu-      keine aufgespürt, aber richtig ist, dass
Wähler Frankfurt“ steht?                     treffenden Zuschreibungen aus der Au-        der FWF als Institution – und das sind
                                             ßensicht auf den FWF haben sich denn         alle­ Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
» Dorothea Sturn „Freie Wähler Frank-        nach rund 100 Tagen im Amt als gehalt-       des Sekretariats genauso wie die Refe-
furt“? Auch nicht schlecht! Ich denke, das   voll, welche als wenig zutreffend heraus-    rentinnen und Referenten im FWF-Kura-
war kurz nachdem ich von der Universität     gestellt?                                    torium – davon überzeugt ist, mit Konse-
Bremen an die Karl-Franzens-Universität                                                   quenz und Beharrlichkeit das Richtige zu
nach Graz gekommen bin. Das muss 1988        » Sturn Der FWF kann auf seinen ausge-       tun. Ich habe bisher noch in keiner Orga-
oder 1989 gewesen sein. Auf der Uni ken-     zeichneten Ruf vertrauen, was nicht heißt,   nisation gearbeitet, in der ein derart aus-
nen alle Leute den FWF, den „Fonds“, wie     dass er sich darauf ausruhen sollte. Er      geprägter „Spirit“ spürbar ist, gemein-
er meist genannt wird, und ich war selbst    wird als fair, unbestechlich und zu 100 %    sam für die Wissenschaft in Österreich

                               » Ich habe bisher noch in keiner Organisation gearbeitet,
                               in der ein derart ausgeprägter ‚Spirit’ spürbar ist,
                               gemeinsam für die Wissenschaft in Österreich zu
                               arbeiten. « Dorothea Sturn
                                                                                                                                        © FWF/Hans Schubert, FWF/Marc Seumenicht

                                             der Sache verpflichtet wahrgenommen –        zu arbeiten: durchaus konsensual, aber
                                             diese seine Reputation ist ein unglaublich   auch kritisch, lebendig und innovativ.
                                               wertvolles Gut. So habe auch ich den       Ich erlebe den FWF als intelligente Insti-
                                                 FWF stets von außen wahrgenommen.        tution mit hoher Bereitschaft, an sich zu
                                                   Seine kompromisslose Haltung in        arbeiten. Die Frage „Was können wir
                                                    Sachen Qualität ist legendär in der   besser machen?“ ist meinem Eindruck
                                                    Wissenschaft und in der wissen-       nach gelebte Grundhaltung der FWF-Be-
                                                    schaftspolitischen Arena. Manche      legschaft. Das erklärt möglicherweise
                                                   Leute unterstellen­ ihm sogar leicht   auch die extrem geringe Fluktuation und
                                             obsessive Züge, wenn es um die Identifi-     macht die Arbeit im FWF sehr ange-
                                             zierung wissenschaftlicher Qualität geht.    nehm.

       16 » FWFinfo76
Fokus » Interview: Dorothea Sturn

» Bernhardt Rund 85 Prozent der FWF-           die Forschungsschwerpunkte, vor allem          zelnen Euro immer wieder die Frage stel-
Mittel gehen an die Universitäten in           aber die Overheads, die ja den Universi-       len, ob er zunächst an den FWF oder doch
Öster­reich. Sie sind deshalb in jeder Hin-    täten unmittelbar zugute kommen, können­       gleich direkt an die Universitäten gehen
sicht für den FWF relevant. Wie sollten        im Einklang mit institutionellen Strate­gien   soll. Dies­ schafft eine wenig fruchtbare
die Universitäten den FWF wahrnehmen           der Universitäten eine große Wirkung er-       Konkurrenzsituation, beide haben diesen
und nützen?                                    zielen.                                        einen Euro bitter nötig. Aber der Druck in
                                                                                              Richtung Drittmitteleinwerbung wird wei-
» Sturn Ich war als leitende Qualitäts­        » Bernhardt Das Bundesministerium für          ter zunehmen, keine Frage, und darauf
managerin an der Universität Wien immer        Wissenschaft und Forschung stellt den          muss der Wissenschaftsfonds adäquat
der Meinung, dass jede Universität             größten Teil jener öffentlichen Mittel zur     rea­gieren können.                       »
schlecht beraten wäre, die FWF-Signale in      Verfügung, die der Wissenschaftsfonds in
Richtung Forschungsqualität zu ignorie-        Öster­reichs Grundlagenforschung inves­
ren. Die Universitäten können vom FWF          tiert. Wie sollen sich die Kommunikations­
in dreifacher Weise profitieren: Sie erhal-    prozesse mit dem BMWF gestalten?
ten Projektgelder direkt für ihre for-
schungsaktivsten Gruppen. Sie erhalten         » Sturn Das BMWF erwartet sich zu Recht
eine Fülle an Qualitätssignalen, die man       mit dem FWF einen verlässlichen Partner
strukturell in strategische Fragestellun­gen   zu haben, um Top-Forschung in Österreich­
einfließen lassen kann. Und schließlich        projektbasiert zu ermöglichen.­ Die Rolle
werden künftig Overheadzahlungen für           des FWF sehe ich vor allem darin, mit
FWF-Einzelprojekte und PEEK-Projekte           Professionalität und hohem Sachverstand
wieder helfen, forschungsrelevante Struk-      die zuvor erwähnten Qualitätssig­n ale
turen zu stärken. Umgekehrt sind Univer-       nicht nur den Universitä­t en, sondern
sitäten heute keineswegs mehr eine mehr        auch Wissenschaftsministerin Beatrix­
oder weniger zufällige Ansammlung mehr         Karl und ihrem­ Haus zur Verfügung zu
oder weniger guter Wissenschafterinnen         stellen. Ich sehe ein künftiges Hochschul­
und Wissenschafter, sondern Instituti-         finanzierungssys­t em auf drei Säulen ge-
onen, die Strate­g ien entwickeln, planen      baut: erstens eine Studien­p latz­f inan­
und Profile bilden.­ Das bedeutet, dass die    zierung und -bewirtschaftung, zweitens
Universitäten nach neuen Logiken zu            eine Grundfinanzierung insbesondere für
funktionieren­ beginnen. Und der FWF ist       die Profilbildung und drittens eine kom-
gefordert, diese­ neuen Logiken zu verste-     petitive Vergabe von Forschungsmitteln.
hen, um sicher­zustellen, dass FWF-Mittel      Hier kommt dem FWF eine essenzielle
an den Universitäten eine bestmögliche         Bedeutung zu. Aber der FWF und die
Wirkung entfalten. Neue oder modifizierte      Universitäten haben korres­p on­d ie­r ende
Instrumente wie die Doktoratskollegs oder      Budgets, und da wird sich bei jedem ein-

                                                                                                                FWFinfo76» 17
Fokus » Interview: Dorothea Sturn

       » Bernhardt Der Druck in Rich-      mal IST Austria, ich mag heute noch gar        re in mehrfacher Hinsicht ein fataler Rück-
       tung Drittmitteleinwerbung ist ja   nicht an die Herausforderung denken, die       schritt. Auf ein solches Szenario nur mit
       insgesamt spürbar.                  da im Vollausbau auf uns zukommt.              geringe­ren Bewilligungsquoten reagieren
                                                                                          zu können, wäre – gelinde gesagt – subop-
» Sturn Ohne Zweifel. Die Universitäten    » Bernhardt Wie soll sich der FWF ange-        timal.
müssen aktiver werden, und sie werden      sichts dessen in seiner Rolle als zentraler
auch aktiver. Hier macht sich auch ein     Förderer der Grundlagenforschung wei-          » Bernhardt Was sollte der FWF konkret
Generationenwechsel hin zu einem deut-     terentwickeln?                                 machen?
lich höheren Engagement in der For-
schung bemerkbar. Das heißt, der FWF       » Sturn Die Ausgangssituation für den          » Sturn Das Beste wäre natürlich die Ein-
bekommt nicht nur mehr, sondern auch       FWF ist nicht ganz einfach. Einerseits ist     werbung zusätzlicher Mittel, doch da gibt
bessere Anträge. Und dazu kommt, dass      seine mittelfristige Perspektive ein erheb-    es bei allem Bemühen nur beschränkte
es neue Gruppen von Antragstellerinnen     liches Stück von expansiven Szenarien ent-     Möglichkeiten. Dann bleibt zweierlei zu
und Antragstellern gibt. Nehmen wir nur    fernt: Wir können und müssen gegenwär-         tun: Erstens müssen wir überprüfen, wie

                              » Es macht sich auch ein Generationenwechsel hin zu
                              einem deutlich höheren Engagement in der Forschung
                              bemerkbar. Das heißt, der FWF bekommt nicht nur mehr,
                              sondern auch bessere Anträge. « Dorothea Sturn

                                           tig in unseren Planungen darauf achten,        wir unser gegenwärtiges Programmange-
                                           das Allerdringlichste bedienen zu können,      bot „streamlinen“ können, statt es weiter
                                           ohne allzu große Verluste auf den hei-         auszudifferenzieren – auch wenn das spe-
                                           mischen Landkarten guter Wissen­schaft in      ziellen Interessen zuwider laufen sollte.
                                           Kauf zu nehmen. Andererseits wird der zu-      Zweitens gilt es, unser Rückgrat – und
                                           vor erwähnte Druck auf den FWF durch al-       das sind ohne Zweifel einige wenige Pro-
                                           le Ins­titutionen, die in diesem Land Grund-   gramme, allen voran die Einzelprojekte –
                                           lagenforschung betreiben, massiv­ zuneh-       so robust aufzustellen, dass allenfalls
                                           men. Dieser Spagat wird insbesondere           neue Initiativen stets komplementär und
                                                                                                                                        © FWF/Hans Schubert

                                           durch das Faktum prekär, dass Forschung        nicht substitutiv Wirkung entfalten.
                                           in Österreich heute in mehreren Bereichen
                                           nach langer Pause wieder international         » Bernhardt Der FWF ist ja nicht nur ein
                                           sichtbar geworden ist. Sie dort wieder von     nationaler, sondern auch ein internatio-
                                           der Bildfläche verschwinden zu lassen, wä-     naler Player und fördert entsprechende

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