JAGD in Bayern - Bayerischer ...
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Carbon
R8 Ultimate –
Handmade in Germany
Abgabe von Waffen und Munition nur an Inhaber einer Erwerbserlaubnis.
Abbildung zeigt Waffe mit Zusatzausstattung. © 2021JAGD
Angesprochen
Liebe Jägerinnen und Jäger,
ich habe, wie fast jeder, bei mir zu Hause einen Futterplatz
für Vögel, an dem ich im Winter füttere und den gefieder-
ten Freunden so durch die dunkle Jahreszeit helfe. Doch
ist in den kalten Monaten nicht nur für Vögel die Nahrung
knapp. Auch unser heimisches Wild braucht teilweise im
Winter von uns zur Verfügung gestellte Äsung zum Über-
leben. Und damit ist natürlich nicht eine Fütterung in sol-
chem Ausmaß gemeint, dass unser Wild feister aus dem
Winter kommt, als es vorher war. Vielmehr geht es um
unsere ethische Verpflichtung als Jägerinnen und Jäger im
Sinne der Hege.
Für mich kommt es – nicht nur bei diesem konfliktreichen
Unser Wild findet im Winter immer weniger Rückzugsmög- Thema – vor allem darauf an, dass nicht pauschalisiert,
lichkeiten, denn viele Wintereinstände sind durch unsere sondern vernünftig und sachlich für jeden Einzelfall ab-
Infrastruktur und Siedlungsgebiete nicht mehr erreichbar. gewogen wird. Ist eine Fütterung notwendig und sinnvoll?
Zudem steigt mit zunehmender Zahl an Erholungssuchen- Am Beispiel der Winterfütterung in Ruhpolding lässt sich
den der Druck auf das Wild. Auch wir Jägerinnen und Jä- eindeutig feststellen, dass das Auslassen von Fütterungen
ger sollten überlegen, wie viel Jagddruck wir im Winter auf schwerwiegende Folgen haben kann. Es wäre natürlich
unser Wild ausüben. Als Konsequenz dieser zunehmenden einfach, alles in schwarz und weiß einzuteilen, doch sollte
Beunruhigung ist das Wild nicht in der Lage, seinen Kreis- unsere Sichtweise nicht deutlich differenzierter sein? Mein
lauf herunterzufahren und in den Wintermodus umzu- Anspruch ist es, dass nach Möglichkeit alle Interessengrup-
schalten. Dies hat zur Folge, dass sich der Energie- und da- pen berücksichtigt werden, natürlich auch ihren Teil leisten
mit Äsungsbedarf stark erhöht. Dass neben dem Wild auch und somit an einem Strang gezogen wird. Dabei gilt es, alle
der Wald Leidtragender ist, liegt nahe. Denn wo soll das Mittel im Umgang mit unserem Wild auszuschöpfen, wo-
aufgescheuchte Wild seinen durch den Menschen künst- mit sicherlich nicht eine reine Erhöhung der Abschusspläne
lich erhöhten Hunger stillen? Und wenn gar keine Äsung gemeint ist!
vorhanden bzw. zu erreichen ist, lassen wir das Wild einfach
verhungern? Mit meinem Verständnis von Waidgerechtig- In diesem Sinn, Waidmannsheil,
keit hat das wenig zu tun.
Wildfütterungen können für diese Probleme eine probate
Lösung sein. Damit sie ein Erfolg für das Wild und auch den
Wald werden, bedarf es geeigneter, umfassender Konzep-
te. Diese Ausgabe der „JAGD in Bayern“ dreht sich rund um Carl Baucks
dieses Thema. Referent für Aus- und Weiterbildung
Der Bayerische Jagdverband – anerkannter Naturschutzverband
1-2022 JAGD
in Bayern
3Fotos: S. 16: Bernhard/stock.adobe.com ; S. 26: R. Bernhardt; S. 40: J. C. Salvadores/stock.adobe.com;
S. 46: Menno Schaefer/stock.adobe.com; S. 48: S. Schlicht, Titel: Ilja/stock.adobe.com
16
Revierpraxis Wildbiologie
Rehwild-Fütterkonzept | 8 Schalenwild im Winter | 12
Verbiss vermindern Füttern oder nicht
Füttern am Berg | 20 Fütterungshygiene | 16
Heu fürs Rotwild Das Wild ist, was es isst
Tückische Viren | 40
Folgen der Wintergatterauflösung | 22
Wie die Karnickel?
Nachteilig für Wild und Region
Kommentar | 24
Waidgerechter Umgang gefordert Naturschutz
Vögel füttern | 28 Rebhuhnprojekt in Oberfranken | 38
Sängern helfen Rettung in Sicht
25 40
4 JAGD
in Bayern
1-2022JAGD
Inhalt
Jagdkultur 46
BJV-Symposium | 32
Erbe der Menschheit
Traditionelles Handwerk | 48
Hirschlederne
Aktaion | 52
Vom Jäger zum Gejagten
Jagdgeschichte
150 Jahre Jägervereinigung Augsburg | 30
Es begann in Rommelsried
Jagdpraxis
Recht Falkner Wolfgang Schreyer | 44
Auf Stadtkaninchen
Fütterung von Schalenwild | 25
Nur in Ausnahmen? Fuchsjagd in der Ranz | 46
Reineke auf Freiersfüßen
Landwirtschaft
KULAP | 35 Rubriken
Vielfalt fördern
Angesprochen | 3
Interview | 36
Rehkitze gerettet Abgedrückt | 6
BJV Intern | Heftmitte
48
BJV-Frischlinge | 54
Wildrezept | 57
Branchennews und Kleinanzeigen | 59
Impressum | 62
Jagd-Kolumne | 66
1-2022 JAGD
in Bayern
5ABGEDRÜCKT
im Januar
Wecker
Winter sonne
Diesen Hasen scheinen die
wärmenden Strahlen in seiner
eingeschneiten Sasse geweckt
zu haben. Noch etwas müde hebt
er zumindest schon einmal die
Löffel aus seinem Ruhelager.
6 JAGD
in Bayern
1-2022REVIERPRAXIS
pt
Rehwild-Fütterkonze
In einem Allgäuer Voralpenrevier
Verbiss
wurde das Fütterungskonzept umgestellt
und an die tatsächlichen Bedürfnisse
des Rehwildes angepasst.
vermindern
8 JAGD
in Bayern
1-2022REVIERPRAXIS
pt
Rehwild-Fütterkonze
Wildbiologische Erkenntnisse wurden bis dahin von den
meisten Jägern nicht berücksichtigt. Die tatsächlichen Be-
dürfnisse des Wildes, Äsungsverhalten, Nährstoffbedarf
und Nahrungsverwertung wurden außer Acht gelassen.
Selbst in Revieren mit gutem Äsungsangebot und artge-
mäßen Äsungsflächen kommt das Wild durch ständige
Beunruhigung in eine stoffwechselbedingte Notsituation.
Als Wiederkäuer hat das Rehwild einen festen Äsungs-
rhythmus. Dieser besteht aus zwölf Zyklen von jeweils
etwa zwei Stunden, in denen es die Äsungsstellen aufsucht,
Nahrung aufnimmt und wiederkäut. Wird das Wild dauernd
gestört, ist es gezwungen, sein natürliches Äsungsverhal-
ten aufzugeben. Es kann häufig nur noch alle zwölf Stunden
ausreichend Nahrung aufnehmen, und dies überwiegend
nachts. Ein Tagesrhythmus, der sich über Jahrtausende an
Klima und Vegetation angepasst hat, kann nicht innerhalb
kürzester Zeit umgestellt werden, nur weil der Mensch ste-
tig seine Ansprüche ändert. Das führt beim Wild zu einer
hastigen Nahrungsaufnahme in zu geringen Mengen mit
dem Ziel, sich möglichst viele Nährstoffe einzuverleiben.
Dies hat zur Folge, dass gerade die Forstkulturpflanzen be-
sonders intensiv verbissen werden.
Foto: D. Hopf
Alleinfutter für Schalenwild
Ein Umbau von Fichtenreinbeständen in einen baum-
artenreichen Mischwald kann nicht allein auf dem Rücken
des schwächsten Gliedes ausgetragen werden. Hier ist die
Zusammenarbeit von Jägern, Förstern und Grundbesitzern
D as betreffende Rehwildrevier umfasst 1.000 Hektar
mit ca. 30 Prozent Wald- und 70 Prozent Grünland-
anteil auf einer Höhe von 750 bis 900 Metern. Anfang der
notwendig.
Deshalb muss neben einem strukturierten und altersgemä-
ßen Abschuss auch das Futterkonzept an die tatsächlichen
1990er-Jahre begann in unseren Wäldern die Umstruktu- Bedürfnisse des Rehwildes angepasst werden. Empfehlens-
rierung der bestehenden Fichtenmonokultur in zukünftig wert ist es hierzu, Alleinfutter für Schalenwild (AFS) zu ver-
artenreiche Mischwälder. Der daraus resultierende erhöh- wenden, das bereits in den 60er-Jahren entwickelt wurde.
te Verbissdruck durch das Schalenwild machte somit auch Wildfutter sollte in homogener Form während der gesam-
eine Veränderung des bis dahin gewohnten Fütterungs- ten Fütterungsperiode in gleichbleibender Qualität und
konzeptes notwendig. ausreichender Menge angeboten werden. Erst dadurch ist
Das Rehwild wurde bis dahin, wie allgemein üblich, mit- gewährleistet, dass der Pansen optimal funktioniert und
tels Einzelfuttervorlage gefüttert. Hauptbestandteile wa- sich das Wild wohlfühlt. Häufige Futterumstellung verur-
ren Heu vom 2. Schnitt, Grassilage und Apfeltrester. sacht beim Rehwild Stress, was wiederum zu vermehrtem
1-2022 JAGD
in Bayern
9REVIERPRAXIS
pt
Rehwild-Fütterkonze
Bauanleitung für
die Futterraufen:
Links: Seitenansicht
Rechts: Frontansicht
Verbiss führt. Deshalb ist die Einzelfuttervorlage vollkom- Fütterungen hängt individuell von den Revierstrukturen
men ungeeignet. AFS erfüllt hingegen alle Anforderungen ab. Eine Futterstelle sollte allerdings grundsätzlich über
an eine artgerechte Wildfütterung. mehrere Tröge verfügen, die in ausreichendem Abstand
Mit der Umstellung auf das neue Futter war es aber auch zueinander aufgestellt werden. Dies ist wichtig, damit auch
notwendig, die bis dahin gewohnten Fütterungseinrich- die weniger dominanten Stücke zum Äsen kommen und
tungen und den gesamten Ablauf zu ändern. Die Raufen generell Stress vermieden wird. Um Krankheiten vorzu-
wurden entfernt und durch zeitgemäße und kostengüns- beugen, sollte das Futter nicht auf dem Boden ausgebracht
tige Tröge ersetzt, die sich durch eine leichte, stabile und werden. Beachtet werden sollte zudem unbedingt, dass
übersichtliche Bauweise auszeichnen. Sie sind zudem aus- während der Futterperiode keine Salzlecken angeboten
reichend groß, sodass für mehrere Tage genug Futter vor- werden. Diese erhöhen den Wasserbedarf des Wildes, was
gelegt werden kann. wiederum den Verbiss fördert.
Auf den 1.000 Hektar Revierfläche befinden sich aktuell
acht Fütterungen mit drei bis sechs Trögen. Die Anzahl der Die Standorte der Fütterungen sollten nach folgenden
Kriterien ausgewählt werden:
gute Erreichbarkeit zu jeder Jahreszeit
(bestücken, reinigen, reparieren usw.)
Ruhe fürs Wild
Jürgen Prestel windgeschützte Rückzugsmöglichkeit in
unmittelbarer Nähe
Jahrgang 1965, ist stellvertretender Vorsit- gefährdete Forstkulturen in ausreichender Entfernung
zender des Kreisjagdverbandes Kempten und Sonne
Leiter des Hegerings Altusried. Seit 1993 ist er Wasser
Pächter eines Niederwildrevieres im Allgäuer genügend Platz
Voralpenland. weiter Umblick, damit das Wild nicht plötzlich
überrascht werden kann
10 JAGD
in Bayern
1-2022REVIERPRAXIS
pt
Rehwild-Fütterkonze
Zusammensetzung des Alleinfutters:
21 % Karotten 4 % Grashäcksel
17 % Silomais 15 % Hafer
18 % Apfeltrester 8 % Weizen
10 % Biertreber 8 % Gerste
Wie viel Futter wird benötigt?
Die Futtermenge je Futterperiode berechnet sich erfah-
rungsgemäß wie folgt: Ein Stück Rehwild benötigt pro Tag
bis ca. 1,5 kg Futterfrischmasse. Diese wird mit der ange-
nommenen Wildbestandsgröße und der Anzahl der Tage Bewährt haben sich Rundballen, um das Futter im Revier
der Fütterungsperiode (muss je nach Revier- bzw. Witte- auszubringen. Fotos: J. Prestel
rungsverhältnissen abgeschätzt werden) multipliziert. Die
Formel lautet also:
1,5 kg x angenommene Wildbestandsgröße x Tage der
Fütterungsperiode. für Schalenwild kann aber auch käuflich erworben werden.
Bewährt hat es sich, das Futter in Rundballen von je ca.
1.200 Kilo auszubringen. Diese bieten die Möglichkeit, sie
Wie lange füttern? im Revier zwischenzulagern, bis sie tatsächlich an die Fut-
terstelle ausgebracht werden. Das Futter bleibt sehr lange
Die Fütterung mit AFS sollte einsetzen, wenn die vegetati- stabil, auch wenn der Ballen bereits an einer Stelle geöffnet
onsarme Zeit beginnt (unter Berücksichtigung des Jagdge- wurde, um etwas davon zu entnehmen. Aus dieser Öffnung,
setzes) und so lange ohne Unterbrechung andauern, wie das dem so genannten Entnahmefenster, werden die Futter-
Rehwild sie annimmt. Um den Verbiss zu minimieren, sollte tröge befüllt, und im Anschluss wird sie wieder abgedeckt.
die Futterperiode nicht unterbrochen oder zu früh beendet Bei einer länger anhaltenden Futterperiode kann auch
werden. Auch dann nicht, wenn es plötzlich wärmer wird. leicht mit neuen Ballen nachbestückt werden.
Das AFS kann selbst gemischt werden, was aber mit ziem- Mit der Einführung des Fütterungskonzeptes mit AFS wurde
lichem Aufwand verbunden ist. Oft ist es schwierig, die ein- in besagtem Revier ein spürbarer Rückgang des Verbisses
zelnen Komponenten in ausreichender Menge, zur richtigen an der forstlichen Kultur und auf den Naturverjüngungsflä-
Zeit und in gleichbleibend hoher Qualität zu beschaffen. chen festgestellt. Auch die körperliche Gesamtverfassung
Auch die Logistik ist eine Herausforderung. Das Alleinfutter des Rehwildes hat sich spürbar verbessert. ♦
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en- ee e t n Kempten m e m en ee e mWILDBIOLOGIE
r
Schalenwild im Winte
Foto: Martina Berg/stock.adobe.com
W inter- oder auch Notzeitfütte-
rung der heimischen Schalen-
wildarten wird zunehmend kritisch
sich vier wesentliche Motive für die
Fütterung oder Nicht-Fütterung von
Schalenwild identifizieren:
sogar saisonal oder ganzjährig über-
schreiten. Die Lebensraumkapazität
hängt unter anderem vom Standort,
diskutiert. Nahezu jeder weiß ein von der Bewirtschaftung des Waldes
Gegenargument: Gern sind es zu- 1. das ökonomische Motiv und der Agrarflächen, von der Inten-
nehmend mildere Winter, weniger 2. das ökologische Motiv sität der Freizeitnutzung, vom Jagd-
Schneelagen vor allem im Flachland 3. das naturromantische Motiv druck, aber auch verschiedenen an-
sowie ein in der Agrarlandschaft zu- 4. das ethische Motiv deren Faktoren ab. Durch regelmäßige
nehmend höheres Äsungsangebot. Futtergaben, insbesondere zur Zeit des
Ein viel profaneres Motiv, nicht zu füt- größten Nahrungsengpasses im Win-
tern, wird nur selten ehrlich kommu- Ökonomisches Motiv ter, ist es durch ergänzende Fütterung
niziert: Wildfütterung kostet Zeit und möglich, deutlich höhere Wilddich-
Geld und ist mit Arbeit verbunden. Das ökonomische Motiv spielt einer- ten – nicht selten bei vergleichsweise
Versuchen wir, genauer zu analysie- seits eine Rolle, wenn durch Fütterung geringen Wildschäden – vorzuhalten.
ren, warum Menschen Winter- bzw. hohe Bestände ermöglicht werden, die Dieser rein jagdwirtschaftliche An-
Notzeitfütterung des Schalenwildes sich an der Obergrenze der Lebens- satz spielt heute allerdings in Mittel-
befürworten oder ablehnen, lassen raumkapazität bewegen oder diese europa nur noch eine geringfügige,
12 JAGD
in Bayern
1-2022WILDBIOLOGIE
r
Schalenwild im Winte
Füttern
oder nicht
Beim Thema Wildfüttern scheiden sich die Geister.
Professor Sven Herzog nimmt die Argumente für und
wider einmal genauer unter die Lupe.
blinde Flecke, die zu einer systemati- und – etwa in Bayern – das Rotwild
schen Unterschätzung der Kosten der dort per Gesetz nicht geduldet wird
Bejagung und zu einer Überschät- (Umgestaltung und Zerschneidung
zung der Kosten für Maßnahmen des der Landschaft, Schaffung rotwild-
nicht-jagdlichen Wildtiermanage- freier Gebiete).
ments (z. B. Winter- bzw. Notzeit- 2. Wildwiederkäuer sind generell auf-
fütterung) führen. grund jagdlicher und nichtjagd-
licher Störungen hierzulande oft
nicht mehr in der Lage, die arteige-
in Einzelfällen und in vielen jagdwirt- Ökologisches Motiv ne physiologische Ruhesituation
schaftlichen Betrieben Osteuropas je- im Winter zu nutzen. Ohne mensch-
doch eine durchaus bedeutende Rolle. Von wachsender Bedeutung ist in den lichen Einfluss würden diese ihren
Andererseits haben sich unter zu- vergangenen Jahrzehnten das öko- Stoffwechsel ab Ende Dezember
nehmendem Kostendruck seit den logische Motiv der Winterfütterung. deutlich reduzieren. Dann, und nur
1980er-Jahren viele Forstbetriebe Beim wiederkäuenden Schalenwild dann, könnte die Wildart artgerecht
weitgehend von Investitionen in den sind in der Zivilisationslandschaft in ohne menschliche Unterstützung
Wildbestand verabschiedet. Gleich- dieser Hinsicht zwei Besonderheiten überwintern. Die durch ständige
zeitig will man nicht auf jagdwirt- zu berücksichtigen: menschliche Störungen und Stress
schaftliche Einnahmen (Pacht, ent- (Jagd, Freizeitnutzung der Natur)
geltliche Jagderlaubnisse, Vergabe 1. Rotwild als wandernde Wildart ist nicht oder nur unvollständig mög-
von Abschüssen etc.) verzichten, was heute gezwungen, mehrheitlich in liche Stoffwechselreduktion kann
natürlich zu großen betriebsinternen seinen Sommerlebensräumen zu eine Situation schaffen, die dann
Konflikten führt, welche kaum of- überwintern, da die ursprünglichen wiederum ökonomische (Wild-
fen thematisiert oder kommuniziert Winterlebensräume (zum Teil Au- schäden im Wald), aber auch ethi-
werden. So entstehen in Forstbetrie- wälder entlang der Flusstäler) nicht sche Konsequenzen (vermeidbares
ben und -verwaltungen nicht selten mehr existieren, unerreichbar sind Tierleid) mit sich bringt.
1-2022 JAGD
in Bayern
13In Notzeiten schreibt der Gesetzgeber
sogar das Füttern von Wild vor.
Foto: Hans und Christa Ede/stock.adobe.com
Die Winterfütterung soll also einer-
seits die negativen Folgen fehlender
Winterlebensräume des Rotwildes
sowie stetiger menschlicher Stö-
rungen der Wildwiederkäuer für die
Wildarten selbst und für die Vege-
tation so weit als möglich ausglei-
chen. Ob man dabei den Weg meh-
rerer, kleinerer Fütterungen, weniger
Großfütterungen oder der Anlage von
Wintergattern wählt, ist dabei eher
nebensächlich.
Einfach nur die Wilddichte zu redu-
zieren, wie es aus unterschiedlichen
Vorstellungen heraus immer wieder
gern propagiert wird, ist keine Lö-
sung, weil es sich eher um ein quali-
tatives als um ein quantitatives Prob-
lem handelt.
Ein immer wieder genanntes Ar-
gument gegen Futtergaben ist der
Nährstoffimport in das Ökosys-
tem. Dieser spielt jedoch nur sel-
ten, nämlich auf extrem nähstoffar-
men Standorten, wirklich eine Rolle.
Wie einfache Simulationsrechnun-
gen zeigen, liegt die eingetragene
Nährstoffmasse bei Notzeitfütterung
oder selbst bei sachgerechter Kirrung
meist um ein Vielfaches unterhalb
dessen, was der Stickstoffeintrag über
die Atmosphäre, intensiv bewirt-
schaftete landwirtschaftliche Flächen
oder Mastjahre im Wald an Nähr-
stoffen liefern.
Naturromantisches Motiv
Insbesondere bei grundsätzlichen
Gegnern jeglicher Futtergabe an
Wildtiere finden wir ein weiteres Mo-
Wird das Wild in seinen Wintereinständen gestört, fährt es seinen Stoffwechsel tiv. Nennen wir es das naturromanti-
nicht herunter. Das kann zu Schäden im Wald führen. Foto: R. Bernhardt sche. Diese Entwicklung beobachten
14 JAGD
in Bayern
1-2022WILDBIOLOGIE
r
Schalenwild im Winte
wir zunehmend seit dem Ende des
20. und dem Beginn des 21. Jahrhun-
derts. Als natürlich wird dabei an-
gesehen, wenn der Mensch keinerlei
aktiven Einfluss nimmt. Dies führt zu
einer verklärenden Sicht auf eine durch
den Menschen hochgradig geformte
Landschaft, wobei jegliche Eingrif-
fe einschließlich eines fachgerechten
Managements als unnatürlich ange-
sehen werden. Vor ein paar Hundert
Jahren sei ja auch nicht gefüttert wor-
den, und Mutter Natur würde es schon
irgendwie richten, so das Argument.
Völlig ausgeblendet wird dabei, dass
in einer durch den Menschen weitest-
gehend veränderten Umwelt nicht zu
erwarten ist, dass ursprünglich ein-
mal vorhandene natürliche Regula-
tionsprozesse nach wie vor ablau-
fen und ein Sich-selbst-Überlassen
der Ökosysteme prinzipiell zu einer
„natürlichen“ und damit „positiven“
Entwicklung führt. Auch das Rehwild nimmt entsprechend beschickte Fütterungen sehr gern an.
Foto: D. Hopf
Ethisches Motiv
Während dieser Ansatz bereits eine in offensichtlicher Unkenntnis des Artgerechte Winterfütterung hat
ethische Komponente birgt, argu- Begriffes. Voraussetzung für eine somit immer zwei Seiten: Einerseits
mentieren Vertreter des Tierschut- Domestikation ist ein weitest- reduziert sie vermeidbares Tierleid
zes, teilweise aber auch Jagdverbän- gehender Einfluss des Menschen auf und andererseits die Fraßeinwir-
de und Tierärzte nicht selten über das Fortpflanzungssystem einer in kungen auf die Vegetation. So hilft
die gesellschaftliche Verantwortung menschlicher Obhut gehaltenen und sie nicht zuletzt auch, Wildschäden
auch für die Wildtiere, denen „na- von den Wildtieren der gleichen Art gering zu halten oder sogar ganz
türliche“ Verhaltensweisen verwehrt isolierten Population. Dass dies beim zu vermeiden. Sie begründet sich in
werden. Schalenwild nicht der Fall sein kann, beiden Fällen letztlich aus der Ver-
Nicht der Erhalt von Arten oder Po- ist offensichtlich. Die gelegentlich zu pflichtung zur jagdlichen Nachhal-
pulationen steht hierbei im Vorder- beobachtende Zahmheit des Scha- tigkeit, die sich im Jagdrecht in den
grund, sondern das individuelle Tier- lenwildes, etwa im Wintergatter, ver- Begriffen der Hege und der Waid-
wohl. Fütterung in Notzeiten ist nach schwindet mit Ende des Winters völlig. gerechtigkeit widerspiegelt. ♦
dieser Interpretation erforderlich, um
Tierleid zu vermeiden. Dieser Grund-
satz folgt entweder einem pietis-
tisch-humanistischen Weltbild, das
Tiere als leidensfähige Wesen erkennt
Prof. Dr. Dr. Sven Herzog,
und dem vernunftbegabten und
mitfühlenden Menschen aufer- Kommissionsmitglied in der Bayerischen Akademie für
legt, dieses Leid zu mildern. Jagd und Natur, ist Forstwissenschaftler und Arzt. Seit
Ein ebenfalls häufiges Argu- 1998 hat er den Lehrstuhl für Wildökologie an der Tech-
ment gegen die Fütterung nischen Universität Dresden inne und ist seit 2005 Vor-
von Schalenwild befürch- standsmitglied des Instituts für Wildbiologie Göttingen
tet eine Domestikation des und Dresden e. V.
Wildes. Dies geschieht jedoch
1-2022 JAGD
in Bayern
15WILDBIOLOGIE
Fütterungshygiene
Wenn wir Wildtiere füttern, müssen wir uns auch über
mögliche Folgen für die Tiergesundheit im Klaren sein.
Dr. Claudia Gangl zeigt, worauf wir achten sollten.
16 JAGD
in Bayern
1-2022WILDBIOLOGIE
Fütterungshygiene
Das Wild ist,
was es isst
A m einfachsten wäre es, unse-
rem Wild das ganze Jahr über zu
natürlicher Äsung zu verhelfen. Mit
so gelagert werden, dass permanente
Temperaturwechsel, hohe Tempera-
turen oder Feuchtigkeit vermieden
ganzjährig, zeitlich und örtlich stets werden. Letztere begünstigen das
verfügbaren, störungsarmen Nah- Wachstum von Bakterien und Pilzen.
rungsbiotopen wäre ihm am ehesten Vermehren sie sich unkontrolliert,
geholfen. Der jeweils aktuelle Nähr- werden die Futterinhaltsstoffe abge-
stoffbedarf wäre gedeckt und die baut, und das Futtermittel verliert an
ewig wiederkehrenden Fütterungs- Qualität. Ab bestimmten Keimzahlen,
diskussionen vom Futtertisch. abhängig von den unterschiedlichen
Leider ist das in der Praxis nicht Erregern, können sie sogar ganz ver-
immer umsetzbar. Fehlt geeignete derben.
Äsung in ausreichender Menge, kann
Zufüttern sinnvoll und sogar uner-
lässlich sein. Um falsches Füttern und Im Zweifel prüfen
damit unter Umständen verbundenes
Tierleid zu verhindern, sind grund- Bestehen hinsichtlich der Futterqua-
legende Regeln zu beachten. lität Zweifel, kann man diese durch
Eigentlich müssten wir nur die allge- spezielle Laboruntersuchungen prü-
mein anerkannten Grundsätze einer fen lassen. Hierzu werden die Futter-
guten fachlichen Fütterungspraxis proben auf verschiedene Bakterien-
einhalten. So sollten wir für eine aus- und Schimmelpilzgruppen sowie
gewogene, regelmäßige und ausrei- Hefen untersucht. Die Untersuchun-
chende Vorlage wildartgemäßer Fut- gen werden quantitativ durchgeführt,
termittel ohne abrupte Futterwechsel das heißt, es werden Keimzahlen
am richtigen Fütterungsstandort sor- pro Gramm Futter ermittelt. Je nach
gen. Der muss für das Wild leicht zu Ergebnis kann das Futter dann be-
erreichen sein. Dabei ist ein besonde- denkenlos verfüttert, sein Anteil an
res Augenmerk auf die Futterhygiene der Ration angepasst werden oder es
bzw. Futterqualität zu legen. muss ganz verworfen werden.
Beim unsachgemäßen Lagern kann
es aber nicht nur zum Vermehren
Futter richtig lagern von produkttypischen und verderb-
anzeigenden Mikroorgansimen, son-
Der hygienisch einwandfreie Um- dern auch von echten Krankheits-
gang mit Futtermitteln beginnt be- erregern kommen. Sie gelangen
reits bei deren Lagerung. Sie sollten nicht selten durch Schmutz, Staub,
1-2022 JAGD
in Bayern
17WILDBIOLOGIE
Fütterungshygiene
Schadnager- und Vogelkot oder über
Vorratsschädlinge in die Futtervor-
räte. Clostridien und Salmonellen als
Durchfall-Verursacher sowie Listerien
als Erreger, die Aborte und Erkrankun-
gen des Zentralnervensystems aus-
lösen können, wären typische, über
das Futter eingetragene bakterielle
Infektionserreger. Alle drei können
auch bei Menschen zu Erkrankungen
führen. Ein Qualitätsverlust beim Fut-
Ist das vorgelegte Futter zu faserarm und energiereich, kann das vor allem beim ter ist auch durch mikrobielle Stoff-
Rehwild sogar zum Tod führen Foto: Thomas/stock.adobe.com wechselprodukte oder Gifte, wie z. B.
von Schimmelpilzen, möglich. Ob sie
die Wildgesundheit allerdings beein-
trächtigen, wird noch diskutiert.
Hygiene am Futterplatz
Vorgaben, die für die Lagerbedingun-
gen zu beachten sind, gelten auch für
den Fütterungsplatz. Um ein Verun-
reinigen durch Losung oder Krank-
heitserreger zu minimieren, sollten
wir möglichst nicht auf dem Boden
füttern. Da verschmutztes oder ver-
dorbenes Futter auch nicht in einen
Trog gehören, muss auch die Fut-
terstelle regelmäßig gereinigt und
desinfiziert werden. Nicht entfern-
te Futterreste und auch schlecht
gereinigte Futterautomaten und
-tröge können ebenfalls Ursache für
Gesundheitsstörungen sein.
Auch der Fütterungsstandort ist von
Bedeutung. Es ist ratsam, verschie-
Silage kann, auch wenn sie noch normal riecht und aussieht, bei entsprechender
dene Futtermittel immer gemischt
Witterung schnell verderben. Das führt beim Wild zu Verdauungsproblemen.
an verschiedenen und vor allem stö-
Foto: aneriksson/stock.adobe.com
rungsfreien Plätzen anzubieten. Das
Entzerren der Futterstelle verhindert,
dass sich die Stücke einer Popula-
tion unnötigerweise eng aneinander
tummeln. So wird auch der Stress
um Futterressourcen gemindert, die
Möglichkeit der Krankheitsübertra-
gung von Stück zu Stück minimiert
und damit die Tiergesundheit ge-
fördert. Ein viel diskutiertes Beispiel
für das durch zu enge Kontakte ge-
förderte Übertragen von Krankheiten
18 JAGD
in Bayern
1-2022WILDBIOLOGIE
Fütterungshygiene
ist die Verbreitung des Tuberkulose- gemahlenem Futter muss das Wild Immunsystem sowie einer Anfällig-
Erregers Mycobacterium caprae an nur wenig kauen und wiederkäuen. keit für Infektionskrankheiten auf.
Rotwildfütterungen. Dadurch wird weniger Speichel pro- Neben der gefürchteten Pansenüber-
duziert, der aber zum Abpuffern im säuerung kann den Tieren auch eine
Pansen notwendig ist. Damit erhöht Pansenfäulnis, die Pansenalkalose, zu
Schnell verdorben sich die Gefahr einer Übersäuerung, schaffen machen, die sie durch das
der sogenannten Pansenazidose. übermäßige Äsen von schmackhaf-
Mangelnde Futterhygiene führt aber Ein solches Futter kann geradezu ver- tem Futter mit hohem Eiweißgehalt,
nicht nur zu Nährstoffverlusten und lockend auf die naschhaften Wie- wie Grassilage, Luzerneheu, Soja-
erhöhten Keimzahlen. Sie beeinträch- derkäuer wirken, sodass sie sich in schrot, Sesam, Hülsenfrüchten u. a.,
tigt auch den Geruch und Geschmack kurzer Zeit den Weidsack dermaßen erleiden können.
des Futters, sodass es eventuell sogar vollschlagen, dass sie massive Ver- Eine noch so gut gemeinte Wildwie-
verweigert wird und sich das Wild not- dauungsprobleme bekommen, die derkäuerfütterung wird ohne das Be-
gedrungen über die Waldvegetation sogar zum Tod führen können. Neben rücksichten der Besonderheiten ihrer
hermacht. Saftfutter kann in milden einem solch akuten Geschehen treten Ernährungsphysiologie und womög-
Wintern bereits innerhalb von zwei Ta- auch chronische Stadien mit Entzün- lich noch zusammen mit Fütterungs-
gen ohne Geruchs- und Geschmacks- dungsherden und einer Verhornung und Futterfehlern eher schaden als
einbußen verderben und dann zu der Pansenschleimhaut, Leber- und nützen. Dieser Verantwortung ge-
schweren Verdauungsstörungen beim Nierenschäden, Fruchtbarkeitsstö- genüber den Wildtieren müssen wir
Wild führen. Silage verdirbt an der rungen und einem angeschlagenen uns als gute Heger bewusst sein. ♦
Luft ebenfalls schnell, weshalb Reste
spätestens nach zwei Tagen aus dem
Futtertrog entfernt werden sollten. Dr. Claudia Gangl
Die angebotenen Futtermittel müs-
sen nicht nur von guter Qualität, son- ist BJV-Fachreferentin für Wildbiologie, Wildtierge-
dern auch wildartgemäß sein. Für das sundheit und Tierschutz. Die Diplom-Biologin vertritt
Rehwild bedeutet das beispielsweise, den Verband in diesen Themenbereichen nach innen
dass das Futter einen hohen Faser- und außen und steht den BJV-Mitgliedern bei Fragen
und einen niedrigen Energiegehalt zu Wildkrankheiten, Tierschutz und Wildbrethygiene
aufweisen sollte. Beim Äsen von zu sowie -vermarktung mit Rat und Tat zur Seite.
kurzem, wenig strukturiertem oder
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Füttern im Berg
Heu fürs
Rotwild G esellschaft und Politik sind offen-
sichtlich noch nicht gewillt, dem
Rotwild auch im Winter geeignete Le-
bensräume zuzugestehen. Also muss
es gefüttert werden, jedenfalls im Ge-
birge. Unterließe man dies, würde das
Rotwild in tiefer gelegene Au-Lagen
und Südhänge abwandern, um dort
den Winter zu verbringen. Dies schei-
tert bisher aber an einer beachtlichen
Intoleranz vieler Grundbesitzer und
Landbewirtschafter gegenüber mög-
lichen Wildschäden – das Wild wird
im intensiv genutzten Tiefland kaum
geduldet. Deshalb muss es mit Futter
in den höheren, weniger produktiven
Lagen gehalten werden.
Würde man das Rotwild im Gebirge
gar nicht füttern, käme dies einer ge-
zielten Ausrottung gleich. So etwas
können kultivierte und zivilisierte
Menschen nicht wollen. Wir erklä-
ren eifrig den Afrikanern, wie sie mit
ihren Elefanten umzugehen hätten,
also sollten wir auch unserem größ-
ten einheimischen Säugetier mit Ver-
antwortungsbewusstsein begegnen.
In meinem Revier in Vorarlberg,
Österreich, wurde früher, wie vieler-
orts, das Rotwild im Winter mit einer
Saft-Kraftfutter-Mischung und etwas
Heu gefüttert. Das hat funktioniert.
Das Wild kam gut durch den Win-
ter und sah im Frühling gesund und
wohlgenährt aus.
Verantwortlich handeln
Wenn man als Jäger verantwortlich
handeln will, sollte man sein eige-
nes Tun ständig hinterfragen. Wir
alle wissen, dass Rotwild seine Kör-
perfunktionen im Winter auf ein Mi-
nimum herunterfahren kann und
dann auch mit wenig und energiear-
mer Äsung auskommt. Warum sollte
man in dieser Zeit dem Rotwild dann
irgendein Power-Futter anbieten?
Also begann bei uns vor etwa 15 Jah-
ren die Diskussion, unser Rotwild in
20 JAGD
in Bayern
1-2022REVIERPRAXIS
Füttern am Berg
Dem Edelwild im
Gebirge fast ausschließ-
lich mit Raufutter über
den Winter zu helfen,
halten manche Jäger für
unmöglich. In einem
Vorarlberger Revier
wurde das ausprobiert.
Zukunft fast nur noch mit gutem Heu
zu füttern. Die Debatte war anfangs
kontrovers. Jäger aus der Landwirt-
schaft (Viehhaltung) und manche Ab Dezember wird dem Rotwild ausschließlich Heu aus der Region angeboten.
Foto: BvG
Berufsjäger sprachen sich dagegen
aus und hielten das Vorhaben für un-
geeignet. Das Wild würde kümmern
oder abwandern.
Wertschöpfung bleibt im Tal, und der einer erreichbaren Wiese für das Wild
viel zitierte ökologische Fußabdruck höher als die von Heu, und Konflikte
Ein Versuchswinter ist ziemlich klein. mit menschlichen Nutzungsinteressen
können die Folge sein. Glücklicherwei-
Schließlich einigten wir uns auf einen se ist eine hohe Schneelage bei uns im
Versuchswinter. Wir fütterten wie im- Fazit Großraum Arlberg normal. Eine weitere
mer ab Mitte November überwiegend Voraussetzung ist Ruhe an der Fütte-
Bergheu vom ersten und zweiten Zusammenfassend kann man ganz rung und im Tageseinstand. Die muss
Schnitt. Und siehe da – das Wild kam klar festhalten: Unter bestimmten Vor- gewährleistet sein, auch mit Unter-
perfekt durch den Winter. Der Versuch aussetzungen ist Heu ein ideales Fast- stützung des Gesetzgebers. Wir Jä-
war gelungen. Allein-Winterfutter für Rotwild. Eine ger sind gut beraten, uns nahe an der
Seit 2007 füttern wir nun an zwei dieser Voraussetzungen ist: Es muss Natur zu orientieren. Tun
größeren und einer kleinen Fütte- genug Schnee liegen. Bei wenig oder wir dies, bleiben wir
rung (Talende, ca. 1.200 m Seehöhe) keinem Schnee ist die Anziehungskraft glaubwürdig. ♦
im November Heu und Maissilage.
Ab Dezember füttern wir ausschließ-
lich Heu, bis im März wieder ein Anteil
Maissilage dazu kommt, um das Wild Eberhard Freiherr
an der Fütterung zu halten. Bis zum von Gemmingen-Hornberg
Vegetationsbeginn überwiegt der
Heuanteil. 63 Jahre alt, seit mindestens 47 Jahren Jäger, Vize-
Inzwischen beziehen wir das Fut- präsident des BJV, Vorsitzender der BJV-Kreisgruppe
terheu zum größten Teil von einem Tirschenreuth, Mitglied des Vorstandes der Vorarlber-
Landwirt aus der Region. Das Wild be- ger Jägerschaft
kommt die ihm zusagende Äsung, die
1-2022 JAGD
in Bayern
21REVIERPRAXIS
erauflösung
Folgen der Wintergatt
2015 wurde die Rotwildfütterung bei Aschau im Chiemgau-
Priental aufgelöst. Der Vorsitzende der Jägervereinigung
Rosenheim berichtet von den Folgen und kommentiert sie.
Nachteilig für
Wild und Region
D as im Bereich der Jägervereinigung
Rosenheim gelegene Wintergat-
ter Kreuth im Gebiet Hohenaschau/
wissenschaftlichen Studie begleitet
werden, die die Wirksamkeit belegen
sollte. Die Abschüsse beim Rotwild
seit der Schließung des Wintergatters
durch die Bayerischen Staatsforsten
(BaySf) deutlich erhöht.
Sachrang wurde im Jahr 2015 durch sollten in diesem Bereich ebenfalls Die Auflösung des alten Wintergatters
den Forstbetrieb Ruhpolding aufge- nicht weiter erhöht werden. Kreuth ist, wie die Jägervereinigung
löst, nachdem es jahrzehntelang er- Die Situation stellt sich heute nach- seinerzeit bereits zu bedenken gab,
folgreich bewirtschaftet worden war. weislich wie folgt dar: Rotwild stellt nicht optimal verlaufen. Leidtragend
Argumentiert wurde vonseiten des sich nach sechs Jahren immer noch ist das Rotwild in der Region.
Forstbetriebs, dass ein nahe gelegenes im Bereich der alten Fütterung ein. Die zugesagte wissenschaftliche Stu-
Wintergatter in ca. 3 km Entfernung Da ja aber nicht gefüttert wird, schält die zum Thema „Verhalten von Rot-
für diesen Bereich ausreichend sei. das Wild folglich im nahe gelegenen wild bei einer Verlegung des Winter-
Allerdings liegen eine größere Straße sogenannten Schutzwaldbereich. gatters“ liegt uns bis heute nicht vor.
und ein Bergrücken dazwischen. Drückjagden, die regelmäßig in die- Wir sind aber sehr daran interessiert
sem Bereich stattfinden, sowie per- zu erfahren, welche Erkenntnisse die
manenter Jagddruck vonseiten des BaySf aus der Studie gewonnen hat.
Studie sollte Wirksamkeit Forstbetriebes lassen das Wild auch
belegen im Winter nicht zur Ruhe kommen.
Da eine Fütterung auf der ande- Weniger Schäden
Die Zielsetzung war dabei laut Forst- ren Talseite (private Eigenjagd) liegt, durch Wintergatter
verwaltung, das Rotwild vom Schutz- wechselt das Rotwild häufig über
waldgebiet aus in die in Richtung die Straße, die gleichzeitig Revier- Sowohl unter jagdlichen Aspekten
Sachrang gelegene Fütterung zu len- grenze ist. Deshalb ist das Risiko für als auch hinsichtlich des Tourismus
ken, damit sich der Schutzwald bes- Verkehrsunfälle in diesem Bereich in der Region ist der Umgang mit
ser entwickeln könne und Schäden deutlich gestiegen. Folglich wird das dem Rotwild in
in diesem Bereich geringer würden. Rotwild dort noch stärker bejagt. Ins- dieser Form
Diese Maßnahme wurde seinerzeit gesamt wurde der Rotwildabschuss nicht
kontrovers diskutiert, sowohl in der
Jägerschaft als auch in der Bevölke-
rung und den eingebundenen Be-
hörden. In einem intensiven Dialog Franz Sommer
mit dem Forstbetrieb Ruhpolding
und dem Hegeringleiter Kampen- Jahrgang 1953, ist seit 32 Jahren aktiver Jäger
wand stimmte die Jägervereinigung und seit 2018 erster Vorsitzender der Jägerver-
Rosenheim schließlich der Verle- einigung Rosenheim.
gung zu. Denn diese sollte von einer
22 JAGD
in Bayern
1-2022ďŐĂďĞǀŽŶtĂīĞŶŶƵƌĂŶ/ŶŚĂďĞƌĞŝŶĞƌƌǁĞƌďƐĞƌůĂƵďŶŝƐ͘
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erfreulich. Unserer Ansicht nach sind allem fürs Rotwild und die Anwohner
EĂĐŚƚƐŝĐŚƚͲͬ
im Bereich der Chiemgauer Alpen des schönen Prientals, die seit Jahr-
tćƌŵĞďŝůĚƚĞĐŚŶŝŬ
Wintergatter unverzichtbar, um das hunderten mit dem Rotwild leben. ůĂŐĞƌŶĚ͘
Wild im Winter zu lenken und somit Das Rotwild ist gerade als Charakter- tŝƌďĞƌĂƚĞŶ^ŝĞ
Schäden an wertvollen Bergwäldern wildart im Bergwald so zu bewirtschaf- ŐĞƌŶĞ͊
zu reduzieren. Außerdem werden ten, dass es ausreichend Ruhezonen
dadurch Ruhebereiche für das Wild mit Sommer- und Wintereinständen
geschaffen. im Gatter hat, nachdem die Auen in-
Insbesondere in touristisch extrem zwischen von den Menschen genutzt
genutzten Bereichen hilft ein Win- werden und dort kein Lebensraum
tergatter, Schäden an Wald und Wild mehr für das Wild vorhanden ist.
zu reduzieren. Wenn es denn unbe- ĞƵĐŚƚĂďƐĞŚĞŶϲϬ
vielleicht allein unter Kostengesichts- in denen sowohl die Störung durch
punkten erfolgte, da der Betrieb eines Erholungssuchende als auch durch
Wintergatters durchaus zeitintensiv die Jagd minimiert wird. Es gibt hier-
ist. Unserer Ansicht nach hat es weder für gelungene Beispiele in Privatwäl- WĂŬĞƚŽŚŶĞ
dem Schutzwald in diesem Bereich dern, die nach dem Motto „Wald mit ^ĐŚĂůůĚćŵƉĨĞƌĂƵĨŶĨƌĂŐĞ͘
genutzt, der hauptsächlich aus Fich- Wild“ sowohl die Jagd als auch den
tenaltbestand und Buchen besteht, Holzertrag optimal vermarkten. Dies
noch dem Wild, das nach wie vor den ist sicherlich etwas aufwendiger als
Bereich des alten aufgelösten Gatters die hier aufgezeigte Praxis. Am Ende
aufsucht. Die Auflösung war in jedem zahlt es sich aber für Wald und Wild
Fall nachteilig für die Region und vor allemal aus. ♦REVIERPRAXIS
Kommentar
Zur Bekämpfung der TBC beim Rotwild wurde in Tirol
ein Reduktionsgatter errichtet. Das sorgte für Zündstoff.
Waidgerechter Umgang gefordert
B ekannterweise zählt zu den Aufgaben der Jägerschaft,
für einen gesunden Wildbestand Sorge zu tragen. Dies
kann ein mehr oder weniger intensiver Auftrag sein. Man
In diesem Seuchengebiet war fortan die Veterinärbehörde
für die Erstellung der Abschusspläne zuständig.
Die Reduktion des Rotwildbestandes hat sich als erfolgreich
denke nur an die Afrikanische Schweinepest, die es in den erwiesen. Die Durchseuchungsrate in den betroffenen Ge-
Griff zu bekommen gilt. Im Grenzgebiet Tirol, Vorarlberg, bieten konnte von anfangs 30 auf nur mehr rund 5 % gesenkt
Allgäu haben wir leider schon seit über zehn Jahren mit werden. Nach rund zehn Jahren gab es allerdings Flächen,
dem Vorkommen von Rinder-Tuberkulose (TBC) im Rot- auf denen die Behörde noch keine ausreichende Bestands-
wildbestand zu kämpfen. und Seuchenreduktion festgestellt hat. Im Gegensatz dazu
berichteten die Jagdausübungsberechtigten über zerstörte
Bestandsstrukturen und stark gestresstes Wild.
Region als Seuchengebiet ausgewiesen
Sobald die Krankheit aufgetreten ist, wurden Maßnahmen 30 Stück Rotwild erlegt
getroffen, da es sich um eine ansteckende, anzeigepflichti-
ge Tierseuche handelt. Weil große Rotwildfütterungen im Nachdem die Abschusspläne im Gebiet Kaisers wiederholt
Winter zu erhöhter Ansteckungsgefahr unter den Tieren nicht in der Höhe erfüllt worden sind, die die Behörde vor-
führen, wurden die geschrieben hatte, reagierte diese mit der Errichtung eines
Abschusspläne er- Reduktionsgatters. Das Geschehene ist bekannt, es wurden
höht und der Bestand in einer Nachtaktion über 30 Stück im Gatter eingeschlossen
reduziert. Des Weite- und von behördlich beauftragten Personen erlegt. Die Anrai-
ren wurde die Unter- ner zeigten sich stark betroffen und dokumentierten das Ge-
suchungspflicht von schehen. Für die Öffentlichkeit war dies eine schockierende
sämtlichen erlegten Berichterstattung. Zahlreiche Beschwerdeanrufe, Mails und
Stücken eingeführt Briefe erreichten uns – auch wenn das Gatter rein auf vete-
und die betroffene rinärbehördlichen Vorgaben erstellt und verwendet wurde.
Region als Seuchen- Wir haben unseren Standpunkt klargemacht: Wir sind für das
gebiet ausgewiesen. Wild und einen waidgerechten Umgang, aber natürlich auch
für die Seuchenbekämpfung. Diese kann für uns in Zukunft
aber nur noch erfolgen, wenn die Maßnahmen abgestimmt
werden. Dazu wurde eine gemeinsame Arbeitsgruppe des
Anton Larcher Landes Tirol und des Tiroler Jägerverbandes eingerichtet, die
neue Strategien für die TBC-Bekämpfung ausgearbeitet hat.
Jahrgang 1958, war von Die waidgerechte Umsetzung und die Abstimmung der Be-
2005 bis 2013 Bezirksjä- jagungskonzepte zur Seuchenbekämpfung mit der Jäger-
germeister von Innsbruck- schaft stehen im Vordergrund. Anfang 2021 konnte das TBC-
Stadt und ist seitdem Lan- Seuchengebiet in Tirol sogar verkleinert werden, ganz ohne
desjägermeister von Tirol. Reduktionsgatter. Das betroffene Gebiet rund um Kaisers ist
Er ist seit 1984 Jäger und jedoch noch Seuchengebiet, auch wenn man inzwischen mit
seit 2013 Akademischer der Entwicklung der Durchseuchungsrate zufrieden ist.
Jagdwirt. Das Fazit daraus: miteinander und nicht gegeneinander
arbeiten, sonst steht die Jägerschaft schlussendlich wieder
im Kreuzfeuer der Gesellschaft. ♦
24 JAGD
in Bayern
1-2022RECHT
nwild
Fütterung von Schale
Foto: R. Bernhardt
Nur in Ausnahmen?
Kälte und Schnee haben Bayern bereits vor vielen Wochen
erreicht. Doch ist dies Grund genug, Wild zu füttern?
Die rechtlichen Rahmenbedingungen erklärt
BJV-Justiziarin Dr. Diane Schrems-Scherbarth.
E s gibt drei Arten von Nahrungsgaben für Schalenwild: Die
Notzeitfütterung, die Ablenkungsfütterung für Schwarz-
wild und die Kirrung. Hier wird ausschließlich die Notzeit-
kann diese auf seine Rechnung selbst das Füttern überneh-
men und ausreichende Fütterungsanlagen aufstellen lassen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass der Revierinhaber verpflich-
fütterung behandelt. Sie basiert auf der Pflicht zur Hege des tet ist zu füttern, wenn der Winter eintritt.
Wildes, damit ein gesunder und artenreicher Wildbestand er-
halten bleibt. Gleichzeitig sollen Wildschäden an Land- und
Forstwirtschaft möglichst vermieden werden. Art. 43 Abs. 3 Wild an kalte Jahreszeit angepasst
BayJG besagt deshalb, dass der Revierinhaber verpflichtet
ist, in der Notzeit für angemessene Wildfütterung zu sorgen Das Wild ist grundsätzlich gut an die natürlichen Engpässe
und die dazu erforderlichen Fütterungsanlagen zu unterhal- im Winter angepasst. Neben physiologischen (Herunter-
ten. Kommt der Revierinhaber der Verpflichtung nicht nach, fahren des Stoffwechsels) und genetischen Anpassungen
obwohl er von der Jagdbehörde dazu aufgefordert wurde, (z. B. Fellwechsel) geschieht dies meist auch durch
1-2022 JAGD
in Bayern
25RECHT
nwild
Fütterung von Schale
veränderte Nahrungswahl. Zu den Anpassungen zählen un- der Futtermittel angeordnet. Kriterien für das Vorliegen einer
ter anderem auch die Wahl der Beute, die Raumnutzung und Notzeit sind etwa:
ein spezialisiertes Jagdverhalten. Fütterungen von Schalen- die Witterung (Schnee: Pulver, Harsch, durchgefrorene
wild außerhalb der Notzeit gelten daher als missbräuchlich Schneedecke, längere Frostperioden)
und sind verboten. Da die spezifischen Eigenschaften und die Lage des Reviers (Mittelgebirge, Flussebene und Berg-
Anpassungsfähigkeiten wie auch die geographischen Ge- region sind dabei unterschiedlich zu beurteilen)
gebenheiten individuell sind, ist die Notzeit gesetzlich nicht die Ausstattung und Größe von Waldflächen und das Vor-
definiert und wird insofern auch nicht amtlich festgestellt. handensein von natürlicher Äsung und/oder Wildäckern
Unter Notzeit versteht man nach der Rechtsprechung all- eine Naturkatastrophe
gemein „Zeiten, in denen das Wild wegen der bestehenden Wild, das gezwungen ist, in zu hoch gelegenen nahrungs-
Witterungs- und Bodenverhältnisse länger an der Aufnah- armen Sommereinständen zu verbleiben
me natürlicher Äsung gehindert ist“. großer Freizeitdruck, der in Zusammenhang mit ge-
Dies kann sogar schon im Herbst der Fall sein, wenn auf- schwächtem Wild steht
grund der vegetationsarmen Landschaft nach der Ern- Der Grundsatz bleibt: Künstliche Fütterung soll nach dem
te keine Fettreserven aufgebaut werden können. So sieht Willen des Gesetzgebers die Ausnahme sein, um Zeiten der
die bayerische Schalenwildrichtlinie vor: „Bei ungünstigen Futternot zu überbrücken. Vorrangig soll der Revierinha-
Äsungsverhältnissen im Herbst (z. B. strukturarme Feld- ber soweit möglich Maßnahmen der Reviergestaltung und
flächen) soll die Fütterung auch die Bildung von Feistre- Äsungsverbesserung durchführen.
serven des Wildes für die Notzeit im Hochwinter zum Ziele Verboten ist es, Futtermittel in oder im unmittelbar räum-
haben. In solchen Fällen soll die Fütterung des Wildes mit lichen Zusammenhang mit Schutzwäldern auszubringen,
nährstoffreichem Futter bereits im Herbst einsetzen und wodurch dann die Schutzfunktion des Waldes beeinträch-
bis Jahresende durchgeführt werden. Ab Januar soll sich die tigt oder gefährdet wird. Ebenso ist es verboten, Futter
Fütterung auf die Darreichung von Erhaltungsfutter be- auszubringen, das nach Zusammensetzung, Qualität oder
schränken, weil der Nahrungsbedarf des Wildes im Hoch- Menge den ernährungsphysiologischen Bedürfnissen der
winter stark herabgemindert ist. Im auslaufenden Winter jeweiligen Wildart nicht entspricht.
soll, soweit eine Fütterung im Hinblick auf die Witterungs- Witterungseinbrüche sind in den einzelnen Revieren sehr
oder Vegetationsverhältnisse noch erforderlich ist, wie im unterschiedlich zu beurteilen. Die Bewertung der lokalen
Herbst gefüttert werden.“ Situation und die Entscheidung, ob eine Notzeit vorliegt,
obliegt deshalb dem zuständigen Revierinhaber. Sollte
diese Bewertung unzutreffend sein, trifft die Untere Jagd-
Wann ist Notzeit? behörde die erforderliche Regelung im Einzelfall. Ord-
nungswidrig handelt, wer einer solchen Anordnung nicht
Diese jagdrechtlichen Vorgaben zur Fütterung im Fall der vollständig oder rechtzeitig nachkommt.
Notzeit können dabei rein begrifflich nicht dem Ziel dienen,
Verbissschäden zu vermeiden. Dies stellt allenfalls einen
Nebeneffekt dar. Bei Streitigkeiten wird das Vorliegen einer Vertrauen in Revierinhaber
Notzeit durch die Untere Jagdbehörde
im Einvernehmen mit dem Jagberater Der Gesetzgeber vertraut damit grundsätzlich den Revier-
festgestellt und ggf. die Beseitigung inhabern und ihrer Expertise. Dieses Vertrauen darf nicht
missbraucht werden. Damit sich die Revierinhaber nicht
angreifbar machen, sollten sie vor jeder Fütterungsvornah-
Dr. Diane Schrems- me dokumentieren, warum die Fütterung notwendig ist.
Sollten Hinweise für eine missbräuchliche Fütterung vor-
Scherbarth
liegen, ist die Untere Jagdbehörde für die Klärung des Sach-
45 Jahre alt, seit 29 Jahren Jägerin, verhalts zuständig. Im Jagdjahr 2019/2020 wurden insge-
ist Justiziarin des BJV, Stellvertre- samt 23 Anordnungen zur Unterlassung missbräuchlicher
terin im Obersten Jagdbeirat und Wildfütterungen nach § 23a Abs. 1 i. V. m. Abs. 2 Satz 2 Nr.
Mitglied der BJV-Kreisgruppe 2 AVBayJG erlassen. Das ist ein gutes Ergebnis, wenn man
Regensburg. bedenkt, dass Bayern über 9.000 Gemeinschaftsjagd-
reviere hat. ♦
26 JAGD
in Bayern
1-2022Manufakturen machen die Kunst
des Handwerks sichtbar.
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Bei Eis und Schnee wird die Nahrung knapper.
Den daheimgebliebenen Singvögeln können Sie
dann mit Futtergaben unter die Flügel greifen.
Aber ist das nur in der kalten
Jahreszeit sinnvoll?
D er Winter hat Einzug gehalten. Wie jedes Jahr sind vie-
le Singvögel in wärmere Gefilde gezogen. Für unsere
Standvögel, wie Rotkehlchen, Amsel, Fink und Spatz, heißt
vor allem in vielen Gärten an Futterstellen. Worauf sollten
wir aber beim Füttern achten? Und welchen Vorteil bringt
das Zufüttern auch ganzjährig?
es nun, ausreichend Nahrung zu finden, um dem energie-
raubenden Wetter standzuhalten. Unterstützung finden sie
Schädliche Bestandteile
Es gibt viele Anbieter für Vogelfutter. Oft sind in fertigen Mi-
schungen aber Bestandteile enthalten, die der Gesundheit
unserer Vögel und sogar der Umwelt schaden. Reines Fett,
das oft in fertigen Meisenknödeln enthalten ist, kann die
Stephanie Weiler Verdauung der Vögel beeinträchtigen. In einigen Mischun-
gen findet sich Ambrosia, die auch bei Vögeln Allergien
studierte Biologie/Wildbiologie auslösen kann und als nicht heimische Pflanzenart unser
und ist BJV-Fachreferentin für Ökosystem stört. Grundsätzlich gilt hier der Rat: Mischen
Naturschutz sowie die Wildland- Sie selbst mit heimischen Produkten, die ohne Insektizide
Stiftung Bayern. Sie macht gerade erzeugt wurden.
ihren Jagdschein und ist angehende Hervorragende Energielieferanten sind ungeröstete und
Biberberaterin. ungesalzene Nüsse sowie Sonnenblumenkerne. Haselnuss-
sträucher oder Sonnenblumen lassen sich auch problemlos
28 JAGD
in Bayern
1-2022REVIERPRAXIS
Vögel füttern
im Garten oder im Revier anpflanzen. Sie bieten unseren
Standvögeln eine natürliche Nahrungsquelle.
Getreideflocken von Hafer, Weizen, Dinkel, Gerste so- Futterknödel
wie Roggen liefern weniger Energie und sind bei unseren selbst gemacht
Vögeln unbeliebter. Beigemischt in selbst hergestellten
Fettfutterknödeln werden sie aber gern aufgenommen. Sonnenblumenöl mit Haferflo-
Wenn Sie im Sommer selbst ein paar Getreideähren sam- cken in eine Pfanne geben.
meln wollen, achten Sie auf Mutterkornpilze. Sie sind für Leicht erhitzen, damit
kleine Vögel tödlich. sich die Flocken vollsau-
Heimische ungespritzte Äpfel oder Beeren von Holun- gen. Anschließend die
der, Eberesche, Schneeball, Pfaffenhütchen, Weißdorn, Fettflocken mit unge-
Schwarzdorn oder Hagebutte etc. werden als Ergänzung schwefelten Rosinen,
von unseren Singvögeln gern verspeist. Auch die feinen Sa- Nüssen und Mehl-
men des Schlafmohns können Sie unseren Körnerfressern würmern vermen-
mit kleinen Schnäbeln zur Verfügung stellen. Grundsätzlich gen. In eine Form
gilt also: Nur heimische und natürliche Futtermittel sollten bringen und abküh-
ins Vogelhaus oder auf den Futterplatz. Von Brot und ande- len lassen. Fertig!
ren Lebensmitteln Finger weg!
Ganzjährig füttern
So steigt auch die Tendenz zur Zweitbrut. Zudem benötigen
Dabei spricht vieles für ein ganzjähriges Füttern, vor allem die Vögel für die Mauser und den Vogelzug ausreichend
aber in der Brut- und Aufzuchtperiode. Unsere Kulturland- Energie.
schaft ist vielerorts ausgeräumt. Beeren, Sämereien und Der Futterplatz sollte für Katzen und andere Räuber nicht zu
Nüsse fehlen, aber vor allem der Insektenschwund setzt erreichen sein, damit die Vögel ungestört fressen können.
den Jungvögeln besonders schwer zu. Ist das Nahrungs- Zudem sollte er vor Nässe geschützt sein und regelmäßig
angebot mit energie- und proteinreichen Bestandteilen gesäubert werden, um das Übertragen von Krankheiten zu
hoch, wirkt sich das positiv auf unsere Singvögel aus. We- verhindern. Kehren Sie am Abend, nachdem die Vögel an der
niger Aggression und territoriales Verhalten ermöglichen Futterstelle waren, einmal am Boden durch. Eine Schale mit
mehr Zeit für die Jungenaufzucht und Nahrungsaufnahme. sauberem Wasser rundet das Festmahl ab. ♦
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