Stiftungswelt FRÜHLING - Wir müssen reden Mission Stiftungskommunikation - Bundesverband Deutscher Stiftungen
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Stiftungswelt
FRÜHLING
2019
ECKART VON HIRSCHHAUSEN: UMFRAGE: So denken die GATES-STIFTUNG: Deutschland-
Engagement mit und für Humor Deutschen über Stiftungen Chef Kahler über das neue Berlin-Büro
Wir müssen reden
Mission StiftungskommunikationNachhaltigkeit. Das Richtige tun premiumpartner Anzeige und die richtige Rendite sichern Wenn Sie etwas verändern möchten, indem Sie Unternehmen dabei unterstützen, ihre Geschäftspraktiken zu verbessern, kann Schroders helfen, für Sie und die Gesellschaft bessere Ergebnisse zu erzielen. Wir sind führend im Bereich nachhaltiger Investments. So können Sie eine verantwortungsvolle und gleichzeitig effektive Wahl treffen. Machen Sie einen Unterschied, sprechen Sie mit Schroders. Weitere Informationen finden Sie unter schroders.de/nachhaltigkeit Bitte bedenken Sie, dass der Wert und der Ertrag einer Anlage sowohl steigen als auch fallen können und Sie den ursprünglich investierten Betrag möglicherweise nicht zurückerhalten.
Intro
Liebe Leserinnen und Leser,
„Ach, hättest Du geschwiegen, wärst Du ein Philosoph geblieben.“
So ähnlich klagte Boethius vor fast genau 1.500 Jahren im Kerker
Theoderichs. In jenen letzten Jahren des Römischen Reiches war
der Kommunikationskontext, sagen wir mal, unübersichtlich.
Wozu und wann kann man in unserer Zeit schweigen, warum
und wie sollte man laut werden? Der Schwerpunkt dieser Stiftungs-
welt widmet sich einigen der schwierigsten Fragen für Stiftungen.
1
Zur Unübersichtlichkeit kommen heute das Tempo zahlreicher
Kanäle und die wachsende Polarisierung vieler Debatten hinzu.
STIFTUNGSWELT Frühling 2019 Intro
Wenige Wochen vor dem Deutschen StiftungsTag „Unsere Demo-
kratie“ ist es Zeit für eine kritische Auseinandersetzung mit einer
manchmal vernachlässigten Schlüsselkompetenz.
Wo wir stehen, das können wir unserer neuen Emnid-Umfrage
entnehmen (Seite 14–20). Danach hält die Bevölkerung Stiftungen
zwar für kompetent, aber für wenig transparent. Was für mich aus
den ambivalenten Zahlen heraussticht: Menschen, die Kontakt zu
Stiftungen haben, haben ein viel positiveres Bild. Es gibt also viel
zu gewinnen, wenn man das Gespräch sucht.
Foto: David Ausserhofer
Ihr Felix Oldenburg
Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen24
Fotos / Illustrationen: Guy Billout (Cover), Tim Ilskens (Seite 8), Robert Giusti (Seite 24), Christian Howe / OZEANEUM Stralsund (Seite 64), Detlef Eden (Seite 42), James Marsh / www.jamesmarsh.com (Seite 6–41)
42
64
2
STIFTUNGSWELT Frühling 2019 Inhalt
Stiftungsinfo
Stiftungsinfo
Frühling 2019
Servicebeilage exklusiv für unsere Mitglieder
8
12 Warum freie Lizenzen
das Stiftungswirken
erhöhen 13 Was bei
Impressum und V.i.S.d.P.
beachtet werden
muss 18 Wie das neue
„Stiftungscockpit“
das Finanzmanagement
erleichtert
STIFTUNGSINFO
Unsere Mitglieder erhalten
zu jeder Stiftungswelt diese
hilfreiche Servicebeilage.Inhalt Stiftungswelt Frühling 2019
6 – 41
Titel
Wir müssen reden
1 Intro 42 „Für unsere Arbeit brauchen wir politi
4 Panorama sche Stabilität“ Interview mit Tobias Kahler,
Deutschland-Chef der Gates-Stiftung, über deren
Gründe, ein Büro in Berlin zu eröffnen
Titel 47 Unsere Demokratie braucht Ihre Unter
stützung Mit einer neuen Initiative will der
8 Sinn stiften! Komiker Eckart von Hirschhausen
Bundesverband die freie Stiftungsarbeit stärken
plädiert für mehr Leichtigkeit beim Engagement
48 Stiftungswachstum trotz Rendite 3
14 Stiftungen – die großen Unbekannten? Eine
schwäche Das Jahr 2018 hatte es in sich für
neue Umfrage des Bundesverbandes offenbart,
STIFTUNGSWELT Frühling 2019 Inhalt
Stiftungen. Die wichtigsten Zahlen und Trends
was die Deutschen über Stiftungen denken
50 „Die Philanthropie muss mutiger werden“
18 Zeit für Zahlen Plädoyer für mehr Geduld
WINGS-Geschäftsführer Benjamin Bellegy im
23 Forum Stiftungskommunikation Seit zehn Jah- Gespräch über visionäre Geldgeber und „Philgo-
ren Treffpunkt und Ort der Vernetzung für Pres- rithmen“
sesprecherinnen und Stiftungskommunikatoren
54 Reform dringend gewünscht! Die Ergebnisse
24 Gehen oder Bleiben? Grünen-Chef Robert einer Umfrage unter Mitgliedstiftungen zeigen,
Habeck hat sich aus den sozialen Medien verab- wie wichtig die Novellierung des Stiftungsrechts ist
schiedet. Sollte sein Schritt auch Stiftungen zu
56 Im Reich der Non-Profits Fünf Experten geben
denken geben? Ein Meinungsbeitrag
Auskunft, was Stiftungen und Social Entrepre-
28 „Man muss Generalist und Spezialist zugleich neurs verbindet – und was sie voneinander ler-
sein“ Wie das Jüdische Museum Berlin den Weg nen können
ins digitale Kommunikationszeitalter geht
30 Gekonnt über den Haufen werfen
Die Start-Stiftung hat die eigene Marke neu
positioniert – ein Erfahrungsbericht 60 Personalia
35 Der Podcast, der wirkt „Goodcast“, Deutsch- 64 Meldungen
lands erster Podcast zu Stiftungswesen und 68 Medien
Philantropie, ist gestartet 71 Outro / Impressum
37 „Eine naive und fantastische Idee“ Die taz 72 Abgestaubt
Panter Stiftung bietet bedrohten Journalisten ei-
ne Auszeit – ein Gespräch mit Programmleiterin
Konny Gellenbeck und Stipendiat Önder ŞimşekPanorama
Anstifter
Transparenz schlägt
Urheberrecht
„Zentrale Dokumente der Demokratie müssen offen
für alle bereitstehen. Das Urheberrecht darf der De-
mokratie nicht im Wege stehen.“ Nach diesem Cre-
do hatte die Open Knowledge Foundation Ende 2018
sämtliche Bundesgesetzblätter seit 1949 auf der Inter-
netseite www.offenegesetze.de veröffentlicht. Bis-
her wurden die Gesetzesblätter in dem privaten, zum
DuMont-Verlag gehörenden Bundesanzeiger-Verlag
veröffentlicht. Dieser beansprucht auf die Daten ein
Urheberrecht, weshalb für die Durchsuchung oder
den Druck der Seiten Gebühren anfallen. Die Aktion
der Stiftung zeigte Wirkung: Bundesjustizministerin
Katarina Barley kündigte gegenüber der „Frankfur-
ter Allgemeine Zeitung“ nun an, künftig alle Gesetze
und Verordnungen „uneingeschränkt digital“ zur Ver-
fügung zu stellen. Vorher müsse jedoch der Vertrag
4 mit DuMont gekündigt werden. Um diesen Schritt
auch rechtlich möglich zu machen, müsse zudem das
STIFTUNGSWELT Frühling 2019 Panorama
Grundgesetz entsprechend geändert werden.
7
Prozent der Sozialunterneh-
men in Deutschland haben ih-
»In the philanthropic
relationship it is
tempting to see
re Gründung durch Stiftungs-
mittel finanziert. Im laufen-
den Geschäft kooperieren hin-
gegen deutlich mehr, nämlich
ourselves as saviors.«
41,7 Prozent der Social Enter-
prises mit Stiftungen. Dr. Firoze Manji, Fellow an der Robert Bosch Academy und Adjunct
Professor, Institute for African Studies an der Carleton University in
Quelle: Deutscher Social Entrepre-
Kanada. Seinen Artikel zur Philanthropie in Afrika finden Sie unter
neurship Monitor 2018. www.stiftungen.org/aktuellesMeistgelesen auf stiftungen.org
Drei Fragen an
Thomas Radetzki
Aurelia Stiftung
Herr Radetzki, der Deutsche StiftungsTag
2019 hat das Motto „Unsere Demokratie“.
Was bedeutet für Sie „Unsere Demokratie“?
Thomas Radetzki:Wir haben unsere Demo-
kratie zu lange Polit-Profis überlassen, deren
Verschärfte Regeln für den Handlungen zu oft kosmetischen Charakter
Kapitalertragsteuerabzug haben. Kein Wunder, dass viele Bürger poli-
tikverdrossen sind. Doch als „Bienenbotschaf-
Was ist neu ab 2019? Wer ist von der Neuregelung betroffen? ter“ begegne ich immer mehr Menschen, die
Was ist für Dividenden, die im Jahr 2018 zugeflossen sind, aus der Opferhaltung in Eigenverantwortung
zu beachten? Wir beantworten die wichtigsten Fragen. gehen, konstruktiv und sinnstiftend tätig
www.stiftungen.org/kapitalertragsteuerabzug werden. Das stimmt mich optimistisch, was
unsere Demokratie angeht.
Fotos / Grafiken: Lisa Tegtmeier (Blog Stiftungsrecht), Erich Consemüller (Blog Bauhausjubiläum), adrian_ilie825 / stock.adobe.com (Blog Datendiebstahl), Wolfgang Schmidt (Portrait Radetzki)
Was leistet die Aurelia-Stiftung für „Un
sere Demokratie“? Unsere Stiftung setzt sich
für einen agrarpolitischen Wandel ein, weil
industrielle Agrarproduktion ein wesentlicher
Faktor für Artenverlust und Klimawandel ist.
Wir erstellen Studien über diese Probleme
und arbeiten an Lösungen, Bildungsmaßnah-
men und Forschungsprojekten.
„Das Bauhaus ist weltweit
zu entdecken“ Sind Bienen die besseren Demokraten? 5
Ja. Bei der Suche und Wahl eines neuen Nist-
STIFTUNGSWELT Frühling 2019 Panorama
Dr. Claudia Perren, Direktorin und Vorstand der Stiftung platzes, von dessen Erfolg das Überleben des
Bauhaus Dessau, erzählt anlässlich des Jubiläumsjahres im Volkes abhängt, gibt es keinen Chef oder hie-
Interview, welche Spuren das Bauhaus weltweit hinterlassen rarchische Strukturen. Ausgangspunkt ist die
hat. www.stiftungen.org/bauhausjubilaeum Urteilsbildung einzelner Bienen über die Güte
einer neuen Behausung, deren anschließende
Tanz-Kommunikation darüber und sodann ihr
Verfahren, zügig zu einem optimalen Konsens
zu finden. Dass wir von den Bienen lernen
können, möchte ich in meinem Vortrag auf
dem Deutschen StiftungsTag verdeutlichen.
Datendiebstahl trifft im
innersten Kern
Stiftungen verwalten oft private und nicht selten höchst sen- Thomas Radetzki ist Vorstandsvor-
sible Daten der von ihnen Geförderten. Höchste Zeit, dass sie sitzender der Berliner Aurelia Stiftung.
Der Bienenexperte spricht auf dem
dem auch Rechnung tragen. StiftungsTag 2019 in Mannheim zum
www.stiftungen.org/datendiebstahl Thema Bienen-Demokratie.1. REGEL – MUT UND HALTUNG Bewahren Sie Haltung. Denn nur dann kommt Ihre Botschaft über- zeugend an.
Wir
müssen
reden
Die politische Großwetterlage ist stürmisch, der Wellengang der
öffentlichen Debatte hoch. Zugleich stellt das enorme Tempo
zahlreicher neuer Kanäle nicht nur Kommunikationsverantwortliche 7
in Stiftungen vor Herausforderungen. Gar nicht so einfach, in dieser
STIFTUNGSWELT Frühling 2019 Kommunikation
Situation Kurs zu halten. Der Schwerpunkt dieser Stiftungswelt
versucht, Orientierung zu bieten, und gibt Ihnen einige Regeln für
eine erfolgreiche Stiftungskommunikation an die Hand.
Illustration: Guy BilloutSinn stiften!
Fünf Thesen, wie gesellschaftliches Engagement wirksamer werden kann –
und welche Rolle die Kommunikation dabei spielt
Von Eckart von Hirschhausen
Erste These: Jeder ist vermögend.
Die altehrwürdige Idee der Stiftung ging von Vermögen als
Grundstock an Kapital aus. Meine Definition von „Vermö-
gen“ geht eher dahin, dass jemand etwas zu bewegen „ver-
mag“. Mit Zeit, mit Ideen, mit Vernetzung. Und das geht
in der digitalen Welt und in Zeiten der Aufmerksamkeits-
ökonomie manchmal auch ohne Kapital. Gleichzeitig su-
chen Milliarden Euro in Deutschland neuen Sinn. Spen-
densummen und Stiftungsvermögen nehmen nicht zu, ob- der jungen Generation derzeit ein Bewusstsein dafür, dass
wohl es mehr Stiftungen gibt. Wir hocken auf einem Pri- ihre Lebensgrundlagen durch die Art und Weise, wie wir
8 vatvermögen von geschätzten 6.000 Milliarden Euro, und wirtschaften, zerstört werden und dass sie die Entschei-
immer mehr Menschen wird klar: In den Himmel können dungen, die ihre Zukunft betreffen, mitbestimmen wol-
STIFTUNGSWELT Frühling 2019 Kommunikation
sie es nicht mitnehmen. Gemessen daran ist das Geld, das len. Wenn die Zeit dafür reif ist, kann eine Schülerin aus
in Gemeinnützigkeit investiert wird, peinlich gering. Denn Schweden eine weltweite Welle auslösen, die in dieser
wenn das Gemeinwesen zusammenbricht, nutzt einem Form keiner vorhergesagt hätte.
auch das ganze Geld nichts mehr. Authentisches Engagement hat eine Kraft, die zu be-
Wir sind als Menschheit gerade dabei, uns das Le- wegen vermag. Und die sozialen Medien in all ihrer Zwei-
ben auf der Erde zur Hölle zu machen. Die großen Prob- schneidigkeit machen es möglich, Ideen ohne hohe Trans-
leme, vor denen wir stehen, sind neben der Gefährdung aktionskosten zu verbreiten. Es muss heute niemand mehr
der Demokratie in Europa und der steigenden Gefahr von auf das Wohlwollen der Lokalzeitung warten – Menschen
Kriegen vor allem die ganz konkrete Überhitzung der At- werden im Digitalzeitalter selbst zum „Sender“, zum Me-
mosphäre und die durch den Klimawandel drohende Ver- dium und zum Beweger.
nichtung unserer Lebensgrundlagen. Wie die aktuellen
Schülerproteste „Fridays for Future“ zeigen, entsteht in Zweite These: Die Menge an engagierten Menschen
darf nicht konstant bleiben.
Wer einmal bekannt dafür ist, dass er sich engagiert, auf
den wird sehr viel abgeladen. Das gilt in jedem kleinen
Verein, in jeder Kirchengemeinde, und das gilt auch für
die öffentlich engagierten Fernsehgesichter. In dem Mo-
ment, in dem man seinen kleinen Finger hebt, kommen
viele, die sich mit der Hand nicht zufriedengeben wollen,
sondern gleich beide Arme nehmen. Das macht schnell
bewegungsunfähig.Seit ich vor zehn Jahren meine Stiftung Humor hilft Dritte These: Stiftungen dürfen Forderungen an die
heilen gegründet habe, die sich für mehr Humanität in der Politik stellen – und sollten es auch deutlicher tun.
Humanmedizin einsetzt, werde ich überschüttet mit An- Wer sich um sozial benachteiligte Gruppen kümmert,
fragen und Bettelbriefen. Ich schreibe dann sehr freundlich darf und sollte sich durchaus die Frage stellen, warum es
zurück, ob die Anfragenden das Naheliegende schon getan so viele davon gibt. Und wie etwas daran zu ändern wäre.
haben: in der Nähe zu suchen statt sich auf einen bundes- Es ist toll, wenn sich Naturschützer in ihrer Freizeit da-
weit Prominenten zu stürzen. Vor 20 Jahren wäre ich noch für einsetzen, Insekten zu zählen, und dadurch offenbar
für sehr viele Projekte zu gewinnen gewesen. Daher mein wird, wie weit wir das Artensterben durch unsere Art der
Rat: Wer jetzt etwas aufbaut, sollte sich in der Szene unter Landwirtschaft schon getrieben haben. Aber dann müs-
den 30-Jährigen umschauen und sich überlegen, wer von sen auch die großen und schwerfälligen Forschungsein-
denen das Potenzial hat, mit der Aufgabe – und in die Öf- richtungen greifen, dann müssen politische Prozesse in
fentlichkeit hinein – zu wachsen. Gang kommen.
Der zweite Rat ist Mark Twains wunderbarem Buch Bei allen großen Umweltfragen reicht es nicht,
„Die Abenteuer des Tom Sawyer“ entlehnt: Als der Titel- seinen Müll zu trennen und nur im Privaten an seinem
held den Gartenzaun streichen muss, schafft er es, alle Kin- ökologischen Fußabdruck zu arbeiten. Ja, ich kann weni-
der auf diese Aufgabe heiß zu machen, indem er es als et- ger Fleisch essen, weniger Essen wegwerfen und weniger
was ganz Besonderes hinstellt, dabei sein zu dürfen. Ein Flugreisen machen. Aber dass es bis heute oft billiger ist,
tolles Ehrenamtsmanagement machen etwa die McDo- innerhalb Deutschlands zu fliegen als mit der Bahn zu 9
nalds-Kinderhäuser. Dort „dürfen“ die Ehrenamtlichen gar fahren, ist einfach himmelschreiender Schwachsinn. Das
STIFTUNGSWELT Frühling 2019 Kommunikation
nicht mehr als eine bestimmte Stundenzahl in der Woche kann ich als Einzelner zwar nicht ändern. Aber ich kann
Dienst tun. Als Schirmherr eines dieser Häuser in Mainz darauf hinarbeiten, dass Kerosin besteuert wird, dass die
habe ich Veranstaltungen mit sehr vielen unterschiedli- Wende hin zu hundert Prozent erneuerbare Energien
chen Menschen erlebt, die nicht zur „klassischen“ Engage- schnellstens vorangetrieben wird und dass die Braun-
ment-Szene gehören. Menschen, die voll im Beruf stehen, kohle in der Erde bleibt, statt uns in der Atmosphäre zu
aber gern eine begrenzte und planbare Zeit spenden, wenn ersticken.
sichergestellt ist, dass sie von ihrem Engagement nicht Stiftungen sollen die Lücken aufdecken, beschrei-
gleich „aufgefressen“ werden. Stiftungen müssen raus aus ben, Leid lindern und Freude mehren. Aber sie dürfen
der „Elite“-Ecke, Ehrenamtliche raus aus der „Ich opfere nicht als Alibi-Veranstaltung instrumentalisiert werden,
mich auf“-Ecke. Und es braucht Plattformen, wo sich phi- als „Ja, wir tun doch was“. Sie dürfen nicht das Trostpflas-
lanthropische Ideen und Menschen, die Zeit und Lust ha- ter oder Feigenblatt sein, sondern der Finger in der Wunde.
ben anzupacken, begegnen. Und die heilt man am besten ganzheitlich.Vierte These: Wer mit Projekten nicht scheitert,
macht die falschen.
Seit ich Visiten von Clowns im Krankenhaus fördere, mag
ich die Metaphorik in diesem Tun: Der Clown scheitert
stellvertretend für uns. Gerade bei behinderten, alten oder
palliativ kranken Menschen erleben wir kleine „Wunder“,
wie entlastend und befreiend es ist, wenn sich jemand blö-
der anstellt als man selbst. Und es jedes Mal schafft, einmal
mehr aufzustehen, als er hingefallen ist.
Auf Stiftungen übertragen, bedeutet dies: Sie müs-
sen sich mehr trauen! Viele Projekte werden gemacht, weil die belegt, was wir schon immer ahnten: Moral und Hu-
sie „sicher“ funktionieren. Weil sie kritiklos sind. Weil sich mor vertragen sich schlecht. „Spaßbefreit“ trifft es gut, denn
alle einig sind, dass das eine „gute Sache“ ist. Wenn zu viel wer sich auf einer ethisch uneinholbar überlegenen Posi-
Einigkeit herrscht, ist das ein Zeichen für zu viel Mittel- tion wähnt, dem kommt das Subversive und Ambivalente
maß. Stiftungen können Pioniere sein, in Felder gehen, wo des Humors bedrohlich vor. Es könnte ja jemand bemer-
das Terrain noch nicht so klar beschrieben und abgesichert ken, dass die Ehrfurcht vor der Autorität nicht die einzige
ist. Stiftungen dürfen mit Projekten scheitern – für mich ist Möglichkeit der Betrachtung ist. Oder um in der Welt der
das ein Kriterium, dass sie auch dorthin gehen, wo es weh Märchen und der entlarvenden Kraft des Kindermundes zu
tut. Klar macht Musikförderung für benachteiligte Kinder bleiben: Womöglich ist der Kaiser nackt. Wer an sich selbst
viel Sinn. Von dieser Art von Projekten gibt es aber schon hohe ethische Standards anlegt, wandelt als impliziter mo-
sehr viele, sehr gut finanzierte und langfristige. Aber viel- ralischer Vorwurf an alle anderen durch das Leben. Beliebt
leicht spielt die Musik auch mal auf einem anderen Feld? Es macht das nicht. Fragen Sie mal Jesus.
gibt nicht mehr das, was sowieso richtig ist. Stiftungen sol- Wenn schon die Moralisten wenig Humor haben,
len ihr Geld konservativ anlegen – und so haben sie Wag- tröstet es ein wenig, dass Ideologen und Fundamentalis-
niskapital für das Sinnvolle! ten erst recht keinen kennen. Es gibt rechte Popmusik, aber
keine rechten Comedians. Kann das daran liegen, dass
Fünfte These: Humor verhindert den moralischen Rechte generell keinen Humor haben? „Es gibt keinen of-
Beigeschmack der „Gutmenschen“. fen AfD-nahen Comedian, keine neurechte Titanic, keinen
Mark Twain hat mein Dilemma, diesen Artikel zu schrei- rechtspopulistischen Postillon“, schreibt Till Raether im Ju-
10 ben, einst so pointiert: „Im Himmel gibt es keinen Hu- li 2017 im SZ-Magazin. Nach einer halbjährigen Recher-
mor.“ Der Schriftsteller stellte sich das Paradies wohl als che in rechten Publikationen, auf entsprechenden Inter-
STIFTUNGSWELT Frühling 2019 Kommunikation
ewige Tugendparade vor, so wie der Münchner im Him- netseiten und Social-Media-Auftritten stellt der Autor und
mel aus der gleichnamigen Satire des bayerischen Schrift- Journalist fest: „Rechte können keinen Humor.“
stellers Ludwig Thoma bei dem fortwährenden Frohlocken Was allen von ihrer Position maßlos Überzeugten
auch nicht lachen durfte. Eine aktuelle psychologische Stu- fehlt, nennen Psychologen „Ambiguitätstoleranz“. Ge-
Stiftung Humor hilft heilen
Die Stiftung Humor hilft heilen hat es sich zur
Aufgabe gemacht, das therapeutische Lachen zu
fördern, wo immer es gebraucht wird: in der Medi-
zin, der Arbeitswelt und der Öffentlichkeit. Obers-
tes Ziel der Stiftung ist es, das Humane in der
Humanmedizin zu stärken. Dazu hilft sie unter
anderem, professionell ausgebildete Clowns in
Kliniken und Pflegeheimen deutschlandweit zu
etablieren, und fördert die stetige Fortbildung von
Illustration: Teresa Fasolino
Klinikclowns durch Seminare, Workshops
sowie Supervision.
www.humorhilftheilen.de2. REGEL – HUMOR UND LEICHTIGKEIT Nehmen Sie sich nicht zu ernst. Denn mit Humor und Leichtigkeit lassen sich schwierige Themen viel besser vermitteln.
meint ist die Fähigkeit, es für möglich zu halten, dass man
irrt. Dass es nie die eine Wahrheit gibt, sondern wir nur
Teile davon erhaschen und erkennen können, und dass
deshalb jemand anderes auf seine Art und aus seinen ei- Ein wunderbarer Coach und Freund, Jens Corssen
genen guten Gründen auch recht haben könnte. Der Lyri- aus München, übt mit den Menschen „gehobene Stim-
ker Erich Fried hat das in einem Gedicht sehr gut auf den mung“. Denn Veränderungen werden nicht aus der Ver-
Punkt gebracht: biesterung heraus geschehen. Wenn wir die Welt retten
wollen, dann sollten wir den Zeigefinger nicht so oft zum
Drohen nutzen, sondern öfter zum Kitzeln. Und betonen,
dass wir niemandem etwas „wegnehmen“ wollen, son-
dern nur mit radikalen Änderungen Lebensqualität erhal-
Angst und Zweifel ten können. Wir können es uns nicht leisten, es uns heute
nichts kosten zu lassen. Und: Wir brauchen positive Ziele.
„Nichtraucher“ klingt wie „Nichtschwimmer“ – das ist doch
Zweifle nicht kein attraktives Ziel! Wenn wir über Luftschadstoffe und
aussterbende fossile Mobilitätskonzepte reden, fühlen sich
an dem die Raser bedroht und verhalten sich wie trotzige kleine
Kinder, denen man ihr Spielzeug wegnimmt. Und automa-
der dir sagt tisch sind die Lebensschützer die Spielverderber. Deshalb
habe ich meinen Facebook-Post zu dem Thema überschrie-
er hat Angst ben: „Warum ich lieber die Abgase von einem Radfahrer
einatme als die von einem Auto …“ Nicht alle fanden das
lustig. Ich schon.
aber hab Angst Leicht ist schwer. Aber möglich. Es ist doch paradox:
Jeder Mensch meint von sich, er habe Humor. Gleichzei-
vor dem tig kennen wir viele, die keinen haben. Das geht nicht auf.
der dir sagt Wollen Sie wissen, zu welcher Gruppe Sie gehören? Ein
kleiner Test: „Statistisch ist jeder dritte Deutsche hässlich.
er kennt keinen Zweifel Wenn Sie jetzt einmal unauffällig rechts und links schau-
12 en, und die beiden neben Ihnen sehen ganz okay aus – ja
Erich Fried, Angst und Zweifel dann – haben Sie Humor!“ ←
STIFTUNGSWELT Frühling 2019 Kommunikation
aus: Erich Fried, Gegengift
© 1974 Verlag Klaus Wagenbach, Berlin
Weil Humor Zweifel eben nicht ausräumt, sondern be-
trachten kann und sogar die Uneindeutigkeit genießt, ist
er so ein wunderbares Mittel in der Kommunikation von
schwierigen Themen. Und auch, wenn man über viele Din-
ge, die in Deutschland und der Welt gerade schieflaufen,
wirklich den Humor verlieren kann, halte ich mich an Karl
Valentin: „Wenn es regnet, freue ich mich. Denn wenn ich Über den Autor Dr. Eckart von Hirschhausen (Jahrgang 1967)
mich nicht freue, regnet es auch.“ studierte Medizin und Wissenschaftsjournalismus in Berlin, London
und Heidelberg und ist seit über 20 Jahren als Komiker, Autor und
Moderator in den Medien und auf der Bühne präsent. Hinter den
Kulissen engagiert sich Eckart von Hirschhausen mit seiner Stiftung
Humor hilft Heilen für mehr gesundes Lachen im Krankenhaus sowie
für Forschungs- und Schulprojekte. Als Botschafter und Beirat ist
Foto: Steffen Jänicke
er unter anderem für die Deutsche Krebshilfe, die Deutsche Bahn
Stiftung und die Stiftung Deutsche Depressionshilfe tätig. Auf dem
Deutschen StiftungsTag 2019 in Mannheim hält er am 7. Juni die
Festrede. www.hirschhausen.compremiumpartner
BEST-IN-CLASS IMPACT
SUSTAINABLE
SRI
SDG
ENGAGEMENT RESPONSIBLE
INVESTING
ESG
WIR HABEN DEN DURCHBLICK:
UNSER ETHIK-ANALYSE-PROZESS –
ERFOLGREICH SEIT 1995.
Das PRIME VALUES Ethik-Komitee der Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG prüft und bewertetet regelmäßig die Ethikprofile
von Unternehmen und Anleiheemittenten. Seine Beurteilungen sind bindend für die Zusammensetzung der darauf basieren-
den Portfolien. Der unabhängige Expertenrat ist mit renommierten Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen besetzt.
Seine Mitglieder haben ausgewiesenes Know-how in den Bereichen Wirtschaftsethik, Medizin, Ökologie, Ingenieurwissen-
schaften, Finanzwirtschaft und Theologie. Das Ethik-Komitee gewährleistet umfassende Kompetenz und eine strikte Konse-
quenz bei der Berücksichtigung nachhaltiger Standards - und das seit 1995.
Diese Werbemitteilung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes wird ausschließlich zu Informationszwecken zur Verfügung gestellt und kann eine individu-
elle anlage- und anlegergerechte Beratung nicht ersetzen. Die H&A Global Investment Management GmbH, Kaiserstraße 24, 60311 Frankfurt am Main un-
terliegt der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Graurheindorfer Straße 108, 53117 Bonn und Marie-Curie-Straße 24-28,
60439 Frankfurt am Main. Die Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG ist eine 100prozentige Tochtergesellschaft der H&A Global Investment Management GmbH.Stiftungen –
die großen
Unbekannten?
In fast allen gesellschaftlichen Bereichen spielen Stiftungen eine eminent
wichtige Rolle. Doch inwieweit ist dies der Öffentlichkeit bewusst? Und was
denken die Deutschen über Stiftungen? Wir haben nachgefragt
14
→→ Welches Bild haben die Menschen
STIFTUNGSWELT Frühling 2019 Kommunikation
in Deutschland von Stiftungen? Und
wie hat sich ihre Einstellung zu Stif-
tungen in den vergangenen zehn Jah-
Piktogramme: mirror by Nanda Ririz from the Noun Project, talking by Adrien Coquet from the Noun Project
ren verändert? Um dies herauszufin-
den, hat der Bundesverband Deut-
scher Stiftungen im Januar 2019 das Positive Entwicklung Das Image von
Meinungsforschungsinstitut Kantar
Emnid beauftragt, eine entsprechen- Stiftungen hat sich in den vergangenen
de repräsentative Befragung aus dem
Jahr 2010 zu wiederholen.
Jahren deutlich verbessert.
Bei der aktuellen Befragung
wurden insgesamt 1.025 Personen
zwölf gegensätzliche Eigenschafts-
paare vorgelegt, die sie auf Stiftun-
gen beziehen sollten. Dabei konnten
die Befragten ihr Urteil auf einer Ska- parent / lassen sich nicht in die Karten zwischen 4 und 5 verortete, der ver-
la von 1 bis 5 abstufen. Das erste Ge- schauen“. Wer sich zwischen 1 und 2 tritt die Auffassung, dass Stiftungen
gensatzpaar etwa lautete: „Stiftungen auf der Skala einordnete, der stimmt nicht transparent arbeiten. Und die-
arbeiten sehr transparent / lassen sich damit der Aussage, dass Stiftungen jenigen, die sich bei 3 eingruppierten,
sehr gerne in die Karten schauen“ ver- sehr transparent arbeiten, ganz oder haben keine Meinung zu diesen bei-
sus „Stiftungen arbeiten nicht trans- weitgehend zu. Wer sich hingegen den Aussagen oder wissen es nicht.Ambivalentes Bild
Auf den ersten Blick scheint das Er-
gebnis der Umfrage durchaus erfreu-
lich: Immerhin rund die Hälfte der
Befragten findet Stiftungen seriös,
wirkungsvoll und kompetent. Bei nä-
herer Betrachtung differenziert sich
dieses Bild allerdings. So meint fast
ein Drittel der Befragten, dass Stif-
Auf den persönlichen Kontakt kommt
tungen nicht oder nicht sehr transpa- es an Wer eine Stiftung kennt, hat
rent sind, über ein Viertel sagt, dass
sie hauptsächlich den Interessen der grundsätzlich ein deutlich besseres Bild
Stifterin / des Stifters dienen, und im-
merhin ein Fünftel hält sie für elitär
von Stiftungen als jemand, der noch nie
und abgehoben. Diese Zahlen legen mit einer Stiftung zu tun hatte.
die Vermutung nahe, dass das Nega-
tivbild von Stiftungen als Steuerspar-
modell einer kleinen, privilegierten
Bevölkerungsschicht eine gewisse Be-
harrungskraft hat. Grund genug für
jede Stiftung, sich mit dieser verbreite-
Fast die Hälfte der Befragten findet, dass Stiftungen viel bewirken
Standpunkte zu Aussagepaaren über Stiftungen, in Prozent,
links Werte 1 + 2 , rechts Werte 4 + 5 auf einer 5er-Skala
Stiftungen …
15
sind seriös 51 9 sind nicht seriös
STIFTUNGSWELT Frühling 2019 Kommunikation
bewirken viel 48 10 bewirken wenig
sind kompetent 45 3 sind inkompetent
sind vertrauenswürdig 44 13 sind nicht vertrauenswürdig
arbeiten sehr professionell 41 6 arbeiten wenig professionell
gehen sorgfältig mit Geld um 38 11 gehen nicht sorgfältig mit Geld um
dienen hauptsächlich dienen hauptsächlich den
der Allgemeinheit
38 27 Interessen des Stifters
sind bodenständig,
mitten unter uns 38 20 sind elitär, abgehoben
arbeiten nachhaltig 38 10 arbeiten nicht nachhaltig
sind innovativ, stoßen sind nicht innovativ, stoßen
34 13
neue Entwicklungen an keine neuen Entwicklungen an
sind fortschrittlich 33 17 sind konservativ
arbeiten sehr transparent, lassen arbeiten nicht transparent, lassen
sich sehr gern in die Karten schauen
23 31 sich nicht in die Karten schauen
n = 1.025
Quelle: Umfrage „Assoziationen zu Stiftungen“, Bundesverband Deutscher Stiftungen durch Kantar Emnid, Januar/Februar 20193. REGEL – TRANSPARENZ Machen Sie Strukturen und Finanzen Ihrer Stiftung öf- fentlich. Denn Transparenz erhöht die Glaubwürdigkeit.
Beim Thema Transparenz von Stiftungen sehen die Befragten
immer noch Nachholbedarf
Standpunkte zu Aussagepaaren über Stiftungen, in Prozent, Werte 1 + 2 auf einer 5er-Skala
Stiftungen…
51
sind seriös
41
48
bewirken viel
35
45
sind kompetent
39
44
sind vertrauenswürdig
32
41
arbeiten sehr professionell
38
38
gehen sorgfältig mit Geld um
27
dienen hauptsächlich der All- 38
gemeinheit 27
sind bodenständig, 38
mitten unter uns 24
2019
38 (n = 1.025)
arbeiten nachhaltig
29
2010
sind innovativ, stoßen neue 34
(n = 1.350)
Entwicklungen an 26
33
sind fortschrittlich
25
arbeiten sehr transparent, 23
lassen sich sehr gerne in die
19
17
Karten schauen
STIFTUNGSWELT Frühling 2019 Kommunikation
Quelle: Umfragen „Assoziationen zu Stiftungen“, Bundesverband Deutscher Stiftungen durch Kantar Emnid, Januar/Februar 2019 sowie März 2010
ten Wahrnehmung selbstkritisch aus- Vergleich zu 2010 immerhin 38 Prozent dieser Aussage
einanderzusetzen und sich zu fragen, Zugleich zeigt der Vergleich der aktu- zu. Auch die Wirkung von Stiftungen
wie sie ihr durch eigenes Handeln und ellen Umfrage mit der von 2010: Das wurde in der aktuellen Umfrage posi-
Auftreten entgegenwirken kann. Image von Stiftungen hat sich in den tiver bewertet als 2010: Während vor
vergangenen zehn Jahren insgesamt zehn Jahren 35 Prozent der Befragten
deutlich verbessert – ein höchst er- sagten, dass Stiftungen viel bewirken,
freulicher Befund, der für die Zukunft waren es Anfang dieses Jahres fast die
hoffen lässt. Werden die beiden bes- Hälfte.
ten Ausprägungen (1+2) jeweils ad- Wie oben bereits erwähnt,
diert, schneiden Stiftungen heute in wird Stiftungen gern nachgesagt, dass
fast allen zwölf Eigenschaften, die ab- sie elitär seien. Besonders freuen dürf-
Illustration: John H. Howard
gefragt wurden, besser ab als im März te daher viele Stiftungen, dass die Be-
2010. So fand etwa vor zehn Jahren fragten hier milder urteilen als noch
gut ein Viertel der Befragten, dass Stif- vor zehn Jahren: Immerhin 38 Pro-
tungen hauptsächlich der Allgemein- zent stimmten in der aktuellen Um-
heit dienen. Anfang 2019 stimmten frage der Aussage zu, dass Stiftun-gen sehr oder weitgehend „boden- Mehr Kommunikation!
Zeit für Zahlen ständig und mitten unter uns“ sind; Bei aller Freude über die insgesamt
2010 teilte nur knapp ein Viertel positive Entwicklung in der Wahr-
Plädoyer für mehr Geduld
diese Auffassung. nehmung von Stiftungen durch
Auf den letzten drei Plätzen die Öffentlichkeit, die sich im Ver-
befinden sich damals wie heute die gleich der Ergebnisse der beiden
→→ Kennen Sie das? Eine volle Ar- Eigenschaften Innovationsfreude, Umfragen zeigt, müssen diese al-
beitswoche: Gerne würden Sie in Ru- Fortschrittlichkeit und – als abso- lerdings differenziert betrachtet
he den Fachtext lesen, der schon lan- lutes Schlusslicht – Transparenz. werden. So finden zwar 38 Prozent
ge auf Ihrem Schreibtisch wartet. Sich Immerhin konnten Stiftungen aber der aktuell Befragten, dass Stiftun-
endlich in eine wichtige Angelegen- auch in diesem Punkt aufholen: So gen hauptsächlich der Allgemein-
heit vertiefen. Nur wann? Alles soll fand 2010 nur gut ein Viertel der heit dienen. Allerdings sind im-
wieder einmal ganz schnell gehen. Befragten, dass Stiftungen innovativ merhin 27 Prozent der gegensätz-
Zahlen und Grafiken können
helfen, Sachverhalte rasch zu erfassen,
können mehr als tausend Worte sa-
gen – wenn sie gut gemacht sind. Sind
sie also etwas für Eilige? Natürlich
nicht. Auch eine Grafik will Ihre un-
geschmälerte Aufmerksamkeit, nicht
nur einen flüchtigen Blick. Das Den-
ken nimmt sie niemandem ab. Und Große Unentschiedenheit Zwischen
nein, der Kopf braucht nicht notwen-
digerweise eine hübsche Grafik-Ge- 30 und 40 Prozent der Befragten
schenkverpackung oder eine gefälli-
ge Story zur Garnierung. Geschich-
wählen auf einer fünfstufigen Skala
tenerzählen kommt seit der jüngsten die 3, haben also keine klare Meinung
Reporter-Trickserei eh aus der Mode.
Warum nicht Trendsetter sein: Zahl zu Stiftungen.
18 minus Story, das funktioniert!
Seien Sie also nachsichtig mit
STIFTUNGSWELT Frühling 2019 Kommunikation
der nackten Zahl – es sei denn, sie
kommt nur deshalb in die Welt, weil
Piktogramme: scales by Arthur Shlain from the Noun Project, increase by Ayub Irawan from the Noun Project
sie unbedingt größer und toller sein
soll als die der Konkurrenz. Haben oder sehr innovativ sind, während lichen Meinung, dass Stiftungen
Sie Geduld mit der „langweiligen“ 2019 immerhin über ein Drittel die- hauptsächlich den Interessen des
Grafik. Schauen Sie genau hin. Freuen ser Auffassung ist. Und während vor Stifters dienen, und weitere 28 Pro-
Sie sich über eine sachliche und inte- zehn Jahren sogar nur 19 Prozent zent haben keine Meinung zu die-
ressante Information. Und haken Sie der Umfrageteilnehmenden Stif- sem Gegensatzpaar.
nach, sollten Sie handwerkliche Feh- tungen als transparente oder weit- Noch deutlicher wird dies
ler oder gar eine Manipulation entde- gehend transparente Einrichtungen beim Merkmal Transparenz, das
cken. Wie Sie die erkennen, verraten einstuften, kletterte dieser Wert in in der Rangfolge der Zustimmung
Ihnen gute Bücher. Aber für die brau- der aktuellen Befragung auf 23 Pro- zu den abgefragten positiven Ei-
chen Sie dann natürlich mehr Zeit. ← zent. genschaften das Schlusslicht bil-
Dr. Antje Bischoff det: Während weniger als ein Vier-
tel der Befragten der Aussage zu-
Klassiker der Zahlenliteratur: stimmt, dass Stiftungen sehr oder
›› G. Zelazny: Wie aus Zahlen Bilder werden.
überwiegend transparent arbeiten,
Springer Gabler 2015, 229 Seiten, 64,99 Euro.
›› W. Krämer: So lügt man mit Statistik. Campus teilt knapp ein Drittel diese Auf-
2015, 224 Seiten, 19,99 Euro. fassung offensichtlich nicht, das ist
›› H.-H Dubben und H.-P. Beck-Bornholdt:
Mit an Wahrscheinlichkeit grenzender der Spitzenwert bei den Negativ-
Sicherheit. Rowohlt, 220 Seiten, 9,99 Euro. bewertungen. Und weitere 35 Pro-zent haben keine Meinung zu dieser
Aussage oder können dies nicht be-
urteilen.
Das ist ein Ergebnis, das we-
der die Stiftungen in Deutschland
selbst noch ihren Bundesverband zu-
friedenstellen kann. Stiftungen kön-
nen hier mit wenig Aufwand dazu Erfreuliche Steigerung Während vor
beizutragen, dass sich diese Werte
verbessern. Ein Beispiel: Dem Stif- zehn Jahren 24 Prozent der Befragten
tungsfokus „Transparenz gegen- Stiftungen als bodenständig empfanden, 19
über der Öffentlichkeit“ von Juni
sind es heute 38 Prozent.
STIFTUNGSWELT Frühling 2019 Kommunikation
2018 zufolge (shop.stiftungen.org/
stiftungsfokus-nr-15-transparenz)
veröffentlichen nur zwei Drittel der
Stiftungen ihren Jahresbericht auf
ihrer Internetseite, während ihn ein
Drittel lediglich an die Stiftungsauf-
sicht schickt. Dabei stellt die Veröf- die Empfehlung an Stiftungen, von in der aktuellen Umfrage bei fast al-
fentlichung des Jahresberichtes im dieser Möglichkeit auch Gebrauch zu len Eigenschaften zwischen 30 und
Netz eine einfache Möglichkeit dar, machen. 40 Prozent der Befragten den Mittel-
für mehr Transparenz zu sorgen. Da- Ein zweiter Wermutstropfen wert 3 wählen, sich also nicht fest-
her auch an dieser Stelle noch einmal aus Stiftungssicht liegt darin, dass legen. Hinzu kommen jeweils 7 bis
premiumpartner Anzeige17 Prozent, die gar keine Angabe ma-
chen. Diese große Zahl der Unent-
schiedenen legt den Schluss nahe,
dass die Mehrheit der Bürgerinnen
und Bürger in Deutschland kein kla-
res Bild von Stiftungen vor Augen hat.
Eindeutiger Auftrag Kein gutes Zeugnis Weniger als ein
Ein Grund dafür mag darin liegen,
dass gut drei Viertel der Befragten Viertel der Befragten ist der Meinung,
bisher keinen persönlichen Kontakt
zu einer der über 22.000 Stiftungen
dass Stiftungen sehr oder überwiegend
bürgerlichen Rechts in Deutschland transparent arbeiten.
hatten. Denn betrachtet man die Be-
wertungen aller Eigenschaften unter
diesem Aspekt, fällt auf, dass bei den-
jenigen, die bereits Kontakt zu einer
Stiftung hatten (das sind ein Vier-
tel der Befragten), die Bewertungen Transparenz: Hier bescheinigt fast ein keit künftig noch besser über das man-
deutlich positiver ausfallen als bei Drittel derjenigen, die Kontakt zu ei- nigfache Wirken von Stiftungen zu in-
denjenigen, die bisher noch nicht mit ner Stiftung hatten oder haben, dass formieren und stärker den Kontakt zu
einer Stiftung in Berührung gekom- Stiftungen transparent oder ziemlich den Bürgerinnen und Bürgern zu su-
men sind (drei Viertel der Befragten). transparent sind, während dies nur chen. Dazu gehört auch, dass Stiftun-
So hat zum Beispiel knapp die ein Fünftel derjenigen tut, die bisher gen mehr Transparenz insbesondere
Hälfte derjenigen, die bereits Kontakt noch nicht mit einer Stiftung in Be- beim Thema Finanzen an den Tag le-
zu einer Stiftung hatten, gesagt, dass rührung gekommen sind. Offensicht- gen. Der Vergleich der aktuellen Um-
Stiftungen hauptsächlich der Allge- lich haben diejenigen, die bereits eine frage mit der aus dem Jahr 2010 kann
meinheit dienen, während bei denje- Stiftung kennen, ein deutlich besseres dabei nur ermutigen. Denn er zeigt:
nigen, die sagen, dass Stiftungen dies Bild von Stiftungen allgemein als die- Stiftungen sind hier bereits auf dem
20 nicht tun, nur 35 Prozent schon ein- jenigen, die noch nie mit einer Stif- richtigen Weg. ← Nicole Alexander
mal mit einer Stiftung zu tun hatten. tung zu tun hatten.
STIFTUNGSWELT Frühling 2019 Kommunikation
Ähnlich auffällig ist die Diskrepanz in Angesichts der großen und
der Wahrnehmung zwischen denen trotz anhaltender Niedrigzinspha-
mit Berührungspunkten zu Stiftun- se weiter steigenden Zahl von über
gen und denen ohne beim Merkmal 22.000 Stiftungen bürgerlichen
Rechts in Deutschland und ihres viel-
fältigen Engagements quer durch al-
le gesellschaftlichen Bereiche müssen
die Ergebnisse der aktuellen Umfra-
ge aufhorchen lassen. Sie lassen sich
als eindeutiger Auftrag an die Stiftun-
Piktogramm: transparency by Sophia Bai from the Noun Project
gen und ihre Kommunikationsverant-
wortlichen verstehen, die Öffentlich-
Wie bewerten Sie die Umfrageergebnisse? Und welche Schlüsse
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tungen und gemeinnützigen Mitgliedern eine Plattform. tausch mit Menschen, deren Weltsicht wir ablehnen? Wie 23
Zweimal im Jahr kommt das Forum zusammen: machen wir unsere eigenen Positionen deutlich? Und wie
STIFTUNGSWELT Frühling 2019 Kommunikation
zum Deutschen StiftungsTag und im Herbst bzw. Winter. weit sind wir bereit, dafür einzustehen, oder gibt es für uns
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Seit 2016 wird das Forum von Esther Spang, Teamleiterin Presse,
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kleinen Forscher, und Peter Augustin, Stellvertretender Vorstand,
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Andrea Nienhaus, Leiterin Kommunikationsdesign, Projektleiterin
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Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck hat sich kürzlich mit Aplomb aus
den sozialen Netzwerken verabschiedet. Ein Schritt, der auch Stiftungen zu
denken geben sollte? Unsere Autorin hat dazu eine klare Meinung
von Christiane Germann
→→ In den letzten Wochen und Mona- Profile und Seiten als Bundeskanzle-
ten haben immer wieder Persönlich- rin zu „liken“ –, verabschiedete sich
24 keiten aus der Politik für Schlagzeilen der Bundesvorsitzende der Grünen
gesorgt, die Facebook und / oder Twit- dramatisch komplett aus den sozialen
STIFTUNGSWELT Frühling 2019 Kommunikation
ter aus verschiedenen Gründen den Netzwerken. War das richtig? Und sprecher von ihm in einem selbst ge-
Rücken gekehrt haben: zu viel Auf- welche Schlüsse lassen sich daraus für posteten Video für Kritik gesorgt. Ge-
wand, zu viele Kritiker, Sorge um die die Stiftungskommunikation ziehen? genüber der Presse klagte er, Twitter
persönlichen Daten. Habeck nannte zwei Gründe würde ihn unkonzentriert machen
Eine Politikerin und ein Politi- für seinen Abschied von Twitter und und dadurch solche Fehler provozie-
ker fielen dabei besonders auf: Ange- Facebook: Zum einen waren von ei- ren. Die sozialen Netzwerke würden
la Merkel und Robert Habeck. Doch nem Hacker private Daten aus sei- ihn außerdem dazu verleiten, viel zu
während die noch immer mächtigste nem Facebook-Profil abgegriffen und oft auf sein Handy zu schauen und
Frau Deutschlands nach ihrem Rück- öffentlich gemacht worden. Das ist sich von „Likes“ abhängig zu machen.
zug vom CDU-Vorsitz lediglich ih- in der Tat bedauerlich, passierte aber Doch diese Argumente sind sinnwid-
re Facebook-Fanpage als Parteiche- auch anderen (noch immer aktiven) rig und zeugen von einem wenig pro-
fin abschaltete – und ihre 2,5 Millio- Politikern, und der Täter ist bereits fessionellen Verständnis von Social
nen Abonnenten bat, stattdessen ihre gefasst. Zum anderen hatte ein Ver- Media.
Delegieren statt abmelden
Die meisten Politikerinnen und Po-
litiker, Parteien, Behörden und Or-
ganisationen beschäftigen profes-
sionelle Kommunikatorinnen und
Kommunikatoren, die für sie die So-
cial-Media-Kanäle bedienen oder sieeinmischen und informieren. Manche
Wählerinnen und Wähler sind für Po-
litikerinnen und Politiker heute aus-
schließlich dort erreichbar, da Erste-
re keine Zeit oder keine Lust haben,
zu öffentlichen Kundgebungen oder
Parteisitzungen zu gehen. Als Politi-
zumindest dabei unterstützen. Das sitzende hätte also einfach mehr dele- kerin oder Politiker soziale Netzwer-
hat unter anderem den Vorteil eines gieren können, anstatt sich für über- ke grundsätzlich meiden zu wollen,
Vier-Augen-Prinzips: Fällt der Politi- fordert zu erklären und abzumelden. weil es dort manchmal anstrengend 25
kerin oder dem Vorstandsvorsitzen- Vielleicht hat Robert Habeck ist, ist so, als würde man nicht mehr
STIFTUNGSWELT Frühling 2019 Kommunikation
den ein Versprecher, ein Zahlendre- aber auch die Aussicht gelockt, sich auf Marktplätzen sprechen wollen,
her oder ein anderer Fehler nicht auf, mit diesen mitunter anstrengenden weil es regnen und man nass werden
kann das Social-Media-Team nachkor- und pöbelnden Menschen im Netz könnte, oder sein Telefon abschaf-
rigieren – oder umgekehrt. Auch kön- nicht mehr beschäftigen zu müssen. fen, weil es manchmal dann klingelt,
nen Kommentare und Nachrichten Das mag für viele persönlich verständ- wenn man gerade Ruhe haben will.
vom Team im Auge behalten und be- lich sein. Für ihn als Politiker gehört
antwortet werden, wofür vielen Man- es aber im Jahr 2019 schlicht zum Job. Was bedeutet das für Stiftungen?
datsträgern verständlicherweise die Soziale Netzwerke sind seit gut zehn Soziale Netzwerke sind heute ein
Zeit fehlt. Fans und Follower erwar- Jahren ein fester Bestandteil der poli- selbstverständliches Mittel der Kom-
ten auch nicht, dass eine Person den tischen Kommunikation. Sie sind die munikation und Meinungsbildung,
gesamten Dialog in sozialen Netzwer- Orte, an denen sich viele Menschen auch und gerade für Institutionen.
ken alleine stemmt. Der Grünen-Vor- tagtäglich begegnen, austauschen, Sie sind kein Trend, der wieder „weg-
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ment Deutschland GmbH, An der Welle 5, 60322 Frankfurt am Main. Herausgegeben in Deutschland von Invesco Asset Management Deutschland GmbH. Stand: 31. Mai 2018. [EMEA4864/2018]Ignorieren ist keine Lösung
Doch auch in ruhigen Zeiten helfen
Ihnen „eigene“ Kanäle: Sie können
dort Beiträge absenden, die für die
Medien nicht relevant genug sind, Ih-
re Zielgruppen aber durchaus interes-
sieren könnten. Auch der Austausch
mit anderen ist entgegen der Befürch-
tungen meistens positiv, konstruktiv
geht“, sondern ein Fakt, mit dem man, und für beide Seiten sinnvoll, da Sie Wer nicht im Social Web ist, er-
ähnlich wie mit der Globalisierung Menschen ganz direkt von Ihren The- leidet hingegen ähnlich große Nach-
oder Digitalisierung, schlicht umge- men überzeugen oder umgekehrt et- teile wie jemand ohne Internetsei-
hen muss. was von ihnen erfahren können. Für te oder Telefon: Sie bekommen dann
Die Frage ist natürlich, wie, viele ist Social Media aus all diesen nicht mit, was dort über Sie und Ih-
denn gerade gemeinnützige Orga- Gründen der Kommunikationsweg re Themen geschrieben wird, kön-
nisationen arbeiten bekanntlich mit schlechthin. nen nicht reagieren und werden von
begrenzten Ressourcen und können den zahlreichen Digital Natives als
sich nicht in jedem Fall Vollzeit-So- schlecht erreichbar – oder gar über-
cial-Media-Teams leisten. Die gute haupt nicht – wahrgenommen. Die
Nachricht ist: Sie müssen nicht in al- größte Gefahr, gerade für gemeinnüt-
len Netzwerken gleichzeitig präsent zige Organisationen: Die Deutungs-
sein. Worauf es ankommt, ist, Ihre Soziale Netzwerke hoheit im Netz zu wichtigen gesell-
Zielgruppe zu identifizieren und sie schaftlichen Themen übernehmen
dann auf dem richtigen Kanal anzu- sind kein Trend, der dann andere.
sprechen. Deshalb sollten Stiftungen Statt sozialen Medien den Rü-
Zeit und Gedanken auf ihre Kommu-
wieder „weggeht“, cken zu kehren, sollte man sie also
nikationsstrategie verwenden – und sondern ein Fakt, klug in den eigenen Kommunikati-
Social Media als einen selbstverständ- onsmix integrieren – selbst, wenn das
lichen Bestandteil behandeln. mit dem man mangels Ressourcen erst einmal pas-
26 Letztlich bringt es enorm vie- siv geschieht, indem man sie zumin-
le Vorteile, in sozialen Netzwerken umgehen muss dest zum „Zuhören“ respektive „Mit-
STIFTUNGSWELT Frühling 2019 Kommunikation
unterwegs zu sein – deshalb haben lesen“ nutzt. Sich einfach herauszu-
die meisten Politikerinnen und Politi- halten ist jedoch nicht die Lösung! ←
ker parteiübergreifend auch recht ver-
ständnislos auf Habecks Entschluss →→ Lesen Sie zu diesem Thema
reagiert. Über Social Media lässt sich, auch den Artikel „Social Media –
mit Einsatz von etwas Zeit, aber rela- aber richtig!“ in der dieser Ausgabe
tiv wenig Geld, viel erreichen: Wichti- beiliegenden Stiftungsinfo,
ge Nachrichten können innerhalb von Seite 10 / 11.
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Foto: Henning Schacht. Illsutration: Robert Giusti
Über die Autorin Christiane Germann ist Social-Media-Beraterin für Behörden, Verbände
und Non-Profit-Organisationen. Zuvor arbeitete sie viele Jahre im öffentlichen Dienst, unter
anderem als Social-Media-Managerin im Bundesinnenministerium und im Bundesamt für
Migration und Flüchtlinge. www.christianegermann.deSie können auch lesen