TOUR DES GEDENKENS NS-ERINNERUNGS ORTE KÖLN - Stadtführung mit dem Fahrrad zu Erinnerungsorten - LAG Fanprojekte NRW

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TOUR DES GEDENKENS NS-ERINNERUNGS ORTE KÖLN - Stadtführung mit dem Fahrrad zu Erinnerungsorten - LAG Fanprojekte NRW
TOUR DES
  GEDENKENS
       NS-ERINNERUNGS­ORTE KÖLN

Stadtführung mit dem Fahrrad zu Erinnerungsorten
         des Nationalsozialismus in Köln
TOUR DES GEDENKENS NS-ERINNERUNGS ORTE KÖLN - Stadtführung mit dem Fahrrad zu Erinnerungsorten - LAG Fanprojekte NRW
IMPRESSUM
Version 01-2021
Erscheinungsjahr: Frühjahr 2021
Auflage: 350

                                                                                                                         TOUR DES
Konzept & Redaktion: Hendrik Hübel (V.i.S.d.P)
Mitwirkende an dieser Broschüre:
Jörg Stenzel, Thomas Lükewille, Peter Hacke, Felix Tamsut, Yuval Rubovitch, Kurt Schlechtriemen, R
                                                                                                 ­ oland ­Schüler,
Dirk Unschuld, Anne Beringer, Ulf Martin, Carsten Blecher, Torben Faubel, Kathrin Mühlhausen, Hendrik Hübel

                                                                                                                        GEDENKENS
Coloniacs Ultras (CNS), Definitionsmacht Colonia (DMC), NS-Dokumentationszentrum, Initiative Keupstraße,
Bürgerverein Müngersdorf, BiBeriS – Bildung & Beratung im Sport
Fotonachweise: Seite 117
Druck:
WIRmachenDRUCK GmbH
Mühlbachstraße 7, 71522 Backnang
                                                                                                                          NS-ERINNERUNGS­ORTE KÖLN
Gestaltung: Ingo Thiel

Herausgeber:
Kölner Fanprojekt
Gereonswall 112 · 50670 Köln
www.koelnerfanprojekt.de
info@fanprojekt.jugz.de

Träger:
Jugendzentren Köln gGmbH
Christianstraße 82 · 50825 Köln
www.jugz.eu, info@jugz.de
Registergericht: Amtsgericht Köln
Registernummer: HRB 29553
Aufsichtsratsvorsitzender: Dr. Ralf Heinen
Geschäftsführerin: Almut Gross

In Kooperation mit:
LAG-Fanprojekte-NRW e.V.
Universitätsstr. 83 · 44789 Bochum
www.lag-fanprojekte-nrw.de

NS-Dokumentationszentrum Köln
Appellhofplatz 23-25 · 50667 Köln
www.museenkoeln.de/ns-dokumentationszentrum

Gefördert von:
                                                                                                                     Stadtführung mit dem Fahrrad zu Erinnerungsorten
                                                                                                                              des Nationalsozialismus in Köln
TOUR DES GEDENKENS NS-ERINNERUNGS ORTE KÖLN - Stadtführung mit dem Fahrrad zu Erinnerungsorten - LAG Fanprojekte NRW
INHALT                     NS-Dokumenta­tionszentrum                    26

Vorwort – Patrick Arnold (LAG)                                              6   Kölner Dom                                   30

Grußwort der Kölnischen Gesellschaft für ­
                                                                                 Politik im Kölner Karneval                   32
Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V.                                     8

Einleitung                                                                 10   Ma’alot-Denkmal                              34

Route 1                                                                    12
                                                                                 Rosa-Winkel-Mahnmal                          38
Route 2                                                                    14
Zielgruppen                                                                16
                                                                                 Hohenzollernbrücke                           38
Organisatorisches                                                          17

Antisemitism and fan culture in ­Germany                                   18   Messehallen Deutz                            42
Antisemitismus und Fankultur in Deutschland                                19
                                                                                 Edelweißpiraten                              46
Stolpersteine                                                              22

                                                                                 Zwangsarbeiter ­Gedenktafel Mülheim          50
ERINNERUNGSORTE // TOURSTOPPS                                             
                                                                                 Keupstraße                                   52
Sportpark ­Müngersdorf
Ein Gastbeitrag von Jörg Stenzel BiBeriS – Bildung & Beratung im Sport     86   Probsteigasse Köln                           56

Jüdischer Sport in Köln
                                                                                 „Zigeunerlager“                              58
Ein Beitrag von Yuval Rubovitch                                            96

Das Schicksal der Brüder Levy                                                    Schwarz-Weiß-Platz Bickendorf                58
Aus ‚Im Zeichen des Geißbocks‘                                            100
                                                                                 Ehemaliges Fort V                            62
„Et kölsche Jeföhl“
Ein Bericht von Felix Tamsut                                              103
                                                                                 Villa des ­Bankiers Freiherr von Schröder    68
Interview: COLONIACS Ultras                                               107
                                                                                 Jüdisches Leben und Synagogen in Köln        72
FC Stadionakademie                                                        113

Danksagung                                                                114   Deutsches Sport & Olympia Museum             76

Literaturergänzungen                                                      116
                                                                                 Radstadion – ­Albert-Richter-Bahn            80
Fotonachweise                                                             117

Übersichtskarte                                                           118

4                                       Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt   Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt        5
TOUR DES GEDENKENS NS-ERINNERUNGS ORTE KÖLN - Stadtführung mit dem Fahrrad zu Erinnerungsorten - LAG Fanprojekte NRW
VORWORT – PATRICK ARNOLD (LAG)                                        Das Besondere am Standort Köln: Alle Ziel­
                                                                                          orte werden mit dem Rad angesteuert. Die
                                                                                          Kolleg*innen des Fanprojektes haben es
                             Historisch-politische Bildung
                                                                                          dank einer tollen Kooperation mit der Rad-
                             per Rad mit dem Kölner Fanprojekt
                                                                                          werkstadt geschafft, ein besonderes Format
                                Das Kölner Fanprojekt setzt mit der Neuauflage der        der Erinnerungsarbeit zu entwickeln. Kos-
                                ­Broschüre „NS-Erinnerungsorte Köln – Stadtführungen      tenlos und an der frischen Luft hat man die
                                 mit dem Fahrrad zu Erinnerungsorten des Nationalsozi-    Möglichkeit, im Rahmen von zwei verschie-
                                 alismus in Köln“ erneut Maßstäbe weit über das lokale    denen Touren vergessene und weniger ver-
                                 Netzwerk von Jugendhilfe und Fußball hinaus. Die Stadt   gessene Erinnerungsorte an die Verbrechen
                                 Köln bietet auf Grund seiner Größe, aber auch wegen      der NS-Zeit zu erkunden.
                                 seiner Bedeutung im Nationalsozialismus bereits viele
                                 örtliche Ankerpunkte im Rahmen der Erinnerungsar-        Das Konzept der Erinnerungsorte ist knapp
beit. Allen voran muss man die wichtige Vorarbeit des EL-DE-Hauses sowie anderer          25 Jahre alt, hat aber im Fall der Recherche-
zivilgesellschaftlicher Initiativen lobend erwähnen.                                      arbeiten der sozialpädagogischen Fanpro-
                                                                                          jekte in NRW nicht an Attraktivität verloren.
Das bestehende lokale Angebot wird nun durch ein Projekt des sozialpädagogischen          Das liegt vor allem daran, dass die Idee um
Kölner Fanprojektes erweitert. (Nicht nur) Fußballfans können sich auf Spurensuche        zwei interessante Faktoren erweitert worden ist. Über die Sozialraumorientierung
begeben, in ihrer eigenen Stadt. Aktuell arbeiten landesweit an sieben Standorten         und das Medium Fußball sind sinnvolle Verbindungen zur lokalen Jugendarbeit und
(Bochum, Duisburg, Gelsenkirchen, Mönchengladbach, Köln, Dortmund und Wup-                somit auch zum Bildungsauftrag der Fanprojekte hergestellt worden. Im Projekt Erin-
pertal) Gruppen in verschiedenen Zusammensetzungen an vergleichbaren Projekten,           nerungsorte geht es um viel mehr als nur reine Örtlichkeiten, im Vordergrund stehen
die Ergebnisse sind ebenso divers wie beachtlich.                                         kollektive Erinnerungen – wahrnehmbar an Orten, durch Persönlichkeiten oder be-
                                                                                          sondere Geschehnisse. All das sind auch die Zutaten, die den Fußball gesellschaftlich
                                                                                          anschlussfähig machen und für eine breite Fanbasis sorgen.

     DIE LAG                                                                              Erinnerungsorte sind identitätsstiftend, daher erscheint das Engagement, lokale Orte
                                                                                          mit Realitäten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen Fußballfans zu verknüp-
     Die Landesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte NRW e.V. ist eine unab-
                                                                                          fen, um so intelligenter wie nachhaltiger.
     hängige Fachorganisation zur Förderung von Sozialarbeit mit Jugendli-
     chen und jungen Erwachsenen Fußballfans auf nordrhein-westfälischer
                                                                                          Bitte lesen Sie die Broschüre aufmerksam, verknüpfen Sie den Stadionbesuch beim
     Landesebene und stellt ein Forum für die Zusammenarbeit, den Informa-
                                                                                          1. FC Köln mit einer der angebotenen Touren, geben Sie Feedback und tragen die Idee
     tionsaustausch und die fachliche Meinungsbildung ihrer Mitglieder dar.
                                                                                          weiter.

                                                                                          Gegen das Vergessen, Erinnern heißt handeln.

                                                                                          Patrick Arnold, Geschäftsführer LAG Fanprojekte NRW

6                                         Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt          Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt                                             7
TOUR DES GEDENKENS NS-ERINNERUNGS ORTE KÖLN - Stadtführung mit dem Fahrrad zu Erinnerungsorten - LAG Fanprojekte NRW
GRUßWORT
                                                                                         te. Orte wie eine Bahnstation, ein Wohnhaus oder ein Fußballstadion, die für viele
                                                                                         Menschen ein selbstverständlicher Teil ihrer Stadt und ihres Alltags sind, erlauben
                                                                                         es, in der Vergangenheit mehr zu sehen als nur ein abgeschlossenes Kapitel der Ge-

        DER KÖLNISCHEN GESELLSCHAFT FÜR                                                  schichtswissenschaft.

­CHRISTLICH-JÜDISCHE ZUSAMMENARBEIT E.V.                                                 Die Notwendigkeit von Projekten wie diesem wird umso deutlicher, je mehr extrem
                                                                                         rechte Akteure und Akteurinnen in Deutschland und Europa an Einfluss gewinnen.
                                                                                         So hat sich auch hierzulande in den vergangenen Jahren eine besorgniserregende
Liebe Leser*innen,
                                                                                         Entwicklung vollzogen, im Zuge derer neben Rassismus und Antisemitismus auch ge-
woran und in welcher Form in einer Gesellschaft erinnert wird, ist stets umkämpft.       schichtsrevisionistische Einstellungen immer offener geäußert werden können und
Dabei sind die Auseinandersetzungen um die Vergangenheit und ihre Deutung immer          vermehrt auf gesellschaftliche Akzeptanz stoßen. Dabei verfolgen völkisch-nationa-
auch Ausdruck gegenwärtiger Konflikte. Woran sich eine Gesellschaft (nicht) erinnert,    listische Akteure und Akteurinnen eine Erinnerungspolitik, in der sie das Gedenken
sagt viel darüber aus, welche Werte sie vertritt und wer als Mitglied der Gemeinschaft   an die nationalsozialistischen Verbrechen lieber heute als morgen durch eine unge-
anerkannt wird.                                                                          mindert positive Bezugnahme auf die deutsche Geschichte ersetzen würden.

Die in der vorliegenden Broschüre des Kölner Fanprojekts vorgestellten Orte sind         Indem das Kölner Fanprojekt an die Verbrechen des Nationalsozialismus, aber auch
ein wichtiger Teil der Kölner Erinnerungskultur. Sie erinnern an die nationalsozia-      an den rechten Terror in der jüngeren Geschichte Kölns erinnert, der ebenfalls in zwei
listischen Verbrechen und deren Opfer und sollten nicht in Vergessenheit geraten.        Beiträgen thematisiert wird, macht es deutlich, welchen gesellschaftlichen Werten
Dabei zeugen die Geschichten dieser Orte davon, dass das kollektive Erinnern an die      es sich verpflichtet fühlt. Es sieht in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozia-
Verbrechen der nationalsozialistischen Diktatur und ihre Opfer keineswegs selbstver-     lismus einen wichtigen Bestandteil der Präventionsarbeit gegen rechtsextremes Ge-
ständlich ist. Wo ein solches Erinnern einigermaßen etabliert werden konnte, ist es in   dankengut. Dabei geht es darum, jungen Menschen mit Hilfe der Vergangenheit ihre
der Regel das Ergebnis oft jahrelanger gesellschaftlicher Entwicklungen und Ausein-      Verantwortung für die Gegenwart und die Zukunft der Gesellschaft, in der sie leben,
andersetzungen, in vielen Fällen vorangetrieben von zivilgesellschaftlichen Gruppen      bewusst zu machen und sie in diesem Sinne auch zu demokratischer Teilhabe anzu-
und Einzelpersonen. Die vorhandenen Gedenktafeln, Denkmäler und Stolpersteine            regen.
gibt es, weil es Menschen gab, die sich dafür eingesetzt haben. Um die Erinnerung
an diesen Orten weiter lebendig zu halten, sind Projekte wie die Stadtführungen zu       Auch wir vom Projekt „Rote Karte gegen Diskriminierung, Rassismus und Antisemitis-
NS-Erinnerungsorten des Kölner Fanprojekts von großer Bedeutung. Sie richten sich        mus“ der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit arbeiten
vor allem an junge Menschen, die ihr Wissen zum Nationalsozialismus oft aus dem          seit vielen Jahren in der historisch-politischen Bildungsarbeit, veranstalten Tagun-
Schulunterricht und über Medien beziehen. Die Stadtführungen des Kölner Fanpro-          gen und Vorträge, organisieren Workshops für Jugendliche und Erwachsene. Daher
jekts ermöglichen einen anderen und sehr lebensnahen Zugang zur NS-Geschich-             wissen wir, wie überaus wichtig es ist, dass in allen gesellschaftlichen Bereichen en-
                                                                                         gagierte Initiativen wie die Fanprojekte in Nordrhein-Westfalen sich für eine Gesell-
                                                                                         schaft einsetzen, in der alle Menschen frei von Angst leben können. Der vorliegenden
                                                                                         Broschüre sowie der dazugehörigen Stadtführung wünschen wir in diesem Sinne ein
                                                                                         breites und interessiertes Publikum!

8                                         Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt         Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt                                              9
TOUR DES GEDENKENS NS-ERINNERUNGS ORTE KÖLN - Stadtführung mit dem Fahrrad zu Erinnerungsorten - LAG Fanprojekte NRW
Das Kölner Fanprojekt arbeitet sozialpäda-

     EINLEITUNG
                                               gogisch mit jungen und jungerwachsenen
                                               Fußballfans. Neben der Begleitung der Fan-
                                               gruppen an Spieltagen, der Vermittlung zwi-
                                               schen ihnen und dem Verein, der Polizei und
                                               weiteren Akteuren, initiieren wir Projekte,
                                               interkulturelle Fanbegegnungen, Lesungen
                                               und Vorträge rund um den Fußball. Wir ste-
                                               hen bei Problemen im Fußballzusammen-
                                               hang, aber auch in allen anderen Lebensla-
                                               gen zur Verfügung. Ein Schwerpunkt unserer
                                               Aufgaben ist die Antidiskriminierungsarbeit.
                                               Wir sensibilisieren für alle Formen von Diskri-
                                               minierung, die in Fußball und Gesellschaft vorkommen. In verschiedenen Projekten
                                               unterstützen wir Fans und setzen uns gemeinsam mit ihnen gegen Diskriminierung
                                               ein. Insbesondere Ultra-Gruppen engagieren sich auf vielfältige Weise beispielsweise
                                               gegen Rassismus oder erinnern an Unrecht und Menschenfeindlichkeit während der
                                               NS-Zeit in ihrer Stadt. In jeder Stadt befinden sich unzählige Erinnerungsorte zum
                                               Nationalsozialismus. Viele dieser Orte sind den Bürger*innen jedoch nicht bekannt.
                                               Die Idee zu dem Projekt Erinnerungsorte des Nationalsozialismus entstand bei der
                                               Landesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekt NRW e.V. Um die Geschichten der Erin-
                                               nerungsorte in Köln an Jugendliche weiterzutragen, hat das Kölner Fanprojekt eine
                                               abwechslungsreiche Tour durch die Stadt entwickelt. Den Jugendlichen bietet sich
                                               die Chance, ihren Sozialraum zu erweitern und mit anderen Augen wahrzunehmen.

                                               Unterstützt wurde das Fanprojekt dabei vom NS-Dokumentationszentrum der Stadt
                                               Köln. Das NS-Dokumentationszentrum ist eine der größten lokalen Gedenkstätten für
                                               die Opfer des Nationalsozialismus in der BRD und wird auch bei jeder unserer Tou-
                                               ren besucht. Die Broschüre enthält auch Orte, die nicht in unsere Routenvorschläge
                                               eingebunden sind, welche wir euch trotzdem unbedingt vorstellen möchten, damit
                                               ihr sie eigenständig besuchen könnt. Bei individuellen Tourgestaltungen können wir
                                               diese auf Wunsch miteinbinden.

                                               Um eine möglichst vielfältige Tour anbieten zu können, werden die Orte mit dem
                                               Fahrrad angefahren.

                                               Hierzu haben wir zwei mögliche Routen entworfen, die im Folgenden beschrieben
                                               werden.

10    Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt   Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt                                           11
TOUR DES GEDENKENS NS-ERINNERUNGS ORTE KÖLN - Stadtführung mit dem Fahrrad zu Erinnerungsorten - LAG Fanprojekte NRW
ROUTE 1
                    VON DER ALTSTADT NACH MÜLHEIM                                     TREFFPUNKT:
                                                                                      Radstation am Kölner Hauptbahnhof
Die Route 1 führt von der Innenstadt entlang des Rheins bis nach Mülheim und ver-
                                                                                      Breslauer Platz, 50667 Köln
knüpft Erinnerungsorte mit aktuellen Themen des Rechtsextremismus. Wir starten
dabei an Erinnerungsorten in der Altstadt und werden uns danach auf der anderen
Rheinseite mit einem zentralen Ort des nationalsozialistischen Kölns, den Messehal-
len in Deutz, widmen bevor wir den Rhein entlang zur Keupstraße fahren und dort       Stationen der Route 1                    Thematischer Schwerpunkt
einen Ort aktuellen rechtsmotivierten Terrors kennenlernen. Die Tour endet dort.
                                                                                      1.1.   NS-Dokumentationszentrum          Kennenlernen des NS Dokumentati-
                                                                                                                               onszentrums: Einstieg in das
                                                                                                                               Thema Erinnerungsorte

INFOS:                                                                                1.2.   Früh Brauhaus                     Karneval im Nationalsozialismus

                                                                                      1.3.   Kölner Dom                        Die Stadt Köln im Nationalsozialismus
Strecke		        8 km, überwiegend flach und mit einem schönen Panoramablick
                                                                                                                               und danach
			              den Rhein entlang
                                                                                      1.4.   Ma’alot – Skulpturen              Erinnerungsmahnmal zum Holocaust
Dauer			         ca. 2 ½ Std. (inklusive Stopps und Erklärungen)
                                                                                                                               und der Kölner Hintergrund im Natio-
Geeignet für     eher größere Gruppen (wenig Stadtverkehr/Ampeln!)                                                             nalsozialismus

                                                                                      1.5.   Rosa-Winkel-Mahnmal               Gedenktafel für verfolgte Homosexuelle
                                                                                             Hohenzollernbrücke                im Nationalsozialismus

                                                                                      1.6.   Messehallen                       Deportations- und Sammelstelle von
                                                                                                                               Juden und Sinti und Roma

                                                                                      1.7.   Jugendpark                        Widerstand im Nationalsozialismus: Die
                                                                                                                               Rolle der Edelweißpiraten

                                                                                      1.8.   Rhein Mülheim                     Zwangsarbeit im Nationalsozialismus

                                                                                      1.9.   Keupstraße                        NSU Bombenanschlag;
                                                                                                                               Aktualität von Rechter Gewalt,
                                                                                                                               anschließend Zeit für eine Pause und
                                                                                                                               Essen in der Keupstraße

12                                      Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt        Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt                                          13
TOUR DES GEDENKENS NS-ERINNERUNGS ORTE KÖLN - Stadtführung mit dem Fahrrad zu Erinnerungsorten - LAG Fanprojekte NRW
ROUTE 2                              TREFFPUNKT:

                                     VOM RHEIN ZUM STADION                           Radstation am Kölner Hauptbahnhof
                                                                                     Breslauer Platz, 50667 Köln

Die Route 2 führt uns von Erinnerungsorten in der Altstadt über ehemalige Orte des
Geschehens wie dem EL-DE-Haus und der Synagoge in der Roonstraße zu weiteren Er-     Stationen der Route 2                    Thematischer Schwerpunkt
innerungsorten in Ehrenfeld und Bickendorf und endet schließlich, nach einem Stop
am Gedenkort am ehemaligen Fort V in Müngersdorf, am Sportpark Müngersdorf.          2.1.   Rosa-Winkel-Mahnmal               Gedenktafel für verfolgte Homosexuelle
                                                                                            Hohenzollernbrücke                im Nationalsozialismus
So lässt sich die Tour noch hervorragend mit einem Stadionbesuch oder einem Work-
                                                                                     2.2.   Ma’alot – Skulpturen              Erinnerungsmahnmal zum Holocaust
shop in der Stadionakademie abrunden.
                                                                                                                              und der Kölner Hintergrund im Natio-
                                                                                                                              nalsozialismus

INFOS:                                                                               2.3.   Kölner Dom                        Die Stadt Köln im Nationalsozialismus
                                                                                                                              und danach

Strecke		        ca. 13 km, zum Stadion hin mit leichter Steigung                    2.4.   Früh Brauhaus                     Karneval im Nationalsozialismus

Dauer			         ca. 3 1/2 Std. (inklusive Stopps und Erklärungen)                   2.5.   NS-Dokumentationszentrum          Kennenlernen des NS-Dokumentations­
                                                                                                                              zentrum: Einstieg ins Thema Erinne-
Geeignet für     Gruppen, die im Anschluss ein FC-Heimspiel oder das Stadion
                                                                                                                              rungsorte
			              besuchen sowie kleinere Gruppen
                                                                                     2.6.   Synagoge Roonstraße               Jüdisches Leben in Köln

                                                                                     2.7.   Bahnhof Ehrenfeld                 Widerstand im Nationalsozialismus:
                                                                                            (Bartholomäus-Schink-Straße)      Die Rolle der Edelweißpiraten; Hinrich-
                                                                                                                              tungsort

                                                                                     2.8.   Schwarz-Weiß-Platz, Bickendorf    „Zigeunerlager“, Diskriminierung von
                                                                                                                              und Gewalt gegen Sinti und Roma

                                                                                     2.9.   Ehemaliges Fort V,                Juden-, Arbeitserziehungs- und Depor-
                                                                                            Sammellager Müngersdorf           tationslager Müngersdorf

                                                                                     2.10. Albert-Richter-Radrennbahn         Das Schicksal von Albert Richter und
                                                                                                                              Ernst Berliner

                                                                                     2.11. Müngersdorfer Stadion              Fußball im Nationalsozialismus und das
                                                                                                                              Müngersdorfer Stadion in Zeiten der
                                                                                                                              NS-Herrschaft

14                                      Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt       Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt                                          15
TOUR DES GEDENKENS NS-ERINNERUNGS ORTE KÖLN - Stadtführung mit dem Fahrrad zu Erinnerungsorten - LAG Fanprojekte NRW
ZIELGRUPPEN                                            ORGANISATORISCHES
Das Projekt richtet sich an folgende Zielgruppen:                                 Die Fahrräder können günstig bei dem Kooperationspartner „Radstation“ geliehen
                                                                                  werden. Die Radstation ist ein soziales Projekt im Rahmen der Beschäftigungsent-
 Kölner Schulklassen                                                             wicklung und -förderung. Erwerbslosen Erwachsenen und Jugendlichen wird dort
                                                                                  eine Chance auf Berufseinstieg und Reintegration gegeben.
 Jugendgruppen & -einrichtungen

 FC Fans & U18 Touren von Auswärtsfans bzw. anderen Fanprojekten                 Im Folgenden werden die einzelnen Erinnerungsorte beider Touren mit entsprechen-
                                                                                  den Erklärungen aufgeführt. Im Informationskasten zu Beginn eines jeden Erinne-
 als Bildungsmodul für das Projekt „Nachspielzeit“, bzw. Lernort Stadion
                                                                                  rungsortes findet sich der Hinweis, um welche Station welcher Tour es sich handelt,
… und alle anderen Interessierten!                                                zusätzlich sind dort auch die GPS-Koordinaten des Orts angegeben. So lassen sich
                                                                                  auch individuelle Routen zusammenstellen, auf Wunsch zusätzliche Stopps integrie-
                                                                                  ren oder Touren gegebenenfalls auch kürzen.

                                                                                  Alle Touren werden von einem Guide durchgeführt, der viele Hintergrundinformatio-
                                                                                  nen gibt, Wissenswertes und Spannendes zu berichten hat und zusätzlich historische
                                                                                  Bildaufnahmen bereithält.

                                                                                  Das Kölner Fanprojekt steht Euch jederzeit für Rückfragen zur Verfügung!

                                                                                     Wendet euch bei Fragen aller Art gerne an:

                                                                                     erinnerungsorte@fanprojekt.jugz.de

                                                                                     (Auch Buchungsanfragen werden hierüber entgegengenommen!)

                                                                                  Wir empfehlen, bei allen Fahrradtouren einen Helm zu tragen, sowie an witterungs-
                                                                                  bedingte Kleidung, mind. 1 Liter Wasser und einen kleinen Snack zu denken!

16                                       Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt   Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt                                          17
TOUR DES GEDENKENS NS-ERINNERUNGS ORTE KÖLN - Stadtführung mit dem Fahrrad zu Erinnerungsorten - LAG Fanprojekte NRW
ANTISEMITISM AND FAN CULTURE IN                                                     ANTISEMITISMUS UND FANKULTUR IN DEUTSCH-
 ­GERMANY: LONG WAY GONE, LONG WAY TO GO                                                     LAND: SCHON VIEL ERREICHT ABER IMMER NOCH
                                                                                             EIN WEITER WEG
Eine Bestandsaufnahme von Felix Tamsut, Journalist im Bereich Fußball und
                                                                                             aus dem Englischen übersetzt von Anne Beringer
Fankultur bei der Deutschen Welle

                                                                                             Der deutsche Fußball und seine Fans ha-     Juden, Babelsberg 03“ ist der Text eines
German football and its fans have come a        songs. Similar antisemitic chants are
                                                                                             ben in den letzten 30 Jahren viele Fort-    der Lieder. Ähnlich antisemitische Ge-
long way over the past thirty years when        known to have been heard among sup-
                                                                                             schritte gemacht, wenn es darum geht,       sänge gibt es auch bei anderen Vereinen
it comes to dealing with racist and antise-     porters of other clubs. Many Lok Leipzig
                                                                                             mit antisemitischen und rassistischen       zu hören. Zum Beispiel wurden Fans von
mitic tendencies at stadiums. Thanks to         fans were documented singing similar
                                                                                             Tendenzen im Stadion aufzuräumen.           Lok Leipzig dabei gefilmt, bei Spielen
both the engagement brought to the sta-         chants towards local rivals Chemie Leip-
                                                                                             Viele diskriminierende und hasserfüllte     gegen den Lokalrivalen Chemie Leipzig
diums by many left-leaning ultra groups         zig’s ultras. The chants have been caught
                                                                                             Fangesänge sind in der Regel nicht mehr     ähnliche Gesänge an die gegnerischen
in the nineties, and the educational work       on camera during the game’s live broad-
                                                                                             im Stadion zu hören – auch dank der lan-    Ultras zu richten. Obwohl diese Gesänge
done by Fanprojekte across the country,         cast of MDR, but without any comments
                                                                                             desweiten Arbeit der Fanprojekte und        vom MDR gefilmt und auch übertragen
many of the rather common discrimina-           from the commentators. „Juden Jena“
                                                                                             des unermüdlichen Engagements vieler        wurden, haben die Kommentatoren sich
tory chants are no longer being heard on        is a sticker that keeps on popping up
                                                                                             linker Ultragruppen seit den Neunzigern.    „On Air“ nicht dazu geäußert. „Juden
a regular basis. One such example would         against FC Carl Zeiss Jena’s ultra scene,
                                                                                             Ein Beispiel dafür ist das sogenannte       Jena“ steht auf einem Aufkleber, der
be the U-Bahn Lied, a song which refers         known to be on the left side of the poli-
                                                                                             U-Bahn-Lied, das sich darauf bezieht,       immer wieder auftaucht und sich gegen
to sending rival fans to Auschwitz, which       tical divide. A sticker which shows Anne
                                                                                             gegnerische Fans nach Auschwitz zu          die linken Ultras des FC Carl Zeiss Jena
has all but disappeared from Germany’s          Frank wearing a Schalke shirt has been
                                                                                             schicken. Dieses Lied ist glücklicherwei-   richtet. Ein Aufkleber, der Anne Frank mit
footballing landscape.                          doing the rounds, to name but a few ex-
                                                                                             se fast komplett aus den deutschen Fuß-     einem Schalke-Trikot zeigt, hat ebenfalls
                                                amples.
                                                                                             ballstadien verschwunden.                   die Runde gemacht, um nur ein paar Bei-
Despite the progress made, recent ye-
                                                                                                                                         spiele zu nennen.
ars have shown there’s no reason to get         Looking to the future, experts warn that
                                                                                             Trotz des Fortschritts der letzten Jahre
complacent. A number of high-profile            the far right’s rise could pose challenges
                                                                                             gibt es keinen Anlass, sich zurückzuleh-    Dank Parteien wie der AfD verschiebt
cases involving fans from various levels        as the time goes by, due to the fact par-
                                                                                             nen, wie eine Menge prominenter Fälle       sich in Deutschland die Grenze dessen,
of German football brought the discussi-        ties such as the AfD push the boundaries
                                                                                             zeigen, bei denen Fans aller Ligen invol-   was „gesagt werden darf“. Experten war-
on of antisemitic tendencies in stadiums        of what can be said. Many ultra groups
                                                                                             viert waren und die die Diskussion über     nen, dass dieses Erstarken der Rechten
back to the front.                              have positioned themselves against the
                                                                                             antisemitische Tendenzen in den Stadi-      eine große Herausforderung darstellen
                                                party and its discriminatory tendencies.
                                                                                             en wieder angeheizt haben.                  wird.
A documentation by a local NGO sho-             1. FC Köln ultra groups Wilde Horde and
wed Nazi salutes and antisemitic chants         Coloniacs are among the fiercest critics
                                                                                             Eine deutsche Dokumentation zeigt           Viele Ultragruppen haben sich bereits
being made during a Regionalliga Nor-           of the party in Germany’s ultra scene,
                                                                                             Hitlergrüße und antisemitische Fange-       deutlich gegen die AFD und ihre diskri-
dost game between SV Babelsberg and             and have protested against it on seve-
                                                                                             sänge bei einem Regionalliga Nordost        minierenden Tendenzen positioniert. Zu
Energie Cottbus. „Zecken, Zigeuner und          ral occasions. „Today for FC, tomorrow
                                                                                             Spiel zwischen dem SV Babelsberg und        den schärfsten Kritikern der Partei gehö-
Juden, Babelsberg 03“ said one of the           against the AfD!“ read a banner presen-
                                                                                             Energie Cottbus. „Zecken, Zigeuner und      ren die Kölner Ultragruppen Wilde Horde

18                                            Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt         Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt                                             19
ted by Coloniacs as the party had hosted       Football fans in Germany, and ultras in         und Coloniacs. Beide haben ihrem Pro-      wird, wird entscheidend dafür sein, ob
its national conference in Cologne in          particular, take pride in the fact that foot-   test bereits häufig Ausdruck verliehen.    diskriminierende und antisemitische
2017.                                          ball is the people’s sport, a Volkssport.                                                  Tendenzen wieder als Teil der deutschen
                                               Encountering discriminatory tendencies          Als die AfD zum Beispiel ihren Parteitag   Fußballfankultur akzeptiert werden.
The way society’s shift to the right would     is vital to keeping it open to everyone,        2017 in Köln abhielt, haben die Colo-
be reflected, or indeed, not reflected, in     Jews included.                                  niacs einen Banner mit dem Schriftzug      Die deutschen Fußballfans – insbeson-
German stadiums, and the way Germa-                                                            „Heute für den FC, morgen gegen die        dere die Ultragruppen – sind sehr stolz
ny’s ultra scene and the groups making it                                                      AfD!“ hochgehalten.                        darauf, dass Fußball ein echter Volks-
would act and react, would both be key                                                                                                    sport ist. Sich rechten und diskriminie-
to determining whether discriminatory                                                          Die Art und Weise, wie der gesamtge-       renden Tendenzen entgegenzustellen
and antisemitic tendencies would make                                                          sellschaftliche Rechtsruck auch in den     ist für diese Offenheit für alle – auch jü-
their return to being tolerated as part of                                                     deutschen Stadien, bei den Fans und        dische Fans und Spieler – unabdingbar.
Germany’s fan culture.                                                                  ■     auch den Ultragruppen aufgegriffen

20                                           Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt            Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt                                             21
STOLPERSTEINE
                                                                                                            gung verlegt wurde, entwickelte sich         hang mit Stolperstein-Projekten kann es
                                                                                                            aus Diskussionen mit Anwohner*innen          daher Konfrontationen geben, wenn der
                                                                                                            während eines Kunstprojektes von Gun-        Umgang mit der nationalsozialistischen
                                                                                                            ter Demnig. Demnig hatte 1990 den Weg,       Vergangenheit öffentlich wird und bis-
                                                                                                            den 1000 Roma und Sinti in Köln vor ih-     herige Geschichtsbilder hinterfragt oder
Ein Gastbeitrag von Peter Hacke               ter, jeder Stadt und jedem Dorf statt. Und                    rer Deportation nach Auschwitz durch         korrigiert werden müssen. Dabei hängt
                                              damit auch in Köln. (Jakobs 2015: 194)                        Köln gehen mussten, um zum Bahnhof          eine Verlegung der Stolpersteine auch
Im Gedenken an die Shoa und in der Er-        Jüdische Menschen wurden hier milli-                          Deutz zu gelangen, mit einer Farbwalze       vom Konsens mit den politischen Vertre-
innerung an den Nationalsozialismus           onenfach gedemütigt, verhöhnt, ver-                         nachgezogen. Eine Anwohnerin stritt          ter*innen der jeweiligen Stadt ab. (Jakob
werden häufig symbolträchtige Orte            achtet und zu Zahlen entwertet. (Marks                        dabei ab, dass es in der Nachbarschaft       2012: 13 – 14) In Köln dürfen allerdings
und Gebäude erwähnt. Es wird versucht,        2007: 39) Durch die Stolpersteine wird                        jemals Roma oder Sinti gegeben hätte.       überall im öffentlichen Raum Stolper-
den eigentlich weder verstehbaren noch        das abstrakte Wissen um die Geschichte                        (NS-Dok 2007: 12)                            steine verlegt werden.
fassbaren Schrecken an einzelnen Or-          der Shoah mit konkreten Begebenheiten
ten wie NS-Dokumentationszentren,             konfrontiert. Die Geschichte wird in der                      Demnig beschreibt seine Arbeit an den        Es gibt auch Kritik an den Stolperstei-
Konzentrations- und Vernichtungslager         unmittelbaren Nachbarschaft verortet                          Stolpersteinen selbst als erschütternd.      nen. So ist die Tatsache, dass die Namen
oder anderen im Nationalsozialismus           und somit ins Bewusstsein geholt. (NS-                        Er betont, dass es ihm wichtig ist, dass     der Opfer im Straßenschmutz liegen und
bedeutsamen Stätten wenn schon nicht          Dok 2007: 41) Die Steine sollen Spuren                        es sich um die Erinnerung an einen ein-      mit Füßen getreten werden können, un-
verstehbar, so zumindest greifbar zu ma-      sichtbar machen und den Menschen                              zelnen Menschen handelt. Auch sei es         ter Überlebenden und Nachfahren von
chen. Dazu können auch Orte des Alltags       ­wenigstens ihre in Vergessenheit gera-                       schmerzhaft zu den Orten zu gehen, von       Opfern als Form eines angemessenen
gehören, wie Bahnhöfe, Krankenhäuser         tenen Namen wiedergeben. (Serup-Bil-                         denen diese Menschen vertrieben wor-         und würdigen Erinnerns umstritten. Al-
oder psychiatrische Anstalten, die auch        feldt 2003: 155 – 156)                                       den waren. Allerdings kehre durch die        lerdings finden jährlich ehrenamtliche
im Nationalsozialismus zivile Orte wa-                                                                      Stolpersteine immerhin die Erinnerung        Putzaktionen in vielen Städten statt, bei
ren. Gerade dadurch aber wurden sie           Das Stolperstein-Projekt, bei dem der                         an den Menschen zurück. (NS-Dok 2007:        denen die Stolpersteine gereinigt wer-
Orte der Ausgrenzung, der Deportation,        erste Stolperstein noch ohne Genehmi-                         37) Das Setzen eines Stolpersteines mar-     den und somit ihr Stellenwert hervorge-
der Untersagung von Hilfe und der Ver-                                                                      kiert für die Angehörigen und Nachfah-     hoben werden soll. Auch steht der Kritik
nichtung. Orte, die heute immer noch                                                                        ren von Opfern häufig einen Ort der Erin-    die Erleichterung vieler Angehöriger
Bahnhöfe und Krankenhäuser sind.                                                                          nerung an die verlorenen Menschen, der       gegenüber, wenn ihren ermordeten Fa-
                                                                                                            vorher nicht definiert war – häufig kaum     milienangehörigen ein kleines Denkmal
Im Gegensatz zu Konzentrationslagern,                                                                       definiert sein konnte. (Jakobs 2012:         gesetzt wird. (NS-Dok 2007: 58) Dennoch
die in ihrer Art schon außerhalb der Ge-                                                                    13) Demnigs Kunstaktionen können als        bleibt die Tatsache bestehen, dass viele
sellschaft verortet waren, waren diese                                                                      Intervention im öffentlichen Raum be-       Passanten im Wortsinne über die Stol-
Orte Teil des alltäglichen Lebens und er-                                                                   griffen werden. (NS-Dok 2007: 28) Die        persteine hinweg gehen können, ohne
lauben somit die Frage, was war normal.                                                                     Stolpersteine besitzen dabei für die Tä-   ihre Bedeutung zu erkennen. Auch die
(Hilmar 2013: 65) Denn bevor die Men-                                                                       ter*innengesellschaft beunruhigendes         unterschiedlichen ethischen Vorstellun-
schen in Dachau, in Auschwitz, Madjanek                                                                     Potential, da sie den Ausgangspunkt der      gen der verschiedenen Opfergruppen
und allen anderen zentralen Orte des                                                                        Verbrechen aufzeigen und somit die To-       des Nationalsozialismus müssen bei
Terrors und des Mordens eintrafen, fand                                                                     pographie der Vernichtung neu beschrei-      einem Projekt wie den Stolpersteinen
                                                Stolperstein von Bartholomäus Schink in der Keplerstr. 33
ihr Leben in Frankfurt, Wuppertal, Müns-                               (Siehe Kapitel zu Edelweißpiraten)   ben. (NS-Dok 2007: 57) Im Zusammen-          berücksichtigt werden. So möchten

22                                          Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt                          Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt                                              23
Sinti und Roma keine namentliche Erin-
nerung an ihre Toten. (Jakob 2012: 15).
                                                           Bei Touren und Spaziergängen ist es also
                                                           ratsam immer mal wieder den Blick zu
                                                                                                                                                              SPUR DER ERINNERUNG:
Allerdings ist das den Initiatoren des Pro-                senken und auch nach Stolpersteinen
                                                                                                                      Gunter Demnig zeichnete 1990 vom Schwarz-Weiß-Platz (siehe Kapitel in dieser Bro-
jekts durchaus bewusst und wird nicht                      Ausschau zu halten, denn sie erinnern
                                                                                                                      schüre) zum Deutzer Bahnhof (siehe Kapitel Messelager Deutz) eine 16 Kilometer lan-
als Nachteil wahrgenommen, da es sich                      uns auf eindringliche Weise an ein dunk-
                                                                                                                      ge „Spur der Erinnerung“, um an die Verschleppung der Kölner Sinti und Roma zu er-
nicht aufdrängt, sondern lediglich im                     les Kapitel der deutschen Geschichte.
                                                                                                                      innern. Die Spur enthielt den durchgehenden Schriftzug „Mai 1940 – 1000 Roma und
Alltag präsent ist. Der Text, die Namen,
                                                                                                                      Sinti“. Die Spur des Erinnerns ist heute nicht mehr erkennbar, an 22 auserwählten
Geburtsjahre, Todesjahre und Todesort
                                                                                                                      Stellen im Kölner Stadtraum wurde die Spur jedoch durch Bronzeeinlassungen des
sind unverrückbar da. Was der*die Pas-
                                                                                                                      Schriftzugs konserviert, diese finden sich beispielsweise an der Hohenzollenbrücke
sant*in damit anfängt, ist jedoch nicht
                                                                                                                      und an der Ecke Venloer Straße/Herbrandstraße vor dem
vorherbestimmt. (NS-Dok 2007: 51)                                                                              ■
                                                                                                                      Ehrenfelder Bezirksrathaus.

                                                                                                                      Unter dem Motto „Glanz gegen Rechts“ wird immer wieder
                                                                                                                      zum Reinigen der Stolpersteine, auch in Köln, aufgerufen.
                                                                                                                      Ihr wollt auch aktiv werden. Macht mit und pflegt die Erin-
                                                                                                                      nerungskultur mit Bürste und Putzlappen, hier erfahrt ihr,

                                                                                      LITERATUR:                      wie es geht:

HILMAR, TILL: Ausgehend vom historischen Ort, wohin? »Diskursive« Orte der Vermittlungsarbeit zum Nationalsozi-
alismus auf Studienfahrten. In: ERKER, LINDA/KIENESBERGER, KLAUS/VOGL, ERICH/HAUSJELL, FIRTZ (Hrsg.): Ge-
dächtnis-Verlust? Geschichtsvermittlung und -didaktik in der Mediengesellschaft. Herbert von Halem Verlag, Köln
2013. S. 61 – 76.
JAKOBS, HILDEGARD: Die regionalen Gedenkstätten – Vielfältige Bildungsarbeit in der Nachbarschaft. In: GRYGLEWS-                                                    BUCHEMPFEHLUNG:
KI, ELKE/HAUG,VERENA, et. al. (Hrsg.): Gedenkstättenpädagogik. Kontext, Theorie und Praxis der Bildungsarbeit zu
NS-Verbrechen. Metropol Verlag, Berlin 2015. S. 193 – 204.
                                                                                                                      Stolpersteine
JAKOBS, HILDEGARD: Die Stolpersteine im Kontext der Erinnerungskultur. In: JAKOBS, HILDEGARD/GENGER, ANGE-
LA/KRAMP, ANDREA: Stolpersteine. Erinnerung an Menschen aus Düsseldorf, Erkrath, Langenfeld, Mettmann, Mon-
heim und Ratingen. Droste Verlag, Düsseldorf 2012. S. 11 – 17.                                                       Vergessene Namen, verwehte Spuren. Wegweiser zu jüdischem Schicksal in Köln
KAISER, WOLF: Gedenkstättenpädagogik heute. Qualifizierung von Fachkräften in der historisch-politischen Bildung   von Kirsten Serup-Bilfeldt
an Gedenkstätten und anderen Orten der Geschichte des Nationalsozialismus. In: THIMM, BARBARA/KÖSSLER, GOTT-
FRIED/ULRICH, SUSANNE (Hrsg.): Verunsichernde Orte. Selbstverständnis und Weiterbildung in der Gedenkstätten-
pädagogik. Brandes & Apsel, Frankfurt am Main 2010. S. 19 – 24.                                                      Klappentext: „Mit einem Beitrag von Elke Heidenrerich. Der Band gibt einen Einblick
MARKS, STEPHAN: „Jemanden öffentlich beschämen ist wie Blutvergießen“ (Talmud). Zur Bedeutung von Scham und         hinter die „Stolpersteine“, die zur Erinnerung an die in der Nazizeit deportierten Ju-
Scham-Abwehr im Nationalsozialismus und in der Bundesrepublik. In: MARKS, STEPHAN (Hrsg.): Scham – Beschä-
                                                                                                                      den, Kommunisten, Sinti und so weiter im gesamten Stadtbild mehr und mehr gesetzt
mung – Anerkennung. Lit Verlag, Berlin 2007. S. 33 – 46.
                                                                                                                      werden. Anhand ausgewählter Menschen werden die jeweiligen Biographien erzählt,
MÜLLER, FABIAN/RUPPERT-KELLY, MARTINA: Gelände erkungen. Virtuelle Medien bei der Vermittlung an Gedenkor-
ten. In: GRYGLEWSKI, ELKE/HAUG,VERENA, et. al. (Hrsg.): Gedenkstättenpädagogik. Kontext, Theorie und Praxis der     so „das Erinnern lebendig gemacht“. Eine detaillierte Karte samt Legende gibt den
Bildungsarbeit zu NS-Verbrechen. Metropol Verlag, Berlin 2015. S. 251 – 262.                                          Lesern die Möglichkeit, die einzelnen „Stolpersteine“ zu erwandern. Elke Heidenreich
NS-DOKUMENTATIONSZENTRUM DER STADT KÖLN (Hrsg.): Stolpersteine. Gunter Demnig und sein Projekt. Her-                 erzählt in einer Geschichte ihre persönlichen Begegnungen mit den „Stolpersteinen“
man-Josef Emons Verlag, Köln 2007.
                                                                                                                      und darüber, welche Reaktionen diese bei ihr und bei Kölner Bürgern auslösen.“
SERUP-BILFELDT, KIRSTEN: Stolpersteine. Vergessene Namen, verwehte Spuren, Wegweiser zu Kölner Schicksalen in
der NS-Zeit. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2003.

24                                                      Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt                        Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt                                             25
NS-                                                          GRÖSSTE LOKALE GEDENKSTÄTTE

     DOKUMENTA­TIONS­
                                                       Das NS-Dokumentationszentrum der             und Forschungsort in einem. Das viel-
                                                       Stadt Köln ist die größte lokale Gedenk-     fach ausgezeichnete NS-Dokumentati-
                                                       stätte für die Opfer des Nationalsozialis-   onszentrum ist heute die größte lokale

            ZENTRUM
                                                       mus in der Bundesrepublik Deutschland.       Gedenkstätte in der Bundesrepublik.
                                                       Am 13. Dezember 1979 per Ratsbe-
                                                       schluss eingerichtet, entwickelte sich die
                                                       Einrichtung zunächst mühsam, später in       EL-DE-Haus
                                                       großen Schritten zur heutigen Form. Die
                     NS-Dokumentationszentrum
                                                       bislang letzten Etappen waren die große      Das EL-DE-Haus am Appellhofplatz 23-
                 Appellhofplatz 23 – 25, 50667 Köln
                                                       Erweiterung im Jahr 2012 und die Ein-        25 war von 1935 bis 1945 Sitz der Kölner
                      GPS: 50.940572, 6.950153
                                                       weihung des Denkmals im Innenhof am          Gestapo. Sein Name wurde zum Inbegriff
                            Station: 1.1. oder 2.5.   8. Dezember 2013.                            der NS-Schreckensherrschaft in Köln,
                                                                                                    aber auch für den Umgang und die spä-
                                                                                                    tere Auseinandersetzung mit der NS-Ge-
                                                       Gründung                                     schichte der Stadt nach 1945.

                                                       Das NS-Dokumentationszentrum ist eine
                                                       Einrichtung der Stadt Köln. Seine Grün-      Gedenkstätte
                                                       dungsphase beginnt mit einem Rats-
                                                       beschluss vom 13. Dezember 1979. Die         Das ehemalige Hausgefängnis der Ge-
                                                       Arbeit des NS-Dokumentationszentrums         stapo mit den erhalten gebliebenen
                                                       widmet sich in gleichem Maße dem Ge-         Häftlingszellen und den Inschriften der
                              1.1                      denken, Vermitteln und Erforschen der        Gefangenen erinnert am unmittelbars-
                              2.5
                                                       NS-Zeit in Köln: Es ist Gedenkort, Lernort   ten und eindringlichsten an die mit dem

                                                          EL-DE-Haus

                                                          Es bietet sich immer auch an die Erinne-
                                                          rungstour mit einem Besuch oder einer
                                                          Führung im NS-Dokumentationszentrum
                                                          zu verknüpfen.

                                                          Virtueller 360-Grad-Rundgang:

26          Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt     Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt                                            27
EL-DE-Haus verbundenen Schrecken der
NS-Zeit. Das ehemalige Gestapogefäng-           2019 übernahm das NS-Dok zu-
nis bildet als Gedenkstätte den Mittel-         dem das 3. und 4. Obergeschoss
punkt des NS-Dokumentationszentrums             des Gebäudes und beherbergt da-
und ist ein Kulturgut von nationalem            mit nun das gesamte EL-DE-Haus
und europäischem Rang.                          und wurde entsprechend um den
                                                Titel „Haus für Erinnern und De-
                                                mokratie“ erweitert.
Dauerausstellung
                                                Zudem befinden sich in dem Haus
                                                auch die Info- und Bildungsstelle
Die Dauerausstellung im EL-DE-Haus be-
                                                gegen Rechtsextremismus (ibs),
handelt die Geschichte Kölns in der Zeit
                                                die Mobile Beratung gegen Rechts-
des Nationalsozialismus. Sie macht die
                                                extremismus im Regierungsbezirk
Grundzüge des NS-Systems in der kon-
                                                Köln, sowie die Fachstelle „[m²]:
kreten lokalen Ausprägung sichtbar. Die
                                                miteinander mittendrin“.
Dauerausstellung wurde 1997 eröffnet
und 2009/10 in wesentlichen Teilen um-          Alle Infos dazu findet ihr unter
gestaltet und durch eine Reihe von Me-          www.nsdok.de
dienstationen ergänzt.

28                                         Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt
KÖLN IN DER NS ZEIT
     KÖLNER DOM                                   Köln war 1933, so wie heute, die viert-
                                                  größte Stadt Deutschlands und hatte
                                                  insgesamt 757 200 Einwohner. Seit 1917
                                                  regierte der Oberbürgermeister Konrad
                                                  Adenauer von der Zentrumspartei. Drei
                                Kölner Dom
                                                  Viertel der Einwohner*innen war katho-
                   Domkloster 4, 50667 Köln
                                                  lisch und es hatte sich ein starkes ka-
                  GPS: 50.941304, 6.958387
                                                  tholisches Milieu ausgeprägt. Nach der      Die Kölner Hohenzollernbrücke nach Sprengung durch die
                                                                                                                                    Wehrmacht 1945
                       Station: 1.3. oder 2.3.   Machtergreifung der Nazis im Januar
                                                  1933 kam es im März desselben Jahres       Der weitverbreitete Glaube, in Köln hätte
                                                  zur Reichstagswahl. Durch massive Pro-     es nach 1933 mehr Widerstand als in an-
                                                  paganda und starken Druck auf Politiker    deren Städten gegeben, erwies sich als
                                                  versuchten die Nationalsozialisten die     Legende. Soweit es Widerstand im ka-
                                                  Wahl klar für sich zu entscheiden. Das     tholischen Milieu gab, hatte sich dieser
                                                  Wahlergebnis in Köln lag mit 33,1 deut-    durch das 1933 geschlossene Konkordat
                                                  lich unter dem Gesamtergebnis der NSD-     mit dem Vatikan erledigt. Ansonsten un-
                                                  AP von 43,9. Adenauer wurde direkt nach    terschieden sich die Begleitumstände
                                                  der Wahl abgesetzt und es kam zu Verhaf-   der Machtergreifung (Einschüchterung
                                                  tungswellen gegenüber der Opposition.      und Terror) nicht von denen in anderen
                                                                                             Städten.

                                                                                             Köln war ein zentraler und bedeutender
                              1.3
                              2.3                                                            Ort für Verfolgung und Deportation. Ho-
                                                                                             mosexuelle hatten schon ab 1933 unter
                                                                                             einer besonders starken Repressionen
                                                                                             zu leiden. In Köln begannen die ersten
                                                                                             Zwangsumsiedlungen von Sinti und
                                                                                             Roma und das Lager in Bickendorf galt
                                                                                             als „Vorbild“ für viele Städte. 1940 star-
                                                                                             teten die ersten Deportationen von Sinti
                                                                                             und Roma aus Westgebieten in Köln. Aus
                                                                                             keiner anderen Weststadt gab es so viele
                                                                                             Züge in die Vernichtungslager: Mehr als
                                                                                             11. 000 Personen wurde aus Köln depor-
                                                                                             tiert.

30     Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt     Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt                                                          31
POLITIK IM KÖLNER
                                                       Köln liebt das Feiern und es liebt den     männliche Jungfrau verboten. Männer in
                                                       Karneval! Auch im Nationalsozialismus      Frauenkleidern passten nicht ins damali-
                                                       wurde begeistert Karneval gefeiert. Bis    ge Weltbild.

              KARNEVAL
                                                       in die 90er Jahre wurde das Thema ver-
                                                       drängt und eine Legendenbildung vom        Nur wenige Karnevalisten gingen auf
                                                       Kampf gegen die Einflussnahme NS Re-       Distanz zu den Nationalsozialisten. Karl
                                                       gime erschaffen.                           Küpper parodierte in einer Büttenrede
                                                                                                  den Hitlergruß und bekam daher wegen
                                                       In den ersten Jahren nach der Mach-        „Verächtlichmachung des deutschen
                                    FRÜH am Dom
                                                       tübernahme Hitlers sollte der Karne-       Grußes“ Redeverbot.
                        Am Hof 12 – 18, 50667 Köln
                                                       valszug noch frei von politischer Propa-
                       GPS: 50.939880, 6.956971
                                                       ganda sein, um den Kölner Karneval als     Nach dem Krieg wurde die Rolle des
                            Station: 1.2. oder 2.4.   Tourismuswerbung in den westlichen         Karnevals im Nationalsozialismus jahr-
                                                       Nachbarländern zu nutzten. Doch schon      zehntelang verdrängt und eine Legen-
                                                       1933 waren offen antisemitische Wagen      denbildung zur sogenannten „Narren-
                                                       im Zug zu sehen. So zeigten sie einen      revolte“ setzte ein. Dabei wurde lange
                                                       Wagen in dem Kostümierte mit Bart und      überliefert, dass sich bei der Revolte
                                                       Kaftan zu sehen waren, die unter dem       Karnevalist*innen gegen „NS Bonzen“
                                                       Motto „die letzten ziehen ab“ in „Rich-    aufgelehnt hätten. Erst Jahrzehnte spä-
                                                       tung Jaffa“ zogen.                         ter wurde festgestellt, dass es bei der
                                                                                                  Narrenrevolte nicht um Inhalte, sondern
                                                       Zwei Jahr später feierten und schunkel-    die Organisationsform ging.
                                                       ten die Kölner*innen zu einem beliebten
                                                       Karnevalslied mit dem Refrain:

                                   1.2                    „Hurra, wir werden die Juden los,
                                   2.4                                                               Aktuell: Der Karneval allgemein
                                                          die ganze koschere Bande zieht
                                                                                                     steht, trotz seiner auch kulturell
                                                          ins gelobte Land, wir lachen uns
                                                                                                     wertvollen Elemente und teils
                                                          vor Freude kaputt, der Itzig und die
                                                                                                     politisch progressiven, sowie teil-
                                                          Sara ziehen weg!“
                                                                                                     weise emanzipatorischen Aus-
                                                                                                     richtung, immer wieder in der
                                                       In den folgenden Jahren konnte auf Kar-
                                                                                                     Kritik, da es u.a. zu rassistischen
                                                       nevalssitzungen die Judenfeindlichkeit
                                                                                                     Verkleidungen und Wagenpräsen-
                                                       offen ausgelebt werden.
                                                                                                     tationen kommt und nicht selten
                                                                                                     eine Plattform für diskriminieren-
                                                       Auch machte die Homophobie der Na-
                                                                                                     de Übergriffe geboten wird.
                                                       zis nicht halt vor Karneval. So wurden
                                                       männliche Tanzmariechen und eine

32          Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt     Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt                                              33
„Ma’alot“ ist im biblischen Hebräisch die

     MA’ALOT-DENKMAL
                                                      Bezeichnung für die Stufe, Sprosse oder
                                                      Terrasse. Im neueren Sprachgebrauch
                                                      ist dies auch der Ausdruck für Steigung,
                                                      Winkel, Grad.

                                                      Der israelische Künstler Dani Karavan
                                                      hat die Platzgestaltung auf dem Areal
                                          MA‘ALOT
                                                      östlich des Doms, zwischen Domchor,
                   Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln
                                                      Ludwig-Museum, Hauptbahnhof und
                      GPS: 50.941274, 6.961199
                                                      Rheingarten ebenfalls „Ma’alot“ genannt
                           Station: 1.4. oder 2.2.   und beschreibt es als „Environment aus
                                                      Granit, Gußeisen, Ziegelsteinen, Eisen
                                                      und Schienen, Gras und Bäumen“.

                                                      Das 1986 eingeweihte Areal auf dem
                                                      Heinrich-Böll-Platz ist geprägt durch
                                                      eben diese verschiedenen baulichen
                                                      Elemente, die das insgesamt 5.000 m²
                                                      große Kunstwerk umfasst. Am markan-
                                                      testen sticht dabei sicherlich der Turm
                                                      an der nordöstlichen Ecke der Fläche he-
                                                      raus. Über sechs große Stufen, abwech-
                                                      selnd aus Granit und Gusseisen eine be-
                                                      gehbare Treppenskulptur. Die Skulptur
                                    1.4
                                    2.2               ist zudem mit Schlitzen und Durchbrü-
                                                      che versehen, die wahlweise den Blick
                                                      auf Dom oder die Rheinbrücke/Deutz
                                                      ermöglichen und die Stufen gewisser-
                                                      maßen brechen. Auch die weitere Umge-
                                                      bung aus „Granitteppich, Kreisstruktur,
                                                      gepflanzten Akazien- und Ahornbäum
                                                      und den Ziegeln sind geplante Elemente
                                                      des Gesamtkonzepts von Karavan. Ein
                                                      meist doch erst auf den zweiten Blick be-
                                                      merkter Bestandteil der Gestaltung, sind
                                                      die in den Boden eingelassenen Eisen-
                                                      bahnschienen, welche auf den g   ­ roßen

34         Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt     Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt      35
Spalt in der Treppenskulptur – je nach         stellungen bei den Menschen aus-
     Die stufenähnliche               Betrachtet man den Kölner Dom durch den Schlitz in       Betrachtung – wahlweise zulaufen oder          zulösen, auch Vorstellungen, die
     Skulptur könnte                  der Skulptur, so erscheint der Turm des Kölner Doms      diesen verlassen.                              ich selbst nicht hatte, die ich nicht
     möglicherweise                   in Verbindung mit der Schiene manchen Menschen wie                                                      sehe, Bilder, die ich nicht kontrol-
     auch als Schornstein             ein deutscher Wachturm aus einem Konzentrationsla-       Dani Karavan hält sich bezüglich mögli-        lieren kann und für die ich nicht
     wahrgenommen wer-                ger. In dieser Lesart wäre die Deutung eine drastische   cher Interpretationen und Intentionen,         verantwortlich bin.“
     den, auf welchen die             Anklage gegen die christliche Kirche und ihr Schwei-     die sein Enviroment durchaus hervor-
     Schiene hinzuläuft.              gen während der Shoa.                                    rufen kann und möglichere Weise auch
                                                                                               soll, geschickt zurück und gibt lediglich   Hintergrund:
                                                                                               bekannt.
               MÖGLICHE                                                                                                                    Shirei ha Ma’alot (‫ )תֹולֲעַמה יֵריִׁש‬sind die

         ­INTER­PRETATIONEN &                                          „Ma’alot erinnert
                                                                       somit an die schönste
                                                                                                  „Das Kunstwerk (…) hat nicht die
                                                                                                  Aufgabe, eine bestimmte Geschich-
                                                                                                                                           als „Stufenlieder“ bekannten Psalmen
                                                                                                                                           120 bis 134, die zum überwiegenden Teil
          ETWAIGE DEUTUNGEN                                            und an die schlimms-       te zu erzählen oder bestimmte            den Königen David und Salomon zuge-
                                                                       te Zeit des Juden-         Zusammenhänge zu bebildern. Es           schrieben werden. Die Psalmen wurden
                                                                       tums. Von einer            kann nur Widerhall hervorrufen           in Jerusalem gesungen um, die Priester
     Die Zahl 6 findet sich in dem Gesamtkunstwerk in
                                                                       Position erinnert der      und Assoziationen (…) evozieren.         zu begleiten während sie die Stufen zum
     vielen Bereichen wieder – 6 Stufen; 6 Akazien; 6 Kreise
                                                                       Dom an den Tempel          Aber in der Hervorrufung dieses          Tempel hinaufstiegen.
     – und wird teilweise als Hinweis auf die Anzahl der
                                                                       in Jerusalem und           Echos ist das Kunstwerk frei, es
     mehr als 6 Millionen ermordeten Juden und Jüdinnen
                                                                       somit an die schönste      hat alle Rechte und jede Freiheit,
     verstanden.
                                                                       Zeit im Judentum,          Assoziationen in jede beliebige
                                                                       von einer anderen          Richtung anzustoßen und die ver-
                                                                       Position jedoch            schiedensten Phantasien und Vor-
     Die Eisenbahnschiene verläuft parallel zu den Schie-              erinnert der Dom an
     nen der Hohenzollernbrücke und deutet gen Osten                   Auschwitz, an die
     nach Deutz, von wo aus am 21. Oktober 1941 die De-                schlimmste Zeit im
                                                                                                  Kulturraumverdichtung.de zum Künstler:
     portationszüge der noch verbliebenen 6377 Juden von               Judentum.“ (Gerd
                                                                                                  Dani Karavan, geboren 1930 in Tel Aviv, studiert Kunst in seiner Geburtsstadt,
     Köln in die Vernichtungslager des Ostens rollten.                 Buurmann, tapferim-
                                                                                                  in Jerusalem, Florenz und Paris. Seit Ende der 1950er Jahre entwirft er Büh-
                                                                       nirgendwo.com)
                                                                                                  nenbilder, malt und beginnt mit architekturbezogenen Arbeiten, Wandreliefs,
                                                                                                  Environments. 1976 bespielt er den Israelischen Pavillon der 38. Biennale
     Die Wahl der gepflanzten Bäume scheint nicht zufällig                                        Venedig mit einem Environment für den Frieden, ist 1977 und 1987 auf der
     erfolgt zu sein, Ahorn- und Akazienbäume kommen                   Die Eisenbahnschie-        documenta in Kassel vertreten. 1998 wird er mit dem Praemium Imperiale
     im Judentum eine besondere Bedeutung zu. So                       nen können Assozi-         ausgezeichnet. Für Düsseldorf gestaltet er den Vorplatz des Landtages (1990),
     verwendete König Salomon für den Bau des Tempels                  ationen zur Logistik       für Duisburg den Garten der Erinnerung (1999), 2012 wird in Berlin das von
     Ahornholz und in Jesaja (41, 19) steht geschrieben,               der nationalsozialis-      Karavan entworfene Mahnmal für die von den Nationalsozialisten ermordeten
     dass Akazien die Straße der aus dem Exil Heimkehren-              tischen Völkermorde        Roma und Sinti eingeweiht.
     den säumen werden.                                                wecken.

36                                              Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt         Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt                                                 37
ROSA-WINKEL-MAHNMAL
                                                         An der Hohenzollernbrücke erinnert seit    Heinrich Himmler (Reichsführer SS),
                                                         1995 ein Mahnmal an die Verfolgung         deutlich. Er ordnete an, „die widernatür-
                                                         von Homosexuellen und an die schwu-        liche Unzucht strategisch zu bekämpfen“.

HOHENZOLLERNBRÜCKE                                       len und lesbischen Opfer des National-
                                                         sozialismus in Köln. Als Standort des
                                                         Mahnmals wurde eine von Touristen und
                                                                                                    Auf Reichsebene und in Köln lassen sich
                                                                                                    drei Phasen der Homosexuellenverfol-
                                                         Kölner*innen sehr stark besuchte Stel-     gung feststellen. Die erste Phase war
                                                         le neben der Hohenzollernbrücke am         durch die Verschärfung der Gesetze, also
       Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer     Rhein gewählt. Ferner gibt es zu diesem    der Schaffung von Rahmenbedingun-
                      des Nationalsozialismus in Köln    Standort auch einen historischen Bezug,    gen, gekennzeichnet und dauerte bis
                                          50667 Köln     da sich seit der Jahrhundertwende in der   1936. Mit der Grundlage der neuen und
                           GPS: 50.94092,6.962619       Nähe an einem öffentlichen Pissoir ein     verschärften Gesetze waren Homose-
                                                         Treffpunkt Homosexueller befand. Der       xuelle besonders starken Repressionen
                              Station: 1.5. oder 2.1.
                                                         Ort bot anonyme Kontaktmöglichkeiten,      durch Polizei und Justiz ausgesetzt. So
                                                         ohne die Gefahr, in der Gesellschaft als   gab es in der zweiten Phase die höchsten
                                                         homosexuell erkannt zu werden. Auch in     Verurteilungszahlen vor Gericht. In Köln
                                                         den Nachkriegsjahren war die zerstörte     wurden 1938 in nur drei Monaten über
                                                         Brücke ein unauffälliger Treffpunkt.       300 vermeintlich Homosexuelle festge-
                                                                                                    nommen.
                                                         Die Inschrift auf dem Mahnmal „Totge-
                                                         schlagen – Totgeschwiegen“ soll zum ei-    Der Erlass, des Reichssicherheitshaupt­
                                                         nem auf die Verfolgung, Deportation und    amtes von 1940 kennzeichnet die dritte
                                                         Ermordung Homosexueller während des        Phase der Verfolgung. Der Erlass welcher
                                                         Nationalsozialismus hinweisen. Zum         bestimmte, dass alle Homosexuellen
                                                         anderen soll es an die Situation in den
                                        1.5
                                        2.1              Nachkriegsjahren und die bis heute an-
                                                         dauernde Diskriminierung von Schwu-
                                                         len und Lesben hinweisen.

                                                         Historischer Hintergrund des Mahn-
                                                         mals

                                                         Homosexualität passt nicht in das Welt-
                                                         bild der Rassen- und Bevölkerungsideo-
                                                         logie der Nationalsozialisten. Das Ziel,
                                                         die Homosexuellen-Kultur aufzulösen
                                                         wurde schon früh in Ausführungen von

38            Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt     Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt                                           39
die mehr als einen Partner verführt hat-      lagern. Seine Verwendung und Inten-
ten, in ein KZ überstellt werden sollten,     tion ist dem „Judenstern“ äquivalent,
wurde in Köln besonders strikt durch-         KZ-Häftlingen mussten einen Stoffauf-
geführt. Wiederholungstäter wurden            näher in Form eines Rosa Winkel an ihrer
zudem zur „freiwilligen“ Entmannung           Häftlingskleidung auf der linken Brust
gedrängt. Insgesamt verurteilte die NS        tragen. Der Künstler Achim Zinkann
Justiz von 1935 bis 1945 über 50.000          greift dieses Symbol in seinem Mahn-
Menschen wegen homosexueller Hand-            mal auf. Zudem hantiert Zinkann dabei
lungen. Zwischen 10.000 und 15.000            mit Blöcken, Keilen, Schnitten, Reibung
Homo­  sexuelle wurden in Konzentrati-        und Druck, wodurch die Einzelteile zu-
onslager verschleppt und viele dort von       sammengefügt „das Ganze“ ergeben
ihnen ermordet.                               und erklärt, dass eine Vielzahl an Inter-
                                              pretationsmöglichkeiten gegeben wird.
                                              Ein wichtiger Bestandteil seiner persön-
Rosa-Winkel                                   lichen Intention war, dass der Gesamt-
                                              zusammenhalt durch die Entfernung ei-
Der Rosa Winkel diente im deutschen           nes einzelnen Keils so sehr gefährdet ist,
Nationalsozialismus der Kennzeichnung         dass das Gesamtkonstrukt einbrechen
Homosexueller in den Konzentrations-          würde.

     „Zwei Blöcke, zwei Farben, zwei Schnitte, zu einem Ganzen zusammengefügt.
     Ein grauer, ein rosa Block. Teile einer Gesellschaft. Männer, Frauen. Lesben,
     Schwule, einander bedrückend, sich aneinander reibend, ineinander aufgeho-
     ben, sich bedingend.“ (Achim Zinkann)

     Info: Zu aktueller gesellschaftlicher Homo- und Transpho-
     bie, u.a. im Fußballkontext bietet die Kölner
     Stadionakademie Workshops für Ju-
     gendgruppen und Schul-
     klassen an!

                                                                                                                   Kennzeichen für „Schutzhäftlinge“ in den Konzentrationslagern, u.a. auch der „Rosa Winkel“

40                                          Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt         Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt                                                                     41
MESSEHALLEN
                                                        Der Gedenkstein an den Messehallen er-      draht umzäunt. Teilweise lebten über
                                                        innert daran, dass hier ein zentraler Ort   500 Personen an diesem Ort.
                                                        der nationalistischen Gewaltherrschaft

           DEUTZ
                                                        war. Zum einen war die Messehalle ein
                                                        KZ Außenlager (1942 – 1945), zum ande-      Erste Deportationen im Mai 1940
                                                        rem diente sie als zentrale Sammelstelle
                                                        für Deportationen. Von hier aus fanden      Die Nazianalsozialisten planten mit
                                                        die ersten Deportationen von Rom*nja        Beginn des 2. Weltkrieges die syste-
                                                        und Sinti*ze (1940) und Juden und Jü-       matische Deportation aller Juden und
      Sinti und Roma Mahnmal – Messegelände Deutz
                                                        dinnen zwischen 1942 und 1945 statt.        Jüdinnen und Rom*nja und Sinti*ze in
                   Kennedy Ufer vor dem Messeturm
                                                                                                    das besetzte Polen. Im Mai 1940 wur-
                                  50679 Köln-Deutz
                                                        Rom*nja und Sinti*ze wurden als „art-       den im gesamten Deutschen Reich 2.500
       GPS: 50.9441035652442, 6.96944017602598
                                                        fremde und minderwertige Rasse“ sys-        Rom*nja und Sinti*ze deportiert. In Köln
                                      Station: 1.6.    tematisch diskriminiert und verfolgt. Ab    begannen die Verhaftungen und die In-
                                                        Mai 1935 wurde die Verfolgung durch die     ternierung am 15.05.1940. 600 Rom*nja
                     Optional: Startpunkt der Route 2
                                                        Errichtung des „Zigeunerlagers“ erheb-      und Sinti*ze aus dem Stadtgebiet und
                                                        lich verschärft. Das Lager entstand an      Regierungsbezirk, sowie weitere 330
                                                        der Venloer Straße auf dem Sportgelän-      Personen aus dem Rheinland wurden in
                                                        de von Schwarz – Weiss Köln und wurde       das Lager in Deutz gebracht. Fünf Tage
                                                        mit einem zwei Meter hohen Stachel-         später wurden sie vom Bahnhof Deutz in

                                            2.6

                                                                                                    Historische Luftaufnahme des Kölner Messegeländes von 1939

42          Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt      Erinnerungsbroschüre Kölner Fanprojekt                                                              43
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