Wirkungsbericht 2019 - Brücke Le pont

 
Wirkungsbericht 2019 - Brücke Le pont
Wirkungsbericht 2019
Wirkungsbericht 2019 - Brücke Le pont
Freiburg, Mai 2020

Franziska Theiler    Geschäftsleiterin
Andrea Gysel         Stv. Geschäftsleiterin, Programmverantwortliche Bolivien und Brasilien
Bruno Essig          Programmverantwortlicher El Salvador/Honduras
Alexia Knezovic      Programmverantwortliche Togo/Benin
Fabienne Jacomet     Verantwortliche Kommunikation und Entwicklungspolitik
Wirkungsbericht 2019 - Brücke Le pont
Inhaltsverzeichnis

1.      Institutionelle Entwicklungen ........................................................................................ 4
2.      Programme ...................................................................................................................... 6
     2.1. Regionalprogramm Zentralamerika ....................................................................... 6
       2.1.1. Kontext ............................................................................................................... 6
       2.1.2. Entwicklungen im Programm.............................................................................. 8
        2.1.3. Resultate und Wirkung 2019 .............................................................................. 9
          2.1.3.1. Berufliche Kompetenzen ............................................................................. 9
          2.1.3.2. Einkommensförderung .............................................................................. 11
           2.1.3.3.        Arbeitsrechte ............................................................................................. 14
           2.1.3.4.        Transversalthemen: Gender, Cultura de Paz und institutionelle Stärkung 16
     2.2. Landesprogramm Brasilien .................................................................................. 19
       2.2.1. Kontext ............................................................................................................. 19
       2.2.2. Entwicklungen im Programm............................................................................ 20
        2.2.3. Resultate und Wirkung 2019 ............................................................................ 21
          2.2.3.1. Berufliche Kompetenzen ........................................................................... 21
           2.2.3.2.        Einkommensförderung .............................................................................. 22
           2.2.3.3.        Arbeitsrechte ............................................................................................. 25
           2.2.3.4.        Transversalthemen: Gender und institutionelle Stärkung ......................... 27
     2.3. Landesprogramm Bolivien ................................................................................... 29
       2.3.1. Kontext ............................................................................................................. 29
        2.3.2. Entwicklungen im Programm............................................................................ 30
        2.3.3. Resultate und Wirkung 2019 ............................................................................ 30
          2.3.3.1. Berufliche Kompetenzen ........................................................................... 30
           2.3.3.2.        Einkommensförderung .............................................................................. 32
           2.3.3.3.        Arbeitsrechte ............................................................................................. 33
           2.3.3.4.        Transversalthemen: Gender und institutionelle Stärkung ......................... 34
     2.4. Regionalprogramm Afrika .................................................................................... 36
       2.4.1. Kontext ............................................................................................................. 36
        2.4.2. Entwicklungen im Programm............................................................................ 37
        2.4.3. Resultate und Wirkung 2019 ............................................................................ 39
          2.4.3.1. Création de revenus (Einkommensförderung) .......................................... 40
           2.4.3.2.        Compétences professionnelles (Berufliche Kompetenzen) ...................... 45
           2.4.3.3.        Droits du travail, droits des femmes et des enfants .................................. 50
           2.4.3.4.        Transversalthemen: Gender und institutionelle Stärkung ......................... 50
3.      Kommunikation und entwicklungspolitische Sensibilisierung................................ 53
4.      Partnerorganisationen und Abkürzungen .................................................................. 57

Wirkungsbericht Brücke · Le pont 2019                                                                                                   3
Wirkungsbericht 2019 - Brücke Le pont
1. Institutionelle Entwicklungen
Entwicklungsprogramm 2021–2024 & Allianz
Auf institutioneller Ebene standen die Erarbeitung des Entwicklungsprogramms 2021–2024
und Allianzgespräche im Zentrum. Aufgrund der Neuausrichtung der DEZA mussten kleine
und mittlere Hilfswerke eine Allianz eingehen, um weiterhin einen DEZA-Programmbeitrag zu
beantragen. Brücke · Le pont prüfte verschiedene Optionen und ist mit Solidar Suisse eine
starke Partnerschaft eingegangen. Beide Organisationen engagieren sich für würdige Arbeit
und machen schon lange gute Erfahrungen zusammen, u.a. mit einem gemeinsamen Projekt
in Bolivien. Für 2021–2024 haben sie nun als Decent Work Alliance ein gemeinsames Pro-
gramm erarbeitet und bei der DEZA eingegeben. Beide Organisationen bleiben eigenstän-
dig, sind aber überzeugt, dass sie vom Austausch in ihrer Allianz profitieren, um Menschen
im globalen Süden effektiv dabei zu unterstützen, ihre Lebensbedingungen zu verbessern.

100-Jahr-Jubiläum der ILO
Anstelle eines geplanten Workshops zum Thema «Stärkung der Arbeitsrechte – wie können
(potentielle) ArbeitgeberInnen noch sinnvoller eingebunden werden» im Rahmen des 100-
Jahr-Jubiläums der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) lud Brücke · Le pont Anna
Biondi, stellvertretende Direktorin des ILO-Büros für ArbeitnehmerInnen-Tätigkeiten
(ACTRAV) als Rednerin an die Delegiertenversammlung im Mai 2019 ein. Sie sprach über
die acht ILO Kernarbeitsnormen, welche unter anderem das Verbot von Zwangs- und Kin-
derarbeit, die Versammlungsfreiheit und die Nichtdiskriminierung am Arbeitsplatz betreffen.
Sie schätzt die Wertehaltung von Brücke · Le pont und ihren Trägerorganisationen, die sich
mit den Grundsätzen der ILO deckt. Das Programm «Arbeit in Würde» und das Engagement
von Brücke · Le pont für die Konzernverantwortungsinitiative und die Clean Clothes Cam-
paign passen bestens zum Programm der ILO.

Austauschtreffen der lateinamerikanischen Koordinatorinnen in der Schweiz
                                                        Im Juni 2019 reisten die lateiname-
                                                        rikanischen Koordinatorinnen von
                                                        Brücke · Le pont aus Honduras, El
                                                        Salvador, Bolivien und Brasilien für
                                                        ein einwöchiges Austauschtreffen
                                                        in die Schweiz, um die inhaltliche
                                                        und methodische Zusammenarbeit
                                                        zwischen den Regional- und Län-
                                                        derprogrammen weiter zu stärken.
                                                        Dabei wurden unter anderem die
                                                        Themen Monitoring, Wissensma-
                                                        nagement und Visibilität behandelt.
                                                        Die Koordinatorinnen tauschten
                                                        sich über Erfahrungen aus und ent-
wickelten bestehende Formate weiter.
Die Koordinatorinnen sensibilisierten zudem an einem Podiumsgespräch zum Thema «Ein-
geschränkte Handlungsspielräume in Lateinamerika: Zivilgesellschaft unter Druck», das Brü-
cke · Le pont in Zusammenarbeit mit dem KOFF organisierte, ein interessiertes Publikum für
die politische Situation in ihren Heimatländern (s. auch Kapitel 3).

4
Wirkungsbericht 2019 - Brücke Le pont
Vernehmlassung der IZA-Botschaft 2021–2024
Im Sommer 2019 beteiligte sich Brücke · Le pont mit einer Stellungnahme an der Vernehm-
lassung zur Internationalen Zusammenarbeit 2021–2024 der Schweiz. Brücke · Le pont
konnte ausserdem die Trägerorganisationen dazu motivieren eigene Stellungnahmen zu
verfassen, v.a. Travail.Suisse trug mit ihrer Stellungnahme substantiell zur Vernehmlassung
bei.

Finanzen
Im Jahr 2019 stiegen die Einnahmen im Ver-
gleich zum Vorjahr leicht. Dank sorgfältigem
Wirtschaften (tiefere Ausgaben) fiel das Jah-
resergebnis positiver aus als erwartet. Brücke ·
Le pont verwendete einen maximalen Anteil
der Mittel für die Programmarbeit: 2019 flossen
86% aller Ausgaben in das Programm. Eine
zweckmässige Infrastruktur und geeignete
Steuerungs- und Kontrollinstrumente in der
Geschäftsstelle sorgen für eine gezielte und
effiziente Aufgabenerfüllung. Der Aufwand für
Administration und Allianzkoordination betrug
5% der Gesamtausgaben und für Fundraising
und Marketing 9%.
Der direkte Programmaufwand betrug 2019
CHF 2'940’182 und der DEZA-Beitrag an das
Programm von Brücke · Le pont 46.5%.
Die Delegiertenversammlung von Brücke · Le pont genehmigte die revidierte Jahresrech-
nung 2019 am 12.5.2020. Die revidierte Jahresrechnung 2019 steht online unter
www.bruecke-lepont.ch/finanzbericht zur Verfügung.

Geschäftsstelle & Freiwilligenengagement
Die Geschäftsstelle beschäftigte 2019 zehn Mitarbeitende mit insgesamt 700 Stellenprozen-
ten.
Auch 2019 engagierten sich viele Freiwillige für Brücke · Le pont, insbesondere mit dem
Verkauf von Fair Trade Produkten als Mittel zur Sensibilisierung der Bevölkerung für die So-
lidarität mit dem Süden. Insgesamt wurden 12’500 Freiwilligenstunden geleistet.

Wirkungsbericht Brücke · Le pont 2019                                                     5
Wirkungsbericht 2019 - Brücke Le pont
2. Programme
2.1. Regionalprogramm Zentralamerika
    2.1.1. Kontext
El Salvador und Honduras waren auch 2019 geprägt von Gewalt, Armut sowie Ungleichheit
und in beiden Ländern haben die Fragilität und Instabilität in den vergangenen 2-3 Jahren
zugenommen. Der Fragile States Index gab 2019 eine «Warnung» für El Salvador und eine
«erhöhte Warnung» für Honduras heraus1. Im Februar 2019 wurde Nayib Bukele zum neuen
Präsidenten El Salvadors gewählt. Kurz nach seiner Amtseinführung startete Präsident Bu-
kele unter dem Deckmantel der Korruptionsbekämpfung eine massive Entlassungswelle und
nahm Einsparungen bei vielen staatlichen Behörden vor oder löste diese gleich komplett auf,
darunter die Stellen für staatliche Transparenz, Bürgerbeteiligung und soziale Integration.
Honduras wurde unterdessen in jüngster Zeit von mehreren Korruptionsskandalen erschüt-
tert, die zu Massenprotesten führten. Im Oktober 2019 wurde der Bruder des hondurani-
schen Präsidenten Juan Orlando Hernández von einem US-Gericht des Drogenhandels für
schuldig befunden und der Präsident wurde mehrmals als Mitverschwörer erwähnt. Unmittel-
bar nach dem Gerichtsurteil brachen Proteste aus und sowohl zivilgesellschaftliche Organi-
sationen als auch Oppositionsparteien forderten den Rücktritt des Präsidenten.
Zentralamerika ist nach wie vor von grosser Gewalt geprägt. Die Mordraten in El Salvador
und Honduras gehörten auch 2019 zu den höchsten in der Region und weltweit2. In El Sal-
vador sank die Mordrate von 51 Morden pro 100'000 EinwohnerInnen in 2018 auf 36 in 2019.
In Honduras hingegen stieg die Mordrate 2019 zum ersten Mal seit 2012 wieder an und ist
mit 41,2 Tötungsdelikten pro 100'000 EinwohnerInnen nun die höchste in Zentralamerika.
Die meisten Opfer sind junge Männer aus marginalisierten urbanen Quartieren, in welchen
auch die Projekte von Brücke · Le pont durchgeführt werden. Besonders besorgniserregend
ist die hohe und zunehmende Rate geschlechtsspezifischer Gewalt. Gemäss hondurani-
schen Frauenorganisationen ist die Zahl der Frauenmorde (feminicidios) von 130 im Jahr
2002 auf über 350 im Jahr 2018 gestiegen3. Das bedeutet, dass in Honduras alle 23 Stunden
eine Frau ermordet wird. Die Straffreiheit bei Frauenmorden ist in Honduras mit mehr als
96% besonders hoch4. In beiden Ländern lässt sich beobachten, dass ein Verbrechen umso
seltener aufgeklärt und verurteilt wird, je schwerer es ist. Die meisten Gewalttaten lassen
sich auf das organisierte Verbrechen, Drogenkartelle und den Machtkampf zwischen den
beiden rivalisierenden Banden Mara Salvatrucha (MS-13) und Mara 18 zurückführen. Viele
MenschenrechtsverteidigerInnen, UmweltschützerInnen, GewerkschaftsvertreterInnen, Jour-
nalistInnen und RechtsanwältInnen werden bedroht, schikaniert oder ermordet. Der Hand-
lungsspielraum für zivilgesellschaftliche Organisationen schrumpft weiter und auch
Nichtregierungsorganisationen, die sich für Menschenrechte einsetzen, werden bedroht.
2019 wurden alleine in Honduras 31 MenschenrechtsverteidigerInnen ermordet5.
El Salvador und Honduras sind durch eine grosse Ungleichheit bei der Verteilung von Ein-
kommen und Macht gekennzeichnet. Dementsprechend gehören beide Länder zu den 20
Ländern der Welt mit dem höchsten Einkommensunterschied zwischen reichen und armen
Menschen: Der Gini-Index für El Salvador liegt bei 0.34 und für Honduras bei 0.53. Letzteres
bedeutet, dass Honduras auf der Liste der ungleichsten Länder der Welt an dritter Stelle

1
  https://fragilestatesindex.org/wp-content/uploads/2019/03/9511904-fragilestatesindex.pdf
2
  https://www.insightcrime.org/news/analysis/insight-crime-2019-homicide-round-up/
3
  http://conadeh.hn/conadeh-persiste-impunidad-en-la-muerte-de-mujeres/
4
  http://www.radioamerica.hn/96-feminicidios-honduras-estan-impunes-segun-cem-h/
5
  https://www.frontlinedefenders.org/sites/default/files/global_analysis_2019_web.pdf

6
Wirkungsbericht 2019 - Brücke Le pont
rangiert, nach Südafrika und Haiti6. Auch die Ungleichheit der Geschlechter (GII – Gender
Inequality Index) ist hoch: El Salvador belegt Platz 121 und Honduras Platz 133 von 189 be-
werteten Ländern7. Besorgniserregend ist auch der hohe Anteil armer Haushalte: 32,7%
aller salvadorianischen Haushalte8 und 42,7% der Haushalte in Honduras9 lagen 2019 unter
der Armutsgrenze. Davon sind in Honduras 38,7% von extremer Armut betroffen.
In El Salvador liegt die Arbeitslosigkeit im formellen Arbeitsmarkt bei 6,3%, doch für Ju-
gendliche zwischen 16 und 24 Jahren ist sie mit 13,6% deutlich höher10. Die Situation in
Honduras ist ähnlich. Die Arbeitslosigkeit auf dem formellen Arbeitsmarkt liegt bei 5,7% und
für Jugendliche beträgt sie 11,3%11. Die Jugendarbeitslosigkeit ist aber nur ein Teil des
Problems. Auch die weit verbreitete Unterbeschäftigung muss berücksichtigt werden. Wäh-
rend in El Salvador mehr als ein Drittel der erwerbstätigen Bevölkerung als unterbeschäftigt
gilt12, sind in Honduras fast zwei von drei Erwerbstätigen unterbeschäftigt13. Ausserdem ist
die Informalität eine Herausforderung. Der Anteil der informellen Beschäftigung ausserhalb
der Landwirtschaft liegt in Honduras bei 75% und in El Salvador bei 68%14. Rund 25% der
Jugendlichen – Tendenz steigend – sind weder in der Schule oder einer Ausbildung, noch
haben sie eine Anstellung (sogenannte NINIs, von «ni estudian, ni trabajan»)15. In Honduras
sind dabei vier von fünf NINIs Mädchen und junge Frauen16.
Geldüberweisungen emigrierter HonduranerInnen und SalvadorianerInnen an ihre zurückge-
bliebenen Familienmitglieder (remesas) machten 2018 in El Salvador 18% und in Honduras
19,5% des BIP aus und gehören zu den höchsten Werten in Lateinamerika. Für 2020 wird
ein deutlicher Rückgang bei den remesas erwartet, weil wegen der Corona-Krise viele
emigrierte HonduranerInnen und SalvadorianerInnen in den USA ihre Arbeitsstelle verlieren
könnten. Vor allem Frauen, die keine Anstellung finden und/oder ihre Grundbedürfnisse nicht
aus Rücküberweisungen decken können, suchen oft eine Arbeit im informellen Sektor, bei-
spielsweise als Hausangestellte. Die rechtliche Situation und die Arbeitsbedingungen
von Hausangestellten sind prekär: Sie haben oft keine Arbeitsverträge, erhalten keine Sozial-
leistungen und arbeiten im Durchschnitt fünfzehn Stunden pro Tag. Das ILO-
Übereinkommen 189 über menschenwürdige Arbeit für Hausangestellte ist in beiden Län-
dern immer noch nicht ratifiziert worden17. Eine 2018 in Honduras durchgeführte Studie

6
  https://tiempo.hn/honduras-pais-mas-desiguales/
7
  http://hdr.undp.org/en/composite/GII
8
  https://www.rnpn.gob.sv/2018/05/digestyc-presenta-resultados-de-encuesta-de-hogares-de-
propositos-multiples-2017/
9
  https://www.elheraldo.hn/pais/1353308-466/honduras-pobreza-familias-ine-estudio
10
   https://www.eleconomista.net/actualidad/Un-13.6-de-los-jovenes-en-El-Salvador-esta-desempleado-
segun-OIT-20200129-0002.html
11
   http://dinero.hn/desempleo-de-jovenes-en-honduras-sube-al-113-oit/
12
   https://www.laprensagrafica.com/lpgdatos/Subempleo-llega-a-su-punto-mas-alto-en-El-Salvador-
20180530-0186.html
13
   https://hondudiario.com/2019/01/28/honduras-registra-un-aumento-del-62-8-de-subempleo-en-el-
2018/
14
   https://www.odi.org/publications/11025-informal-new-normal-improving-lives-workers-risk-being-left-
behind
15
   25,3% in Honduras (http://dinero.hn/desempleo-de-jovenes-en-honduras-sube-al-113-oit/) und
23,8% in El Salvador (https://www.eleconomista.net/actualidad/Un-13.6-de-los-jovenes-en-El-
Salvador-esta-desempleado-segun-OIT-20200129-0002.html).
16
   https://presencia.unah.edu.hn/noticias/mas-del-74-de-jovenes-que-ni-estudian-ni-trabajan-ninis-se-
encuentran-en-situacion-de-pobreza/
17

https://www.ilo.org/dyn/normlex/en/f?p=1000:11300:0::NO:11300:P11300_INSTRUMENT_ID:2551460

Wirkungsbericht Brücke · Le pont 2019                                                               7
Wirkungsbericht 2019 - Brücke Le pont
ergab, dass 36% der Hausangestellten an ihrem Arbeitsplatz von irgendeiner Form von Ge-
walt und Missbrauch betroffen sind18.
Aufgrund dieser miteinander verknüpften Faktoren, in erster Linie chronische Gewalt und
mangelnde wirtschaftliche Möglichkeiten, stellen Migration und Rückschaffungen in Zent-
ralamerika nach wie vor eine grosse Herausforderung dar. Gemäss dem Integral System of
Attention to Returning Migrants wurden 2019 insgesamt 85'231 HonduranerInnen aus den
USA nach Honduras zurückgeschafft, was einem Anstieg von 140% gegenüber 2018 ent-
spricht19. Es ist davon auszugehen, dass diese Zahlen hoch bleiben oder sogar steigen wer-
den, da beide Länder Abkommen mit der US-Regierung unterzeichnet haben, die es den
USA erlauben, Asylsuchende nach Honduras und El Salvador zurückzuschicken. Migrantin-
nen und Migranten, die aus den USA zurückgeschafft werden, sind oft mit Stigmatisierung
konfrontiert und aufgrund fehlender Arbeitsmöglichkeiten in Gefahr, kriminell tätig zu werden,
was den Gewaltkreislauf weiter antreibt. Neu kommt die Gefahr hinzu, dass die zurückge-
schafften Personen die Krankheit Covid-19 in El Salvador und Honduras weiter verbreiten
könnten.

     2.1.2. Entwicklungen im Programm
                                                    Für die Programmphase 2017-2020 be-
                                                    hält und konsolidiert Brücke · Le pont die
                                                    drei Arbeitsschwerpunkte Einkommens-
                                                    förderung, berufliche Kompetenzen und
                                                    Arbeitsrechte. Das Regionalprogramm
                                                    Zentralamerika konzentrierte sich auch
                                                    2019 auf die Grossräume San Salvador
                                                    in El Salvador sowie Tegucigalpa, San
                                                    Pedro Sula und El Progreso in Honduras.
                                                    2019 unterstützte das Regionalpro-
                                                    gramm elf Projekte, zwei Netzwerke in
                                                    den Bereichen Einkommensförderung
                                                    und berufliche Kompetenzen sowie ein
Netzwerk im Bereich Arbeitsrechte. In El Salvador führten die drei Partnerorganisationen
(PO) FYA-S, FUSALMO und SSPAS ihre gemeinsame Zusammenarbeit im Netzwerk REDI
(Red de Empleo Juvenil Digno) weiter. Zusammen betreiben diese drei PO auch die Stellen-
börse PIL (Plataforma de Intermediación Laboral). In Honduras haben sich die drei PO
CFSJB, FYA-H und SAN ebenfalls zu einem Netzwerk zusammengeschlossen und betreiben
auch eine Stellenbörse, welche auf der Basis derjenigen in El Salvador aufgebaut wurde.
Beide Netzwerke bündelten zudem Kräfte für gemeinsame Sensibilisierungskampagnen zu
Arbeit in Würde. Im Bereich Arbeitsrechte startete 2019 die zweijährige Pilotphase mit der
salvadorianischen Gewerkschaft SITRABORDO, in welcher Textilheimarbeiterinnen vereinigt
sind. Neu kooperiert Brücke · Le pont direkt mit der 2016 gegründeten Gewerkschaft, mit der
bisher eine indirekte Zusammenarbeit über die PO MT bestanden hatte und deren Gründung
und Stärkung Brücke · Le pont von Anfang an mitgetragen hatte. In der Schweiz hat Brücke ·
Le pont weiterhin aktiv an der Zentralamerika-Plattform20 und am Foro Suizo21 teilgenom-
men.

18
   http://www.conexihon.hn/index.php/dh/35-mujeres/948-honduras-ley-de-trabajo-domestico-un-paso-
para-frenar-la-violencia-invisible
19
   http://ceniss.gob.hn/migrantes/DatosMigrantes.aspx
20
   Zentralamerika-Plattform: offene Allianz aller CH-Hilfswerke mit Programmen in Zentralamerika.
21
   Schweizer Forum für Menschenrechte und Frieden in Guatemala und Honduras (Foro Suizo): Alli-
anz aller in Guatemala und Honduras tätigen CH-Organisationen.

8
Wirkungsbericht 2019 - Brücke Le pont
Im August 2019 wechselte die Programmverantwortung für Zentralamerika bei Brücke · Le
pont. Eine kurze gemeinsame Übergangsphase stellte den Wissenstransfer von der bisheri-
gen Verantwortlichen zum neuen Verantwortlichen sicher. Der regelmässige Austausch mit
den zwei lokalen Koordinatorinnen sicherte den Informationsfluss und die erste Programm-
reise im Oktober/November 2019 ermöglichte dem neuen Programmverantwortlichen einen
Einblick in die Projekte vor Ort sowie die PO besser kennenzulernen. Im dritten Quartal 2019
lag der Fokus auf dem Erarbeiten des Programmantrages 2021-2024 zuhanden der DEZA.
Die neuen Schwerpunkte der Botschaft zur Internationalen Zusammenarbeit 2021-2024 (ins-
besondere angekündigter Ausstieg der DEZA aus der bilateralen Zusammenarbeit in Latein-
amerika) und die neuen finanziellen Eckwerte wurden dabei berücksichtigt. Das für 2019
geplante Überarbeiten der Dokumente zum Thema Sicherheits- und Risikoanalysen in Zent-
ralamerika wurde auf 2020 verschoben.

     2.1.3. Resultate und Wirkung 2019
       2.1.3.1. Berufliche Kompetenzen
Die sechs lokalen Partnerorganisationen CFSJB,
FYA-H und SAN in Honduras sowie FYA-S, FUSAL-
MO und SSPAS in El Salvador führten 2019 insge-
samt 60 Berufsbildungskurse in 29 verschiedenen
Berufen durch. Das Angebot sowie die Inhalte und
Methoden der Kurse wurden auf die Nachfrage im
lokalen Arbeitsmarkt, die Anforderungen der Unter-
nehmen und die Interessen der Jugendlichen abge-
stimmt. So hatten 1'668 Jugendliche (914 Frauen,
754 Männer) Zugang zu einer Berufsbildung mit
hoher Qualität. Die Jugendlichen kommen alle aus
benachteiligten Verhältnissen oder gehören margina-
lisierten Gruppen an. Sie wohnen in von bewaffneten
Gruppierungen (maras) kontrollierten Quartieren,
rund um die grossen Städte San Salvador, Teguci-
galpa und El Progreso. Viele Teilnehmerinnen sind
alleinerziehende Mütter. Im Projekt mit SAN, welches
sich ausschliesslich auf Mädchen und junge Frauen
fokussiert, ist jede vierte Teilnehmerin bereits Mutter
eines oder mehrerer Kinder. Die Berufsbildungskurse
dauerten 80 bis 740 Stunden und waren den Le-
bensumständen der Jugendlichen angepasst. Einige PO unterrichten nur samstags, damit
die Jugendlichen an den anderen Tagen einer Beschäftigung nachgehen und sich ihren Le-
bensunterhalt verdienen können. Während der Kurse und am Schluss fanden Tests statt, um
die Lernfortschritte zu überprüfen. 1'531 Jugendliche (833 Frauen, 698 Männer) schlossen
ihren Berufsbildungskurs erfolgreich ab und erhielten ein Diplom22. Die durchschnittliche
Quote der erfolgreichen Abschlüsse liegt somit bei 92% und variiert je nach Projekt zwischen
80% und 96%. Die häufigsten Gründe für einen Abbruch sind das Wegziehen innerhalb des
Landes oder Emigrieren ins Ausland, das Aufnehmen einer bezahlten Tätigkeit aus finanziel-
ler Not sowie familiäre Verpflichtungen, wie das Betreuen des eigenen Kindes. Die PO
CFSJB eröffnete deshalb eine Kinderbetreuungsstätte für alleinerziehende Mütter, andere

22
  Davon sind 238 Mädchen und junge Frauen, die von SAN geschult wurden. 103 von ihnen schlos-
sen 2019 ihre Ausbildung ab. Die anderen 135 Jugendlichen haben das Schuljahr bzw. Ausbildungs-
jahr erfolgreich abgeschlossen, nicht jedoch die zwei- bis dreijährige Aus- bzw. Berufsbildung.

Wirkungsbericht Brücke · Le pont 2019                                                             9
Wirkungsbericht 2019 - Brücke Le pont
PO prüfen diese Massnahme ebenfalls. Die PO FYA-H und SSPAS konnten für 582 Ju-
gendliche (329 Frauen, 253 Männer) ein Praktikum bei einem Unternehmen vermitteln,
was 81% ihrer AbsolventInnen entspricht. So konnten die Jugendlichen ihre erworbenen Fä-
higkeiten in der Arbeitswelt verfeinern und ihre Chance steigern, anschliessend eine Anstel-
lung zu erhalten.
Alle Berufsbildungskurse für Jugendliche vermittelten nebst dem fachlichen Wissen und den
handwerklichen Fertigkeiten auch komplementäre Fähigkeiten und Kompetenzen. Dazu
gehörten Sozialkompetenzen, Konfliktbewältigung und Friedenskultur (cultura de paz), Gen-
der sowie Berufsorientierung. Aufgrund des stark von Gewalt geprägten Kontextes in Zent-
ralamerika sind Methoden und Instrumente der Gewaltprävention und Konfliktlösung elemen-
tar (siehe auch Kapitel 2.1.3.4 Transversalthemen). In diesen zusätzlichen Modulen wurden
Themen wie Selbstbewusstsein, Persönlichkeitslehre, Geschlechtergerechtigkeit sowie se-
xuelle und reproduktive Gesundheit behandelt. Zur Kompetenzförderung im Arbeitsbereich
wurden Module zu Leadership, Teamfähigkeit, Arbeitsrechte und -pflichten und Vorbereitung
auf das Vorstellungsgespräch mit den Jugendlichen durchgeführt. 2019 absolvierten insge-
samt 1'503 Jugendliche (697 Frauen und 806 Männer) die komplementären Ausbildungen
erfolgreich. Diese komplementären Module standen auch Jugendlichen offen, die keinen
Berufsbildungskurs absolvierten, dafür aber Unterstützung bei der Stellensuche in Anspruch
nahmen.
Im Rahmen der Projekte mit dem Hausangestelltennetzwerk von CEM-H und mit der Ge-
werkschaft SIMUTHRES konnten 33 Hausangestellte einen anerkannten Berufsbildungs-
kurs abschliessen. Die Hausangestellten konnten so für sie relevante Kenntnisse und Fähig-
keiten ausbauen, was wiederum ihre Position gegenüber Arbeitgebern stärkt und ihnen er-
möglicht, bessere Arbeitsbedingungen auszuhandeln.

CEM-H: Aufbau eines staatlich anerkannten Ausbildungslehrgangs für Hausange-
stellte
                                  Seit 2017 ist das Angebot von Vertiefungskursen für
                                  Hausangestellte Teil des Projektes der Partnerorganisa-
                                  tion CEM-H. 2018 konnten 14 Hausangestellte einen
                                  Kurs in einem Bereich ihrer Arbeit (Kinderfrühförderung,
                                  Pflege sowie Erste Hilfe) absolvieren. Diese Berufskurse
                                  wurden durch Fachpersonen angeboten und auf die
                                  Bedürfnisse der Hausangestellten abgestimmt, waren
                                  aber bisher nicht zertifiziert. Deswegen erarbeitete die
                                  PO 2019 gemeinsam mit CONEANFO (nationale Kom-
                                  mission für non-formale Bildung) einen anerkannten
                                  Diplomlehrgang. Dieser dauert insgesamt 150 Stun-
                                  den, wovon 53 Stunden theoretische und 97 Stunden
                                  praktische Ausbildung sind, und besteht aus vier Modu-
                                  len mit jeweils drei Ausbildungsblöcken von je einem
                                  Tag. Zu den behandelten Themen gehören Kochen und
                                  Essenszubereitung, Hausreinigung, Betreuung von Kin-
                                  dern, Senioren und Personen mit Behinderungen oder
                                  chronischen Krankheiten, Arbeitshygiene und -sicher-
                                  heit. 2019 absolvierten 14 Mitglieder des Hausange-
stelltennetzwerkes in einem Probedurchgang die neu entwickelten Module und halfen mit
konstruktiven Rückmeldungen bei deren Fertigstellung. Der Diplomlehrgang verleiht den
Hausangestellten ein klareres Berufsprofil und erhöht ihre Chance auf eine Arbeit unter
würdigen Bedingungen. Im Jahr 2020 wird dieser Diplomlehrgang erstmals für 20 Perso-

10
nen angeboten, bis 2022 werden 60 Hausangestellte (20 pro Jahr) den ersten Lehrgang die-
ser Art in Honduras abschliessen.

        2.1.3.2. Einkommensförderung
Die Partnerorganisationen FYA-S,
FUSALMO und SSPAS in El Sal-
vador sowie CFSJB, FYA-H und
SAN in Honduras betreiben ge-
meinsam je eine Stellenbörse PIL
(Plataforma de Inserción Laboral).
Mittels der PIL können die PO die
AbsolventInnen     der    Berufsbil-
dungskurse und weitere Jugendli-
che mit Unternehmen vernetzen,
die Arbeitsplätze anbieten. Die PO
bieten dazu umfassende Dienst-
leistungen an. 1'579 Jugendliche
(888 Frauen, 691 Männer) besuch-
ten Berufsorientierungskurse, in welchen sie sich einerseits auf den Bewerbungsprozess
vorbereiteten und andererseits Wissen zu Arbeitsrechten, Vertrag und Sozialleistungen er-
hielten. Weitere 3'524 Jugendliche (2'074 Frauen und 1'450 Männer) benutzten die Web-
plattform der PO FYA-S, auf welcher sie verschiedene Online-Module zu ähnlichen The-
men absolvierten.
Im Jahr 2019 verwirklichten insgesamt 692 Jugendliche (339 Frauen, 353 Männer) die In-
tegration in den Arbeitsmarkt, wovon 517 vorgängig bei den sechs Partnerorganisationen
einen Berufsbildungskurs erfolgreich abgeschlossen hatten. Das bedeutet, dass 55% der
Jugendlichen, welche die Berufsorientierungskurse besuchten, respektive 39% der Absol-
ventInnen von Berufsbildungskursen, eine Arbeitsstelle fanden. Die Integrationsquote der
AbsolventInnen der Berufsbildungskurse in den formellen Arbeitsmarkt liegt bei durchschnitt-
lich 33,8%23. Dies mag tief erscheinen, muss jedoch im Kontext der hohen Quoten an infor-
meller Beschäftigung betrachtet werden, welche ausserhalb der Landwirtschaft in Honduras
bei 75% und in El Salvador bei 68% liegen24. Die Resultate zur Arbeitsmarktintegration lie-
gen noch nicht vollständig vor, da mehrere Berufsbildungskurse erst im Dezember endeten.
Für weitere 235 AbgängerInnen der Berufsbildungskurse konnten die PO den Besuch einer
weiterführenden Ausbildung vermitteln als Alternative zur Aufnahme einer Arbeit. Folglich
fanden die PO für 57% der Jugendlichen, welche einen Berufsbildungskurs abschlossen,
eine direkte Anschlusslösung.
82% aller Jugendlichen, die eine Arbeitsstelle fanden, erhielten einen Lohn, welcher dem
gesetzlichen Mindestlohn entspricht oder darüber liegt sowie die gesetzlichen Sozialleis-
tungen25. Ein Sonderfall ist das Projekt von SAN, dessen Abgängerinnen sehr oft im infor-
mellen Sektor, beispielsweise als Hausangestellte, eine Arbeitsstelle finden. 2019 verdienten
nur 27% der in den Arbeitsmarkt integrierten jungen Frauen den gesetzlichen Mindestlohn.
Bei den anderen PO erhielten 90% und mehr den Minimallohn. Die Tatsache, dass einige
23
   Arbeitsmarktintegrationsquote pro PO: 26% FYA-H, 35% SAN, 36% SSPAS, 40% CFSJB, 75%
FUSALMO.
24
   https://www.odi.org/publications/11025-informal-new-normal-improving-lives-workers-risk-being-left-
behind
25
   Die gesetzlichen Mindestlöhne in El Salvador und Honduras sind abhängig von Branche und Unter-
nehmensgrösse definiert. Der Mindestlohn in El Salvador in den Branchen Han-
del/Dienstleistung/Industrie betrug 2019 USD 304.17. Der entsprechende Mindestlohn in Honduras
war rund USD 330.- (8'243.74 Lempiras).

Wirkungsbericht Brücke · Le pont 2019                                                               11
Jugendliche zwar im formellen Sektor angestellt sind, aber in einem Teilzeitpensum oder auf
Abruf arbeiten (z.B. Angestellte im Bereich Gastronomie werden für einzelne Events aufge-
boten), ist ein häufiger Grund dafür, dass sie nicht den Mindestlohn verdienen.
Die beiden Stellenbörsen wurden auch 2019 weiterentwickelt und Synergien zwischen den
Ländern genutzt. So haben die PO beispielsweise neue Auswertungsberichte program-
miert, die sie direkt für das Monitoring der Projekte einsetzen können. Die Partnerorganisati-
onen, welche zu Berufsbildung und Arbeitsmarktintegration arbeiten, pflegten einen regel-
mässigen Austausch in den beiden nationalen Partnerplattformen. Der Erfahrungsaustausch
unter den PO hat zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Strategien zur Arbeitsmarktin-
tegration in den einzelnen Projekten geführt. In El Salvador erarbeiteten die PO der Partner-
plattform REDI ein gemeinsames didaktisches Handbuch für die Ausbildungsmodule im
Bereich Konfliktbewältigung und Friedenskultur (cultura de paz). Im Rahmen von REDI wur-
den auch zwei Schulungstage zum Thema «nachhaltige und inklusive Arbeitsplätze»
durchgeführt, an welchen 62 Personen von 31 Unternehmen teilnahmen. REDI führte
ebenfalls Online-Kampagnen zu Arbeitsrechten (28'232 Personen erreicht) und Friedens-
kultur (8'708 Personen erreicht) durch.
                                                       Die Partnerorganisationen setzten
                                                       verschiedene Strategien ein, um das
                                                       Vertrauen zwischen privatem Sektor,
                                                       öffentlichem Sektor und den Jugendli-
                                                       chen zu fördern und dadurch die Ar-
                                                       beitsmarktintegration der Jugendlichen
                                                       zu verbessern. Alle PO beschäftigen
                                                       mindestens eine Person, die aus-
                                                       schliesslich für die Arbeitsmarktin-
                                                       tegration und die Beziehung zu Un-
                                                       ternehmen zuständig ist. Diese Per-
                                                       sonen planten einerseits die Berufsori-
                                                       entierungskurse und führten sie durch.
Andererseits bauten sie neue Kontakte zu Unternehmen auf und pflegten bereits bestehende
Kontakte. Die PO sensibilisierten die Unternehmen unter anderem für die Wichtigkeit von
Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten für Jugendliche. Daraus resultierten mindestens 20
neue Absichtserklärungen von Unternehmen, in welchen sie sich bereit erklärten Jugendli-
che aus der Stellenbörse anzustellen. In den zwei Stellenbörsen konnten insgesamt 334
neue Unternehmen registriert werden. Diese Unternehmen veröffentlichten daraufhin min-
destens 237 Stellenangebote für Jugendliche. 181 in den Stellenbörsen registrierte Unter-
nehmen stellten im Verlaufe des Jahres Jugendliche an. Für Brücke · Le pont ist es von stra-
tegischer Bedeutung, langfristige Allianzen mit Unternehmen einzugehen, um das gegensei-
tige Vertrauen zwischen ArbeitgeberInnen und Jugendlichen gezielt zu fördern und die Sen-
sibilisierungs- und Lobbyarbeit zugunsten der Arbeitsplatzvermittlung für Jugendliche konse-
quent weiterzuführen. Die in den Stellenbörsen mitwirkenden Partnerorganisationen werden
so zu Garantinnen für die fachlichen und sozialen Kompetenzen der arbeitssuchenden Ju-
gendlichen. Gleichzeitig prüfen die PO auch das Angebot der Firmen, um diejenigen heraus-
zufiltern, die sich nicht an die Gesetzgebungen halten.

SSPAS: erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Privatsektor
In El Salvador ist im formellen Arbeitsmarkt die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen zwischen
16 und 24 Jahren mit 13,6% sehr hoch. Für Jugendliche, die in von bewaffneten Gruppie-
rungen (maras) beherrschten Quartieren leben oder aus benachteiligten Verhältnissen
stammen, kommt erschwerend hinzu, dass sie im Arbeitsmarkt stigmatisiert werden. Die Un-
ternehmen haben kein Vertrauen in diese Jugendlichen, fürchten dass sie Bandenmitglieder

12
sind, haben Angst vor Schutzgelderpressungen durch maras oder weigern sich, einen
Transport in diese Quartiere zu organisieren. Es ist deshalb vorteilhaft, die Unternehmen von
Anfang an in den Ausbildungsprozess zu integrieren. In El Salvador hat die PO SSPAS ein
hervorragendes Konzept erarbeitet, wonach die Unternehmen Mitspracherecht bei der Ge-
staltung der Lehrpläne erhalten. So wird einerseits sichergestellt, dass die erworbenen Fä-
higkeiten auch der Nachfrage der Unternehmen entsprechen und diese fachlich sowie sozial
qualifizierte Arbeitskräfte erhalten. Andererseits kann ein Vertrauensverhältnis aufgebaut
werden während der Durchführung der Berufsbildungskurse.
SSPAS führte 2019 sechs Berufsbildungskurse in enger Zusammenarbeit mit zwei Un-
ternehmen durch. 108 Jugendliche (69 Frauen, 39 Männer) schlossen eine Ausbildung in
den Bereichen telefonischer Kundendienst/Inkasso sowie Bäckerei/Konditorei ab. Einen
Grossteil der 200-stündigen Ausbildung absolvierten die Jugendlichen direkt in den Unter-
nehmen. 69 Jugendliche (47 Frauen, 22 Männer) fanden anschliessend eine Arbeitsstelle bei
diesen Unternehmen, was einer Arbeitsmarktintegrationsquote von 64% entspricht. Die
entsprechende Quote für die Jugendlichen aus den anderen Berufsbildungskursen dieser
PO lag 2019 bei 23%26. Zusätzlich führten die Angestellten von SSPAS vier Schulungen bei
den Unternehmen durch, an welchen total 84 Angestellte der Unternehmen teilnahmen. Die
Schulungen beinhalteten Themen wie Friedenskultur (cultura de paz), Gewaltprävention und
Konfliktlösung sowie Gender und leisteten einen Beitrag zur Verbesserung der Unterneh-
menskultur. Das Kursmaterial für diese Schulungen wurde von SSPAS in Anlehnung an die
bereits existierenden Kursunterlagen für die Jugendlichen entwickelt.
Dieses Modell bildet das Kernelement der Projektphase 2018-2020 mit der PO SSPAS und
erzielte 2018 und 2019 bereits grosse Erfolge. Es ist jedoch momentan noch eine Heraus-
forderung, die Unternehmen von diesem Ausbildungsmodell zu überzeugen. SSPAS erwar-
tet auch, dass sich die Unternehmen an den Ausbildungskosten beteiligen, was in El Salva-
dor jedoch überhaupt nicht selbstverständlich ist. Die aus dieser Projektphase gewonnenen
Erkenntnisse und Erfahrungen sollen zukünftig in alle Berufsbildungsprojekte des Regional-
programms einfliessen.

Da der formelle Arbeitsmarkt nur eine Minderheit der erwerbstätigen Personen absorbieren
kann und die Integration entsprechend schwierig ist, bieten einige PO zusätzlich spezielle
Ausbildungen im Bereich Unternehmertum/selbständige Erwerbstätigkeit an. Diese
Ausbildungen werden in Zusammenarbeit mit spezialisierten Organisationen angeboten, weil
die PO nur teilweise über das notwendige Know-how und die benötigten Ressourcen für die
Begleitung verfügen. 122 Jugendliche (58 Frauen, 64 Männer) absolvierten erfolgreich eine
entsprechende Ausbildung und nahmen eine selbständige Erwerbstätigkeit auf. Davon
erhielten 12 Jugendliche Unterstützung in Form von Materialen/Werkzeugen und/oder eines
kleinen Startkapitals. Diese Unterstützungen wurden von anderen NGOs oder von öffentli-
chen Stellen wie Handelskammern finanziert. Die Jugendlichen haben so die Möglichkeit, ein
Einkommen aus selbständiger Arbeit zu erwirtschaften.
Auch in den Projekten mit der Gewerkschaft der Hausangestellten SIMUTHRES und dem
Hausangestelltennetzwerk von CEM-H ist die Einkommensförderung ein wichtiges Ziel, ob-
wohl es nicht der Schwerpunkt ist. SIMUTHRES betreibt seit 2017 eine Stellenbörse, in der
sich Hausangestellte und ArbeitgeberInnen registrieren können. 2019 wurden 15 Arbeitge-
berInnen, die würdige Arbeitsbedingungen anbieten, registriert. 20 Hausangestellte fanden
über die Stellenbörse eine Anstellung und konnten ihr Einkommen verbessern. Eine ähnli-
che Stellenbörse wird mittelfristig im Rahmen des Projektes mit dem Hausangestelltennetz-
werk von CEM-H aufgebaut.

26
  Auch 2018 lag die Quote für die Kurse in Allianz mit Unternehmen mit 70% deutlich höher als die
der anderen Kurse mit 24%.

Wirkungsbericht Brücke · Le pont 2019                                                         13
2.1.3.3. Arbeitsrechte
Im Rahmen der Projekte mit den PO CEM-H, CODEMUH, CEDM, ORMUSA-PGR, SI-
MUTHRES und SITRABORDO wurden in Zentralamerika im Jahr 2019 insgesamt 765 Per-
sonen (687 Frauen, 78 Männer) geschult zu den Themen Menschen-, Frauen- und Arbeits-
rechte sowie Gewalt am Arbeitsplatz. Die Projekte fokussierten dabei auf Frauen, die in der
Textilbranche (Fabrik- und Heimarbeiterinnen) und als Hausangestellte arbeiten. Bei den
Schulungen kamen die Vernetzungen der verschiedenen PO positiv zum Tragen. Die PO
ORMUSA führte zusammen mit der salvadorianischen Generalstaatsanwaltschaft PGR zwei
Schulungstage durch, einer davon für die PO SIMUTHRES. 25 Mitglieder von SIMUTHRES
lernten nicht nur ihre Arbeitsrechte kennen, sondern auch mögliche Vorgehensweisen bei
Arbeitsrechtsverletzungen und die Dienstleistungen der PGR. Von den total 687 geschulten
Frauen engagierten sich 71 Frauen als Wissensmultiplikatorinnen und vermittelten die
erworbenen Kenntnisse an insgesamt 623 Frauen in ihren Gemeinden weiter. Dieser Multi-
plikationseffekt festigt die Nachhaltigkeit der Projekte und vor allem der Netzwerke und Ge-
werkschaften, denn diese Frauen sind auch nach dem Projekt aktiv, beraten und bilden wei-
tere Arbeiterinnen aus. Das zeigte sich auch in den wachsenden Mitgliederzahlen der Ge-
werkschaften und Netzwerke. Die salvadorianischen Gewerkschaften der Heimarbeiterin-
nen SITRABORDO und jene der Hausangestellten SIMUTHRES sowie das Hausangestell-
tennetzwerk in Honduras konnten 78 Neumitglieder gewinnen und zählen nun insgesamt
181 Mitglieder. Ebenfalls wichtig ist die Vernetzung mit anderen Organisationen der Zivilge-
sellschaft. Zu diesem Zweck führten die PO diverse nationale und regionale Austauschtref-
fen mit 117 Teilnehmerinnen durch.
Die Partnerorganisationen reali-
sierten über 100 Massnahmen
zur Sensibilisierung der breiten
Öffentlichkeit wie Protestkundge-
bungen, Radiosendungen und -
spots, Pressekonferenzen sowie
Kampagnen in den sozialen Netz-
werken zu Themen wie Mindest-
lohn, Arbeitsrechte und Arbeitsbe-
dingungen. Dabei spielten Radio-
sendungen eine wichtige Rolle,
weil über dieses Medium viele Per-
sonen relativ kostengünstig er-
reicht werden. Mit allen Sensibili-
sierungsmassnahmen haben die PO schätzungsweise 1'513'290 Personen erreicht und
für die Arbeitsbedingungen und -rechte von Hausangestellten und Textilarbeiterinnen sensi-
bilisiert. Erwähnenswert ist die eigene Radiosendung des Hausangestelltennetzwerkes, die
seit Juli 2018 über das unabhängige Radio «Radio Progreso» ausgestrahlt wird. Jeden Don-
nerstag verfolgen schätzungsweise 5'000 Personen in 13 Departementen Honduras die
Sendung, welche auch international via Internet ausgestrahlt wird. Die Hausangestellten be-
richten über Themen rund um die Hausarbeit und denunzieren die schlechten Arbeitsbedin-
gungen.
Ein weiteres wichtiges Instrument, um Verbesserungen im Bereich Arbeitsrechte zu realisie-
ren, sind Sensibilisierung und Lobbying gegenüber Regierungen, Behörden und Ent-
scheidungsträgerInnen wie etwa ParlamentarierInnen. Ziel ist dabei, die Gesetzgebungspro-
zesse zu beeinflussen und beispielsweise Verbesserungen bei Arbeitsunfähigkeitsentschä-
digungen, Kündigungsschutz oder Kinderbetreuung zu erreichen. Die Partnerorganisationen
stützen sich dabei auf die Konventionen 177 und 189 der Internationalen Arbeitsorgani-

14
sation ILO und engagieren sich für deren Ratifizierung durch die Regierung. 2019 veranstal-
teten die PO 54 Treffen mit EntscheidungsträgerInnen auf verschiedenen Ebenen. Auf-
grund des Regierungswechsels in El Salvador und dem damit verbundenen Wechsel in zahl-
reichen öffentlichen Ämtern verzögerten sich gewisse Lobbying-Aktivitäten von CEDM. Zu
den neuen BeamtInnen und ParlamentarierInnen muss zuerst wieder ein Vertrauensverhält-
nis aufgebaut werden.

CEDM: Textilfabriken halten sich an neue Vereinbarungen
Das politische Lobbying des Netzwerks CEDM (Concertación por un Empleo Digno para las
Mujeres), in dem die Partnerorganisationen SITRABORDO, SIMUTHRES, ORMUSA und der
Dachverband der Gewerkschaften FEASIES (Federación de Asociaciones o Sindicatos In-
dependientes de El Salvador) zusammenwirken, erzielte in den vergangenen Jahren mehre-
re wichtige Verbesserungen der Arbeitsrechtssituation.
2018 hatte CEDM im Rahmen eines Verhandlungstisches mit dem Textil-Sektor eine neue
Vereinbarung erreicht. Gemäss salvadorianischem Gesetz entschädigt die Sozialversiche-
rungsanstalt ArbeitnehmerInnen erst ab dem vierten Tag ihrer Arbeitsunfähigkeit. Im Zuge
der Verhandlungen hatten sich die Textilfabriken dazu verpflichtet, die Lücke der ersten drei
Tage zu schliessen. Bis Ende 2018 hatten über 40 Textilfabriken eine entsprechende Ent-
schädigung bezahlt, was direkt 70'000 ArbeitnehmerInnen begünstigte. 2019 zahlten 70 Tex-
tilfabriken eine Entschädigung an mindestens 50'000 ArbeiternehmerInnen aus.

Die Partnerorganisationen leisteten auch juristische Beratung und Begleitung für Arbeit-
nehmerInnen, die auf gerichtlichem Weg ihre Rechte auf Entschädigungen/Abfindungen ein-
fordern. 2019 konnten die arbeitsrechtlichen Fälle von 993 ArbeitnehmerInnen erfolgreich
abgeschlossen werden. Die PO CODEMUH, die sich für die Arbeitsrechte der Textilfabrik-
ArbeiterInnen einsetzt, erreichte, dass 22 Entschädigungsklagen bei der Sozialversiche-
rungsanstalt respektive vor Gericht gutgeheissen wurden. Die PO CEM-H begleitete die Fäl-
le von 8 Hausangestellten. Die PO CEDM begann zudem die Interessensvertretung von
3'100 Angestellten (2'500 Frauen, 600 Männer) von zwei Textilfabriken, welche ihre Produk-
tionsstätten schlossen und ungerechtfertigte Kündigungen aussprachen.

ORMUSA-PGR: Rückzahlungen von USD 1,7 Mio. zugunsten der ArbeitnehmerInnen
Das Arbeitsrechtsprojekt, das Brücke · Le pont zusammen mit der salvadorianischen Gene-
ralstaatsanwaltschaft (Procuradoría General de la República, PGR) und der PO ORMUSA
durchführt, war auch letztes Jahr erfolgreich. Zu den fünf bisherigen GerichtsvollstreckerIn-
nen kam im Juli 2019 eine sechste Person dazu. Diese sechs eingesetzten Gerichtsvollstre-
ckerInnen betreuten im letzten Jahr Fälle von insgesamt 963 ArbeitnehmerInnen (423
Frauen, 540 Männer) und erreichten Rückzahlungen von ausstehenden Löhnen und Sozial-
leistungen im Wert von USD 1'723'226. Zum Vergleich: 2018 erhielten 722 Personen USD
1'093'573 und 2017 erhielten 560 Personen USD 1'178'655.
Bei der von der PO ORMUSA durchgeführten Qualitätskontrolle gaben 78% der befragten
ArbeitnehmerInnen an, dass sie die Dienstleistungen der Generalstaatsanwaltschaft als gut
oder sehr gut wahrnahmen. Bei der gleichen Befragung 2017 hatten 71% der Arbeitnehme-
rInnen die Dienstleistungen der PGR als gut oder sehr gut wahrgenommen. Ein weiteres
Indiz für eine verbesserte Arbeit der GerichtsvollstreckerInnen ist der Anteil an Fällen, die in
erster Instanz am Arbeitsgericht gelöst wurden. Dieser stieg von 65% in 2017 auf 71% in
2019. Das Verhältnis zwischen ursprünglich eingefordertem Betrag und schlussendlich aus-
bezahlter Summe blieb auf hohem Niveau stabil. In 82% der Fälle betrug die ausbezahlte
Summe 50% oder mehr des ursprünglich eingeforderten Betrages (zum Vergleich: 84%
in 2018 und 76% in 2017).

Wirkungsbericht Brücke · Le pont 2019                                                        15
Schliesslich wurden 2019 auch 1'503 Jugendliche (697 Frauen, 806 Männer) im Rahmen
ihrer Berufsausbildung über ihre Arbeitsrechte informiert. So können die Jugendlichen Fälle
von Arbeitsrechtsverletzungen erkennen und sich dagegen wehren. Die Partnerplattform
REDI führte zudem Online-Kampagnen zu Arbeitsrechten durch und erreichte damit 28'232
Personen. Unter anderem wurde für folgende Themen sensibilisiert: das Recht auf einen
Arbeitsvertrag, gesetzliche Arbeitszeiten, Kündigungs- und Entschädigungsrecht, das Recht
auf bezahlte Ferien und 13. Monatslohn, Rechte der schwangeren Arbeitnehmerinnen sowie
das Recht auf Vereinigungsfreiheit.

       2.1.3.4. Transversalthemen: Gender, Cultura de Paz und institutionelle
                Stärkung
Cultura de paz
Die Mordraten und insbesondere
die Raten an Frauenmorden (femi-
nicidios) in den Ländern Zentral-
amerikas gehören regional und
weltweit zu den höchsten27. Des-
halb ist es wichtig, gerade junge
Menschen in Gewaltprävention
und Konfliktlösung zu schulen und
die Stellung der Frauen zu stärken.
Aus diesem Grund sind Kurse zu
cultura de paz sowie Geschlech-
tergerechtigkeit integraler Be-
standteil aller Projekte in El Sal-
vador und Honduras. Da die bei-
den Themen eng miteinander verbunden sind, werden sie entsprechend zusammen vermit-
telt. Im Rahmen des Projektes der PO FYA-H organisierten sich 52 Jugendliche (30 Frauen,
22 Männer) in Jugendnetzwerken. Diese entwickelten selbständig Sensibilisierungskam-
pagnen in ihren Gemeinden und Quartieren. Dazu gehörten beispielsweise Kundgebungen,
um auf die Gewalt und mögliche Massnahmen dagegen aufmerksam zu machen.
Die Partnerorganisationen in El Salvador, welche zu beruflichen Kompetenzen und Arbeits-
marktintegration arbeiten, schlossen 2019 die Standardisierung des Lehrplans für die
Ausbildung zu cultura de paz ab. Die PO trafen sich unter der Leitung und Koordination der
Partnerplattform REDI zu mehreren Tagungen und Sitzungen, die im Rahmen der periodi-
schen Treffen der REDI durchgeführt wurden. Die PO implementieren den standardisierten
Lehrplan nun in ihren Projekten. In einem nächsten Schritt soll der neue Lehrplan mit den PO
in Honduras, die zu beruflichen Kompetenzen und Arbeitsmarktintegration arbeiten, geteilt
werden.
Die Partnerplattform REDI konzipierte und führte 2019 wiederum eine Online-Kampagne in
den sozialen Netzwerken zum Thema cultura de paz durch. Die Kampagne erreichte 28'232
Personen (56,8% Frauen, 43,2% Männer). Die Seite von REDI in den sozialen Netzwerken
konnte die Anzahl Fans von 12'003 in 2018 auf 17'817 per Ende 2019 steigern.
Ein weiterer zentraler Aspekt in Bezug auf cultura de paz ist die Schulung des Projektper-
sonals. In den Jahren 2017 bis 2019 wurde das Personal der Berufsbildungsprojekte in El

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   Die Rate an Frauenmorden in El Salvador ist 6.8 pro 100'000 Frauen, in Honduras ist sie 5.1 pro
100'000 Frauen und weltweit ist die Rate 2.3 pro 100'000 Frauen. Quellen:
https://oig.cepal.org/en/indicators/femicide-or-feminicide und https://www.unodc.org/documents/data-
and-analysis/gsh/Booklet_5.pdf.

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Salvador (FYA-S, FUSALMO und SSPAS) und Honduras (CFSJB, FYA-H und SAN) zu cul-
tura de paz geschult. Das Ziel, das Projektpersonal aller Partnerorganisationen aus dem Be-
reich berufliche Kompetenzen und Arbeitsmarktintegration in Zentralamerika bis Ende 2020
zu schulen, wurde damit erreicht. Aber auch in den Projekten im Bereich Arbeitsrechte sind
Weiterbildungen zu cultura de paz wichtig. So wurden letztes Jahr 17 Mitglieder der Gewerk-
schaft SITRABORDO zum Thema geschult.
Weiter vorangetrieben wurde 2019 zudem die Sensibilisierungsarbeit zu cultura de paz mit
Unternehmen. Die PO SSPAS führte Schulungen für 84 Angestellte (38 Frauen, 46 Män-
ner) von 4 Unternehmen zu den Themen cultura de paz, Gender und Menschenrechte
durch.

Gender
Das Thema Gender ist einerseits auf Projektebene ein wichtiges Element. Wie bereits be-
schrieben, sind Module zu Geschlechtergerechtigkeit und cultura de paz integraler Be-
standteil aller Projekte im Bereich Berufsbildung und Arbeitsmarktintegration. Um die Pro-
jekte besser steuern zu können und die Chancengleichheit zu verbessern, werden in allen
Projekten geschlechtsspezifische Indikatoren erhoben. Daraus lässt sich beispielsweise er-
kennen, dass junge Frauen auf grössere Hindernisse bei der Stellensuche treffen als jun-
ge Männer. 2019 waren 56% aller AbsolventInnen der Berufsbildungskurse junge Frauen.
Doch bei den vermittelten Arbeitsstellen betrug der Anteil junger Frauen nur 49%. Die PO
begegnen dieser Tatsache mit zusätzlicher Sensibilisierungsarbeit bei Unternehmen. Ein
Fortschritt liess sich beim Anteil an jungen Frauen in den Berufsbildungskursen beobachten.
2018 lag der Anteil junger Frauen bei 52% aller ausgebildeten Jugendlichen, 2019 konnte
dieser Anteil auf 56% gesteigert werden. Spezifisch auf junge Frauen ausgerichtete Werbe-
kampagnen, ein attraktives Angebot an Berufskursen sowie Kinderbetreuungsangebote für
alleinerziehende junge Mütter gehörten zu den Erfolgsfaktoren.
Zudem ist das Thema Gender auch auf institutioneller Ebene der PO von zentraler Bedeu-
tung. Es wurde auch letztes Jahr in die kontinuierliche Weiterbildung der Mitarbeitenden
der PO integriert. Der Fokus auf das Thema Gender ist auch in den Projekten im Bereich
Arbeitsrechte wichtig, weil viele Arbeitsrechtsverletzungen eine Genderkomponente bein-
halten. So suchen viele Arbeitnehmerinnen die PO auf, weil sie eine fristlose Kündigung auf-
grund einer Schwangerschaft erhielten oder von Lohndiskriminierung aufgrund des Ge-
schlechts betroffen sind. Im Rahmen des Projektes mit der salvadorianischen General-
staatsanwaltschaft wurden zudem an vier Tagungen insgesamt 121 Angestellte zu den
Themen Gewalt am Arbeitsplatz mit Genderfokus und Geschlechterdiskriminierung geschult,
darunter waren auch MitarbeiterInnen aus dem Ministerium für Arbeit und Sozialversiche-
rung.

Institutionelle Stärkung
In El Salvador und Honduras wurde die Zusammenarbeit und der Erfahrungsaustausch zwi-
schen den PO aus den Bereichen Berufsbildung und Arbeitsmarktintegration auch 2019 wei-
tergeführt. In beiden Ländern bilden diese PO nun Netzwerke (REDI in El Salvador, RED in
Honduras), über welche je eine gemeinsame Stellenbörse namens PIL (Plataforma de In-
termediación Laboral) betrieben wird. Die beiden Netzwerke wurden auch genutzt, um ge-
meinsame Werbekampagnen durchzuführen.

Wirkungsbericht Brücke · Le pont 2019                                                    17
Ein langfristiges Ziel der institutio-
nellen Stärkung ist, dass die PO in
der Lage sind, ihre Projekte auch
ohne die Unterstützung von Brü-
cke · Le pont weiterzuführen. Das
bedeutet in erster Linie, dass die
PO ihre Einnahmen diversifizieren,
unter anderem durch das Generie-
ren von Eigenmitteln. Zu diesem
Zweck erarbeiteten die beiden lo-
kalen Koordinatorinnen und der
Programmverantwortliche 2019 ein
Instrument zur Diagnose der fi-
nanziellen und betrieblichen
Nachhaltigkeit der PO. Dabei konnten sie auf ein Instrument zurückgreifen, das die PO in
Bolivien und Brasilien bereits angewendet hatten. Die Diagnose wird 2020 mit Hilfe einer
externen Begleitung durchgeführt. Anschliessend erarbeiten die PO Strategien und Pläne zur
Stärkung ihrer Nachhaltigkeit.
2019 fand zudem ein Austauschtreffen mit allen vier Koordinatorinnen aus Zentralamerika
und Südamerika sowie den Programmverantwortlichen in der Schweiz statt (siehe Kapitel 1).

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