50 Jahre blick in die kirche - FÜR MITARBEITENDE - EKKW

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50 Jahre blick in die kirche - FÜR MITARBEITENDE - EKKW
1–2016

                                  FÜR MITARBEITENDE

ZEITSCHRIFT FÜR ALLE
                             50 Jahre
                          blick in die kirche
So spiegelt sich kirch-
liche Vielfalt im Heft

DIE MACHER
Redaktionsteams
von früher und heute
Grafik: blick
50 Jahre blick in die kirche - FÜR MITARBEITENDE - EKKW
INHALT | EDITORIAL

                                                            Liebe Leserinnen,
Inhalt                                                      liebe Leser,

                                                            P
                                                                   apier lebt – das gute alte „Holz-

                                                                                                                                Foto: medio.tv/Schauderna
THEMA                                                              medium“ Zeitschrift ist auch im
                                                                   Internet-Zeitalter immer noch
    4       Mit kirchlichen Mitarbeitern kommunizieren      sehr vital. Seit 50 Jahren gibt es blick
    5       Loyale und kritische Begleitung                 in die kirche, das ist unser Thema in
                                                            diesem Jubiläumsheft.
    6       Von der Idee bis in die Köpfe der Leser              Als Quartalszeitschrift gegründet,
    8       Die Blattmacher – früher und heute              sollte blick kompakt informieren über
    12      Rückblick 1966 – 1969                           „Ereignisse, Ansätze, Möglichkeiten
                                                            der kirchlichen Arbeit“, so Bischof
                                                            Erich Vellmer im Vorwort zur Nullnummer 1966: „Mein Wunsch
                                                            ist, daß ‚Blick in die Kirche’ zur nötigen Unterrichtung ange-
LANDESKIRCHE
                                                            nommen wird und sich zu einer verbindenden Informationsquel-
                                                            le für alle Mitarbeiter unserer Landeskirche entwickelt.“
    15      EKD wird Kirche                                      Wir denken, dass sich dieser Wunsch erfüllt hat. Rund 500
            „Brot für die Welt“ eröffnet                    Ausgaben mit Berichten, Reportagen, Meinungsäußerungen,
            Diakonie Hessen                                 Interviews und (immer mehr) Bildern belegen, dass blick in die
    16      Landessynode will Kirche zukunftsfest           kirche seit fünf Jahrzehnten als kirchliche Publikation funktio-
            machen                                          niert, die gestellten Aufgaben erfüllt und Akzeptanz bei den
    17      Botschaft der Reformation für aktuelle Lage     Lesern findet. Die folgenden Seiten erzählen von Menschen
            bedeutsam                                       und Machern, von Weiterentwicklungen und der Resonanz der
            Kirchengebäude sollen kategorisiert werden      Leserschaft.
            Mehr Kirchensteuer trotz weniger Mitglieder          Mitten in die Produktion der Jubiläumsausgabe platzte ein
                                                            Beschluss der in Morschen tagenden Synode (s. Seite 16 ff.),
    18      Mit „Grundrauschen der Bedrohung“ leben         der die landeskirchliche Öffentlichkeitsarbeit betrifft: „Von den
            Sichere Wege für Flüchtlinge nach Europa        vorhandenen Printprodukten (Tageszeitungsbeilage blick in
            Jugendarbeit soll ausgebaut, Kirchenmusik       die kirche-magazin, Mitarbeitendenzeitschrift blick in die kirche
            gekürzt werden                                  und Gemeindebrief-Zeitung blickkontakt) wird das blick in die
    20      Bauernhofkindergarten: Die Tiere gehen          kirche-magazin als Premiumprodukt weitergeführt“, steht in den
            immer vor                                       Beschlussvorlagen. Alles andere scheint auf digitale Medien
    21      Kompositionswettbewerb zum Lutherjahr           zuzulaufen. Mit Hinweis auf das 2015 neu installierte Internet-
            Rucksäcke mit Botschaft                         Angebot www.medio.tv heißt es weiter: „Die Mitarbeitenden-
                                                            zeitschrift blick in die kirche könnte bis 2022 ebenfalls in die
    22      Kirchenbeschäftigte meist mit ihrem Job
                                                            Onlineplattformen der Landeskirche integriert werden.“
            zufrieden
    23      Von Personen                                                                                  Lothar Simmank
                                                                                                Redakteur blick in die kirche

KIRCHENVORSTAND

    19      So gelingt die Hilfe für Flüchtlinge

SERVICE

                                                                                     PS: Dieser Ausgabe liegt das Heftchen
    24      Termine / Kirchenmusik                                                   „Unterwegs in Kurhessen-Waldeck –
    26      Kirche im Radio                                                          50 Insidertipps“ bei. Sollte es fehlen,
    27      Buchtipps                                                                können Sie den kleinen Reiseführer
                                                                                     in der Redaktion nachbestellen.
    28      Grüße zum 50sten
                                                                                     Viel Vergnügen beim Lesen!

2        blick in die kirche | FÜR MITARBEITENDE | 1–2016
50 Jahre blick in die kirche - FÜR MITARBEITENDE - EKKW
UMFRAGE | IMPRESSUM

Wir fragten (fast)
      –Jährige:                      Was halten Sie von blick in die kirche?
                               Foto: privat

                                                                         Foto: medio.tv/Schauderna

                                                                                                                                                                          Foto: M. Schmitt
                                                                                                                             Foto: privat
 Seit den 1980er-Jahren lese                     Ich finde es spannend, dass                          Für mich als Funktionspfar-             Besonders beeindruckend fin-
 ich den blick und nehme die                     sich die Mitarbeiterzeitschrift                      rerin in der Erwachsenen-               de ich es, wenn in blick in die
 verschiedenen Inhalte wahr,                     immer einem bestimmten                               bildung ist blick ein Sprach-           kirche die Lebensgeschichten
 anfangs noch als Ehrenamtli-                    Thema widmet und dieses                              rohr und Vernetzungsorgan.              von Menschen erzählt werden.
 cher, nun als Gemeindepfar-                     aus allen BLICKwinkeln be-                           Danke, dass Sie die vielfäl-            Diese Texte sind ehrlich und
 rer. Die Themen der letzten                     leuchtet. So werden auch                             tige Arbeit im Blick haben!             meist sehr offen geschrieben,
 50 Jahre spiegeln viele Verän-                  schwierige, rein innerkirchli-                       Sie spüren interessante Men-            das ist alles sehr echt. Mir ge-
 derungen wider. Der Blick in                    che Themen – ich denke da                            schen auf, inhaltliche Klein-           fällt die Seite mit der Umfrage
 die Kirche verändert sich. Es                   an das Heft zum „Dritten                             ode, wunderbare Projekte,               und den Kopfbildern beson-
 ist etwas Besonderes für eine                   Weg“ – gut verständlich auf-                         von denen ich sonst nie etwas           ders gut. Dort kommen reale
 Organisation, dass sie sich für                 bereitet und durchaus kontro-                        erfahren würde. Ein echter              Menschen mit ihren Namen
 ihre Mitarbeitenden ein eige-                   vers diskutiert. Was wünsche                         „Blick in die Kirche“! Mit mei-         vor, manche wohnen sogar
 nes Mitteilungsblatt leistet,                   ich mir für die Zukunft? Einen                       nen 7x7 Lebensjahren merke              bei mir in der Nähe. Andere
 und ich bin dankbar dafür.                      Sprung in das digitale Zeital-                       ich, dass ich vieles direkter           kenne ich persönlich, auch
 Haupt-, Neben- und Ehren-                       ter. Eine Plattform, auf der                         und bissiger angehe. Ich hof-           das empfinde ich dadurch als
 amtliche werden in einer Zeit-                  innerkirchliche Nachrichten                          fe, dass auch Sie nicht alters-         sehr echt. Mir sagt der Auf-
 schrift informiert und erhalten                 die Mitarbeitenden zeitnah                           milde werden, sondern die               bau des Heftes mit der immer
 Anregungen und nehmen die                       erreichen und auf der Interak-                       innovative Energie nutzen,              gleichen Struktur zu, weil man
 Vielfalt ihrer Kirche wahr.                     tion möglich ist, also Beiträge                      die 50-Jährige in sich tragen!          weiß, wo man etwas findet. In
                                                 kommentiert und diskutiert                                                                   unterschiedlichen Rubriken im
                                                 werden können.                                                                               blick werden interessante The-
                                                                                                                                              men durchleuchtet.

Michael Heinrich, Jg. 1966,                    Silke Bremer, Jg. 1966, Kassel,                       Annegret Zander, Jg. 1966,             Ellen Maus, Jg. 1966,
Gemeindepfarrer Kassel-                        Assistentin im Bereich Öffent-                        Hanau, Pfarrerin in der Fach-          Sekretärin in der Hephata-
Südstadt                                       lichkeitsarbeit des Landeskir-                        stelle Zweite Lebenshälfte             Personalabteilung
                                               chenamts

IMPRESSUM
 blick in die kirche erscheint sechsmal jährlich und       Redaktion:                                                       Anschrift:
 wird an haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen         Lothar Simmank (Leitung)                                         Heinrich-Wimmer-Straße 4
 und Mitarbeiter der Landeskirche kostenlos verteilt.      Telefon 0561 9307-127                                            34131 Kassel-Bad Wilhelmshöhe
                                                           Olaf Dellit                                                      redaktion@blick-in-die-kirche.de
 Direkt-Abonnement:                                        Telefon 0561 9307-132                                            www.blick-in-die-kirche.de
 12,50 Euro pro Jahr inklusive Zustellkosten
                                                           Redaktionsbüro / Anzeigen:                                       Gestaltung: Lothar Simmank
 Herausgeber:                                              Andrea Langensiepen                                              Layout-Konzept: Liebchen+Liebchen, Frankfurt am Main
 Landeskirchenamt der Evangelischen                        Telefon 0561 9307-152                                            Herstellung: Hesse GmbH, Fuldabrück
 Kirche von Kurhessen-Waldeck                              Fax     0561 9307-155                                            Auflage: 19.200 Exemplare
 Pfarrerin Petra Schwermann
 Wilhelmshöher Allee 330                                                                                                    Mehr Informationen über die Evangelische Kirche
 34131 Kassel-Bad Wilhelmshöhe                                                                                              von Kurhessen-Waldeck unter www.ekkw.de

                                                                                                             blick in die kirche | FÜR MITARBEITENDE | 1–2016                                3
50 Jahre blick in die kirche - FÜR MITARBEITENDE - EKKW
THEMA

                            „Freut euch mit den Fröhlichen
                            und weint mit den Weinenden“
                            Mit kirchlichen Mitarbeitern kommunizieren – wie geht das? Petra Schwermann, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit
                            der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, über ihren Ansatz in der internen Kommunikation

                                                                           nikationswissenschaftler Paul Watzlawick      allem Wunsch nach Direktheit auch indi-
Foto: medio.tv/Schauderna

                                                                           formuliert. Wir sind als Menschen nicht       rekt pflegen lassen.
                                                                           als Einzelwesen geschaffen, sondern auf           Ein Kontinuum in der wechselhaften
                                                                           Begegnung und Austausch angelegt. Das         Geschichte der kirchlichen Kommunika-
                                                                           macht es nicht immer leicht, aber immer       tion ist blick in die kirche. Seit der Erst-
                                                                           lebendig und spannend.                        ausgabe 1966 schafft es Kommunikation
                                                                               Was bedeutet das aber im Hinblick auf     und Begegnung mit und unter kirchlichen
                                                                           die Kommunikation von uns als kirchliche      Mitarbeitenden in Haupt- und Ehrenamt
                                                                           Mitarbeitende mit kirchlichen Mitarbeiten-    und auch darüber hinaus. Es ist mit der
                                                                           den in Haupt- und Ehrenamt?                   Zeit mitgewachsen, hat sich mitentwickelt,
                            Pfarrerin Petra Schwermann,                        Wir alle sind ein Teil der kirchlichen    hat neue und manchmal auch unbequeme
                            als Vertreterin des Landeskirchenamts          Dienstgemeinschaft in ihrer ganzen Bunt-      Themen entdeckt und zur Diskussion ge-
                            blick-Herausgeberin seit 2013                  heit und Vielfalt. Und wie Begegnung der      bracht. Es nimmt die leisen wie die lauten
                                                                           Grundgedanke der Kommunikation ist, so        Töne auf und vernetzt die Vielfalt kirchli-
                                                                           ist auch unser christliches Leben auf Be-     chen Lebens miteinander. Es lässt uns bis-
                                                                           gegnung und Kommunikation ausgelegt.          her fremde Arbeitsbereiche mit Chancen

                            M
                                      eine Hand legt sich behutsam auf     Der Apostel Paulus ruft uns dazu auf:         und Grenzen wahrnehmen und kennenler-
                                      die Schulter einer vor mir stehen-   „Freut euch mit den Fröhlichen und weint      nen.
                                      den Mitarbeiterin. Unausgespro-      mit den Weinenden.“ (Röm 12, 15)                  Darin hat blick in die kirche seine gro-
                            chenes Einverständnis: das ist gerade dran.                                                  ße Beständigkeit und seine Zukunftsfä-
                            Man hat es ihr sofort angesehen. Ein Blick                                                   higkeit. Es geht inhaltlich und medial mit
                            in die Augen hat genügt …                             »Ein Kontinuum                         der Zeit, ist ein lebendiges Medium. Und
                                 Das Telefon klingelt. Ich habe kaum           in der wechselhaften                      zugleich gründet es in dem, was die Kom-
                            abgenommen, da ergießt sich ein wenig            Geschichte der kirchlichen                  munikation in unserer Dienstgemeinschaft
                            freundlicher Redeschwall über mich. Ich                                                      ausmacht: das Evangelium auf den Lippen,
                            habe Mühe mitzubekommen, wer da was
                                                                                Kommunikation ist                        aber vor allem im Herzen tragen. Das gilt
                            von mir will. Innerlich stehe ich sofort mit        blick in die kirche.«                    für laute, ärgerliche oder kontroverse The-
                            dem Rücken an der Wand. Dann höre ich                                                        men ebenso wie für die leisen, traurigen
                            am anderen Ende Tuten. Aufgelegt.                                                            und unscheinbaren Zwischentöne.
                                 Zwei Szenen, wie sie unterschiedlicher        Das Evangelium, das unsere Dienstge-          50 Jahre blick in die kirche, das gibt
                            nicht sein könnten und doch zur täglichen      meinschaft trägt, ist ein einziges Begeg-     mir heute die Gelegenheit, all denen zu
                            Arbeit gehören. Nicht immer so intensiv        nungs- und Kommunikationsgeschehen.           danken, die über die Zeiten hinweg mit-
                            leise oder so extrem laut. Oft dominieren      Doch schon an den Briefen des Paulus an       kommunizieren: als Schreibende und als
                            die Zwischentöne, Alltägliches, Organisa-      seine Gemeinden und ebenso an der Ent-        Lesende, als Redner und Hörer, als Mit-
                            torisches. Aber bei besonders leisen und       stehungsgeschichte der Bibel wird deut-       arbeitende, als Dienstgemeinschaft, als
                            selbst bei unangenehm lauten Tönen pas-        lich, dass Kommunikation nicht überall        Christen und als Nächste. ●
                            siert vermutlich am meisten. Denn gerade       direkt geschieht. Sie ist oftmals auf Über-                            Petra Schwermann
                            dort wird am ehesten spürbar, was dran         tragungswege angewiesen, die räumli-
                            ist, was Vorrang hat und manchmal auch         ches und zeitliches Getrenntsein überwin-
                            was wirklich wichtig ist.                      den. Dies ist ein Umstand, der uns in der
                                 Geht es um Kommunikation, dann            modernen Gesellschaft auf immer mehr
                            geht es immer ums Ganze. Es geht nicht         und immer schnellere Medien angewie-
                            nur um die Weitergabe von Informationen,       sen macht. Auch damit muss sich Kom-
                            sondern um eine Begegnung mit meinem           munikation in einer kirchlichen Dienstge-
                            Gegenüber. „Man kann nicht nicht kom-          meinschaft auseinandersetzen und Wege
                            munizieren.“ So hat es einmal der Kommu-       finden, auf denen sich Begegnungen bei

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50 Jahre blick in die kirche - FÜR MITARBEITENDE - EKKW
THEMA

          Grüße zum

          Loyale und kritische
          Begleitung

          F
                ünfzig Jahre blick in die
                kirche! Das ist für eine
                Zeitschrift ein langer
          Zeitraum – denn seit rund
          zwanzig Jahren wird das
          baldige Ende von Printpro-
          dukten prophezeit! Wie konn-

                                                                             Foto: medio.tv/Schauderna
          te sich der blick so lange halten?
          Die Antwort findet sich in zwei Leit-
          worten der letzten Jahrzehnte: Partizipation und Transpa-
          renz, also: Teilhabe und Durchsichtigkeit. Die Erwartung
          von Menschen, an der Arbeit der Kirche umfassend betei-
          ligt zu werden, ist in den letzten Jahren deutlich angestie-
          gen. Für eine Kirche, die sich evangelisch nennt, sollte das
          selbstverständlich sein! Aber auch wir haben erst lernen
          müssen, wie das geht. Der blick leistet dazu einen starken
          Beitrag. Er fördert als ein Mittel der „internen Kommuni-
          kation“ die gegenseitige Wahrnehmung.
               Der besondere Charme des blick ist nach meiner Erfah-
          rung, dass er auch Menschen, die nicht im engeren Sinn
          Mitarbeitende sind, die Themen und Anliegen der Kirche
          nahebringen kann. Damit ist er ein wichtiges Organ der
          Öffentlichkeitsarbeit! Manche Ausgaben werden bis heu-
          te herangezogen, weil sie bestimmte Fragen und Themen
          musterhaft bearbeitet haben. Und nach fünfzig Jahren
          sind die Hefte des blick eine wichtige zeitgeschichtliche
          Quelle geworden – man kann sich in ihnen festlesen!
               Auch wenn die Zeit des blick als Printprodukt – also
          als gedrucktes Heft – endet, so geht doch nicht die Zeit
          des blick zu Ende! Im Gegenteil: Das inzwischen von fast
          allen Menschen genutzte Internet eröffnet neue Formen
          und Möglichkeiten der Präsentation. Der blick wird inter-
          aktiver – und seine Funktion als Archiv sehr viel benutzer-
          freundlicher! Ich finde, dass das eine sehr herausfordernde

  blick   und spannende Perspektive ist!

 in die
               Vielen Dank für ein halbes Jahrhundert loyale und kri-
          tische Begleitung! Und Gottes Segen für die neuen Wege!

kirche                                Bischof Prof. Dr. Martin Hein,
                        Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck

             blick in die kirche | FÜR MITARBEITENDE | 1–2016            5
50 Jahre blick in die kirche - FÜR MITARBEITENDE - EKKW
THEMA

    blick in die kirche:                                               Von der Idee bis
     Wie entsteht eigentlich blick in die kirche? Illustratorin
  Reinhild Kassing hat die einzelnen Schritte nachgezeichnet
                                                                               Reporter, Redakteure und Fotografen
                                                                               schwärmen aus, interviewen und foto-
                                                                               grafieren, recherchieren am Telefon,
                                                                               schreiben Texte, fertigen Grafiken an und
                                                                               schicken ihr Material an die Redaktion.

    Zur Redaktionskonferenz kommen die blick-Mitarbeiter
    im „Aquarium“ des Medienhauses zusammen und beraten
    über Themen und Bilder – ein Seitenplan entsteht.

Bei der Sitzung des Kirchenvorstands oder zu anderen         Die Zeitschriften werden nach Zierenberg gebracht,
Gelegenheiten werden die Hefte an die kirchlichen            wo sie Mitarbeiter der Baunataler Diakonie Kassel in
Mitarbeiter – unsere Leser – verteilt. Zeitgleich kann       Umschläge oder Pakete packen und die Hefte per DHL
man auch auf unserer Homepage im blick blättern.             an Kirchengemeinden und Einzelempfänger schicken.

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50 Jahre blick in die kirche - FÜR MITARBEITENDE - EKKW
THEMA

in die Hände und Köpfe der Leser

                                                                                                               Zeichnungen: Reinhild Kassing

                                                   Texte werden gekürzt, geändert, Fotos bearbeitet. Am Bild-
  Die Druckerei Hesse in Fuldabrück belichtet      schirm entsteht das Layout. Die fertigen Seiten werden Korrek-
  die Druckdatei, stellt Platten für den Offset-   tur gelesen, das Landeskirchenamt bekommt sie zur Durchsicht.
  druck her, druckt und bindet 19.200 Hefte.       Die PDF-Datei wird via Internet in die Druckerei geschickt.

                                                            blick in die kirche | FÜR MITARBEITENDE | 1–2016    7
50 Jahre blick in die kirche - FÜR MITARBEITENDE - EKKW
THEMA

                                                                                                                                               Grafik: Jutta Blåfield
Die Blattmacher – früher und heute
                      Günther Schulze-Wegener               Arbeitsvertrag selbst geschrieben
                      (1925–2008, Foto) war es, der

                                                                                      M
                      blick in die kirche aus der Taufe                                          it vorzüglicher Hochachtung – so laute-
                      hob. Als Redakteur war der spä-                                            te die Grußformel in den Briefen meiner
                      tere Direktor des Evangelischen                                            bisherigen Dienststelle. Das Anstellungs-
                      Presseverbands darin erfolg-                                     schreiben (undatiert) vom Informationszentrum,
                      reich, immer auf Augenhöhe mit                                   verfasst von dessen Direktor Günther Schulze-Wege-
                      kirchenleitenden Personen zu                                     ner (despektierlich SchuWe genannt), endete: „Mit
bleiben. Journalistisch pointiert und mit einer großen                                 freundlicher Begrüßung“. Nomen est omen. Den
Portion Humor schrieb er seine Artikel. Herausragend                                   Arbeitsvertrag durfte ich (nach Vorlage!) selbst sch-
auch sein 1958 erschienenes Werk „6000 Jahre und                                       reiben, versehen mit dem Datum 7.7.1977, das sei
ein Buch. Die Bibel – Biographie eines Bestsellers“.        Petra Grießel:             doch originell, so SchuWe. Und der verblüffte seine
Mitte der 70er-Jahre steht neben ihm Heidi Henkel           blick-Sekretärin           blick-Mitarbeiterin weitere Male. Zum Beispiel, als
als blick-Redakteurin im Impressum.                         von 1977 bis 2012          er ihr einen Brief ans Landeskirchenamt in den Ste-
Wolfgang Erk leitete während einer kurzen Phase                                        no-Block diktierte und im Betreff angab: „O Herr,
im Jahr 1977 die blick-Redaktion. Danach wurde er           Ihr wisst nicht, was Ihr von mir verlangt“. Irgendwann erlaubte er mir, früher
Geschäftsführer des Stuttgarter Radius-Verlags.             nach Hause zu gehen. Bei der nächsten Begegnung stellte er fest: „Sie waren
1986 arbeitete Rosemarie Köther kurzzeitig als              beim Frisör.“ Ja, aber nicht deswegen hätte ich mich vorzeitig aus dem Büro
Redakteurin in der blick-Redakion mit. ●                    verabschiedet. „Und selbst wenn“, meinte mein einstiger Chef, „die Haare
                                                            wachsen schließlich auch während der Dienstzeit.“ ●

   8     blick in die kirche | FÜR MITARBEITENDE | 1–2016
50 Jahre blick in die kirche - FÜR MITARBEITENDE - EKKW
THEMA

Ein immer besseres Produkt

                        H
                                  alte ich eine neue blick-Ausgabe in den Hän-
                                  den, muss ich oft an die 1970er-/80er-Jahre
                                  denken, mit wie viel Herzblut und hohem
                          Arbeitsaufwand wir die Ausgaben hergestellt haben
                          – nicht, dass die heute bei blick in die kirche Mit-
                          arbeitenden nicht mit Herzblut bei der Sache wä-
                          ren, aber unser Aufwand war einfach unvorstellbar
                          größer: Die redigierten Texte mussten auf Papier
                          spaltenbreit abgeschrieben, ausgeschnitten und
                          standgerecht aufgeklebt werden. Für die Schwarz-
Manfred Liebrecht:       weiß-Fotos wurden Plätze freigehalten und Bildaus-
blick-Redakteur          schnitte festgelegt. Die Überschriften rubbelte ich
von 1978 bis 2001        aus Einzelbuchstaben zusammen und klebte sie auf.
                         Eine Reproanstalt erstellte die Druckplatten. Der
zweifarbige Druck fand im eigenen Haus auf staubigem Umweltpapier aus
Haussammlungen statt. Eine Buchbinderei lieferte die fertigen Exemplare,
wir zählten ab, verpackten und versandten sie: zuerst mit einem Transporter
an die Rentämter, später per Post an die Gemeinden.
     Jahre später: Der Computer hielt Einzug in die Redaktion. Nach einer
Einarbeitungszeit wurde vieles einfacher, schneller und qualitativ besser. Den
fertigen blick lieferten wir per Datenträger an die Druckerei, die auch den
Versand übernahm. Ein Mitglied des Landeskirchenamtes erkundigte sich –
und meinte das gar nicht einmal scherzhaft –, was wir dank des Computers
mit der gewonnen Zeit machten. Meine Antwort: ein journalistisch immer
besseres Produkt.
     Heute ist Sparen wieder in aller Munde. blick wünsche ich einen Fürspre-
cher, der seine Hand schützend über die gedruckte Mitarbeiterzeitschrift hält
und dabei sicher ist, dass Kirche eine Informations-Bringschuld für die große
Schar der ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitenden hat. Das wünsche ich
blick für das nächste Jahrzehnt. ●

Sorgen, Einsichten, Zukunftspläne

T
       ausend Dinge fallen mir ein: Termine auf zu-
       gigen Kirchtürmen und in herbstlichen Obst-
       gärten, vor großartigen Kunstwerken und in
lärmerfüllten Kitas. Gespräche mit KV-Mitgliedern,
Chorsängern, Altenpflegerinnen – und Interviews
mit dem Bischof. Mir fällt ein, wie intensiv wir in
der Redaktion über Themen, Texte und Bilder für
den blick diskutierten. Unter die Haut ging ein Ter-
min in zwei ländlichen Kirchspielen im Kirchenkreis
Rotenburg. Soeben auf dem Weg, die Zusammen-
arbeit mit neuen Initiativen auszubauen, um dem Cornelia Barth:
demographischen Wandel etwas entgegenzusetzen, blick-Redakteurin
erfuhren die Gemeinden von der Aufhebung einer von 2001 bis 2014
Pfarrstelle und der Neuordnung ihrer Kirchspiele.
Die Nachricht schlug dort ein wie eine Bombe: Gerade wächst man zusam-
men, und nun soll alles anders werden? Dass genau in diesem Moment blick
in die kirche da war, machte den Betroffenen Mut. Ihre Sorgen, Einsichten
und Zukunftspläne fanden in der Mitarbeiterzeitschrift Platz. ●

                                                                             blick in die kirche | FÜR MITARBEITENDE | 1–2016   9
50 Jahre blick in die kirche - FÜR MITARBEITENDE - EKKW
THEMA

                             Die Blattmacher – früher und heute
                             In der Jubiläumsausgabe mal in eigener Sache:
                             Hier stellen wir uns als aktuelles Redaktionsteam von blick in die kirche vor

                             Im Unterholz                                                                                                                                                                                                                         Die Neugier bleibt

                                                          E                                                                                                                                                                                                                                                                          A
                                                               s passierte in den ost-                                                                                       lle reden über
                                                               hessischen Wäldern:                                                                                           Flüchtlinge, wir
                                                               Ich war unterwegs,                                                                                            sprechen mit Flücht-
                                                        um einen „Insidertipp“ für                                                                                  lingen. Das Wunderbare am
Fotos: medio.tv/Schauderna

                                                        unsere kleine Jubiläums-                                                                                    Beruf des Journalisten ist,
                                                        beilage zu finden. Die Kir-                                                                                 dass man neugierig sein
                                                        chenruine von Rommers                                                                                       darf – nein, sein muss – und
                                                        empfahl sich im Internet als                                                                                so neue Menschen, Blick-
                                                        historisch, kirchlich und tou-                                                                              winkel, ja andere Welten
                                                        ristisch spannende Location.                                                                                kennenlernt. Zum Beispiel
                             Lothar Simmank,            Vor Ort sah die Sache dann                                                Olaf Dellit,                       die von Flüchtlingen.
                             leitender Redakteur        so aus: Klettern über Leit-                                               Redakteur                              Mit der Kirche lerne ich
                             blick in die kirche        planken, 100 Meter durchs                                                 blick in die kirche                seit knapp einem Jahr wie-
                                                        Unterholz, von kniehohem                                                                                     der Neues kennen. Vieles
                             Unkraut überwucherte Steine. Und dann ein Schild,                                                    war mir zwar nicht fremd – ich bin im Pfarrhaus auf-
                             das militärisches Sperrgebiet auswies und das                                                              gewachsen – , aber ich sehe andere Seiten. Und
                             Betreten bei Strafe untersagte: „Blindgän-                                                                        wie in jeder Welt gelten auch hier manchmal
                             ger! Lebensgefahr!“                                                                                                    ganz eigene Regeln und ungeschriebene
                                  Als blick-Redakteur ist mir diese                                                                                     Gesetze.
                             Erfahrung nicht neu. Nicht selten                                                                                                In dieser Zeit habe ich schon ein-
                                                                                              1966
                                                                                             1975 1988                       19751966                                                                                                        2006
                                                                                                                                                                                                                                                                  1995

                                                                                                                                                                                                                                      1997

                                                                                                                      1994
                                                                                                                                                                                                                                                                         2015

                                                                                                                                         1996 1986 2013                                                                 1992
                                                                                                                                                                                                                                               2010                      1970
                                                                                                                                                                                                                                                                            1968 2005

                             stößt man beim Recherchieren                                                                                                  drückliche Begegnungen erlebt. Um
                                                                                                                                                                                                                    1987 201219842008
                                                                                              2004
                                                                                                                                                                                                                                                                                       19811970
                                                                                                                  1969
                                                                                                                                         1982
                                                                                                                                                                                                                                                                                            1990

                                                                                 1989 1995 1985
                                                                                                                                        1967                                                                                                                                                      2008
                                                                                                 1968   1972 1979                                                                                         2001

                                                                                              2013                    1966                    2007
                                                                                                                                                                                                   1982 1998                                                                                        2009
                                                                                                                                                                                                                                                                                                      2004

                                                                                                              2004 1990                       1994                                                                                                                                                     1983
                                                                                             1966
                                                                              1981
                                                                                                                                                                                                                                                                                                         1966
                                                                                                                                                                                                                                                                                                             1977

                             kirchlicher Themen auf Blind-                                                     1971
                                                                                                                                                            nur einige zu nennen: mit dem frü-
                                                                                                                                                                                           1989                                                                                                               1974
                                                                                                                                                                                                                                                                                                               1980
                                                                                           2011 2016                                                                                      1994                                                                                                                  1974

                                                                                                          2002
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     2013
                                                                                             1977                                                                                                                                                                                                                    1987
                                                                             1992                                                                                                                                                                                                                                    2007
                                                                                                         1978                                                                                 1994                                                                                                                     1969

                             gänger – Projekte, Beschlüsse,                                                                                                  heren EKD-Chef Nikolaus Schneider
                                                                                          1986 2011                                                                                               2002

                                                                                                        1999
                                                                             2005                                                                                                                                                                                                                                       2001

                                                                                      1992
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       1978
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       1972
                                                                                          1979   2008
                                                                                         1980                                            1979

                                                                            1976 2014 1976
                                                                                                               2013
                                                                                                         2008
                                                                                         1998 1983      2002
                                                                                                                                          2005                              1996
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        1983 1969
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                              1986

                                                                                                        2012
                                                                                                                  1991   2004                          1972
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        1998

                             Ankündigungen, die sich bei                                                                                           1967
                                                                                                                                                             und seiner Frau Anne, mit einem
                                                                                                                                                     1982
                                                                                                                                                             2012

                                                                                              2000
                                                                                      1981   2009                                                                                                                                                                                                                      1990
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                              1999
                                                                                         1988                                                     1989
                                                                                                           1996                        1970                                 1978

                                                                                            1984
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     1973 2010
                                                                                                                                                                     1992    2005
                                                                                                        1999 2001
                             näherem Hinsehen als Nieten                                                                                                     Afghanistan-Veteranen, mit einem
                                                                                                                                                                    1975                                                                                                                                             1977 2000
                                                                                                             1974                                1984
                                                                                                                                           196919902003
                                                                                                                                                                    1973
                                                                                                                                                                             1988
                                                                                                                                                1997
                                                                                                                                                     1985 2014

                                                                                              1980 2009  1972                                                                                            2007

                                                                                                          1998
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     1973
                                                                                                  1991
                             erweisen, aber trotzdem gefähr-                                                                                 1967
                                                                                                                                                             Witwer   und mit einem Zeitzeugen
                                                                                                                                              19872006                             2014
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                2009
                                                                                              1986
                                                                                                                                              1977                                                                                                                                            1975

                                                                                                                                      1993 1974
                                                                                                                                                                                                                                                                                                        2006
                                                                                                                                                                                                                               1980                                                                              1982
                                                                                                            1982     1966                                                                                                                                                              1988

                                                                                                                       1979 1984 2000
                                                                                                                                                                                                           1968

                                                                                                               1971 1993
                                                                                                                                                                                                                                             1976

                                                                                                                                          1991
                                                                                                                                                                                                                                                    2016
                                                                                                                                                      2012
                             lich sein können. Andererseits                                                                                                 des Zweiten   Weltkriegs. „Menschen
                                                                                      1971                                                1996                                             1967                                1991
                                                                                                                                                                                                                                                           1981                                              1966
                                                                                1997 1985
                                                                                            2002
                                                                                  1966
                                                                                                                                                                                                                                                           2007

                                                                         19951993                                2003
                                                                                                                                                             2010

                                                                                                                                           2003
                                                                                                                                                            1989
                                                                                                                                                                                                   1987

                                                                                           1997
                                                                                                                    1970
                                                                                                        2001                                                                                                                                    1972

                                                                                      2010
                                                                                                                                                                                                                                                                                              2014
                                                                                                                                1978                                                                             1995
                                                                                                                                                                                                                                               2003
                                                                           1968                                                        1985

                             gibt es natürlich auch die wah-
                                                                               2000

                                                                                 2015     1983                           1973 2006
                                                                                                                   1999 1993
                                                                                                                                                           interessieren sich für Menschen“, so                                2011
                                                                                                                                                                                                                                                    2011
                                                                                                                                                                                                                                                                    1976        1971

                             ren Kleinode, die darauf warten,                                                                                            lautet eine Journalistenwahrheit. Ich
                             journalistisch entdeckt zu werden                                                                                          darf ihre Geschichten erzählen. Dafür
                             – Begegnungen mit originellen Men-                                                                                    braucht es die Neugier und das Hand-
                             schen und Orten, aus denen lesenswerte                                                                           werkszeug: die Sprache.
                             Geschichten entstehen.                                                                                         Geschichten habe ich schon immer gerne er-
                                  In 28 blick-Jahren durfte ich viele davon schrei-                                               zählt: als Kind mit Marionetten, nach meinem Studi-
                             ben. Nach dem Studium der Germanistik und Kirchen-                                                   um der Amerikanistik/Anglistik, Pädagogik und Pu-
                             geschichte in Marburg lernte ich das journalistische                                                 blizistik (in Göttingen und Stirling/Schottland) dann
                             Handwerk bei der Christlichen Presseakademie (GEP),                                                  hauptberuflich: im Volontariat bei der Hessischen/
                             bei epd und idea, bei der Oberhessischen Presse und                                                  Niedersächsischen Allgemeinen (HNA) und zwölf Jah-
                             beim Hessischen Rundfunk. 1985 wurde ich Öffent-                                                     re lang als Lokalredakteur in Fritzlar-Homberg. Auch
                             lichkeitsreferent des Diakonischen Werks in Kurhes-                                                  da: Menschen und ihre Geschichten, jeder eine Welt
                             sen-Waldeck und zwei Jahre später Redakteur bei blick                                                für sich.
                             in die kirche. Zwölf Jahre habe ich daneben freiberuf-                                                     Dann sind da noch ein paar Geschichten, die zu
                             lich im eigenen Redaktionsbüro gearbeitet. Ich bin                                                   Büchern wurden: „MacLean und die Narren“ und „Die
                             verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder. Unter-                                                  Kaperfahrt der Kinderpiraten“. Und nun also die Kir-
                             wegs bin ich nicht nur in der Rhön, sondern – gern mit                                               che mit ihren vielen Facetten, ihren vielen Geschich-
                             älteren Fahrzeugen – auch anderswo. ●                                                                ten. Die Neugier bleibt. ●

                             10      blick in die kirche | FÜR MITARBEITENDE | 1–2016
THEMA

„Hilfe, was machen wir zu Weihnachten?“

W
           as ich am liebsten schreibe? Meine Kolum-                                                        fuhr und mit den Gemeindebrief-Verantwortlichen
           ne „aufgestöbert“, die mich seit meinen                                                          vor Ort über journalistische Grundregeln, frisches Lay-
           ersten Berufsjahren begleitet. Nach dem                                                          out und pfiffige Überschriften fachsimpelte, traf ich
Germanistik- und Theaterwissenschaftsstudium in                                                             überall auf interessierte Haupt- und Ehrenamtliche.
Hannover und Berlin volontierte ich beim Göttinger                                                              Seit einigen Jahren gehöre ich als „Freie“ zum
Tageblatt; dessen Chefredakteur hat sich den Titel                                                          blick-Team und schreibe dabei über Lachyoga, Rad-
ausgedacht, als ich die Wochenendglosse übernahm.                                                           wegekirchen, „Generation Y“ oder die Segnung für
    Über Stationen in München (Reportage-Redak-                                                             gleichgeschlechtliche Paare – und lerne bei der Re-
teurin bei der „Freundin“ im Burda-Verlag) und Kas-                                                         cherche nach wie vor spannende Menschen kennen.
sel (HNA) sowie als freie Autorin für verschiedene                                                              Im Team ein neues Heft entwerfen, Themen su-
Magazine landete ich 2001 in der blick-Redaktion,        Anne-Kathrin Stöber,                               chen und dabei den Humor nicht vergessen, das
zunächst verantwortlich für den Gemeindebrief-Ser-       freie Mitarbeiterin                                macht mir Freude. Inklusive der allseits bekannten
vice blickkontakt.                                       der Redaktion                                      Frage, die sich für den blick bereits jedes Jahr im
    Bereichernd war der Kontakt zu den regionalen        blick in die kirche                                Sommer stellt: „Hilfe, was machen wir dies Jahr zu
Blattmachern: Wenn ich zu Kirchenvorständen oder                                                            Weihnachten?“ Und natürlich sind uns noch immer
in Pfarrkonferenzen zwischen Hanau und Hofgeismar                                                           lesenswerte Advents-Hefte geglückt! ●

Immer was Neues                                                                                    Kleine Kommandozentrale

                        R                                                                                                   M
                                egelmäßig die Hefte online                                                                             ein Büro im Martin-Bucer-
                                stellen und eine dazugehörige                                                                          Haus ist wie eine kleine
                                Bilddatenbank aufräumen und                                                                            Kommandozentrale. Denn
                                                                      Fotos: medio.tv/Schauderna

                          pflegen – so lautete die Aufgaben-                                                                 im Redaktionssekretariat laufen
                          beschreibung, als ich Ende 2013 in                                                                 viele Fäden zusammen: Ich bin die
                          der blick-Redaktion angfing. Nicht                                                                 Frau am Telefon der blick-Redaktion,
                          sonderlich anspruchsvoll, dachte ich,                                                              spreche mit Fotografen, freien Mit-
                          da ich schon alles Mögliche in der                                                                 arbeitern und Redakteuren. Termine
                          Öffentlichkeitsarbeit gemacht hatte.                                                               und Daten – von der Budgetkontrolle
Daniela Denzin,           Angefangen von Luftbilder abzeich-                                       Andrea Langensiepen,      über die internen Meetings, den Ver-
Sekretariat               nen und digital umsetzen für die Er-                                     Sekretariat               anstaltungskalender bis zum Datum
blick in die kirche       stellung von Golfplatzführern über                                       blick in die kirche       für Druck und Auslieferung – muss
                                                Folienbeschrif-
                          Sportplatzwerbung, Folienbeschrif                                                                  ich im Auge behalten. Rechnungen,
tung, komplette Geschäftsausstattungen, Flyer, Kataloge,                                           Honorare, Anzeigen gehen über meinen Tisch.
Webshop-Pflege und vieles mehr.                                                                         Dass ich als Quereinsteigerin aus der freien Wirtschaft
                                          blick-Redaktion mit
    Aber ich hatte mich geirrt. Da die blick                                                       komme, verschafft mir oft eine andere Sicht auf die Dinge. So
                                              Herausforderun-
der Zeit geht, kommen immer wieder neue Herausforderun                                             kann ich meine Erfahrungen kreativ einsetzen, das ist es, was
gen auf mich zu. Nachdem die Bilddatenbank blickkontakt,                                           mir hier neben der Teamarbeit gut gefällt. Besonders gern
die Bildmaterialien für Gemeindebriefe zur Verfügung stellt,                                       helfe ich bei der Hotel-Suche für unsere blick
                                                                                                                                            blick-Rätsel-Gewinne
                                                                                                                                                 -Rätsel-Gewinne –
schließlich auf einem guten Stand war, haben wir sie in die                                        da kommen mir meine Erfahrungen aus der Werbung zugute.
multimediale Plattform medio.tv integriert, um den Gemein-                                              Manchmal darf ich aber auch einfach „die gute Seele“
den mehr Material in noch besserer Qualität anbieten zu kön-
                                                          kön                                      sein: Bei mir gibt es immer ein paar Kekse, einen Kaffee, und
nen. Die Umstellung hat insgesamt neun Monate gedauert                                             beim gemeinsamen Gespräch lassen sich die vielen kleinen
und war sehr spannend und arbeitsintensiv, bis das Endpro-
                                                       Endpro                                      und größeren Probleme im Redaktionsalltag lösen: Wo finden
dukt fertig war und unseren Ansprüchen genügte.                                                    wir rasch ein Model für das Titel-Shooting? Wie hieß noch mal
    Aktuell werden die Mitabeiterzeitschrift und das Magazin                                       der Pfarrer, den wir wegen eines besonderen Gottesdienstes
erstmalig als blätterbares PDF erscheinen mit der Möglichkeit,                                     befragen wollten? Wie kriegen wir Druckerei-Termine, Urlaubs
                                                                                                                                                           Urlaubs-
die Hefte durch weitere verschiedene Medien wie Fotos, Links                                       koordination und die hessischen Schulferien unter einen Hut?
und Videos zu erweitern. Auch das erfordert wieder umfang-
                                                      umfang                                            Der blick wird 50, ich bin nun fünf Jahre dabei – und ich
reiche Umstellungen in meinem Arbeitsbereich, auf die ich                                          habe die Kirche von vielen neuen Seiten kennengelernt. ●
mich schon sehr freue. ●

                                                                                                       blick in die kirche | FÜR MITARBEITENDE | 1–2016         11
THEMA

RÜCK                                                                               In diesem und den folgenden blick-Heften des
                                                                                   Jahrgangs 2016 schauen wir zurück auf Zitate:
                                                                                   Highlights und Kurioses aus 50 Jahren.

1966-1969                                                                         Neuordnung des Pfarramtes
                                                                                  Eine Untersuchung über die Neuordnung des pfarramtlichen Dienstes legte

BLICK
                                                                                  Akademiedirektor Dr. Hans-Gernot Jung vor. Nach seinen Vorstellungen soll
                                                                                  die Bildung von Kirchenbezirken erwogen werden. Diese sollten jeweils drei bis
                                                                                  fünf Kirchspiele umfassen und könnten der Entlastung des Pfarramtes dienen
                                                                                  und dazu beitragen, die vielzitierte „Krise des Pfarramtes“ zu überwinden.

                                                                                            1966
                                                                                  ... nach dem Tode Gottes
                                                                                  Kassel hatte seine Sensation, eine
Innere Mission                                                                    theologische Sensation gewisserma-
und Hilfswerk                                                                     ßen. Das immerhin ist bemerkenswert.       Amt für kirchliche Frauen-
Erhebungen des letzten Jahres haben                                               Am 27. Januar sprach die Kölner            arbeit: Nachbarschaftstreffen
gezeigt, daß der Mangel an pflegeri-                                              Studienrätin mit Hochschulauftrag          Was leider noch von vielen vermutet
schen Mitarbeitern in den Kranken-                                                Dr. Dorothee Sölle im überfüllten          wird, stimmt nicht: nämlich, daß Frau-
häusern und Heimen der verschiede-                                                Hermann-Schafft-Haus über das The-         en unkritisch und mit allem zufrieden
nen Art (Kinderheime, Pflegeheime                                                 ma „Theologie nach dem Tode Gottes“.       sind, was ihnen geboten wird. Nach
und Altenheime) besonders groß und                                                Der Titel befremdete, die Anteilnahme      unseren Erfahrungen kommen sie nur,
manchmal geradezu für die Weiter-                                                 des Publikums setzte in Erstaunen.         wenn es sich für lohnt, d. h. wenn sie
führung der Arbeit gefährdend ist.                                                Möglicherweise bestand hier ein            existentielle Hilfe erwarten können.
                                                                                  ursächlicher Zusammenhang.

Landesjugendtreffen 1966                                                          Leserbrief zur Kleinschreibung
Landesjugendpfarrer Eisenberg er-                                                 Nun läßt Ihr Informationsdienst zu
klärte in seinen Begrüßungsworten,                                                meiner Verwunderung auf der Titel-         Fernsehen
daß ein Jugendtreffen als glanzvol-      Männerwerk                               seite jeder erscheinenden Nummer           Pfr. Siegfried Dembowski, Korbach,
le Massendarstellung heute nicht         ... heute spreche man von einer          die Worte „Blick“ und „Kirche“ un-         hat 1965 und 1966 je dreimal das
mehr möglich sei. Man wolle viel-        „vaterlosen Gesellschaft“, nachdem       entwegt klein drucken. (...) Ich finde,    „Wort zum Sonntag“ am Sonnabend-
mehr dem einzelnen helfen, sich mit      festgestellt worden sei, daß allein in   dem Götzen der Moderne wird in             abend nach der Tageschau gespro-
seiner Umwelt auseinanderzusetzen        der Bundesrepublik 18 Prozent aller      der heutigen Zeit leider schon zuviel      chen. Für diese Sendung werden die
und mit ihr fertigzuwerden. Das          Kinder ohne Vater aufwachsen wür-        geopfert, mehr als oft verantwortet        besten Sprecher aus dem Bereich der
könne nur in Begegnungen, im Auf-        den. Das wären rund drei Millionen       werden kann, und dem sollte ein im         westdeutschen Landeskirchen durch
einanderhören und in der gemein-         Kinder oder jedes vierte Kind. Hier      kirchlichen Dienst stehendes Blatt         mehrfache Kameraproben und Spre-
samen Arbeit geschehen.                  warte auf die Kirche eine große seel-    wie Ihre Quartalszeitschrift nicht         cherschulungen ausgesucht.
                                         sorgerliche Aufgabe.                     ohne Not Vorschub leisten.

          1967
 Fusion mit Hessen und Nassau?            Aus einem Interview mit                 Sozialarbeit                               Kirchenvorsteher
 Prof. D. Wolfgang Sucker, Kirchenpräsident der EKHN von 1964 bis 1968:           Arbeitslosigkeit führt zur sozialen Des-   Die Unmündigkeit vieler Kirchenvor-
                                                                                  integration. „Es ist, also ob du Vater     stände sei eine bedauerliche Tatsa-
 „blick“: Nun hat die „Frankfurter       D. Sucker: Nein, ich muß diese
                                                                                  und Mutter verlierst.“ Kein Wunder,        che. Mit dieser Feststellung forderte
 Allgemeine“ eine Formulierung ge-       Formulierung dem berichtenden
                                                                                  daß davon zur Zeit ein so großer Kreis     Bischof D. Vellmer auf der Tagung des
 braucht, die uns etwas in Unruhe        Journalisten anlasten. So habe
                                                                                  von Menschen tief bewegt wird.             Männerwerks die Laien und besonders
 versetzt hat. Sie spricht davon, daß    ich das nicht gesagt. Das würde
                                                                                                                             die Kirchenvorsteher zu größerer Akti-
 „Kurhessen-Waldeck unbegreiflicher-     auch völlig gegen meine Prinzipien
                                                                                                                             vität in den Gemeinden auf.
 weise von Hessen und Nassau ge-         verstoßen. (...) Mir ging es bei all     Seitenblick
 trennt“ sei. Ich nehme an, diese For-   diesen Erwägungen eigentlich (...)       Bei der letzten Synode aufgeschnappt:
 mulierung stammt nicht von Ihnen.       mehr um die Vermeidung von               Synodaler Pfarrer Disselnkötter: „Ich
 Würden Sie sich damit identifizieren?   Doppelarbeit.                            glaube jedoch und bin der Meinung,
                                                                                  daß wir Pfarrer alle Menschen sind ...“

     12     blick in die kirche | FÜR MITARBEITENDE | 1–2016
THEMA

Amt für Öffentlichkeitsarbeit                Beat-Musik im Jugendgottesdienst
Der Rat der Landeskirche hat der             „blick“ sprach mit Teilnehmern:         Antwort: Was haben Sie
Einrichtung eines landeskirchlichen          Diese Musik weckt Emotionen.            gegen Emotionen in der
Amtes für Öffentlichkeitsarbeit zu-          Damit stellen Sie sich in gewissen      Kirche? Im übrigen ist es
gestimmt. Hier sollen künftig die            Gegensatz zur modernen Theologie,       zum Beispiel in Amerika ver-
Arbeitsgebiete Lichtbild, Schallplatte       die uns – gottlob – sehr deutlich ge-   breitet, zunächst Emotionen
und Tonband sowie Rundfunk und               sagt hat, daß wir unseren Verstand      zu wecken, damit dadurch
Fernsehen, Theater und Plakatdienst          gebrauchen sollen. Ist es in Ordnung,   dann auch der Intellekt an-
zusammengefaßt werden. Ferner sol-           einen Gottesdienst zu gestalten, in     geregt wird. Wir haben ein
len Fragen von Werbung und Public            dem in allererster Linie Emotionen      Mixture gemacht ...
Relations im kirchlichen Raum von            angesprochen werden?
diesem Amt wahrgenommen werden.

              §
                                                                                      Evangelische Studentengemeinde Marburg
                                                                                      „blick“: Und was hat Sie, Fräulein Lottmann, bewogen, sich der
                                                                                      Studentengemeinde anzuschließen? Glauben Sie als Frau eine besondere
                                                                                      Funktion wahrnehmen zu können?
Neue EKKW-Grundordnung                                                                Fräulein cand. phil. Herhild Lottmann: (...) Nein. Ich habe hier Funk-
Interview mit Präses Freiherr von                                                     tionen nicht als Frau, sondern als Studentin. Im Gegensatz zu anderen
Schlotheim und Pfr. Hertzberg                                                         Studentinnen leugne ich die besondere Funktion der Frau entschieden.
„blick“: Sie würden also sagen, daß                                                   Immerhin kann die Frau in einer Studentengemeinde aktiv mitarbeiten,
man demokratische Prinzipien einfach                                                  was etwa in einer Verbindung nicht möglich ist.
nicht auf die Kirche übertragen kann.
                                                                                      „Gottesdienst von Intellektuellen“
Pfr. Hertzberg: So wird man das aus-
                                                                                      Die Akademie hat viel mit denen zu tun, die man Akademiker oder Gebil-
drücken können.
                                                                                      dete nennt. Sie sucht diesen Kontakt und ist dankbar, wenn sie ihn findet.

          1968
Jugendarbeit
Wer redlich von Gott reden will mit
jungen Menschen, wird fragen, ob Gott
                                             150 Jahre Hanauer Union
                                             1818 wurden in Hanau reformierte und lutherische Kirchen auf synodalem
                                             Wege vereinigt, eine Union aufgrund behördlicher Anordnung wollte man
                                             nicht. Anlass für ein blick-Interview mit dem Hanauer Propst Martiny:
                                                                                                                                  #
                                                                                                                              „Unterdrückung der
                                                                                                                              Gewissensfreiheit verhüten“
für uns da ist. Er wird nicht für Gott       „blick“: Darf man daraus schließen,     man weiß in Kassel, daß wir in die-
                                                                                                                              Gegen die Verabschiedung der
argumentieren, sondern er wird Gott          daß im Hanauer Raum eine allge-         sen Dingen etwas empfindlicher sind
                                                                                                                              Notstandsgesetze in der vorgeleg-
zu Wort kommen lassen mit der Kreuzi-        meine Abneigung gegen behördliche       als andere. Das ist offensichtlich
                                                                                                                              ten Form hat sich der Bischof in
gung von Erfahrung und Erkenntnis.           Anordnungen besteht?                    immer so gewesen.
                                                                                                                              einem Telegramm an den Präsi-
                                             Propst Martiny: Das ist etwas sehr      „blick“: Pointiert zu fragen ist das
                                                                                                                              denten des Bundestages, D. Dr.
                                             pointiert gefragt. Aber ich glaube,     Vorrecht des Journalisten (...)
                                                                                                                              Eugen Gerstenmaier, gewandt.

                                               Posaunenchöre                                                                  Seitenblick
                                               Das Leben in der Gemeinschaft                                                  Was tut der Pfarrer,
Theodor-Litt-Kolleg                            „Posaunenchor“ ist immer gleichzu-                                             wenn Demonstranten
Weihnachtsfeier konnte man das kaum            setzen mit dem Leben in christlicher                                           in die Kirche eindrin-
noch nennen, was die 65 Kollegiaten            Gemeinschaft. Auf mannigfache Weise                                            gen? Unser Bild gibt
da in Kassel Eltern, Lehrern, Vertretern       wird das deutlich: Kurrendeblasen,
                                                                                                                              eine Anregung.
der Regierung und der Kirchenleitung           Besuch in den Krankenhäusern, Dienst
                                                                                                                              (Es wurde allerdings
vorsetzten. (...) Ein Protestsong erklang:     auf dem Friedhof, Gottesdienstmitge-
                                                                                                                              bei anderer Gelegen-
„Morgen, Kinder, wird‘s nichts geben!          staltung usw. gehören zum Alltag der
                                               Posaunenchöre.                                                                 heit aufgenommen.)
Nur wer hat, kriegt noch geschenkt ...“

                                                                                           blick in die kirche | FÜR MITARBEITENDE | 1–2016            13
THEMA

                                    1969
                                                                         Schlagzeilen
                                                                         ... in der gesamten deutschen
                                                                         Presse machte Pfarrer Karl-Heinz          Diakonisches Werk
Das „monarchische Pfarramt“                                              Happich (42), Schlüchtern, der in         Aus dem Jahresbericht von Dr. Friedrich Thiele:
 ... sei die Todeskrankheit des Protestantismus, erklärte Prälat         der Nacht zum 13. September auf
Walther Roth in einem Referat zum Thema „Die Kirche braucht              Ersuchen der Polizei im Alleingang        Wir dürfen nicht in die Extreme einer
Mitarbeiter“ in der Evangelischen Akademie Hofgeismar. Roth              dem bewaffneten Kidnapper                 virtuosen Mitmenschlichkeit oder einer
betonte, die Laien könnten nicht Hilfsmannschaft des Pfarrers            „Dr. X“ entgegentrat und ihn              dilettantischen frömmelnden Jesusnachfolge
sein, die Pfarrer müßten vielmehr umgekehrt die Hilfsmann-               bewog, den entführten 12jährigen          verfallen. Allemal ist die Klammer von
schaft der Laien bilden.                                                 Volker Abromeit freizugeben.              pneuma und sophia zu beachten.

                                                                                                                            Pädagogisch-Theologisches
                                                                                                                            Institut in Kassel gegründet
                                                                                                                            Interview mit dem neu berufenen
                                                                                                                            Leiter Pfarrer Siegfried Vierzig
Küsterdienst                                                                                        Ein Zelt für
Neben dem Pfarrer ist der Küster (...)                                                              Flüchtlinge             „blick“: Werden Sie mit anderen
die wichtigste Kontaktperson zu den                                                                 In Baunatal wurde       Instituten ähnlicher Art zusammen-
Gemeindegliedern, den am Gottedienst                                                                für ein Zelt ge-        arbeiten?
teilnehmenden und den abseitsstehen-                                                                sammelt, das für        P. Vierzig: Für uns in Kurhessen-Wal-
den, angefangen von den Kindern, die                                                                jordanische Flücht-     deck würde sich in erster Linie eine
zum Kindergottesdienst kommen oder                                                                  linge bestimmt ist.     Zusammenarbeit mit dem ebenfalls
Fußball spielen, wo sie nicht sollen ...                                                            (1968)                  neu gegründeten Institut in Hessen
                                                                                                                            und Nassau ergeben ...

                                            Konfessionsverschiedene Ehen
Vor einem Totalausverkauf                   Interview mit Pfr. Walter Lotz, Marburg
des Glaubens
... warnte Bischof D. Erich Vellmer         „blick“: Stimmt es, daß in Mar-         und katholischer Pfarrer, und
vor der Landessynode in Hofgeismar.         burg auch schon gemeinsame              zwar in solchen Fällen, in denen
Grund für eine solche Warnung               Trauungen gehalten worden               weder eine rein evangelische          Das Landeskirchenamt
bestehe wegen der Gefahr, daß die           sind?                                   noch eine rein katholische Trau-      ... in Kassel-Wilhelmshöhe beherbergt
heutige Theologie dazu neige, sozio-        P. Lotz: Ja, das ist (...) in Marburg   ung von den bekenntnisver-            zur Zeit rund 100 Mitarbeiter: den
logische Analysen an die Stelle des         schon in einer ganzen Reihe von         schiedenen Brautleuten als eine       Bischof mit den theologischen und
„verantwortlichen Redens von Gott“          Fällen geschehen unter Beteili-         befriedigende Lösung empfunden        juristischen Referenten, Bauabteilung,
zu setzen.                                  gung verschiedener evangelischer        wurde.                                Bibliothek und den Stab von Verwal-
                                                                                                                          tungsbeamten und Angestellten.

                                                                                                                                Universität in Kassel?
                                                                                                                                Um einer weiteren Benachteili-
                                              Lektorendienst                                                                    gung der nordhessischen Region
                                              In den letzten Jahren hat sich in unse-                                           entgegenzuwirken und um die
Scharfe Kritik ...                            ren Gemeinden der vom Lektor gehal-                                               guten Möglichkeiten auszunut-
an den Verhältnissen in der Bundes-           tene Gottesdienst ohne große Schwie-                                              zen, die Kassel schon jetzt als
republik übte Bischof D. Vellmer in ei-       rigkeiten durchgesetzt. Man hat sich                                              kulturelles Zentrum besitzt, ist es
nem Gottesdienst in der Kasseler Mar-         daran gewöhnt, daß der Gottesdienst                                               dringend erforderlich, daß der Ge-
tinskirche (...). Der Bischof wandte sich     auch von einem anderen als dem ordi-                                              danke einer Universitätsgründung
vor allem gegen Versuche, die Renten-         nierten Pfarrer gehalten werden kann                                              in Kassel energisch weiterverfolgt
erhöhungen zugunsten eines vermehr-           und darf.                                                                         und in der breiten Öffentlichkeit
ten Rüstungsetats zurückzustellen.                                                                                              diskutiert wird.

      14     blick in die kirche | FÜR MITARBEITENDE | 1–2016
LANDESKIRCHE

211 Vertreter der
Diakonie Hessen
tagten in Gießen

F
      ür den Schutz von minderjährigen
      Flüchtlingen hat sich Dr. Wolfgang
      Gern, Vorstandsvorsitzender der Dia-
konie Hessen, auf der Mitgliederversamm-

                                                                                                                                                Foto: medio.tv/Schauderna
lung des Verbandes ausgesprochen. Mit
großer Sorge betrachte er die aktuelle Um-
setzung eines neuen Gesetzes zur Vertei-
lung unbegleiteter minderjähriger Flücht-
linge. Sie führe dazu, dass junge Menschen
in Kommunen und Landkreisen strandeten,         Vizepräsident Dr. Volker Knöppel, Präses Kirchenrat Rudolf Schulze, Bundestagspräsident
die keine hinreichenden Jugendhilfestruk-       a. D. Dr. Wolfgang Thierse, Prälatin Marita Natt und Prof. Dr. Bischof Martin Hein (v.l.n.r.)
turen hätten und den Aufgaben offenbar
nicht gewachsen seien. „Das darf nicht auf      Beim Adventsempfang der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck sprach
dem Rücken von Flüchtlingskindern ausge-        der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) am 4.12.2015 im Kasseler
tragen werden“, so Gern, „das Kindeswohl        Haus der Kirche zum Thema „25 Jahre nach der Vereinigung – Unsere neue Herausfor-
muss Vorrang haben.“                            derung heißt: Einwanderungsgesellschaft“. Deutschland werde durch den Flüchtlings-
    Zum Thema Sterbehilfe nahm der              zustrom dauerhaft pluralistischer, sagte Thierse und warnte davor, die bevorstehenden
theologische Vorstand Horst Rühl (Kassel)       Integrationsaufgaben zu unterschätzen. Wahrscheinlich werde dies Jahrzehnte dauern.
Stellung. Er betonte, das neue Gesetz zur       „Das wird keine Idylle sein“, sagte er mit Blick auf das Konfliktpotenzial. Wenn die Integ-
palliativen und hospizlichen Versorgung         ration allerdings gelinge, werde dies Wohlstand und friedliches Zusammenleben fördern.
sterbender Menschen könne nur ein erster            Thierse rief dazu auf, die eigene christliche Prägung gegenüber den Flüchtlingen
Schritt sein. „Die pflegerische Betreuung       nicht zu verleugnen, sondern zu leben. Die Religion dürfe nicht aus der Öffentlichkeit
von Menschen am Lebensende, die auch            verschwinden. Wichtig sei zudem, Flüchtlingen klar zu machen, dass die aktive Erinne-
deren Familie und Freunde einbezieht, ist       rung an den Holocaust in Deutschland Staatsräson sei. Angst vor einer sich verändern-
zeitaufwändig, braucht Qualifikation und        den Gesellschaft sei falsch. „Nur offene, sich verändernde Gesellschaften sind produktiv
muss achtsam geschehen. Hier muss die           und haben Zukunft“, sagte Thierse. ●
Politik nachlegen“, sagte Rühl. ●

Aktion „Brot für                              Nach 70 Jahren:                                 Hessische Landes-
die Welt“ eröffnet                            EKD wird Kirche                                 kirchen gegen TTIP

A                                             D                                               G
          m ersten Advent haben die beiden           ie Evangelische Kirche in Deutsch-               egen den Abschluss des Freihan-
          evangelischen Landeskirchen in             land (EKD) wird 70 Jahre nach                    delsabkommens TTIP zwischen
          Hessen die Spendenaktion „Brot             ihrer Gründung auch im theologi-                 der EU und den USA haben sich
für die Welt“ in der Martinskirche in Daut-   schen Sinne zur Kirche. Auf der EKD-Sy-         die evangelischen Landeskirchen in Hes-
phe (Landkreis Marburg-Biedenkopf) eröff-     node in Bremen wurde eine Änderung der          sen ausgesprochen. Die Regeln für den
net. Die 57. Aktion steht unter dem Motto     Verfassung beschlossen. Die EKD sei als         internationalen Handel müssten danach
„Satt ist nicht genug! Zukunft braucht ge-    „Gemeinschaft ihrer Gliedkirchen Kirche“,       beurteilt werden, „ob und wie sie die Be-
sunde Ernährung“ und lenkt den Blick auf      lautet die Formel, der nun alle 20 lutheri-     dürfnisse und Interessen der Bürger und
das Phänomen des Stillen Hungers. Da-         schen, reformierten und unierten Landes-        insbesondere die der armen Länder schüt-
bei geht es um Ursachen und Folgen von        kirchen zustimmen müssen. Bischof Martin        zen und der Bewahrung der Schöpfung
Mangelernährung. Davon sind laut „Brot        Hein nannte die Verfassungsänderung ei-         dienen“, heißt es in einer Stellungnahme
für die Welt“ zwei Milliarden Menschen be-    ne Kompromisslösung, die einen „Minimal-        gegenüber dem Hessischen Landtag. Für
troffen – etwa jeder Dritte weltweit. Eine    konsens“ darstelle. Er hoffe, dass in zehn      die Kirchen sei es sehr problematisch, dass
Ernährung ohne genügend Vitamine und          oder 20 Jahren ein neuer Anlauf unter-          die Entwicklungs- und Schwellenländer bei
Nährstoffe mache zwar satt, hinterlasse       nommen wird, um mutiger auf die Gemein-         den Verhandlungen ausgeschlossen seien,
aber bleibende Schäden. ●              epd    schaft zuzugehen. ●                    epd      so die Begründung. ●                   epd

                                                                              blick in die kirche | FÜR MITARBEITENDE | 1–2016            15
LANDESKIRCHE

Landessynode will Kirche zukunftsfest machen
Gebäude und Liegenschaften, theologisches Personal, Sonderhaushalte, Diakonie und Verwaltung: Bis 2026 sollen
in diesen Bereichen rund 50 Millionen Euro eingespart werden, das sind etwa 25 Prozent der kirchlichen Ausgaben

                                                                                                                                                 Fotos: medio.tv/Schauderna
    Präses Rudolf Schulze (Melsungen) leitete      Bericht von Bischof Martin Hein vor der Synode: Am 23. November 2015 wurde die Synode
    die Sitzungen der Herbstsynode                 der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck im Kloster Haydau in Morschen eröffnet

   E
          insparungsbeschlüsse in Höhe von         Knöppel hob hervor, dass sich die EKKW        de für Flüchtlinge zu öffnen, dies sei aktive
          rund 50 Millionen Euro bis zum Jahr      derzeit nicht in einer finanziellen Notla-    Nächstenliebe.
          2026 hat die Synode der Evange-          ge befinde und die Beschlüsse aktiv und           Die Synode beschloss zudem, für die
    lischen Kirche von Kurhessen-Waldeck           selbstbestimmt zur rechten Zeit vornehme.     Flüchtlingsarbeit eine Million Euro bereit-
    (EKKW) auf den Weg gebracht. Dazu                  Um die Kosten des Bauunterhaltes          zustellen. In einer Resolution wurden un-
    mussten die Ende November im Kloster           der insgesamt 1.089 Kirchengebäude zu         ter anderem sichere und legale Wege für
    Haydau in Morschen tagenden Synoda-            dämpfen, sollen diese künftig in drei Kate-   Schutzsuchende nach Europa gefordert.
    len rund 80 Einzelentscheidungen treffen,      gorien eingeteilt werden. Für Kategorie A     Die Flüchtlingskrise lasse sich nicht durch
    die zuvor von mehreren Ausschüssen und         sind demnach Bauunterhaltung und Aus-         Errichtung neuer Zäune und Mauern be-
    dem Rat der Landeskirche vorbereitet und       gestaltung, für Kategorie B eine notwen-      enden, hieß es.
    empfohlen worden waren. Bis auf weni-          dige Bauunterhaltung und für Kategorie C          Im Laufe der Tagung wurde zudem
    ge Ausnahmen und kleinere Änderungen           nur noch eine substanzerhaltende Bauun-       bekannt, dass es Verhandlungen über die
    erfuhren die Vorschläge weitgehende Zu-        terhaltung vorgesehen.                        Unterbringung von Flüchtlingen in zwei
    stimmung.                                          Freuen kann sich vor allem die Jugend:    weiteren Freizeitheimen der Landeskirche
         Unter anderem soll die Zahl der Ge-       die personelle und sachliche Ausstattung      gibt. Erst kürzlich war der Einzug von un-
    meindepfarrstellen bis 2026 auf 400, die       der Kinder- und Jugendarbeit soll ab 2018     begleiteten minderjährigen Flüchtlingen in
    der Funktionspfarrstellen auf 150 sinken.      deutlich verbessert werden, so ein Be-        das Heim Elbenberg bei Wolfhagen ab 15.
    Für 2026 rechnet die Kirche laut Propst        schluss. Ein Gesamtkonzept soll bis Ende      Dezember bekannt geworden.
    Bernd Böttner (Hanau) mit rund 750.000         2017 vorliegen.                                   Eines der jetzt im Gespräch befind-
    Mitgliedern, etwa 100.000 weniger als              Zu Beginn der Synode hatte Bischof        lichen Heime, das Freizeitheim Nieden-
    2014. Die Zahl der Pfarrstellen betrug         Martin Hein auf das große Engagement          stein, soll laut Beschluss der Synode Ende
    zuletzt rund 570, die der Funktionspfarr-      der Menschen in der Flüchtlingsarbeit hin-    2017 geschlossen werden. Diese sieht al-
    stellen rund 180. Auch in der Verwaltung       gewiesen. Bereits jetzt könnten 43 kirch-     lerdings eine Prüfung vor, wenn sich an-
    soll etwa ein Viertel aller Stellen abgebaut   liche Immobilien für die Unterkunft von       dere Verwendungsmöglichkeiten ergeben.
    werden.                                        Flüchtlingen zur Verfügung gestellt wer-      Der stark umstrittene Beschluss über die
         Obwohl die Kirche laut Vizepräsident      den. Die Kirche selbst werde sich durch die   Schließung des Studienhauses Marburg
    Volker Knöppel in 2015 eine Steigerung         eingetretene Entwicklung verändern „Das       hingegen wurde auf die Synode im Feb-
    der Kirchensteuereinnahmen um 3,7 Pro-         Gesicht unserer Kirche wird bunter“, sagte    ruar 2016 vertagt, die den nächsten Dop-
    zent erwarte, müsse in absehbarer Zeit mit     er. Hein warb erneut für seinen Vorschlag,    pelhaushalt der EKKW beschließen soll. ●
    deutlichen Rückgängen gerechnet werden.        als letzte Möglichkeit auch Kirchengebäu-                                              epd

    16     blick in die kirche | FÜR MITARBEITENDE | 1–2016
LANDESKIRCHE

                             Botschaft der Reformation   Kirchengebäude sollen
                             für aktuelle Lage bedeutsam kategorisiert werden

                         D                                                                         U
                                     ie befreiende Botschaft der Reformation ist nach Worten                  m die Kosten des Bauunterhalts der insgesamt 1.089 Kir-
                                     von Bischof Martin Hein für die aktuelle Lage von großer                 chengebäude in Kurhessen-Waldeck zu dämpfen, sollen
                                     Bedeutung. Das reformatorische Verständnis von Freiheit                  diese nach dem Willen der Synode künftig in drei Kate-
                             könne eine Hilfe sein, zu Besonnenheit, Entschlossenheit und Fan-       gorien eingeteilt werden. Für Kategorie A sind demnach Bauun-
                             tasie zurückzukehren, die in diesen unruhigen Zeiten dringend           terhaltung und Ausgestaltung, für Kategorie B eine notwendige
                             gebraucht würden, sagte Hein vor der Synode. Der Impuls der             Bauunterhaltung und für Kategorie C nur noch eine substanzer-
                             Reformation sei Freiheit gewesen, die immer auch Freiheit von           haltende Bauunterhaltung vorgesehen. In begründeten Ausnah-
                             Angst gewesen sei, so Hein in seinem Bericht.                           mefällen dürfen Kirchen künftig auch verkauft werden.
                                 Die Reformation habe die Menschen gelehrt, den Blick vom                 Die Einteilung soll anhand verschiedener Kriterien wie etwa
                                                    Jenseits auf das Diesseits zu richten, sagte                                               gottesdienstliche und
                                                    Hein. Christen handelten aus Dank für die                                                  gemeindliche Nutzung
                                                    erfahrene Gnade Gottes und aus Liebe zur                                                   der Kirchen, kultur- und
Fotos: medio.tv/Schauderna

                                                    Schöpfung. Die Attentäter von Paris seien                                                  kirchengeschichtliche
                                                    hingegen ganz auf das Jenseits ausgerich-                                                  Bedeutung, Platzkapa-
                                                    tet gewesen, getragen von einer Hoffnung                                                   zität oder Prägung des
                                                    auf den Lohn im Paradies. „Das macht den                                                   Ortsbildes vorgenom-
                                                    Fundamentalismus zu dem, was er ist: zu                                                    men werden. Die zur
                                                    einer Perversion des Glaubens“, sagte Hein.                                                Verfügung stehenden
                             Bischof Martin Hein        Im Hinblick auf die Flüchtlinge wies         Debattierende Synodale auf der           Baumittel sollen damit
                                                    Hein darauf hin, dass schätzungsweise            Herbstsynode in Morschen                 gezielter eingesetzt wer-
                             zehn Prozent aller evangelischen Kirchenmitglieder in der Flücht-                                                den können.
                             lingsarbeit engagiert seien. Diese hohe Zahl könne als Folge der             Weiter reduziert werden soll auch die Zahl der Gemeindehäu-
                             reformatorischen Erkenntnis zu verstehen sein, dass christliches        ser, von denen derzeit noch 555 in Betrieb sind. Auch Koopera-
                             Handeln in der Verantwortung des einzelnen Christen stehe. Hein         tionen mit anderen Nutzern sind mögliche Modelle, die bereits
                             bat die Synodalen in diesem Zusammenhang um Zustimmung,                 praktiziert werden. Die schon begonnene Umsetzung der Gebäu-
                             eine Million Euro im Nachtragshaushalt für Flüchtlingsarbeit zu         debedarfspläne für Gemeindehäuser wird fortgesetzt, die leitende
                             bewilligen. Die wichtigste Aufgabe der nächsten Jahre werde die         Größe ist hierbei eine Nutzfläche von 200 Quadratmetern, die
                             Integration der geflüchteten Menschen in die Gesellschaft sein.         rechnerisch 1.700 Gemeindemitgliedern zur Verfügung steht. Eine
                             Hier gebe es zahlreiche Herausforderungen wie etwa die Begeg-           in dem Reformpapier vorgeschlagene zentrale Liegenschaftsver-
                             nung mit dem neuen, arabischen Islam.                                   waltung fand in der Synode hingegen keine Mehrheit.
                                 Die Kirche müsse sich verstärkt auf Gegenwind einstellen                 Bei den Pfarrstellen soll es ab 2018 sogenannte Stellenpools
                             von Menschen, die ihre Position nicht teilten, warnte er. Hein          in den Kirchenkreisen geben. Damit soll eine basisnahe Vertei-
                             setzte sich erneut dafür ein, als letzte Möglichkeit auch Kirchen       lung der im Kirchenkreis vorhandenen Stellen gewährleistet wer-
                             für Flüchtlinge zu öffnen. „Nach reformatorischem Verständnis           den. Durch die geringer werdende Zahl der Gemeindeglieder wird
                             tragen Kirchen keine Heiligkeit in sich, sondern sind Versamm-          sich entsprechend auch die Zahl der Pfarrstellen verringern. 2026
                             lungsräume für die Verkündigung“, sagte er. Aktive Nächstenliebe        soll es aber mindestens noch 400 Gemeindepfarrstellen und 150
                             sei eine starke Form der Verkündigung. ●                       epd      funktionale Pfarrstellen geben. ●                              epd

                             Mehr Kirchensteuer trotz weniger Mitglieder

                             T
                                    rotz einer rückläufigen Zahl bei den Gemein-                             rechnen. Da die Kirchensteuer momentan aufgrund der
                                    demitgliedern steigen derzeit noch die lan-                              wirtschaftlichen Entwicklung stabil sei, sei es richtig, die
                                    deskirchlichen Kirchensteuereinnahmen.                                   kirchlichen Handlungsfelder jetzt neu auszurichten, so
                                 Die EKKW habe im Jahr 2014 eine Steigerung                                  Knöppel weiter.
                             bei den Einnahmen um fast sechs Prozent gegen-                                      Die EKKW will bis zum Jahr 2026 rund 25 Prozent
                             über 2013 verzeichnet, im laufenden Jahr werde                                  ihrer Ausgaben, bezogen auf den Haushalt 2010, einspa-
                             mit einer Steigerung von rund 3,7 Prozent gerech-                               ren. „Die Rahmenbedingungen sind günstig, denn wir
                             net, gab Vizepräsident Volker Knöppel in seinem                                 befinden uns nicht in einer finanziellen Notlage“, sagte
                             Finanzbericht auf der Synode bekannt. In abseh-        Vizepräsident            Knöppel. „Wir handeln aus Überzeugung und damit frei-
                             barer Zeit sei aber mit deutlichen Rückgängen zu       Volker Knöppel           willig.“ ●                                              epd

                                                                                                            blick in die kirche | FÜR MITARBEITENDE | 1–2016          17
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