Die Wirtschaft - IHK Weingarten

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Die Wirtschaft - IHK Weingarten
Januar 2019
                                                                 Ausgabe IHK Bodensee-Oberschwaben

Die Wirtschaft                            zwischen Alb und Bodensee

Steuerrecht           Brexit                          Turning Days
Wichtige Änderungen   Das müssen Unternehmen          Branchentreff der Dreher
im Jahr 2019          jetzt wissen                    in Friedrichshafen
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                                         IMMOBILIEN

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Die Wirtschaft - IHK Weingarten
Die Wirtschaft - IHK Weingarten
Editorial

Martin Buck,                Dr. Jan Stefan Roell,
Präsident IHK Boden-        Präsident IHK Ulm
see-Oberschwaben

          Wir brauchen Europa –
          Europa braucht uns
          Protektionismus, Populismus, anti-europäische Tendenzen und der
          Brexit: Europa steht vor großen Herausforderungen. Es steht viel auf
          dem Spiel, auch für Deutschland. Umso wichtiger ist die Frage: Wo
          stünde Deutschland heute ohne Europa? Unser Land profitiert wie
          kaum ein anderes vom innereuropäischen Handel, der deutsche Wohl-
          stand und viele Arbeitsplätze sind eng mit Europa verknüpft. Der
          Erfolg unserer Wirtschaft wäre ohne den Binnenmarkt nicht denk-
          bar. Trotzdem wird der freie Verkehr von Waren, Personen, Kapital
          und Dienstleistungen oft als allzu selbstverständlich betrachtet. Über
          die Hälfte der Exporte Baden-Württembergs gehen in die Europäische
          Union, den wichtigsten Absatzmarkt unserer Region. Der drohende
          Brexit zeigt, wie stark die Verflechtungen sind und wie wertvoll ein
          funktionierender Binnenmarkt ist.
          Ganz klar: Wie überall gibt es auch bei Europa eine Kehrseite der
          Medaille. Die Vielzahl unterschiedlicher europäischer und nationaler
          Regelungen stellt hohe Anforderungen an die Unternehmen, und eine
          Reduzierung der oft überbordenden Bürokratie ist dringend nötig. Die
          Abstimmungsprozesse der EU müssen vereinfacht werden, um den
          weltweiten Herausforderungen gewachsen zu sein. Ein starker Bin-
          nenmarkt ist wichtig, auch als Inkubator für neue, insbesondere digi-
          tale Geschäftsmodelle. Nur so kann Europa auch in Zukunft gegen-
          über den USA und China als ebenbürtiger Handelspartner bestehen.
          Wir brauchen ein starkes Europa, das für uns als Unternehmer
          Sicherheit und stabile Rahmenbedingungen schafft. Wir brauchen
          Europa, aber Europa braucht – gerade in unsicheren Zeiten – auch
          uns. Im Mai wählt Europa ein neues Parlament. Eine gute Möglichkeit
          für jeden von uns, mit seiner Stimme die Zukunft Europas mitzuge-
          stalten. So sollte es unser Anliegen sein, Europa zusammenzuhalten,
          den Binnenmarkt zu stärken und den Handel frei von Barrieren zu
          machen. Nutzen Sie Ihre Stimme für ein starkes Europa!

          Martin Buck,                               Dr. Jan Stefan Roell,
          Präsident IHK Bodensee-                    Präsident IHK Ulm
          Oberschwaben

Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee   01 2019
Die Wirtschaft - IHK Weingarten
Titelthema                                                    Trends und Hintergründe
        Immobilienmarkt:                                              Betriebliches Gesundheitsmanagement:
        Aktuelle Trends und Herausforderungen                         Welche Maßnahmen sind steuerfrei?
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    3       Editorial

            Panorama                                                             30   Kreissparkasse Ravensburg
                                                                                      Kooperation mit Wirtschaftsmuseum
                                                                                 30   wirsinddigital App fürs Unternehmen
    6       Integration durch Ausbildung                                         31   Serie: Neu am Markt Dem Umweltschutz dienen
            Ausbildungsbegleitende Hilfen für Flüchtlinge                        32   Diverse Unternehmen Umweltpreis für Unternehmen verliehen
    7       SRG Immobilien Ambitionierte Ziele fest im Blick                     33   SWU Straßenbahnlinie 2 nimmt Fahrt auf
    8       Deutschlands Top-Azubis                                              34   Service-Center für Finanzen & Vorsorge Jürgen Rohmer
            IHKs ehren Landes- und Bundesbeste                                        Besuch in Schwendi
    9       IHK-Unternehmer Akademie Seminare für Führungskräfte                 34   HARDER logistics bildet erstmals Flüchtlinge aus
    10      Ideenwettbewerb Lokale Online-Marktplätze prämiert                   35   confitech Neue Carsharing-Station in Ulm-Böfingen
    10      Webportal Marktstammdatenregister startet am 31. Januar              36   Boehringer Ingelheim Pharma Polaratmosphäre in Biberach
                                                                                 36   Wieland-Werke expandiert in Nordamerika
                                                                                 37   Beurer investiert am Wirtschaftsstandort Ulm
            Titelthema

                                                                                                                                                            Fotos: Photodesign Armin Buhl; georgerudy/Adobe Stock; Schwäbisch Media; IHK Ulm
            Trends am Immobilienmarkt                                                 Region Bodensee-Oberschwaben
    13      Immobilien Ein Markt im Umbruch
    17      Brera Eine kurzfristige Alternative                                  38   Veranstaltung Infos für PV-Anlagenbetreiber
    18      Regionale Wohnungsmärkte                                             38   Energiewende digital Veranstaltung und Hausmesse
            Wohnungsnot ist kein Privatproblem                                   39   Brexit Das müssen Unternehmen wissen
    20      Stadt Friedrichshafen                                                39   Veranstaltung Rechtssicherer Mitarbeitereinsatz in Frankreich
            „Wir brauchen passgenaue Wohnraumkonzepte“                           40   ÖPNV-Impulstagung Den Nahverkehr gemeinsam gestalten
                                                                                 41   IHK Bodensee-Oberschwaben
                                                                                      Langjährige Vollversammlungsmitglieder geehrt
            Neues aus den Unternehmen                                            42   Turning Days Branchentreff der Dreher
                                                                                 43   Haus der kleinen Forscher Auszeichnung für Mullewapp

    24      Kiesel Faszination Baumaschinen
    24      KNOLL Maschinenbau Neues Werk in Shanghai                                 Region Ulm
    25      Diverse Unternehmen aus der Region
            Hidden Champions
    26      max Lineartechnik-Profi wird 25                                      44   Digitalisierung
    26      Diverse Buchhandlungen aus der Region                                     IHK Ulm mit neuem Ausschuss Digitalisierung/Wirtschaft 4.0
            Ausgezeichnete Lesepartner                                           44   Bildung Berufe kennenlernen
    27      Sparkasse Bodensee Digitaler Service                                 45   Bildung Berufe, die keiner kennt
    28      Fee Öko Handels GmbH Nachhaltiges Startup                            45   Breitband Spatenstich im IGM
    28      Fox Party Box Rundum-sorglos-Paket füs Fest                          46   Forschung Uni Ulm hebt ab

4                                                                                                      Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee   01 2019
Die Wirtschaft - IHK Weingarten
Region Bodensee-Oberschwaben                                     Region Ulm
Karrieremesse 2019 in Ravensburg:                                Weiterbildung:
Anmeldung für Betriebe noch bis zum 2. Februar                   IHK-Programme erscheinen in neuem Format
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47     Umwelt Luftreinhalteplan Ulm wird nicht fortgeschrieben                   Handelsregister
47     Handel ALBGEMACHT
48     Netzwerken Women in Business
48     Weiterbildung Neue Perspektiven                                           Aus dem Bezirk der IHK Bodensee-Oberschwaben
49     Existenzgründung Elevator Pitch für Startups
49     Bildung Bestätigung für großen Einsatz und Engagement                70   Bodenseekreis
                                                                            73   Kreis Ravensburg
                                                                            78   Kreis Sigmaringen
       Trends & Hintergründe
                                                                                 Aus dem Bezirk der IHK Ulm
50     Unternehmensnachfolge Pensionszusagen im Mittelstand
52     Betriebliches Gesundheitsmanagement                                  79   Alb-Donau-Kreis
       Fiskus sponsert Gesundheit von Mitarbeitern                          82   Kreis Biberach
53     Aktuelle Wettbewerbe                                                 84   Kreis Ulm
54     Steuerrecht Das ändert sich 2019

                                                                            88   Kultur & Freizeit
55     Neues aus Berlin und Brüssel
                                                                            90   Vorschau, Impressum
       IHK Service
                                                                                 Amtliche Bekanntmachungen
       Bodensee-Oberschwaben
56     Finanzierungssprechtage / RKW-Sprechtage / Erfinder-                 nach S. 46 Bekanntmachungen der IHK Bodensee-Oberschwaben
       und Patentberatung / Neues Verpackungsgesetz /                                  (Ausgabe Bodensee-Oberschwaben, S. I–VIII)
       Mut zu scheitern / Fit für die Selbstständigkeit                     nach S. 46 Bekanntmachungen der IHK Ulm
                                                                                       (Ausgabe Ulm, S. I–XVI)
57     Seminare für Azubis / Unternehmensnachfolge /
       Jahresabrechnung und Wirtschaftsplan

       Ulm
58     DSGVO: Informationen für kleinere Unternehmen /                      Diese Ausgabe enthält das Verlagsspecial
       Die anpassungs fähige Fabrik / Update Arbeitsrecht /                 Innovatives Baugewerbe, Industrieplanung und
       Internet-Fachberatung / Bankensprechtag                              Einrichtungspartner

Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee   01 2019                                                                                      5
Die Wirtschaft - IHK Weingarten
Panorama

    In Kürze

    Spitze beim                              allen Einsendern werden Bar-
    Online-Einkauf                           preise im Wert von 2.250 Euro
    Der Baden-Württembergische               verlost.

                                                                                       Foto: Fotolia.com/Monkey Business
    Industrie- und Handelskam-               O Info: Bernhard Hametner,
    mertag (BWIHK) hat die Studie              Tel. 0711 / 2005-1397,
    „Struktur- und Marktdaten des              bernhard.hametner@bw.
    Einzelhandels 2018/2019 in Ba-             ihk.de, facebook.com/gut-
                                               ausgebildet

                                             Startup BW Summit 2019
                                             Am 1. Februar 2019 findet auf
                                             der Landesmesse in Stuttgart
                                             der Startup BW Summit 2019                                                    Unternehmen, die Flüchtlinge ausbilden,
                                                                                                                           erhalten für sie künftig Unterstützung.
                                             statt. Dabei präsentieren sich
                                             350 Startups aus Baden-Würt-
                                             temberg und internationalen        AUSBILDUNGSBEGLEIT ENDE HILFEN FÜR FLÜCHT LINGE
                                             Partnerregionen sowie zahl-
                                             reiche B2B-Partner aus Bera-
                                                                                Integration
                               Foto: BWIHK

                                             tung, Förderung, Investment
                                             und Technologietransfer. Offi-

    den-Württemberg“ herausge-
                                             zielles Partnerland ist Israel.
                                             www.startupbw.de/summit
                                                                                durch Ausbildung
    geben, um den Einzelhandels-
    unternehmen und der Kom-                 Fünf Jahre Energiescouts           Die Regionaldirektion Baden-Württemberg ist zu
    munalpolitik solide Struktur-            2014 starteten die ersten          einer Neueinschätzung der Bleibeperspektive für
    und Marktdaten zur Verfügung             Energiescouts bei den IHKs in      Flüchtlinge in Ausbildung gelangt. Dadurch erhalten
    zu stellen. Die Studie belegt            Baden-Württemberg. Seither
                                                                                alle Auszubildenden mit Fluchthintergrund ab
    zum Beispiel, dass die Konsu-            wurden landesweit rund 2.000
    menten in Baden-Württem-                 Azubis in mehr als 300 Betrie-     sofort Zugang zu ausbildungsbegleitenden Hilfen.
    berg 2017 mit 755 Euro bundes-           ben zu Energiescouts qualifi-
    weit am meisten Geld im                  ziert. Zum fünfjährigen Jubi-
    Onlinehandel ausgegeben ha-              läum      der    erfolgreichen
                                                                                Die Neuregelung zu den aus-                                            Ausbildungsbetriebe, die für
    ben. Im Bundesdurchschnitt
                                                                                bildungsbegleitenden Hilfen,                                           ihre Azubis mit Fluchthinter-
    beträgt dieser Wert 698 Euro.
                                                                                kurz abH, gilt ausschließlich                                          grund die Förderinstrumente
    O Download: www.bw.ihk.de,
                                                                                in Baden-Württemberg. Da-                                              der    Ausbildungsförderung,
      Rubrik Veröffentlichungen/
                                                                                mit erfüllt die Regionaldirek-                                         insbesondere ausbildungsbe-
      Publikationen
                                                                                tion Baden-Württemberg eine                                            gleitende Hilfen, in Anspruch
    Video-Wettbewerb                                                            wichtige Forderung der Wirt-                                           nehmen möchten, können
    für Azubis                                                                  schaft.                                                                sich in diesem Zusammen-
    Wie verändert die Digitalisie-                                              Allein in den Betrieben aus                                            hang an die Berufsberatung
    rung verschiedene Ausbil-                                                   Industrie, Dienstleistung und                                          der Agentur für Arbeit oder
                                             Foto: BWIHK

    dungsberufe? Dazu können                                                    Handel der IHK-Regionen Bo-                                            die Ansprechpartner bei den
    Azubis aus baden-württem-                                                   densee-Oberschwaben       und                                          IHKs    Bodensee-Oberschwa-
    bergischen Unternehmen bis                                                  Ulm absolvieren aktuell 330                                            ben und Ulm wenden.       WAB
    zum 1. März 2019 selbst ge-              Initiative gibt es nun eine Bro-   junge Flüchtlinge eine duale
    drehte Videos zum Wettbe-                schüre, die die verschiedenen      Ausbildung. Bislang hatten                                             O Ansprechpartner für Unter-
    werb „Ein Tag in meiner Aus-             Konzepte in den einzelnen          rund ein Drittel dieser Auszu-                                           nehmen:
    bildung 4.0“ einreichen. Ver-            IHK-Regionen und erfolgreich       bildenden keinen Zugang zu                                               IHK Bodensee-Oberschwaben,
    anstaltet wird der Wettbewerb            abgeschlossene Energieeffizi-      den Ausbildungsförderinstru-                                             Claudia Bissinger,
    vom Wirtschaftsministerium               enzprojekte beleuchtet.            menten der Agentur für Ar-                                               Tel. 0751 / 409-260,
    und vom Baden-Württember-                O Download: www.bw.ihk.de,         beit. Ausbildungsbegleitende                                             bissinger@weingarten.ihk.de
    gischen Industrie- und Han-                Rubrik Veröffentlichungen/       Hilfen sind für diese Ziel-
    delskammertag (BWIHK). Unter               Publikationen                    gruppe jedoch entscheidend,                                              IHK Ulm, Armin Speidel,
                                                                                um ihre Ausbildung erfolg-                                               Tel. 0731 / 173-303,
                                                                                reich durchlaufen zu können.                                             speidel@ulm.ihk.de

6                                                                                                                                            Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee   01 2019
Die Wirtschaft - IHK Weingarten
Panorama

S R G I M M O B I L I E N G M B H, B A D W U R Z A C H

Ambitionierte Ziele fest im Blick
Die SRG Immobilien GmbH ist eine kleine, aber feine Immobilienagentur in Bad Wurzach. Gegründet erst
2016, aber die Macher sind alte Hasen im Geschäft. Das Unternehmen wächst, sucht im Sommer einen
Auszubildenden. Und entscheidet sich für den ehemaligen Philosophiestudenten Busher Kattaa aus Syrien.

Der Schwerpunkt von SRG                    „Da haben wir be-                            er in Bad Wurz-                        SRG unterstützt Familie
liegt auf der Immobilienver-               schlossen, es ein-                           ach, mit Frau und                      Noch genießt Busher Welpen-
mittlung, Baubetreuung so-                 mal miteinander                              Baby, und absol-                       schutz, erledigt erst einmal
wie der Verwaltung von Woh-                zu     versuchen“,                           viert bei SRG seit                     einfachere Aufgaben, um sich
nungen und gewerblichen                    sagt Ausbilderin                             Oktober 2018 eine                      etwa mit Orts- und Straßen-
                                                                   Flüchtlinge in
Immobilien, die Aufgaben                   Ciesinski.      Der                          Ausbildung zum                         namen, den regionalen Play-
                                                                     regionalen
sind vielfältig. Die Mitarbeiter           24-Jährige stammt                            Immobilienkauf-                        ern und auch mit der Bran-
                                                                   Unternehmen
machen einen guten Job, das                aus Syrien, ein Stil-                        mann. Nach ein                         chensoftware vertraut zu
Unternehmen wächst. Nur:                   ler, mit feinen             Teil 22          paar Praktika in                       machen. Seine Berufsschule
Qualifizierte Mitarbeiter sind             Gesichtszügen,                               verschiedenen Be-                      allerdings steht in Pforzheim.
kaum zu finden, also kommt                 aufmerksam, welt-                            rufen weiß er, das                     Die Unterbringung während
einer auf die Idee, den Nach-              offen und wissbegierig. In sei- ist genau sein Ding. Die Ein-                       der jeweils dreiwöchigen The-
wuchs selbst auszubilden.                  ner Heimat besucht er eine stiegsqualifizierung wird ihm                            oriephase bezahlt zum Teil
Doch es gibt nur wenige Rück-              amerikanische Schule, spricht wohl als erstes Ausbildungs-                          das Land, die Kosten für die
meldungen, kaum ein Bewer-                 perfekt Englisch. Nach dem jahr angerechnet, ein Arran-                             Fahrten an den Wochenenden
ber macht wirklich Eindruck,               Abitur schreibt er sich an der gement mit Jobcenter, IHK,                           heim zu Frau und Kind über-
erinnert sich Melanie Ciesin-              Universität Aleppo für Philo- Regierungspräsidium und Be-                           nimmt SRG. „Die Familie
ski, bei SRG für die Ausbil-               sophie ein, doch das Schicksal rufsschule. Die Vorteile: Der                        braucht ihn, und da wollen
dung zuständig. Aber dann                  hat schließlich andere Pläne.    Ausbildungsbetrieb bleibt fle-                     wir ihn gerne unterstützen“,
kommt Busher Kattaa.                                                        xibel, und Busher verliert                         betont die Ausbilderin.
Der junge Mann legt eine                   Ausbildung zum                   keine Zeit, er hat ja ambitio-
saubere Bewerbung vor, er-                 Immobilienkaufmann               nierte Ziele.                                      Ziel: Berufsabschluss und
scheint pünktlich und gut                  Busher Kattaa ist seit 2015                                                         ein Job
vorbereitet zum Gespräch.                  in Deutschland. Jetzt wohnt                                                         Melanie Ciesinski ist zufrie-
                                                                                                                               den mit Leistung und Motiva-
                                                                                                                               tion, Busher mache das sehr
                                                                                                                               gut. Er lerne schnell und be-
                                                                                                                               komme auch künftig den
                                                                                                                               Raum, sich kontinuierlich
                                                                                                                               weiter zu qualifizieren. Auch
                                                                                                                               Busher fühlt sich hier gut auf-
                                                                                                                               gehoben. Das Ziel: „Ich hoffe,
                                                                                                                               dass ich nach der Ausbildung
                                                                                                                               übernommen werde.“ René Kius

                                                                                                                               O Infos zur Ausbildung von
                                                                                                                                Flüchtlingen:
                                                                                          Foto: Rolf Schultes/Drumlin Photos

                                                                                                                                IHK Bodensee-Oberschwaben,
                                                                                                                                Claudia Bissinger,
                                                                                                                                Tel. 0751 / 409-260,
                                                                                                                                bissinger@weingarten.ihk.de

                                                                                                                                IHK Ulm, Armin Speidel,
                                                                                                                                Tel. 0731 / 173-303,
                                                                                                                                speidel@ulm.ihk.de
Der syrische Azubi Busher Kattaa mit seiner Ausbilderin Melanie Ciesinski
bei SRG Immobilien in Bad Wurzach.

Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee   01 2019                                                                                                           7
Die Wirtschaft - IHK Weingarten
Fotos: Attila Joszef
IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Jany (rechts) freute sich                    IHK-Präsident Jan Stefan Roell (rechts) und IHK-Haupt-
bei der Preisverleihung in Konstanz mit den drei landes-                    geschäftsführer Otto Sälzle (links) gratulierten den
besten Azubis aus Bodensee-Oberschwaben (von links):                        Landesbesten aus der Region Ulm (von links): Alica
Lukas Hofbauer, Nina Scherer und Moritz Schebitz.                           Katherina Maurer, Alexander Kaiser, Bibiana Martin,
                                                                            Daniel Poser, Sandra Belicijan, Timo Missel, Dorota
                                                                            Hutzel, Philipp Köhler und Julia Katharina Schwarzer.

IHK S EHREN L ANDES- UND BUNDESBES T E

Deutschlands Top-Azubis
Jedes Jahr zeichnen die IHKs die besten Auszubildenden des Jahrgangs aus. Zwölf Landes-
und zwei Bundessieger kamen 2018 aus den IHK-Regionen Bodensee-Oberschwaben und Ulm.

Unter dem Motto „Baden-Württembergs next Top-Fachkräfte“                    Die 213 bundesbesten IHK-Azubis aus 205 Berufen des Prüfungs-
ehrte der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskam-                 jahrgangs 2018 wurden im Dezember in Berlin von DIHK-Präsi-
mertag (BWIHK) im November in Konstanz die landesweit besten                dent Eric Schweitzer und Bundespräsident Frank-Walter Stein-
Nachwuchsfachkräfte aus der dualen Berufsausbildung. Ausge-                 meier ausgezeichnet. Schweitzer betonte die Bedeutung der Prüfer
zeichnet wurden 113 Azubis und deren Ausbildungsbetriebe.                   für die Aus- und Weiterbildung. „Ohne unsere Tausenden ehren-
BWIHK-Präsident Wolfgang Grenke lobte die Landesbesten: „Sie                amtlichen Prüferinnen und Prüfer wären unsere duale Ausbil-
alle füllen unser heutiges Motto als leuchtende Beispiele voll aus.         dung und die Höhere Berufsbildung nicht möglich. Bei der Novel-
Als Speerspitze aller Absolventen des dualen Ausbildungssystems             lierung des Berufsbildungsgesetzes setzen wir uns dafür ein, dass
sind Sie die Top-Fachkräfte für Baden-Württembergs Zukunft.                 unser Ehrenamt in Zukunft durch weniger Bürokratie belastet
Nicht nur Ihre Leistungen sind Spitzenklasse, sondern auch Ihre             wird und wir auch morgen noch genügend Prüfer für ihr ver-
Entscheidung für die duale Ausbildung.“                                     dienstvolles Amt motivieren können.“                          WAB

    Die Super-Azubis aus der Region

    IHK-Region Bodensee-                Gleichzeitig Bundesbester:          Liebherr-Werk Ehingen GmbH,         ger Ingelheim Pharma GmbH &
    Oberschwaben                        Lukas Hofbauer, Koch, Hotel Alt-    Ehingen; Philipp Köhler, Gieße-     Co. KG, Biberach; Daniel Poser,
    Landesbeste:                        dorfer Hof e. K., Weingarten        reimechaniker, Heidelberg Ma-       Elektroniker für Automatisie-
                                                                            nufacturing Deutschland GmbH,       rungstechnik, Boehringer Ingel-
    Lukas Hofbauer, Koch, Hotel Alt-    IHK-Region Ulm                      Amstetten; Bibiana Martin, Ver-     heim Pharma GmbH & Co. KG,
    dorfer Hof e. K., Weingarten;
                                        Landesbeste:                        fahrensmechanikerin für Kunst-      Biberach; Julia Katharina Schwar-
    Moritz Schebitz, Immobilienkauf-
                                        Sandra Belicijan, Technische Mo-    stoff- und Kautschuktechnik,        zer, Drogistin, dm-drogerie markt
    mann, VR Bank Ravensburg eG,
                                        dellbauerin, Heidelberg Manu-       Georg Schlegel GmbH & Co.           GmbH & Co. KG, Riedlingen
    Ravensburg, und Nina Scherer,
                                        facturing Deutschland GmbH,         KG, Dürmentingen; Alica Katheri-
    Pharmakantin, Vetter Pharma-                                                                                Gleichzeitig Bundesbeste:
                                        Amstetten; Dorota Hutzel, Ver-      na Maurer, Biologielaborantin,
    Fertigung GmbH & Co. KG, Ravens-
                                        käuferin, Lidl Vertriebs-GmbH &     Boehringer Ingelheim Pharma         Julia Katharina Schwarzer, Dro-
    burg
                                        Co. KG, Erolzheim; Alexander Kai-   GmbH & Co. KG, Biberach; Timo       gistin,   dm-drogerie    markt
                                        ser, Fachkraft für Metalltechnik,   Missel, Chemielaborant, Boehrin-    GmbH & Co. KG, Riedlingen

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Panorama
                                                                                                                             Programm

I H K- U N T E R N E H M E R A K A D E M I E

Seminare für Führungskräfte
Seit 2006 betreiben die IHKs Bodensee-Oberschwaben, Ulm, Hochrhein-
Bodensee und Ostwürttemberg gemeinsam die IHK-Unternehmer Akademie.
Die Akademie begleitet als Partner für Unternehmensentwicklung Lern-
und Entwicklungsprozesse durch Seminare mit erfahrenen Dozenten.
                                                                                                                             Das aktuelle Programm der
                                                                                                                             IHK-Unternehmer Akade-
                                                                                                                             mie erhalten Sie online
Klar ist: Für den Wirtschafts-           Wohlstand dauerhaft gesi-                        kräfte      unternehmerische       unter www.ihk-unterneh
standort Baden-Württemberg               chert werden.                                    Chancen rechtzeitig erken-         mer-akademie.de
sind die Fähigkeiten und Fer-            Gerade in Zeiten einer immer                     nen, in strategische Entschei-
tigkeiten der besten Köpfe von           weiter voranschreitenden Ver-                    dungen überführen und er-          O Info: IHK Bodensee-
zentraler Bedeutung. Nur mit             änderung der Arbeitswelt                         folgreich in der Praxis reali-       Oberschwaben, Boris
ihnen können Wettbewerbs-                kommt es auf Mitarbeiter an,                     sieren. Das Programm der             Selimovic, Tel. 0751 /
fähigkeit, Wachstum und                  die als Fach- und Führungs-                      IHK-Unternehmer Akademie             409-138, selimovic@
                                                                                          richtet sich an Entscheidungs-       weingarten.ihk.de
                                                                                          träger und Führungskräfte
                                                                                          unterschiedlicher      Ebenen        IHK Ulm, Thomas Barthel,
                                                                                          und unterstützt sie und ihre         Tel. 0731 / 173-165,
                                                                                          Mitarbeiter dabei, diesen Weg        barthel@ulm.ihk.de
                                                                                          konsequent weiterzugehen.
                                                                                          Im aktuell erschienenen Pro-
                                                                                          gramm 2019 finden sich be-
                                                              Foto: elnariz/Fotolia.com

                                                                                          währte Themen, wie der Rol-
                                                                                          lenwechsel „Vom Mitarbeiter      mie bietet auch bei der inter-
                                                                                          zum Vorgesetzten“, ergänzt       nen Führungskräfteentwick-
                                                                                          um neue, innovative Formate,     lung Unterstützung an – vor
                                                                                          wie „Verhandeln nach dem         Ort in einem der ausgewähl-
                                                                                          Harvard-Modell“ oder das Se-     ten Tagungshotels oder als in-
Die IHK-Unternehmer Akademie bietet ausge-                                                minar „Fit for Innovation“.      dividuelles,   firmenspezifi-
wählte Seminare speziell für Führungskräfte.                                              Die IHK-Unternehmer Akade-       sches Inhouse-Training. WAB
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Panorama

IDEENWE T T BE WERB

Lokale Online-Marktplätze prämiert
Drei Kommunen aus den IHK-Regionen Bodensee-Oberschwaben und UIm sind unter den sieben Gewin-
nern des Landeswettbewerbs „Lokaler Online-Marktplatz“: Blaubeuren, Laichingen und Weingarten.

Ziel des Ideenwettbewerbs, den     Alb, der im Wettbewerb mit
das Ministerium für Ländli-        der Höchstfördersumme in
chen Raum und Verbraucher-         Höhe von 200.000 Euro prä-
schutz      Baden-Württemberg      miert wurde, war auch die
veranstaltete, ist die Stärkung    IHK Ulm beteiligt. Ziel ist es,
des innerörtlichen Handels         das örtliche Gewerbe digital
und der Versorgung im ländli-      sichtbar zu machen und mehr
chen Raum durch lokale On-         Umsatz vor Ort zu binden.
line-Marktplätze. Mit diesen       Mehr als 40 Firmen haben

                                                                         Foto: Joh. Rauneker, SZ
sollen Bestellungen mit loka-      sich zur Teilnahme bereit er-
lem Bezug und gleichem Kom-        klärt. Eine Bürgerbefragung
fort wie bei großen E-Com-         ist bereits gestartet. Auch die
merce-Plattformen       erfolgen   Gemeinden Berghülen, Merk-
können. Außerdem sind digi-        lingen, Nellingen und Wester-
tale      Informationsangebote     heim sollen eingebunden wer-                                    Die Projektpartner des Online-Marktplatzes
                                                                                                   Laichingen, darunter auch Josef Röll, Handels-
denkbar – zugeschnitten auf        den.
                                                                                                   referent der IHK Ulm (oben links).
die Kommunen bzw. Regionen.        Die Nachbarkommune Blau-
Weitere Partner des Projekts       beuren zählt auch zu den Ge-
sind der Gemeindetag Baden-        winnern und erhielt 160.000
Württemberg und der Handels-       Euro Förderung.                   Marktplatz 24 Unternehmen                                     werden. Ein weiterer Partner
verband Baden-Württemberg.         Die Stadt Weingarten wurde        und Institutionen ihre Waren                                  des Projekts ist die Locamo
                                   ebenso wie Laichingen mit         und Dienstleistungen anbie-                                   GmbH aus Weingarten, die
IHK Ulm unterstützt                der Höchstfördersumme von         ten, verknüpft mit einem lo-                                  die nötige Software bereit-
Projekt in Laichingen              200.000 Euro ausgezeichnet.       kalen Lieferservice, für den                                  stellt und selbst mehrere
An der Konzeption des On-          Noch im ersten Halbjahr 2019      die Integrierten Werkstätten                                  10.000 Euro in das Vorhaben
line-Marktplatzes Laichinger       sollen auf ihrem Online-          Oberschwaben eingebunden                                      investiert.              WAB

WEBP OR TAL

Marktstammdatenregister startet am 31. Januar
Das Marktstammdatenregister folgt der Anlagenregisterverordnung und bündelt energiewirtschaftliche
Meldepflichten im Strom- und Gasbereich.

Auf den Internetseiten des Marktstammdatenregisters – kurz           Die geänderte Verordnung ist im November 2018 in Kraft getre-
MaStR – werden künftig die Stammdaten der Anlagen und Ak-            ten. Das neue Merkblatt zur Verordnung finden Sie auf den In-
teure des deutschen Strom- und Gasmarktes veröffentlicht: ne-        ternetseiten der IHKs Bodensee-Oberschwaben und Ulm. WAB
ben erneuerbaren und konventionellen Stromerzeugungsanla-
gen auch Gaserzeugungs- und industrielle Verbrauchsanlagen           O Info: Stefan Kesenheimer, IHK Bodensee-Oberschwaben,
im Strom- und Gasbereich. Derzeit können sich nur Strom- und          Tel. 0751 / 409-140, kesenheimer@weingarten.ihk.de,
Gasnetzbetreiber eintragen. Für alle anderen Marktakteure             www.weingarten.ihk.de, Nr. 3978804
und für sämtliche Anlagen und Einheiten ist die Nutzung des
MaStR-Webportals ab dem 31. Januar 2019 möglich. Infos dazu,          Regina Eckhardt, IHK Ulm, Tel. 0731 / 173-347,
wie Meldefristen bis dahin wahrgenommen werden können,                eckhardt@ulm.ihk.de, www.ulm.ihk24.de, Nr. 3929842
gibt es schon jetzt unter www.marktstammdatenregister.de.

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Richard J. Spinnenhirn, Geschäftsführer der
H3 Hausverwaltung GmbH in Ravensburg, sieht
in der Digitalisierung große Chancen für die
Hausverwaltung.

                     Foto: Rolf Schultes/Drumlin Photos
Titelthema Trends am Immobilienmarkt

IMMOBILIEN

Ein Markt im Umbruch
Der Immobilienmarkt in der Region brummt. Die florierende Wirtschaft und günstige Zinsen zeigen
ihre Wirkung, ebenso die positive Einwohnerentwicklung in den IHK-Regionen Bodensee-Oberschwaben
und Ulm: Allein seit 2010 ist die Bevölkerung um mehr als 29.000 Personen gewachsen. Das schafft
allerdings auch Engpässe für die Unternehmen: Bauflächen werden knapp, Gewerbehallen teuer,
Handwerker und Baufirmen sind über Monate ausgebucht – und die dringend benötigten Mitarbeiter
finden keine bezahlbare Wohnung. Verschiedene Akteure der Branche, ob Makler, Bauunternehmer,
Hausverwalter oder Projektentwickler, geben Einblicke in einen Markt im Umbruch.

Jürgen Baltes*

Als 2009 vor den Toren Ravensburgs das               markt boomen. „Multifunktionale Hal-                                              Zuzug und gut bezahlte Manager sei
Gewerbegebiet Erlen eröffnete, dauerte               len in guten Lagen sind fast Selbstläufer“,                                       nicht zu unterschätzen, sagt Schneider.
es etwas, bis sich die Flächen zu füllen             so Schneider. Etwas entspannter das                                               „Wir haben in Spitzenlagen Neubau-
begannen. „Würde man ein solches Ge-                 Büro-Segment: „Hier ist in Ravensburg                                             preise von 5.000 bis 6.000 Euro pro Qua-
biet heute nochmal eröffnen, gingen die              viel gebaut worden, der Markt war kurz-                                           dratmeter, das ist Großstadtniveau.“
Grundstücke weg wie warme Semmeln“,                  zeitig sogar gesättigt, aber die Nachfrage                                        Insgesamt also „ein absoluter Immobi-
ist Ralph Schneider, Geschäftsführer der             zieht schon wieder an.“                                                           lienboom, bei dem sich Wohnraum und
Immobilien Sterk GmbH & Co. KG in Ra-                Die florierende Wirtschaft wirkt sich                                             Gewerbe im Gleichschritt bewegen.“ Und
vensburg, überzeugt. „Den Firmen geht’s              auch aufs Wohnen aus. Der Druck durch                                             wie soll das weitergehen? „Die Spitze ist

„Wir haben in Spitzenlagen
 Neubaupreise von 5.000 bis
 6.000 Euro pro Quadratmeter,
 das ist Großstadtniveau.“

gut, sie wollen investieren, am liebsten
in eigene Immobilien“, weiß der auf Ge-
werbe spezialisierte Makler. Egal ob klei-
ner Handwerksbetrieb oder großes In-
dustrieunternehmen.
Doch das Investieren ist dieser Tage gar
nicht so leicht. Denn Gewerbegrundstü-
cke sind sehr knapp, so Schneiders Be-
                                                                 Foto: Rolf Schultes/Drumlin Photos

fund. Das gelte quasi für die gesamte
Region – vielleicht abgesehen vom Wes-
ten des Bodenseekreises: „Ab Altshausen
Richtungen Sigmaringen wird’s günsti-
ger, da ist der Marktdruck weniger
stark.“
Schneider unterscheidet zwischen Kau-
fen und Mieten einerseits sowie Hallen,
Büro und Laden andererseits. Seine Ana-                                                               Ralph Schneider, Geschäftsführer der Immobilien Sterk GmbH & Co. KG
lyse der aktuellen Situation: Der Druck                                                               in Ravensburg, im Syrlin Quartier Weingarten, wo neue Büro- und
                                                                                                      Dienstleistungsflächen entstehen.
beim Kaufmarkt lässt auch den Miet-

Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee   01 2019                                                                                                                            13
Titelthema Trends am Immobilienmarkt

erreicht“, glaubt der Profi und erwartet          Laupheim an Mitarbeiter vermietet.                          gern in der Not ihren Sitz komplett, etwa
nun „eher eine Seitwärtsbewegung“.                Nicht um damit Geld zu verdienen, wie                       Carthago von Ravensburg nach Aulen-
                                                  Schmid betont, sondern „aus der Not he-                     dorf.
Revival der Werkswohnung?                         raus“.
Zur Grundstücks- und Immobilien-                  Diese Not spüren auch andere: Gerade                        Das Bauen wird immer teurer
knappheit gesellen sich Engpässe beim             etwa entwickelt Schmid für einen Indus-                     Die Themen Flächenknappheit und be-
Bau. „Wir arbeiten an der Kapazitäts-             triebetrieb eine Art Campus, auf dem                        zahlbarer Wohnraum beschäftigen auch
grenze“, stellt Fridolin Schmid, Ge-              dessen Mitarbeiter künftig wohnen sol-                      die Genossenschaft für Wohnungsbau
schäftsführer der Matthäus Schmid Bau-            len. Es entstehen Apartments im WG-Stil                     Oberland eG (GWO) in Laupheim. Die
unuternehmen GmbH & Co. KG in                     für Arbeiter, dahinter größere Wohnun-                      GWO verwaltet 1.800 Wohnungen für
Baltringen, fest – „zumal noch Großpro-           gen und sogar Doppelhäuser für nach-
jekte wie Stuttgart 21 und die Bahn-Elek-         kommende Familien. Für Schmid ein in-
trifizierung von Ulm nach Friedrichs-             teressanter Ansatz, der etwas an die
                                                                                                              „Die Nachfrage nach Wohnungen
hafen hinzukommen.“                               früher üblichen Werkswohnungen erin-                         zu sozialverträglichen Kondi-
Schmid sucht denn auch händeringend               nert.                                                        tionen ist groß und kann absolut
qualifizierte Fachkräfte, um all die Auf-         Die Flächenknappheit indes lässt sich
                                                                                                               nicht befriedigt werden.“
träge bewältigen zu können. Und dabei             kaum lösen. Manche versuchen in die

                                                                                                              gut 90 Eigentümergemeinschaften und
                                                                                                              bewirtschaftet 1.669 eigene Wohnun-
                                                                                                              gen, von Ulm bis Ochsenhausen. Sie
                                                                                                              werden zu sozialverträglichen Konditi-
                                                                                                              onen von im Schnitt derzeit 6,07 Euro
                                                                                                              pro Quadratmeter vermietet. Die Nach-
                                                                                                              frage sei entsprechend groß, sagt Vor-
                                                                                                              standsvorsitzender Jörg Schenkluhn,
                                                                                                              und könne absolut nicht befriedigt wer-
                                                                                                              den.
                                                                                                              Knapp 100 Mietwohnungen hat die GWO
                                                                                                              im Bau, doch das Umfeld wird auch für
                                                                                                              die Genossenschaft rauer. Staatliche Auf-
                                                                                                              lagen, etwa zur Energieeffizienz, stei-
                                                                                                              gende Baukosten sowie knappe Flächen
                                                                                                              machen das Bauen immer teurer, klagt
                                                                                                              Schenkluhn. Schon jetzt müssten die
                                                                               Foto: Photodesign Armin Buhl

                                                                                                              Mieten durch das Geschäftsfeld Verwal-
                                                                                                              tung oder vereinzelte Bauträgertätigkeit
                                                                                                              quersubventioniert werden. Dennoch
                                                                                                              muss auch die GWO für Neubauten teil-
                                                                                                              weise 8,40 Euro pro Quadratmeter neh-
                                                                                                              men.
                                                                                                              Diese     „Herausforderung“     versucht
Die Mitarbeiter von Fridolin Schmid, Geschäftsführer der Matthäus                                             Schenkluhn auf mehreren Wegen zu
Schmid Bauunternehmen GmbH & Co. KG in Baltringen, haben oft                                                  meistern. So wurden jüngst Flächen zum
Probleme, bezahlbaren Wohnraum in der Region zu finden.                                                       Nachverdichten identifiziert. Gleichzei-
                                                                                                              tig soll „serielles Bauen“ die Baukosten
                                                                                                              senken. Der GdW Bundesverband der
fällt ihm der boomende Immobilien-                Höhe zu bauen. Bei Trumpf in Ditzingen                      deutschen Wohnungs- und Immobilien-
markt, von dem er profitiert, wieder auf          etwa setzt Schmid derzeit das neue Fit-                     unternehmen e. V. etwa hat gerade Rah-
die Füße. Neue Mitarbeiter, etwa aus              nessstudio für die Mitarbeiter aufs Dach                    menverträge für kostensparende Modul-
Osteuropa, könnten zwar anfangen.                 der Produktionshalle: „Das wäre früher                      bauten ausgehandelt, auch mit einem
Doch sie finden keine bezahlbare Woh-             vermutlich einfach nebendran gebaut                         Anbieter aus Ulm.
nung. Daher ist Schmid selbst aktiv ge-           worden.“ Generell sei Geschossbau bei                       Die typischen Mieter der GWO reichen
worden. „Wir haben in Achstetten den              Hallen allerdings schwierig, da der                         von Familien und älteren Menschen über
ehemaligen Landgasthof Rössle gekauft             Workflow in der Fläche funktionieren                        Geringverdiener und Azubis bis zu Mi-
und in ein Handwerker-Hotel umge-                 müsse. Manche Firmen suchen zweite                          granten. Doch zunehmend erhält
baut“, so der Firmenchef. Zudem werden            oder dritte Standorte, was aber oft logis-                  Schenkluhn auch Anfragen von Firmen,
eigene Wohnungen in Biberach und                  tische Probleme schafft. Andere verla-                      die günstige Wohnungen für ihre Mitar-

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Titelthema Trends am Immobilienmarkt

                                                                                                                        beits-, Wohn- und Lebensräume für sich
                                                                                                                        wandelnde Bedürfnisse schaffen“, wie
                                                                                                                        Geschäftsführer Stefan Nachbaur es aus-
                                                                                                                        drückt. Das Bauen sei dabei nur Mittel
                                                                                                                        zum Zweck.
                                                                                                                        In Friedrichshafen hat Prisma auf dem
                                                                                                                        früheren Postareal am Hauptbahnhof
                                                                                                                        ein multifunktionales Quartier geschaf-
                                                                                                                        fen. Die sogenannte SEE.STATT bietet Fir-
                                                                                                                        men Büros ebenso wie Wohnungen, die
                                                                                                                        an Mitarbeiter oder flexibel auf Zeit ver-
                                                                                                                        mietet werden. In Ravensburg wurde
                                                                                                                        2018 gemeinsam mit der Stiftung Liebe-
                                                                                                                        nau das kup.Ravensburg eröffnet. Hier

                                                                                 Foto: Photodesign Armin Buhl
                                                                                                                        ist neben Technologie und Kreativwirt-
                                                                                                                        schaft erstmals der Förderbereich Ku-
                                                                                                                        BiQu für Menschen mit Behinderung
                                                                                                                        integriert. Und am Flughafen Friedrichs-
                                                                                                                        hafen ist der Competence Park Fried-
                                                                                                                        richshafen entstanden. Die 50 Firmen
                                                                                                                        mit 1.200 Mitarbeitern genießen laut
Jörg Schenkluhn, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft für
Wohnungsbau Oberland eG (GWO) in Laupheim, will trotz stei-                                                             Nachbaur „besondere Mehrwerte“. So
gender Baukosten weiter bezahlbaren Wohnraum schaffen.                                                                  gibt es zwei ganztägige Kinderbetreu-
                                                                                                                        ungseinrichtungen, einen Mittagstisch
                                                                                                                        und einen Lauftreff. Startups fördere
beiter suchen, etwa möblierte Apart-                 Wohnen und Arbeiten verbinden                                      man gezielt über Workshops, Grün-
ments, die sich auch für drei oder zwölf             Völlig neue Wege will indes die Prisma                             dungsseminare und vergünstigte Mie-
Monate mieten lassen: „Das sind neue                 Zentrum für Standort- und Regional-                                ten. Zudem sollen Veranstaltungen die
Anforderungen, die wir als regional ver-             entwicklung GmbH in Friedrichshafen                                Unternehmen besser vernetzen. Denn
bundenes Unternehmen gerne aufgrei-                  gehen. Dem Projektentwickler geht es                               zum Konzept von Prisma gehört auch,
fen.“ Man spreche bereits mit Firmen                 nach eigenem Bekunden nicht nur ums                                dass die Mieter zueinander passen. Beim
und habe erste Standorte im Blick.                   Bauen und Vermieten. Man wolle viel-
                                                     mehr „inspirierende und flexible Ar-
                                                                                                                        „Wir wollen inspirierende und
                                                                                                                         flexible Arbeits-, Wohn- und
                                                                                                                         Lebensräume für sich wandelnde
                                                                                                                         Bedürfnisse schaffen.“

                                                                                                                        Competence Park etwa liege der Schwer-
                                                                                                                        punkt auf Engineering und IT, sagt Nach-
                                                                                                                        baur. Beim jüngsten Netzwerktreffen
                                                                                                                        namens „Innovation B“ habe man ganze
                                                                                                                        200 Teilnehmer gezählt, betont der
                                                                                                                        Prisma-Chef die Relevanz solcher Tref-
                                                                                                                        fen.
                                                                                                                        Die Kultur in den Unternehmen sei heute
                                                                                 Foto: Rolf Schultes/Drumlin Photos

                                                                                                                        eine ganz andere als früher, beobachtet
                                                                                                                        Nachbaur: „Firmen sind stärker open min-
                                                                                                                        ded. Große tauschen Know-how mit klei-
                                                                                                                        nen aus oder beteiligen sich an diesen.“
                                                                                                                        Das müsse sich auch in der Büro-Infra-
                                                                                                                        struktur widerspiegeln, so der Projektent-
                                                                                                                        wickler. Prisma bietet etwa Co-Working-
                                                                                                                        Flächen, Open Spaces und Begegnungs-
                                                                                                                        räume. Und auch die Möglichkeit, sich
Stefan Nachbaur, Geschäftsführer der Prisma Zentrum für
Standort- und Regionalentwicklung GmbH in Friedrichshafen,                                                              innerhalb der bestehenden Flächen zu
will neue Räume für Arbeiten und Wohnen schaffen.                                                                       vergrößern oder zu verkleinern.         

Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee   01 2019                                                                                                              15
Titelthema Trends am Immobilienmarkt

Zauberwort digitale                              mobilienmarkt sich wieder drehe. „Dann                    spiel. Ignoriert, könnten sie dagegen
Gebäudeautomation                                wird sich die Spreu vom Weizen tren-                      langfristig zum Totalschaden führen.
Werner Taubert, Geschäftsführer des Ul-          nen.“ Er sei überrascht, welche Preise                    Um ein solches Fiasko zu verhindern, in-
mer Ingenieurbüros Conplaning GmbH,              teilweise für Altbauten gezahlt würden,                   formiere man stets frühzeitig über sinn-
sieht derlei Entwicklungen vor allem von         sagt Valencic. Denn diese mit neuester                    volle Maßnahmen. Denn Hausverwalter
der technischen Seite. Denn wo die Ge-           Gebäudetechnik auszurüsten sei oft                        können den Eigentümergemeinschaften
bäudenutzung flexibler werde, stiegen            komplex und bedürfe einer intensiven                      lediglich Vorschläge machen.
auch die Anforderungen an die Technik.           Gebäudesubstanzanalyse. Bei größeren                      Die Bedeutung der Hausverwaltung für
„Digitale Gebäudeautomation“ ist für             Projekten gebe es zudem einen Trend in                    die Entwicklung des Immobilienvermö-
Taubert das Zauberwort. Offene BUS-Sys-          Richtung Energieautarkie.                                 gens sei nicht zu unterschätzen, so Spin-
teme würden bei geänderter Nutzung                                                                         nenhirn. Denn nach außen habe diese
oder Flächeneinteilung einfach umpro-            Hausverwaltung im Wandel                                  weitreichende Befugnisse: „Wir verhan-
grammiert, so der Ingenieur, egal, ob es         Dass die der H3 Hausverwaltung GmbH                       deln mit Handwerkern, Fachingenieuren
um Verbrauchsmessung, Belüftung, Be-             in Ravensburg anvertrauten Immobilien                     oder Versicherern. Wir müssen im Ar-
schattung oder Lichtsteuerung gehe.              zu den „Gewinnern“ gehören, ist auch                      beitsalltag über 60 Gesetze berücksich-
                                                                                                           tigen.“ Vor allem aber sei die Hausver-
                                                                                                           waltung in einem digitalen Wandel
                                                                                                           begriffen, den der Verwalter aktiv voran-
                                                                                                           treiben könne. Die Kommunikation etwa
                                                                                                           erfolgt statt einmal jährlich zur Eigentü-
                                                                                                           merversammlung zunehmend stetig. Die
                                                                                                           H3 GmbH etwa stellt ihren Kunden be-
                                                                                                           reits alle wesentlichen Dokumente in ei-
                                                                                                           genen Internetportalen bereit. Sukzes-

                                                                                                           „Die Wertentwicklung der
                                                                                                            Immobilien ist zentrale Aufgabe
                                                                                                            der Hausverwaltung.“
                                                                            Foto: Photodesign Armin Buhl

                                                                                                           sive wird auch die Messausstattung
                                                                                                           digitalisiert, um Bewohnern fortlaufend
                                                                                                           und transparent Verbräuche zu liefern.
                                                                                                           Die Digitalisierung werde die Liegen-
                                                                                                           schaftsverwaltung „in eine neue Dimen-
                                                                                                           sion führen“, ist Verwalter Spinnenhirn
                                                                                                           überzeugt – etwa mit zentral gesteuer-
Werner Taubert (links) und Frank Valencic, Geschäftsführer des                                             ten Bildschirmen statt Pinnwänden in
Ulmer Ingenieurbüros Conplaning GmbH, setzen auf mehr Effizienz                                            den Hausfluren, per App gesteuerter
durch digitale Gebäudeautomation.                                                                          Bildsprechanlagen oder Sensoren, die au-
                                                                                                           tomatisch Füllstände von Heizöltanks
                                                                                                           oder Mülleimern melden.
Wobei laut Taubert die Ansprüche an die          der Ansporn von Geschäftsführer Ri-                       Und so wird im Immobilienmarkt an vie-
Ausstattung von Büroraum generell ge-            chard J. Spinnenhirn. Sein Unternehmen                    len Stellen ein Umbruch spürbar, der von
wachsen sind. Die Kühlung etwa, früher           verwaltet aktuell etwa 40 Liegenschaf-                    sich wandelnden Bedürfnissen der Nut-
oft ignoriert, werde zum zentralen               ten mit rund 650 Wohn- und Gewerbe-                       zer über innovative Planung bis hin zu
Thema: „Wir saßen selbst einmal in ei-           einheiten. „Die Wertentwicklung der                       digitalisierter Gebäudetechnik und Ver-
nem Büro, da war man im Hochsommer               Immobilien ist zentrale Aufgabe der                       waltung reicht. Ein langfristiger Wan-
mittags schon so weich gekocht, dass             Hausverwaltung“, ist Spinnenhirn über-                    del, der weit über das wirtschaftliche
kein vernünftiges Arbeiten mehr mög-             zeugt. Weshalb er stets proaktiv an                       Auf und Ab am Immobilienmarkt hin-
lich war.“                                       Instandhaltungsthemen rangehe, ob Fas-                    ausgeht.
Für den zweiten Conplaning-Geschäfts-            sadenanstrich oder energetische Kom-
führer Frank Valencic ist klar, dass die         plettsanierung.
technische Ausstattung eines Gebäudes            „Betonschäden etwa sind im Frühsta-
spätestens dann den entscheidenden Un-           dium mit überschaubarem Aufwand zu                        *Jürgen Baltes lebt und arbeitet als freier Journalist
terschied machen werde, wenn der Im-             beheben“, nennt Spinnenhirn ein Bei-                      in Überlingen.

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Titelthema Trends am Immobilienmarkt

B R E R A G M B H, M Ü N C H E N

Eine kurzfristige Alternative
Serviced Apartments sind ein relativ neues Angebot - möblierte Apartments, die für verschiedene
Zeiträume buchbar und mit alltäglichen Utensilien ausgestattet sind. Ursprünglich stammt das
Konzept aus den USA, wo vor allem Geschäftsreisende diese flexiblen Unterkünfte nutzen, um zum
jeweiligen Engagement eine möblierte Wohnung zu haben. Häufig suchen sich die Kunden während
der Zeit im Serviced Apartment eine längerfristige Lösung und begeben sich auf die Wohnungssuche –
was je nach Wohnungsmarkt nicht immer einfach ist. Die Brera GmbH aus München plant in Ulm
111 dieser Serviced Apartments im Dichterviertel nahe des Hauptbahnhofs. Wir haben darüber mit
dem Geschäftsführer Matteo Ghedini gesprochen.

Welche Personengruppe spricht Ihr
Angebot an?
Wir konzentrieren uns auf Geschäftsrei-
sende. Sei es der Gast, der zu einem län-
geren Projekt in eine Stadt kommt und
die Vorzüge eines Apartments nutzen
möchte oder der Gast, der in die Stadt ver-
setzt wird und gegebenenfalls sogar mit
Familie anreist, um einen neuen Lebens-
abschnitt zu beginnen. Wir sind oftmals
der Anfang dieses neuen Lebens, sodass
unsere Gäste in aller Ruhe ihren neuen
Standort kennenlernen können und Zeit
finden, um den geeigneten Wohnraum
bzw. eine Immobilie zu suchen. Eine
                                                                      Foto: Brera GmbH

kleine Anzahl unserer Gäste sind zum
Beispiel internationale Medizinreisende,
die Familienmitglieder in deutschen
Krankenhäusern therapieren lassen.
                                                                                         Matteo Ghedini, Geschäftsführer der Brera GmbH, die
                                                                                         in Ulm 111 sogenannte Serviced Apartments plant.
Welche Erfahrungen haben Sie in ande-
ren Städten gemacht?
Unsere drei Häuser in Frankfurt, Nürn-
berg und München sind sehr erfolgreich               Württemberg, sondern auch in Deutsch-                           die Sicherheit gegeben, dass wir mit dem
im Markt platziert. Der veränderte Be-               land. Unser Standort in Nürnberg hat                            Standort erfolgreich werden.
darf der Reisenden von heute wird mit                bewiesen, dass interessante „B-Standorte“
unseren Produkten bedient und das                    ebenso erfolgreich sein können wie die                          Wie wichtig ist der zentrale Standort
Feedback der Gäste zeigt, dass wir auf               begehrten A-Standorte. Nicht außer Acht                         in der Stadt?
dem richtigen Weg sind.                              lassen wir auch die Fertigstellung der                          Ein zentraler Standort ist für uns bei
Die durchschnittliche Auslastung unse-               Bahnstrecke Stuttgart-Ulm, von der wir                          der Projektauswahl entscheidend. Un-
rer Häuser beträgt 75 Prozent bei einem              zusätzliches Potenzial für unser Haus er-                       sere Gäste benötigen ein Umfeld, in dem
Aufenthalt von 28 Nächten im Durch-                  warten. Darüberhinaus betrachten wir die                        sie schnellen Zugang zu öffentlichen Ver-
schnitt.                                             Hochschullandschaft, die internationalen                        kehrsmitteln haben sowie eine gute
                                                     ansässigen Unternehmen und das stän-                            Infrastruktur wie Supermärkte und Res-
Warum haben Sie sich für Ulm ent-                    dige Wachstum in Ulm als große Chance.                          taurants vorfinden. Das neue Dichter-
schieden und welches Potenzial bzw.                  Als neue Produktform ist es für uns wich-                       viertel in Ulm hat uns nicht nur durch
welche Nachfrage sehen Sie für die                   tig, in einen Markt einzusteigen, von dem                       die großartige Quartiersentwicklung der
Stadt?                                               wir das Gefühl haben, dass unsere Kunden                        Familie Staiger überzeugt, sondern auch
Wir halten Ulm für eine sehr wichtige                und Gäste offen für Neues sind. Ulm hat                         durch die zentrale Lage.
Wirtschaftsregion, nicht nur in Baden-               uns gleich sehr offen empfangen und uns                                                   Interview: Simon Pflüger

Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee   01 2019                                                                                                                  17
Titelthema Trends am Immobilienmarkt

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Wenn der Wohnungsmarkt nennenswert entlastet werden soll, müssen Innenstädte
nachverdichtet und zusätzliche Flächen in den Außenbereichen ausgewiesen werden.

REGIONALE WOHNUNGSMÄRK TE

Wohnungsnot ist kein Privatproblem
Auf dem deutschen Wohnungsmarkt knirscht und knarzt es gewaltig: Wohnraum ist in vielen
regionalen Wohnungsmärkten zum knappen Gut geworden. Miet- und Kaufpreise klettern in
schwindelerregende Höhen. Der Druck auf die regionalen Wohnungsmärkte steigt. Politik und
Wohnungsmarktakteure müssen deshalb eng zusammenarbeiten.

Die regionalen Wohnungsmärkte sind              wanderung in Deutschland (rund 4,5          kennzeichnet sind. Gerade in wirt-
im Ungleichgewicht: Auf der einen Seite         Millionen Umzüge im Jahr 2016) zuneh-       schaftsstarken ländlichen Räumen mit
wächst die Nachfrage dynamisch (z. B. in        mend angespannt.                            dynamischen Arbeitsmarktentwicklun-
Ballungsräumen durch Zuzug von Fach-                                                        gen nimmt der Druck der Wohnraum-
kräften und Trends zu kleineren Haus-           Dreiteilung der regionalen                  versorgung deutlich zu – dazu gehört
halten), auf der anderen Seite entwickelt       Wohnungsmärkte                              auch die Region zwischen Alb und Bo-
sich das Angebot nur träge. Bundesweit          In Deutschland teilen sich die regionalen   densee. In diesen Regionen kommt dem
lässt sich für den Zeitraum 2011 bis 2015       Wohnungsmärkte auf in angespannte,          kurzfristigen Wohnungsneubau eine
eine Wohnungsbaulücke von 540.000               ausgeglichene und schrumpfende Woh-         entscheidende Rolle im Hinblick auf eine
Wohnungen beziffern. Die anhaltend po-          nungsmärkte. Angespannte Wohnungs-          ausreichende Versorgung mit Wohn-
sitive demografische Entwicklung in             märkte sind durch eine steigende Wohn-      raum zu. Ausgeglichene Wohnungs-
Deutschland (Wanderungssaldo von                raumnachfrage und anhaltend hohen           märkte dagegen weisen in der Regel eine
rund 900.000 Personen 2016 und 2017)            Zuzug geprägt: Sie sind nicht nur ein       eher stagnierende demografische Ent-
lässt die Schere zwischen Angebot und           Phänomen in großen Städten und Bal-         wicklung auf. Die große Herausforde-
Nachfrage aktuell weiter aufgehen. Die          lungsräumen. Auch in der Fläche gibt es     rung für diese Regionen ist es, das Ange-
Lage auf den regionalen Wohnungsmärk-           regionale Märkte, die von Engpässen         bot an Wohnungen bedarfsgerecht und
ten ist gerade auch durch die Binnen-           beim Angebot und steigenden Preisen ge-     zugleich strategisch so zu erweitern,

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dass langfristig der Werterhalt der Im-              auch gegeben, wenn abgestimmte Maß-
mobilien gesichert ist und keine Überka-             nahmen umgesetzt werden, mit denen
pazitäten aufgebaut werden. Anders                   die Bau- und Baunebenkosten gesenkt
sieht es dort aus, wo das wirtschaftliche            werden können. Dazu gehören etwa ge-
Wachstum gering ist und immer mehr                   ringere Gebühren und eine zeitgemäße
Menschen und insbesondere junge Er-                  Grundsteuer. Investoren und private Bau-
wachsene abwandern. In diesen Regio-                 herren brauchen langfristige Planungssi-
nen schrumpft der Wohnungsmarkt.                     cherheit. Kurzfristige Maßnahmen und
                                                     Programme, die auf wenige Jahre ange-
Pendleraufkommen nimmt zu                            legt sind, schaffen das nicht. So ist bei-
Die Ungleichgewichte in den Regionen                 spielsweise heute noch offen, wie sozia-
mit angespanntem Wohnungsmarkt                       ler Wohnraum nach 2020 gefördert wird.
führen zu immer höheren Kauf- und
Mietpreisen sowie zu steigenden Preisen              Kommunen sind gefordert
für Bauland. Diese Kosten werden schon               Einer der größten Hebel für den Woh-
jetzt häufig nicht mehr durch das Ein-               nungsneubau liegt bei den Kommunen.
kommen und die Kaufkraft der Haus-                   Sie sind für die Ausweisung, Aktivierung
halte gedeckt. In derart angespannten                und Bereitstellung von Bauland verant-
Wohnungsmärkten sind die Menschen                    wortlich und sie können oftmals schnel-
deshalb überproportional von einer stei-             ler aktiv werden als übergeordnete Stel-
genden Belastung durch Wohnkosten be-                len auf Landes- oder Bundesebene. Um
troffen. Insbesondere in Großstädten wie             das zu gewährleisten, braucht es mehr
Hamburg, München oder Berlin, in de-                 Personal in den Bauämtern und be-
nen der Markt besonders stark ange-                  schleunigte     Genehmigungsverfahren.
spannt ist, sind die Wohnungsmärkte                  Nicht nur in den Städten müssen poten-
kaum noch aufnahmefähig. Die Folge:                  zielle Flächen nachverdichtet werden.
Ausweichbewegungen ins weniger ange-                 Auch in den Außenbereichen müssen zu-
spannte Umland. Diese Ausweichbewe-                  sätzliche Wohnbauflächen ausgewiesen
gungen führen allerdings zu einer Ent-               werden, um das Angebot bedarfsorien-
koppelung von Wohnen und Arbeiten                    tiert zu erweitern. Dabei kommt es im-
und letztlich zu einem Anstieg des Pend-             mer stärker auch auf eine interkommu-
leraufkommens beziehungsweise größe-                 nale Zusammenarbeit an. In Verbindung
ren Pendlerdistanzen. Gerade Woh-                    mit der ÖPNV- und Verkehrspolitik sowie
nungssuchende von außerhalb, die als                 Versorgungseinrichtungen sollten güns-
neue Nachfrager an regionalen Woh-                   tigste und geeignete Standorte für die
nungsmärkten auftreten, müssen mit ei-               Erweiterung von Wohnraum ermittelt
nem erhöhten Suchaufwand rechnen.                    werden. Gegenüber einzeln agierenden
Wohnraum wird damit zu einem ent-                    Kommunen wird eine solche Teamarbeit
scheidenden Standortfaktor und gewinnt               einer stärkeren Zersiedlung im Außen-
für die Deckung des Fachkräftebedarfs                bereich entgegenwirken. Flächen kön-
der regionalen Wirtschaft an Bedeutung.              nen so optimal genutzt werden. Neben
                                                     Politikern, Verwaltungen und Woh-
Vorschriften entrümpeln,                             nungsbauwirtschaft müssen jedoch auch
Baukosten senken                                     Bürger und Grundstückseigentümer für
Die bundesweit bereits heute bestehende              Veränderungen offen sein. Spürbar ent-
Wohnungsbaulücke zeigt, wie dringend                 spannt werden können die engen Woh-
das Angebot an Wohnraum erweitert                    nungsmärkte nur, wenn sich Bauherren
werden muss. Bundes- und Landespoliti-               und Beteiligte auf den Neubau von Miet-
ker müssen beschlossene Konzepte und                 und Geschosswohnungen einigen. Vorbe-
Maßnahmen wie steuerliche Anreize                    halte gegen Neubauprojekte und dich-
oder befristete Sonderabschreibungen                 tere Bauformen auch vor der eigenen
zügig umsetzen und mutig erweitern.                  Haustür müssen überwunden werden.
Dringend nötig ist es auch, in Koopera-              Nur so können die Wohnungsmärkte
tion mit Bund und Ländern Bauvorschrif-              entlastet und die Angebote dem Bedarf
ten zu entrümpeln, an den aktuellen                  entsprechend erweitert werden.
Bedarf anzupassen und zu vereinheit-                            Quelle: Marion Neumann, Prognos AG,
lichen. Wichtige Anreize, neuen Wohn-                                 www.prognos.com/trendletter
raum durch Neubau zu schaffen, werden

Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee   01 2019                                                    19
Titelthema Trends am Immobilienmarkt

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Stefan Köhler, Erster Bürgermeister der Stadt Friedrichshafen.

                                                                 S TADT FRIEDRICHSHAFEN

                                                                 „Wir brauchen
                                                                 passgenaue
                                                                 Wohnraumkonzepte“
                                                                 Wie angespannt ist der Immobilienmarkt in Fried-
                                                                 richshafen? Welche Konzepte verfolgt die Stadt?
                                                                 Und was kann die Wohnungswirtschaft zur
                                                                 Entspannung der Situation beitragen? Darüber
                                                                 sprachen wir mit Stefan Köhler, Erster Bürgermeister
                                                                 der Stadt Friedrichshafen.

                                                                 Auch in Friedrichshafen herrscht ein Mangel an Bauflächen
                                                                 für Gewerbebetriebe und Wohngebäude. Wie geht die Stadt
                                                                 Friedrichshafen damit um?
                                                                 Die Stadt Friedrichshafen hat ein vom Gemeinderat Fried-
                                                                 richshafen einstimmig beschlossenes umfangreiches Maß-
                                                                 nahmenpaket geschnürt. Es beinhaltet Maßnahmen zur
                                                                 Aktivierung von potenziellem Bauland, zur verbilligten
                                                                 Grundstückabgabe unter einzuhaltenden Konditionen, zur
                                                                 Schaffung beziehungsweise Sicherstellung eines bestimm-
                                                                 ten Anteils bezahlbaren Wohnraums, zur Sicherstellung von
                                                                 Baukultur durch Verpflichtung auf durchzuführende Wett-

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Titelthema Trends am Immobilienmarkt

bewerbsverfahren und diverse Zuschussmöglichkeiten für                              Was kann die Wohnungswirtschaft dafür tun, um zur Ent-
Mieter und zur Wohneigentumsbildung – zum Beispiel Bau-                             spannung der Situation beizutragen?
kindergeld, Zuschüsse bei Sanierungen, zur Erzielung von                            Die Wohnungswirtschaft ist einer der zentralen Player. Sie
Barrierefreiheit oder bei energetischem Bauen. Näheres dazu                         steht vor der schwierigen Aufgabe, möglichst preisgünstig und
findet man in der Broschüre „Wohnen und Bauen in Fried-                             trotzdem qualitativ ansprechend zu bauen. Deshalb ist es wich-
richshafen“, die man gern unter s.koehler@friedrichshafen.de                        tig, passgenaue Wohnraumkonzepte für eine sich ändernde
direkt bei mir anfordern kann.                                                      Gesellschaft bereitzuhalten. Das bedeutet letztendlich, für je-
                                                                                    des Bauvorhaben zu sondieren, welche Nachfragebedürfnisse
Ist der Trend zur Re-Urbanisierung auch in Friedrichshafen                          an dem jeweiligen Standort vorliegen. Das setzt eine gute und
feststellbar?                                                                       kooperative Zusammenarbeit der Wohnungswirtschaft mit der
Der Trend zur Re-Urbanisierung ist dadurch festzustellen, dass                      Kommune voraus. Städtebauliche Wettbewerbe sind hier hilf-
insbesondere Neubauten im innerstädtischen Bereich direkt                           reich. Ich kann aus den Erfahrungen, die wir in Friedrichs-
vermarktet sind, sogar bevor mit dem Bau begonnen wurde.                            hafen gemacht haben, die Durchführung von Wettbewerbsver-
Viele Menschen wollen wieder kurze Wege zur Arbeit und den                          fahren nur empfehlen.               Interview: Bernhard Nattermann
verschiedenen für sie jeweils wichtigen Infrastrukturangebo-
ten, egal, ob es um Einkaufmöglichkeiten, Sport- oder Kultur-
angebote geht. Vor allem, wenn die Kinder aus dem Haus sind
und man sich verkleinern will, ist es wieder schick und prak-
tisch, innerhalb der Stadt zu leben. Aktuell können wir aber
noch nicht einmal den Bedarf an Wohnraum abdecken, der
sich allein aus dem Arbeitsplatzwachstum in unserem Stadtge-
biet der letzten zehn Jahre ergeben hat. Die Effekte der Re-Ur-
banisierung kommen zu der Zuwanderung von außen da noch
oben drauf.

Im Bodenseeraum wird immer wieder die Einführung einer
Fehlbelegungsabgabe in den Kommunen diskutiert, damit
Wohnungssuchende schneller und günstiger an Wohnraum
kommen. Was halten Sie davon?
Wenn das gesetzliche Instrumentarium und vor allem die
rechtlichen Rahmenbedingungen geändert werden, könnte so
etwas in Betracht kommen. Bei der derzeitigen Lage gäbe das
eine dreistellige Zahl an Prozessen mit einem Ergebnis an akti-
vierten Wohnungen, welches allenfalls einstellig wäre. Von da-
her ist das für mich kein Thema, das es Wert ist, verfolgt zu
werden.
                                                      Foto: KeybOrgel/Fotolia.com

    Friedrichshafen: Begehrter Standort am See,
    aber mit knappem Immobilienangebot.

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Titelthema Trends am Immobilienmarkt

     In Kürze

     Immobilien 2019                                     Immobilien 2019, Haufe Verlag 2018,         schaft geworden. Sie beeinflusst die ökono-
     Der Kompass bietet für das Jahr 2019 über-          56 Seiten, 5,95 Euro, ISBN 978-3-648-       mischen und gesellschaftlichen Entwick-
     sichtliche Tabellen, Daten, Tipps und Infor-        12494-9, lieferbar voraussichtlich ab       lungen des Landes so stark wie seit der
     mationen, aktuelle Zahlen, wichtige Fristen         14. Februar 2019                            Nachkriegszeit nicht mehr. Mit einer Samm-
     und Adressen, die für Haus- oder Woh-                                                           lung von Studien, Aufsätzen, Analysen, Un-
                                                         Immobilien-Almanach 0I                      tersuchungen, Umfragen und Fachbeiträgen
     nungseigentümer, Makler oder Berater in
     der Immobilienbranche wichtig sind.                 Die Immobilienbranche ist in wenigen Jah-   aus verschiedenen Bereichen der Immobili-
                                                         ren zu einem Motor der deutschen Wirt-      enwirtschaft bietet der Immobilien-Alma-
                                                                                                     nach einen Überblick über diese starke, dy-
                                                                                                     namische Branche.
                                                                                                     Astrid Grabener (HG.): Immobilien Alma-
                                                                                                     nach 0I, Grabener Verlag 2018, 182 Seiten,
                                                                                                     22,50 Euro, ISBN 978-3-925573-804

                                                                                                     Ihre Ansprechpartner bei der IHK
                                                                                                     Fragen zur Immobilienbranche und zum re-
                                                                                                     gionalen Immobilienmarkt? Das sind Ihre
                                                                                                     Ansprechpartner:
                                                                Foto: Grabener Verlag

                                                                                                     IHK Bodensee-Oberschwaben,
                                    Foto: Haufe Verlag

                                                                                                     Bernhard Nattermann, Tel. 0751 / 409-171,
                                                                                                     nattermann@weingarten.ihk.de

                                                                                                     IHK Ulm, Simon Pflüger, Tel. 0731 / 173-230,
                                                                                                     pflueger@ulm.ihk.de

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