NACHHALTIGKEIT IN WERT GESETZT - MOSTVIERTLER NACHHALTIGKEITSKONFERENZ 2/2013 - Club Niederösterreich
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NACHHALTIGKEIT IN WERT GESETZT
6. MOSTVIERTLER NACHHALTIGKEITSKONFERENZ
2/2013
Österreichische Post AG/Sponsoring.Post | Verlagspostamt 3100 St. Pölten | ZNR 06Z037012 SInteressengemeinschaft ländlicher Raum
8 Editorial: Nachhaltigkeit in Wert gesetzt
Theres Friewald-Hofbauer, Christoph Madl, MAS, Mag. Andreas Purt
10 Investitionen für und in die Regionen
Dr. Erwin Pröll
14 Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit
Michaela Hinterholzer
18 Über Stadt, Land und Leute
ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Martin Heintel
22 Von der Besinnung auf das menschliche Mass
Susanna Vötter-Dankl, Christian Vötter
32 Der Zukunft auf der Spur
Mag. Erich Czerny
38 Nachhaltige Impulse für die gesamte Region
Herlinde Moosbrugger
44 Go Green in und nach Werfenweng
Dr. Peter Brandauer
48 Seelentium – Gratwanderung am Moor
Wolfgang Reindl
54 Landlust: Tourismus der anderen Art
Mag.a Helga Bauer
58 Wie aus Altem Neues entstehen kann
Anya Niewierra
Nachhaltigkeit in Wert gesetztInteressengemeinschaft ländlicher Raum
Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Anzeigen und Verwaltung:
Club Niederösterreich Beate Schrank
Club Niederösterreich
Redaktion: Domgasse 4/2/16, 3100 St. Pölten
Andrea Daxböck, Theres Friewald-Hofbau- Telefon: 02742/28559
er, Doris Hofbauer
Das Abonnement gilt für ein
Satz: Doris Hofbauer weiteres Kalenderjahr als erneuert,
falls den Club bis jeweils
Domgasse 4/2/16, 3100 St. Pölten 30. November keine schriftliche
Telefon: 02742/28559 Kündigung erreicht.
info@clubnoe.at; www.clubnoe.at
Titelbild: weinfranz.at
Hersteller:
gugler GmbH
Auf der Schön 2
3390 Melk an der Donau
Preis:
Einzelnummer 4,90 Euro
inklusive 10 % Umsatzsteuer
Doppelnummer 9,00 Euro
inklusive 10 % Umsatzsteuer
Jahresabonnement 18,00 Euro
inklusive 10 % Umsatzsteuer
Die Schriftenreihe erscheint
sechsmal jährlich.
Bankverbindung:
Raiffeisenlandesbank
Niederösterreich-Wien
Friedrich Wilhelm Raiffeisen-Platz 1
1020 Wien
Kontonummer 64097, Bankleitzahl 32000Interessengemeinschaft ländlicher Raum Präsident: Geschäftsführerin: Erwin Pröll Theres Friewald-Hofbauer VizepräsidentInnen: Erwin Hameseder Josef Plank Hermann Schultes Hubert Schultes Sonja Zwazl Vorstandsmitglieder: Alfred Berger Erich Erber Franz Fehringer Martin Gerzabek Rudolf Gruber Walter Handler Peter Harold Martin Hauer Herbert Koch Bernhard Lackner Johann Marihart Fritz Neugebauer Günther Ofner Franz Raab Josef Schmid Harald Servus Wolfgang Sobotka Gerald Steger Klaudia Tanner Hilde Umdasch Manfried Welan Franz Wiedersich Reinhard Wolf Werner Zita
4
Bisherige Ausgaben der Schriftenreihe
Nr. 1/1981 Die Land- und Forstwirtschaft Nr. 1/1985 Sanfter Tourismus und Regio
im Spannungsfeld der örtlichen nalpolitik
Raumplanung Nr. 2/1985 Zukunft der Arbeit – Welche
Nr. 2/1981 Medienzukunft Arbeit hat Zukunft?
Nr. 3/4/1981 Produktionsalternativen für die Nr. 3/4/1985 Bauen und Lebensqualität
Land- und Forstwirtschaft in Nr. 5/1985 Dorferneuerung und Lebens
Niederösterreich qualität
Nr. 1/1982 Wachstums- und Strukturpro Nr. 6/1985 Neue Medien in Österreich –
bleme der Industrie – Kon Rotlicht für privates Fern
sequenzen für die nieder sehen?
österreichische Wirtschaft Nr. 7/1985 Weg von Rollenklischees –
Nr. 2/1982 Biosprit Männer und Frauen in den
Nr. 3/1982 Die japanische Heraus achtziger Jahren
forderung Nr. 1/1986 Neue Industrie – Chance oder
Nr. 4/5/1982 Arbeitsplatzsicherung durch Gefahr?
den niederösterreichischen Nr. 2/1986 Kommunikation und Emotion
Landeshaushalt – Public Relations jenseits von
Nr. 6/1982 Strategien gegen die wirt Daten und Fakten
schaftliche Zweiteilung Öster Nr. 3/1986 Die Zukunft der Industrie
reichs Nr. 4/5/1986 Was blieb von Prinz Eugen?
Nr. 1/1983 Die Einkommenssituation der Nr. 6/1986 Krisengebiete und Medien
österreichischen Weinbauern Nr. 7/1986 Jugend und Dorferneuerung
Nr. 2/3/1983 Wirtschaft und Umwelt – Ver- Nr. 1/1987 Kultur im Dorf
such einer Versöhnung Nr. 2/1987 Dorf – Landschaft – Umwelt
Nr. 4/1983 Beschäftigungseffekte durch Nr. 3/1987 Wasser für morgen
Dorferneuerung Nr. 4/1987 Public Relations –
Nr. 5/1983 Arbeitsplätze durch Klein- und Strategien für den Krisenfall
Mittelbetriebe Nr. 5/1987 Wirtschaft und Umwelt
Nr. 6/1983 Public Relations als Unter Nr. 6/1987 Biomasse
nehmensaufgabe Nr. 1/1988 Wege zur Umweltsicherung
Nr. 1/2/1984 Innovation als Motor des in Europa
Strukturwandels Nr. 2/1988 Wirtschaftspolitik in den
Nr. 3/1984 Österreich im Spannungsfeld neunziger Jahren
der Weltpolitik Nr. 3/1988 Innovationsorientierte agrari-
Nr. 4/5/1984 Bauen im ländlichen Raum sche Regionalpolitik
Nr. 6/1984 Natürliche Psychohygiene des Nr. 4/1988 Die ethische Dimension zeit
Wohnens gemäßer Öffentlichkeitsarbeit
Nr. 7/1984 Public Relations – der Weg aus Nr. 5/1988 Dorferneuerung und
der Isolation Architektur5
Nr. 6/1988 Unternehmenskultur als neue Nr. 2/1993 Kultur und Identität
Kommunikationsstrategie Nr. 3/1993 Abwasserreinigung im ländlichen
Nr. 1/1989 Ost-West-Drift in Österreich Raum – geklärte Verhältnisse?
Nr. 2/1989 Umbruch in der Nr. 4/1993 Abwasserklärung, aber wie?
Landwirtschaft – Chance für Nr. 5/6/1993 Dorferneuerungswegweiser
die Kulturlandschaft? Weinviertel
Nr. 3/1989 Österreich und Europa Nr. 7/8/1993 AufhOHRchen – Volksmusik
Nr. 4/5/1989 Dorferneuerung in Niederösterreich
gestern – heute – morgen Nr. 1/2/1994 Die Türme von Znaim –
Nr. 6/1989 EG-Integration und Bauern Skizzen aus dem Weinviertler
Nr. 7/1989 Flaggschiff Österreich Grenzland
Nr. 1/1990 Ökosoziale Marktwirtschaft Nr. 3/1994 Solar-Visionen
Nr. 2/1990 Die europäische Integration – Nr. 4/5/1994 Vom Morgen im Heute:
Perspektiven für Österreich Dorferneuerung Kautzen
Nr. 3/4/1990 Handeln im lebendigen Kreis Nr. 6/7/1994 Zukunft der Stadt – Stadt
lauf der Natur der Zukunft
Nr. 5/1990 Landwirtschaft und Umwelt Nr. 8/1994 Kultur – Heimat – Werte
Nr. 6/1990 Österreichs Wirtschaft Nr. 9/1994 Unser Greissler. Unser
zwischen Ost und West Wirtshaus.
Nr. 7/8/1990 Das betreute Dorf Nr. 1/2/1995 Wieder AufhOHRchen –
Nr. 1/1991 Bohunice & Dukovany – Volksmusik zwischen
Gefahren und Alternativen Tradition und Moderne
Nr. 2/1991 Niederösterreich als EG- Nr. 3/1995 Regionalpolitik der Zukunft:
Region – Wirtschaftsförderung Das Waldviertel-Management
in Niederösterreich und EG- Nr. 4/1995 Wege zur Umweltsicherung
Bestimmungen in Europa
Nr. 3/4/1991 Dorferneuerungswegweiser Nr. 5/1995 Stadterneuerung für eine
Waldviertel menschengerechte Urbanität
Nr. 5/1991 Saubere Luft – ein Nr. 6/1995 Dörfer in Niederösterreich –
knappes Gut vielgestaltig und wandelbar
Nr. 6/1991 Dorferneuerung international Nr. 7/1995 Bio-Energie
Nr. 7/1991 Ökosoziale Energiepolitik Nr. 1/1996 aufhOHRchen – Grenzgänge
Nr. 1/1992 Dorferneuerungswegweiser mit Volksmusik
Mostviertel Nr. 2/1996 Stadt und Dorf – Theorie und
Nr. 2/1992 Spannungsfeld Balkan Praxis einer Erneuerung
Nr. 3/1992 Niederösterreichisch – Nr. 3/4/1996 Datenhighway – und
österreichisch – europäisch Niederösterreich?
Nr. 4/1992 Die Erneuerung der Nr. 5/1996 Zankapfel Erdapfel –
veruntreuten Landschaft Gentechnik im Pflanzenbau
Nr. 5/1992 Blau-gelbe Kultur-Akzente Nr. 6/1996 Biologischer Landbau in
Nr. 6/7/1992 Dorferneuerungswegweiser Österreich
Industrieviertel Nr. 7/1996 Landentwicklung in
Nr. 1/1993 Stadterneuerung Niederösterreich6
Nr. 1/1997 Multifunktionale Agrarpolitik Nr. 6/2000 Integrierte Ländliche
Nr. 2/1997 Zukunft der Arbeit – welche Entwicklung
Arbeit hat Zukunft? Nr. 7/2000 Energienachfrage und
Nr. 3/1997 Mostviertel-Strategien Bio-energie
Nr. 4/1997 szene bunte wähne – Theaterkul- Nr. 1/2001 Biomassenutzung in
tur für Kinder und Jugendliche Niederösterreich
Nr. 5/1997 Dorf- und Stadterneuerung – Nr. 2/2001 Dorfentwicklung als
Signale in blau-gelb europäische Herausforderung
Nr. 6/1997 aufhOHRchen und wieder Nr. 3/2001 EU-Erweiterung – Voraus
aufhOHRchen setzungen und Perspektiven
Nr. 1/2/1998 Biomasse – Energiequelle Nr. 4/2001 Wirtschaftsstandort
mit Zukunft Niederösterreich
Nr. 3/1998 Innovative Wirtschaft in Nr. 5/2001 Sicherheit der
Niederösterreich Energieversorgung
Nr. 4/5/1998 Modern Bauen – zeitgemäß Nr. 6/2001 Österreichs Zukunft nachhaltig
Wohnen gestalten
Nr. 6/1998 Österreichs Landwirtschaft Nr. 1/2002 Arbeitsplatz Niederösterreich
als Modell für Europa Nr. 2/2002 Regionen im Wandel
Nr. 7/1998 Vom Umbruch zum Nr. 3/2002 Zukunftschance Bioenergie
Aufbruch – Die Erweiterung Nr. 4/2002 Niederösterreich –
der Europäischen Union wasserreich?
Nr. 8/1998 Innovative Wirtschaft in Nr. 5/2002 Wärme aus Energiegetreide
Niederösterreich II Nr. 6/2002 Globalisierung: wie weiter?
Nr. 1/1999 Fitness-Programm für das Nr. 1/2003 Landwirtschaft auf neuen
Weinviertel WeGEN?
Nr. 2/1999 Fitness-Programm für das Nr. 2/2003 Aufbruch zu einer neuen
Waldviertel Weltordnung
Nr. 3/1999 Erneuerbare Energie I Nr. 3/2003 Die Europäische Union
Nr. 4/1999 Erneuerbare Energie II erweitert ihre Chancen
Nr. 5/1999 Kooperationen zwischen Nr. 4/5/2003 Erneuerbare Energien – Best
Niederösterreich und Practice
Tschechien Nr. 6/2003 Frau sein im ländlichen Raum
Nr. 6/1999 Landentwicklung durch Nr. 7/2003 Wirtschaften in der Region
Dorf- und Stadterneuerung Nr. 1/2/2004 DorfZukunft
Nr. 1/2000 Kooperationen zwischen Nr. 3/4/2004 Keep on running, keep on
Niederösterreich und der helping – 21 Jahre Benefiz-
Slowakei fußballmannschaft
Nr. 2/3/2000 Grünes Licht für Bioenergie Nr. 5/2004 Globalisierung bedingt
Nr. 4/2000 Tradition – Funktion –Vision: Regionalisierung
Bauen und Wohnen in Nr. 6/7/2004 Top-News aus der
ländlichen Kleinstädten Biomasseszene
Nr. 5/2000 Verdorft die Welt, Nr. 8/9/2004 Energieversorgung am
sie braucht es! Wendepunkt7
Nr. 10/2004 Innovation – Triebfeder der Nr. 6/2008 Nachhaltigkeit als Chance für
Wirtschaft den Tourismus
Nr. 1/2/2005 Beschäftigungseffekte durch Nr. 1/2009 Ökosoziale Marktwirtschaft als
Biomassenutzung Zukunftsstrategie
Nr. 3/2005 Landwirtschaft und Nr. 2/3/2009 Holzbiomasse – Potenziale und
Naturschutz Märkte
Nr. 4/2005 Globalisierung – eine Nr. 4/5/2009 Biogener Abfall – ein
wirtschaftliche, soziale und heimischer Energieträger Teil 1
ökologische Herausforderung Nr. 6/2009 Biogener Abfall – ein
Nr. 5/6/2005 Ländlicher Raum 2005. heimischer Energieträger Teil 2
Gewandelte Realitäten – neue Nr. 7/2009 Regionalpolitik
Herausforderungen Nr. 8/2009 Energiesicherheit?
Nr. 7/2005 WTO und Landwirtschaft Nr. 1/2010 Elektromobilität Teil I
Nr. 8/9/2005 Missgünstige Nachbarn Nr. 2/2010 Elektromobilität Teil II
Nr. 1/2006 Heizen mit Energiekorn Nr. 3/2010 Dorferneuerung mit neuer
Nr. 2/3/2006 Nachdenkbuch von Energie
Österreichern für Jörg Mauthe Nr. 4/2010 In Zukunft e-mobil? Teil I
Nr. 4/5/2006 Leader-Ship Nr. 5/6/2010 Erneuerbare Energien – High-
Nr. 6/2006 Chancen der Direkt- lights in Österreich
vermarktung Nr. 7/2010 In Zukunft e-mobil? Teil II
Nr. 7/2006 Biomasse – Energie der Nr. 1/2/2011 Impulse für das Land – 30
Zukunft Jahre Club Niederösterreich
Nr. 8/2006 Energieversorgung am Nr. 3/2011 Biolandbau - quo vadis?
Wendepunkt – die Nr. 4/2011 Holz ist Klimaschutz
vermeintlichen Alternativen Nr. 5/2011 Die Energie-Zukunft hat be-
Kohle und Kernenergie gonnen
Nr. 1/2007 Klimawandel & Winter- Nr. 6/2011 Neue Wege in der europäi-
tourismus schen Dorferneuerung
Nr. 2/3/2007 Multitalent Biogas Nr. 7/2011 Wege aus der Finanzkrise
Nr. 4/5/2007 Multitalent Biogas II Nr. 1/2012 Ernst Scheiber: Standpunkte
Nr. 6/7/2007 Globalisierung – für und nicht Nr. 2/2012 Nachdenken über Europa
gegen die Menschen Nr. 3/2012 Nachhaltigkeit – Aspekte und
Nr. 8/2007 Nahrung und Energie aus der Projekte
Land- und Forstwirtschaft Nr. 4/2012 Land an der Grenze
Nr. 9/10/2007 Zukunft der weltweiten Nr. 5/2012 Baustelle Gemeinde
Erdölversorgung Nr. 6/2012 Barrierefreie Lebensräume
Nr. 1/2008 Netzwerken als Erfolgsformel Nr. 1/2013 Geht uns bald das Licht aus?
Nr. 2/2008 Mikroalgen – ein Energieträger
der Zukunft?
Nr. 3/2008 Energiepolitik 2020
Nr. 4/2008 Energiewende.
Nr. 5/2008 Der ländliche Raum im
Zeitalter der Globalisierung8 Theres Friewald-Hofbauer; Christoph Madl, Andreas Purt
Theres Friewald-Hofbauer, Christoph Madl, Andreas Purt
Nachhaltigkeit in Wert gesetzt
Großartige Landschaften, interessante kul- Wolfgang Reindl begleitete durch die Wohl-
turelle Eigenheiten und Besonderheiten fühlregion Seelentium im Dreiländereck
– damit punkten viele Tourismusregionen Oberösterreich-Bayern-Salzburg, die 2010
in Europa. Wie gelingt es, diese regionalen den EDEN-Award und mit ihm neue Im-
Schätze ökonomisch erfolgreich und den- pulse gewann. Helga Bauer erzählte die Er-
noch nachhaltig in Szene und nicht zuletzt folgsgeschichte der „Landlust“-Häuschen
auch in Wert zu setzen? Das war eine der im steirischen Thermenland. Wie das nieder-
zentralen Fragen, denen sich Regionalent- ländliche Südlimburg, vor zehn Jahren eine
wicklerInnen, PolitikerInnen, Touristiker- unattraktive Bergbauregion, neue Zukunfts-
Innen und WissenschafterInnen bei der perspektiven fand, berichtete Anya Niewier-
6. Mostviertler Nachhaltigkeitskonferenz ra vom regionalen Tourismusverband.
im September 2013 im Pielachtal aus ganz
unterschiedlichen Perspektiven und mit äu- Herlinde Moosbrugger von Bregenzerwald
ßerst vielfältigen Best-Practice-Beispielen Tourismus schilderte eine Region, in der die
widmeten. nachhaltige Förderung des Tourismus in den
Statuten verankert ist. Gesunde Angebote
Am Anfang standen, nach der Eröffnung für Allergiker und Asthmatiker ließen die
durch die Vorsitzende des Mostviertel Tou- Nächtigungen in der Wasserfall-Gemeinde
rismus Michaela Hinterholzer, die Lehren Krimml seit 2008 um 45 Prozent wachsen,
des Salzburger Nationalökonoms Leopold wie Bürgermeister Erich Czerny zu berich-
Kohr und seine Forderung nach einer Rück- ten wusste. Über die umfangreichen Maß-
kehr zum menschlichen Maß, die von Su- nahmen zur umweltfreundlichen Mobilität
sanna Vötter-Dankl und Christian Vötter in Werfenweng informierte Bürgermeister
vom Verein Tauriska/Leopold Kohr-Aka- Peter Brandauer. Vor gut zwei Jahren wurde
demie präsentiert wurden. Sie stellten dar- die E-Mobilität in der Region Römerland-
über hinaus auch ein in den Hohen Tauern Carnuntum ausgebaut. Über Erfahrungen
umgesetztes Projekt vor, das den Wieder- und Erfolge berichtete Bernhard Fischer,
anbau von Obst und auf Grund der kultur- LEADER-Management und Regionskoordi-
landschaftlichen Bereicherung auch den nator der Landesausstellung 2011.
Tourismus förderte. Martin Heintel von der
Universität Wien, Institut für Geografie und Die Arbeitsplatzsituation im Tourismus be-
Regionalforschung, unterstrich, dass Ge- leuchteten Michaela Reitterer, Präsidentin
staltungsverantwortung in der Regionalent- der Österreichischen Hoteliervereinigung,
wicklung etliche Risiken beinhalte, weshalb Barbara Gartner vom Kürbishof Gartner
den handelnden Personen große Bedeutung im Steirischen Thermen- und Vulkanland,
zukomme. Alfred Spiegl, niederösterreichischer Lan-Editorial: Nachhaltigkeit in Wert gesetzt 9
Bei der 6. Mostviertler Nachhaltigkeitskonferenz (v. l. n. r.): Andreas Purt (Mostviertel Tourismus),
LH Erwin Pröll, Theres Friewald-Hofbauer (Club Niederösterreich), Christoph Madl (Niederöster-
reich-Werbung) und Gastgeber Dipl.-Ing. Johann Weiss. Foto: Markus Haslinger/Mostviertel Tourismus
desgeschäftsführer der Dienstleistungsge- ven Effekten für Tourismus, Wertschöpfung
werkschaft vida sowie Franz-Josef Pirktl und Arbeitsmarkt.
vom Alpenresort Schwarz in Mieming/Tirol
– 2011 mit dem Staatspreis für Tourismus Mit dieser Ausgabe der Schriftenreihe wol-
für innovative Mitarbeiterführung und -ent- len wir Ihnen die Möglichkeit einräumen
wicklung ausgezeichnet. nachzulesen, was bei der 6. Mostviertler
Nachhaltigkeitskonferenz Thema war. Ganz
In seinem Referat betonte Club Niederös- nach dem Motto „Verba volant, scripta ma-
terreich-Präsident Landeshauptmann Erwin nent“ – das gesprochene Wort ist flüchtig, das
Pröll, dass Nachhaltigkeit heute wichtiger geschriebene Wort bleibt. Nachhaltig eben.
denn je sei, auch wenn sich viele daran
schon satt gehört hätten. Deshalb und weil
die Einschätzung dessen, was tatsächlich Theres Friewald-Hofbauer, Geschäftsfüh-
nachhaltig ist, oft sehr widersprüchlich sei, rerin des Club Niederösterreich, St. Pölten
verlange es Mut, sich ihrer anzunehmen. Als
eine große Chance für die nachhaltige Stär- Prof. Christoph Madl, MAS, Geschäftsfüh-
kung einer Region nannte er die Impulse, die rer der Niederösterreich-Werbung GmbH,
eine NÖ Landesausstellung auszulösen ver- St. Pölten
mag. Die Ausstellung 2015 in Laubenbach-
mühle, Neubruck und Wienerbruck werde Mag. Andreas Purt, Geschäftsführer der
der Region einen Schub geben – mit positi- Mostviertel Tourismus GmbH, Wieselburg10 Erwin Pröll
Erwin Pröll
Investitionen für und in die Regionen
Nachhaltige Impulse am Beispiel der NÖ Landesausstellungen
Es kommt nicht von ungefähr, dass der haltiges Handeln unverändert wichtig ist und
Club Niederösterreich wie bereits in den deshalb hohe Priorität haben muss.
vergangenen Jahren gemeinsam mit dem
Mostviertel Tourismus und der Niederöster- NACHHALTIGKEIT: IN ALLER MUNDE,
reich Werbung eine Konferenz zum Thema ABER NICHT IN JEDEM KOPF
„Tourismus und Nachhaltigkeit“ veranstaltet
hat. Und es kommt auch nicht von ungefähr, Zwanzig Jahre nach der „Entdeckung“ der
dass die Konferenz traditionell im Pielachtal Nachhaltigkeit sind die CO2-Emissionen
und damit in einer Region beheimatet ist, die nämlich weiterhin im Steigen, werden die
geradezu ein Musterbeispiel für nachhalti- Roten Listen immer noch länger und wird
gen ländlichen Tourismus darstellt, wofür die soziale Dimension der Nachhaltigkeit
sie unter anderem von der Europäischen nach wie vor bestenfalls als eine Art Rand-
Union mit dem EDEN-Award ausgezeichnet notiz wahrgenommen. Zwei Jahrzehnte der
worden ist. intensiven, scheinbar in allen Lebensberei-
chen und Wirtschaftsbranchen angestrebten
Hier ist es unter anderem gelungen, mit der Nachhaltigkeit, in denen Zigtausende von
„Wiederentdeckung“ des Dirndlbaumes eine Nachhaltigkeitsberichten verfasst wurden,
Marke zu entwickeln, aus der dank der Kre- haben die Welt dennoch in kein Paradies
ativität zahlreicher PielachtalerInnen eine verwandelt und aus Österreich keine Insel
Reihe von Markenprodukten wie Dirndlsaft, der Seligen gemacht.
Dirndlschokolade, Dirndlmarmelade und vie-
les mehr hervorgegangen sind. Wir leben in einer Ellenbogengesellschaft,
der es häufig an sozialer Wärme und Gerech-
Im Dirndltal wie auch in zahlreichen ande- tigkeit fehlt. Und letztlich müssen wir zur
ren Regionen wird Nachhaltigkeit in Wert Kenntnis nehmen, dass die großen, häufig
gesetzt und damit etwas initiiert, was heute globalen Probleme, mit denen wir uns kon-
wichtiger denn je ist. Wir haben nicht zu- frontiert sehen, der „gerechte Lohn“ für ein
letzt aufgrund der nahezu schon inflationä- wirtschaftliches Handeln sind, das von Profit-
ren Verwendung des Wortes Nachhaltigkeit gier und Gewinnmaximierung geprägt ist und
nämlich einen Punkt erreicht, an dem viele in dem menschliche Maßstäbe und Bedürf-
Menschen der Nachhaltigkeit überdrüssig nisse nicht selten hinten angestellt werden.
geworden sind. Die Tatsache, dass man sich Wir treiben Raubbau an unseren natürlichen
vom Begriff selbst gewissermaßen satt ge- Ressourcen – und das, obwohl wir längst
hört hat, ändert aber nichts daran, dass nach- wissen sollten, dass uns auf diese Weise inInvestitionen für und in die Regionen
absehbarer Zeit im wahrsten Sinne des Wor- Akteurinnen und Akteuren, die für die ent-
tes die Energie und damit das Licht ausge- sprechenden Rahmenbedingungen Sorge zu
hen könnten, der Boden gleichsam unter den tragen haben, auch innovative Unternehme-
Füßen weggezogen wird und über kurz oder rinnen und Unternehmer, für die Ethik und
lang auch die letzten Öl- und Wasserquellen Gewissen nicht bloß werbetaugliche Schlag-
versiegen werden. Dass Unruhen, Terror und worte, sondern gelebte Firmenphilosophie
kriegerische Auseinandersetzungen häufig darstellen. Und gefordert ist freilich auch
Stellvertreterkriege für den Kampf um die eine Zivilgesellschaft, die Nachhaltigkeit
knapper werdenden Ressourcen darstellen, lebt und diese von der Politik wie auch von
bedarf keiner näheren Erläuterung. der Wirtschaft einmahnt.
WELT IN BALANCE Auch wenn die gegenwärtige Situation alles
andere als zufriedenstellend ist, wäre es ein
Es muss uns daher besser heute als morgen fataler Fehler, in Resignation und Stagnati-
gelingen, die Welt in Balance zu bringen. on zu verfallen. Unzufriedenheit muss nicht
Um diesem Ziel näher zu kommen, braucht zwangsweise in negativer Stimmung mün-
es eine leistungsfähige Wirtschaft, braucht den, sie kann vielmehr auch der Motor für
es aber nicht minder soziale Fairness und Veränderungen und Verbesserungen sein.
braucht es umweltbewusstes Handeln. Ge- Dies lehrt uns das Studium der Geschichts-
fordert sind dabei neben den politischen bücher genauso wie ein Blick auf die zahl-
Mit der Profilierung von Markenprodukten, die vom Dirndlbaum gewonnen werden, ist es im
Mostviertler Dirndltal gelungen, Nachhaltigkeit in Wert zu setzen. Regionen, denen Derartiges ge-
lingt, sind von enormer Bedeutung für die ländlichen Räume, ist Pröll überzeugt. Foto: weinfranz.at12 Erwin Pröll
Die NÖ Landesausstellung wird 2015 im Ötscherland Station machen. Für die Region bedeutet
dies neben zahlreichen Gästen während der Ausstellung auch eine Reihe nachhaltiger Investiti-
onen wie etwa neue Zuggarnituren für die Mariazellerbahn. Foto: Marktgemeinde Frankenfels
reichen Regionen, denen es dank Mut und rausragende Ausstellung alternierend in den
Engagement gelungen ist und gelingt, die vier Vierteln des Landes organisiert. Abge-
Zukunft proaktiv in die Hand zu nehmen, ein sehen davon, dass so bisher rund zehn Mil-
unverwechselbares Profil zu entwickeln und lionen Besucherinnen und Besucher in den
nachhaltig positive Perspektiven zu schaf- verschiedensten Regionen Niederösterreichs
fen. Der größte Rohstoff und Reichtum die- zu Gast gewesen sind, ist die Landesausstel-
ser Erde sind nämlich die Ideen in den Köp- lung stets auch mit nachhaltigen wirtschaft-
fen ihrer Bewohnerinnen und Bewohner. Sie lichen, kulturellen und wissenschaftlichen
sind es auch, die für Wohlstand und Wohlbe- Impulsen für die Region gepaart.
finden am meisten verantwortlich sind.
Die Niederösterreichische Landesausstel-
BEISPIEL NÖ LANDESAUSSTELLUNG lung 2015 wird im Mostviertel, genauer ge-
sagt in Laubenbachmühle (Gemeinde Fran-
Ich möchte dies anhand eines Beispiels für kenfels), in Neubruck (Gemeinden Scheibbs
eine dieser zündenden Ideen erläutern, näm- und St. Anton/Jeßnitz) und in Wienerbruck
lich an jenem der Niederösterreichischen (Gemeinde Annaberg), Station machen und
Landesausstellungen, die zweifelsohne eine eine Wiederentdeckung der Alpen anstre-
Erfolgsgeschichte darstellen. Seit mehr als ben. Mit diesen drei Standorten wird es
50 Jahren wird im Zwei-Jahres-Rhythmus gelingen, die gesamte Voralpenregion rund
diese in ihrer inhaltlichen Qualität stets he- um den Ötscher mit der Mariazellerbahn alsInvestitionen für und in die Regionen
verbindende Linie deutlich zu stärken. Das gung und Erfahrung her, dass die Investiti-
Besondere wird auch sein, dass regionalpo- onen nicht nur für die Zeit der Ausstellung,
litisch ein breiter Ansatz möglich sein wird, sondern auch für die Jahre und Jahrzehnte
zumal neben dem Ötscherland auch das Ma- danach wichtige Impulse für den Touris-
riazellerland sowie die Regionen Pielachtal mus – nach 2015 wird dies insbesondere
und Erlauftal einbezogen werden und profi- der Bergtourismus sein – bringen, den Be-
tieren können. kanntheitsgrad der jeweiligen Region enorm
steigern, neue Wertschöpfung für die ortsan-
Dass diese drei Destinationen nicht nur eine sässigen Betriebe bedeuten und damit auch
der schönsten Kulturlandschaften der Ostal- positive Auswirkungen auf die Arbeitsplatz-
pen bilden und den Gästen das Eintauchen situation haben.
in ein einzigartiges Natur- und Kulturerleb-
nis zu bieten vermögen, wird noch ergänzt Landesausstellungen sind stets Schlüssel-
durch die Tatsache, dass genau diese Regio- projekte, die auf breiter Ebene mit zahl-
nen auch als Musterbeispiele für einen sanf- reichen Partnern in der Region realisiert
ten Tourismus zu erachten sind, der sich den werden, seien es die Gemeinden, die Regi-
Prinzipien der Nachhaltigkeit verschrieben onalmanagements, die Tourismusverbände
hat. Es wird dies eine hervorragende Chance oder die Niederösterreich-Werbung, seien es
sein, das Thema Nachhaltigkeit ohne erhobe- andere relevante Organisationen und Institu-
nen Zeigefinger, sondern schlicht am geleb- tionen, wie dies 2015 etwa die Niederöster-
ten Beispiel den Menschen näher zu bringen. reichische Verkehrsorganisationsgesellschaft
(NÖVOG) oder die EVN sein werden.
Freilich ist die Landesausstellung auch mit
einer Reihe von Investitionen verknüpft, de- Die Landesausstellung 2015 wird eine große
ren oberste Prämisse wiederum ihre nach- Chance für das gesamte Mostviertel darstel-
haltige Wirkung ist. Für 2015 investiert das len, die sich das Land einiges kosten lässt
Land Niederösterreich rund 117 Millionen in und die es seitens der Akteurinnen und Ak-
die Mariazellerbahn – davon 65 Millionen in teure auch zu nutzen gilt, damit nachhaltige
neue Garnituren, die so genannte „Himmel- Entwicklungen nicht nur angestoßen, son-
streppe“, 32 Millionen in die Schienen- und dern auch fortgeführt und somit langfristig
Linieninfrastruktur und 20 Millionen in das in Wert gesetzt werden. Der Schlüssel zum
neue Betriebszentrum Laubenbachmühle, wo Erfolg wird es sein, mit Weitblick und Um-
auch ein Teil der Ausstellung stattfinden wird. sicht einen Weg des Miteinanders zu finden.
Darüber hinaus werden drei Millionen Euro Dies ist ein Erfolgsrezept, das freilich nicht
für das neue Naturparkzentrum „Ötscher- nur für die Landesausstellungen, sondern für
Tormäuer“ in Wienerbruck aufgebracht. alle Projekte gilt, die den Anspruch erheben,
Weitere neun Millionen Euro sind dem in- den Lebensraum ländlicher Raum nachhal-
terkommunalen Wirtschaftspark und der tig lebens- und liebenswert zu gestalten.
Sanierung des Töpperschlössls in Neubruck
gewidmet.
Dr. Erwin Pröll, Landeshauptmann von Nie-
Dass das Land Niederösterreich so viel Geld derösterreich und Präsident des Club Nie-
in die Hand nimmt, rührt von der Überzeu- derösterreich, St. Pölten14 Michaela Hinterholzer
Michaela Hinterholzer
Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit
Schwerpunkt: menschen- und umweltverträgliche Mobilität
Das Land Niederösterreich, mit ihm das len“ den EDEN-Award (European Desti-
Mostviertel und nicht zuletzt das Pielachtal nations of Excellence) als Vorzeigeregion
dürfen zweifelsohne als Vorreiter in Sachen für nachhaltigen Tourismus und damit eine
Nachhaltigkeit bezeichnet werden. Seit vie- Auszeichnung, die nicht bloß ehrt, sondern
len Jahren tragen gezielte Maßnahmen in auch dazu verpflichtet, den eingeschlage-
den und für die verschiedensten Branchen – nen Weg konsequent fortzuführen.
von der Landwirtschaft über das Gewerbe,
den Dienstleistungsbereich und den Handel Seit damals ist die Mostviertler Nachhal-
bis hin zum Tourismus, bei dem sich das tigkeitskonferenz, die seit 2008 jährlich
Thema besonders einprägsam transportie- im Pielachtal stattfindet, ein wichtiger Im-
ren lässt – dazu bei, ökologisch bewusstes, pulsgeber für die Tourismusbranche und
sozial verträgliches und ökonomisch sinn- das Regionalmanagement. Von Beginn an
volles Handeln zu forcieren. weckte die Konferenz reges Interesse bei
Besucherinnen und Besuchern aus nah und
Hans Weiss, Hausherr des Steinschaler fern.
Dörfls und damit dem traditionellen Aus-
tragungsort der Mostviertler Nachhaltig- WIEDERENTDECKUNG DER ALPEN
keitskonferenz, erstellte bereits 2005 als
erster Hotelbetrieb Österreichs einen Nach- Apropos „reges Interesse“: In diesem Zu-
haltigkeitsbericht und hat damit freilich sammenhang möchte ich mit wenigen
auch als erster das Pielachtaler Nachhal- Worten auf die Niederösterreichische Lan-
tigkeitskonzept umgesetzt. Das Naturhotel desausstellung 2015 eingehen, der wir sei-
Steinschaler Dörfl trägt übrigens auch als tens der Landespolitik, insbesondere aber
erstes Hotel in Österreich das europäische auch seitens des Mostviertel Tourismus, in
EMAS-Siegel, das für „Eco-Management nächster Zeit natürlich unsere volle Auf-
and Audit Scheme“ steht. merksamkeit widmen werden. Die Landes-
schau wird unter dem Motto „Im Ötscher-
EDEN-AWARD ALS AUFTRAG land. Eine Wiederentdeckung der Alpen“
stehen und an den drei Mostviertler Stand-
Im Oktober 2007, also vor etwas mehr als orten Laubenbachmühle in der Gemeinde
sechs Jahren, erhielt das Pielachtal dann Frankenfels, Schloss Neubruck in den Ge-
beim europäischen Tourismusforum an meinden Scheibbs und St. Anton/Jeßnitz
der Algarve in Portugal als eines von zehn sowie in Wienerbruck in der Gemeinde An-
„herausragenden europäischen Reisezie- naberg stattfinden.Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit 15
Wie jede Niederösterreichische Landes- goldlackierten Garnituren der Mariazeller-
ausstellung wird auch jene im Jahr 2015 bahn – selbst davon überzeugen.
von einem umfassenden Verkehrskonzept
begleitet werden. Diesmal wird die traditi- PROJEKT ACCESS2MOUNTAIN
onsreiche Mariazellerbahn zur Hauptachse
und zum fixen Bestandteil der Landesschau Ein anderes nachhaltiges und transnationa-
gemacht. les Projekt, bei dem die Mostviertel Touris-
mus GmbH als eine von zwölf PartnerInnen
Das Land Niederösterreich hat damit die fungiert, ist Access2Mountain. Bei diesem
schöne Voralpenbahn nicht nur vor dem Projekt steht das Ziel im Vordergrund, die
Aus bewahrt, sondern investiert in dieses Mobilität vor Ort und bei der Anreise in Ur-
Projekt bis 2014 insgesamt 117 Millionen. laubsregionen in den Alpen und in den Kar-
Um 65 Millionen werden insgesamt neun paten zu verbessern. Damit soll ein Beitrag
Niederflurtriebzüge und vier Panoramawä- zur Reduktion negativer Auswirkungen auf
gen angeschafft, die schrittweise für einen die Umwelt wie Schadstoffe und Lärm in
vollkommen neuen Fahrkomfort sorgen sensiblen Gebieten geleistet werden.
werden. Vielleicht konnte sich ja der eine
oder andere schon bei der Anreise mit der Im Zeitraum von mehreren Jahren entwi-
„Himmelstreppe“ – so heißen die neuen, ckeln die Projektpartner, die aus sechs eu-
Das Steinschaler Dörfl ist nicht zufällig Schauplatz der Mostviertler Nachhaltigkeitskonferenz, war
es doch 2005 der erste Hotelbetrieb Österreichs, der mit der Herausgabe eines Nachhaltigkeitsbe-
richts richtungsweisende Akzente für die gesamte Branche gesetzt hat. Foto: Steinschaler Naturhotels16 Michaela Hinterholzer
Beim transnationalen, von der Europäischen Union geförderten Projekt Access2Mountain ste-
hen die Mobilität und ihre Auswirkungen auf Mensch und Umwelt in den Alpen und in den
Karpaten im Zentrum der Betrachtung. Foto: Mostviertel Tourismus/weinfranz.at
ropäischen Staaten stammen, unterschied- europäischer Ebene bis hin zu den Urlaube-
liche Maßnahmen zur Verbesserung von rInnen – viel Platz eingeräumt.
Neben- und Schmalspurbahnen, „sanften“
Mobilitätsangeboten vor Ort und entspre- Wesentlicher Bestandteil von Access-
chende Marketingmaßnahmen. 2Mountain ist schließlich die Abschätzung
der Umweltwirkungen dieser Maßnahmen
Zu den geplanten Ergebnissen zählen unter und damit auch die Frage nach deren nach-
anderem Sammlungen von Best-Practice- haltigem Wert. Die Ergebnisse des Projektes
Beispielen, die zum Nachahmen anregen werden unter anderem in den Entwurf des
sollen, Machbarkeitsstudien und Konzep- Transportprotokolls der Karpatenkonventi-
te von Mobilitätsangeboten und „Sanft- on einfließen. Für den Mostviertel Touris-
Mobile“-Packages sowie Investitionen in mus ist es eine einmalige Chance, in diesem
Radinfrastrukturen. Die Akzeptanz aller in von der Europäischen Union geförderten
den jeweiligen Regionen betroffenen Grup- Projekt mitwirken zu können und sein Profil
pen ist wesentlich für die Umsetzung und als nachhaltige Region und Tourismusdesti-
den Erfolg dieser Maßnahmen. Daher ist der nation weiterhin zu schärfen.
Öffentlichkeitsarbeit und der Integration der
unterschiedlichen Interessensgruppen – von
den Verkehrsanbietern und Tourismusbetrei- Michaela Hinterholzer, Abgeordnete zum
benden über die EntscheidungsträgerInnen NÖ Landtag und Vorsitzende der Mostvier-
auf kommunaler, regionaler, nationaler und tel Tourismus GmbH, WieselburgVorreiter in Sachen Nachhaltigkeit 17
Wir gehören zur Familie:
Weil Wir Wissen, Was sie BeWegt.
Die HYPO nOe grUPPe ist als unternehmensfamilie das finanzielle Kompetenzzentrum des landes
niederösterreich. in den 30 geschäftsstellen der HYPO nOe landesbank in niederösterreich und Wien
betreuen wir Familien in allen geldangelegenheiten. Kompetent und individuell. Kunden und institutionen
auf landes- wie gemeindeebene rechnen mit den Spezialisten der HYPO nOe grUPPe und zählen auf
die langjährige erfahrung der leasing- und Finanzierungsexperten. unternehmen und öffentliche hand
planen mit der HYPO nOe grUPPe, wenn es um maßgeschneiderte Bau- und Finanzierungslösungen
geht. Vom Plan bis zum Facility management liegt ihr Bauvorhaben hier in den richtigen händen.
sicherheit, Kompetenz und Zukunft in Blau-gelb.
5 Ja Hren
12
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i
se
www.hyponoe.at18 Martin Heintel
Martin Heintel
Über Stadt, Land und Leute
Ländliche Räume: Identitäten, Realitäten und Widersprüche
Ländliche Räume sind unterschiedlich und ländliche Räume in der Nähe von Städten,
vielfältig geprägt, den ländlichen Raum zeigt sich ein anders Bild als in mono-struk-
und die Region gibt es nicht. Identitäten turierten ländlichen Räumen, beispielsweise
sind ebenso verschieden wie regionale geprägt durch eine touristische Infrastruktur.
Besonderheiten. Auch das Verhältnis zwi- Oder betrachten wir ländliche Räume mit
schen Stadt und Land unterliegt einem günstigen Produktionsbedingungen für die
Wandel der Zeit. Land- und Forstwirtschaft oder gering ver-
dichtete ländliche Räume mit wirtschaftli-
Wo liegen aber nun die spezifischen Qua- cher Entwicklungsdynamik als Beispiele
litäten ländlicher Räume, wo liegen die für deren Vielfalt.
Widersprüche und wo die neuen Herausfor-
derungen im Verhältnis von Stadt und Land Wenn von dem ländlichen Raum gespro-
aus der Sicht ländlicher Räume? chen wird, bezieht sich dies nicht immer,
aber meist auf strukturschwache periphere
Die Bevölkerungsentwicklung von Städten Räume. Aber selbst ländlich periphere Räu-
und ländlichen Räumen spielt im öffentli- me sind nicht homogen und in allen ihren
chen Diskurs derzeit eine besonders große Voraussetzungen miteinander vergleich-
Rolle. Dabei wird häufig vergessen, dass es bar. Demographische Entwicklung, fami-
nicht allein um den „gezählten Menschen“, lienfreundliche Umfelder, ein regionaler
also ausschließlich um die Quantität, son- Arbeitsmarkt sowie Attraktivierungsange-
dern im Kontext von Regionalentwicklung bote für Zu- bzw. Rückwanderer sind von
auch um Dynamik und Qualität geht, die eng Region zu Region höchst unterschiedlich
mit Standorten verknüpft sind. Hinter der ausgeprägt.
Auseinandersetzung mit verschiedenen Le-
bensräumen stehen freilich auch gesellschaft- Österreich hat von allem etwas. Nicht allen
liche Werte sowie gewünschte und weniger ländlichen Räumen geht es schlecht und
gewünschte Entwicklungen. Und schließlich nicht überall dominiert die Landwirtschaft
steht auch der Anspruch, diese steuern bzw. als Kulturlandschaft. Sprechen wir über
beeinflussen zu können, im Raum. Politik für ländliche Räume, bedarf es so-
mit unterschiedlicher Zugangsebenen und
VIELFALT UND INHOMOGENITÄT vielfältiger Strategien. Klientelpolitik und
(mehr) Geld müssen nicht immer die rich-
Ländliche Räume sind vielfältig und struk- tigen Antworten auf vielschichtig gelagerte
turell sehr unterschiedlich: Nehmen wir Fragestellungen sein.Über Stadt, Land und Leute 19
Der ländliche Raum ist kein homogenes Gebilde, sondern Sammelbegriff für unterschiedliche Re-
gionen mit ebenso unterschiedlichen geographischen und raumordnerischen Parametern sowie
ökologischen und ökonomischen Voraussetzungen, Chancen und Bedürfnissen. Foto: Jonathan Gross
Ländliche Räume werden in urbanen Mili- stärkere regionale Flexibilität bedingen, bei
eus und Hochglanzbroschüren zwar da und der die Städte gefordert sind, aber ländliche
dort idealisiert, nicht zuletzt durch einen Räume ebenso profitieren können.
zunehmenden Brain Drain findet jedoch
auf leisen Sohlen eine Entsolidarisierung Widersprüche und Gegensatzpaare sind bei
zwischen Stadt und Land statt. Anders als einer „Inwertsetzung“ ländlicher Räume
in einer Agrargesellschaft wird die Zukunft zahlreich zu finden. Emotionale Qualitäten
mehr und mehr durch multilokale Haus- stehen nicht selten rationalen Entscheidungs-
haltsführungen bestimmt werden. strukturen gegenüber. Duftendes Heu steht
nicht immer im Einklang mit ökonomischen
Mehrfachwohnsitze zur selben Zeit auf- Indikatoren einer Grünlandwirtschaft. Soli-
grund der Fragmentierung von Lebens- darität steht vielfach in Konkurrenz zur In-
bezügen von mehreren Familienmitglie- dividualisierung unserer Gesellschaft. Das
dern – sei es zur Ausbildung, aufgrund Verständnis dafür, dass Transferleistungen
von Familiengründung und -trennung, im mit einem gesellschaftlichen Mehrwert ver-
Zusammenhang mit verschiedenen Karri- bunden sind, sinkt.
erephasen oder durch Pensionierung – wer-
den nicht nur die Belebung des Wohnungs- Auch Auf- und Abwertungen spielen im
marktes, sondern zukünftig auch eine noch Verhältnis zwischen Stadt und Land in20 Martin Heintel
Zwar wird der ländliche Raum insbesondere in urbanen Milieus häufig romantisierend verklärt,
aber nichtsdestotrotz findet zunehmend eine Entsolidarisierung zwischen Stadt und Land statt
– eine Tatsache, der es aktiv zu begegnen gilt, um Vorurteile zu relativieren und den gesamtge-
sellschaftlichen Wert beider Lebensräume bewusst zu machen. Foto: Sandra Cunningham/fotolia
alle Richtungen eine Rolle. Bewertungen, Gegebenheiten vor Ort anpassen müssen.
(Vor-)Urteile und Images tragen nicht zu- Diese Tatsache zu beachten, gilt für die
letzt zum Wohlbefinden oder aber zum Un- Politik, die regionalen AkteurInnen und die
wohlsein auf regionaler Ebene bei. Institutionen gleichermaßen.
EIGENVERANTWORTLICHKEIT IST Nachhaltigkeit in Wert zu setzen, bedeutet
UNABDINGBAR schließlich auch, Verantwortung zu über-
nehmen, nicht zu delegieren und sich neuen
Gestaltungsverantwortung in der Regional- Herausforderungen zu stellen sowie be-
entwicklung zu übernehmen, hat fast immer stehende Widersprüche im Alltagshandeln
auch etwas mit Risiko zu tun. „Der Wegwei- sichtbar zu machen und nutzbar zu integ-
ser weist den Weg – er geht ihn jedoch nicht rieren.
mit!“
Die Menschen sind es vielmehr, die kon- ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Martin Heintel,
krete Bewertungen und die Auswahl der Institut für Geographie und Regionalfor-
zu bestreitenden Handlungsfelder an die schung der Universität Wien, WienÜber Stadt, Land und Leute 21
22 Susanna Vötter-Dankl und Christian Vötter
Susanna Vötter-Dankl und Christian Vötter
Von der Besinnung auf das menschliche Mass
Verein Tauriska sucht neue Wege nach dem Vorbild Leopold Kohrs
„Das Maß aller Dinge ist der Mensch, nicht das Maßvolle und Überschaubare bleibt!“,
die Menschheit, die Gesellschaft, die Nati- so hat es Kohr formuliert. Auch Bewusst-
on oder der Staat. Da der Mensch klein ist, seinsbildung und -wandel sind nicht im
müssen auch seine Institutionen – Familie, Rekordtempo zu schaffen, wenn sie nach-
Betrieb, Wirtshaus, Spital, Dorf, Stadt, Ge- haltige Veränderungen mit sich bringen sol-
sangsverein – relativ klein bleiben, wenn len. Nachhaltige Entwicklungen können nur
sie ihn nicht zerquetschen sollen“, so schrieb Schritt für Schritt passieren.
Leopold Kohr, der berühmte Nationalökonom,
Jurist, Staatswissenschaftler, Philosoph, Nach- Die Tauriska-Geschichte beginnt vor knapp
denker, Querdenker und Vordenker aus dreißig Jahren: 1984 wird der Nationalpark
Oberndorf bei Salzburg, dessen Ideen und Hohe Tauern gegründet und die landschaft-
Philosophie unsere Arbeit im Nationalpark lich kostbaren Gebiete werden unter Schutz,
Hohe Tauern, im Kulturverein Tauriska und nicht aber unter die sprichwörtliche Käse-
in der Leopold-Kohr-Akademie prägen. glocke gestellt. Im Salzburger Nationalpark-
gesetz spricht man vom „Schutz der durch
Und tatsächlich scheint es eine Kernfrage ihre Geländeformen und ihre Tier- und
zu sein, wie man in dieser so komplexen, Pflanzenwelt für Österreich repräsentativen
unüberschaubar gewordenen, globalen Welt Landschaft der Hohen Tauern zum Wohle
das menschliche Maß findet und bewahrt. der Bevölkerung, zum Nutzen der Wissen-
schaft und zur Förderung der Wirtschaft“.
Was ist ein menschliches Maß überhaupt?
Sind wir bei der Suche danach nicht längst Es ging also von Anfang an darum, die Le-
auf verlorenem Posten angesichts dessen, bensgrundlagen der Menschen in der Re-
dass die Welt an uns vorbeidüst wie eine ul- gion sicherzustellen, ökonomische, kultu-
tramoderne Airpower-Flotte aus den Event- relle und soziale Anliegen der heimischen
Hangars der rekordsüchtigen Geschwindig- Bevölkerung sensibel wahrzunehmen und
keits- und Fortschritts-Gurus? Kann man entsprechend zu verändern oder weiterzu-
Rekorde in Nachhaltigkeit und Maßhalten entwickeln. Die Alltags- und Festkultur, die
aufstellen? Darin liegt vielleicht ein grundle- Dorferneuerung, das Aufspüren und Fördern
gendes Problem: Im Maßhalten gibt es keine der heimischen kreativen Ressourcen sind
Rekorde, sondern nur Erfolgserlebnisse der ebenso wichtig wie die Schaffung eines öko-
zwischenmenschlichen Art. „Das Überdi- logischen Bewusstseins sowie die Sicherung
mensionale aus dem Buch der Rekorde dient bestehender und die Schaffung neuer Ar-
bloß dem kurzlebigen Nervenkitzel. Nur beitsplätze.Von der Besinnung auf das menschliche Maß
Den Verein Tauriska mit Sitz in Neukirchen gescheiten, so bescheidenen, unorthodoxen
am Großvenediger gibt es seit 1986. Der und weltoffenen auftretenden Philosophen
Motor zur Vereinsgründung war Prof. Alfred in den Pinzgau zu lotsen.
Winter, bis vor kurzem zuständig für kultu-
relle Sonderprojekte im Amt der Salzbur- ORIENTIERUNG AM MENSCHEN
ger Landesregierung. Er ist ein begnadeter
Aufspürer, Förderer, Netzwerker, ein „Men- 1988 hat Leopold Kohr, der daraufhin sehr
schenflüsterer“, der immer im richtigen bald Präsident von Tauriska wurde und dies
Augenblick Menschen Ideen, Projekte oder bis zu seinem Tod 1994 blieb, in unserem
Namen ins Ohr raunt und mit leiser Freu- Kulturzentrum eine Rede gehalten. Mehr
de beobachtet, wie daraus neue Strukturen, als 200 bayerische Bürgermeister lauschten
neue Kunstwerke, neue Kultur- oder Sozial- damals mit uns seinen Worten. Er schickte
einrichtungen erwachsen. seine Botschaft hinaus, seine Philosophie,
für die er sich Zeit seines Lebens einsetzte
Alfred Winter ist nicht zuletzt auch der und die wir in unserer Regionalkultur heute
Entdecker oder Wiederentdecker Leopold und in Zukunft umzusetzen versuchen: „Der
Kohrs und seiner Ideen vom richtigen Maß. Mensch ist das Maß aller Dinge, nicht der
Winter ist es denn auch gelungen, den blitz- Staat, nicht die Partei, nicht die Menschheit,
Der Nationalpark Hohe Tauern wurde mit dem Ziel gegründet, die Tier- und Plfanzenwelt in
dieser für Österreich repräsentativen Landschaft zu schützen – dies auch zum Wohle der Bevöl-
kerung und zum Nutzen von Wissenschaft und Wirtschaft. Foto: Österreichische Bundesforste24 Susanna Vötter-Dankl und Christian Vötter
gen können, zum Nach-, Quer- und Weiter-
denken veranlasst.
Die Idee vom richtigen Maß findet sich
auch und vor allem in Kulturen jenseits der
aus allen Fugen geratenen, Maß und Ziel
aus den Augen verlierenden, so genannten
„Überfluss-Zivilisation“. Bei den Haida-In-
dianern in Kanada sagt man beispielsweise:
„Ich will für meinen kleinen Bruder einen
kleinen Vogel schießen. Ich will für meine
kleine Schwester einen kleinen Fisch erle-
gen.“
Im Gegensatz dazu scheint die Devise un-
serer Zeit und Zivilisation folgende zu sein:
Wir schießen alle Vögel ab, wir erlegen alle
Fische, und dann seht zu, wie ihr sie ver-
marktet. Knobelt die passende Logistik aus,
schickt die Fische, die Vögel, das Gemüse,
die Äpfel quer durch die Welt, auch wenn
Die Ideen des großen Salzburger Vor- und kein Bedarf besteht, wenn alles über hundert
Querdenkers Leopold Kohr, insbesondere sei- Zwischenstationen abläuft, wenn Menschen
ne Beschäftigung mit dem menschlichen Maß um einen Hungerlohn in diesem globalen
und den damit verbundenen Lehren, begleiten Teufelsspiel mitmachen und oft genug daran
und prägen wesentlich die Arbeit des Kultur- zugrunde gehen. Es gilt das unmenschliche
vereins Tauriska. Foto: Leopold Kohr-Akademie
Maß, das Maß des Unmenschlichen und
Sinnlosen. Wir betreiben Ressourcen-Ver-
nicht das Universum. Der Mensch.“ Und er schleuderung, wir betreiben das Verschwen-
ergänzte in seiner humorvollen Art: „Der den und Wegwerfen in großem Stil und das
Mensch ist klein und alles, was ihm dienen Maß ist übervoll.
soll, muss seinem Maß zugeschnitten sein
wie ein Anzug oder ein Hemd. Man gewinnt AUF DIE GRÖSSE KOMMT ES AN
nichts, wenn ein Anzug zweimal so groß ist
als wir es selber sind.“ Die Grenzen der Größe zu suchen, die dem
Menschen angepasste Größe zu finden, da-
Leopold Kohr wurde zu unserem Wegbe- rum geht es eigentlich. Das bedeutet nicht
gleiter, seine Philosophie wurde der Maßstab Kleinreden, nicht Verharmlosung, nicht Pro-
unserer Arbeit für und mit den Menschen in vinzialität. Leopold Kohr sagte: „Im Dorf
unserer Region. Er hat uns fasziniert und bin ich Universalist, da höre ich auf, ein Pro-
uns, zuerst durch seine Reden und die Ge- vinzler zu sein!“ Die Grenzen der Größe zu
spräche mit ihm, dann durch seine Schriften, suchen, heißt auch, das Gemeinsame nicht
die wir beim Otto Müller Verlag herausbrin- aus den Augen zu verlieren, den ÜberblickVon der Besinnung auf das menschliche Maß
zu behalten, Verantwortung zu übernehmen, dürfnisse ihrer Mitglieder stillen zu können,
menschliche Nähe zu bewahren. Man muss muss eine Gesellschaft allerdings bereits
die Idealgröße für die jeweiligen Bedürfnis- etwa 1.000 bis maximal 5.000 Menschen
se finden, für Bedürfnisse sozialer, ökono- umfassen.
mischer, politischer und auch kultureller Art.
Die politisch optimale Größe liegt bei etwa
Unter welchen Umständen können die Bür- 7.000 bis 12.000 Personen, da die Gesell-
gerInnen am meisten vom Staat profitieren schaft sich so weit spezialisieren muss,
und müssen nicht nur Opfer für den Staat dass sie sich Beamte leisten kann, die sich
bringen? Diese Frage stellt Leopold Kohr um innere und äußere Sicherheit oder um
und kommt zu bemerkenswerten Schluss- das Rechtswesen kümmern. Die für die
folgerungen: Um soziale Bedürfnisse zu Organisation des kulturellen Lebens ideale
befriedigen, ist eine Gesellschaft von 80 bis Gesellschaft ist noch ein bisschen größer,
100 Menschen ausreichend, also – wie Kohr da KünstlerInnen und SchriftstellerInnen
zuweilen auch bemerkte – ein etwas größe- „versorgt“ werden müssen und es dafür ei-
res Wirtshaus. Um die ökonomischen Be- nen Mehrwert zu erwirtschaften gilt. Eine
Erst ab, aber jeweils auch nur bis zu einer bestimmten EinwohnerInnenzahl können Gemeinwe-
sen verschiedene Bedürfnisse von Menschen bereitstellen, so lautet Kohrs Theorie. Bei Einhei-
ten, die die 15 Millionen-Grenze überschreiten, ist eine ökonomisch sinnvolle Verwaltung nicht
mehr möglich, da sie unverhältnismäßig viele Ressourcen verschlingt. Foto: Das Energieportal26 Susanna Vötter-Dankl und Christian Vötter
Gesellschaft, die alle diese Funktionen er- Ausbeutung ungezählter Menschen auf al-
füllen kann, muss allerdings aus nicht mehr len Kontinenten, Klimakatastrophen – das
als 50.000 bis 200.000 Menschen bestehen. sind keine Angst-Szenarien oder Weltunter-
gangsmärchen, das ist die Wirklichkeit. Zeit
Auch größere Gesellschaften seien, so Le- also, den Kopf in den Sand zu stecken? Das
opold Kohr, noch optimal zu verwalten – berühmte Luther-Zitat als Antwort spricht
durch den technischen Fortschritt etwa im für sich: „Und wenn morgen die Welt unter-
Bereich der Verkehrs- und Kommunikati- ginge, würde ich heute noch ein Apfelbäum-
onstechnologie und eine verbesserte Aus- chen pflanzen.“
bildung der Beamten und Amtsträger. Die
äußerste Grenze sieht Kohr bei zwölf bis 15 SOLIDARITÄT AUF DEM PRÜFSTAND
Millionen. Ab dieser Größe kann ein Staats- – EIN EXPERIMENT
wesen die Aufgaben, die ihm die BürgerIn-
nen zuweisen, nicht mehr optimal erfüllen. Eine kleine Geschichte, die etwas Grund-
Ein beträchtlicher Teil der Ressourcen müs- legendes und Aufschlussreiches zu Tage
se dann aufgewendet werden, um das Ge- bringt, ist jene des Flachgauer Journalisten
meinwesen zu verwalten. Wenn die Dinge David Gross, der sich letzten Sommer auf
ihre funktionsbestimmte Größe und Gestalt ein heißes Abenteuer eingelassen hat, näm-
erreicht haben, sollte auch der Staat wissen, lich sich ohne einen einzigen Euro quer
dass ständiges Streben nach Wachstum nur durch Österreich zu bewegen. Einmal hat
Probleme, nämlich explodierende Kosten, er in einem berühmten Benediktinerkloster
mit sich bringen. Kohr schlägt vor, dann angeklopft. Der Bruder Pförtner lässt den
wieder zu kleineren Gesellschaften zurück- Wanderer ohne Geld wissen, dass er ihn
zukehren bzw. sich zu teilen. nicht einlassen könne, weil der für die Gäste
zuständige Bruder leider auswärtig beschäf-
Die Tauriska-Bewegung hat sich aus einem tigt sei. Ob er einen anderen Schlafplatz wis-
kleinen Dorf, nämlich Neukirchen am Groß- se? Auch da kann der fromme Mann nicht
venediger, entwickelt. Mit 2.800 Einwohne- weiterhelfen. An einem anderen Tag stößt
rInnen hat Neukirchen eine überschaubare der sympathische, immer lächelnde Tramper
Struktur, es erstreckt sich über die Region auf der Suche nach einem Ort für die Nacht
Nationalpark Hohe Tauern, die mit rund auf das Durchgangs-Zeltlager einer Roma-
50.000 EinwohnerInnen die optimale Größe Familie in Braunau. Die Familie nimmt ihn
für eine Kulturbewegung aufweist. Vernetzt auf wie einen Sohn, stellt ihm ein eigenes
sind wir mit vielen Institutionen in Öster- kleines Zelt zur Verfügung und kredenzt ihm
reich und weit darüber hinaus. „Global den- am nächsten Morgen ein reichhaltiges Früh-
ken – lokal handeln“, das ist unsere Devise. stück.
Dass die Menschheit oder besser gesagt Wir haben also einerseits die Roma-Familie,
ein Teil von ihr, nämlich die Macher und die Platz für einen Herbergsucher hat, und
Überflussstrategen, unsere Erde in den Gra- andererseits das riesige Kloster, in dem der
ben fahren oder schon gefahren haben, ist Bruder Pförtner nicht helfen kann, weil der
evident. Wirtschaftskrisen, krachende Ban- „Bruder Quartier-Zuteiler“ zufällig nicht
kenimperien, Ausbeutung der Ressourcen, da ist – ein Größenproblem? Ein Struktur-Sie können auch lesen