IM WILDEN - EIN SPECIAL DER TEXTILZEITUNG
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Ein Special der TextilZeitung 01 2018
© © COLORADO DENIM
Im wilden
Westen
o l d
HERBST/WINTER 2018/19
G
s hRuprik
inhalt
07
14
markt
06 4
6
Fair: Der Bluezone-Chef im Interview
Brand: Close up auf Closed
7 Fabric: Der Sustainable-Countdown läuft
h/w 2018/19
Paddoc k‘s
10 Season Opening: Gold Rush
12 Trends: Checks, Cowboys und Puffer-Jackets
Noisy May, 14
14 collections
07 VIC UN HA , 12
12
© 06 CLO SED,
D
ie Denim-Branche befindet sich im nologieentwicklern und Jeansproduzenten in einem umfassenden Bericht. Eines wurde
Goldrausch. Das lässt sich einer- über Ausrüster und Wäschereien bis zu deutlich: Nur gemeinsam wird es die Mode-
seits auf die Saison Herbst/Winter Labels. Für sie sind nachhaltige Lösungen branche schaffen, zu einer nachhaltigeren,
2018/19 beziehen, in der sich vie- und ökologische Innovationen wertvoller als von den Kunden honorierten Produktions-
les um Inspirationen aus dem Wilden Wes- jedes Goldnugget. Das Jahr 2020 markiert weise zu finden. Materialhersteller und Mar-
ten dreht. Fransen, Nieten und Stickereien (hoffentlich) eine Zäsur in der Nachhaltig- ken müssen an einem Strang ziehen und
zitieren Western-Charme, die gedeckte keitsdebatte, denn dieses Jahr haben sich ihre innovativen Lösungen miteinander wei-
Farbpalette erinnert an die weite Prärie. Auf viele in der Bekleidungsbranche als Frist ter vorantreiben. Große Bedeutung kommt
Gold stößt man bei der wichtigsten Akzent- für die Erreichung ihrer Umweltziele gesetzt. in diesem Zusammenhang Plattformen wie
farbe, denn leuchtendes Gelb transportiert Wie weit die Bemühungen in den Augen der Bluezone zu, die gemeinsam mit Aus-
den Cowboys-Look ins Heute. Auf einer von Branchenexperten bereits gediehen stellern Lösungsansätze für eine nachhalti-
großen Suche befinden sich aber anderer- sind und was noch zu tun bleibt, diesen gere Welt finden will. Immerhin haben wir
seits auch viele Denim-Experten von Tech- Fragen widmet sich dieses Denim Dept. nur eine! Birgit Nemec
IMPRESSUM
Firma des Medieninhabers: Manstein Zeitschriftenverlagsges.m.b.H., Brunner Feldstraße 45, 2380 Perchtoldsdorf, Internet: www.manstein.at, Tel.: +43/1/866 48-0, Fax: +43/1/866 48-100, E-Mail: office@manstein.at. Gründer: Hans-Jörgen Manstein. Vertretungsbefugte Organe: Mag.
Dagmar Lang, MBA, Geschäftsführerin; Mitglieder des Aufsichtsrats: Klaus Kottmeier, Peter Kley, Peter Ruß, Chefredakteurin: Mag. Brigitte Pfeifer-Medlin (bpm), DW 219, b.pfeifer-medlin@textilzeitung.at, Redaktion: Birgit Nemec, (bn), DW 230, b.nemec@textilzeitung.at, Anzeigen-
leitung: Mag. Claudia Jordan, DW 212, c.jordan@textilzeitung.at, Anzeigenberatung: Elisabeth Neukirchner, DW 223, e.neukirchner@textilzeitung.at, Silvana Trenkova, DW 216, s.trenkova@textilzeitung.at, Anzeigenassistenz: Anika Vikas, DW 215, a.vikas@textilzeitung.at, Lektorat:
Andreas Hierzenberger, grafisches Konzept: Christa Schnellrieder, Grafik: Alexander Marx, Abonnements, Marketing & Vertrieb, Katharina Artner, DW 511,
vertrieb@manstein.at, Abo-Hotline: +43/1/866 48-930; Web: www.manstein.at; Bankverbindung: Erste Bank AG, Kto. Nr.: 289 400 235 00, Blz.: 20111; gültige Anzeigenpreisliste Nr. 68; Firma des Herstellers: kb-offset – Kroiss & Bichler GmbH & CoKG, Römerweg 1, 4844 Regau,
Verlagsort: Perchtoldsdorf, Anschrift des Medieninhabers: 2380 Perchtoldsdorf, Brunner Feldstraße 45, Anschrift der Redaktion: 2380 Perchtoldsdorf, Brunner Feldstraße 45, Name des Herausgebers: Mag. Dagmar Lang, MBA.
Grundlegende Richtung: offizielles Organ des Bundesgremiums und aller Landesgremien des Textilhandels; Web: www.textilzeitung.at. Die Offenlegung gemäß § 25 MedienG ist unter www.textilzeitung.at/footer/impressum abrufbar.
01 2018 03fair
ALLE BILDER © Munich Fabric Start
Gemeinsam
Antworten finden
Wann und warum fiel die Entscheidung, mit
der Bluezone speziell das Denim-Segment zu
Sebastian Klinder ist Sebastian Klinder
bedienen? Managing Director der Was ist das Besondere an den Unternehmen, die
Sieben Jahre nach Gründung der Munich Fabric
Start wurde die Bluezone-Area 2003 in der Zenith
Munich Fabric Start. sich in der Catalyzer Bluezone in Halle 6 präsen-
tieren?
Halle als erstes eigenständiges Messeformat für Mit dem Segment Blue- Im Catalyzer präsentieren sich Aussteller mit Fokus
Denim & Sportswear lanciert. Die Idee war, für auf Heritage, Passion, Sustainability und Innovati-
international führende Anbieter und Finisher von zone richtet er sich an on. Als inhaltliche und konzeptionelle Ergänzung
Denim, Sportswear und Streetwear Fabrics eine
gemeinsame Präsentationsplattform zu schaffen.
die Denim- und Sports- zur Bluezone stärkt und schärft diese neue Area das
Profil des Denim- und Sportswear-Angebots und
In kürzester Zeit hat sich die Bluezone als das wearbranche und will sorgt für eine Verdichtung aktueller Entwicklungen
Show-in-Show-Konzept der Munich Fabric Start
für die Denim- und Sportswear-Community eta
gemeinsam mit der und bietet zusätzlichen kreativen Input.
Wen sprechen Sie mit der Bluezone an? Wer sind
bliert. Mit ihrem atmosphärisch einzigartigen und Industrie die richtigen Ihre Besucher?
produktaffinen Ambiente – und in unmittelbarer Mit der Bluezone schaffen wir ein intensives Ange-
Anbindung an die Munich Fabric Start – bietet sie Lösungsansätze für die bot für die internationale Denim-Community. In
den idealen Kontext für diese dynamische und
sich schnell wandelnde Branche.
großen Herausforde- München treffen sich jede Saison die weltweit füh-
renden Anbieter aus dem Jeans- und Sportswear-
Wie entwickelte sich die Bluezone seitdem? rungen der Branche Segment sowie marktstarke Brands, für die Denim
Die Bluezone hat sich seit Beginn kontinuierlich
positiv entwickelt und ist heute eine der weltweit
präsentieren, wie er im und sportliche Flats integrierter Bestand ihrer Kol-
lektionen sind. Aber auch Designer, Produktmana-
größten Denim- und Sportswear-Shows mit über Interview erzählt. ger und Einkäufer produktfremder Segmente su-
100 Brands pro Saison. Dabei haben wir die Blue- chen hier nach neuen Impulsen, trendweisenden
zone nie als reine Präsentationsfläche verstan- Ideen und zukunftsfähigen Produktinnovationen,
den. Entstanden ist eine starke Denim-Community mit neuen Maßstäben. die übertragbar sind oder entsprechend abgewandelt angewandt werden.
Ein aktives Netzwerk von Kreativität, Innovation und Kommunikation, das Was sind die weiteren Pläne und Herausforderungen für die Messe und
die Dynamik des Marktes und der Branche erlebbar macht und von Ausstel- für die Branche?
lern wie Besuchern gleichermaßen und sehr intensiv wahrgenommen wird. Das große übergreifende Thema der gesamten M unich Fabric Start für
Mit einem zukunftsweisenden Konzept sowie einem saisonal übergeordne- die nächsten Saisons wird eine noch stärkere Integration der Technologie
ten Format haben wir die Zielgruppenansprache aktuell neu definiert. In und Neuentwicklungen für Fabrics und Additionals sein. Bereits die voran-
Zeiten sich verdichtender Rhythmen, neuer Technologien sowie sich verän- gegangenen Veranstaltungen der Munich Fabric Start haben diese Ent-
dernder Produktionsprozesse geht es darum, neue Konzeptansätze zu ver- wicklung eindrucksvoll gespiegelt. Dynamisch konzentriert im Keyhouse
anschaulichen und Lösungswege aufzuzeigen. Vor diesem Hintergrund als eigens geschaffenem Kompetenz- und Innovationszentrum für techno-
sind mit dem Catalyzer als Erweiterung der Bluezone zum Herbst 2016 zu- logischen Fortschritt und Sustainable Innovations. Die Branche muss sich
sätzliche räumliche Kapazitäten von über 2.500 Quadratmetern entstanden, neuen Innovationsbereichen öffnen, die weit über branchenübliche Berei-
die professionell und vollständig bespielt werden. Damit agiert die Bluezo- che hinausgehen. Die Komplexität nimmt zu. Das Konsumverhalten än-
ne heute mit einem Angebot in gleich zwei Messehallen – Catalyzer und All dert sich. Saisonen gehen ineinander über. All dies gilt es, in konkreten
Star Mills. Konzeptansätzen zu veranschaulichen, Lösungswege aufzuzeigen und
Wer sind Ihre Aussteller? Woher kommen Sie? Wie setzen sie sich Antworten zu geben, gemeinsam mit unseren Partnern in der Industrie.
zusammen? Darüber hinaus wird die Munich Fabric Start die Vorzüge des Messestand-
Auf der Bluezone sind alle führenden europäischen Denim- und Sports- orts München intensiv nutzen und sichtbarer als bislang ein integriertes
wear-Brands vertreten, dazu selektive Labels aus den USA sowie Asien und Konzept verfolgen. So wird zur nächsten Messe die BMW World als neue
Europa. Damit bietet die Messe jede Saison aufs Neue ein ideales Span- und sicherlich faszinierende Location für einen exklusiven Trendwork-
nungsfeld aus großen etablierten und marktstarken Unternehmen sowie shop von Li Edelkoort am zweiten Messetag der M unich Fabric Start ge-
kleineren, innovativen Brands. In der All Star Mills Bluezone in der Zenith nutzt. Auch werden wir Keypoints in der Stadt sichtbar bespielen. Unser
Halle zeigen weltweit führende Denim-, Street- und Sportswear-Brands ak- Anspruch ist es, München als Modestadt erlebbar zu machen. BN
tuelle Denim-Innovationen, Finishings, Washings und Processes. In der
Halle 6, dem Catalyzer, präsentieren Heritage-Brands mit Fokus auf H istory
und Nachhaltigkeit ihre Neuheiten und Denim-Blueprints.
04 01 2018OLD VALUES –
NEW STRENGTHS.
DANIEL ZENKNER
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Close
Ausgestattet mit hanseatischer Gelassenheit, ist
Closed ein Fixstern am Denim-Himmel. Und ist
auch gut gewappnet, um dort in den nächsten
Saisonen ganz entspannt weiterzustrahlen. up
Contemporary Denim. Der Erfolg gibt den Closed-
Machern Recht, während sie ihren Weg verfolgen. Das
Marktsegment, in dem sie sich bewegen, ist ein wenig
unruhig. Aber wo ordnet man sich ein? Ist Closed eine
Premium-Brand? Ein Contemporary-Label? Oder zählt es
ALLE BILDER © CLOSED
doch zum Affordable-Luxury-Segment? »Der Premium-
oder Affordable-Luxury-Bereich ist das Marktsegment,
das momentan am begehrtesten ist und am meisten
wächst«, sagt Giers. Denn den Marken im Luxusbe-
reich sei ein wenig das Wasser abgegraben worden,
auch dadurch, dass die Preise so extrem gestiegen
sein. »In Westeuropa ist dieser Super-Luxus-Bereich
Immer nah am Puls der Zeit, oft sogar ein wenig vorneweg, ein gu- schwächer geworden. Die Leute sind ein wenig mün-
tes Auge für die eigene Zielgruppe und ihre Bedürfnisse, dabei aber diger und sind oft nicht mehr bereit, die gestiegenen
nie laut oder aufdringlich – das ist es, was das Hamburger Label Preise zu bezahlen.« Eine Stufe darunter ordnet sich
Closed seit 1978 ausmacht. 40 Jahre hat die Marke also bereits auf der Geschäftsführer mit seinem Label ein: »Hier ha-
dem Buckel, ohne dabei etwas von ihrer Frische verloren zu haben. ben wir uns über die Jahre eine gute Glaubwürdig-
Gerade in den letzten Monaten hat man viel in den eigenen Auftritt keit aufgebaut, und die wollen wir uns auch behal-
investiert, hat ganze drei Läden in der Heimatstadt Hamburg sowie ten.« Und was ist mit Contemporary? »Contemporary
einen in Paris neu eröffnet oder zumindest runderneuert. Das La- entspricht in vielen Fällen unserer Positionierung,
denbaukonzept entspricht ganz den Markenwerten: freundlich, of- auf der anderen Seite haben wir aber auch eine sehr
fen, modern, immer mit einem kleinen Augenzwinkern. E iner der starke Denim-Seele. Dann sind wir eben ›Contem-
schönsten Würfe ist der nagelneue Herrenstore in der Hamburger porary Denim‹«, lacht Giers. Das Denim-Segment ist
Poststraße. Mit 150 m² ist er der größte reine Menswear-Laden auch der Bereich, der bei Closed in den vergange-
des Labels, daher findet hier nicht nur die Closed-Kollektion Platz. nen Jahren sehr angezogen hat. Das liegt vielleicht
Es werden außerdem Taschen, Schuhe und Skateboards von an- einerseits daran, dass man oft zu leise – hansea-
deren Marken sowie eine Take-away-Bar des Hamburger Cafés tisch eben – kommuniziert und dass es daher ein
»Was wir wirklich lieben« angeboten. Der Concept-Store-Gedan- wenig gedauert hat, bis die Kunden das gute Preis-
ke ist für Closed nicht neu, schon früher hat man das eigene Sor- Leistungs-Verhältnis entdeckt haben. Andererseits
timent oft mit Produkten ergänzt, die man nicht im Portfolio hatte. fällt es aber mit dem Rückgang der US-Brands zu-
Nachdem die Hamburger aber ihr Angebot in den letzten Jahren auch immer sammen, die in Europa zunehmend an Boden verloren
mehr in Richtung Accessoires erweitert haben, können sie heute gerade im Da- haben. Dabei verkauft Closed selber seine Denims auch
menbereich auch ganz alleine als Komplettanbieter dienen. Im neuen Herrenla- in den USA gut. »Dort nehmen wir die Rolle ein, die die
den hat sich schon aufgrund der schieren Größe eine spannende Sortimentser- US-Brands bei uns hatten.«
weiterung mit Fremdmarken angeboten – immerhin messen die anderen
Menstores alle etwa 100 m² weniger. Nein, ein neues, starres Retailkonzept, Kommunikation. Um nicht wieder zu wenig oder zu leise zu
das man künftig immer wieder duplizieren würde, sei der Ladenbau in sein, hat man die Markenkommunikation in der letzten Zeit auch
Hamburg nicht, sagt Geschäftsführer Gordon Giers im Interview: »Unser verstärkt. »Es geht ja nicht mehr so wie früher um die eine Printkam-
Retailkonzept ist eigentlich immer neu, mit jedem Laden wird es neu- pagne, die man dann die nächsten sechs Monate schaltet«, erklärt Giers
er. Das ist eine ständige Evolution. Wir sind auch gar nicht daran in- den neuen Ansatz: »Sondern wir müssen ja dauernd kommunizieren, Zau-
teressiert, ein neues Konzept auszuarbeiten und die nächsten Jahre berwort: Content.« Das Thema Denim wird hier in der nächsten Zeit ho-
alle Läden dann so einzurichten.« Bloß keine Langeweile, scheint das hen Stellenwert haben. »Denim und die Message-Jeans und Pedal
Motto zu sein. Die kommt auch beim Store in Paris nicht auf. Denn um Pusher etc. werden wir noch weiter vertiefen.« Auf der Pitti stellte
den ikonischen Denim-Style »Pedal Pusher«, der erstmals 1980 lanciert man soeben eine die neueste Innovation in Sachen Denim vor,
wurde und mit seinem taillenhohen Schnitt und seiner Wadenlänge aktu- die man gemeinsam mit den italienischen Profis von Candiani
eller denn je ist, so richtig zu pushen, wurde der gesamte Laden in Pop-up- entwickelte. So viel wurde im Vorfeld verraten: Es geht in die
Manier für zehn Wochen komplett auf dieses eine Modell gemünzt. Die ökologische Richtung, um neue Ausrüstungsverfahren und Fär-
Fassade wurde in ein knalliges Pink getaucht, das termingerecht zur Fashion Week ein bemethoden sowie einen höheren Anteil an Organic Cotton. Aber
gefundenes Fressen für all die Selfiehungrigen war, die zu diesem Anlass in die franzö- auch schon früher waren Nachhaltigkeit und Verantwortung ein Thema bei den
sische Hauptstadt strömten. Insgesamt sind es 52 Läden, die die Hamburger derzeit be- Hamburgern. Man verzichtet schon lange auf Pelz, auf Daunen und auf Angora, wol-
treiben. In Österreich ist man in Kitzbühel, Linz und Wien vertreten, Salzburg und Inns- le aber gar nicht – typisch Closed – zu viel in diese Richtung kommunizieren. »Wir
bruck würde man sich noch wünschen. »Aber da sind wir einfach noch nicht fündig sind sicher keine spezifische Eco-Fashion-Brand. Wir wollen einfach die Ressourcen
geworden, das dauert manchmal auch einfach ein bisschen.« Nur nichts überstürzen, und die Umwelt nicht über die Maße strapazieren«, fasst Giers den so simplen wie
sagen die entspannten Hanseaten. logischen Ansatz zusammen. BN
06 01 2018fabrics
2020 ist für viele in der
Denim-Industrie seit Langem
ein Schlüsseljahr, wenn es
um nachhaltige Produktion
geht. Nun, da es in greifbare
Nähe rückt, wird es Zeit für
eine Rundschau.
Der
COUNTDOWN
läuft
© VICUNHA
Als die Umweltschutzorganisation Greenpeace im Jahr 2011 ihre »Detox«-Kampagne Gute Stimmung dank erster Schritte. Das Stimmungsbild ist gut, wenn man die
startete, deren teilnehmende Bekleidungsunternehmen sich verpflichteten, bis zum Branchenprofis nach ihren Erfahrungen befragt. Viele von ihnen sind zuversichtlich,
Jahr 2020 alle umwelt- und gesundheitsschädlichen Chemikalien aus der Produktion zu dass sich in der Branche tatsächlich etwas bewegt. Das zarte Nachhaltigkeitspflänz-
verbannen, schien noch sehr viel Zeit für diese Entwicklungen und Verbesserungen zu chen schlägt immer kräftigere Wurzeln, das sieht auch Tricia Carey, Director of Global
sein. Nun rückt der Zeitpunkt immer näher. Die Stoff- und Denimhersteller weltweit Business Development für Denim bei Lenzing. »In den letzten fünf Jahren wurde wenig
präsentieren gerade ihre Kollektionen für Frühjahr/Sommer 2019. Bei der nächsten bis kaum über das Thema gesprochen. Viele hatten ein einziges nachhaltiges Material,
Produktion für die Saison Herbst/Winter 2019/20 findet sich dann bereits die symbol- und das war’s«, sagt die New Yorker Branchenexpertin: »Aber in den vergangenen 18
trächtige Jahreszahl. Das und eine insgesamt betrachtet teils besorgniserregend rück- Monaten ist das jetzt spürbar mehr geworden.« Ihre Kollegen beobachten ähnlich Er-
wärtsgewandte globale Umweltpolitik sind Anlass genug, um sich einmal bei Denim- freuliches. So auch Deborah Turner, Marketing Manager Europe beim brasilianischen
herstellern, Faserspezialisten und Branchenexperten umzuhören, wie sie den Status Denimhersteller Vicunha: »Nachhaltigkeit im Denim-Business nimmt immer mehr an
quo beurteilen – und welche Schritte sie als nächstes planen. Immerhin: Knapp 80 Fahrt auf, während wir uns Richtung 2020 bewegen. Viele Marken machen große
Modemarken sind bereits Teil der Detox-Kampagne von Greenpeace, manche weniger, Schritte auf dem Weg zu ihrem Ziel, bis dahin ein zu 100 % nachhaltiges Produkt anbie-
einige sehr erfolgreich auf dem Weg, ihr Ziel zu erreichen. Aber auch außerhalb der ten zu können.« Turner nimmt bereits heute entlang der gesamten Produktionskette –
Greenpeace-Kampagne haben sich viele Unternehmen 2020 als Zieldatum für bessere vom Samenkorn bis zum Waschen des fertigen Produktes – positive Veränderungen
Produktionsbedingungen gewählt. So bekennt sich etwa das Hamburger Denim-Label wahr. Und sie erwartet weitere Verbesserungen in jedem Bereich, weil das Bewusst-
Henry I. Siegel dazu, bis 2020 zu 100 % nachhaltig zu arbeiten. sein für Nachhaltigkeit stetig wächst. Das gesteigerte Bewusstsein seitens der End-
01 2018 07fabrics
den Vorreitern und setzt bereits zahlreiche nachhaltige Schritte. So etwa das »Zero
© VICUNHA Waste Cotton«-Thema. »Wir recyceln Baumwolle inhouse«, erläutert Marketing Mana-
ger Turner. Wenn die Fasern zu kurz sein sollten, um sie wieder in den Produktionspro-
zess einfließen zu lassen, dann werden sie zu kleinen Briketts gepresst, mit denen die
Boiler beheizt werden. Außerdem stammen die 100.000 Tonnen Baumwolle, die Vicun-
ha im Jahr verarbeitet, vorwiegend von Produzenten der BCI (Better Cotton Initiative).
Mit der jüngsten Entwicklung, die die Brasilianer in Sachen Recycling vollbracht haben,
können sie nun Natronlauge und Wasser nach dem Prozess wieder trennen und so
beide wiederverwenden. Neben dem Cotton-Recycling verwendet Vicunha aber auch
zur Polyesterherstellung wiederverwertete PET-Flaschen und Biomasse statt Öl oder
Kraftstoff. Da die Heizkessel zudem mit Schalen von Cashew- und Kokosnüssen – ei-
gentlich Abfallprodukte – befeuert werden und die so entstandenen Abgase keine Che-
mikalien enthalten und darüber hinaus in der Kläranlage als Teil der Wasserreinigung
verwendet werden, arbeitet Vicunha zudem CO2-neutral.
Zu den Marken, die auf neue Technologien setzen, gehört Pepe Jeans London. Country
Manager Raphael Sommer war nicht wenig überrascht, als ihn sein Unternehmen mit
anderen nach Madrid flog, ihn dort in die pralle Sonne stellte und ihm eine kleine Was-
serflasche, gerade so groß wie eine Tasse, in die Hand drückte – die er natürlich
prompt austrank. Nachdem der CEO das bei allen Mitarbeiten zufrieden beobachtet
»Nachhaltigkeit im Denim-Business nimmt immer mehr an hatte, sagte er: »Keine Sorge, ihr werdet nicht sterben.« Die kleine Menge Wasser
Fahrt auf, während wir uns Richtung 2020 bewegen. Viele Mar- nämlich, die Sommer und seine Kollegen getrunken hatten, ist alles, was man braucht,
ken machen große Schritte auf dem Weg zu ihrem Ziel, ein zu um eine Wiser-Wash-Denim zu produzieren. Und das Wasser kann danach wieder zu
Trinkwasser werden. Vier Jahre lang hatte der Madrider Hersteller an seiner Entwick-
100 % nachhaltiges Produkt anbieten zu können.« lung getüftelt, und Pepe hat sich die Exklusivrechte daran für das Jahr 2018 gesichert.
Dabei kommen überhaupt keine Chemikalien zum Einsatz, »und trotzdem bekommen
DEBORAH TURNER wir die Waschungen hin, von Stone-Wash- bis Bleach-Optiken, und die auch noch mit
Marketing Manager Europe Vicunha verbesserter Tiefenwirkung«, zeigt sich Raphael Sommer begeistert. 10 bis 15 % der
kommenden Winterkollektion werden Wiser-Wash-Denims sein, in den nächsten
Saisonen will Pepe dann komplett auf die nachhaltige Technologie umstellen.
Nachhaltige Komponenten. Spezialisten wie Invista und Lenzing stecken viel Ener-
gie in die Entwicklung immer neuer Technologien und Komponenten, die es den Denim-
Produzenten dann ermöglichen, ein nachhaltigeres Produkt zu kreieren. Invista hat nach
der bereits bewährten »CoolMax EcoMade«-Faser, die zu 97 % aus recyceltem PET-
Material besteht, im Oktober 2017 die nächste Innovation präsentiert: Mit »Lycra T400
kunden ist für Rosey Cortazzi, Global Marketing Director beim türkischen Denim-Produ- EcoMade« stellte man eine Stretchfaser vor, die – im Gegensatz zu Elasthan – eine
zenten Isko, genauso Grund für die höhere Sichtbarkeit des Themas wie die gestiegene zweikomponentige Faser ist. 50 % werden aus rezykliertem PET gefertigt, weitere 18 %
Nachfrage nach verantwortungsvollen und innovativen Denim-Produkten. Das Thema aus einem erneuerbaren pflanzenbasierten Material (aus Mais) und nur 32 % aus her-
Nachhaltigkeit dürfte mittlerweile bei den Endkunden angekommen sein. Katastrophen kömmlichen Petrochemikalien. Auch bei Lenzing geht man neue Wege und versucht,
wie der Gebäudeeinsturz des Rana Plaza in Bangladesh und die daraus resultierende spannende Möglichkeiten aufzuzeigen. So kann man seinen Partnern heute in Zusam-
mediale Aufmerksamkeit für die Produktionsbedingungen haben das ihre dazu beigetra- menarbeit mit dem spanischen Finishing-Profi Jeanologia zeigen, welche Vorteile es
gen. Niemand kann heute mehr guten Gewissens behaupten, nicht Bescheid zu wissen, hat, Tencelgewebe mit Laser zu behandeln. Zudem entwickelte man Modal Black, eine
wenn er ein viel zu billiges Kleidungsstück kauft. Mit den enormen Abnahmemengen Faser für schwarze Gewebe, bei der bereits Lenzing die Farbe hinzufügt. »Je früher man
alleine lässt sich schon lange kein Ramsch-Preis mehr erklären. Jean Hegedus ist Glo- die Färbemittel in den Produktionsprozess einbringt, desto besser«, berichtet Tricia Ca-
bal Denim Director beim Faser- und Technologiespezialisten Invista und bemerkt gerade rey. Dadurch lassen sich sowohl Wasser- als auch Chemikalieneinsatz reduzieren. Um
im Retail ein gesteigertes Bewusstsein: »Auf der Handelsebene gibt es bedeutendes dem Markt die spannenden Entwicklungen immer wieder vor Augen führen zu können,
Interesse an einem größeren nachhaltigen Denimangebot. Viele Marken und Händler entwickelt Lenzing meist eigene Kollektionen in Kooperation mit Partnern wie Jeanolo-
haben sich Ziele rund um die Verwendung recycelter oder anderer nachhaltig gewonne- gia oder Candiani, die den Mehrwert veranschaulichen können. Ende Jänner zeigt man
ner Materialien gesetzt und unternehmen konkrete Schritte, um Abfall, Wasser und etwa im Rahmen der Bluezone eine Kapselkollektion, die kein geringerer als Adriano
Energieverbrauch zu reduzieren.« Nahezu euphorisch äußert sich das Denim-Urgestein Goldschmied mit der Recycling-Faser Refibra von Lenzing entworfen hat. »Eine Idee zu
Panos Sofianos, der seit zwei Jahren als New Business Manager und Denim Curator
für die Bluezone (siehe auch Bericht auf Seite 4), den Jeansbereich der renommierten
Plattform Munich Fabric Start, auf den Spuren der neuesten Entwicklungen ist. »Wir
stehen am Beginn einer neuen Ära. Denim erfindet sich derzeit mit innovativen Materi-
alzutaten und veränderten Produktionsprozessen neu«, ist der Grieche überzeugt: »Zu-
gleich gibt sich die Branche bewusster und sensibler im Umgang mit nachhaltigen Res-
sourcen und umweltschonender Verarbeitung.« Genau wie Jean Hegedus sieht auch
Sofianos eine gute Entwicklung im Handel: »Wir beobachten seit einiger Zeit eine posi-
tive Entwicklung, da Marken und auch große Handelsketten von Umweltgruppen, aber
auch von aufgeklärten Verbrauchern zu größerem Verantwortungsbewusstsein in der
© Munich Fabric Start
Denim-Produktion aufgefordert werden.« Der so entstandene Erwartungsdruck in der
gesamten Produktions- und Vertriebskette führe zu ersten erfreulichen Ergebnissen.
Verbesserungspotenzial und bestehende Lösungen. Bei aller Freude über diese
ersten positiven Schritte gibt es aber noch immer viele Baustellen. Alle Bereiche im
Herstellungsprozess können noch immer weiter verbessert werden. Ein Bewusstsein
für die größten Problemfelder zu schaffen, kann ein Anfang sein und den Stein in Rich-
tung Nachhaltigkeit weiter rollen lassen. Panos Sofianos fasst all die Bereiche zusam-
men, die auch seinen Kollegen das meiste Kopfzerbrechen bereiten: »Leider gibt es
noch immer Defizite im Produktionsprozess, zum Beispiel beim Materialeinsatz. Der
konventionelle Anbau von Baumwolle als Rohstoff für die Jeansproduktion ist wegen »Wir stehen am Beginn einer neuen Ära. Denim erfindet
seines hohen Wasserverbrauchs und Pestizideinsatzes weiterhin kritisch zu betrachten.
Auch in der Denim-Produktion selbst kommen noch horrende Wassermengen und Che- sich derzeit mit innovativen Materialzutaten und veränderten
mikalien zum Einsatz. Dazu kommen die langen Transportwege von den vielfach in Asi- Produktionsprozessen neu. Zugleich gibt sich die Branche
en befindlichen Produktionsstätten bis hin zu den Konsumenten weltweit.« Deborah
Turner von Vicunha findet auch, dass der »gesamte Produktionsprozess einer genauen
bewusster und sensibler im Umgang mit nachhaltigen
Prüfung unterzogen werden sollte«. Als eines der größten Problemfelder nennt sie aber Ressourcen und umweltschonender Verarbeitung.«
die anfallenden Abfälle und den Plastikmüll im Meer. Daher ist das Thema Recycling –
nicht nur für Vicunha – eines der wichtigsten Innovationsfelder für die Denim-Industrie.
PANOS SOFIANOS
Hier braucht es noch viele neue Denkansätze und Lösungen, um die Auswirkungen auf
die Umwelt immer weiter zu verringern. Beim brasilianischen Hersteller gehört man zu New Business Manager & Denim Curator Bluezone
08 01 2018fabrics
»Es sollte eine Konsolidierung bei den Zertifikaten und
NGOs geben. Derzeit ist es verwirrend und verteilt auch
die Kräfte unnötig. Und: Zertifikate sind oft teuer.« bedenken: »Viele Retailer wollen so viel wie möglich im Bereich Nachhaltigkeit
tun – so lange die Kunden bereit sind, es zu bezahlen.« – »Wir bemerken ein klein
wenig Preiselastizität«, wirft Rosey Cortazzi von Isko ein: »Der Bedarf steigt jeden-
TRICIA CAREY
falls jede Saison. Junge Kunden sind bereit, sich von Marken abzuwenden, wenn
Director of Global Business Development for Denim, Lenzing diese ihren Beitrag nicht leisten wollen.«
Kommunikation ist King. Wann und warum sind die Kunden dann aber bereit,
zum nachhaltigen Produkt zu greifen? Denim-Experte Sofianos sieht als eines der
größten Entwicklungsfelder der Branche die »Consumer Education«. Auch Rosey
Cortazzi ist davon überzeugt, dass man die Kunden noch viel besser informieren
muss. »Die Investitionen in Richtung Nachhaltigkeit werden nur dann ansteigen,
wenn die Endkonsumenten Zugang zu klaren und detaillierten Erläuterungen über
die Vorteile eines nachhaltigen Produktes und Prozesses haben.« Sie plädiert wei-
ter für Kommunikation: »Das Storytelling über Nachhaltigkeit und wie sie in der
Produktion erreicht werden kann, muss genau und gewinnend sein. Nur ein Zertifi-
kat vorzuzeigen, ist nicht mehr genug.« »Wir müssen die Endkunden auf vielen Ka-
nälen ansprechen«, sagt auch Deborah Turner von Vicunha: »Sie sind noch nicht so
© Richard Cordero for Lenzing
bewusst, wie sie sein sollten.« Bei Pepe weiß man auch, dass man seine neueste
Errungenschaft nun richtig kommunizieren muss. Country Manager Sommer freut
sich: »Wir haben da Gold in den Händen. Und ganz nach dem Motto ›Tue Gutes
und sprich darüber‹ wollen wir diese Nachricht jetzt verbreiten.« Die Händler
werde man mit Schaufenstern und POS-Material unterstützen, für die Endkunden
neben der Informations-Kampagne vielleicht als Give-away auch jene kleinen
Flaschen zur Verfügung stellen, mit denen Sommer selbst veranschaulicht wurde,
was das wirklich neue am Wiser Wash ist.
Lenzing greift dem Handel auch mit Hangtags oder In-Store-Displays bei der Kom-
munikation unter die Arme. Die bessere Plattform sieht Tricia Carey aber im World
Wide Web: »Das Internet erlaubt ein ganz anderes Level der Kommunikation. Dort
ist es viel einfacher, die Geschichte hinter einem Produkt herauszufinden. Du
kannst dem Kunden damit auch erzählen, warum das nachhaltige Produkt den
Preis hat, den es nun mal hat. Diese Konversation kannst du so im Store niemals
haben.« Mit »Carved in Blue« (www.carvedinblue.lenzing-fibers.com) hat man sich
eine eigene Plattform für den Denimmarkt geschaffen. Ähnlich wie es Blogger tun,
hat Lenzing hier neben den Artikeln auch einen eigenen Shop installiert, auf dem
derzeit sechs Labels angeboten werden, der aber Ausbaupotenzial hat. Und man
setzt auf Social Media. »Dieses Jahr starten wir eine Kooperation mit Instagra-
mern«, freut sich Carey.
Auch abseits der Kommunikation haben die Unternehmen Pläne. Invista etwa will
unter dem Titel »Planet Agenda« die Energieintensität bis 2020 um 20 % reduzie-
ren, Vicunha die eigene Effizienz laufend weiter steigern. Bei Lenzing will man
weiter verbindendes Element in der Branche sein, wie Tricia Carey sagt: »Eine
Brücke zwischen den Unternehmen zu schlagen, das ist unser Zukunftsweg. Wir
entwickeln und diese dann in andere Unternehmen zu tragen, um zu sehen, was die da- alle brauchen diese Kooperationen, um tolle Innovationen zu schaffen.« Die De-
raus machen – das ist wirklich der Fun Part an unserem Job«, zeigt sich Carey innovati- nim-Industrie und ihre Zulieferer müssen also auch in Zukunft weniger Energie in
onsbegeistert: »Es dauert oft neun Monate bis zu einem Jahr, bis eine Idee auf dem die Produktion, dafür umso mehr geistige Energie in die Entwicklung neuer Ideen
nächsten Level ankommt. Aber das beobachten zu können, ist toll.« zu Recycling und Vermeidung sowie in die Kommunikation mit den Endkonsumen-
ten stecken. Dafür müssen alle an einem Strang ziehen, Produzenten, Marken und
Regulierung und Zertifizierung. Es lassen sich schon heute rund um den Globus Händler müssen die Kräfte vereinen, um den Endkunden zu vermitteln, worum es
zahlreiche positive Beispiele für nachhaltige Denim-Produktion finden. Viele Unterneh- geht. Denn: Wir haben nur einen Planeten. BN
men setzen freiwillig hohe ökologische und soziale Standards an. Aber was ist mit den
schwarzen Schafen, die dazu nicht bereit sind? Braucht es vielleicht strengere oder an-
dere gesetzliche Regulierungen? Hier scheiden sich die Geister. Manche wie Deborah
Turner von Vicunha sind zufrieden mit der Gesetzeslage: »Es gibt bereits gute Gesetze
und Regulierungen, aber es müssten sie noch mehr Unternehmen annehmen. Sie wä-
ren überrascht, wie viele Retailer das Thema heute noch nicht annehmen. Die müssen
jetzt wirklich aufs Gas steigen und aufschließen, oder sie werden zurückbleiben.« Ro-
sey Cortazzi vom türkischen Produzenten Isko würde sich dagegen noch mehr von der
Gesetzgeberseite wünschen, und zwar konkret im Bereich der Arbeitskräfte und ethi-
schen Standards bei Herstellern. Um eine Konsolidierung müsste es für Panos Sofianos
© Isko / Replay
gehen: »Wir brauchen definitiv auch in der Textil- und Bekleidungsproduktion eine welt-
weite Harmonisierung der gesetzlichen Richtlinien, genauso, wie es heute schon in an-
deren Industriezweigen wie der Automotive- oder der Lebensmittelbranche üblich ist.
Eine Art Magna Carta, die für alle Stufen in der Herstellung verbindlich ist, könnte hier
Abhilfe schaffen und für mehr Klarheit und Eindeutigkeit stehen.« Warum mehr Gesetze
am Ende eine gute Idee sein könnten, bringt Lenzings Denim-Profi Carey auf den Punkt:
»Wir brauchen mehr Regulierungen, dann wird es auch mehr Entwicklungen geben.«
Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den zahllosen Zertifizierungen, die am Markt unter-
wegs sind. Alleine die Unternehmen der erwähnten Gesprächspartner konnten mehr
als ein Dutzend verschiedener Zertifikate und Standards aufzählen, mit denen sie ar
beiten. »Es sollte eine Konsolidierung bei den Zertifikaten und NGOs geben«, ist auch
Tricia Carey überzeugt: »Derzeit ist es verwirrend und verteilt auch die Kräfte unnötig.
Und: Zertifikate sind oft teuer.«
»Das Storytelling über Nachhaltigkeit und
Eine Frage des Preises? Der Preis ist es auch, der von vielen als Gegenargument zur wie sie in der Produktion erreicht werden kann,
nachhaltigen Produktion geführt wird. Weder die Marken noch die Endkonsumenten
seien bereit, den höheren Preis dafür zu bezahlen. Fakt ist: Irgendjemand muss die Ar-
muss genau und gewinnend sein. Nur ein
beit, die Hersteller in neueste Technologien und Entwicklungen stecken, definitiv be- Zertifikat vorzuzeigen, ist nicht mehr genug.«
zahlen. Die Frage ist nur, ob die Hersteller diese Kosten selber tragen und ob sie sich
im Laufe der Zeit amortisieren, oder ob sie diese an die Kunden weitergeben. Bei
ROSEY CORTAZZI
Vicunha ist Deborah Turner überzeugt: »Die Margen sind zwar knapp, aber nachhaltig
muss nicht zwangsläufig teuer sein.« Tricia Carey gibt die Zwickmühle der Händler zu Marketing Manager Isko
01 2018 09season opening
Goldgräberstimmung macht sich in den
neuen Denim- und Urbanwear-Kollektionen
breit. Einmal gefunden, bildet das blaue Gold
die Basis für Wild-West-Themen und ganz
neue Streetstyle-Looks.
© stock.Adobe.com / Tryfonov
Gold
Rush 10 01 2018season opening
Z
Zum Höhepunkt des berühmten kalifornischen Goldrausches im Jahr 1849
machten sich Tausende Glücksritter – die so genannten 49ers – auf den
Weg in die Gegend rund um Sacramento, die heutige Hauptstadt von Ka-
lifornien, das im Zuge dieses enormen Zuzugs im Jahr darauf der 31. US-
Bundesstaat wurde. Ob per Dampfschiff oder mit der Kutsche, der Wes-
ten war das Ziel, möge er auch noch so wild sein. Genau dieser wilde
Westen war es auch, der nun die neuen Kollektionen für Herbst/Winter
2018/19 beeinflusst hat. Freilich wird dabei nicht das ganze Thema von
Cowboyhut bis Boots auf einmal und in einem Outfit umgesetzt. Aber die
Inspirationsquelle ist – trotz kommerziell verträglicher Umsetzung –
durchaus zu erkennen. Und zwar nicht nur dann, wenn ein großer Schrift-
zug mit dem Wort »Cowboy« quer über dem Sweater prangt, sondern
auch in Form von Jeansjacken mit Folklorestickereien oder abgesetztem
Cordkragen. Andere Jacken werden gleich ganz aus dem Trendmaterial
Cord gefertigt und machen den Look mit Sherpa- und Shearling-Formen
prärietauglich. Das gleiche gilt für großrapportige, meist rote Karovarian-
ten im Holzfäller-Look, die mit kuschelig weichem Teddyplüschfutter aus-
gestattet sind. Wildwestromantik versprühen aber auch Blusen aus
(Kunst-)Veloursleder oder mit Wildblumenprint. Meistens wird das
Trendthema aber anhand der Details zitiert: Fransen, Nieten und dest ein kleiner Streifen Haut muss immer zu sehen sein. Dazu passend
Stickereien verleihen vielen Modellen den feinen Cowboy-Schliff. werden auch die offenkantigen Säume beibehalten. Das Gewebe wird
Schon in der Sommersaison haben die Denim- und Urbanwear-Anbieter nun teilweise so fein aufgedröselt, dass eine fast flauschige Kante die
mit dem großen Trend Workwear – der im darauf folgenden Winter Modelle rahmt. Vielleicht entstanden hier auch wieder die Idee und der
selbstverständlich noch immer Gültigkeit haben wird – ein wenig Gold- Übergang zu den Western-Fransen? Andere setzen ihre zerrissenen und
gräber gespielt. Die Hinwendung zum Western-Thema ist also vielleicht abgeschnittenen Säume gar mit Paillettenapplikationen so richtig in Sze-
nur ein nächster logischer Schritt auf der gleichen Reise, im Laufe derer ne. Außerdem schmücken Federn, Perlen oder Volants die Hosensäume.
sich die Kreativen schon in der Vorsaison auf die Spuren des echten, des Cooler wird es mit akkuraten breiten Aufschlägen, gerollt oder schlampig
ursprünglichen Denims begeben haben. Immerhin sind Jeans ein wichti- gekrempelt wird im Winter nicht mehr. An anderer Stelle werden die
ger Teil der Arbeitskleidung auch heutiger Cowboys. Jeans ebenfalls noch stark geschmückt: Stickereien, Perlen, Strass und
Nieten werden allover oder an den Tascheneingriffen eingesetzt. Dabei
Kleinkarierte Urbanwear? Doch genau wie die Workwear nach wie geht es etwas ruhiger zu als zuletzt, florale Stickereien werden etwa oft
vor wichtiger Impulsgeber für die Jeans- und Streetwear-Branche bleibt, nicht mehr in leuchtenden Farben, sondern Ton-in-Ton in Schwarz oder
gibt es auch andere Inspirationsquelle, ohne die die Saison nicht funktio- Blau verarbeitet. Auch Destroyeds behaupten ihren Platz. Sie erhalten
nieren würde. Die 70er- und 80er-Jahre beeinflussen vor allem viele durch neue Anwendungen kleine Impulse. So werden sie etwa nicht nur
Farbthemen. Colourblocking in lauten, auch ungewöhnlich pastelligen auf den schmalen Styles angewendet, sondern wirken auf Loose-Fits neu.
Farben macht sich vor allem auf volumigen Daunenjacken und Sportstyles Oder sie werden neu platziert und nicht nur als Knee-Cuts, sondern bei
breit. Bunte Stickereien bis zu Regenbogen und Ethnostickerei zieren sehr jungen Kollektionen auch unter dem Gesäß gezeigt. Breite Broken
Jeansjacken und Hosen mit offenen Kanten. Der 90ies-Grunge-Spirit ist Stitches sorgen für frischen Wind und schlagen die Brücke zu den noch
dagegen ziemlich zurückgefahren. Das merkt man schon daran, dass immer wichtigen Galon- und Seitenstreifen. Das Athleisure-Thema ist
Schwarz nicht unbedingt die wichtigste Basic-Farbe sein muss. Wenn mehr als ein Trend, es ist mittlerweile Bestandteil der Basis vieler Kollek-
diese Dekade zitiert werden soll, dann passiert das eher in Form von Ein- tionen und so in fast jedem Style bemerkbar. Ein wenig Technologie hält
flüssen aus dem Hip-Hop- oder Skateboarding-Universum. Apropos Uni- mit Coatings, Bondings und besonderen Prints wie Rubber- oder Foam-
versum: Auch das zieht bei einigen Herstellern vor allem in Gestalt von prints Einzug.
Planeten- und Weltraumprints in die Kollektionen ein und kann als kleine
Weiterentwicklung der allgegenwärtigen Sternmotive gesehen werden. Volumen im Oberteil. Den modernen Cowgirls und Cowboys steht ne-
Diese kommen im Winter nicht mehr ausschließlich solo zum Einsatz, ben Denims aber auch Cord, vor allem in Erdfarben. Wenn es ein biss-
sondern werden gerne auf Karo-Stoffe appliziert, gestickt oder gedruckt. chen mehr sein darf, greift man in den Damenkollektionen zu Samt und
Womit man nun beim elementarsten Stilelement der kommenden Herbst/ Flockprints. Tiefes Blau und satt leuchtendes Grün sind die Farben der
Winter-Saison angekommen wäre. Denn Karo in allen möglichen Varian- Wahl, wenn es schimmern und glänzen darf. Das gilt sowohl für kusche-
ten wird in der neuen Saison ein so großes Thema, dass auch die lässige lig samtige Modelle als auch für coole Puffer-Jackets im Wet-Look. Volu-
Urbanwear nicht darum herumkommt. Und sie tritt auch gleich den Be- minöse Puffer-Jackets sind die heimlichen Aufsteiger der Saison, an
weis an, dass Checks nie langweilig, sondern auch enorm cool interpre- Bomber-Jacken hat man sich – zumindest an der modischen Spitze – nun
tiert werden können. Auf betont lässigen Modellen wie Oversize-Män- wohl sattgesehen. Sie werden vor allem in Erdfarben und dem nochmals
teln, Loose-Fit-Hosen oder rockigen Bikerjacken zeigt Karo ein ganz neues erstarkten Camouflage-Muster gezeigt. Wenn es keine dicken Daunenja-
Gesicht. Durch den Einsatz einzelner Pop-Colours wie Gelb, Grün oder Lila cken sein sollen, dann stehen Mäntel, Trenchcoats, Bikerjacken und Fake-
werden klassische Varianten wie Glencheck aufgefrischt. Nicht zuletzt ist Fur-Jacken parat – und zwar samt und sonders im Oversize-Look. Und bis
es aber natürlich in diesem Segment die Kombination mit coolen Denim- auf die falschen Pelzmodelle haben sie alle im Karo ihr liebstes Muster
Teilen, die die Checks zu neuen Streetstyle-Favourites macht. gefunden. Genauso wie die satten Blau- und Grüntöne werden auch die
verschiedensten Check-Varianten gerne mit senf- bis dottergelben Farb-
Denim, ganz unaufgeregt. Nachdem die Saison schon in den Obertei- tupfern akzentuiert, die vielleicht ein wenig an die von den 49ers so heiß
len und Komplett-Styles besonders viele Möglichkeiten eröffnet, verwun- begehrten Gold Nuggets erinnern. BN
dert es nicht, dass es die Jeans ein wenig ruhiger angehen lassen. Sch-
mal und Skinny bleiben die wichtigsten Fits, der Bund von
High-Waist-Modellen rutscht noch ein wenig weiter nach oben, und Mom
Jeans bleiben auf ihrem ausbaufähigen Niveau. Wirklich neue Themen
gibt es nicht, aber es wird mit viel Gefühl an den bereits vorhandenen
Trends gefeilt, um diese noch weiter zu verfeinern und mithilfe der Er-
kenntnisse aus vorangegangenen Saisonen dem Kundengeschmack ent-
gegenzubringen. Die Ankle Fits legen nun auch im Winter den Knöchel
frei, werden dann aber zu lässigen Booties kombiniert. Dabei gilt: Zumin-
DE NI M DO
© CO LO RA
01 2018 11trends
Q/S DESIGNED BY
check-pot
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NOISY MAY
PEPE JEANS LONDON
K
aro in all seinen verschiedenen Ausprägungen wird in der kommenden Saison so stark, dass auch die Urbanwear einfach zuschlagen
muss. Und allen anderen damit beweist, wie cool sich das eigentlich klassische Muster zu heutigen Styles zusammenstellen lässt. Das
passiert entweder dadurch, dass man die Checks auf betont lässigen Modellen einsetzt, Karo mit plakativen Details wie Volants oder
überdimensionalen Knöpfen mit einem Augenzwinkern inszeniert oder es mit Pop-Colours als frische Check-Varianten neu interpretiert. Am
liebsten in knalligem Gelb. In Rot dagegen kommt das Karo für die vielfältigen Outerwear-Modelle in Wild-West-Manier zum Einsatz. Ausge-
stattet mit flauschigem Teddyfutter – oder gleich im Komplett-Plüschmodell –, hält der Trend auch in langen Prärienächten warm. Dazu passt
Cord. Perfekt machen den Western-Look Fransen, Nieten und Folklore-Stickereien. BN
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cowboyland
NOISY MAY
DICKIES
MAVI
12 01 2018© stock.Adobe.com / michaklootwijk
trends
camouflage
JACK AND JONES
ALBERTO
PEPE JEANS LONDON
M
it dem Puffer Jacket zieht ein neuer Outerwear-Favorit in die Kollektionen ein, der der Bomberjacke mit spielerischer Leichtigkeit
den Rang abläuft. Dick gefüttert, mit breiten bis schmalen Steppnähten darf die Daunenjacke sein. Kapuzen stehen für ultimati-
ven Urbanwear-Charakter. Die neuen Puffer Jackets bilden auch die Bühne für das liebste Herrenmuster der Saison. Denn Ca-
mouflage ist stärker als je zuvor und kommt vor allem als glänzende Variante auf den dicken Jacken gut zur Geltung. Aber die einzelnen Tarn-
farben werden auch gerne solo allover verwendet und schimmern auch dabei oft im Wet Look. Wenn es etwas sportiver sein soll, dann greift
man zu Puffers im Retro-Sports-Look. Breite Blockstreifen in poppigen 80ies-Colours sorgen hier für Eyecatcher. In jungen Pastell- und fri-
schen S
orbetfarben-Kombinationen bekommt das Thema noch einen ganz neuen Twist. BN
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PEPE JEANS LONDON
colourblock
ORIGINAL PENGUIN
HUNTER
01 2018 13collections
TIMEZONE
ICHI
5PREVIEW
ONLY
MARC O‘POLO DENIM
DICKIES
EINE FARBPALETTE WIE EINE NACHT IN
DER PRÄRIE – STEPPENGRAS, SANDBODEN,
PRAIRIE
EIN PAAR WILDE TIERE UND
DIE STERNE AM NACHTHIMMEL
14 01 2018collections
DICKIES
© Dickies
Style-Update. Die neue Closed-Damen-Kollektion hat Eighties Love. In der Blue Denim Collection von Liu Jo standen die
bewährten Formen ein umfassendes Update verpasst und mixt 80ies Pate für eine weite Range an Jeansstyles. Dazu zählen unter
dafür auch traditionelle und zeitgemäße Materialien. Nicht nur anderem Blue und Black Non-Stretch-Denims aus 100 % Baum-
kommt die Workwear in Boiled Wool, die bereits im Sommer wolle, Retro-Waschungen, der neue »New Mom Style« mit hoher
in klassischem Blau wichtig war, in der neuen Saison in einem Taille und schmalem Bein, der zu kurzen oder oversized langen
Lachston. Auch der Denim-Fit »Worker 85« wird nun in High- Jacken getragen wird. Die »Botton Up Split« wartet mit Spitze und
Waist-Variante mit 80ies-Details und geradem Bein gezeigt. Schlitzen auf, die »Ideal« mit Details im Animal-Print – beide in
Ein Highlight ist ein voluminöser karierter Trenchcoat, generell schwarzen Waschungen von Full Black bis Stay Black. Grauschat-
werden die Mäntel nun ein wenig länger. Key-Style: weiche tierungen sind bei mehr gewaschenen Denims sowie beim neuen
Cordhose zu dickem Worker-Denim-Hemd, Kapuzenjumper und Varianten wie dem Super Stone Wash oder dem Retro Wash wich-
maskulinem Blazer. Aber auch klassisches Vichy-Karo findet tig. Spannend sind Modelle, bei denen metallisches Mesh durch die
auf romantischen Blusen oder als Trench-Futter Platz. Ein Eye- Rips blitzt, aber auch florale Stickereien, die mit Strasssteinen
catcher ist Regenbogenstrick in luxuriösem Mohair. Ganz neu zusätzlich geschmückt werden. Auch die »Bottom Up Amazing Fit«
für Closed: Erstmals spielt man auch mit dem eigenen Logo. Es erhält durch ein Update ein wenig mehr feminine Ausstrahlung, die
kommt als subtiler Transparent-Print für Mantelgürtel zum »Bottom Up Divine« gefällt mit floralen Applikationen mit schwar-
Einsatz oder in Form eines Prints mit japanischen Elementen, zen Pailletten. Glitzerbänder an den Seiten zieren die »Bottom Up
der das Schriftzeichen für »Closed« beinhaltet. Auch der Män- Ghetty« in Schwarz, Pailletten an den Knien die »Bottom Up Divine«
nerkollektion verleihen japanische Einflüsse einen neuen Twist. Contrasts & Corduroy. New Labels wie Dickies können in und Kunstleder-Besatz die »Bottom Up Ideal«. Ergänzt wird die
So wird etwa das olivgrüne Workwear-Jacket mit auffälligen Saisonen wie dieser mit ihrem langjährigen Workwear-Know- Kollektion durch eine breite Jackenrange mit langen und kurzen
japanischen Stickereien versehen, modische weiße Jeans zu how punkten – das sieht man auch in der neuen Kollektion. Varianten, abgefüttert mit Fake Fur oder in Bouclé.
dicken Denim-Kimonos im Vintage-Wash kombiniert. Farblich darf es da auch ruhig mal etwas lauter werden. Etwa
mit der »874 Contrast« für Jungs und Mädels in Schwarz und
knalligem Orange mit Kontrastnähten. Ein feiner Streifen erin-
nert beinah an Businessanzüge, während die Work Pant in Raw
CLOSED Denim authentischen Workwear-Charakter verspricht. Als wich- LIU JO
tigste Qualität neben Denim, der in Antique Wash, Rinsed
© CLOSED
© Liu Jo
Wash, Bleach Wash und verschiedenen Blau- und Graustufen
kommt, ist Cord das Material der Stunde. In charakteristischem
Dunkelblau und »Brown Duck« wird er zu Work Pants im Slim Fit,
zu Hoodies und Jacken mit Sherpa-Kragen aber auch zu Latzklei-
dern verarbeitet. Apropos Sherpa: Richtig warm wird es mit den
vollständig aus Sherpa gefertigten Hoodies in Ecru und Orange
mit Stickerei-Badge und Jacken.
JACK & JONES
© Jack and Jones
Soft Relaunch. Einen kleinen Relaunch hat man bei Jack &
Jones in der Core Collection vorgenommen. Es geht zurück zu
den Wurzeln, zu Workwear- und Military-Einflüssen, während
der futuristischere Look der letzten Saisonen zurückgenommen
wird. Military-Inspirationen äußern sich auch gleich in Form
von Camouflage-Muster, das als Jacke, oder als Logo-Applika-
tion eingesetzt wird. Ein Puffer-Jacket in Grün-Metallic greift
die Farbwelt auf. Der Denim-Look der Core Collection ist nun
erstmals auch gewaschen, im Hemdenbereich setzt man auf
Checks in Blautönen oder Gingham in leichter Waschung. Oran-
gefarbene Details ziehen sich durch die ganze Kollektion, etwa
in Form von Kordelenden bei Hoodies. Das Active-Segment
wurde dahingehend erweitert, dass die Modelle sich nun direkt
für den Sport eignen – dank Feuchtigkeitsmanagement,
Mesheinsätzen und Seamless-Verarbeitung. Für den sportli-
chen Look sorgen Retro-Colourblocking und seitlich eingesetz-
tes Streifen-Tape.
01 2018 15collections
Replay MAVI
© Replay
Decorated Western. Egal, ob kastige Jeansjacken mit Folklore-Muster-Stickerei,
Shirts oder Kleider – Denim stellt einmal mehr seine Vielseitigkeit unter Beweis und
setzt vor allem allover modische Statements. Das Thema »Decorated Western«
beeinflusst maßgeblich die vielseitigen Designs, lässig und entspannt muss es sein,
um bei Mavi in der kommenden Saison Berechtigung zu haben. Jeansjacken mit
betonter Schulterpartie und konisch verlaufenden Ärmeln lassen Inspirationen der
80er-Jahre erkennen, Denim-Sporty-Pants mit Kontrast-Binding und bedrucktem Bund
sowie weite Pleated Pants erzeugen einen angesagten New-Eighties-Look. Aufre-
gend platzierte Reißverschlüsse setzen modische Akzente, im Bereich der Farben
sorgt knalliges Gelb für Highlight-Momente. Besonders cool wirken Denim-Röcke mit
© Mavi
Säumen im Destroyed-Look, kombiniert zu femininen Oberteilen mit verspieltem
Blumenprint präsentieren sie Stilbruch par excellence.
WRANGLER
© Pepe Jeans London
Wrevolution. Die 80er-Jahre sind in der neuen Fall-Preview-
Kollektion unter dem Motto »Wrevolution« unverkennbarer Inspi-
rationsgeber: Muster und Prints sind charakteristisch, die Farbpa-
lette reicht von Tropical Purple und Chalk Pink über Bright
Turquoise und Spectra Green bis zu Faded Yellow und Intense
Black. Das Wrangler-Logo ersetzt als Verlaufsgrafik den Leder-
patch auf der Gesäßtasche, dabei steht der ikonische Regenbo-
gen im Zick-Zack-Muster oder als Doppel-W erneut im Fokus. Die
Key-Styles der Damen sind eine Retro-Cropped Boyfriend Jeans
und Straight Fits im Washed-out-Look mit gewollten Schlitzen
und sichtbaren Knöpfen. Ringer-Logo-Shirts in kräftigen Pastell-
tönen, kurz geschnittene Hoodies und Shirts unterstreichen den
Retro-Trend. Die Herren bekommen mit dem Regular Tapered Fit
Slider einen neuen Style mit weiterer Passform und veränderter
Höhe der Gesäßtaschen. Polos mit 80er-Grafiken, pastellfarbene
Western-Shirts, Hoodies und Sweatshirts sorgen für eine neue
Retro-Optik. Die Capsule Collection bringt zwei Denim-Allover-
Looks mit Logo am Rücken der Damen-Jeansweste bzw. der
Männer-Jeansjacke und am Saum der Hosen sowie einen zweiten
Style aus Short und Jacke in Purple Pop.
© Wrangler
Active 90ies. Sport-Anleihen, Military-Looks und Grunge-
Inspirationen vereinen sich unter dem Motto »Active 90ies« in
der neuen Replay-Kollektion. Contempary Athleisure bedeutet
Logos, Schriftzüge und Streifen auf Jacken und Mänteln sowie
Oversized-Bomberjacken für Damen. Für Herren wird hier der
Parka in neuer Passform angeboten, während die Bomberjacke PEPE JEANS LONDON
als Nylonversion mit Multizipp kommt. Einen Trenchcoat im
Military Look mit Knöpfen und aufgesetzten Flicken, eine Mid-
Light-Jacke in Rot und Camouflagemuster sowie Karohemden Welcome to the Club. Die neue Pepe-Kollektion führt die
mit aufgestickten Sternen tragen die Herren beim Thema Mili- Kunden einmal quer durch einen typischen britischen Club,
tary Mood. Die Damen verbinden Military Looks mit Kleidern beginnend in der »Member’s Lounge«, wo sich Damen mit Blusen
mit Seitenschlitz oder Karoblusen, kurze Röcke im Camouflage- mit wellig gearbeiteten Ärmeln zu einem Plaid-Overcoat, Herren
Print zu Blusen mit vielen Taschen. Das Highlight bei »Silver mit einem Karo-Hemd, Khaki-Mantel und cleanen Jeans wohl-
Lake Effect« ist ein blauer Samtkimono, der zu einem 90ies- fühlen. Statement-Puffer-Mäntel für beide trägt man in »The
Jeans-Style kombiniert wird, bei den Herren sind es die Library«, zum Outdoor-Feeling passen auch Raw und Selvedge
bedruckten Chinos Hyperflex in Woll- und Vintageoptik. Das Denim für Hoodies, Röcke, Jacken und Jeans. Verspielter geht es
Denim-Segment dagegen wird bestimmt von Innovationen wie im »Games Room« mit Slogan- und Logo-Jumpers, Hoodies,
»IceBlast«, einer umweltfreundlichen Wäsche, die für Stone- Sneaker und Boots zu, die von Musik, Film und Sport inspiriert
wash-Optik sorgt. Cord kommt sowohl für Herren als auch sind. Die letzte Station bildet der »Drawing Room«. Hier trifft man
Damen – erstere setzen auf eine klassische Farbwelt aus Senf, sich nach dem Dinner, daher ist der Style ein wenig angezogener:
Blau, Bordeaux und Braun, zweitere mögen es in warmen Florale Muster und Tartans schmücken Tops und Hosen für
Puderfarben auch einmal zarter. Damen, die Herren setzen auf Streifen und Print-Shirts.
16 01 2018Sie können auch lesen