Mehr Praxis im Studium - Neuer Studienplan stärkt klinische Ausbildung - Veterinärmedizinische Universität ...
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03 2013
Zeitschrift der Veterinärmedizinischen Universität Wien und der Gesellschaft der Freunde der Veterinärmedizinischen Universität Wien
Mehr Praxis
im Studium
Neuer Studienplan
stärkt klinische
P.b.b. - Verlagspostamt A-1210 Wien - PTA Zul.-Nr. 02Z031513M
Ausbildung GÜTESIEGEL FÜR STALL Seite 6
UND KÄFIG
ab Seite 16 Fachstelle für tiergerechte Tierhaltung und
Tierschutz
GRÜN BERUHIGT Seite 14
Foto: © Vetmeduni Vienna/Bernkopf
Der Botanische Garten der Vetmeduni Vienna
BÜCHER MIT DUNKLER Seite 26
VERGANGENHEIT
Provenienzforschung in der
UniversitätsbibliothekInhalt
Ausgabe 03 I 2013
Kommentar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
Foto: © Marcel Sarközi/Fotolia.com
Vizerektorin Petra Winter über das neue Curricu-
Seite 6
lum für Veterinärmedizin
Die Fachstelle für
tiergerechte Tierhaltung
Kurzmeldungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
und Tierschutz nimmt
ihre Arbeit auf.
Gütesiegel für Stall und Käfig . . . . . . . . . . . . 6
Die Fachstelle für tiergerechte Tierhaltung
Gütesiegel für Stall und Käfig und Tierschutz an der Vetmeduni Vienna
Streiflichter Forschung . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
Foto: © Brandenburgisches Haupt- und Landgestüt Neustadt (Dosse)
BIOS Science Austria . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
Aktuelles vom Verein für Lebenswissenschaften
Seite 28
Christine Aurich und Streiflichter Lehre . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
ihr Team von der
Plattform Besamung Grün beruhigt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
und Embryotransfer der Der Botanische Garten der Vetmeduni Vienna
Vetmeduni Vienna begleiten
Stuten und Hengste
von den Voruntersuchungen Mehr Praxis im Studium . . . . . . . . . .16
bis zum Fohlen. Neuer Studienplan stärkt klinische Ausbildung
Vom richtigen Zeitpunkt Klinisch erprobt . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
SCHWERPUNKTTHEMA
Die Ausbildung für Veterinärmediziner ändert
sich ab dem Wintersemester 2014/2015
Wie ein neuer Studienplan entsteht . 20
Foto: Maria Fritsche
Über Meilensteine und involvierte Gremien
Seite 32
Kinder von Mitarbeitern werden
an der Vetmeduni Vienna in den Früh übt sich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
Ferien professionell betreut. Pflichtpraktikum für Veterinärmediziner auch
im neuen Curriculum
Kompetenzen statt „träges“ Wissen . . 24
Mit Spiel & Spaß durch den Sommer Interview mit Bildungspsychologin
Christiane Spiel
Bücher mit dunkler Vergangenheit . . . . . . 26
Die Geschichte von arisierten Büchern aufarbeiten
IMPRESSUM: Herausgeber, Medieninhaber und Verleger: Veterinärmedizinische Universität Wien
und Gesellschaft der Freunde der Veterinärmedizinischen Universität Wien Vom richtigen Zeitpunkt . . . . . . . . . . . . . 28
1210 Wien, Veterinärplatz 1, T: +43 1 25077 - 0, www.vetmeduni.ac.at Künstliche Fortpflanzung beim Pferd managen
Das VetmedMagazin ist die offizielle Zeitschrift der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Thema-
tische Schwerpunkte sind in erster Linie die universitären Bereiche Forschung, Lehre und Dienstleistung Events . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
sowie andere veterinärmedizinisch bzw. gesellschaftlich relevante Themen. Für namentlich gekenn-
zeichnete Beiträge ist der jeweilige Verfasser verantwortlich. Kinderbetreuung im Sommer . . . . . . . . . . 32
Verantwortliche Redakteurin: Mag. Doris Sallaberger
Redaktionelle Koordination: Mag. Heike Hochhauser PEFC zertifiziert Buchtipps . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
MitarbeiterInnen dieser Ausgabe: Dieses Produkt stammt
aus nachhaltig
Das Tier und wir . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
bewirtschafteten
Dr. Susanna Kautschitsch, Mag.(FH) Felizitas Steindl Wäldern, Recycling und
kontrollierten Quellen.
Anzeigen: Veterinärmedizinische Universität Wien, Public Relations, PEFC/06-39-03 www.pefc.at
Symposium Tier-Mensch-Gesellschaft
1210 Wien, Veterinärplatz 1, T: +43 1 25077 - 1152,
public.relations@vetmeduni.ac.at Forschen für gesunde Schweine . . . . . . . . . 36
Layout: mediadesign, Bachgasse 1, 3730 Burgschleinitz, Technologischer Fortschritt in der Fleischproduktion
T: +43 2984 23 149, F: 14, office@mediadesign.at, mediadesign.at
Druck: Druckerei Janetschek GmbH, Brunfeldstraße 2 Bakterien & Co. sicher nachweisen . . . . . . . 37
3860 Heidenreichstein, T: +43 2862 522 78 11, office@janetschek.at, www.janetschek.at Christian Doppler Labor für Bio-Monitoring eröffnet
Erscheinungsart: Das VetmedMagazin erscheint viermal jährlich. Abgabe gratis.
Vorbehaltlich Satz- und Druckfehler Akademische Feiern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
2Vom Lehren und Lernen
Universitäten stehen am Beginn einer neuen Lehr- und Lernkultur, so
auch unsere Alma Mater. Mit dem neuen Curriculum Veterinärmedizin
eröffnet sich eine neue Perspektive für Studium und Lehre an der Vet-
meduni Vienna. Der Wandel - zusammengefasst unter dem Motto „The
Shift from Teaching to Learning“ - verläuft vielschichtig, denn eine kon-
tinuierliche Qualitätsverbesserung muss auf vielen Ebenen verankert
sein. Die Vetmeduni Vienna trägt mit dem neuen
Studienplan den bildungspolitischen Forderungen
Rechnung, indem
• Studierende als eigenverantwortlich Lernende
wahrgenommen werden,
• die Entwicklung von Kompetenzen in den Mittel-
punkt rückt und die „lose“ Aneinanderreihung von
Wissen aus einzelnen Disziplinen in den Hintergrund,
Foto: © Vetmeduni Vienna / Beranek
• Interdisziplinarität und der Ansatz problem-
bzw. lösungsorientierter Lehre umgesetzt wird,
• interaktive und simulationsbasierte Lehrkonzepte
Einzug in die Lehrpraxis halten.
Mit der Umsetzung des neuen Curriculums im
Wintersemester 2014/2015 steht der nächste
Meilenstein bevor. Neue didaktische (Prüfungs)-
Formate sowie angeleitetes Selbststudium unter verstärktem Einsatz
von neuen Medien stellen hohe und neue Anforderungen an die
Lehrenden. Ein speziell geschnürtes didaktisches Weiterbildungspa-
ket wird die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrer neuen Rolle als
Kompetenzvermittler und Lehrende unterstützten und begleiten. Wir
stehen also am Beginn bzw. schon mitten in einem grundlegenden
Wandel, der eine große Bereitschaft zur Veränderung voraussetzt. An
der Reform arbeiteten viele, viele Lehrende
„Mit der Umsetzung des neuen Curriculums
mit vereinten Kräften, Engagement, Ausdau-
im Wintersemester 2014/2015 steht der
er und Kreativität. Mein aufrichtiger Dank
nächste Meilenstein bevor.“
gebührt allen Lehrenden wie Studierenden,
die sich mit Mut und Weitsicht auf diese Reform eingelassen und diese
konsequent und über viele Monate mitgetragen und mitgestaltet
haben.
Ich möchte an dieser Stelle auch in Erinnerung rufen, dass Lehrende
viele Rollen innehaben, sie sind selten nur Lehrende. Als Forscher,
Kliniker, Betreuer von Abschlussarbeiten und Funktionsträger in Gre-
mien decken sie zahlreiche Aufgaben an unserer Universität ab. In der
hochschulpolitischen Diskussion erfährt universitäre Lehre zunehmend
mehr Aufmerksamkeit – eine erfreuliche Entwicklung. Eine ebenso
begrüßenswerte Premiere halten Sie gerade in Händen. Es ist die erste
Ausgabe eines VetmedMagazins mit einem Schwerpunkt, der sich
ausschließlich der Lehre widmet.
In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern und Leserinnen eine lehr- und
lernreiche Lektüre,
Ihre Petra Winter
Vizerektorin für Lehre und klinische Veterinärmedizin
3Kurzmeldungen
s g e z ei chne t
& A u
Aktuell
Finanzielle Unterstützung für Doktorat
Foto: © Vetmeduni Vienna/ E. Hammerschmid
Amira Shousha, MSc und Mag. Eva Haas sind die diesjäh-
rigen Empfängerinnen der Vetmeduni Success Stipendien.
Sie können sich über eine Förderung von jeweils 12.000 Euro
freuen. Die Universität unterstützt mit diesem Programm
Absolventen des Veterinärmedizinstudiums beim Verfassen
ihrer Doktorarbeit. Im Auswahlverfahren werden etwa die
wissenschaftliche Qualifikation der Antragsteller und die
Relevanz des Forschungsprojekts überprüft.
Amira Shousha schreibt ihre Arbeit am Institut für Fleisch-
hygiene und wird von Ao.Univ.Prof. Dr. Friederike Hilbert
betreut. Eva Haas verfasst ihre Dissertation an der Klinischen
Abteilung für Interne Medizin Kleintiere mit Unterstützung
Stipendiatinnen des Vetmeduni Success Stipendiums 2013 von Ass.Prof. Dr. Nicole Luckschander-Zeller. n
Betriebsratsvorsitzender Jahn
GLUCO CALEA in Pension
Vor der Sommerpause hat sich Dr. Josef Jahn nach
mehr als zehn Jahren als Vorsitzender (und noch län-
ger als Mitglied) des Betriebsrats in den Ruhestand
5 SEC
verabschiedet.
Der Mathematiker unterstützte in den 1970er-Jahren
300 moderner EDV für Forschung und Verwal-
den Aufbau
EASY MEM
tung am damaligen Rechenzentrum der Universität.
Ab 1999 für den Betriebsrat tätig, begleitete Jahn die
Universität in die Vollrechtsfähigkeit und setzte viele
kleine0,5und
µl größere
Maßnahmen, um das
Foto: © Jahn
7
Arbeitsleben der An-
14 1000xzu verbes-
gestellten
30
ØAVG sern. „In meiner rund
40-jährigen Dienstzeit
habe ich 1x viele nette
Kolleginnen und Kol-
CR2032
legen kennen gelernt.
Die werde ich sehr
vermissen“, bedauert
Jahn. Dafür
USB habe er
als Pensionist mehr Zeit für seine Enkelkinder, die
Instandhaltung seines alten Hauses und für seine
große Liebe, das Motorradfahren. n
4Ausgabe 03 I 2013
Deutscher Studienpreis 2013
Vetmeduni Vienna
Mit dem deutschen Studienpreis werden die wichtigsten Disser- evaluiert Forschung
tationen eines Jahres ausgezeichnet. Dr. Judith Benz-Schwarzburg
vom Messerli Forschungsinstitut konn- In diesem Jahr evaluiert die Vet-
te mit ihrer Dissertation „Verwandte im meduni Vienna bereits zum zwei-
Foto: © Vetmeduni Vienna/Messerli Forschungsinstitut
Geiste – Fremde im Recht. Sozio-ko- ten Mal ihre Forschungsleistung.
gnitive Fähigkeiten bei Tieren und ihre In einem ersten Schritt führen alle
Relevanz für Tierethik und Tierschutz“ berufenen Professoren und Profes-
die Jury überzeugen. Ihre Arbeit wur- sorinnen eine Selbstevaluierung
de aus mehr als 400 Dissertationen für ihres Verantwortungsbereichs für
die Finalrunde ausgewählt und in der den Zeitraum 2008 bis 2012 durch.
Kategorie Geistes- und Kulturwissen- Die Selbstevaluierungsberichte
schaften mit dem 3.000 Euro dotierten werden einer externen Experten-
zweiten Preis ausgezeichnet. Am 25. No- gruppe vorgelegt, die sich darüber
vember findet die feierliche Verleihung hinaus bei der Begutachtung vor
mit Norbert Lammert, Präsident des Ort ein Bild von den Forschungs-
Deutschen Bundestages, in Berlin statt. aktivitäten der Organisationsein-
Preisträgerin Benz-Schwarzburg Benz-Schwarzburg war von 2006 bis heiten macht. Auf der Basis von
mit dem „Institutshund“
2012 Doktorandin am Lehrstuhl für Interviews und Diskussionen gibt
Ethik in den Biowissenschaften der das internationale Expertenteam
Universität Tübingen (D) und arbeitet seit November 2011 am Empfehlungen ab. Der Endbericht
Messerli Forschungsinstitut als Universitätsassistentin. inklusive Empfehlungen ist für Fe-
bruar 2014 geplant. n
Biochemiker Gemeiner emeritiert
Nach 43 Jahren an der
Vetmeduni Vienna
emeritierte Univ.Prof.
Dr. Manfred Gemeiner,
Leiter des Instituts für
Medizinische Bioche-
mie.
1970 begann seine
Laufbahn an der Uni-
Informationen für
versität als wissen-
schaftliche Hilfskraft, Kleintier-Praktiker
bevor er Assistent,
später Lektor und Die Klinik für Kleintiere der Vetmeduni Vienna
Zahlreiche Festredner bedankten sich bei Manfred Gemeiner (3.v.l.) für die gemeinsame Zeit.
schließlich Professor für informiert praktizierende Tierärzte im neuen
Biochemie wurde. Meh- Newsletter über Forschungsergebnisse, stellt
rere Auslandsaufenthalte, unter anderem am Max Planck Institut für Biochemie in für die Praxis relevante Services und Literatur-
Deutschland, ergänzten seine Forschungs- und Lehrtätigkeit. Als Institutsleiter, hinweise vor und lädt zu zahlreichen Weiter-
Departmentsprecher und Senatsvorsitzender hat Gemeiner zahlreiche Organisa- bildungsveranstaltungen ein. Anmeldungen
tionsänderungen mitgestaltet. Das Hauptaugenmerk seiner Forschung legte der unter kleintiere@vetmeduni.ac.at n
Biochemiker auf Proteinprofile verschiedener Tierarten. Besonders interessieren
ihn die Wechselwirkungen zwischen Struktur und Funktion von Molekülen sowie
ihre Dreidimensionalität.
Die Weiterentwicklung der Lehre war Gemeiner immer ein Anliegen. Für die EAEVE
(European Association of Establishments for Veterinary Education) war er mehrere
Jahre im Education Committee tätig und leitete bzw. nahm an Evaluierungen anderer
veterinärmedizinischer Ausbildungsstätten teil. Langweilig wird dem vielseitig Interes-
sierten wohl auch nach seiner Emeritierung nicht. Nach einer ersten Ruhephase plant
der Frankophile seinen kulturellen Interessen stärker nachzugehen. n
5Tierschutz
Gütesiegel für
Stall und Käfig
Fachstelle für tiergerechte Tierhaltung und Tierschutz an der
Vetmeduni Vienna nimmt Arbeit auf
Foto: © Marcel Sarközi/Fotolia.com
Für Tierschutz sind nicht nur Tierhalter zuständig, sondern auch Hersteller und Vertreiber
von Haltungssystemen. Das Bundesministerium für Gesundheit hat eine Stelle eingerichtet,
die Haltungssysteme und Stalleinrichtungen sowie Heimtierunterkünfte beurteilt. Elke
Deininger leitet seit 1. Juli 2013 die Fachstelle.
„M ir ist es ein Anliegen, den Tierschutz weiter voran-
zutreiben. Das hat mich motiviert, die Leitung der
Fachstelle für tiergerechte Tierhaltung und Tierschutz zu über-
des Tierschutzgesetzes, erhalten sie ein Tierschutz-Kennzeichen.
Derzeit arbeitet Deininger das genaue Prüfprozedere samt Tier-
schutz-Kennzeichen aus. In Zukunft unterstützen sie zwei weitere
nehmen und nach vielen Jahren in der Akademie für Tierschutz Mitarbeiter bei der Erstellung der Gutachten und Bewertungen.
von München nach Wien zu übersiedeln“, erklärt die Tierärztin Elke
Deininger, seit Juli Leiterin der neuen Einrichtung. Ihre Aufgabe in Österreich setzt neue Standards
der vom Gesundheitsministerium eingerichteten Fachstelle ist es, Mit dem Tierschutz-Kennzeichen ist Österreich Vorreiter in Europa.
alle neuartigen Haltungssysteme für Nutztiere und Unterkünfte für Bisher müssen landwirtschaftliche Haltungssysteme nur in der
Heimtiere zu begutachten. Schweiz und in Schweden ein tierschutzrechtliches Zulassungs-
verfahren durchlaufen. Ein staatliches Tierschutz-Kennzeichen für
Für neuartige Nutztier-Haltungssysteme ist die Bewertung in Zu- Heimtier-Unterkünfte gibt es europaweit nirgendwo. Es sei daher
kunft verpflichtend, um sie auf den österreichischen Markt bringen besonders begrüßenswert, findet Deininger, schließlich gelte das
zu können, für Heimtier-Einrichtungen hingegen optional. Ent- Tierschutzgesetz für alle. Tierhalter kauften oft problematische
sprechen die Stallsysteme und Einrichtungen den Grundsätzen Haltungssysteme und nicht-tiergerechtes Zubehör in Zoofach-
6Foto: © Vetmeduni Vienna
Ausgabe 03 I 2013
geschäften, ohne sich dessen bewusst zu sein. Das Tierschutz-
Kennzeichen liefere ihnen einen wichtigen Anhaltspunkt für die
Kaufentscheidung.
Mehr Rechtsicherheit für Tierhalter
Basis für die Beurteilung von Haltungssystemen ist das Tierschutz-
gesetz. Tiere dürfen durch Stall, Käfig und Co. in ihrer Körperfunk-
tion und in ihrem Verhalten nicht gestört werden und keine Schä- Die Fachstelle wird solche neuartigen Abferkelbuchten begutachten
den davontragen. Ihre Anpassungsfähigkeit darf außerdem nicht
überfordert werden. Ein Beispiel für Überforderung: Rinder oder zu treffen, wird eine externe Prüfstelle beauftragt. Nur vom Mi-
Pferde werden durch das Haltungssystem gezwungen, auf eine nisterium anerkannte Einrichtungen dürfen die detaillierte wis-
Weise aufzustehen oder sich hinzulegen, die nicht den arteigenen senschaftliche Prüfung durchführen. Die Experten beobachten
Verhaltensweisen entspricht. dabei die Tiere und ihr Verhalten in den Haltungssystemen und
dokumentieren haltungsbedingte Schäden. Anmeldungen zum
Die Schweizer Prüfstelle begutachtete in der Vergangenheit bei- Gutachten erwartet Deininger vor allem aus den Bereichen neuar-
spielsweise Fütterungsanlagen für Schweine, in denen die Tiere tiger Haltungssysteme für Schweine, Fütterungssysteme für Pferde
einzeln und hintereinander fressen und Bodenmaterialien für alle Tierarten.
mussten. Schweine haben jedoch das „In Zukunft soll bereits vor dem Verkauf, Ein Schwerpunkt wird in Zukunft auch die
Bedürfnis, gemeinsam zu fressen. So oder besser noch, bereits in der Entwick- Begutachtung von neuen Abferkelbuch-
musste in diesen Systemen sicherge- lung von Haltungssystemen der Aspekt der ten sein, die Sauen während der Zeit, in der
stellt werden, dass an den Fressstati- Tiergerechtheit gestärkt werden“ sie Ferkel haben, mehr Bewegungsfreiheit
onen nicht zu großer Andrang und erlauben.
Aggressivität entsteht. „In Zukunft soll bereits vor dem Verkauf,
oder besser noch, bereits in der Entwicklung von Haltungssyste- Expertise der Vetmeduni Vienna nutzen
men der Aspekt der Tiergerechtheit gestärkt werden“, betont Dei- Um neuartige Systeme überhaupt beurteilen zu können, ist das
ninger. „Ein Landwirt, der ein neues System mit dem Tierschutz- Wissen über das Verhalten der Tiere sowie über Tiergesundheit es-
Kennzeichen einbauen lässt, hat dann die Sicherheit, dass es den senziell. Die Ansiedlung an der Veterinärmedizinischen Universität
gesetzlichen Anforderungen entspricht. Und ein Amtstierarzt kann Wien ist für die Leiterin der Fachstelle optimal. Der Austausch mit
sich ebenfalls an der Bewertung der Fachstelle orientieren, wenn den Experten, egal ob im Nutztier- oder im Heimtierbereich, lasse
er den Einsatz eines Haltungssystems im Stall überprüft.“ sich hier leicht bewerkstelligen. Auch der Zugang zur wissenschaft-
lichen Literatur in der Bibliothek sei gewährleistet.
Wie läuft die Zertifizierung ab?
Ein Produzent, der zum Beispiel ein neues Fütterungssystem an- Skepsis abgelegt
bieten möchte, meldet sich für ein Gutachten bei der Fachstelle Aus Erfahrungen in der Schweiz weiß Deininger, dass Hersteller
an. Er reicht alle relevanten Unterlagen zum Produkt ein, damit nach anfänglicher Skepsis die Zusammenarbeit mit der dortigen
sie von der Fachstelle überprüft werden können. Die Experten Prüfstelle schätzten. Bei der Entwicklung neuer Produkte hätten
recherchieren wissenschaftliche Literatur, überprüfen vorhandene sie sich schon sehr früh an die Prüfstelle gewendet, um wissen-
Testberichte und besichtigen den Prototyp des Systems. Kommen schaftliche Expertise einzuholen. „Letztendlich werden alle von
sie zu einem positiven Ergebnis, wird das Tierschutz-Kennzeichen der neuen Fachstelle profitieren. Und am meisten natürlich die
verliehen. Fehlt es noch an Informationen, um eine Entscheidung Tiere selbst“, ist Deininger überzeugt. n
Tierschutzexpertin Dr. Elke Deininger
Foto: © Vetmeduni Vienna/Hochhauser
Elke Deininger beschäftigt sich seit vielen Jahren mit tiergerechter und an-
gewandter Verhaltungsforschung. Nach ihrem Veterinärmedizin-Studium
sammelte die gebürtige Heidelbergerin erste Berufserfahrungen im Zentrum
für tiergerechte Haltung, Wiederkäuer und Schweine in der Schweiz. Ihr
Schwerpunkt lag dort auf der Beurteilung von Gruppenhaltungssystemen
für Sauen. Beim Schweizerischen Schweinegesundheitsdienst beschäftigte
sie sich später hauptsächlich mit der Bestandsbetreuung und der Stallbau-
beratung in der Schweinehaltung. Zuletzt war sie ein Jahrzehnt bei der
Akademie für Tierschutz als wissenschaftliche Fachreferentin zu Fragen des
Tierschutzes in München tätig. Mit 1. Juli 2013 wurde sie vom Bundesminister
für Gesundheit als Leiterin der neu gegründeten Fachstelle für tiergerechte
Tierhaltung und Tierschutz bestellt. n
„Letztendlich werden alle von der neuen Fachstelle profitieren.
Und am meisten natürlich die Tiere selbst.“
7Forschung
i f li ch t er
Stre
Foto: © tom/Fotolia.com
lia.com
Foto: © NiDerLander/Foto
For s c h un g
Mäusedamen „lieben“ Lebensraum Grasland erhalten
mehrere Partner Das asiatische Grasland etwa in Kirgistan, der Mongolei oder China ist durch Überweidung
Kerstin Thonhauser und Kollegen vom Kon- und in Folge Bodenerosion gefährdet. Für das ökologische Gleichgewicht wie für die regio-
rad-Lorenz-Institut für Vergleichende Ver- nale Wirtschaft haben die Weidegebiete jedoch eine Schlüsselfunktion. Mit Unterstützung
haltensforschung an der Vetmeduni Vienna von Experten der Vetmeduni Vienna und der Universität für Bodenkultur Wien entstand
haben das Sexualverhalten wilder Hausmäu- im Herbst 2013 bereits das zweite Forschungszentrum zum Lebensraum Grasland an der
se untersucht und herausgefunden, dass Mongolian State University of Agriculture in Ulan Bator (nach Kirgistan im Jahr 2012). Das
Weibchen sich besonders promiskuitiv ver- Projekt hat zum Ziel, das Grasland zu erhalten und entstand im Rahmen des Universitäten
halten, wenn sie mit sexuell unerfahrenen Netzwerks Eurasia-Pacific Uninet (EPU). www.eurasiapacific.net n
Männchen konfrontiert sind. Eine Erklärung
für dieses Verhalten ist die Vermeidung des
so genannten Infantizids. Er beschreibt Wie Körperzellen vor Krebs schützen
das Töten von Jungtieren der eigenen Art.
Männliche Mäuse töten häufig Jungtiere, um Jede Zelle im Organismus hat eine ganz bestimmte Aufgabe. Einige Zellen sind dazu be-
selbst zum Zuge zu kommen. Sexuell uner- stimmt, körpereigene Zellen zu eliminieren. Diese so genannten „Natürlichen Killerzellen“
(NK Zellen) bewahren uns in manchen Fällen sogar vor der Entstehung von Krebs. NK Zellen
werden von verschiedenen Proteinen, wie zum Beispiel STAT1, reguliert. STAT1 gewährleistet
die Kommunikation zwischen Immunzellen und wird üblicherweise durch Phosphorylie-
rung aktiviert. Ein Forscherteam um Veronika Sexl vom Institut für Pharmakologie und
Toxikologie an der Vetmeduni Vienna zeigte nun, dass eine bestimmte Form dieser STAT1
Phosphorylierung auch hemmend wirken kann. In NK Zellen führt dies dazu, dass weniger
Krebszellen eliminiert werden. Die Ergebnisse der Studie zeigen einen möglichen Weg,
das Immunsystem gegen Krebserkrankungen zu stärken und könnten von unmittelbarer
Foto: ©Vetmeduni Vienna/Thonhauser
therapeutischer Relevanz sein. n
PUTZ E.-M., GOTTHARDT D., HOERMANN G., CSISZAR A., WIRTH S., BERGER A., STRAKA E., RIG-
LER D., WALLNER B., JAMIESON A.M., PICKL W.F., ZEBEDIN-BRANDL E.M., MÜLLER M., DECKER
T., SEXL V. (2013): CDK8-mediated STAT1-S727 phosphorylation restrains NK cell cytotoxicity
and tumor surveillance. Cell Reports
Mäuseweibchen schützen Nachkommen durch promiskuitives Das Haar in der Probe
Verhalten.
Das Cushing-Syndrom (Hyperadrenokortizismus) ist eine
Foto: © Vetmeduni Vienna/Ouschan
fahrene Männchen tun das besonders oft. häufige hormonelle Erkrankung bei Hunden. Sie entsteht,
Haben die Männchen allerdings die Chance, wenn die Hirnanhangdrüse zu viel Cortisol produziert und
sich mit einem Weibchen zu paaren, töten führt zu verschiedenen gesundheitlichen Beeinträchtigun-
sie seltener die Nachkommen dieses Weib- gen der Tiere. Wissenschafter vom Institut für Medizinische
chens. Die Jungtiere könnten ja von ihm Biochemie der Vetmeduni Vienna entwickelten eine Metho-
selbst abstammen. So schützen Weibchen de, mit der erhöhtes Cortisol unkompliziert in Hundehaaren
mit promiskuitivem Verhalten den eigenen nachgewiesen werden kann. Üblicherweise musste für die
Nachwuchs. Die Forscher vermuten, dass Messung Blut entnommen werden. Die neue nicht-invavise
Mäuse über Duftmarkierungen und über das Technik bedeute eine Erleichterung für die Diagnostik, so die
Verhalten der Tiere erkennen können, ob ein Erstautorin der Studie, Claudia Ouschan: „Cortisol in Haaren
Männchen bereits sexuell erfahren ist. n nachzuweisen ist viel einfacher für den Tierarzt und stress-
freier für den Hund. Die gemessenen Werte beziehen sich auf
THONHAUSER K., RAVEH S., HETTYEY A., BEISS- einen längeren Zeitraum und sind somit verlässlicher.“ n Probeentnahme beim Hund
MANN H., PENN D. (2013): Why do female mice
mate with multiple males? Behavioural Ecology OUSCHAN C., KUCHAR A., MÖSTL E. (2013): Measurement of cortisol in dog hair: a noninvasive
and Sociobiology tool for the diagnosis of hypercortisolism. Journal of Veterinary Dermatology
8Ausgabe 03 I 2013
Foto: © vorbeck
Warum heulen Wölfe?
Wölfe haben ihre eigene Art Friederike Range, von der Abteilung für Speichel der Tiere spiegelte nicht die
zu kommunizieren - sie heu- Vergleichende Kognitionsforschung, er- Intensität des Heulens wider. „Wir ver-
len. Entfernt sich ein Wolf klärt: „Wir untersuchten mehrere Wolfsru- muten also, dass Wölfe zumindest einen
vom Rudel, heulen die rest- del. Verließ ein Alphatier das Rudel, wur- Teil ihres Heulens flexibel kontrollieren
lichen Tiere. Wissenschafter de verstärkt geheult. Wurden sozial eng können“, so Range. n
des Messerli Forschungsinsti- miteinander verbundene Wölfe getrennt,
tuts an der Vetmeduni Vienna löste dies ebenso starkes Geheul aus.“
fanden heraus, dass die Bezie- Wie intensiv die Wölfe heulen, ist weniger MAZZINI F., TOWNSEND S.W., VIRÁNYI Z.,
hung zwischen den Wölfen von ihrem emotionalen Stress abhängig RANGE F. (2013): Wolf howling is mediated
von großer Bedeutung für die als von der Beziehung zum getrennten by relationship quality rather than under-
Intensität des Heulens ist. Tier. Die gemessenen Cortisolmenge im lying emotional Stress. Current Biology
Immunzellen beeinflussen Trächtigkeit
Foto: © Vetmeduni Vienna/Aurich
Christine Aurich, Leiterin der Plattform um in bestimmten Fällen Abwehrreakti-
Besamung und Embryotransfer an der onen des Körpers zu unterdrücken. Die
Vetmeduni Vienna, untersuchte mit Kol- Wissenschafter fanden heraus, dass nied-
legen, welche Rolle das Immunsystem bei rige Mengen von Treg Zellen im Blut zu ver-
der Trächtigkeit von Pferden spielt. Die frühten Trächtigkeitsverlusten führen. n
Forscher wollten wissen, ob ein früher
Verlust der Trächtigkeit mit der Aktivität
bestimmter Immunzellen, so genannter AURICH C., WEBER J., NAGEL C., MERKL
T Zellen (Treg Zellen) zusammenhängt. Sie M., JUDE R., WOSTMANN S., OLLECH D.,
entwickelten eine Methode, um die Treg BARON U., OLEK S., JANSEN T. (2013):
Zellen im Blut von Stuten nachzuweisen. Low levels of naturally occurring regu-
Diese Zellen bremsen das Immunsystem, latory T lymphocytes in blood of mares
Erfolgreiche Trächtigkeit erfordert ein
gebremstes Immunsystem
uegl /Fotolia.com
Foto: © Franz Pfl
9BIOS Science Austria
BIOS Science Austria
Was gibt es Neues?
Der Verein BIOS Science Austria engagiert sich seit seiner Gründung 2011 für die Bündelung
von Forschungsaktivitäten in den Lebenswissenschaften. Die Vetmeduni Vienna gehört neben
der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU), dem Lebensministerium und der Agentur für
Ernährungssicherheit und Gesundheit (AGES) zu den Gründungsmitgliedern. Der jüngste
Zugang ist das Austrian Institute of Technology (AIT).
Wirtschaft ohne fossile Rohstoffe Die Strategie Europa 2020 skizziert drei Das Bioökonomie-Positionspapier von
BIOS Science Austria arbeitet momentan Schwerpunkte für eine nachhaltige Wirt- BIOS Science Austria wird am 13. Novem-
an einem Bioökonomie-Positionspapier. schaftsentwicklung: ber 2013, um 16.00 Uhr im Lebensmini-
Bioökonomie setzt auf die Nutzung nach- sterium im Rahmen der Herbsttagung der
wachsender Rohstoffe und die Effizienz • intelligentes Wachstum mit dem Fokus BOKU präsentiert. n
natürlicher Kreisläufe. auf eine wissens- und innovationsge-
Zentrales Ziel dieser europäischen Bioöko- stützte Wirtschaft
nomie-Strategie ist der Übergang zu einer
auf erneuerbaren Ressourcen basierenden • nachhaltiges Wachstum zur Förderung
Wirtschaft, um die Herausforderungen des einer ressourcenschonenden und um-
21. Jahrhunderts zu bewältigen. Zu diesen weltfreundlichen Wirtschaft
zählen etwa die nachhaltige Versorgung Weitere Informationen
der wachsenden Weltbevölkerung, die • integratives Wachstum, das auf ein ho- www.bios-science.at
Reduktion von Treibhausgasen und die hes Beschäftigungsniveau und hohe
Verknappung fossiler Ressourcen. Lebensqualität abzielt
Wegbereiter für (Bienen-)forschung
Um die Anbahnung größerer Forschungs- schaftliche Produktion. Neben der Var- aus verschiedenen Ländern belegen einen
projekte zu ausgewählten Themenbe- roa-Milbe werden eine Reihe von viralen direkten Einfluss bestimmter Viren (Ifla-
reichen zu forcieren, förderte der Verein Krankheitserregern für vermehrte Kolo- viren, Dicistroviren) auf die Vitalität von
BIOS Science Austria im Rahmen seiner nieverluste während der Überwinterung Bienenvölkern.
Ausschreibung insgesamt vier Koopera- verantwortlich gemacht. Untersuchungen
tionsprojekte. Eines der geförderten Pro- Als erster Schritt zur Aufklärung der (mo-
jekte stammt vom Institut für Virologie der lekularen) Pathogenese entwickeln die
Vetmeduni Vienna. Kooperationspartner: Wissenschafter monoklonale Antikörper
Institut für Anatomie, Histologie und Em- gegen die Struktur- und Nichtstrukturpro-
bryologie (Vetmeduni Vienna) und Institut teine dieser Viren. Hierbei steht die Aufklä-
für Saat- und Pflanzgut, Pflanzenschutz- rung der Virusausbreitung in der Larve bzw.
dienst und Bienen (AGES) der adulten Biene sowie der Varroa-Milbe
im Vordergrund. Dafür sind hochspezi-
Die Honigbiene ist wegen ihrer Funktion fische Reagenzien nötig, die gleichzeitig
als Bestäuber in der Landwirtschaft ein die Grundlage für diagnostische Untersu-
wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Kolonie- chungsmethoden bilden. Diese Methoden
zusammenbrüche bei von Imkern gehal- könnten als kostengünstige und schnelle
tenen Bienenvölkern und der damit ver- Alternative zur derzeit üblichen RT-PCR
bundene Verlust an Bestäubungsleistung Diagnostik Anwendung finden. n
Foto: @Fotolia|Brinx
beeinträchtigen weltweit die landwirt-
10EINE SEITE
Ausgabe 03 I 2013
WEITER.
Immer im Jetzt, den Blick nach vorn,
heute interessant und morgen noch
relevant. Das ist Qualitätsjournalismus,
wie wir ihn verstehen.
DiePresse.com
11Lehre
Foto: © Javier Brosch/Fotolia.com
i f li cht er
Stre
Lehre
Freiwilliger Wissenstest Vetmeduni Vienna informiert über ihr Studienangebot
für Studierende Mit dem Studienjahr beginnt für das Public Relations-Team und seine studentischen Mit-
arbeiter wieder die Zeit der Studienmessen. Bereits seit vielen Jahren ist die Vetmeduni
Im Dezember 2013 findet an der Vienna, gemeinsam mit der Österreichischen Tierärztekammer, auf der größten Messe für
Vetmeduni Vienna erstmals der Beruf, Studium und Weiterbildung, der BeSt³, vertreten; heuer wieder in Wien, Salzburg
sogenannte Progress Test Tierme- und Graz. In Innsbruck informieren künftige Veterinärmediziner auf der VISIO-Tirol über das
dizin statt. Der interdisziplinäre Test Studienangebot. Nach erfolgreicher Teilnahme im vergangenen Jahr stellt die Vetmeduni
besteht aus 136 Multiple-Choice- Vienna auch dieses Jahr speziell ihre Masterstudiengänge bei der MASTER AND MORE im
Fragen, die stichprobenartig den Wis- Austria Center Vienna vor. Bei der neuen Messe Schule & Beruf im niederösterreichischen
sensstand überprüfen, der von einem Wieselburg ist sie ebenfalls mit einem Messestand vertreten. n
Absolventen der Veterinärmedizin
Foto: ©Vetmeduni Vienna/Bernkopf
Foto: ©Vetmeduni Vienna
Schummeln ist zwecklos. Der Progress Test ist ein
Selbsttest.
am ersten Berufstag erwartet wird.
Um den Lernfortschritt kontinuierlich Termine:
zu überprüfen, können Studierende Schule & Beruf Wieselburg, 03. bis 05.10. 2013, www.messewieselburg.at
vom ersten Semester bis zum Studie- BeSt³ Graz, 17. bis 19.10. 2013, www.best-graz.at
nabschluss einmal pro Jahr freiwillig VISIO-Tirol Innsbruck, 06. bis 08.11. 2013, www.visio-tirol.at
an diesem Selbsttest teilnehmen. MASTER AND MORE Wien, 14.11. 2013, www.master-and-more.at
Ohne Notendruck werden Teilneh- BeSt³ Salzburg, 21.bis 24.11. 2013, www.best-salzburg.at
mende sogar mit Wahlfachpunkten BeSt³ Wien, 06. bis 09.03. 2014, bestinfo.at
belohnt.
In der Humanmedizin hat sich der
Progress Test bereits bewährt. Für
die Veterinärmedizin entsteht derzeit Impulsfrühstück für Lehrende
ein Fragenkatalog in Kooperation
von sieben deutschsprachigen vete- Das Vizerektorat für Lehre und klinische Veterinärmedizin lädt alle Lehrenden zum ersten
rinärmedizinischen Universitäten, im Impulsfrühstück ein. Die neue Veranstaltungsreihe verknüpft wertvolle Experten-Inputs
Rahmen des Projekts KELDAT (Kompe- zu Pädagogik und Didaktik mit einem gemütlichen Frühstück. Den Auftakt macht Rudolf
tenzzentrums für E-Learning, Didaktik Egger, Experte für Life Long Learning vom Institut für Erziehungs- und Bildungswissen-
und Ausbildungsforschung der Tier- schaft der Karl-Franzens-Universität Graz. Keine Anmeldung erforderlich.
medizin). Studierende, die am Progress
Test Tiermedizin teilnehmen möchten, Thema: Lehrpraxis im Transfer: Stärken zeigen – Chancen realisieren
wenden sich an Termin: 22. Oktober 2013, 8:00 bis 9:00 Uhr
studieninfo@vetmeduni.ac.at n Ort: Tutorial-Raum im Skills Lab VetSIM (Gebäude SA)
12Ausgabe 03 I 2013
Liebe Kolleginnen
und Kollegen!
Online-Services rund um‘s
Studieren
Manch Studierender oder Lehrender hat
sich schon einmal die Frage gestellt, was Praktikum im Schlachthof – notwendiges Übel oder
genau hinter den einzelnen IT-Services der wertvolle Erfahrung?
Universität steckt. Was auf den ersten Blick
verwirrend erscheint, ist schnell aufgeklärt. Das Schlachthofpraktikum stellt für viele Studierende ein notwendiges Übel auf
dem Weg zum Tierarztdasein dar. Dass wir aber als angehende Veterinärmedizi-
Vetmediathek® ner die Pflicht haben, auch diesen Aspekt unserer Ausbildung höchst gewissen-
Neu im Angebot der IT-Services ist die Da- haft zu absolvieren, vergessen viele. Ganz unabhängig davon, welches Berufsfeld
tenbank für Fotos, Videos und PDF-Dateien. ein Veterinärmediziner nach dem Studium anstrebt, muss doch grundlegende
Studierende können über ein PDF-Archiv auf Ausbildung bei allen dieselbe sein.
Fallberichte aus den Universitätskliniken zu- Im Nachfolgenden möchte ich kurz darauf eingehen, warum manche Studieren-
greifen, klinische Fotos ansehen und Videos den die Notwendigkeit eines Schlachthofpraktikums nicht erkennen und diesen
abrufen. Lehrende haben einen sicheren Ort wichtigen Ausbildungsteil vernachlässigen.
zur Archivierung von Bild-, Audio- und Vide-
Die EU-Richtlinie über die Anerkennung
von Berufsqualifikationen 2005/36 hält un-
Foto: © Vetmeduni Vienna
ter Punkt „5.4.1. Ausbildungsprogramm für
Tierärzte“ fest, dass praktische Arbeiten, ein-
schließlich praktischer Tätigkeit im Schlacht-
hof und in der Lebensmittelverarbeitung, zu
absolvieren sind.
Foto: ©HVU/Rink
odateien. Zusätzlich besteht die Möglichkeit Im Curriculum für Veterinärmedizin der Vet-
des geregelten Datasharings innerhalb der meduni Vienna ist zudem festgelegt, dass
Universität. dieses vierwöchige Pflichtpraktikum, unsere
www.vetmeduni.ac.at/vetmediathek Vorbildung oder wissenschaftliche Ausbil-
dung sinnvoll ergänzen soll. HVU-Vorsitzende Leonie Zieglowski
VetmedOnline
Im zentralen Verwaltungssystem werden Ohne die Absolvierung unseres Schlachthofpraktikums kann zudem weder die
alle studienrelevanten Daten gespeichert. EU-weite Anerkennung unseres Studienabschlusses, noch die Akkreditierung der
Studierende können sich für Lehrveranstal- EAEVE beibehalten werden. Wir wären somit zweitklassige Veterinärmediziner.
tungen und Prüfungen anmelden sowie ihre
Noten abrufen. Lehrende stellen Inhalte von In Deutschland herrscht eine ganz andere Situation: Hier müssen immer häufiger
Lehrveranstaltungen auf die Plattform, kün- Vetmed-Studierende für ihr Schlachthofpraktikum bezahlen, weil die Schlacht-
digen Prüfungstermine an und erfassen die hofbetriebe regelrecht die Nase voll von Studierenden haben, und sich aufgrund
Noten. des starken Rückgangs der Schlachthöfe alle Studierenden des Landes um die
https://online.vetmeduni.ac.at wenigen Praktikumsplätze bemühen.
Vetucation® Ich frage mich, wer diskutiert denn mit einem Klinikchef über die Notwendigkeit
Studierende haben die Möglichkeit, Lernun- seines Klinik-Praktikums, oder fragt sogar, ob er/sie vielleicht von seinen/ihren
terlagen zu beziehen sowie in Diskussionsfo- vier Wochen Spitalspraktikum beispielsweise nur an zehn Tagen anwesend
ren und Selbsttests ihr Wissen zu vertiefen. sein muss? Und das, weil er/sie später gerne als Veterinärmediziner auf einem
Für Lehrende bietet das Service Unterstüt- Schlachthof arbeiten möchte?
zung, um E-Learning-Kurse durchzuführen,
Multimedia in den Unterricht zu integrieren Ich denke, es ist von keinem Studierenden zu viel verlangt, sich an sein Durch-
und Online-Prüfungen abzuwickeln. haltvermögen zu erinnern und diese vier Wochen Schlachthofpraktikum mit
https://vetucation.vetmeduni.ac.at n höchstens 20 Schlachttagen zu ertragen… und ja, vielleicht sogar mit ganz neuen
Erkenntnissen und Ansichten aus diesem hervorzugehen.
tolia.com Herzliche Grüße,
Foto: © Petair/Fo
Leonie Zieglowski (Vorsitzende)
13Botanischer Garten
Grün beruhigt
Der Botanische Garten der Vetmeduni Vienna duftet, schmeckt
Remigius Chizzola und
Bettina Bein-Lobmaier
begeben sich auf
Entdeckungsreise durch
das grüne Herz der Nahrungspflanzen
Vetmeduni Vienna – den
Botanischen Garten.
A ußenstehende werden gar nicht
vermuten, dass das Gelände der
Vetmeduni Vienna auch einen Botanischen
Garten beherbergt. Konzipiert als Schau-
und Lehrgarten mit Informationen zu
wichtigen Pflanzen für Medizin, Fütterung
und Ernährung ist dieser bunt bepflanzte
Bereich am Campus aber noch viel mehr.
„Der Garten an unserer Universität ist ein
Erholungs- und Begegnungsraum für Stu- Die drei Bereiche im Botanischen Garten: Nahrungspflanzen, Giftpflanzen sowie Arznei- und Würzpflanzen
dierende, Mitarbeiter, Tierpatienten und
deren Besitzer“, schwärmt Ao.Univ.Prof.Dr. Die botanische Triade den Garten neu verpflanzt werden. An sehr
Remigius Chizzola, der wissenschaftliche Was viele nicht wissen: Der Botanische Gar- heißen Tagen starten die Gärtnerinnen be-
Leiter des Gartens. ten wurde nach genauen Überlegungen reits um 6 Uhr 30 mit der Bewässerung und
Betreut und gepflegt wird die duftende angelegt. Das Areal teilt sich in drei Be- Pflege. Abends wird ein zweites Mal mit der
Pflanzenanlage von Bettina Bein-Lobmaier, reiche, die in Richtung der thematisch Hand gewässert. Im Garten werden keine
technische Leiterin des Gartens, und Gabri- dazu passenden Einrichtungen zeigen. Spritzmittel eingesetzt und gedüngt wird
ela Dekrout-Szpuszta, alle drei vom Institut Der Bereich der Arznei- und Würzpflanzen nur mit biologischen Mitteln wie Humus.
für Tierernährung und funktionelle Pflan- ist also in Nähe der Mensa angelegt. Die
zenstoffe. Die beiden Frauen engagieren Giftpflanzen liegen nahe der Apotheke und Besonderheiten und Raritäten
sich neben ihren Aufgaben am Institut lei- die Nahrungspflanzen zeigen in Richtung Einige Pflanzen im Botanischen Garten sind
denschaftlich für das ganzjährige Wachsen des Institutes für Tierernährung und funk- Raritäten oder zeichnen sich durch beson-
und Blühen im Garten. tionelle Pflanzenstoffe. ders prachtvolles Wachstum oder eigen-
Der Botanische Garten wurde im Zuge tümliches Blühverhalten aus. Beispielswei-
der Übersiedelung der Vetmeduni Vienna Hinter den Kulissen der grünen Oase se öffnen sich die Blüten der Nachtkerze
auf dem neuen Campus 1997 angelegt. Im Herbst werden die Samen geerntet, ge- in Abhängigkeit vom Sonnenstand. Die
Ursprünglich war er dort vorgesehen, wo trocknet und für die spätere Aussaat ge- gelben Blüten brechen in der Abenddäm-
jetzt das Biotop liegt. Das Gewässer wurde reinigt. In Glashäusern werden dann die merung auf und öffnen sich innerhalb we-
zunächst dem Garten vorgezogen. In letz- Jungpflanzen im Winter und Frühjahr vor-
Fotos (2): ©Vetmeduni Vienna/Chizzola
ter Minute fand sich jedoch noch der Platz gezogen und für die spätere Auspflanzung
hinter dem Mensagebäude. Nun liegt der in den Garten vorbereitet. Einige Gewächse
Garten ganz zentral am Uni-Gelände und müssen im Winter gezogen werden, da sie
lädt Gartenliebhaber mit seinen 250 ver- kalte Temperaturen zum Keimen brauchen,
schiedenen Pflanzenarten zum Verweilen andere erst im Frühjahr. Die Gewächshäu-
und Staunen ein. Entweder man lässt die ser beherbergen auch Pflanzen in Reserve.
Vielfalt einfach auf sich wirken oder infor- Sollten bestimmte Gewächse den Winter
miert sich über die einzelnen Gewächse auf draußen nicht überstehen, können diese
den Hinweisschildern. im Frühjahr direkt aus dem Gewächshaus in Nachtkerze (Oenothera biennis)
14Ausgabe 03 I 2013
und erzählt bunte Geschichten
Foto: © Vetmeduni Vienna/Lejeune
Foto: ©Vetmeduni Vienna/ Kautschitsch
Foto: ©Vetmeduni Vienna/Kautschitsch
Giftpflanzen
Die Gärtnerinnen Bein-Lobmaier und Dekrout-Szpuszta Ao.Univ.Prof. Dr. Remigius Chizzola erklärt die Unterschiede
pflegen die Pflanzen. der verschiedenen Thymian- und Salbeiarten.
te schützen die bohnenartigen, gefleckten bieten vielversprechende Alternativen zu
Samen, aus dem das berühmte Rizinusöl, herkömmlichen Medikamenten. Werden
ein starkes Abführmittel, gewonnen wird. sie richtig eingesetzt und passend dosiert,
Bettina Bein-Lobmaier liegt der Rosma- besitzen diese Phytoarzneimittel weni-
Würzpflanzen rin besonders am ger Nebenwirkungen
Herzen. Er wächst „Die Aufgabe unseres und können leichte
prächtig im Bereich Botanischen Gartens ist es, die Krankheitsbeschwer-
der Arznei- und Beziehung zwischen Botanik und den lindern. Außer-
Würzpflanzen, ist be- den medizinischen Wissenschaf- dem hat sich in den
niger Minuten. Diese Schnelligkeit ist ein reits sieben Jahre alt ten aufzuzeigen und zu stärken.“ vergangenen Jahren
Schauspiel der besonderen Art und ist bei und übersteht tapfer der Trend entwickelt,
keiner anderen mitteleuropäischen Pflanze jeden Winter. Chizzola schwärmt von Erz- wirkstoffreiche Pflanzenteile oder-extrakte
zu beobachten. Der sehr selten vorkom- Engelwurz, Thymian und Muskateller-Sal- zu Futter- und/oder Nahrungsergänzungs-
mende Waldsteppen-Wermut ist seit heu- bei. Die beiden Gewürzpflanzen, Thymian mitteln zu verarbeiten.
er im Botanischen Garten der Vetmeduni und Salbei, blühen reich und strömen ein
Vienna zu bestaunen. Professor Chizzola ganz besonderes Duftaroma aus. Zuletzt soll noch die Giftpflanzenkunde
konnte die unscheinbare Jungpflanze vom angesprochen werden. Giftpflanzen sind
Botanischen Garten der Universität Wien Medizin und Botanik wichtiger Bestandteil der Flora und tragen
bekommen und ist stolz auf das edle Ge- Pflanzen besitzen bioaktive Stoffe. In der zur Biodiversität bei. Nur eine gute Kennt-
wächs. Der Garten beherbergt auch einige so genannten Phytotherapie werden Arz- nis dieser Pflanzen ermöglicht es, unlieb-
Cannabispflanzen. Das Kraut ist hier aller- neimittel aus Pflanzen gewonnen und zur same Vergiftungen von Tier und Mensch
dings frei von THC (Tetrahydrocannabinol), Behandlung von Krankheiten eingesetzt. zu vermeiden. „Die Aufgabe unseres Bo-
dem psychoaktiven Bestandteil von Can- In der Humanmedizin ist dieser Schwer- tanischen Gartens ist es, die Beziehung
nabis. Die prächtige Rizinuspflanze, auch punkt bereits sehr beliebt und könnte zwischen Botanik und den medizinischen
Wunderbaum genannt, kennen viele Gar- sich in Zukunft auch in der Veterinärme- Wissenschaften aufzuzeigen und zu stär-
tenliebhaber. Ihre stacheligen, roten Früch- dizin etablieren. Pflanzliche Arzneimittel ken.“ n
SIE vermissen einen Garten, möchten selbst gerne Hand anlegen und unmittelbar
die Pflanzen im Botanischen Garten mitpflegen? Ob Mitarbeiter oder Studierender,
wenn Sie Lust bekommen haben, ab und zu im Botanischen Garten mitzuarbeiten,
kontaktieren Sie Bettina Bein-Lobmaier (bettina.bein-lobmaier@vetmeduni.ac.at).
Pflanzenliebhaber sind sehr gerne gesehen!
Wunderbaum (Ricinus communis)
15Reformierter Studienplan 16
Ausgabe 03 I 2013
Mehr Praxis
im Studium
Neuer Studienplan stärkt
klinische Ausbildung
Das neue Veterinärmedizinstudium verfolgt den didaktischen
Ansatz des problemorientierten Lernens. Praxisnahes und
eigenständiges Lernen stehen im Vordergrund.
D ie Absolventinnen und Absolventen des Veterinärmedizinstudiums sind zufrieden
mit ihrer Wahl. Das ergab eine groß angelegte Befragung im Jahr 2011. Für den
Großteil der Befragten war es die richtige Entscheidung, Veterinärmedizin zu studieren
und in diesem Bereich beruflich tätig zu sein. Die ehemaligen Studierenden schätzten an
der Veterinärmedizinischen Universität Wien insbesondere die fachlichen Kompetenzen
der Lehrenden und den hohen wissenschaftlichen Anspruch des Studiums. Die Befragung
zeigt aber auch klar den Verbesserungsbedarf bei der Ausbildung zum Veterinärmediziner
auf. Die praktische klinische Ausbildung und problemorientiertes Lernen kämen zu kurz,
kritisierten die Absolventen.
Coaches leiten an
Problemorientiertes Lernen bedeutet, selbstbestimmtes und fächerübergreifendes Ler-
nen und hat sich in der medizinischen Ausbildung bewährt. Die Studierenden werden
mit konkreten Fällen aus dem Berufsalltag konfrontiert, die sie selbst analysieren und
bearbeiten. Die Lehrenden übernehmen die Rolle von Coaches, die beim Erarbeiten von
Lösungsstrategien lediglich unterstützen, anstatt das Ergebnis zu präsentieren. Gefragt
sind bei dieser Lernform fächerübergreifendes Denken und Eigeninitiative, auch Team-
fähigkeit ist nötig.
In Zusammenhängen denken
Bei der Überarbeitung des Studiums wurde diesem pädagogischen Ansatz Rechnung
getragen. Das interdisziplinäre Denken wird durch die Aufteilung in thematische Blöcke,
wie etwa Bewegungsapparat oder Herz-Kreislaufsystem, verstärkt. Falldemonstrationen,
die gemeinsam gelöst werden, trainieren Eigeninitiative und soziale Kompetenz. Mehr
zum neuen Curriculum für Veterinärmedizin ist in diesem Schwerpunkt nachzulesen. Dass
sich die Umstellung auf einen neuen Studienplan lohnt, bestätigt Bildungswissenschaf-
terin Christiane Spiel im Interview. Sie plädiert dafür, im Studium Kompetenzen statt nur
Faktenwissen zu vermitteln und erklärt, wie wichtig die didaktische Aufbereitung der
Lehrinhalte ist. n
Foto: © Vetmeduni Vienna/Bernkopf
Studierende in klinischen Übungen
17Reformierter Studienplan
Klinisch erprobt
Die Ausbildung für Veterinärmediziner ändert sich ab
Wintersemester 2014/2015
Foto: © Vetmeduni Vienna
Das Studium der Veterinärmedizin wird reformiert. Die klinische Ausbildung beginnt bereits
früher und ist verstärkt interdisziplinär ausgerichtet. Selbststudium, Entwicklung von Soft
Skills und internationale Mobilität gewinnen an Bedeutung.
D ie Vetmeduni Vienna hat einen
neuen Studienplan für das Diplom-
studium Veterinärmedizin entwickelt, nach
Michael Hess (Leiter der Klinik für Geflügel,
Ziervögel, Reptilien und Fische), der sich in
mehreren Gremien bei der Neugestaltung
Max Winkler, ehemaliger Vorsitzender der
Hochschülerschaft und Mitglied der Ar-
beitsgruppe Curricularreform (AG Curr),
dem ab dem Wintersemester 2014/2015 des Studienplans eingebracht hat. Für die die Vorteile der vertikalen Vernetzung der
gelehrt werden wird. Mit dem neu gestal- verstärkte klinische Ausbildung wurde so- Lehrinhalte.
teten Curriculum übernimmt sie im euro- gar eine neue Lehrmethode eingeführt.
päischen Vergleich eine Vorreiterrolle, vor Die sogenannten klinischen Demonstra- Selbständig Lernen
allem bei der klinischen Ausbildung und tionen werden vom 3. bis zum 8. Semester Vermehrtes Augenmerk legt der neue
der Vermittlung von Soft Skills. angeboten. Mehr als 100 konkrete Fälle von Studienplan auf das Selbststudium. Die
Tierpatienten aus den Universitätskliniken Kontaktzeiten zwischen Lehrenden und
Früh klinische werden dabei von Studierenden verschie- Studierenden werden reduziert, dafür
Erfahrungen sammeln dener Jahrgänge gemeinsam gelöst. „Die gibt es mehr Unterricht in Kleingruppen.
Bereits ab dem ersten Studienjahr lernen neue Ausbildung fokussiert stärker auf die Das entspricht ganz dem Konzept des
Studierende den Umgang mit dem Tier, Vermittlung von klinischem Wissen. Stu- Studierenden-zentrierten Lernens, wie
was einen echten Mehrwert für zukünf- dierende beginnen früher und verstärkt es in der Bologna-Erklärung festgehalten
tige Tierärzte darstellt, findet Univ.Prof. Dr. mit der klinischen Ausbildung“, betont ist. Darin haben sich alle europäischen
18Ausgabe 03 I 2013
Foto: © Vetmeduni Vienna/Bernkopf
Foto: © Vetmeduni Vienna/HVU
tung. „Die Veterinärmedizin ist ein sehr
heterogenes Gebiet und die einzelnen
Spezialfächer werden immer kompli-
zierter. Es ist daher utopisch, zu glauben,
dass ich gleich gut eine schwierige Ope-
ration beim Hund durchführen kann und
ebenso ein ausgewiesener Experte für
Nutztierbetreuung bin. Langfristig gese-
hen wird es kaum mehr Generalisten unter
den Tierärzten geben, sie werden sich auf
Fachgebiete spezialisieren“, ist Professor
Hess überzeugt.
Professor Hess erwartet bessere Fokussierung Student Winkler schätzt die frühere klinische Ausbildung und die Möglichkeit,
auf Kernkompetenzen mehr Eigenverantwortung zu übernehmen.
Herausforderungen für Lehrende
Derzeit besteht der neue Studienplan
Bildungsminister für die Schaffung eines Der neue Studienplan wird das vernetzte nur auf dem Papier, mit Leben wird er
gemeinsamen Hochschulraums und für die Denken stärker fördern. Wurden bisher erst nächstes Jahr erfüllt. Die Umsetzung
Modernisierung der Lehre ausgesprochen. etwa bei den Grundlagen einzelne Fächer in einzelne Vorlesungen, Seminare und
wie Chemie und Physik gelehrt, wird ab Übungen könnte für Lehrende durchaus
Der eigenverantwortliche Student steht nächstem Herbst in „Organsystemen“ aus- herausfordernd sein, gibt Professor Hess
nunmehr im Mittelpunkt der Lehre, nicht gebildet. Zuerst lernen die Studierenden zu bedenken.
Professoren und Lektoren. „Zahlreiche beispielsweise, wie das System Atmung-
Prüfungen werden durch Lehrveranstal- Blut-Kreislauf beim gesunden Tier funk- „Jetzt sind noch die Inhalte der einzelnen
tungen mit prüfungsimmanentem Cha- tioniert, um dann ihr Wissen beim erkrank- Lehrmodule im Detail auszuarbeiten. Dabei
rakter ersetzt. Das ist eine Chance für uns ten Tier anzuwenden. Weitere Lehrmodule ist eine gute Abstimmung der einzelnen
Studierende, durch gute Mitarbeit wäh- widmen sich etwa dem Bereich Neurologie Arbeitsgruppen essenziell. Es gilt auch, eine
rend des Semesters eigenverantwortlich und Sinnesorgane, dem Bewegungsap- Balance zu finden: zwischen klaren Vorga-
und aktiv die geforderten Lernziele zu parat oder dem Thema „Vom Genom zur ben und ausreichend Freiheit für die Leh-
erreichen“, so Winkler. Eigene Lehrveran- Population“. Die Veterinärmedizinische renden, ihren Unterricht so zu gestalten,
staltungen für Kommunikation und wis- Fakultät der Universität Utrecht in den wie sie es für richtig halten. Die Qualität des
senschaftliches Arbeiten stärken zudem Niederlanden hat mit dieser Art von or- neuen Curriculums wird sich letztendlich in
die persönlichen und wissenschaftlichen ganzentrierten Lehrmodulen bereits gute der konkreten Anwendung zeigen“, betont
Kompetenzen. Erfahrungen gemacht. Michael Hess.
Neues Mobilitätsfenster Interdisziplinär & vernetzt Student Max Winkler appelliert ebenfalls an
Eine Neuheit im künftigen Curriculum ist Für die Lehrmodule im neuen Curriculum die Lehrenden: „Die praktische Umsetzung
auch das sogenannte Mobilitätsfenster. wurden 15 Arbeitsgruppen, sogenannte des Curriculums gelingt nur, wenn sich die
Das ist ein Zeitraum von zehn Wochen im Educational Working Groups (EWGs), be- Lehrenden untereinander gut vernetzen
fünften Studienjahr, in dem planmäßig kei- stehend aus Lehrenden aller Disziplinen, und ihre Vorlesungsinhalte abstimmen.
ne Lehrveranstaltungen oder Prüfungen geschaffen. Sie strukturierten die interdis- Diese Anforderung an die Lehrenden gab
zu absolvieren sind. Studierende können ziplinären Inhalte, sowohl im klinischen als es bisher nicht. Wir Studierenden hoffen
diese Zeit gut für Auslandsaufenthalte und auch im nicht-klinischen Bereich und ord- natürlich, dass die Umsetzung des Curri-
Praktika nützen. neten die einzelnen Lehrveranstaltungen culums gut klappt.“ n
den zwölf Semestern zu. Ein sehr aufwän-
diges Verfahren. „Für die Leiterinnen und
Kompetenzen Leiter der EWGs heißt das sehr viel Arbeit Diplomstudium Veterinärmedizin
und wenig Reputation. Wer in der gleichen Das Diplomstudium ab Wintersemester
laufend evaluieren Zeit eine Publikation veröffentlicht, be- 2014/2015 ist, wie bisher auch, in drei
Mit dem Kompetenz-Check wer- kommt dafür in seiner wissenschaftlichen Abschnitte aufgeteilt und umfasst zwölf
den ab Wintersemester 2013/2014 Karriere mehr Anerkennung“, zollt Profes- Semester.
jedes Jahr die Kompetenzen sor Hess den Gruppenleitern Respekt für Im dritten Abschnitt liegt der Schwer-
der Studierenden der Veterinär- ihr hohes Engagement. punkt auf der vertiefenden Ausbildung,
medizin evaluiert. Sowohl das den die Studierenden aus acht ange-
theoretische Wissen als auch Gelungene Entrümpelung botenen Vertiefungsmodulen bestim-
die praktischen Fertigkeiten der Das neue Curriculum sei vor allem eine men können. Absolventen schließen
Studierenden in der Mitte bzw. gelungene Entrümpelung der Ausbildung, mit dem Titel „Mag. med.vet“ ab. Daran
gegen Ende des Studiums werden so Hess. Studierende müssen weniger vor- kann das sechssemestrige Doktorats-
von Studierenden, Lehrenden und geschriebene Lehrveranstaltungen besu- studium Veterinärmedizin angehängt
Instruktoren bewertet. n chen und insgesamt weniger Prüfungen werden. n
ablegen. Das stärke die Eigenverantwor-
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