Obstetrica - Führende Organisationen Les organisations principales - Das Hebammenfachmagazin / La revue spécialisée des sages-femmes - Der ...
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N o 12
2018
Obstetrica
Das Hebammenfachmagazin / La revue spécialisée des sages-femmes
Führende Organisationen
Les organisations principalesAngenehmes Expression agréable
Abpumpen. du lait.
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* Marktforschung UK 2017, n=90 * Marktforschung UK 2017, n=90, étude de marché UK 2017, n=90
** Quelle: Labortest der BAMED AG mit Druck- und Vakuumsensoren, Österreich 2018 ** Source : test en laboratoire de la BAMED AG, avec des capteurs de pression et de vide, Autriche 2018
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freeEDITORIAL
Liebe Leserin,
lieber Leser
W
elche Rolle spielen internationale Organisationen für den Hebam-
menberuf und welchen Einfluss haben sie? 2016 erschien eine erste
weltumspannende englische Untersuchung unter 2400 Hebammen
in 93 Ländern, «Die Stimmen der Hebammen und ihr Arbeitsalltag: Erkenntnis-
se einer weltumspannenden Umfrage zur Qualität der Hebammenarbeit»
(Weltgesundheitsorganisation et al., 2016). Sie zeigte, dass die Bemühungen
der Hebammen allzu oft wegen ungleicher Kräfteverhältnisse im Gesundheits-
system behindert werden. Die Untersuchung ist insofern von Bedeutung, als
dass sie aus der Feder bekannter internationaler Organisationen stammt,
die sich zusammengetan haben und die Hindernisse anprangern, welche die
Hebammen in fernen Ländern und auch bei uns überwinden müssen.
Die Autoren bestätigen gleichzeitig klar und deutlich, dass die Hebammen
mit ihren hochwertigen Pflegeleistungen Wesentliches zur Gesundheit der
Frauen, Neugeborenen und Familien beitragen, und weisen auf notwendige
Veränderungen hin: professionelle Unterstützung durch bessere Arbeits-
bedingungen, Stärkung der Ausbildung und der gesetzlichen Rahmenbedin-
«Die Bemühungen der gungen in der Geburtshilfe. Ausserdem sollen die Entscheidungsträger für
Hebammen werden allzu die Betreuung der Mütter sensibilisiert werden, indem man sie ermutigt, bei
der Ausgestaltung der Politik und der Programme rund um die Gesundheit
oft wegen ungleicher Kräfte- von Müttern und Neugeborenen das Fachwissen der Hebammen besser
verhältnisse im Gesund- einzubinden.
Die Beiträge in der vorliegenden Ausgabe der «Obstetrica» vermitteln
heitssystem behindert.» Ihnen eine Menge weiterer Informationen zur Rolle und zum Einfluss der
berufsnahen Organisationen. Für uns Hebammen in der Schweiz ist v. a.
wichtig, dass wir uns stets auf dem Laufenden halten und solche Dokumente
beiziehen, sobald wir uns in jenen Gremien engagieren, die Entscheide im
Zusammenhang mit der Gesundheit und dem Wohlbefinden der Frauen,
Kinder und Familien treffen.
Herzlich,
Ihre
Yvonne Meyer
Yvonne Meyer,
Hebamme, ordentliche Professorin an der
Referenz
Haute Ecole de Santé Vaud, Haute Ecole Weltgesundheitsorganisation, International Confederation of Midwives & White Ribbon Alliance (2016)
Spécialisée de Suisse occidentale. Midwives’ voices, midwives realities: findings from a global consultation on providing quality midwifery care.
Obstetrica 12/2018 03I N H A LT Obstetrica
Im Überblick
32
08
T I T ELT H EM A FOKUS
08 03
Editorial
20
Nationale und internationale Yvonne Meyer Praxis
Organisationen unter der Lupe Wenn die Vulva juckt und brennt
Maria-Pia Politis Mercier 06 Andreas Günthert
Kurz gesagt
12 32 24
Verband Porträt
Stark und geeint:
Lothar Loeffler
die Hebammen in Europa Christine Loytved und Regula Hauser
Joeri Vermeulen
38
Sektionen Felix von Mikulicz-Radecki
Christine Loytved und Regula Hauser
31
16 Impressum
28
Ärzte ohne Grenzen:
Hebammen sind gefragt Fachhochschulen
Nelly Staderini Doktoratsprogramm ermöglicht
neue Perspektiven
Vanessa Leutenegger
40
Fort- und Weiterbildung
30
THEMA DER
Bücher
AUSGABE 1/2 2019
62
Arbeitszufriedenheit Stellenangebote
04 12/2018 ObstetricaObstetrica CONTENU
Aperçu
35
58
54 54
GRAND ANGLE FOCUS
46 43
Editorial
58
Organisations nationales et Pratique
Yvonne Meyer
internationales à la loupe Quand la vulve brûle et démange
Maria-Pia Politis Mercier 44 Andreas Günthert et Urs Kalberer
En bref
41
50 35 Formation continue
Sages-femmes européennes: Fédération/ Federazione
62
pour un statut fort et unique
Joeri Vermeulen 31 Les offres d’emploi
Impressum
54
Médecins sans frontières
recrute des sages-femmes
Nelly Staderini
THÈME DE
L’ É D I T I O N 1 / 2 2 0 1 9
La satisfaction au travail
Titelbild: iStockphoto 618513942, Rawpixel Ltd
Obstetrica 12/2018 05KURZ GESAGT
Broschüren zum
Impfen sowie zu
Recht und Finanzen
Kurz nach der Geburt ihres Kindes
iStockphoto 462119981, Artem_Furman
müssen sich Eltern die Frage stellen,
ob sie es nach staatlichem Plan
impfen oder nach individuellem
Abwägen. In der Broschüre «Kinder-
impfungen – eine Entscheidungs
hilfe» werden die geläufigsten
Krankheiten den verschiedenen
Ansichten zu gewünschten und
unerwünschten Wirkungen der WHO-Empfehlungen zur Reduktion
entsprechenden Impfungen gegen-
übergestellt. Dabei hat die Stiftung der Kaiserschnittrate weltweit
für Konsumentenschutz den offiziel-
len schweizerischen Impfplan des Am letzten Kongress der Internationalen Vereinigung für Gynäkologie und
Bundesamtes für Gesundheit zugrun- Geburtskunde im Oktober bedauerte die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
de gelegt und zusätzlich verschiede- die missbräuchliche Praxis des Kaiserschnitts weltweit und veröffentlichte
ne andere Stimmen aufgeführt. Eine Empfehlungen zur Reduktion dieses Eingriffs. Sie stützt sich dabei auf eine
konkrete Empfehlung, gegen was, Reihe von Artikeln in «The Lancet», die aufzeigen, dass sich die Kaiserschnittrate
wann und wie geimpft werden soll, in 15 Jahren weltweit fast verdoppelt hat (2015: 21 % gegenüber 12 % im
ist in der vorliegenden Zusammen- Jahr 2000), ohne dass ein wesentlicher Nutzen für die Gesundheit von Frau und
stellung nicht zu finden. Kind nachgewiesen werden konnte. Die WHO erklärt zwar, dass ein Kaiserschnitt
Der Ratgeber «Eltern werden – Recht in gewissen Fällen absolut notwendig ist, doch sie prangert die Ungleichheiten
und Finanzen», ebenfalls publiziert auf der Welt an: «Für viele Frauen wäre ein Kaiserschnitt nötig, doch sie haben
von der Stiftung für Konsumenten- keinen Zugang dazu, insbesondere in ärmeren Regionen, während andere
schutz, will Eltern bei der Klärung Frauen mit einem Kaiserschnitt entbunden werden, obwohl keine Notwendigkeit
rechtlicher Fragen wie z. B. zum und keine medizinische Indikation dazu besteht» (WHO, 2018). Zur Senkung
Sorge- und Namensrecht, zur Vater- der Anzahl überflüssiger Kaiserschnitte veröffentlichte sie eine neue Reihe von
schaftsanerkennung, zum Kündi- Empfehlungen mit Vorschlägen für nicht klinische Massnahmen.
gungsschutz und Mutterschafts- Empfehlungen unter www.who.int/reproductivehealth
urlaub unterstützen. Er erläutert Artikelreihe unter www.thelancet.com
zudem wichtige Elternthemen wie
Teilzeitarbeit, externe Betreuung,
Versicherungen, Haushaltsbudget,
Unterhaltszahlungen, Kinderzulagen BFH-Fragebogen:
oder Steuerabzüge. So können
Eltern möglichst sorglos und entlas- mit dem Gewissen in Konflikt
tet von finanziellen und rechtlichen
Fragen in die neue Lebensphase Im vergangenen Jahr hat die Berner Fachhochschule (BFH), Disziplin
starten. Geburtshilfe, eine umfangreiche Fragebogenuntersuchung zu moralischen
Bestellungen mit beiliegendem Problemen und Kompetenzen im Alltag von Hebammen durchgeführt.
Flyer oder unter 280 Hebammen und Hebammenstudierende haben an der Studie teilge-
www.konsumentenschutz.ch nommen. Die Ergebnisse wurden nun im «Journal of Health Psychology»
veröffentlicht und können bei stephan.oelhafen@bfh.ch angefordert werden.
Oelhafen, S. & Cignacco, E. (2018). Moral distress and moral competences in
midwifery: A latent variable approach. Journal of Health Psychology, Advance
online publication. doi:10.1177/1359105318794842
06 12/2018 ObstetricaK UK RU ZR ZG EGSEASGA TG T
Neue Informations
broschüre zur
Monitoring-System Sucht und
Congress nichtübertragbare Krankheiten Interprofessionalität
«Geburtshilfe im Dialog»
Was sind die Voraussetzungen für
In der Schweiz stellen nichtübertragbare eine gelungene Interprofessionalität?
22./23. März 2019, Mannheim (D) Krankheiten (NCD) und Sucht eine grosse Mit welchen Problemen haben die
Der Congress «Geburtshilfe im Dialog», Herausforderung für die öffentliche Gesund- Teams zu kämpfen und wie gehen sie
organisiert von Pro Medico, der Medi- heit dar. Die Website des Schweizer Monito- diese an? Wie können Institutionen,
zinischen Fortbildungs- und Congress- ring-Systems Sucht und NCD (MonAM) prä- Fachpersonen sowie Patientinnen
gesellschaft mbH, widmet sich nächstes sentiert die Kennzahlen zu diesen Themen: und Patienten davon profitieren? Die
Jahr dem Thema «Zusammen – für den Aktuelle Daten aus verlässlichen Quellen Broschüre «Interprofessionalität im
besten Weg ins Leben». Er greift u. a. können interaktiv eingesehen werden. Das Gesundheitswesen – Beispiele aus der
folgende Themen auf: Late Preterm, Schweizerische Gesundheitsobservatorium Berufspraxis» geht diesen und
a turning point in the history of birth, verwaltet die Website im Auftrag und mit weiteren Fragen nach und zeigt
Geburt in der Geburt, Rebirthing, Stillen Unterstützung des Bundesamtes für Gesund- sieben konkrete Modelle guter Praxis
im Dialog, Veränderung der Sexualität heit. Die aufgeführten Indikatoren wurden im aus verschiedenen Bereichen und
durch das Kinderkriegen, postpartale Rahmen der zwei nationalen Strategien Regionen der Schweiz, u. a. «Transi-
Kontrazeption, drohende Frühgeburt «Nationale Strategie zur Prävention nicht- tion to home after Pre Term Birth»
und Immobilisierung, Beckenendlage, übertragbarer Krankheiten (NCD-Strategie)» aus Bern.
Vaginal Seeding sowie Risiken einer und «Nationale Strategie Sucht» (Laufzeit Die Broschüre wurde im Rahmen des
kurzen Schwangerschaftsfolge. 2017–2024) definiert und vom Bundesrat ver- Förderprogramms «Interprofessiona-
Anmeldung und weitere Informationen abschiedet. Derzeit sind 25 von 135 Indikato- lität im Gesundheitswesen» erarbeitet
unter www.geburtshilfe-im-dialog.de ren online verfügbar. Nach Abschluss der und richtet sich in erster Linie an alle
Pilotphase in der ersten Jahreshälfte 2019 Institutionen und an lokale, regionale
werden weitere Indikatoren aufgeschaltet. und kantonale Leistungserbringer
MonAM unter www.obsan.admin.ch im Gesundheitswesen. Sie hat zum
Ziel, interessierte Organisationen zur
Interprofessionalität zu inspirieren
und interprofessionelle Zusammen-
arbeit dadurch zu fördern.
B estellung der kostenlosen
Broschüre unter
Bundesrat lehnt die «Pflegeinitiative» ohne Gegenvorschlag ab www.bundespublikationen.admin.ch
(Artikel-Nr. 316.601.D) oder Bezug
als PDF
Zum Jahrestag der Einreichung der eidgenössischen Volksinitiative für eine starke Pflege
machten in acht Schweizer Städten hunderte Freiwillige symbolisch auf den Fachkräftemangel
in den Pflegeberufen aufmerksam. Gleichentags kommunizierte der Bundesrat seine ableh-
nende Haltung zur Pflegeinitiative. Damit verpasst er es, notwendige und griffige Massnahmen
gegen den Pflegenotstand zu ergreifen. Die Schweiz bildet bereits heute massiv zu wenig Pfle-
gepersonal aus.
Mit der Ablehnung der eidgenössischen Volksinitiative ohne Gegenvorschlag verkennt der
Bundesrat die Dringlichkeit des Pflegenotstandes in der Schweiz. Der in A
ussicht gestellte
Massnahmenplan reicht bei Weitem nicht aus, um die Probleme in der Pflege zu lösen. Für
Yvonne Ribi, Geschäftsführerin des Schweizer Berufsverbandes der Pflegefachfrauen und Interprofessionalität im
Gesundheitswesen
Pflegefachmänner, gibt es nun zwei Möglichkeiten: «Die Initiative kommt vors Volk oder das Beispiele aus der Berufspraxis
Parlament greift ein und macht einen guten Gegenvorschlag.»
Quelle: Medienmitteilung des Schweizer Berufsverbandes der Pflegefachfrauen und
Pflegefachmänner vom 7. November, www.sbk.ch
1
Medienmitteilung des Bundesrates vom 7. November unter w
ww.admin.ch
Obstetrica 12/2018 07Nationale
und internationale
Organisationen unter
der Lupe
Wie andere Berufe ist auch der Hebammenberuf
mit verschiedenen Organisationen verbunden,
die dazu beitragen, ihn bekannt zu machen,
weiterzuentwickeln und dessen Strukturen sowie
die Berufsausübung, -ausbildung und
-reglementierung mitzuprägen. Das Ziel: einen
Beitrag an eine Gesundheits- und Sozialpolitik zu
leisten, die sich auf die Frauen und Familien
ausrichtet. Der folgende Artikel beleuchtet wichtige
Verbindungsstellen zum Beruf.
T E X T:
MARIA-PIA POLITIS MERCIER
08 12/2018 ObstetricaNationale und internationale Organisationen unter der Lupe T I T ELT H EM A
iStockphoto 537184834, honglouwawa
D
er Hebammenberuf ist in ein brei- über die Gesundheitsberufe erwähnt, das sen haben. Auch die Schweiz als Nicht-EU-
tes nationales und internationales sich gegenwärtig in der Vernehmlassung Mitglied pflegt enge Beziehungen in Form
Netzwerk eingebunden. Dabei bzgl. des Ausführungsrechts befindet1. von bilateralen Verträgen. Die Schweiz
sollte man sich stets vor Augen Jedes Land, auch die Schweiz, wird von den gehört zu den ersten Unterzeichnern des
halten, dass der Beruf vielen Einflüssen aus- Entscheidungen und Veränderungen in den Bologna-Prozesses, der Harmonisierung
gesetzt ist, von denen er aber auch profitie- politisch vereinten Ländergruppen, z. B. der der Hochschulbildung. Über diesen Prozess
ren kann, und dass er seinerseits weitere Europäischen Union (EU) und den Vereinten wurde der Hebammenberuf in die Tertiär-
Beteiligte im Bereich der Gesundheit von Nationen (UNO), beeinflusst. Es werden ausbildung integriert, indem er wie andere
Mutter und Kind beeinflussen kann. Richtlinien veröffentlicht, die ihrerseits von Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen
kontextbezogenen Daten und Forschungs- auf die Fachhochschulstufe gehoben wer-
Neues Gesetz ergebnissen abhängen, und anschliessend den konnte. Der Bologna-Prozess strebt die
in der Schweiz in die Gesetzgebungen und Praktiken der Schaffung eines europaweiten Hochschul-
Die vielfältigen Verbindungen und Aktivitä- verschiedenen Länder eingebunden wer- raums mit einheitlichen Studiengängen und
ten innerhalb unseres Landes laufen über den. Im Folgenden werden verschiedene -abschlüssen und der automatischen ge-
die Bundes- und Kantonsämter, Berufsver- Organisationen und Instrumente vorge- genseitigen Anerkennung der Diplome an.
bände wie bspw. den Schweizerischen stellt, die nicht nur den Hebammenberuf Auf Bundesebene ist heute das Staatsse-
Hebammenverband (SHV), über regionale (Ausbildung und Ausübung), sondern auch kretariat für Bildung, Forschung und Inno-
Berufsvertretungen, Ausbildungsstätten, die Gesundheit der Frauen, Kinder und vation das Kompetenzzentrum für die
Versicherer und weitere Interessenvertre- Familien direkt beeinflussen. Hochschulausbildung. Es gehört zum Eid-
ter. Mit jeder Gesetzesrevision ergeben sich genössischen Departement für Wirtschaft,
neue Wünsche von verschiedenen Interes- Die EU und Bildung und Forschung. Weitere europäi-
sengruppen sowie kleinere oder grössere die Ausbildung sche Vereinbarungen wie bspw. die Perso-
Veränderungen und Entwicklungen. Als ak- Die EU besteht aus 28 Ländern, die sich poli- nenfreizügigkeitsabkommen spielen eben-
tuelles Beispiel sei das neue Bundesgesetz tisch und ökonomisch zusammengeschlos- falls eine Rolle.
Obstetrica 12/2018 09T I T ELT H EM A
Für die reglementierten Berufe, also auch
Der Beruf ist vielen Einflüssen
für den Hebammenberuf, stützen sich die
Länder auf verschiedene Europäische Richt-
ausgesetzt, von denen er aber auch
linien, welche die Anerkennung von Qualifi-
kationen vorsehen und den erforderlichen
profitieren kann, und er kann
Ausbildungstypus festlegen. Die Europäi-
sche Richtlinie 2005/36/EG über die Aner-
seinerseits weitere Beteiligte im
kennung von Berufsqualifikationen (Euro-
päisches Parlament und Rat, 2005) wird für
Bereich der Gesundheit von Mutter
eine minimale Harmonisierung der Grund-
ausbildungssysteme mehrerer Berufe – dar-
und Kind beeinflussen.
unter auch des Hebammenberufs – beige-
zogen (Art. 40 bis 43 und Anhang V). Sie
beschreibt die Mindestausbildung, die
Studiendauer und die Inhalte (Theorie und
Praxis) und umfasst einen detaillierten
Katalog der Mindestanzahl professioneller
Eingriffe. In der Schweiz wird diese Richtli-
nie in den Ausbildungsprogrammen klar ein internationales Institut der Rechte des von der engsten Zusammenarbeit der Ein-
berücksichtigt. Gewisse Punkte der Richtli- Kindes gibt 2. zelnen und der Staaten ab. In der Verfassung
nie wurden 2013 aktualisiert (Europäisches Gerade heute sind die Menschenrechte ein steht zudem, dass die Regierungen die Ver-
Parlament und Rat, 2013). wichtiger Ansatzpunkt und ein unerlässli- antwortung für die Gesundheit ihrer Völker
ches Instrument zur Förderung der Demo- tragen.
Die UNO und kratie und der Gesundheit, insbesondere Zu den Aufgaben der WHO gehört der Aufbau
ihre Sonderorganisationen jener der Frauen. Viele Punkte betreffen die eines vielfältigen internationalen Netzes von
Die UNO wurde 1945 nach dem Zweiten reproduktive Gesundheit und die Gewalt Akteuren aus sämtlichen Ländern. So wer-
Weltkrieg gegründet. Sie zählt 193 Mit- gegen Frauen. Es gibt eine Fachstelle der den auch Gutachten über die unterschiedli-
gliedsländer. Gestützt auf ihre Charta UNO für Gleichstellung und Frauenförde- chen Gesundheitsfragen ausgearbeitet und
befasst sich die UNO mit verschiedenen
rung (UN Women). Die UNO hat mehrere ausgetauscht. Dass der Gesundheit von
internationalen Problematiken (Sicherheit Sonderorganisationen, welche die wesent- Mutter und Kind und der reproduktiven
und Frieden, Sicherheitsberatung, Men- lichen Lebensbereiche abdecken. Für den Gesundheit besondere Aufmerksamkeit
schenrechte, Klima, Bildung, Migration, Hebammenberuf bedeutsam sind in erster geschenkt wird, zeigt sich darin, dass sich
Landwirtschaft, Gesundheit, multilaterale Linie die Weltgesundheitsorganisation eine spezielle Abteilung diesen Fragen
Diplomatie, Kontakte zu Nichtregierungsor- (WHO), das Kinderhilfswerk der Vereinten widmet. Die Förderung des Stillens – dank
ganisationen, NGO, usw.). Sie bietet zudem Nationen (UNICEF) und der Bevölkerungs- des Internationalen Kodex zur Vermarktung
ein Forum für den Dialog zwischen den Län- fonds der Vereinten Nationen (UNFPA). von Muttermilchersatzprodukten (1981) –
dern. Die Generalversammlungen finden in und die Bekämpfung der weiblichen Genital-
New York statt, während Genf bei den Akti- WHO, UNFPA und UNICEF verstümmelung sind anerkannt wichtige
vitäten und in den von der UNO abgedeck- Die WHO, eine der Sonderorganisationen Fragen, die mit anderen Organisationen, na-
ten Bereichen weltweit eine wesentliche der UNO, hat ihren Sitz in Genf. Sie hat den mentlich der UNICEF, angegangen werden.
Rolle spielt. Auftrag, das internationale öffentliche Ge- Ferner trägt die WHO aussagekräftige Daten
Ebenfalls zur UNO gehört das wichtige sundheitswesen zu steuern und zu koordi- und Good-Practice-Empfehlungen zusam-
Hochkommissariat für Menschenrechte nieren. Ihre wichtigsten Tätigkeitsbereiche men und begleitet deren Umsetzung in den
(United Nations High Commissioner for sind die Beobachtung und Bekämpfung verschiedenen Ländern. Z. B. hat die WHO
Human Rights). Es verfolgt die Menschen- übertragbarer und nicht übertragbarer dieses Jahr ein Dokument veröffentlicht, das
rechtslage in den verschiedenen Ländern, Krankheiten (chronische Krankheiten), die zur Senkung der Kaiserschnittrate auf nicht
auch in der Schweiz. Die Allgemeine Erklä- Vorbereitung, Überwachung und Reaktion klinischem Weg beitragen soll (siehe Seite 6).
rung der Menschenrechte wurde 1948 ver- im Zusammenhang mit akuten Bedrohun-
abschiedet. Mittlerweile wurde sie mit Fak- gen der Gesundheit, die Förderung der Ge- Nachhaltige Entwicklung
ten über politische, bürgerliche, soziale, sundheit und die Stärkung der Gesundheits- Die Gesundheit von Mutter und Kind nahm
wirtschaftliche und kulturelle Rechte er- systeme. Die WHO unterstützt die Gesund- in den Millenniumszielen (2000 bis 2015)
gänzt. Rechtsvorschriften zu den Men- heitsziele der Länder. Die Verfassung der einen wichtigen Platz ein, was dank der
schenrechten finden sich in den nationalen WHO beruht auf dem Recht auf Gesundheit Investitionen zu einer Reduktion der Mütter-
Gesetzgebungen. Eine spezifische Konven- als Grundrecht jedes menschlichen Wesens, und Kindersterblichkeit führte. Heute ori-
tion und verschiedene Zusatzprotokolle ungeachtet seiner Situation. Die Gesundheit entiert sich die internationale Gemeinschaft
befassen sich mit den Kinderrechten. Dazu aller Völker ist eine Grundbedingung für den an den Zielen für eine nachhaltige Entwick-
sei bemerkt, dass es in der Schweiz, in Sion, Weltfrieden und die Sicherheit; sie hängt lung (2016 bis 2030): Gesundheit der Frauen
10 12/2018 ObstetricaNationale und internationale Organisationen unter der Lupe T I T ELT H EM A
und Kinder, Geschlechtergleichstellung, Sie unterstützt die von der UNO, den NGO auf regionaler, nationaler oder internatio-
Bekämpfung von Gewalt, Recht auf Bildung und den Regierungen geförderten Ziele für naler Ebene in Gruppen und Institutionen
gehören zu den 17 Zielen, nebst den The- eine nachhaltige Entwicklung und für eine zu engagieren. Mit Weiterbildungen können
men Umwelt, Klima und Sicherheit, deren allgemeine Gesundheitsversorgung. Die sie zusätzliche Erfahrungen und die not-
Dringlichkeit zunimmt. Das Ziel Nummer 3 Strategie 2017 bis 2010 der ICM legt das wendigen Kompetenzen erwerben und so
betrifft die Gesundheit und unterstützt die Schwergewicht auf Qualität, Gerechtigkeit die wichtigen Errungenschaften des Heb-
Verbesserung der Gesundheit der Frauen, und Leadership. Der Internationale Hebam- ammenberufs im Gesundheitswesen und in
insbesondere während der Mutterschaft. mentag vom 5. Mai findet jeweils unter der den entsprechenden politischen Instanzen
Die Zusammenarbeit mit weiteren Fachper- Federführung der ICM statt. einbringen und dadurch Wesentliches zur
sonen aus dem Gesundheitsbereich oder Die ICM hat eine Reihe von Basisdokumen- Gesundheit und zum Wohlbefinden der
anderen Sektoren sind ebenfalls nötig im ten zur Berufsdefinition, zur Berufspraxis Frauen, Mütter, Kinder und Familien sowie
Hinblick auf die Erfüllung der Bedürfnisse und -ethik, zu den Rechten der Frauen und zur Weiterentwicklung des Berufs beitra-
der Frauen und ihre Besserstellung. Beson- Hebammen sowie Stellungnahmen zu ver- gen.
deres Augenmerk gilt der zunehmenden schiedenen frauen- und hebammenspezifi-
Verbreitung chronischer Krankheiten und schen Themen veröffentlicht. Das neueste
dem Fortbestehen übertragbarer Krankhei- Dokument «ICM essential competencies for
ten (HIV, Tuberkulose, Malaria usw.). midwifery practice» (ICM,2018) ist sowohl
Die Fachpersonen aus dem Gesundheits für die Praxis als auch für die Ausbildung AUTORIN
bereich, darunter auch die Hebammen, von Bedeutung, da es sich mit den Kompe-
werden von der WHO und dem UNFPA aktiv tenzen und Praktiken der Hebammen be-
gefördert, was weltweit viel zur Anerken- fasst. Die Dossiers wurden von Vertreterin-
nung und zur Sichtbarkeit des Berufs nen und Vertretern der Berufsverbände und
beiträgt. So wurde festgelegt, dass ausge- vom Vorstand ausgearbeitet. Alle drei Jahre
bildete Hebammen 87 Prozent der medizini- findet der Internationale ICM-Kongress
schen Grundversorgung der Mütter und statt, an dem mehrere Tausend Hebammen
Neugeborenen leisten können (Bericht «The die Gelegenheit erhalten, sich zu begegnen,
state of the world’s midwifery», koordiniert Kontakte zu knüpfen, von anderen zu lernen
Maria-Pia Politis Mercier,
vom UNFPA, von der WHO und von der Inter- und ihre Praktiken und Forschungsergeb- Leiterin der Hebammenausbildung an der Haute Ecole
nationalen Hebammenvereinigung, 2014). nisse bekannt zu machen. Der letzte Kon- de Santé Vaud, Haute école spécialisée de Suisse
occidentale.
Die Websites der UN-Sonderorganisationen gress fand 2017 in Toronto statt, der 13. Kon-
dienen als qualitativ hochstehende, kosten- gress wird vom 21. bis 25. Juni 2020 in Bali
lose und leicht zugängliche Quellen für be- über die Bühne gehen. Die Anmeldefrist
rufsspezifische Informationen. läuft bereits3. Auf der Website der ICM sind
1
w ww.bag.admin.ch
alle Dokumente sowie die News auf Englisch
2 C AS-Studiengänge in Zusammenarbeit
Die Internationale und teilweise auch auf Französisch und Spa- mit dem Institut universitaire Kurt
Hebammenvereinigung nisch einsehbar. Bösch, der Universität Freiburg und dem
Centre interfacultaire en droits de
Die Internationale Hebammenvereinigung
l’enfant der Universität Genf,
(International Confederation of Midwives, Sich engagieren www.childsrights.org
ICM) ist eine wegweisende Organisation für ist wichtig 3 w ww.midwives2020.org
den Beruf der Hebamme. Sie zählt 113 Mit- Dieser Überblick erwähnt einige bedeuten-
gliedsländer und 132 Berufsverbände, in de Akteure, die den Beruf, seinen Wirkungs-
denen insgesamt rund 500 000 Hebammen bereich, die Praktiken und die Autonomie in
aus allen Kontinenten vertreten sind. Der der Berufsausübung prägen und unterstüt-
Literatur
Sitz befindet sich seit 1999 im niederländi- zen und dabei stets die Gesundheit der Europäisches Parlament und Rat (2005) Richtlinie
schen Den Haag. Die ICM ist bei den UN-Or- Frauen und Kinder vor Augen haben. Debat- 2005/36/EG des europäischen Parlaments und Rates
ganisationen akkreditiert und arbeitet mit ten werden geführt, Fragen stehen im vom 7. September 2005 über die Anerkennung von
Berufsqualifikationen (Text von Bedeutung für den
der International Federation of Gynaecolo- Raum, es gibt Kontroversen über die Wei- EWR). www.eur-lex.europa.eu
gy and Obstetrics und mit anderen interna- chen, die zu stellen sind oder bereits gestellt Europäisches Parlament und Rat (2013) Richtlinie
tionalen Berufsverbänden zusammen. Es wurden. Deshalb ist es wichtig, dass sich 2013/55/EU des europäischen Parlaments und Rates
vom 20. November 2013 zur Änderung der Richtlinie
ist ihr Ziel, den Beruf zu stärken und zu för- jede einzelne Hebamme gut informiert und 2005/36/EG über die Anerkennung von Berufsqualifika-
dern (Ausbildungsstandards, Reglementie- bei Berufsanlässen oder über die sozialen tionen und der Verordnung (EU) Nr. 1024/2012 über die
rung, Berufsverband), damit jede Frau von Netzwerke engagiert. Wer die internen und Verwaltungszusammenarbeit mit Hilfe des Binnen-
markt-Informationssystems («IMI-Verordnung») (Text
den Pflegeleistungen der Hebammen profi- externen, lokalen und internationalen Be- von Bedeutung für den EWR). www.eur-lex.europa.eu
tieren kann. Die ICM ist für die UN-Organisa- wegungen kennt, merkt, dass nichts in Stein ICM (2018) ICM essential competencies for midwifery
tionen eine wichtige Anlaufstelle für alles, gemeisselt ist. practice. Update. www.internationalmidwives.org
Koordiniert vom UNFPA, von der WHO und von der
was den Beruf sowie die Gesundheit der In Zukunft wird es entscheidend sein, dass Internationalen Hebammenvereinigung (2014)
Frauen und die Hebammenarbeit betrifft. immer mehr Hebammen bereit sind, sich The state of the world’s midwifery. www.unfpa.org
Obstetrica 12/2018 11Stark und geeint:
die Hebammen
in Europa
Der Europäische Hebammenverband
(European Midwives Association) hat zum Ziel,
das Hebammenwesen in Europa zu einen,
zu stärken und zu verbessern. 2018 feiert die
Bewegung ihren 50. Jahrestag. Eine gute
Gelegenheit, um die Organisation und ihr Wirken
im Laufe der Jahre vorzustellen.
T E X T:
JOERI VERMEULEN
12 12/2018 ObstetricaStark und geeint: die Hebammen in Europa T I T ELT H EM A
U
rsprünglich 1968 als European
Durch seine Mitgliedsverbände
Midwives Liaison Committee / Co-
mité de liaison des sages-femmes
hört der EMA den Frauen zu und
européennes gegründet, das die
sechs EU-Mitgliedsstaaten vertrat, wurde
setzt sich als Fürsprecher und
die Organisation 2004 zum Europäischen
Hebammenverband (European Midwives
Lobbyist in Bereichen ein, welche
Association, EMA). Die Schaffung des EMA
sollte heute im Lichte der damals erwarte-
die Gesundheit dieser Frauen und
ten EU-Erweiterung gesehen werden. Die
EU erweiterte sich allmählich von sechs
ihrer Familien betreffen.
(1968) zu 15 Mitgliedern (1995) und stand
2004 vor einer erneuten Erweiterungswelle
mit weiteren zehn Mitgliedsstaaten. Diese
erhebliche Vergrösserung der EU brachte
viele Herausforderungen mit sich, auch in
der Geburtshilfe. Um diese Herausforderun-
gen zu meistern, setzte sich der EMA folgen- • Bindeglied zur EU, zum Europarat und zu sationen, der Weltgesundheitsorganisati-
de Ziele: anderen Institutionen auf europäischer on, dem Internationalen Hebammenver-
• Einwirken auf rechtliche Mechanismen Ebene und zur Weltgesundheitsorganisa- band und weiteren Experten. Ausserdem
auf nationaler und internationaler tion unterhält der EMA starke Beziehungen zur
Ebene, um den Mindesstandard für Durch seine Mitgliedsverbände hört der Europäischen Gesellschaft für Gynäkologie
Bildung und Praxis gemäss EU-Richtlini- EMA den Frauen zu und setzt sich als Für- und Geburtshilfe und zur Europäischen
en zu gewährleisten und zu wahren sprecher und Lobbyist in Bereichen ein, Gesellschaft für perinatale Medizin.
• Übernahme ähnlicher Praxisstandards welche die Gesundheit dieser Frauen und Alle drei Jahre organisiert der EMA seine
wie die bereits in der EU angewandten ihrer Familien betreffen. Im Laufe der Jahre «Bildungskonferenz» mit dem Ziel, die
• Verringerung von Abweichungen in den hat sich der EMA mit der wachsenden euro- Herausforderungen der aktuellen Hebam-
Hebammenkompetenzen in der EU und päische Gemeinschaft vergrössert und um- menausbildung zu beleuchten und Innova-
bei den EU-Beitrittskandidaten fasst derzeit Hebammenberufsverbände tionen in Bildung und Praxis zu unter
• Gewährleistung einer optimalen Hebam- nicht nur aus EU-Mitgliedsstaaten, sondern suchen, welche die Lernerfahrung der
menbetreuung für Frauen in ganz Europa auch aus Ländern des EWR und des Europa- Auszubildenden und die Qualität der Heb-
In den Anfangsjahren lag der Schwerpunkt rates. Heute vertritt der EMA 35 Hebammen- ammenbetreuung für Frauen und ihre
des EMA hauptsächlich auf der Freizügigkeit organisationen aus 30 Ländern. Im Vor- Familien besser gestalten können. Die
der Hebammen, Mindeststandards, der stand des EMA befinden sich Mitglieder aus nächste Konferenz findet im Dezember
Harmonisierung der Hebammenausbildung dem Vereinigten Königreich, Belgien, Finn- 2019 in Stockholm statt, ein Aufruf zu Kon-
und der Umsetzung der EU-Richtlinien in land, Frankreich, Kroatien und Malta. ferenzbeiträgen erfolgt Anfang 2019. Die
den «neuen» Mitgliedsstaaten. EMA hofft, bei ihrer Veranstaltung eine
Anerkennung durch die grössere Delegation Schweizer Hebam-
Welches sind die heutigen wissenschaftliche Gemeinschaft men in Schweden begrüssen zu können.
Ziele des EMA? Mit den Veränderungen der Welt seit 2004
Der EMA ist eine gemeinnützige Nichtregie- hat sich entsprechend auch die Arbeit des Schwerpunkt: erforderliche Stundenzahl
rungsorganisation, die Hebammenverbän- EMA verändert. Die Geburtshilfe hat jetzt für die Ausbildung
de aus den Mitgliedsstaaten der Europäi- ihren eigenen Wissensfundus und hat sich Trotz Fortschritten in der Arbeit des EMA
schen Union (EU) und des Europäischen zur Wissenschaft entwickelt. Tatsächlich bleiben die Hebammenausbildung und
Wirtschaftsraums (EWR) sowie aus den Län- wird der EMA in der wissenschaftlichen -praxis weiter eine Herausforderung, denn
dern des Europarates (einschliesslich der Gemeinschaft anerkannt und zunehmend in einigen Mitgliedsstaaten werden Hebam-
Schweiz, die weder EU- noch EWR-Mitglied eingeladen, sich an europäischen Projek- men nicht vollständig anerkannt und die
ist) vertritt. Die Ziele des heutigen EMA sind: ten, Konferenzen und Netzwerken zu betei- Richtlinien in Europa unterschiedlich aus-
• Förderung der allgemeinen und ligen. Der EMA hat eine starke Rolle in der gelegt. 1980 war die EU mit der Richtlinie
reproduktiven Gesundheit der Frauen in Bereitstellung von Informationen, Fachwis- 80/154/EWG in mehreren Mitgliedsstaaten
Europa sen und Belegen durch Lobbyarbeit und ein globaler Wegbereiter für einen Rechts-
• Stärkung der Stellung und Praxis des Zusammenarbeit mit nationalen und euro- rahmen, was die Anforderungen der Heb-
Hebammenberufs päischen Politikern, Nichtregierungsorgani- ammenausbildung betraf. Seitdem sind
Obstetrica 12/2018 13T I T ELT H EM A
weitere Staaten der EU beigetreten, die alle gend aktualisiert werden, bspw. perinata- Der EMA ist besorgt über Schwankungen
die Einhaltung der Anforderungen gewähr- les Simulationstraining und respektvolle und Ungleichheiten in der Betreuung in
leisten müssen. Die neueste Änderung 2013 Schwangerschaftsbetreuung (Vermeulen Europa, die bis heute fortbestehen (Jokinen
bestätigte die Zukunft der Hebammenaus- et al., 2018). Vor Kurzem ist eine Arbeits- & Vermeulen, 2015). In der «The Lancet»-
bildung als Hochschulqualifikation. gruppe mit Ausbildern aus acht EU-Staaten Serie über Geburtshilfe (Renfrew et al.,
Die Richtlinie gab auch die erforderliche zusammengekommen, um einen konkre- 2014) lautete eine der wichtigsten Aussa-
Stundenzahl für die theoretische und klini- ten Vorschlag für einen neuen Anhang V zu gen, dass eine wirkungsvolle Abdeckung
sche Ausbildung an, die bei der Aushand- entwickeln. Deren Konsens war, dass An- der Reproduktions-, Mütter- und Neugebo-
lung der Änderungen mit ein Schwerpunkt hang V einer sprachlichen Aktualisierung renengesundheit drei Massnahmen erfor-
gewesen war (Hundley et al., 2018). Anhang bedarf, welche die ICM-Definition der Heb- dert: Frauen die Nutzung der Hebammen-
V der Richtlinie über die Inhalte der Heb- amme (ICM, 2017) und die «The Lancet»- betreuung zu erleichtern, mehr zu tun, um
ammenausbildung muss im Hinblick auf Serie über Geburtshilfe (Renfrew et al., ihren Bedürfnissen und Erwartungen
die aktuellen Weiterentwicklungen drin- 2014) berücksichtigt. gerecht zu werden, und die Qualität der
Mitgliedsländer des EMA 2018
Island
Finnland
Norwegen
Schweden
Estland
Russland
Lettland
Dänkemark
Litauen
Weissrussland
nd
e
nd
Polen
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England
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Be
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Deutschland
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Luxemburg
Tschechien
Ukraine Kasachstan
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Liechtenstein Slow M
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Frankreich Schweiz Österreich Ungarn
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en
Slo
w
Kroatien Rumänien
Bosnien und
San Marino Herzegowina
Serbien
Monaco
Andorra
Italien Montenegro
Kosovo
Bulgarien
Alban
Georgien
Vatikanstadt Mazedonien
Ar
al
Aserbaidschan
ien
Spanien
m
g
en
Portu
ie
n
Griechenland Türkei
Iran
Tunesien
Malta
pe
rn Syrien
Zy
Libanon
Irak
Marokko Algerien
en
ni
Israel
a
rd
Jo
Saudi-Arabien
14 12/2018 ObstetricaStark und geeint: die Hebammen in Europa T I T ELT H EM A
ammen gesehen und gehört werden.
Das zunehmende Bewusstsein
Zudem will der EMA in Zukunft weiter daran
arbeiten, zusammen mit anderen europäi-
für psychische Gesundheit im
schen Berufsverbänden und Nichtregie-
rungsorganisationen für Frauengesundheit
Perinatalzeitraum muss ange
das Hebammenwesen in Europa zu stärken.
Nur gemeinsam können Hebammen für
messen miteinbezogen werden.
eine bessere Begleitung von Frauen, Babys
und ihren Familien eintreten und eine siche-
re, hochwertige Hebammenbetreuung be-
wirken.
Die Gründerinnen des EMA haben die Fun-
damente für ein starkes, geeintes Hebam-
menwesen in Europa gelegt. Herzlichen
Glückwunsch zum 50. Jahrestag an das
etreuung für sie und Neugeborene zu ver-
B mit kurz- und langfristigen gesundheitli- europäische Hebammenwesen und an alle
bessern. Zwar war dies ein globaler Ansatz chen und sozialen Vorteilen für Mütter, europäischen Hebammen!
zur Schaffung eines Rahmenwerks für eine Kinder, Familien und Gemeinschaften in
hochwertige Mütter- und Neugeborenenbe- Verbindung bringen. Der EMA unterstützt
treuung, aber er lässt sich leicht nachvoll- aktiv europäische Staaten, die Anstrengun-
ziehbar auch auf die Gesundheitspflege der gen unternehmen, um Entbindungen zu
Europäerinnen anwenden. normalisieren und unnötige Eingriffe zu
verringern. Die Herausforderungen für den
Respektlose EMA sind zu zahlreich, um sie hier alle aufzu-
Betreuungspraktiken listen, aber die Wahrung des Gleichgewichts
Gelegentlich werden respektlose Betreu- zwischen den Anforderungen und den
AUTOR
ungspraktiken bei Entbindungen gemeldet, Kapazitäten des EMA wird ausschlaggebend
eine Erinnerung daran, dass sogar im Jahr für den Erfolg sein.
2018 nicht alle Frauen in Europa eine mit- Der EMA ist der Überzeugung, dass in Euro-
fühlende Betreuung erhalten, bei der sie im pa Bedarf für einen Paradigmenwechsel in
Mittelpunkt stehen. In einigen Mitglieds- der Schwangerschaftsbegleitung besteht,
staaten ist die Geburtshilfe durch geringen um ein nachhaltiges Betreuungsmodell zu
Personaleinsatz, unzulängliche Finanzie- entwickeln, das kosteneffizient ist und über
rung, rechtliche Hürden und Versicherungs- das Spital hinausgeht. Dabei sollten der
fragen bedroht. Die Lage von Immigranten inadäquate Einsatz von Hebammenperso-
ist aufgrund fehlender Zugänglichkeit oder nal, die geringe Kontinuität der Hebammen- Joeri Vermeulen,
gesundheitsdienstlicher Barrieren in eini- betreuung für Frauen, die begrenzten Aus- Geburtshelfer und Master in Medizin- und Sozialwissen-
schaften, Schriftführer der European Midwives
gen europäischen Ländern besorgniserre- wahlmöglichkeiten für Schwangere und die Association und Leiter der Abteilung Hebammenwesen
gend. Das zunehmende Bewusstsein für eingeschränkten Möglichkeiten für Hebam- an der Erasmushogeschool Brussel, Belgien.
psychische Gesundheit im Perinatalzeit- men zur unabhängigen Tätigkeit angegan-
raum muss angemessen miteinbezogen gen werden. Zum Aufbau einer primären
werden. In den vergangenen Jahren gab es Gesundheitsversorgung ist der vollumfäng-
gemeinsame Anstrengungen in der Gemein- liche Einsatz von Hebammen als Gesund-
Literatur
schaft der Hebammen, auch unterstützt von heitsexperten erster Wahl neben weiteren Hundley, V., Cadée, F., Jokinen, M. (2018) Editorial
Frauengruppen, um Frauen mehr Hilfe und Gesundheitsfachleuten erforderlich. midwifery special issue on education: A call to all the
Ressourcen zukommen zu lassen, die auf- world’s midwife educators! Midwifery; 64, 122–123.
doi:10.1016/j.midw.2018.06.013
grund bestehender Erkrankungen psychi- Neue Publikationen rücken Jokinen, M. & Vermeulen, J. (2015) Investing in the
sche Gesundheitsprobleme haben oder eine Hebammen mehr ins Rampenlicht future. Pan European Networks: Government 14, 60–62.
oft versteckte Verschlechterung ihrer psy- 15 Jahre nach Marianne Meads’ Beitrag Mead, M. (2003) Midwifery and the enlarged European
Union. Midwifery; 19(2), 82–86. doi:10.1016/
chischen Gesundheit während der Entbin- «Midwifery and the enlarged European Uni- S0266-6138(03)00021-4
dung erleiden. Frauen, die eine perinatale on» in «Midwifery» (Mead, 2003) hat der EMA Renfrew, M. J., Homer, C., Downe, S., McFadden, A.,
psychische Erkrankung entwickeln, fehlt es kürzlich zwei neue Beiträge in der Fachzeit- Muir, N. et al. (2014) Midwifery: an executive summary
for The Lancet’s series. Lancet; 384(1), 8.
an einer essenziellen, möglicherweise le- schrift veröffentlicht, ein Editorial (Hundley Vermeulen, J., Luyben, A., Jokinen, M., Matintupa,
bensrettenden Betreuung. et al., 2018) und einen Artikel (Vermeulen et E., O’Connell, R. et al. (2018) Establishing a
Die beste Betreuung während der Schwan- al., 2018) mit externen Mitautoren. Beide Europe-wide foundation for high quality midwifery
education: The role of the European Midwives
gerschaft, der Geburtswehen und der Ent- Publikationen sind von Bedeutung, da es Association (EMA). Midwifery; 64, 128–131.
bindung sowie nach der Geburt lässt sich weiterhin wichtig ist, dass europäische Heb- doi:10.1016/j.midw.2018.06.009
Obstetrica 12/2018 15Ärzte ohne Grenzen:
Hebammen sind gefragt
Was geschieht bei einer humanitären Krise
irgendwelchen Ursprungs (militärische
Auseinandersetzung, Naturkatastrophe oder
fehlender Zugang zu Pflegeleistungen)?
Welche Bevölkerungsgruppen sind betroffen
und was brauchen sie? Was kann Ärzte ohne
Grenzen (MSF) tun und wen benötigen sie dazu?
MSF rekrutiert das ganze Jahr über Hebammen
und bildet sie für ihre Arbeit vor Ort aus. Hier ein
Einblick in deren Arbeit.
T E X T:
NELLY STADERINI
16 12/2018 ObstetricaÄrzte ohne Grenzen: Hebammen sind gefragt T I T ELT H EM A
B
ei Ärzte ohne Grenzen (MSF) gibt es Ad-hoc-Ausbildung how vermitteln, das sie gut auf die medizini-
vor der Entscheidung, ein neues und Anpassung schen Herausforderungen vorbereitet. Aus
Projekt zu lancieren, immer eine Das ganze Jahr über rekrutieren wir welt- diesem Grund bitten wir die Hebammen
erste mehr oder weniger lange weit Hebammen für Einsätze von mindes- und Gynäkologinnen bei der Rekrutierung,
Phase der Evaluation des Kontextes und der tens sechs Monaten. Wir sprechen mit ihnen ein Kompetenzraster auszufüllen, das wir
Analyse der medizinischen Bedürfnisse. In vor ihrer Abreise und nach ihrer Rückkehr anschliessend analysieren, um für unsere
den meisten Fällen erkennen wir einen und begleiten sie bei ihrer Aufgabe, damit spezifischen Bedürfnisse die richtigen Pro-
enormen Bedarf an sogenannt primären sie das fragile Gleichgewicht zwischen file auszuwählen. Es kommt vor, dass wir
und sekundären Pflegeleistungen, insbe- Privat- und Berufsleben in ihrem Herkunfts- einer Hebamme bei ihrem ersten Einsatz
sondere bei Frauen und Kindern. Die Erfül- land und ihrer Arbeit im fernen Ausland eine Hebamme zur Seite stellen, die bereits
lung dieser Bedürfnisse erfolgt in Anleh- wahren können. Wir anerkennen den Aus- Erfahrung hat. Dieser Kompetenzentrans-
nung an die Strategien, die wir im bildungsbedarf im Hinblick auf Massnah- fer ist eine lohnende Strategie. Ist eine
Allgemeinen mit den Personen ausarbeiten, men, die sie in ihrer Grundausbildung kaum solche Begleitung beim ersten Auftrag nicht
die wir als besonders verletzlich beurteilen gelernt haben, wie das Einsetzen eines Im- möglich, so übernimmt eine Hebamme vor
und an die wir uns letztlich richten. So stel- plantats oder einer Spirale, eine Abtreibung Ort während einiger Wochen das Coaching.
len wir sicher, dass die Beratungsstellen mittels manueller Vakuumaspiration, die Selbstverständlich müssen wir uns stets
und Pflegeleistungen genutzt werden, Pflege bei Dammrissen und Episiotomie den neuen Situationen anpassen, oft auch
ungeachtet davon, ob diese innerhalb der sowie die Pflege von Frauen, die mit Cholera erst vor Ort, denn wir wissen nicht alles und
Gemeinschaften oder in medizinischen oder dem Ebolavirus infiziert sind. Damit verfügen nicht immer über die nötigen dia
Einrichtungen angeboten werden. möchten wir den Hebammen das Know- gnostischen Mittel. Um dem entgegenzu
wirken, haben wir technische Ansprech
partner/innen und eine Telemedizinplatt-
form mit einem Netz von Expertinnen und
«Das ganze Jahr über rekrutieren
Experten, die bei komplexen, möglicher-
weise s ogar unbekannten Fällen auch aus
wir weltweit Hebammen
der Entfernung bei der Betreuung helfen
können.
für Einsätze von mindestens Flexibilität und Teamarbeit
sechs Monaten.»
sind wichtig
So spielt sich das bei uns ab oder sollte sich
bestenfalls abspielen. Doch zugegebener-
massen stimmen unsere Wünsche oft nicht
mit der Realität überein, und wir müssen
notfallmässig ein Projekt lancieren. Dann
Meistens ist der Aspekt der reproduktiven
Gesundheit Teil unserer Einsätze: Beratun-
gen vor und nach der Geburt, Familien
planung, gynäkologische Leistungen und
Geburtshilfe sowie Neonatologie in Notfäl-
len, zumal unsere technischen Einrichtun-
gen für einfache und komplizierte Gebur-
ten, d. h. wenn nötig auch für Kaiserschnit-
te, g
eeignet sind. Wir bieten ebenfalls Pflege
bei Abtreibungen und medizinische Versor-
gung für Opfer von sexueller Gewalt an. Zur
Pierre-Yves Bernard, MSF
Abklärung, was für das Aufgleisen dieser
Massnahmen, für die Rekrutierung, Ausbil-
dung und Supervision nationaler Teams
und für die Mitarbeit bei komplexen klini-
schen Fällen nötig ist, brauchen wir erfahre- Die Hebamme Crystal Bailey hat fünf Monate in der Geburtsstation
von Ärzte ohne Grenzen in Agok im Südsudan verbracht.
ne, motivierte und offene Hebammen.
Obstetrica 12/2018 17T I T ELT H EM A
sind in erster Linie die Qualitäten Anpassung Flüchtlingslagern aufgleisen und in den
und Kreativität gefragt, damit wir den Auf- stark frequentierten Wöchnerinnenabtei-
trag zwar nicht perfekt erfüllen können, lungen der Spitäler Hebammen schulen. Je
aber doch so, dass die erkannten grundle- nach Tätigkeiten und Bedürfnissen kann
genden Bedürfnisse so gut und so rasch wie das Verantwortungsniveau den Besonder-
möglich befriedigt werden. Aus diesem heiten der einzelnen Projekte angepasst
Grund benötigen wir flexible, effiziente Be- und entsprechend ausgebaut werden. Die-
rufsleute, die im Team arbeiten können und se Herausforderungen müssen die Hebam-
die Komplexität der Situationen erkennen. men nicht allein bewältigen: Andere Mitglie-
Die Hebammen bringen diese Qualitäten in der des MSF-Teams, die lokal oder im Aus-
iStockphoto 517901212, Varijanta
der Regel mit, denn ihre Grundausbildung land rekrutiert wurden, liefern ihnen
legt den Schwerpunkt auf das Organisieren technischen Support sowie klinische Anlei-
von Pflegeleistungen und auf das Reagieren tungen und detaillierte Protokolle.
in Notsituationen. Ausserdem haben die
Hebammen Erfahrung im Management von Hebammen, die sich für
Gebärsälen, was eine konstante Priorisie- MSF Schweiz engagieren
rung der Aufgaben verlangt. Und last but Pro Jahr reisen rund 50 Hebammen ins
not least gewährleistet ihre soziale Kompe- Ausland und besetzen ungefähr 20 Stellen
tenz, dass sie zwar Ruhe b ewahren und sich an verschiedenen Orten der Welt. Die Hälfte
dennoch empathisch verhalten können. davon sind Ersteinsätze, die meisten in
englischsprachigen Ländern. Momentan
Ein anspruchsvoller besteht der Pool aus über 85 Hebammen,
Feldeinsatz wobei fast 50 % für MSF Schweiz oder für
Sich informieren Humor und Begeisterung für die Arbeit mit eine andere MSF-Sektion im Einsatz sind.
und bewerben Frauen und Kindern sind für solche Stellen Einige arbeiten anschliessend als medizini-
die wichtigsten Eigenschaften, welche die sche Projektverantwortliche oder medizini-
Zusätzliche Informationen über Hebammen für solche Einsätze mitbringen sche Koordinatorinnen. Ein sehr erfahrenes
MSF sind auf deren Internetseite sollten. Die Rolle der Hebammen besteht Hebammenteam steht ausserdem für die
zu finden. Einmal pro Monat am darin, alle Massnahmen im Bereich der se- Schulung und Begleitung von Hebammen
Dienstagabend finden abwechs- xuellen und reproduktiven Gesundheit der und für technische und strategische Fragen
lungsweise in Genf, Zürich, Bern Frauen zu organisieren und deren Umset- rund um die reproduktive Gesundheit zur
und Basel Informationsveran- zung zu gewährleisten. In dieser Funktion Verfügung.
staltungen statt. Ein Team von ist es ihr wichtigstes Ziel, die Frauen, Mütter
MSF präsentiert dort die Organi- und ihre Neugeborenen möglichst gut zu Zahlen und Fakten
sation, ihre Charta, ihre Wert betreuen, indem sie Schwangere in entlege- Dank der 2017 ins Ausland entsandten
vorstellungen, die Einsätze und nen Dörfern besuchen, geburtshilfliche Hebammen und v. a. auch dank des gesam-
Projekte im Ausland, den Untersuchungen anbieten, eine effiziente
ten Personals vor Ort, das Hunderte von
Rekrutierungsprozess und die Betreuung von Opfern sexueller Gewalt in Hebammen umfasst, nahmen die Massnah-
Arbeitsbedingungen vor Ort.
Ausserdem besteht die Gelegen-
heit zum Austausch und für
Fragen zu den erforderlichen
Qualifikationen und Kompeten-
zen im Hinblick auf solche
Einsätze. Die Teilnahme an einer
dieser Veranstaltungen erlaubt
einem zudem, seine Bewerbung
und eine mögliche Abreise besser
vorzubereiten und zu klären, ob
MSF tatsächlich den eigenen
Vorstellungen entspricht.
Online kandidieren unter
www.msf.ch/de/mitarbeiten
Peter Bauza
Ein Neugeborenes im Spital von Ärzte
ohne Grenzen in Agok im Südsudan.
18 12/2018 ObstetricaÄrzte ohne Grenzen: Hebammen sind gefragt T I T ELT H EM A
Pierre-Yves Bernard, MSF
Crystal Bailey ist glücklich über die komplikationslose Geburt
der Zwillinge von Nyanaguek.
men für die reproduktive Gesundheit be- In welchen Ländern unterwegs? Migranten vermehren; 80 % der Patienten
trächtlich zu: Begleitung von 288 867 Gebur- Im Tschad und im Niger unterstützen wir die sind Frauen. Und schliesslich entwickeln
ten, davon fast 30 000 Kaiserschnitten Regierungseinrichtungen in instabilen Ver- sich in Honduras und im Kongo gemein-
(durchschnittlich 14 % der Geburten). Im hältnissen, die in der Präsenz von Boko schaftliche Ansätze, um den Bedürfnissen
Spital wurde eine Müttersterblichkeit von Aram begründet liegen. In Kenia, Tansania der Bevölkerung besser zu entsprechen, ins-
weniger als 1 % verzeichnet, wobei bis zu und Nigeria ist MSF für die Spitäler (ein- besondere jenen der Opfer sexueller Gewalt
30 % dieses Prozentsatzes bei gewissen schliesslich Wöchnerinnenabteilungen) in und der Jugendlichen, die oft stigmatisiert
Einsätzen auf Komplikationen bei Abtrei-
werden. Für all diese Projekte tun sich Heb-
bungen zurückgeführt werden können. Heu- ammen aus aller Welt zusammen; sie arbei-
te ist die Verhinderung unerwünschter ten mit lokalen Teams und stellen ungeach-
Schwangerschaften eine Priorität; 2017 fan- tet der äusseren Bedingungen eine akzepta-
den fast 310 000 Gespräche zur Familienpla-
«Wir müssen notfallmässig ble Qualität der Pflege sicher.
nung statt. ein Projekt lancieren. Dann
Als weitere Massnahme zur Reduktion der
Müttersterblichkeit wurde die Früherken-
sind in erster Linie die AUTORIN
nung von Gebärmutterhalskrebs in einige Qualitäten Anpassung und
Projekte integriert, und zwar v. a. an Orten
mit einer hohen HIV-Prävalenz und ausge-
Kreativität gefragt.»
prägten Komorbidität. Im vergangenen
Jahr wurden über 13 000 Frauen untersucht.
Die meisten, die von Krebsvorstufen betrof-
fen waren, konnten von den Hebammen Flüchtlings- und Vertriebenenlagern zustän-
oder den entsprechend ausgebildeten Pfle- dig. Die Einsätze im Nahen Osten im Zusam-
gefachfrauen direkt behandelt werden. menhang mit der Syrienkrise nehmen konti-
Nelly Staderini
Ausserdem wurden in 130 Projekten insge- nuierlich zu und schenken der Gesundheit ist Hebamme und beim medizinischen Departement
samt 18 807 Fälle von sexueller Gewalt der Frauen seit einigen Jahren besondere Ärzte ohne Grenzen am Sitz in Genf zuständig für die
Bereiche sexuelle und reproduktive Gesundheit und
behandelt. Diese Zahl nimmt seit 2015 ste- Aufmerksamkeit. Dies gilt auch für Grie- sexuelle Gewalt. Ausserdem ist sie Autorin von
tig zu. chenland, wo sich die MSF-Pflegezentren für «Sage-femme en Afghanistan» (2003).
Obstetrica 12/2018 19Sie können auch lesen