Unterwegs - Jakobus in Franken S. 31 Wallfahrt in Franken S. 17 Jakobuspilger Sieger Köder S. 47 - Fränkische St. Jakobus ...
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unterwegs FRÄNKISCHE ST. JAKOBUS-GESELLSCHAFT WÜRZBURG E.V. as -V s2 a l iña - Prei 0 El 01 i m Z e i c h e n d e r M u s c h e l i Jakobus in Franken S. 31 Wallfahrt in Franken S. 17 Jakobuspilger Sieger Köder S. 47 Nr. 100 • Juli 2016 ISSN 2194-7600
Zeitschrift der Fränkischen St. Jakobus-Gesellschaft e.V. gegründet 1988 - Elias-Valiña-Preis 2010 Inhalt Grußwort des Präsidenten 3 Termine 4-7 Pilgerstammtisch 5 Pilgersegen 6 Zum Nach-Denken 8 Aus unserer Gesellschaft - Jahrestagung Pappenheim 10 - 16, 67 W. Romberg, Wallfahrten im Bistum und Hochstift... 17 - 28 Silja Walter, Pfullendorfer Jakobuslied 29 Pilgerwelt - Santiago de Compostela 30 Jakobus in Franken 31 - 43 Galgen- und Hühnerwunder 44 - 45 Angekommen in ... 46 Jakobuspilger Sieger Köder 47 - 55 Pilgerstimmen 56 Büchertisch 57 Jakobus-Welt 69 - 74 Jakobus-Bruderschaft Bamberg 75 Neue Mitglieder 76 EinBlick in Zeitschriften 79 Impressum 68 Zum Titelbild Im Jahre 2016 begleitet die Leser von “unterwegs” der Apostel Jakobus d. Ä. aus Neu- drossenfeld. Als man 1753 die heutige Kirche errichtete, wurde die spätgotische Jakobuskirche von 1485 ab- gerissen und mit dem Schutt der Straßendamm über die Mainauen befestigt. Von den gotischen Altären wurden übernommen: Jakobus und Bartholomäus als Vollplastik, Maria mit Kind und ein heiliger König, eine geschnitzte Abendmahlsszene sowie vier Gemälde zur Jakobslegende. Diese vier Tafeln - 1904 der Alten Pinakothek in München überlassen - wurden zusammen mit neuen Teilen zum heutigen großen Altar zusam- mengebaut. Am 9. Oktober 1757 wurde die neuerbaute Dreifaltigkeitskirche geweiht. 2007 feierte man nach umfangreicher Renovierung das 250-jährige Jubiläum. www.kirche-neudrossenfeld.de - Foto: Michael Thein Unsere Mitgliederzeitschrift “unterwegs - im Zeichen der Muschel” (anfangs nur “Rundbrief ”) 1.664 hat die Nr. 100 erreicht. Zu diesem Anlaß freuen mich besonders die Beiträge von Winfried Romberg “Wallfahrten im Bistum und Hochstift Würzburg” (S. 17) und Hermann Sorg / Gerhard Gaugler “Jakobuspilger Sieger Köder” (S. 47). Herzlichen Dank! Auch Ernst Weckert für die neugestaltete Titel- und Rückseite, der das Präsidium zugestimmt hat. Freuen Sie sich mit! Manfred Zentgraf Tage waren es am 12. Juni 2016 bis zum nächsten Heiligen Compostelanischen Jahr 2021! unterwegs 2 nr. 100 juli 2016
Grußwort des Präsidenten Am Herzen liegen dem Präsidium die Kon- takte zu befreundeten Jakobus-Gesellschaf- ten. Um diese Kontakte zu bestärken, haben Ulm, 2. Juni 2016 wir auf unserer Klausurtagung auf dem Kreuzberg in der Rhön einstimmig be- Liebe Mitglieder und Freunde des Jakobus- schlossen, gegenseitige Mitgliedschaften weges, mit diesen Gesellschaften einzugehen: mit der Jakobus-Gesellschaft in Vézelay/Bur- das Großereignis des 100. Katholikentages gund, in Zafra/Estremadura, Brandenburg– in Leipzig liegt hinter uns. Unsere Gesell- Oder–Region und der Deutschen St. schaft hat sich beim Gemeinschaftsstand Jakobus-Gesellschaft in Aachen. der Arbeitsgemeinschaft deutscher Jakobus- Vereinigungen an einem halben Tag einge- Sowohl die Gesellschaft in Zafra, als auch bracht. Vier unserer Mitglieder machten am diejenige in Vézelay würden sich freuen, Samstag, dem 28. Mai, Standdienst (vgl. wenn Mitglieder von uns als Hospitaleros Fotos S. 46). in deren Pilgerherbergen Dienst machen könnten. Diese Angebote machen wir hier- Wie schon im vergangenen Jahr beim mit und gerne bekannt. (Siehe dazu auch S. Evang. Kirchentag in Stuttgart konnte ich 76) Vielleicht überlegen Sie, ob für Sie auch in diesem Jahr nach der vorbereiten- nicht ein solcher Dienst möglich wäre? den Organisation den „Roten Faden“ an die (Entsprechende Sprachkenntnisse sollten örtliche Jakobusgesellschaft weiter reichen. mitgebracht werden). Präsident Sebastian Bartsch, St. Jakobus- Gesellschaft Sachsen–Anhalt, ließ es sich Mein Grußwort ist dieses Mal kürzer; wir nicht nehmen, jeden Tag den Stand zu besu- haben viele interessante Informationen, die chen. Der Katholikentag hatte als Besonder- wir gerne weiter geben wollen. heit, dass er als eine offene Veranstaltung an mehreren Orten in der großen Stadt Ich schließe mit der Bitte um den Schutz Leipzig präsent war. Dies war eine perma- und Segen unseres Herrn Jesus Christus nente Einladung an die Stadt, ihre Bewoh- und des Pilgerapostels Jakobus auf allen ner und Besucher. Die pagodenähnlichen unseren Wegen. Seien Sie behütet! Stände waren im parkähnlichen Teil des Ihr Joachim Rühl, e ultreia! Wilhelm–Leuschner–Platzes. Pfarrer Bartsch hat notiert: „…der Stand war recht am Rande; die allgemeine Beteili- Markierung in Breslau - Foto: H. Weinlich gung war sehr ... ostdeutsch“. Dennoch haben sich viele gute Gespräche ergeben. Herzlichen Dank an alle, die zum Gelingen beigetragen haben. Aber auch kleinere Jubiläen erfreuen uns: der St. Jakobus-Stammtisch Schlammers- dorf feierte am 5. 6. 2016 sein 10-jähriges Bestehen mit Gottesdienst und attraktivem Programm (Bericht folgt). unterwegs 3 nr. 100 juli 2016
Termine Pilgersegen in Nürnberg. In der Ev.-Luth. Nürnberg. Das Kirche St. Jakob, Jakobsplatz 1, können Pilger Pilgerbüro in St. jeden 1. Mittwoch im Monat im Frühgottes- Jakob im Vorraum dienst um 6:30 Uhr persönlich gesegnet wer- zur Kirche ist für Sie den. Anmeldung ist nicht erforderlich. da Mo - Fr 11.00 - Pilger oder Pilgergruppen, die mit dem Reise- 18.00 Uhr, außerhalb segen ihren Pilgerweg in Nürnberg beginnen dieser Zeit nach Vor- wollen, wenden sich bitte an das Evang.-Luth. anmeldung über Innenstadtpfarramt. Tel. 0911 – 214 25 00 od. Tel. 0911-209143 . Email Das Pilgerzentrum St. Jakob empfiehlt auf einer Liste Herbergen in Nürnberg und den Aschaffenburg Stadtteilen, die nur Pilgern mit Pilgeraus- Pilgertermine am Untermain weis reduzierte bzw. rabattierte Preise anbie- Pilger-Treffen normalerweise am 3. Samstagum ten, rechtzeitger Kontakt wird empfohlen! 18 Uhr, wechselnd in St. Laurentius, Kirchstr. Diese Liste soll eine lebendige Liste sein, die 16, 63741 Aschaffenburg-Leider und St. Kilian, ständig aktualisiert wird. Deshalb ist es sinn- Kilianstr. 1, 63741 Aschaffenburg-Nilkheim. Als voll diese Liste jeweils aktuell anzufordern. Einstieg zu den Begegnungen gibt Peter Spiel- Tipps für weitere empfehlenswerte Herbergen, mann für 5-10 min einen gedanklichen Impuls. auch Lob und Kritik, werden gerne angenom- 16.07. St. Kilian - Gerd Reusch, beobachtet men. Pilgerzentrum St. Jakob in der Kirche beim Schnitzen eines Pilgerstabes mit Pilgertex- St. Jakob in Nürnberg, Jakobsplatz 1, (Telefon ten von Peter Spielmann 0911/47 87 72 25, Email pilgern@jakobskir- 17.09. St. Laurentius - Auf dem Pilgerweg von che-nuernberg.de). Haibach nach Walldürn (Helmut Stowasser) 22.10. St. Kilian - Pilgerbericht von Familie Pilger-Seminare für Anfänger Rauscher auf dem französischen Pilgerweg mit Raimund Joos 19.11. St. Kilian - Pilgerbericht von Siegfried Becker auf dem Tiroler Pilgerweg Cursillo – Haus Oberdischingen bei Ulm 17.12. St. Laurentius - Jahresbilanz (Helmut 14.10. bis 16.10.2016 Stowasser) Info:Peter Spielmann Für 2017 sind weitere Seminare geplant. Tel.: 06028/6037 mail: peters.aschaff@gmx.de KraichgauPilger Treffen 2016 Sa. 10. 9. 2016 (12. KraichgauPilger Treffen) Pilgerreise auf dem Jakobsweg 9.08 Uhr Bahnhof in 74193 Schwaigern mit Busbegleitung von Chavanay nach (Stadt-Kirche) - Weg via Schluchtern und Le Puy-en-Velay vom 30.07. bis Massenbach (St. Georg) zurück nach Schwai- 07.08.2016. 120 km in 6 Tagesetappen mit gern (Essen im Martinus-Gemeindehaus, an- geistl. Begleitung durch P. Slawomir Klein, schliessend Ökumenischer Gottesdienst in St. Walldürn Martinus, danach Vortrag: Mit dem Esel nach Info, Gesamtleitung und Anmeldung bei dem Santiago und Wegvorstellung: Jakobsweg Mitglied unserer Gesellschaft: durch den Odenwald. Ende ca. 17.30 Uhr. Heribert Bulla, Georg-Engel-Str. 17 a, Verbindliche Anmeldung bis 28. August 97076 Würzburg 2016 bei Hans Lauerer unterwegs 4 nr. 100 juli 2016
Pilgerstammtisch Termine Volkach Gasthof “Rose” am Oberen Markt 16 - 18 Uhr: jeweils erster Freitag im Monat: 1. Juli Fr. 3. - So 5. März 2017 Jahrestagung / 5. Aug. / 2. Sept./ 7. Okt. 2016 und Mitgliederversammlung in Rothen- Hallerndorf-Schlammersdorf (bei burg Wildbad Forchheim) Brauereigasthof Witzgall neben der Kirche, jeweils erster Samstag im Monat Sa. 25./ So. 26. März 2017 Pilgermesse um 16 Uhr; 19 Uhr Vorabendmesse mit Pilgersegen; als "Spezialmesse" im Rahmen der 2. 7. / 6. 8./ 3.9 ./ 8. 10. 2016. Info: Sawinsky 09190 Landshuter Umweltmesse 24.-26. März 2017 1461 - mobil 0172-8066938 Nürnberg Gasthaus „Steichele“ Knorr- Fr. 9. - So. 11. März 2018 Jahrestagung straße 4 (unweit St. Jakob) ab 18 Uhr jeweils und Mitgliederversammlung auf dem erster Mittwoch im Monat: 6. 7. / 3. 8./ 7. 9./ 5. Volkersberg bei Bad Brückenau 10. 2016 - Vorher um 17:30 Uhr ist in der Krypta in St. Elisabeth (Kuppelbau gegenüber St. Jakob) So. 18. November 2018 30-jähriges Jubi- eine Andacht. Bitte anmelden bei Paul Diemer: läum unserer Gesellschaft in Würzburg < jakobspilger-nuernberg@paul-diemer.de> oder Telefon 0911 - 74 72 009. So. 24. Juli 2016 Jakobustag-Pilgergang Bayreuth Glenk-Biergarten Eichelweg bei jedem Wetter vom Pilgertische in Paters- jeweils erster Freitag im Monat 18 - 21 Uhr: holz um 10 Uhr bis Thalmässing 18:00 Uhr. 1. Juli/ 5. Aug./ 2. Sept./ 7. Okt. 2016. Mitbringen: Tagesproviant, feste Schuhe, Regenklei- Regensburg im „Spitalgarten“ ab 18:30 dung, Sonnenschutz - Daheimlassen: Terminkalender, Uhr am letzten Mittwoch des Monats: Un- schlechte Laune, Sorgen, Handy - Kosten:10,- €. terhaltung, Bilder, Vorträge und interessante Verbindliche Anmeldung: 09174/971414 Pil- Neuerungen z.B. von der “Fränkischen St. Ja- gerbegleiterin Christa Büttner kobus-Gesellschaft“ erfahren. Pilgerpässe kön- nen ausgefertigt und bestellt werden. Pilgerstammtisch Heilbronn am Neckar. Informationen bei Wolfgang Mortensen, Re- Unregelmäßiger Pilgertreff in der Heilbron- genstauf, T.: 0175 416 1037 ner Gegend nach Absprache. Landshut. jeweils 3.Freitag im 1. Monat Info: Gerhard Mössner, email . des Quartals: 15. Juli/ 21. Okt. 2016. 19:30 Gasthaus Freischütz, Neustadt 446. Samstagspilgern Coburg - Nürnberg Info: Pfarrer Michael Thein lädt zu begleiteten Ta- München. Jeden 3. Dienstag im Monat: gespilgertouren ein. Anmeldung ist nicht “Schinkenpeter”, Perlacherstr. 53/55 (U2 nötig. Teilnahmegebühren werden nicht erho- Untersbergstr./ Bus 54 Valeppstr.) 19. Juli/ ben. Jede/r sorgt selbst für An- und Rückfahrt. 16. Aug./ 20. Sept. 2016. Info:Barbara Mas- Treffpunkt und Zeit sind hier nachzulesen. sion, Tel. 089 / 43 93 183 oder per E-Mail: Wenn Sie per Mail über Aktuelles informiert . werden wollen, senden Sie bitte eine Mail an Fulda-Neuenberg. Gaststätte “Dreilin- mic.thein@t-online.de. den”, Neuenberger Str. 37 An jedem ers- 30. Juli 2016: Bamberg - Kreuzberg bei Hal- ten Freitag im Quartal Pilgertreff: 1. Juli/ 7. lerndorf Okt. 2016. Kontakt: E. Reitz 0661 74332 24. Sept. 2016: Kreuzberg - Forchheim Rottweil Regionaler Pilgerstammtisch 29. Okt. 2016: Forchheim - Neunkirchen am Gaststätte „Zur Hochbrücke“, Hochbrücktorstr. Brand 32 Info: P. Müller 26. Nov. 2016: Neunkirchen am Brand - Bu- chenbühl unterwegs 5 nr. 100 juli 2016
Pilgersegen Würzburg. An jedem 2. Samstag im Monat Vorabendmesse mit Pilgersegen um 17:30 Uhr in der Kirche der Theresienklinik, Domerschulstr. 1-3 (nur wenige Meter von Dom und Pa- radeplatz entfernt - Parkmöglichkeit). - Für Gruppen, die in Würzburg aufbrechen wollen, bi- etet das Schottenkloster nach Absprache eine Feier an. >www.schottenanger.de< Ochsenfurt. St. Andreas So. nach der Messe 18 Uhr. Anmeldung: T: 09331 8025080. Aschaffenburg-Leider, St. Laurentius im Wechsel mit Nilkheim, St. Kilian. Pil- gergottesdienst jeweils am 3. Sa. im Monat - Näheres siehe S. 4. Miltenberg. In der Pfarrkirche St. Jakobus wird auf Anfrage nach den Gottesdiensten in der Staffelkapelle der Jakobuskirche der Pilgersegen erteilt. Anmeldung Pfarramt Tel. 09371 2330. Benningen. Pilger aus dem Raum Memmingen können in der Pfarreiengemeinschaft im Rahmen der Sonntagsgottesdienste - in der Regel Sa. 18.30 Uhr, So. 9.00 und 10.30 Uhr - den Pilgersegen empfangen. - Im Pfarrheim besteht Möglichkeit zur Übernachtung (ohne Dusche). Anmeldung bei Pfr. Xaver Wölfle, Tel. 08331 2842 Fax: 929200 oder E-Mail >pg.benningen@bistum-augsburg.de< Schlammersdorf bei Forchheim. Pilgersegen jeweils nach dem Pilgertreff bei der Vor- abendmesse um 19 Uhr. Siehe dazu Termine auf Seite 5. Freiburg im Breisgau. In der Kirche der Universitätsklinik ist nach den Messen So. 9.30, Di. und Fr. 18.30 und Mi. 15 Uhr die Möglichkeit, den Pilgersegen zu empfangen. Bitte vorherige Absprache mit P. Norbert Riebartsch Tel.: 0761 270-3401(d) und 2024262 (p) oder E-Mail >pater.norbert@uniklinik-freiburg.de< Regensburg. Pilgersegen oder Pilgerstempel erhalten Sie gerne im Priesterseminar, dessen Seminarkirche die Schottenkirche ist. Es ist erreichbar an der Pforte Bismarckplatz 2 oder über die Telefon-Nr. 0941 58516-0. - In der Schottenkirche St. Jakob ist am Sonntag 9 Uhr Eucharistiefeier. Herbstein. Pilgersegen und Pilgerstempel an allen Tagen des Jahres möglich. Tel.06643 234. E-Mail >pfarrbuero@st-jakobus-herbstein.net< Marburg. Die kath. Kirchengemeinde St. Michael und St. Elisabeth, Kettelerstr. 12, 35043 Marburg-Schröck bietet in allen Gottesdiensten den Pilgersegen nach Absprache an. Tel.: 06424 92230, E-Mail: >buero@pfarrei-schroeck.de< Münster. Für Pilger aus Münster und Umgebung bietet P. Erich Purk, Kapuzinerstr. 27, 48149 Münster, den Pilgersegen an. Bitte vorher Termin vereinbaren: 0251 9276-122. E-Mail: >erich.purk@kapuziner.org< Augsburg. In St. Jakob, Jakobsplatz, Pfr. Friedrich Benning: T: 0821 551244 - In der Pfar- rkirche St. Max, Franziskanergasse 8, bitte telefonisch erfragen: Tel. 0821 3432230. Bremen. In der kath. St. Marien-Gemeinde, St. Magnusstr. 2, 28217 Bremen, wird im Gottesdienst der Pilgersegen erteilt nach vorheriger Absprache mit Pastor Robert Wagner. Tel.: 0421 38 36 38 - E-Mail: >pfarramt@st-marien.de< Rothenburg o.T. St. Jakob. Pilgerpfarrer Oliver Gußmann bietet einen Pilgersegen an. Tel. 09861-7006-25 oder Mail: >gaestepfarrer@rothenburgtauber-evangelisch.de< Nürnberg St. Jakob Jakobsplatz 1: Jeden 1. Mi im Monat im Frühgottesdienst 6:30 - weit- ere Infos siehe S. 4 ++ Gemeinden, die Pilgersegen anbieten, teilen ihre Zeiten der Redaktion mit. Viele Pilger freuen sich. ++ unterwegs 6 nr. 100 juli 2016
Termine Ostbayerischer Jakobsweg Pilgern auf dem Franziskusweg von La Pilgerwanderungen der kommenden Monate: Verna über Gubbio und Assisi bis Rieti Samstag, 16.Juli, 09 – 17 Uhr: Der Weg folgt den Spuren des heiligen Stallwang – Pilgramberg - Wiesenfelden Franz von Assisi und führt in 21 Tagesetap- Samstag 13.August, 09 – 16 Uhr: pen auf 350 km durch die idyllsche Land- Hoher Bogen – Weißenregen schaft Umbriens. Samstag, 17.September, 09 – 16 Uhr Ich will mich im September auf diesen Weg Wiesenfelden – Wörth a.d.Donau machen und suche einen Gefährten. Samstag, 01.Oktober 09 – 16 Uhr: Kontakt: Pfr. Bernhard Öchsner (60 J.), Weißenregen – Neurandsberg Schweinfurt, Tel. 09721/930451 Aus organisatorischen Gründen wird für die Pilgerwanderungen um rechtzeitige und ver- bindliche Anmeldung gebeten. KEB Cham, T. 09971-7138 oder info@keb- cham.de KEB Straubing-Bogen, T. 09421-3885 oder info@keb-straubing.de Informationen über weitere Angebote auf dem tschechischen und ostbayerischen Jakobsweg gibt es bei Josef Altmann, Gemeinde Eschlkam, Tel. 09948-940815 Bestandsaufnahme - Bestandsaufnahme - Bestandsaufnahme An den Jakobswegen unserer Gesellschaft, wie an anderen Jakobswegen auch, haben immer wieder Pilger und Anwohner eine Idee, um den Weg hervorzuheben, ihn auszuzeichnen und zu schmücken. Das kann eine Kapelle, eine Statue, ein Bildstock, ein Brunnen, eine Tafel mit einem Sinnspruch sein. Gelegentlich kommt eine Information darüber an die Redaktion von “unterwegs”. Das Präsidium hat auf seiner Klausur beschlossen solche Initiativen an unseren Wegen zu sammeln. Bitte melden Sie, mit Foto (digital), solche Initiativen mit folgenden Anga- ben: Art des Objektes, Weg, Standort, Stifter mit Adresse per mail an die Redaktion Jeannine Warcollier ist am 17. April 2016 im Alter von 92 Jahren verstorben. Am 4. Mai fand der Trauergot- tesdienst in Paris in der Kirche Saint-Jacques-du-Haut- Pas statt; die Beisetzung dann in Châlons-en-Champagne. Warcollier war seit 1958 ehrenamtliche Sekretärin der 1950 gegründeten “Société Française des Amis de Saint Jacques de Compostelle”. Sie selbst war nie zu Fuß auf dem Weg, aber die Pilgerfahrt ihres jüngeren Bruders ent- fachte ihre Leidenschaft für den hl. Jakobus. Dem Apostel und den Pilgern hat sie ihr Leben lang gedient. Sie war das lebendige Gedächtnis der Pilgerfahrt nach Santiago. Nicht nur die Gesellschaft und ihre Familie, sondern viele Pilger aus der ganzen Welt trauern um sie. “Der heilige Jakobus ist gekommen um sie zum Vater zu führen. Betet für sie!” so schreibt die Société in ihrer Mitteilung. unterwegs 7 nr. 100 juli 2016
Zum Nach-Denken "Drei Pilger" von Jean Lurçat Das Bild führt uns die Lebenszeit als Pilgerzeit vor Augen. Leben ist Auseinander- setzung, Suchen und Fragen. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde Lurçat 1914 wegen pazifistischer Umtriebe verhaftet. Während des 2. Weltkrieges engagierte er sich in der französischen Résis- tance. Wir denken in diesem Jahr an die Schlacht von Verdun 1916. Was blieb von diesen Kämpfen auf den Schlachtfeldern? Ein riesiges Grab. Oder was vom 2. Welt- krieg? Haben wir europaweit, weltweit gelernt? Das Leben kann zum Weglaufen sein damals wie heute. Es kann auch die Erkenntnis schenken, sich den Herausfor- derungen zu stellen in allen Lebensphasen. Lurçat malt dieses Bild 1936. Zu sehen sind drei Männer am Strand, da wo festes Land ins Meer übergeht. Im Hintergrund ist eine Insel oder ein Berg erahnbar. An einem bewölkten Himmel lassen Wolken die Sonne durchscheinen. Die drei Männer verweisen auf die drei Lebensalter. Der Rechte mit dem Stab in der Hand schaut den Betrachter fragend an: Gehst du mit? Der Mann in der Mitte, der Jüngere, er stützt sich mit seinem linken Arm auf seiner Hüfte, stellt mit seinem Blick die Frage: Lohnt sich der Weg? Der Alte links sitzt auf einem Schemel, der Stab liegt auf seinem rechten Oberschen- kel. In seiner rechten Hand hält er etwas oder bricht ein Brot, ein Abendbrot. Sein Blick hat etwas Feststellendes: Für heute ist es genug, es reicht. Das Ziel, der Berg oder die Insel, ist für den Betrachter nicht eindeutig sehbar. Wir können in dieser Berginsel am Meer den Mont Saint-Michel sehen, den heiligen Berg an beginnenden Atlantik, wo sich alles Land in der Weite des Meeres verlieren wird. Dieser Berg ist Sinnbild für Frieden und Gemeinschaft am Ende des Weges. Gibt es dieses Ziel für Europa, für die Welt, für das eigene Leben? Die Pilger von Lurçat sprechen kein euphorisches Ja. Sie sind und bleiben Su- chende. Sie sind gebündelte Lebenszeit. Sie laden ein fragend zu verweilen, aber auch suchend weiterzugehen. Wenn so das Leben ist, tut es gut zu wissen, dass ich nicht allein unterwegs bin und dass die Lebenszeit, in welchem Alter ich mich auch befinde, immer die Summe von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist. Wo mir Vergangenes in der Gegenwart Kraft gibt, darf ich hoffnungsvoll Schritte in die Zu- kunft wagen. Dies erst recht dann, wenn ich mich getragen und gehalten weiß von dem, der über Raum und Zeit ist, Gott. Er trägt und hält mich in allen Unsicherhei- ten und Unabwägbarkeiten meines Lebens. Gott, der uns in Jesus Christus Pilgerge- fährte ist, ist da an den Grenzen in der Höhe, in der Tiefe, in der Weite. Ulrich Boom, Weihbischof in Würzburg unterwegs 8 nr. 100 juli 2016
Zum Nach-Denken Jean Lurçat (* 1. Juli 1892 in Bruyères in den Vogesen; † 6. Januar 1966 in Saint-Paul-de- Vence) studierte zunächst in Nancy, danach in Paris. Zwischen den Weltkriegen entwickelte sich Lurçat zu einem bekannten Maler in Frankreich. Während des Zweiten Weltkrieges engagierte er sich aktiv in der französischen Résistance, der Widerstandsbewegung gegen die deutschen Okkupationstruppen. Nach Kriegsende entfaltete er eine rege Tätigkeit, vor allem als wichtigs- ter zeitgenössischer Vertreter der Bildwirkerei, die er durch seine Begeisterung, Inspiration und Schaffensfreude in enger Zusammenarbeit mit der Aubusson-Manufaktur neu belebte. In Aubus- son entstand auch 1933 seine erste Tapisserie. In den 50er und 60er Jahren fanden in allen Kon- tinenten bemerkenswerte Ausstellungen mit Wandteppichen, Gemälden, Zeichnungen und Keramiken des Künstlers statt. 1957 begann Lurçat mit dem ersten Motiv seiner monumentalen Teppichfolge “Chant du monde” (Der Gesang der Welt), einer Apokalypse des 20. Jahrhunderts, die heute im “Musée Jean Lurçat” in Angers an der Loire zu sehen ist. 1962 gründete er das Internationale Zen- trum für alte und neue Wandteppiche, das als weltweit wichtigstes Zentrum der neuen Textil- kunst gilt. 2002 wurde in der saarländischen Gemeinde Eppelborn das Museum Jean Lurçat eröffnet. Es zeigt mit ca. 300 Werken einen Querschnitt durch sein künstlerische Schaffen. Pünktlich zum 50. Todestag von Jean Lurçat am 6. Januar 2016 konnte der neue Katalog "Male- rei III" vorgestellt werden. Er ist die Fortsetzung des Katalogs "Malerei 2012" und enthält alle durch das Museum neu erstandenen Bilder des Künstlers. Das Gemälde “Trois Pèlerins - Drei Pilger” von 1936 hängt im Musée des Beaux-Arts in Nancy. unterwegs 9 nr. 100 juli 2016
Aus unserer Gesellschaft - Jahrestagung Im “unterwegs” Nr. 99 haben wir ausführlich von unserer Jahrestagung und der Mitgliederver- sammlung in Pappenheim an der Altmühl berichtet. In dieser Nummer bringen wir noch drei Bei- träge unseres Treffens. Es ist der geistliche Impuls von Wolfgang Ruhrmann am Samstag mit dem Thema “Pilgern verbindet”, dann die Ansprache von Michael Thein beim Gottesdienst am Sams- tagabend in St. Walburga in Heidenheim, und schließlich die Meditation von Margot und Erich Baierl am Ende des Gottesdienstes. Schwerpunkte dieser Nummer 100 sind die Beiträge von Winfried Romberg, Wissenschaftli- cher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Fränkische Kirchengeschichte Würzburg, und Gerhard Gaug- ler und Hermann Sorg, zwei engen Vertrauten von Sieger Köder. Den Autoren ganz herzlichen Dank! Wolfgang Ruhrmann Pilgern verbindet - Geistlicher Impuls für Samstag, 5. März 2016 - „Wir verbinden Menschen in Europa“ – So wirbt ein großer Telekommunikationskonzern, und tat- sächlich: In einem Zeitalter, das oft das „Kommunikationszeitalter“ genannt wird und das geprägt ist von Mobilfunk, ständiger Erreichbarkeit und nahezu überall verfügbarem Internet, scheinen Milliar- den Menschen permanent mit anderen Menschen verbunden zu sein. Angesichts der anscheinend unbegrenzten Möglichkeiten, die der technische Fortschritt bietet, um mit anderen Menschen in Verbindung zu treten, scheint es ein anachronistischer Gegensatz zu sein, wenn Menschen den Komfort und die Sicherheit ihres vertrauten Umfelds hinter sich lassen, um sich zu Fuß und mit nur wenig Gepäck auf einen Pilgerweg zu begeben. Doch auch hier hat die Moderne Einzug gehalten: Für viele Pilger gehört das Smartphone so selbstverständlich ins Gepäck wie die Wasserfla- sche, statt Wegweisern oder Karten folgt man dem GPS, und viele Herbergen sind inzwischen mit In- ternetanschluss und WLAN ausgestattet. Viele mögen sich über diese modernen Möglichkeiten freuen, und für manch einen sind sie vielleicht sogar notwendig, um nicht Entzugserscheinungen zu bekommen, doch ich frage mich: Habe ich noch die Offenheit für all das Unbekannte und Überra- schende auf dem Weg, wenn ich auch hier „online“ bin? Habe ich noch die Offenheit, mich auf Ge- spräche mit mir unbekannten Menschen einzulassen, wenn ich ständig mit den Daheimgebliebenen in Verbindung stehe? Entgehen mir nicht nette Gesprächsmöglichkeiten mit hilfsbereiten Einheimischen, wenn ich dank GPS nie nach dem Weg fragen muss? Ist es nicht interessanter, die eigenen Pilgererfah- rungen mit anderen Pilgern zu teilen, als abends allein am Computer zu sitzen, weil man seine Pilger- erlebnisse gleich online stellen und in sogenannten sozialen Netzwerken „teilen“ will, in der Hoffnung, dafür möglichst viele „Likes“ zu bekommen? Entgeht mir durch die Online-Verbundenheit mit meinen Bekannten in der Ferne nicht die Chance zu einer unmittelbaren Verbundenheit mit neuen Menschen in meiner Nähe? Bergen also diese modernen Hilfsmittel nicht die Gefahr, dass ein wesent- liches Element des Pilgerns, nämlich die Begegnung mit anderen Menschen, zu kurz kommt? Der Pilger, das ist der „peregrinus“, der in die Fremde geht und dort selbst ein Fremder ist. Weil ein Pilger auf die Unterstützung anderer angewiesen ist, trafen sich in früheren Jahrhunderten Pilger an bekannten Knotenpunkten, um gemeinsam aufzubrechen und den Weg gemeinsam fortzusetzen. Wenn man sich eine Karte der europäischen Pilgerwege anschaut, dann sieht man, dass sich ein Netz an Wegen durch ganz Europa zieht, und an wichtigen Knotenpunkten treffen oder verzweigen sich die Wege. Dieses Wegenetz, die einzelnen Wege und die Knotenpunkte sind entstanden, um Menschen miteinander zu verbinden, und auch umgekehrt gilt: weil sie existieren, ermöglichen sie seit Jahrhun- derten die Begegnung von Menschen, verbinden sie Menschen miteinander. Was diese Menschen un- unterwegs 10 nr. 100 juli 2016
Aus unserer Gesellschaft - Jahrestagung terschiedlichster Herkunft miteinander verband und Pilger auch heute noch miteinander verbindet, das ist das gemeinsame Ziel. Es spielt also keine Rolle, woher man kommt, das Verbindende sind das gleichzeitige Unterwegssein auf demselben Weg und das gemeinsame Ziel. Doch nicht nur das große Ziel in der Ferne, sondern auch ein gemeinsames Etappenziel kann verbin- den: Pilger begegnen sich unterwegs zum ersten Mal, kommen ins Gespräch, fragen den anderen, wie weit er heute noch gehen will, und wenn sie dasselbe Etappenziel haben, treffen sie sich abends in der Herberge wieder, auch wenn sie tagsüber mit unterschiedlicher Geschwindigkeit unterwegs waren oder bewusst allein wandern wollten. Oft führen solche zufälligen Etappenbegegnungen dazu, dass Pilger dann noch weitere Etappen ge- meinsam wandern oder sich zumindest auch an den folgenden Abenden jeweils in denselben Herber- gen wiedertreffen. Die Motive für das Pilgern waren auch in früheren Zeiten durchaus unterschiedlich, und in unserer heutigen pluralistischen Welt mag es eine noch größere Vielfalt an Motiven geben. Doch so unterschiedlich die Motive der Menschen auch sein mögen, bei der Begegnung auf dem Pil- gerweg treten sie nicht immer gleich zutage, so dass auch Menschen mit ganz unterschiedlichem Cha- rakter und ganz unterschiedlichen Motiven miteinander ins Gespräch kommen und einander kennenlernen können, weil sie eins gemeinsam haben: Sie sind zusammen auf dem Pilgerweg unter- wegs. Unterschiede relativieren sich, weil Pilger meist keine Statussymbole tragen und bewusst den Alltag hinter sich gelassen haben. Man begegnet sich von Mensch zu Mensch, man ist gemeinsam auf dem Weg, und in diesem Augenblick zählt nur das. Hätten im Alltag die unterschiedliche Herkunft, die unterschiedlichen Charaktere oder die unterschiedlichen Interessen ein Aufeinander-Einlassen nicht zugelassen, so schafft dieses gemeinsame Unterwegssein auf ein gemeinsames Ziel hin eine Ver- bundenheit – vielleicht nur für ein paar Stunden, vielleicht aber auch für Tage oder Wochen oder sogar über die Zeit der Pilgerschaft hinaus. Wer als Pilger aufbricht, der begegnet unterwegs Menschen, für die diese Region, die er als Fremder durchquert, ihre Heimat ist. Gerade in einsamen Gegenden ist man als Pilger auf die Hilfe und Gast- freundschaft der Einheimischen angewiesen. Auch wenn man nur eine Nacht bleiben kann und am nächsten Morgen wieder aufbricht, so kann das Pilgern doch eine Verbundenheit schaffen zwischen dem Fremden und dem Einheimischen, und im Idealfall erwächst aus der Dankbarkeit für diese Be- gegnung eine innere Verbundenheit, die auch dann noch anhält, wenn man sich nicht wieder sieht. Auf dem Pilgerweg gehen wir zum Teil auf historischen Straßen, überqueren alte Brücken, schlafen in alten Gebäuden, die Pilgerherbergen sind und es vielleicht auch schon vor langer Zeit waren, wir be- wundern interessante und imposante Bauwerke. Dies alles, die Infrastruktur und die Kultur entlang des Pilgerwegs, erinnert uns daran, dass schon Millionen Menschen vor uns diesen Weg gegangen sind, jeder mit seiner eigenen Geschichte. Als Pilger stehen wir in der Tradition dieser Menschen und setzen diese Tradition fort, und sind so mit all den Pilgern vor uns verbunden. Diese Verbundenheit kommt sehr schön zum Ausdruck in dem alten Pilgerritual, beim Betreten der Kathedrale von Santi- ago de Compostela seine Finger in die fünf Vertiefungen der Mittelsäule des Portico de la Gloria zu legen. Es ist wie ein Händedruck mit all den Pilgern, die vor uns hier angekommen sind. Und schließlich: Wenn wir die Kathedrale betreten, dann betreten wir ein Haus Gottes, gebaut als ein irdisches Abbild des himmlischen Jerusalem. Somit ist das Pilgern immer eine Verbundenheit mit Gott. Diese Verbundenheit mit Gott mag jeder anders empfinden: sei es in einer Kirche, in der Natur, in der Begegnung mit anderen Menschen, und manchen ist vielleicht gar nicht bewusst, dass sie auf ihrem Pilgerweg mit Gott in Verbindung treten. Doch selbst ein Skeptiker wie Hape Kerkeling musste am Ende seiner Pilgerschaft zugeben: „[Gott und ich], wir sind uns jeden Tag begegnet.“ So schafft Pilgern unterschiedlichste Verbindungen. Jeder Pilger hat es selbst in der Hand, sie zu ent- decken, zu erfahren und weiterzuentwickeln. unterwegs 11 nr. 100 juli 2016
Aus unserer Gesellschaft - Jahrestagung Pilgern (und gelegentlich auch Kaffee) verbindet! unterwegs 12 nr. 100 juli 2016
Aus unserer Gesellschaft - Jahrestagung Michael Thein D e r Ve r l o r e n e S o h n - Lk 15,1-3.11b-32 - Predigt bei der Jahrestagung der Fränkischen St. Jakobus-Gesellschaft in Heidenheim Eigentlich sollte man das sog. Gleichnis vom Verlorenen Sohn besser vom wiedergefundenen Sohn nennen. Oder noch besser: Gleichnis vom barmherzigen Vater. Denn das ist der Kern. Es ist ein Gleichnis für uns alle und von uns allen: eigensinnig sein, frei sein wollen, selber alles besser wissen, seinen Spaß haben, Fehler machen, Katzenjammer erleben, sich ganz unten wiederfinden, zur Besinnung kommen, umkehren, heimkommen, auf die Knie fallen, reinen Tisch machen, offene Arme finden, unendlich dankbar sein. Weil wir uns zu einer Jahrestagung von Pilgern zusammengefunden haben, reizt es mich, diese Ge- schichte von einer ganz anderen Seite anzuschauen. Ich entdecke eine Pilgergeschichte, eine Wegge- schichte. Eine Geschichte vom Aufbrechen und Heimkommen. („Wer aufbricht, kommt auch heim.“ heißt ein Buch von Peter Müller) Eine Geschichte von den Krisen auf dem Weg. Ich entdecke aber auch eine Geschichte von zwei verschiedenen geistlichen Lebensentwürfen: Der eine findet zu sich, er findet zum Ziel, er findet heim, er findet zu Gott, indem er aufbricht. Der andere kommt in der Geschichte eher schlecht weg, doch zu Unrecht, denn er ist schon bei Gott daheim. Wer hier den eher braven Erstgeborenen und daneben den abenteuerlustigen Zweitgeborenen entdeckt, und dann vielleicht auf sich selbst und seinen Bruder schaut, wird gewiss Parallelen entdecken. Ein Mann hatte zwei Söhne. Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und er teilte Hab und Gut unter sie. Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. „Gib mir mein Erbteil.“ Das ist, als wenn der Vater für ihn schon gestorben wäre. Er will raus. Er will fort. Er will den Vogelkäfig hinter sich lassen und in die Freiheit. Und der Vater ist klug, Gott sei Dank. Er weiß, wenn er ihn halten will, dann verliert er ihn gewiss. Doch wenn er ihn loslässt, dann wird er sich finden und vielleicht auch wieder zurückfinden. Was treibt Menschen an, die sich auf den Weg machen, die einen Pilgerweg beginnen. Was hat Sie, was hat dich angetrieben, auf den Weg gelockt, zum Aufbruch gerufen? Neugier und Abenteuerlust wie beim jüngeren Sohn? Die Sehnsucht nach Freiheit? Endlich ist die Schule zu Ende, die Prüfungen geschafft. Jetzt nichts wie raus in die Freiheit. Oder jemand meint, er er- stickt, wenn er nicht ausbricht aus seinem Gefängnis. Ehe, Familie, Beruf, Freundeskreis, irgendetwas ist ihm zum Käfig geworden. Warum bricht jemand auf? Auf der Suche nach dem Heil, nach Gesundung. Vielleicht nur am Leib, vielleicht auch an Leib und Seele. Eine Krankheit, die zur Krise wird. Ein Burnout. Warum bricht jemand auf? Vielleicht ganz allgemein auf der Suche. Auf der Suche, die noch gar nicht weiß, was sie sucht. Ein unbestimmtes Gespür dafür, dass es das noch nicht gewesen sein kann, was bisher war. Warum bricht jemand auf? An einer Lebenswende vielleicht, die ihn fragen lässt: Wer bin ich? Wo soll es lang gehen? Wie soll es weitergehen? Beim Eintritt in den Ruhestand. Beim Verlust des Arbeitsplat- zes. Beim Verlust eines geliebten Menschen. … er zog in ein fernes Land und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen. Als er nun all das Seine verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land, und er fing an zu darben und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm. unterwegs 13 nr. 100 juli 2016
Aus unserer Gesellschaft - Jahrestagung Tief unten ist er gelandet. Schweine hüten: Tiefer geht es nicht mehr im jüdischen Verständnis. Die große, weite Welt hat er gesucht, die Einsamkeit hat er gefunden. Hoch hinaus wollte er und tief gefallen ist er. Die Freiheit hat er gesucht. In der Abhängigkeit ist er gelandet. Wer kennt sie nicht, die Tiefpunkte des eigenen Pilgerweges? Wer kennt sie nicht, die Krisen? Ja, manchmal sogar das Scheitern? Wenn wir an die Grenzen der Kraft gelangen – weil wir uns überschätzt haben oder Anzeichen des Körpers nicht akzeptieren wollten. Wenn Regen oder Sonne einen mürbe machen. Oder endlose, gerade Wege durch öde Landschaften ohne Baum und Strauch. Wenn einen trotz vieler Menschen die Einsamkeit überfällt oder das Heimweh. Vielleicht hat auch jemand schon erfahren, wie es ist, wenn man abbrechen muss. Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner! „Da ging er in sich.“ Er geht ehrlich mit seinem Scheitern um. Er macht sich nichts vor. Er versteckt sich nicht. Er beschönigt nichts. Er hadert nicht. Er schiebt die Schuld nicht auf andere und auch nicht auf Gott. „Da ging er in sich.“ Jetzt erst – so meine ich – ist der sog. verlorene Sohn angekommen: Raus wollte er, in die Weite, in die Ferne, in die Freiheit. Und wo kommt er an: Bei sich selbst. „Da ging er in sich.“ Ich meine, das gilt auch für uns Pilger: Wenn wir nur aufbrechen von zu Hause, um fort zu kommen, andere Länder zu sehen, fremden Menschen zu begegnen, Natur und Kultur zu erleben, dann fehlt uns etwas, vielleicht sogar das Entscheidende. Wir mögen zwar ankommen, in Santiago oder anderswo. Aber sind wir wirklich angekommen, wenn wir nicht auch bei uns angekommen sind, wenn wir nicht in uns gegangen sind? Aber vielleicht ist das auch eine theoretische Frage: Kann man überhaupt pilgernd unterwegs sein, ohne in sich zu gehen, ohne zu sich zu kommen? Kann man wirklich so abgestumpft, so dickhäutig, unsensi- bel sein, dass sich das nicht ereignet auf dem Weg? Und wenn es denn sein muss, dann sind Krisen dazu da, dass man in sich geht. Und so gesehen sind Krisen gut. Sie werfen einen auf einen selbst zurück. Und dann ist, Gott sei Dank, der Weg nicht weit zum In-Sich-Gehen und zum Zu-Sich-kommen. Dann kommt man auch anders an seinem Ziel an und schließlich wieder nach Hause. Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; lasst uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein. „Und er macht sich auf.“ Schon wieder so ein Wegwort in dieser Geschichte. Und noch dazu ein dop- peldeutiges Wort: Der in sich gegangen ist, macht sich auf. Er macht sich nicht nur auf, um nach Hause zu kommen. Er macht sich auch in einem übertragenen Sinne auf, indem er sich öffnet. Sich öffnet sei- nem Vater gegenüber, seine Schuld bekennt und sich nicht versteckt. Und was macht der Vater, wenn einer zu ihm kommt, der sich ihm öffnet: Er kommt ihm mit offenen Armen entgegen. Und jetzt ist er – so glaube ich – erst richtig zu Hause angekommen, der sog. verlo- unterwegs 14 nr. 100 juli 2016
Aus unserer Gesellschaft - Jahrestagung rene Sohn. Er war ja vorher schon viele Jahre bei seinem Vater. Aber war er da wirklich zu Hause. Wusste er sein Zuhause zu schätzen? Wusste er seinen Vater zu schätzen? Musste er nicht erst fort, um wirklich zu Hause anzukommen? Vielleicht kennen Sie von Ihren Kindern oder Enkeln die Janosch-Erzählung „O, wie schön ist Panama“. Bär und Tiger finden zufällig den Rest einer Bananenkiste. Das Stück Brett riecht verlockend nach Bananen, nach Ferne, nach Weite, nach Abenteuer. O, wie schön muss Panama sein. Daheim ist es dem gegenüber doch geradezu langweilig. Und sie machen sich miteinander auf. Überall fragen sie rum, wo es nach Panama geht. Jeder schickt sie in eine andere Richtung. Sie laufen und laufen und lau- fen – im Kreis. Schließlich entdecken sie ein halb verfallenes Häuschen. Dort lassen sie sich nieder und leben glücklich und zufrieden. Sie wissen schon, wo sie gelandet sind … Der verlorene Sohn findet nach Hause und findet seinen Vater, der ihn mit offenen Armen empfängt. Der Hörer des Gleichnisses weiß: Wer als Pilger nach Hause kommt, findet Gott. Aber ich will das doch gleich wieder etwas zurücknehmen: Als Christen können wir es erfahren, dass wir pilgernd Gott näher kommen. Aber ich will das Pilgern keinesfalls für Christen vereinnahmen. Auch viele andere, mit vielen anderen Motiven, mit vielen anderen Glaubenseinstellungen sind mit uns auf dem Weg. Auf ihrem Weg. Jeder auf seinem. Wir freuen uns, wenn das geschieht: Doch der Pilger- weg muss nicht unbedingt zum Gott der Bibel führen. Und doch ist es immer wieder faszinierend zu hören, wie Menschen als reine Wanderer oder Abenteu- rer losgehen, um dann am Ende als Pilger anzukommen. Wir kommen zum Schluss der Geschichte: Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er Singen und Tanzen und rief zu sich einen der Knechte, und fragte, was das wäre. Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wieder hat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn. Er antwortete aber und sprach zu seinem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gege- ben, dass ich mit meinen Freunden fröhlich gewesen wäre. Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet. Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein. Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bru- der war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden. Der ältere Sohn, der Brave, der Fleißige, der Anständige, Vernünftige, kommt oft zu Unrecht beim Lesen der Geschichte schlecht weg. Man versetzt sich in diesem Gleichnis automatisch in den Jüngeren, leidet mit ihm und ist gespannt, wie es ausgeht. Man freut sich mit ihm, wenn er glücklich wieder nach Hause findet, - und dann bekommt der Ältere am Ende ganz schnell die Rolle des Miesmachers und des Unsympathen. Das ist unfair, denn er war wirklich der Fleißigere und der Anständigere. Und wer kann es ihm wirklich verdenken, wenn er sich zurückgesetzt fühlt gegenüber dem Hallodri. Der Jüngere findet auf Umwegen zum Vater, der Ältere war schon immer da. Er ist dem Vater nicht weniger und nicht mehr nah: „Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein.“ Deutlicher könnte es der Vater nicht sagen. Für mich bedeutet das theologisch im Blick auf das Pilgern: Lasst uns das Pilgern nicht überhö- hen, als wäre es der einzige Weg, wie man zu sich selbst, wie man nach Hause, wie man zu Gott finden kann. Es ist fürwahr ein wichtiger und ein lohnender Weg. Ein Weg, auf dem man viel über sich selbst und die Menschen erfahren kann. Aber er ist nicht der einzige. Viele Wege führen nach Hause. Gott sei Dank. Amen unterwegs 15 nr. 100 juli 2016
Aus unserer Gesellschaft - Jahrestagung Margot und Erich Baierl Schlussmeditation im Gottesdienst in Heidenheim am Hahnenkamm Bewahre uns Gott, behüte uns Gott, sei mit uns auf allen Wegen..... So haben wir eben gesungen. So mögen schon Willibald und Wunibald gebetet haben, als sie im Jahre 720 von Wessex aus, zu ihrer Pilgerreise nach Rom aufbrachen, so auch Walburga auf stürmischer See. Ähnliche Gedanken mag sich auch der verlorene Sohn, auf seinem Weg zurück zum Vater aufgemacht haben. Und ich? Auch mein Aufbruch, bestimmt meinen ganzen Weg. Aufbrechen - es ist nicht leicht, Vertrautes zu verlassen, um sich so wie der Sohn oder die Missionare auf einen ungewissen Weg einzulassen. Aber auch wir heutigen Pilger wissen nicht, was der Weg, was das Leben uns bringen wird. Aufzubrechen - dazu gehört Mut. Aufbrechen - das heißt, Fremdes und Fremde treffen - ihnen vorurteilsfrei begegnen, ihr Anderssein ernst nehmen – mit Interesse Kontakt aufnehmen – zu Begegnung bereit sein. Aufzubrechen erfordert Offenheit. Aufbrechen - das heißt auch, sich auf Ungewissheiten einlassen und dennoch mit Zuversicht seinen Weg zu gehen. Der Wille: „Ich pack das!“ ist Voraussetzung für Erfolg. Aufzubrechen setzt Vertrauen und Selbstvertrauen voraus. Aufbrechen - das heißt auch Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen, die radikale Veränderung zur Folge haben können. Dies zeigt uns der Sohn im Evangelium ebenso, wie Willibald, Wunnibald und Walburga und das gilt auch für uns Pilger. Aufzubrechen erfordert Entschlossenheit. Aufbrechen - das heißt auch, Neues zu wagen - Gewohntes in Frage zu stellen - zu Veränderung bereit sein. Beispiel dafür sei uns der ältere Sohn im Evangelium. Wird er die Kraft haben, den Weg vom Groll zur Liebe zu gehen? Aufzubrechen erfordert selbstkritisches Hinterfragen. Und wir Pilger? Haben wir den Mut zu solchem Aufbruch, zu Offenheit, Vertrauen, Entschlos- senheit und sind zur Selbstkritik bereit? Bewahre uns Gott, behüte uns Gott, sei mit uns auch auf diesem Weg. Sei mit uns mit deinem Segen! Aber auch mit all denen, die in diesen Tagen aufbrechen, um ihr Leben zu retten, um vor Krieg und Elend zu fliehen und um bei uns Schutz zu suchen. Bewahre sie Gott, behüte sie Gott, sei mit ihnen und uns allen mit deinem Segen! Uns aber, lasst uns aufbrechen, auf einen Weg der Menschlichkeit. Amen. unterwegs 16 nr. 100 juli 2016
Wallfahrt in Franken Winfried Romberg Wallfahrten im Bistum und Hochstift Würzburg im Zeitalter von Konfessionalismus und Aufklärung (ca. 1600-1803) 1. Niedergang und Neuformierung im Zeitalter des Konfessionalismus Im 17. und 18. Jahrhundert kann das katholische Franken unstreitig als ausgesprochenes Wall- fahrtsland gelten. Tatsächlich zählte das Fürstbistum (Hochstift) Würzburg in der Hochblüte des Kirchenbarock um 1730/40 nicht weniger als dreißig amtlich anerkannte Wallfahrtsorte. Eine amtliche Liste von 1734 zählte im einzelne Gnadenorte der 1) Sakramentsverehrung: Iphofen, Lauda, Röttingen. 2) Kreuzverehrung: Eibelstadt, Gaibach, Gerlachsheim, Kreuzberg in der Rhön. 3) Marianischen Wallfahrten: Buchen, Dettelbach, Dippach, Eichhorn bei Comburg, Fähr- brück, Findelberg, Fridritt, Haßfurt, Heilbronn, Höchberg, Kirchberg bei Volkach, Maria Lim- bach, Mergentheim, Nikolausberg ob Würzburg (Käppele), Retzbach. 1741 sind als offizielle „Landwallfahrten“ noch zusätzlich genannt: Heidingsfeld, Zellingen, zum Hl. Maternus nach Güntersleben, Kreuzberg, Fährbrück, Versbach (zum Hl. Rochus), Ei- belstadt, Himmelspforten, Oberzell (zum Hl. Markus), Unterzell (zu den Hl. Alexander und Ca- lepodius) und Veitshöchheim (zur Hl. Bilhildis). Die Fülle der halboffiziellen oder rein volkstumsmäßigen Pilgerstätten entzieht sich hingegen bislang einer vollständigen Inventarisierung. Im vorliegenden Forschungsaufriss ist über eine rein äußere Gestalt des Wallfahrtswesens hi- naus ein vertiefteres Verständnis innerhalb der Gesamtheit des religiös-politischen Herrschafts- kontextes intendiert, um eine differenziertere Sicht auf diesen Teilbereich der zu Unrecht oftmals pauschalisierten ‚barocken Volksfrömmigkeit‘ zu eröffnen. Nach dem frühzeitigen Durchschlagen der evangelischen Reformation in weiten Bevölkerungs- kreisen Frankens seit den frühen 1520er Jahren zeugen nur wenige Nachrichten über weiterle- bende Wallfahrten. Zudem waren etliche Gnadenorte bereits um 1500 in Vergessenheit geraten, etwa Findelberg oder weitaus bekannter der Kirchberg bei Volkach, so dass der Brauch des frommen gemeinsamen Pilgerns bereits vorreformatorisch in eine Krise geraten war. Daher glich der Würzburger Bischof Friedrich von Wirsberg (reg. 1558-1573) dem sprich- wörtlichen ‚einsamen Rufer in der Wüste‘, als er 1561 in seinem Fastenhirtenbrief anlässlich der Einberufung der letzten Tagungsperiode des Trienter Konzils (1562/63) bistumsweit Fasten, Buße und Beichte sowie öffentliche Bittprozessionen und -wallfahrten in allen Pfarrgemeinden „nach alter Catholischer Christenlicher ordnung“ verordnete. Sein Amtsnachfolger Julius Echter von Mespelbrunn (reg. 1573-1617) schritt seit Beginn der 1580er Jahre zu einer letztlich erfolgreichen Rekatholisierung des Würzburger Landes. Als Bischof zugleich in politischer Hinsicht auch Herr über sein ‚Fürst-Bistum‘ (eigentlich „Hoch- stift“), berief er sich dabei auch auf das ihm zustehende landesherrliche Reformationsrecht, das im Augsburger Religionsfrieden von 1555 den Reichsfürsten zugesprochen worden war. In dieser Rückführung weiter Bevölkerungskreise ging es diesem entschiedenen Konfessionalis- ten in nuce um die Rekonstruktion der gesamten katholischen Glaubens- und Frömmigkeitstra- unterwegs 17 nr. 100 juli 2016
Wallfahrt in Franken Würzburg: Wallfahrten St. Burkard (unten) und Maria im Käppele am Nikolausberg (oben) dition. Er verfolgte mithin ein integrales Programm, dies in klarer innerkatholischer Absetzung von humanistisch geprägten Vermittlungstheologien bzw. einem sog. Kompromiss-Katholizis- mus, in denen die in Rede stehenden altgläubigen Frömmigkeitsformen von Wallfahrt, Prozes- sion, Fasten und sonstige „fromme Werke“ als Nebensächlichkeiten beiseite gelegt wurden. Stattdessen wurde im konfessionellen Zeitalter und in enger Befolgung der Bestimmungen des Trienter Konzils auch das Wallfahrtswesen zu einem der Bekenntnisattribute vollgültiger Recht- gläubigkeit umgeformt, wenngleich dieses der reformerischen Generallinie folgend der strengen bischöflichen Aufsicht unterworfen wurde. Bischof Julius Echter gründete zwei bedeutende und symbolträchtige Wallfahrten neu, diejenige auf dem Kreuzberg im Rhöngebirge im nördlichen Hochstift und zum Gnadenbild Mariens bei Dettelbach („Maria in arena“, auch „Maria in vineis“) im südöstlichen Landesteil. Die Dettelba- cher Wallfahrt wurde von ihm mit einem monumentalen Kirchenneubau ausgestattet und regel- recht zur „Staatswallfahrt“ aufgewertet. Dorthin pilgerte er auch höchstpersönlich und weihte den fertiggestellten Kirchenbau schließlich 1613 in aller Festlichkeit ein. Diese Wallfahrt zum marianische Gnadenbild fand ihre Entsprechung in der bereits um 1600 in offiziellen liturgischen Druckwerken ausgesprochenen Weihe des Würzburger Landes an die Immaculata als der neuen „Patrona Franconiae“. Damit setzte Julius Echter gleichfalls im Wall- fahrtswesen deutliche Leitlinien einer konfessionalisierten Frömmigkeitskultur dezidiert katho- lischer Provenienz. Konfessionalistische Konnotationen Im Ergebnis änderte sich der Charakter der Wallfahrt im Vergleich zum Mittelalter: Das strafrechtli- che Motiv der Sühne meist für Kapitalverbrechen fiel vollständig weg, da das Strafen irdischer Über- tretungen weitestgehend der römisch-rechtlich modernisierten Justiz zugefallen war in Form der Cautio criminalis Carolina Kaiser Karls V., die in Würzburg übrigens 1548 eingeführt wurde. Desgleichen wurde, wie angedeutet, der Aspekt der Glaubensdemonstration aufgewertet: sowohl konfessionell-apologetisch nach außen wie in binnenkultureller Bestärkung katholischer Orthodoxie. Identisch blieb der votive Buß- und Sühne-Charakter, weshalb man Wallfahrten zur Abwendung von unterwegs 18 nr. 100 juli 2016
Wallfahrt in Franken Dettelbach: Wallfahrtskirche “Maria in arena”, Weihe 1613 durch Bischof Julius Echter. natürlichen wie menschengemachten Katastrophen, wie Hungersnöten, Epidemien und Kriegen, und schließlich zum Dank für überstandene Leidenszeiten unternahm. Die letzte dahinlautende offizielle Begründung erging in Würzburg 1755 am Vorabend der Aufklärung. Die im Umfeld des Hochstifts in Form von zahlreichen Nah- oder Fernwallfahrten aufgesuchten Gnadenorte bildeten hierbei – gemessen an der altchristlichen Tradition – lediglich Nebenplätze zweiten Ranges („peregrinationes minores“). Der Gesamttendenz nachtridentinisch-konfessio- nalistischer Kirchenverfassung, Frömmigkeitsformen und deren intensivierter obrigkeitlichen Steuerung folgend, kam es auch hier zu einer möglichsten Beschränkung auf das eigene Gebiet, um den Verkehr der Pilgergruppen möglichst innerhalb der Bistumsgrenzen zu behalten. Inhaltlich wie gleichermaßen zeichenhaft setzte nun der Siegeszug der mirakulösen Bilder als hauptsächlicher Gegenstand dieses erneuerten Votivkultes ein, welcher die althergebrachten Heiltumsfahrten zu den Gräbern der Diözesanheiligen rasch überflügelte. Ebenso wandelte sich das Wallfahren in dieser Epoche zusehends zum festen religiösen Brauchtum im Jahreskreis, wodurch es wesentlich stärker als noch im Mittelalter in den jetzt bestimmenden kirchenamtlich regulierten Frömmigkeitskontext integriert wurde. Diesem Element obrigkeitlicher Lenkung und des theologisch kohärenten wie frömmigkeitsäs- thetischen Aufbaus konfessioneller Glaubenswelten gemäß Inhalt und Ausdrucksformen wider- stritt jedoch in unauflöslicher Grundspannung ein nicht geringes Potential an nebengottesdienstlicher Volksreligiösität jenseits des ordentlichen Pfarrlebens. Es entzog sich in eigenartiger Weise dem Ordnungsrahmen des konfessionalistischen Kirchen-, Gesellschafts- und Staatsaufbaus. Gekennzeichnet war es durch eine ihrer Natur nach uneinheitliche und wechselnde Mischung aus Freude an Mirakulösem wie Nebenkulten und sonstig religiös Absei- tigem, aus nicht selten fabulierenden Ätiologien und unbekümmerten volksmedizinischen Aus- deutungen von Gnadenstätten sowie nicht zuletzt von (moralischer) Verselbständigung. Somit sei in der vorliegenden Darstellung betont, dass das frühneuzeitliche Wallfahrtswesen be- reits seit seiner Reorganisation um 1600 geprägt war von dieser fortdauernden Ambivalenz ei- nerseits von offizieller Einhegung und andererseits laikaler Eigendynamik. Auch in diesem unterwegs 19 nr. 100 juli 2016
Wallfahrt in Franken wichtigen Segment katholischer Frömmigkeits- und Bekenntniskultur finden sich deshalb Kon- tinuitätsstränge kirchenamtlichen Regulierens, welche dem aufklärerischen Kampf gegen die Barockfrömmigkeit voraufgingen und teils in sie mündeten. 2. Formen und Themen der Wallfahrten Ältere Wallfahrten, neue Gnadenorte, Sekundärwallfahrten und ätiologische Umdeutungen: Zur Dynamik des frühneuzeitlichen Wallfahrtswesens Die älteren, teilweise noch vom Früh- und Hochmittelalter herrührenden prozessionalen Grab- kulte des Bistumsheiligen und Märtyrer-Missionars Kilian und seiner Gefährten (erschlagen in Würzburg 689) und des ersten amtierenden Bischofs Burkard (reg. 742-753) erfuhren signifi- kante Umdeutungen: Der vormals bistumsweite Concursus kam schrittweise bis zu den 1730er Jahren zur einfachen Prozession der Stadt- und Umlandpfarreien herab. Die Verehrung Burkards seinerseits erfuhr fern des Bistumssitzes in einer markanten Felsgrotte bei Homburg am Main an der legendarischen Stelle seines eremitenhaften Gebetes und schließlichen Sterbens eine unge- ahnte Popularität ab 1699 und 1721 bis weit ins 19. Jahrhundert. Ein unverhoffter Aufschwung im Untersuchungszeittraum war dem traditionell als heilig erach- teten Bischof Br u n o (reg. 1034-1045) vergönnt: Nach Erhebung seiner Gebeine 1699 über- strahlte seine Bedeutung sogar diejenige Kilians. Doch machte der Abbruch der Domkrypta, des eigentlichen Kultortes, 1749 zugunsten einer ge- räumigeren Gestaltung des Hochchores der Devotion ein ebenso rasches Ende: Auf diese Weise ging in Gestalt einer sich wandelnden Ästhetik zugleich ein geändertes Frömmigkeitsverständ- nis einher, das der dunklen, geheimnisvollen Stätten entbehrte. Doch blieb dem Bemühen des geschichtssinnigen Benediktiners Ignatius Gropp (1695-1758), 1754 noch weitere Würzburger Bischöfe als heilig anzuerkennen und damit deren Verehrung zu initiieren, der erhoffte Erfolg versagt. Die Orte der Kreuzesverehrung stützten sich durchweg auf vorhandene Kreuzpartikel, so in den Kreuzkapellen bei Bieberehren und Machtilshausen (ab 1742) und in St. Gangolf bei Fla- dungen (seit 1596/1605). Einzig bei der Wallfahrt auf den bereits erwähnten Kreuzberg in der Rhön handelte sich um einen ursprünglich auf ein Gipfelkreuz bezogene Volkswallfahrt sponta- nen Charakters. Neben den antijüdisch motivierten Herren-Wallfahrten (s. u.) findet sich im alten Bistum bis zur Säkularisation noch eine eucharistische Verehrung in Burgwindheim (heute Bistum Bamberg). Bei der großen Zahl von marianischen Wallfahrten handelt es sich zum einen um noch aus dem Spätmittelalter stammende und entsprechend revitalisierte Ziele, teils um Neubildungen. Zu letzteren zählen beispielsweise das Käppele ob Würzburg (ab 1650), Fridritt (ab ca. 1650), die Kapelle „Helferin der Christenheit“ bei Gerolzhofen (seit 1708) und Erlach bei Ochsenfurt (ab ca. 1725). Weiters bezogen sie ihre als damals zeitgemäß empfundenen Konnotationen aus der Umdeutung älterer Ätiologien: In Fährbrück fand sich seit 1590 nachweisbar ein Heilwasserkult, der ab 1656 aber der marianischen Verehrung weichen mußte. In Maria Buchen griff man seit ca. 1600 nicht mehr auf die ursprünglich mittelalterliche Gründungslegende einer angeblichen Marien- bildschändung durch Juden zurück. In Dimbach überlagte das Rosenkranz-Motiv ab 1630/1661 die dort angestammte Marienverehrung. unterwegs 20 nr. 100 juli 2016
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