MAGAZIN - Operation graue Energie Woher kommt meine Mobilität? - VCS Verkehrs-Club der Schweiz
←
→
Transkription von Seiteninhalten
Wenn Ihr Browser die Seite nicht korrekt rendert, bitte, lesen Sie den Inhalt der Seite unten
VCS mAGAZIN
1 / März 2017
F Ü R Z E I T G E M Ä S S E M O B I L I TÄT
Operation
graue Energie
Woher kommt meine Mobilität?
Seite 18Inserat
Wir machen
Aktivferien!
... in den schönsten Ecken Europas
Bestellen Sie jetzt
unsere Kataloge!
044 316 10 00 | eurotrek@eurotrek.ch | www.eurotrek.chEDITORIAL P O L I T IK
4 Kurz & bündig
Detektivarbeit mit Wichteln
7 NAF
Raubzug auf die Bundeskasse geglückt
Eine knifflige Operation ist
© VCS/François Gribi
es, hinter die Geheimnisse 8 Zehn Jahre FLUX
Bringt ein Preis mehr Lebensqualität?
der grauen Energie zu kom-
11 Fernbusse
men: Die Definition ist rasch
Gefahr für den öffentlichen Verkehr
klar. Aber herauszufinden,
14 Was steckt hinter TTIP, TISA und Co.?
wie viel Energie es braucht, Stefan Giger (VPOD) erklärt, wieso
um einen Staubsauger herzustellen, ist eine Tüftelei. Widerstand gegen die Verträge nötig ist.
Ich danke meinen vielen Helfern, Wichteln fast schon,
die mich in der Vorweihnachtszeit durchs Zahlen- und D OS SIE R
Faktendickicht geführt haben! Eine Frage hat stets zur 18 Graue Energie
nächsten geführt. Immerhin weiss ich nun, dass man
Mobilität ist selbstverständ-
auf einem Velo zehn Stunden strampeln muss, um eine lich – aber woher kommen
Kilowattstunde Strom zu produzieren. Ein gutes Argu- unsere Velos, Züge und
Autos? Im Dossier werfen
ment, wenn irgendwo mal wieder Licht brennt, weil
wir einen Blick hinter
jemand zu faul war, rasch auf den Knopf zu drücken. die Kulissen.
Sie lesen auf den Seiten 18 bis 25, wie sich drei
Schweizer Unternehmen dafür einsetzen, möglichst
27 MITGLIEDER ANGEBOTE
effizient zu produzieren und damit die graue Energie
zu reduzieren. Mich hat in allen drei Betrieben das En- 32 BERICHTE AUS DEN VC S-REGIONEN
gagement, der Stolz und die Freude an der täglichen
Arbeit beeindruckt. Und seit ich bei Arnold Ramel war, R E I SE N
schaue ich jedes Velo, an dem ich vorbeispaziere, kurz 44 Berge und Meer
an: Vielleicht wurde es ja in Gretzenbach produziert? Korsika verzaubert (fast)
Falls Ihnen die Decke vor lauter Wintergrau auf den das ganze Jahr über
Kopf zu fallen droht: Unsere beiden Reisen lenken Sie 48 Mit dem Velo der Regnitz entlang
ab. In Korsika weiss man fast nicht, welchen Winkel Am Fluss der Geschichte und des Biers
man zuerst erkunden möchte. Urs Geiser hat die Berge 51 Wandertour
erkundet, mich zieht es immer ans und ins Meer. Auch Mit Schneeschuhen durch den Jura
die Velosaison steht vor der Türe: Wieso nicht einmal 54 Debatte
zwei Städte mit einer Radtour verbinden? Peter Krebs Braucht es Züge ohne Lokführer?
ist von Nürnberg nach Bamberg gefahren, durch die 57 Frédéric Mazzella
Mit BlaBlaCar auf der Erfolgsstrasse
«Heimat der Biere», wie sich Franken gerne nennt.
Viel Vergnügen!
Dominique Eva Rast, Verantwortliche VCS-Magazin 64 WETTBEWERB
65 AUS DER WERK ZEUGK ISTE
PS: Ein kleines Büchlein erklärt auf Französisch wun-
Vom Rasenmäher und der direkten Demokratie
derbar, was es mit der grauen Energie auf sich hat:
«En voiture, Simone» von Lucien Willemin. 66 C ARTOON
Titelbild: Viel Geduld und Detailarbeit ist nötig, um hinter die
Geheimnisse der grauen Energie zu kommen. (© Fabian Lütolf)
VCS MAGAZIN 1/17 3POLITIK
Ist Ihr Fahrrad frühlingsfit?
© VCS/François Gribi
Herrlich! Der Frühling steht vor der Tür und es wird wärmer.
Höchste Zeit, aufs Fahrrad zu steigen, auf längeren oder kürzeren
Ausfahrten die frische Luft im Haar zu spüren und die Natur zu
geniessen. Viele Velos haben allerdings den ganzen Winter über im
Keller gestanden und durch Feuchtigkeit und Kälte etwas gelitten.
Deshalb gibt der VCS folgende Tipps und wünscht genüssliche,
unfallfreie Fahrten.
Vor der ersten Ausfahrt im Frühling sollte man somit prüfen, ob
das Rad voll funktionstüchtig ist:
1. Frühjahrsputz: Ein gepflegtes Rad sieht nicht nur schöner aus,
es fährt auch besser und verschleisst nicht so schnell. Das gesamte
Velo reinigen, insbesondere die Kette gut säubern oder wechseln.
2. Lockere Schrauben nachziehen: Überprüfen Sie alle Schrauben
auf festen Sitz und ziehen Sie sie gegebenenfalls nach.
3. Bremsen überprüfen: Die Bremsen müssen einwandfrei funktio- Mit viel Herzblut ist die Begegnungszone entstanden. Am Fest in Burgdorf
nieren. Kontrollieren Sie zudem, ob noch genügend Bremsbelag waren Andreas Wirth, Hans Kaspar Schiesser, Stadtpräsidentin Elisabeth
vorhanden ist. Zäch und Caroline Beglinger dabei.
4. Reifen auf optimalen Druck pumpen (Strassenfahrräder 3,5 bis
4 bar; siehe Aufschrift auf Reifenseite). Beachten Sie zudem, ob Feiern in der Begegnungszone
noch genügend Profil vorhanden ist, der Mantel darf keine porösen
Stellen aufweisen. Am 3. Dezember wurde in Burgdorf gefeiert: Seit 20 Jahren gibt
es Begegnungszonen mit Tempo 20; die erste war in Burgdorf
5. Licht: Auch wenn die Tage wieder länger werden, sollte das Rad (anfänglich unter dem Namen «Flanierzone»). «Mutig und heftig
gut beleuchtet sein. Laut Gesetz sind vorne ein weisses und hinten umstritten» ist das Projekt gewesen, sagte Caroline Beglinger,
ein rotes Licht sowie vorne ein weisser und hinten ein roter Reflek- Co-Geschäftsleiterin VCS. «Geklappt hat es, weil alle zusammen-
tor vorgeschrieben. gearbeitet haben», erklärten Hans Kaspar Schiesser, der beim VCS
federführend fürs Projekt war, und Andreas Wirth, damals Stadt-
Tipp: Wem dies alles zu kompliziert erscheint, lässt beim Mecha- baumeister in Burgdorf.
niker einen Frühlingscheck durchführen. Danach ist das Gefährt in
einem tadellosen, betriebssicheren Zustand.
Schluss mit Investitionen in fossile Energie
Der Velofrühling steht vor der Tür.
Schweizer Pensionskassen pumpen Milliarden Schweizerfranken in
© Fotolia
die Kohle-, Erdöl- und Erdgasindustrie. Dies ist ein Risiko für das
Klima und für die Sicherheit unserer Renten. Deshalb hat die Klima-
Allianz Schweiz die Kampagne «Renten ohne Risiko» lanciert:
Direkt und einfach kann man auf der Website seine Pensionskasse
per Mail kontaktieren und Renten ohne Risiken für die Umwelt und
die Altersvorsorge fordern.
www.renten-ohne-risiko.ch
4 VCS MAGAZIN 1/17© SBB/CFF/FFS
POLITIK
r
’O
rd
n eu
Flâ
©
Umfassend mobil mit der «SBB Green Class»
Flâneur d’Or 2017: Der Fussverkehrspreis Grosses Interesse an «SBB Green Class»
wartet auf Siegerprojekte
Rund 2500 Kunden haben sich für eine Teilnahme an «SBB Green
Alle drei Jahre prämiert der «Flâneur d’Or – Fussverkehrspreis Class» gemeldet. Nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren
Infrastruktur» Projekte, die den Fussverkehr in speziellem Masse erhalten rund 150 Testkunden seit Mitte Januar das umfassende
fördern und attraktiver machen. Gesucht sind noch bis Ende April Mobilitätsangebot für Schiene und Strasse. Für einen Fixpreis kom-
2017 sowohl Konzepte zur Förderung des Fussverkehrs als auch biniert es SwissPass inkl. Generalabonnement 1. Klasse, BMW-i3-
umgesetzte Bauvorhaben, die die Wege der Fussgängerinnen und Elektroauto, PubliBike, Mobility, P+Rail und mehr. Dies im Rahmen
Fussgänger angenehmer gestalten. Der VCS ist in der Jury vertreten. eines einjährigen Markttests in Zusammenarbeit mit BMW, der von
der ETH Zürich wissenschaftlich begleitet wird. Die SBB will damit
Alle Infos gibt es auf www.flaneurdor.ch. Erkenntnisse für die Gestaltung der Tür-zu-Tür-Mobilität gewinnen.
Quellen von Zürich–New York: http://interaktiv.tagesanzeiger.ch/2016/co2ausstoss/; Grafik: © www.muellerluetolf.ch
FLIEGEN BELASTET DAS KLIMA
½ Winter
= =
1 Flug 1 Jahr
mit Öl heizen bzw.
Zürich–New York 13 000 km
7 Winter ökologisch
retour 1,6 Personen
heizen
Fliegen ist viel zu billig: Herr und Frau Schweizer fliegen doppelt so oft Dafür setzt sich die die Koalition Luftverkehr Umwelt und Gesundheit
wie ihre europäischen Nachbarn und die Nachfrage nach Flügen steigt. (KLUG) ein. KLUG will, dass die Eidgenossenschaft sich endlich für die
Der Luftverkehr macht derzeit 16 Prozent der Schweizer Klimabelastung Bevölkerung und die Umwelt einsetzt und nicht fürs Wachstum der
aus, Tendenz stark steigend (Welt 5 Prozent). Will die Schweiz aber die Luftfahrt. KLUG fordert deshalb:
Ziele erreichen, die am Klimagipfel (COP21) in Paris festgelegt wurden, Ausbau der Flughafen-Infrastrukturen bremsen
muss sich dieser Trend unbedingt ändern. Die Schweiz muss die wirkli- nächtliche Sperrstunden sichern, die auf die Gesundheit der
chen Preise der Luftfahrt bekannt machen und eine Abgabe einführen, Bevölkerung Rücksicht nehmen
damit das Verursacherprinzip zum Zug kommt. Zudem braucht es weite- Planungen fordern, welche auf den an der COP21 in Paris
re Anstrengungen, damit der öffentliche Verkehr, insbesondere interna- festgelegten Zielen beruhen
tionale Bahnverbindungen und Nachtzüge, attraktiv bleiben.
VCS MAGAZIN 1/17 5POLITIK
Kein Grund zum Heulen
Von Dominique Eva Rast Mitte Januar hat die SVP ihr Referendum gegen die Energiestrategie
eingereicht. Hauptargument: Weinende Kinder, die keine Familienferien
mehr machen können, weil das Haushaltsbudget von den steigenden
Strompreisen aufgefressen wird. Tränen trocknen und Kopf schütteln –
die Zahlen sind falsch.
D ie Energiestrategie 2050 wird vom Bun-
desrat, National- und Ständerat und den
Kantonen als pragmatischen Kompromiss
inhaltet nicht nur den Stromverbrauch, son-
dern auch Erdöl und Erdgas. Der Verkehr
trägt mit 36 Prozent stark zum Gesamtener-
40 Franken pro Jahr
3200 Franken pro Jahr zahle eine Familie
mehr, werde die Energiestrategie 2050 ange-
unterstützt. Dieser bringt für die Umwelt gieverbrauch bei. Das neue Ziel ist deshalb nommen – das schreibt das Referendums-
zahlreiche konkrete Verbesserungen. Argu- nur mit zusätzlichen Massnahmen erreich- komitee. Die Rechnung ist aber irreführend,
mente dafür sind etwa, dass mit der Förde- bar. Ein Schritt in diese Richtung ist, die weil darin Massnahmen enthalten sind, über
rung der einheimischen Energie das Geld im Autohersteller zu verpflichten, ihre Fahrzeu- die das Parlament noch gar nie diskutiert
Land bleibt. Denn die Schweiz importiert je- ge endlich effizienter zu bauen. So soll etwa hat. Die Befürworterinnen und Befürworter,
des Jahr Energie im Wert von rund zehn Mil- der CO2-Ausstoss von Neuwagen verbind- darunter der VCS, kommen auf eine ande-
liarden Franken. Der Verdienst davon geht lich gesenkt werden. Die EU-Vorgaben se- re Zahl: Was teurer wird, ist der Zuschlag auf
ins Ausland, teilweise auch in Länder, deren hen vor, dass Neuwagen bis in maximal fünf dem Strom, um erneuerbare Energien zu för-
Regierungen diktatorisch sind. Wird in der Jahren nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilo- dern. Dieser Beitrag steigt um 40 Franken von
Schweiz produziert, sinkt diese Abhängig- meter ausstossen dürfen. Die Schweiz über- 75 Franken auf 115 Franken. Alles ande-
keit und dafür steigt die Versorgungssicher- nimmt dieses EU-Ziel. Aktuell beträgt der re, zum Beispiel Heizöl und Benzin, wird bei
heit. Gestärkt wird damit auch das einheimi- CO2-Ausstoss von neuen Personenwagen in einem Ja am 21. Mai wird nicht teurer. Diese
sche Gewerbe. Durch das Gebäudeprogramm der Schweiz im Schnitt 135 Gramm pro Kilo- Zahlen stammen vom Bundesamt für Energie.
etwa wurden 2014 Bauinvestitionen ausgelöst. meter. Schon heute gibt es zahlreiche Model- 40 Franken mehr für saubere, einheimische
Mit den 700 Millionen Franken wurden 5000 le (fast) aller Kategorien, die den Wert von 95 Energie – das sollte möglich sein, ohne dass
zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Gramm pro Kilogramm bereits unterschrei- Kinder in Tränen ausbrechen oder auf Ferien
ten. Und vom Entscheid profitiert nicht nur verzichten müssen. Was sie dafür bekommen,
Mobilität profitiert die Umwelt, sondern auch das Portemon- ist garantiert mehr wert: Sinnvolle Investitio-
Nicht nur die Wirtschaft profitiert, sondern naie. Wer ein sparsames Auto kauft, spart nen in eine Zukunft, die zum Beispiel auch auf
auch das Klima und die Nachhaltigkeit im bis zu 500 Franken Treibstoffkosten pro Jahr. neue Atomkraftwerke verzichtet.
Mobilitätsbereich: Die Schweiz setzt sich
zum Ziel, den gesamten Energieverbrauch
bis 2035 um 43 Prozent zu senken. Das be-
Bei einem JA zur Energiestrategie 2050:
CO2-Vorschriften
© BFE 2016
Personenwagen
Reduktion bis Ende 2020 auf durchschnittlich 95 g CO2/km
Lieferwagen
Reduktion bis Ende 2020 auf durchschnittlich
147 g CO2/km
Geltendes CO2-Gesetz: Reduktion von Personenwagen
auf 130 g CO2/km ab Ende 2015, keine Vorschriften für
Lieferwagen. Die Energiestrategie bringt sparsamere Neuwagen.
6 VCS MAGAZIN 1/17POLITIK
Der Raubzug ist geglückt
Von Dominique Eva Rast Der VCS hat ohne grosse Unterstützung gegen den Nationalstrassen-
und Agglomerationsfonds NAF gekämpft. Am 12. Februar hat das Volk
den NAF angenommen. Die Niederlage schmerzt: Das Geld aus der
Bundeskasse wird an anderer Stelle fehlen.
Griff in die Bundeskasse K O M M E N T A R
Nutzerfinanzierung bleibt mit dem NAF für
Autofahrer weiterhin ein Fremdwort: Der
Beitrag der Autofahrerinnen und Autofah- Das Abstimmungsergebnis
© zVg
rer bleibt marginal, denn der Benzinpreis haben wir kommen sehen:
wird um gerade mal vier Rappen pro Liter
ein Ja zum neuen Strassen-
erhöht. Und das auch nur dann, wenn sich
die Reserven des Fonds dem Ende zuneigen. fonds NAF. Die Stimmbe-
Der durchschnittliche Autofahrer bezahlt völkerung hat mit 62% Ja
also lediglich 0,5 Prozent zusätzlich. Anders gesagt zu einer langfristi-
die Nutzerinnen und Nutzer des ÖV: Bei gen Finanzierung der Stras-
FABI (Finanzierung und Ausbau der Bahn- seninfrastruktur, will den Evi Allemann,
infrastruktur) gab es gerade mal 100 Milli-
bereits heute bestehenden VCS-Präsidentin
onen aus der Bundeskasse. Die Billettpreise
im ÖV wurden wegen FABI um fast 10 Prozent Infrastrukturfonds durch ein
erhöht. neues Konstrukt ablösen und greift dazu tief
in die Bundeskasse. Das freut uns nicht, gilt es
Mogelpackung aber zu akzeptieren. Das Abstimmungsresultat
Die Agglomerationsprogramme – das A im zeigt aber, dass die Bevölkerung die erfolgrei-
NAF – hätten auch mit dem bisherigen In-
chen Agglomerationsprogramme weiterführen
frastrukturfonds-Gesetz weitergeführt wer-
den können. Dafür braucht es aber keine will. Dieses Versprechen muss nun ernsthaft
Verfassungsänderung. eingelöst werden. Denn diese Programme at-
Es geht beim NAF um neue Autobahnen: men nicht den Geist der Asphaltlobby, sondern
A ls harmlose Vorlage für den Unterhalt
von Strassen und zur Förderung des
Agglomerationsverkehrs kam der National-
90 Prozent des Geldes ist für Strassen reser-
viert. Für Tram, Bus und Velowege wird es
mit dem NAF etwa gleich viel Geld geben
verkörpern vielerorts, was man von einer zu-
kunftsgerichteten Verkehrspolitik erwarten
darf: eine koordinierte Planung von Verkehr,
strassen- und Agglomerationsfonds NAF wie bisher.
daher. Geschickt hat das rechtsbürgerliche Siedlung und Landschaft in urbanen Räumen.
Parlament sich nun mit 650 Millionen di- Mobilität der Zukunft Die Zukunft bringt in der Mobilität grosse Ver-
rekt aus der Bundeskasse bedient und auf Die Mobilität der Zukunft – soll sie denn änderungen. Im Zuge der Digitalisierung sind
Vorrat Geld für den Strassenausbau gesi- nachhaltig sein – sieht anders aus. Mit di- die Menschen viel intermodaler unterwegs. Sie
chert. Nun drohen harte Sparprogramme, gitalem Carpooling können wir Fahrzeuge kombinieren verschiedene Verkehrsmittel und
etwa bei der Bildung, im öffentlichen Ver- besser auslasten. Wenn wir sie in Zukunft
setzen Komfort und Geschwindigkeit an erste
kehr, der Entwicklungszusammenarbeit noch selber fahren, helfen uns Fahrassis-
und beim Sozialen. Und was dazu kommt: tenz-Systeme die Spur zu halten und recht- Stelle. In den Städten und Agglomerationen,
Der Strassenkasse des Bundes stehen nun zeitig zu bremsen. In absehbarer Zeit werden wo das prognostizierte Verkehrswachstum
knapp fünf Milliarden Franken jährlich zur wir von autonom gesteuerten Shuttles her- am grössten ist, ist das je länger je weniger
Verfügung. Dabei sind unsere Strassen heu- um geführt werden. Damit fahren wir tro- das Auto. Deshalb hätten wir gehofft, dass die
te schon de facto (menschen-)leer, denn Au- cken und sicher zum Bahnhof – von dort neue Fondslösung von der bisherigen Logik des
tos sind durchschnittlich nur mit 1,6 Men- weiter mit der Bahn bis zum Bestimmungs-
Strassenbaus wegkommen würde. Darauf müs-
schen besetzt, im Pendlerverkehr sogar nur ort. An der Mobilität der Zukunft bleibt der
mit 1,1 Personen. Drei Plätze sind also im- VCS dran, auch wenn der NAF nun Realität sen wir nun bis zur nächsten Reform warten –
mer frei. Mit zusätzlichen Spuren wird der wird. und die wird kommen, notgedrungen wohl eher
Stau nicht kürzer, sondern breiter. früher als später.
VCS MAGAZIN 1/17 7POLITIK
Zehn goldene Knoten
Von Françoise Lanci-Montant Was haben Visp, Baden, Renens, Wil, der Flughafen Zürich, Interlaken
Ost, Scuol, Wallisellen und Delémont gemeinsam? Alle diese Gemein-
den haben den FLUX gewonnen, einen der wichtigsten Mobilitätspreise
der Schweiz.
FLUX wertet ÖV auf
© Philippe Gasser, Citec Ingénieurs Conseils
Am Ursprung des FLUX stand der gemein-
same Wille des VCS, des VöV und von Post-
Auto, die Rolle des öffentlichen Verkehrs
und die Bedeutung des intermodalen Ver-
kehrs – Grundpfeiler für nachhaltige Mobi-
lität – aufzuwerten. Wie Caroline Beglinger,
Co-Geschäftsleiterin des VCS unterstreicht:
«Die Verkehrsknoten sind unabdingbare
Glieder in der Verkehrskette. Von ihrem effi-
zienten Betrieb und ihrer optimalen Umset-
zung hängt jeden Tag die Mobilitätskette Tau-
sender von Pendlerinnen und Pendlern in der
Schweiz ab. Sie spielen eine zentrale Rolle.»
Der Wille der Gemeinden
Es darf deshalb nichts vernachlässigt wer-
den. Die Vielfalt des Angebots, die Kombi-
nation der Fahrpläne der verschiedenen Ver-
kehrsmittel, die Qualität der Einrichtungen
und der Empfang der Nutzenden stehen na-
türlich im Zentrum der Evaluation. Die Jury
berücksichtigt aber weitere Faktoren, die
zum Erfolg eines Bahnhofs beitragen, wie
die Gehzeit zu den Haltestellen, die Beschil-
Vor dem Bahnhof Delémont haben die Autos derung, das kombinierte Angebot für Fuss-
den Fussgängern Platz gemacht. gänger und Velofahrende oder die Einrich-
tung des öffentlichen Raums rund um die
D er seit zehn Jahren von PostAuto, dem
VCS Verkehrs-Club der Schweiz und
dem Verband öffentlicher Verkehr (VöV)
Bahnhöfe.
Lebensqualität verbessern
vergebene FLUX-Preis zeichnet exemplari- Die Gewinner des FLUX bestätigen, dass
sche oder innovative Verkehrsknoten aus. die Gemeinden sich nicht damit begnügen
Wie Peter Vollmer, ehemaliger VöV-Direk- dürfen, die Einrichtung und Umsetzung
tor und erster Präsident des FLUX, sagt, der Verkehrsknoten zu managen und zu si-
«sind diese Verkehrsknoten ein Zeichen für chern, sondern dass sie auch Ziele wie Stra-
die Entwicklung und den Erfolg des öffentli- tegie definieren und sich aktiv für deren Rea-
chen Verkehrs in der Schweiz». lisierung einsetzen müssen. Diese proaktive
Die vom heutigen VöV-Direktor Ueli Stü- Haltung der Behörden ist bei fast allen be-
ckelberger präsidierte Jury setzt sich aus elf suchten Verkehrsknoten sichtbar. Für Caro-
Schweizer ÖV-Expertinnen und -Experten zu- line Beglinger ist sie sogar einer der wichtigs-
sammen. Sie übergibt den Preis – eine kleine ten Erfolgsfaktoren: «Im Lauf der Jahre und
Bronzestatue und 5000 Franken – anlässlich Besuche in den verschiedenen Gemeinden
des Mobilitätsforums «Movimento», das jedes ist die Jury zur Überzeugung gelangt, dass
Jahr in Bern von PostAuto organisiert wird. das Engagement der Gemeindebehörden für
8 VCS MAGAZIN 1/17den Erfolg eines Verkehrsknotens eine zent-
rale Rolle spielt.» Das bestätigt auch Tinet-
ta Maystre, Gemeinderätin der Stadt Re-
nens (Waadt), welche den Preis 2011 erhalten
hat: «Am Ursprung unseres Projekts rund
© Philippe Gasser, Citec Ingénieurs Conseils
um den Bahnhof Renens steht der politische
Wille, die Lebensqualität unserer Stadt zu
verbessern und insbesondere aus dem Bahn-
hof einen verbindenden Ort zu machen, der
den Langsamverkehr fördert, statt einen
trennenden Raum zwischen den Gemein-
den, der dem Autotransit dient.»
Preisübergabe des FLUX 2016 an die Stadt Delé-
Delémont gewinnt Flux 2016 mont am Forum für Mobilität «Movimento»: VöV-
Das Thema des Jahres 2016 und des zehnten Direktor Ueli Stückelberger, Stadtplaner Hubert
FLUX-Preises – mittelgrosse Verkehrskno- Jaquier, Stadtpräsident Damien Chappuis, Leiter
PostAuto Daniel Landolf und Martin Enz, Co-
ten mit einer Grösse von 5000 bis 10 000 Rei-
Geschäftsleiter des VCS (v.l.n.r.)
senden pro Tag – hat die Stadt Delémont als
Siegerin hervorgebracht.
Unter 28 bewerteten Bahnhöfen wurde je- zen Reihe von Funktionen. Ausgehend von
ner von Delémont von den Jurymitgliedern der ursprünglichen Strassensituation hat es
einstimmig als bestes Projekt ausgewählt. die Gemeinde verstanden, die Dinge Schritt
Seine Trümpfe sind zahlreich: Er kombiniert für Schritt wachsen zu lassen.» Während vor
auf ideale Weise die verschiedenen Trans- Beginn der Arbeiten 2005 vor dem Bahnhof
portarten. Für die Fussgänger ist er zudem ein täglich 4500 Fahrzeuge zirkulierten, verleiht
angenehmer Flanierort, die Orientierung ist heute eine 20 Meter lange Fussgängerzone
einfach und der Zugang für alle gewährleistet. dem Raum einen angenehmen und friedli-
Besonders beeindruckt hat die Jury die chen Charakter.
Raumentwicklungsstrategie am Bahnhof und
die Vision bzw. der Einbezug der Gemeinde. www.postauto.ch/flux
Wie Jurymitglied Philippe Gasser, Associate
Engineer bei Citec, betont: «Eine der Stärken Das sind die Preisträger zwischen 2007 und 2016:
dieses Verkehrsknotens ist die Integration des Visp, Baden, Frauenfeld, Horgen, Renens und Wil,
Bahnhofplatzes – ursprünglich eine Strasse Bahnhof Zürich Flughafen, Interlaken Ost, Scuol, Fast wie ein Oscar: Der FLUX belohnt
– als natürliche Verlängerung, mit einer gan- Wallisellen, Delémont. Vortrefflichkeit und ermutigt Innovation.
ANZEIGE
Ausfliegen und geniessen! • thurbo.ch/aktiv VCS MAGAZIN 1/17 9POLITIK
Schlechte Karten für Umweltanliegen
Von Dominique Eva Rast Der vor einem Jahr angetretene Nationalrat stimmt deutlich seltener
im Interesse des Umweltschutzes als in der letzten Legislatur. Das
zeigt das Umweltrating von WWF, Pro Natura, Greenpeace und VCS.
Energiestrategie 2050 ein Kompromiss ge-
© Fotolia
funden werden, der von der Mehrheit der
FDP-Politiker unterstützt wird. Mittlerweile
hat ein Komitee aus SVP-Kreisen jedoch das
Referendum eingereicht (siehe Seite 6).
Was tun?
In diesem Jahr stehen einige Entscheide im
Verkehrsbereich an, die umweltpolitisch Ge-
wicht haben. Dazu gehören der Güterverla-
gerungsbericht, die Aufrechterhaltung des
Nachtfahrverbots für LKW, das CO2-Ge-
setz, der Kredit für den regionalen Personen-
verkehr, aber auch der Pendlerabzug für Ge-
schäftswagenbesitzer. Wer wissen will, wie
die Nationalrätinnen und Nationalräte aus
dem eigenen Kanton im ersten Jahr nach den
Wahlen abgeschnitten haben, findet alle Re-
sultate auf der Umweltrating-Internetseite.
Dort ist ersichtlich, wer es auch bei den nächs-
ten Wahlen verdient, gewählt zu werden.
Mehr Infos: www.umweltrating.ch
Umweltanliegen haben es im Bundeshaus deutlich schwerer.
E ine Überraschung ist es nicht: Der Natio-
nalrat ist nach rechts gerutscht, Umwelt-
anliegen haben einen schwierigeren Stand
deutlich besser als die besten aus den übri-
gen Parteien.
So wird ausgewertet
Die Umweltallianz aus WWF, Greenpeace,
Pro Natura und VCS wertet das Abstim-
als in der letzten Legislatur. Das Umwelt- Deutliche Verschlechterung mungsverhalten der Parlamentarierinnen
rating zeigt, dass die CVP-Nationalrätinnen Ausgewertet wurde auch das konkrete Ab-
und Parlamentarier aus. Für das Umwelt-
und -Nationalräte in ihrem Abstimmungs- stimmungsverhalten der einzelnen Rats-
rating 2016 wurden 32 Abstimmungen
verhalten enger zusammengerückt sind und mitglieder. Die durchschnittliche Umwelt-
analysiert. Wer umweltpolitischen Vorlagen
die FDP im Rating stark verloren hat. Im freundlichkeit der Nationalräte hat sich von
immer zustimmt, erhält dementsprechend
ersten Jahr der neuen Amtszeit stimmt der 52 auf 46 Prozent verschlechtert. Zudem po-
100 Prozent. Im Bereich Mobilität wurden
Nationalrat in rund 38 Prozent aller um- larisiert der Umweltschutz: 69 der zweihun-
die Abstimmungen zu folgenden Themen
weltpolitisch besonders wichtigen Anliegen dert Nationalratsmitglieder haben Werte
zugunsten des Umweltschutzes. In der letz- über 66 Prozent. Die Hälfte aller Ratsmit- ausgewertet:
ten Legislatur war die Zustimmung deutlich glieder hingegen haben Werte unter 33 Pro- Verlagerungsziel für LKW
höher, damals wurden 60 Prozent der wich- zent. Es wird also enorm schwierig, Mehr- Verwendung Auto-Importsteuer
tigen Abstimmungen zugunsten von Natur heiten für eine nachhaltige Entwicklung zu Elektroauto-Steuer
und Umwelt entschieden. Die Nationalrä- gewinnen. Besonders gross ist der Einfluss Trams und Metro in Lausanne nicht
tinnen und Nationalräte von SP, GLP, Grü- von SVP und FDP auf das Resultat: Die bei- benachteiligen
nen und EVP schneiden auch dieses Mal im den Parteien haben 14 Mandate dazugewon- Gefahrenguttransporte über den
Umweltrating alle gut bis sehr gut ab (alle nen und stimmen seither noch weniger um- Simplonpass
zwischen 80 und 100 Prozent). Sie sind alle weltfreundlich ab. Immerhin konnte zur Nachtfahrverbot für LKW
10 VCS MAGAZIN 1/17POLITIK
Bedrohung für
den Service public
Von Filippo Rivola Kein Zweifel: Ein Fernbusnetz für den Schweizer Binnenmarkt –
parallel zum Bahnnetz, dem es einen Teil der Reisenden wegnehmen
würde – bringt der Allgemeinheit keinen Nutzen.
D as Bundesamt für Verkehr zeigt of-
fen seine Sympathie für eine Öffnung
des Schweizer Binnenmarktes für die gros-
Kein Rückgang
Bei der hohen Qualität des Angebots des öf-
fentlichen Verkehrs in der Schweiz haben Au-
Die Verteidiger der Liberalisierung bezie-
hen sich häufig auf eine Studie aus unserem
nördlichen Nachbarland, die vorgibt, dass
sen Buslinien der privaten Gesellschaften, tofahrerinnen und Autofahrer, die aufs Auto die Busse ökologischer seien als die Bahn.
so wie das auch bei unseren Nachbarn ge- verzichten wollen, bereits umsteigen können. Allerdings vergleicht diese Studie in Tat und
macht wurde. Diese Busse würden zu tie- Der Fernbus füllt keine wirklichen Lücken im Wahrheit Charterbusse, welche Touristen-
fen Preisen die wichtigsten Ortschaften der Service public, wie das z.B. in Frankreich der gruppen zu ihrem Kreuzfahrtschiff bringen
Schweiz miteinander verbinden. Das würde Fall ist. Das heisst, der grösste Teil der Schwei- mit den deutschen Zügen. In Deutschland ist
nicht ohne Folgen für unseren öffentlichen zer Kundschaft wird der Bahn weggenom- aber nur 60 Prozent des Netzes elektrifiziert
Verkehr bleiben. Wenn die privaten Ge- men. Mit einer Liberalisierung des Marktes und der Strom kommt teilweise aus Kohle-
sellschaften im Vergleich zur Bahn Dum- der Hauptlinien besteht die Gefahr, dass un- kraftwerken. Die Situation in der Schweiz
pingpreise anbieten können, dann deshalb, sere Strassen mit Cars überschwemmt wer- ist einmal mehr nicht vergleichbar: Unser
weil sie eine unfaire Konkurrenz darstel- den, was mehr Verkehr, mehr Verschmutzung Bahnnetz ist elektrifiziert und wird durch
len. Sie sind nicht den gleichen Regeln un- und mehr Lärm auf den Hauptverkehrsach- saubere und erneuerbare Energien gespiesen.
terstellt wie die Bahngesellschaften, was sen und in den Stadtzentren bedeutet. All das, Die Bahn ist und bleibt das umweltfreund-
Löhne, Schutz und Arbeitszeit ihrer An- ohne dass es einen entsprechenden Rückgang lichste Massenverkehrsmittel der Schweiz.
gestellten betrifft. Zudem müssen sie keine des Autoverkehrs geben würde. Dies ist ein
Nutzerkosten für die Infrastruktur über- schlechtes Zeichen für die Umwelt und steht im
nehmen und verfügen über eine grössere Widerspruch zu den Klimazielen des Bundes.
Flexibilität bei ihren Fahrplänen und bei
der Fahrzeugflotte. Übrigens sind die Ge-
© Fotolia
sellschaften nur selten auch die Besitzer der
Fahrzeuge, die sie betreiben: In den meis-
ten Fällen lagern sie die Transportleistung
auf Dritte aus, womit sie ihre Risiken noch
stärker senken.
Die Öffentlichkeit investiert Milliarden
von Franken – bezahlt vom Steuerzahler –
in den Unterhalt und den Ausbau unserer
Bahninfrastrukturen. So verfügen wir heute
über das beste öffentliche Verkehrssystem
in Europa: Mit nur einem Ticket können
wir auch in die entlegensten Regionen des
Landes fahren. Das Fernbusnetz hingegen
bedient nur die grossen Ortschaften und die
Gesellschaften können es sich leisten, nur die
rentablen Verbindungen aufrechtzuerhalten.
Der Service public und die privaten Gesell-
schaften spielen nicht nach den gleichen Re-
geln und Bedingungen, was einmal mehr zur
Folge hat, dass sich der Private die Gewinne
schnappt, während die Allgemeinheit die
Verluste tragen muss. Fernbusse haben negative Auswirkungen auf unseren öffentlichen Verkehr.
VCS MAGAZIN 1/17 11POLITIK
Statt Garagen gibt’s Veloabstellplätze
Von Samuel Bernhard Autofreie Siedlungen haben spezielle Bedürfnisse. Etwa viel Platz, ums Velo
sicher abzustellen. Wissen, Erfahrungen und Meinungen dazu gibt’s auf der
Plattform autofrei/autoarm Wohnen PAWO, einem Engagement des VCS.
zen investiert. Damit stehen für alle Bewoh- nicht überall erreicht. Bei offenen Abstellan-
© zVg
nerinnen und Bewohner der 20 Wohnungen lagen finden sich oft ungedeckte Abstellplät-
je zwei Abstellplätze zur Verfügung. «Wir ha- ze, teilweise gar ohne Anlehnbügel, welche
ben gemerkt, dass dieser Raum von autofrei zum Abschliessen der Räder gebraucht wer-
lebenden Menschen in einer Stadt wie Biel den. Bei den abschliessbaren Anlagen gibt es
auch tatsächlich genutzt und benötigt wird.» zwar keine unbrauchbaren Systeme wie «Fel-
Zahnd und Sigrist leben seit August 2014, als genkiller». Recht verbreitet sind aber bei-
die Siedlung fertiggestellt wurde, dort. Bei- spielsweise die bei vielen Velofahrenden un-
de sind überzeugt, dass sich Velo-Investitio- beliebten Lenkerhaltersysteme anstelle von
nen lohnen, auch an Orten, die perfekt an den Anlagen mit Schieberinnen oder Vorderrad-
öffentlichen Verkehr angeschlossen sind. Das halter. «Das spart Platz», argumentieren die
ist bei der Siedlung fab-a in Biel der Fall, der Verwaltungen. Doch was nützt eine Anlage,
Bahnhof ist nur 700 Meter entfernt. Dennoch: die nicht gebraucht wird, etwa aus Angst vor
«Viele Bewohnerinnen und Bewohner sind Kratzern am Lenker oder gar dem Defekt
Viel Platz für Velos und Zubehör lieber frei und unabhängig mobil.» Deshalb der Bremskabel? Bei der Planung lohnt es
seien eine ebenerdige Zufahrt, kurze Distan- sich, Experten wie Thomas Zahnd und Da-
zen zur Wohnung, Wetterschutz, Diebstahlsi- niel Sigrist beizuziehen. Die beiden sind Mit-
«F ür unsere autofreie Genossenschafts-
siedlung war es klar, dass dem Velo
eine überragende Rolle zukommen wird», er-
cherheit und viel Platz auch für Zubehör wie
Anhänger, Kickboards der Kinder wichtig.
inhaber der Planum Biel AG und haben das
Handbuch «Veloparkierung» mitverfasst.
Und: Wer eine Anlage plant, sollte selber im
zählen Thomas Zahnd und Daniel Siegrist. Keine «Felgenkiller» Alltag Velo fahren. Denn nur, wer selber je-
Sie haben in Biel die autofreie Siedlung fab- Die Siedlung fab-a gilt auch unter den «best den Tag in die Pedale tritt, kennt die Bedürf-
a mitgeplant. fab-a hat das Geld, das anders- practice»-Beispielen auf der PAWO-Websi- nisse von Velofahrenden.
wo in den Bau einer Garage fliesst, in eine te als Musterbeispiel. Leider wird auch bei
grosszügige Veloeinstellhalle mit 100 Plät- autoreduzierten Siedlungen dieser Standard Alle Infos unter www.autofrei-leben.ch
ANZEIGE
Creator of innovation
since 1880
NEU PROFIL MAX FP60
qualitativ hochwertige Standpumpe
Pumpengriff aus Buchenholz (FSC)
bis 12 bar / 174 psi Druck
breiter und verstärkter Standfuss
grosser Manometer
hergestellt in Frankreich
Händler- & Artikelinfos:POLITIK
Fakten und Einordnungen
Von Dominique Eva Rast Die Auto-Umweltliste 2017 informiert, ordnet ein und bezieht
Stellung. Zu Wort kommt auch Jos Dings, bis Januar Direktor von
Transport and Environment (T&E).
E s lohnt sich, auch dieses Jahr die Auto-
Umweltliste (AUL) zu lesen: Die Fak-
eine Auflistung von Tabellen zu sein: Des-
halb empfiehlt es sich auch für Menschen
März 2017
ten sind sorgfältig aufgearbeitet und es ist ohne Auto, das Magazin zumindest durch- AUTO
transparent erklärt, wie ausgewertet wird.
Wieso ist der Toyota Prius zurück auf Platz
zublättern. Oder wussten Sie zum Beispiel,
dass in Portland sieben Prozent der Pend- UmwelTlisTe
Der Ratgeber für den umweltbewussten Autokauf
1? Wann kann man mit ruhigem Gewissen lerinnen und Pendler mit dem Velo zur Ar-
wieder ein Dieselfahrzeug kaufen? Auf diese beit fahren? Die USA schätzt man landläufig
und viele weitere Fragen antwortet die AUL. eher als autoverliebt ein. Portland hingegen
In Zeiten von Diesel- und anderen Schum- hat einen Plan und fördert den Veloverkehr
meleien geht gern vergessen, wie viel Arbeit aktiv, etwa mit geführten Velotouren und
hinter unaufgeregten, journalistischen Wer- einem Bikesharing-System mit 1000 Velos
ken steckt. Als solches Werk versteht sich die an 100 Stationen. 39 Elektroautos
Fahrt auf
nehmen
Auto-Umweltliste. Die AUL ist ein kompe- Neue Modelle mit grösserer Reichweite
tenter Ratgeber, der Hintergrund bietet, Un- Eine politische Dimension 48 Kompromiss zwischen
Vernunft und Emotion
gereimtheiten aufdeckt und ganz bewusst Was es auf der verkehrspolitischen Ebene in Wie Autodesign entsteht
auch gedruckt erscheint: Die Aktualität wird den nächsten Jahren zu tun gibt, kann Jos
auf der Internetseite zur Verfügung gestellt, Dings einordnen. 13 Jahre lang hat er Trans-
zwei Mal pro Jahr informiert ein elektroni- port and Environment (T&E) geprägt, die Partner:
scher Newsletter Interessierte zusätzlich. Dachorganisation von nichtstaatlichen eu-
ropäischen Organisationen aus dem Bereich
Mehr als ein Autoheft des nachhaltigen Verkehrs. Seit Februar ar- Die Auto-Umweltliste informiert umfassend.
Die Macherinnen und Macher der AUL beitet er für Tesla. Was ihn daran reizt, er- Aktualisierungen gibt es unter
überlegen jedes Jahr von neuem, was das läutert er ebenfalls in der AUL. www.autoumweltliste.ch.
Heft zusätzlich bieten kann, um mehr als
ANZEIGE
Bis Fr. 50.– sparen
Bestgeräte auf einen Blick.
gegenüber Original-Druckerpatronen
+ 1 Patrone GraTIs!
+ 1
Energieeffizienz im Haushalt.
100% Qualität, Schweizer Profilabor
Schweizerische Agentur
für Energieeffizienz
energybox.ch PCtipp Testsieger, Kassensturz Empfehlung
Lieferung gegen Rechnung GraTIs
www.energieeffizienz.ch
Die besten Leuchten. www.thinkshop.ch/1xGratis
oder Tel.-Bestellung 061 315 10 20
THINKshop.ch
CRTechnologies AG
Parkstr. 6 · 4402 Frenkendorf
17041_saf_Inserat_96x64mm.indd 4 31.01.17 18:10 VCS MAGAZIN 1/17 13POLITIK
© Unschuldslamm@photocase.de
«Widerstand lohnt sich immer»
Interview:Dominique Eva Rast Gemeinsam mit dem Verband des Personals öffentlicher Dienste
(VPOD) und vielen Partnerorganisation weltweit wehrt sich der VCS
gegen die Verträge TTIP, TISA und CETA. VPOD-Generalsekretär Stefan
Giger erklärt, wieso es Widerstand braucht und was es zu tun gibt.
VCS-Magazin: Stefan Giger, wieso weh- droht: Ein Schweizer Fuhrhalter hat seinen
ren Sie sich gegen TTIP, TISA und CETA? Fuhrpark darauf ausgerichtet, nicht aber ein
Stefan Giger: Die drei Abkommen sind völlig ausländischer Anbieter. Dieser kann nun
unterschiedlich in ihren Auswirkungen auf die klagen, er werde durch die Schweizer Vorga-
Schweiz. Aber: Alle drei setzen Entwicklungen ben diskriminiert, denn er müsste ja andere
in Gang, die nicht mehr umkehrbar sind. Lastwagen kaufen, wenn er damit durch die
Schweiz fahren will. Mit TISA müssen aber
Welche? alle Anbieter gleich behandelt werden.
Nehmen wir als Beispiel das TISA-Abkom-
men. Da verhandeln 23 Partner, unter an- Wie weit sind die Verhandlungen?
derem die EU, welche 28 Mitgliedsländer Unterschiedlich. Bei TTIP ist aktuell unklar,
vertritt, und die Schweiz. TISA betrifft alle ob und wann die Verhandlungen weiterge-
Dienstleistungen und somit auch die Trans- hen; bei TISA gibt es zwar einen Unterbruch,
portbranche. In der Schweiz gilt ein Verbot bis die neue Trump-Administration ihr Per-
von Gigalinern. Dieses ist durch TISA be- sonal ausgewechselt hat, es ist aber anzuneh-
14 VCS MAGAZIN 1/17POLITIK
men, dass die Verhandlungen im Laufe des ten, dass die Schweiz zum Beispiel über-
Jahres 2017 wiederaufgenommen werden; bei haupt keinen Einfluss darauf hätte, wer Darum geht es:
CETA läuft bereits der Unterzeichnungspro- Streitigkeiten schlichtet: Aktuell ist näm- Transatlantic Trade and Investement Partner-
zess. Gerade bei CETA hat sich gezeigt, dass lich vorgesehen, dass das private Schiedsge-
ship, TTIP, ist ein geplantes Handelsabkommen
sich Widerstand lohnt: Heute stehen im Ab- richte übernehmen. Und die Schweiz müss-
zwischen der Europäischen Union und den
kommen Klauseln, die ursprünglich nicht te auch ihre Rechtsentwicklung immer der
Vereinigten Staaten, das die Schaffung einer
vorgesehen waren. So dürfen bestehende EU und den USA anpassen: TTIP schreibt
transatlantischen Freihandelszone vorsieht. Ziel
Schutzbestimmungen für Arbeitnehmerin- vor, dass vor Gesetzesänderungen die Ver-
ist, den Handelsaustausch durch die Abschaf-
nen und Arbeitnehmer, die Umwelt und den tragsparteien konsultiert werden müssen.
Datenschutz nicht aufgehoben werden, die Da die Schweiz aber nicht Vertragspartne- fung von Zollrechten, die Harmonisierung von
Gesetzgebung in diesen Bereichen darf nicht rin ist, müsste sie zwar die anderen konsul- Normen und Regelungen sowie eine Öffnung
tieren, hätte aber umgekehrt der öffentlichen Ausschreibungen zu vereinfa-
keine Rechte. chen. Gegenwärtig gelten in Europa strengere
Die drei Abkommen sind völlig unterschied- Herstellungsnormen, beispielsweise ist es
Wie betrifft CETA die verboten, Wachstumshormone einzusetzen oder
lich in ihren Auswirkungen auf die Schweiz. Schweiz? Pouletfleisch mit Chlor zu behandeln. In den
CETA ist ein ähnliches Ab- USA hingegen sind diese Praktiken geläufig.
Aber: Alle drei setzen Entwicklungen in
kommen wie TTIP, aber die Deshalb ist es nicht möglich, amerikanisches
Gang, die nicht mehr umkehrbar sind. Vertragsparteien sind Kana- Pouletfleisch nach Europa zu importieren. Eine
da und die Europäische Uni- Harmonisierung der Normen könnte also zu ei-
on. CETA beinhaltet keine ner Lockerung der europäischen Regeln führen.
beeinflusst werden. Auch soll – im Gegensatz Klausel, die den Anschluss weiterer Part-
zu TTIP – nicht ein privates Schiedsgericht ner erlauben würde. Die Schweiz ist aber Comprehensive Economic and Trade Agree-
Streitigkeiten schlichten, sondern ein öffent- Mitglied der EFTA, und die EFTA und Ka- ment, CETA, ist ein europäisch-kanadisches
lich-rechtlicher Gerichtshof mit vollamtli- nada führen derzeit Gespräche darüber, ob Freihandelsabkommen, das ähnlich wie TTIP
chen Richterinnen und Richtern. Und: Ent- die CETA-Inhalte in den bestehenden Frei- aufgebaut ist. CETA enthält umfassende
scheide dieses Gerichtshofs sind rekursfähig. handelsvertrag EFTA–Kanada übernommen Handels- und Zollerleichterungen. Für seine
werden. Kritiker gilt er auch als Testfall für das US-
Von Economie Suisse oder von der FDP amerikanisch-europäische Transatlantische
ist zu lesen, dass die Schweiz beim Und wie sieht das bei TISA aus? Freihandelsabkommen (TTIP/TAFTA). Umstrit-
TTIP-Abkommen andocken soll. Da ist die Schweiz seit Anbeginn selber am ten ist insbesondere der sogenannte «Investi-
Was würde das bedeuten? Verhandlungstisch – die Verhandlungen tionsschutz», der es Unternehmen ermöglichen
Länder, die bei TTIP andocken, überneh- finden übrigens auch in der Schweiz statt, soll, bei veränderter Rechtslage von Staaten
men alle Regeln und Inhalte, ohne selber nämlich in Genf. Die Schweizer Verhand- Schadensersatz zu fordern (Investor-State Dis-
Vertragspartei zu sein. Das würde bedeu- lungsdelegation hat zwar in den bisheri- pute Settlement). Die Verhandlungen began-
gen Offerten den Service public so gut es
nen im Jahre 2009, das Verhandlungsergebnis
geht von den Bestimmungen des TISA-Ab-
wurde am 26. September 2014 veröffentlicht.
© zVg
kommens ausgenommen. Wenn aber ganz
Das Abkommen bedarf nun noch der Legiti-
Europa etwa bei der Bahn Betrieb und Inf-
mation durch das Europäische Parlament, den
rastruktur trennt, kommt die Schweiz den-
Rat der Europäischen Union wie auch durch
noch unter Druck. Die EU möchte, dass
die Parlamente der einzelnen Mitgliedsländer
auch die Schweiz das vierte Eisenbahnpaket
umsetzt. Was eine Trennung von Betrieb und es muss auch vom Kanadischen Parlament
und Infrastruktur bringt, zeigt das Bei- ratifiziert werden.
spiel Grossbritannien: Dort wurde die Inf-
Trade in Service Agreement, TISA, ist ein Ab-
rastrukturbetreiberin Railtrack privatisiert.
kommen mit der Zielsetzung, grundsätzlich alle
Mit der Folge, dass ein grosser Teil des Im-
Dienstleistungen zu liberalisieren, also auch den
mobilienbesitzes verkauft und den Aktio-
gesamten Service public, vom Gesundheitswesen
nären hohe Dividenden ausbezahlt wurden,
bis zum Strafvollzug, von der Müllabfuhr bis zum
während beim Unterhalt gespart wurde und
das Netz verlotterte. Schliesslich drohte ein öffentlichen Verkehr, von der Bildung bis zu Post
Zusammenbruch des Schienenverkehrs, und Telekommunikation. Zwar können die Länder
Stefan Giger (58) ist Generalsekretär des
und Railtrack musste mit riesigen Verlus- auf einer Ausnahmeliste einzelne Bereiche von
VPOD. Ursprünglich Aargauer Sekundar-
ten wieder verstaatlicht werden. Dabei wur- TISA ausnehmen, aber TISA setzt eine Dynamik
lehrer, ist er seit 1989 beim VPOD und
den nicht nur Steuergelder verschleudert, Richtung Deregulierung und Privatisierung des
seit 2007 für internationale Fragen und
der tägliche Ärger über verspätete oder aus- Service public und damit auch des öffentlichen
Handelsverträge wie TTIP, TISA und CETA
gefallene Züge war riesig. Und heute kostet Verkehrs in Gange.
zuständig.
eine Jahreskarte für eine einzelne Bahnstre-
VCS MAGAZIN 1/17 15POLITIK
cke – etwa London–Brighton – mehr als in TTIP etwa würde bedeuten, dass die Schweiz
der Schweiz ein Generalabonnement …
zum Beispiel überhaupt keinen Einfluss darauf
Beeinflusst die weltpolitische Lage
die Abkommen? Grossbritannien tritt hätte, wer Streitigkeiten schlichtet.
aus der EU aus, in den USA ist Donald
Trump zum Präsidenten gewählt wor-
den. Handelsverträge der EU. Grossbritannien mir schlecht vorstellen: Das würde China
Sicherlich. Wenn Grossbritannien zur EU muss bei jedem einzelnen entscheiden und die Möglichkeit eröffnen, an den Verhand-
austritt, sind sie nicht mehr Partner dieser möglicherweise nachverhandeln, wie es wei- lungen teilzunehmen und die Spielregeln
Abkommen. Betroffen tergeht. Bezogen auf TTIP muss sich Gross- im Dienstleistungssektor mitzubestim-
werden auch gut britannien entscheiden, ob sie andocken men. Die Absicht der TISA-Staaten ist, das
300 andere wollen, im Wissen, dass sie keinerlei Mit- fertige Vertragswerk in die WTO zurück-
bestimmungsrecht haben werden. zuführen – damit sind die Regeln gesetzt
Donald Trump hat sich vor und alle müssen sich fügen. Da werden die
den Wahlen immer nur zu USA sicher mitreden wollen.
TTIP, zum nordameri-
kanischen NAFTA-Ab- Das klingt alles sehr komplex: Was kön-
kommen und zum nen wir als Bürgerinnen und Bürger tun?
transpazifischen Ab- Zum einen die Arbeit unterstützen, die wir
kommen TPP ge- im Komitee leisten: Das beginnt damit, dass
äussert, aber nie möglichst viele den offenen Brief an Johann
zu TISA: Dieses Schneider-Ammann unterzeichnen. Dann
Abkommen könnte kämpfen wir dafür, dass TISA referendums-
er weiterverhandeln fähig wird. Dieses Referendum gilt es zu un-
und erklären, dass terstützen – und dann natürlich die Abstim-
er damit Arbeits- mung. Da bin ich zuversichtlich.
plätze im Dienstleis
tungssektor sichert. Was lässt Sie hoffen?
Weil aber in den TISA hätte ursprünglich für die Schweiz nur
USA bei einem Re- auf der nationalen Ebene gelten sollen. Nun
gierungswechsel stets hat die EU verlangt, dass auch Kantons- und
die ganze Administra- Gemeinderecht betroffen sind. Und das hat
tion ausgetauscht wird, pas- dann sehr direkte Auswirkungen: Heute
siert im Moment gar nichts. etwa bearbeitet eine Aargauer Firma die So-
Einen Rückzug von TISA kann ich lothurner Steuererklärungen, die Daten sind
auf einem Server in der Schweiz gespeichert.
Damit gelten die schweizerischen Daten-
schutzbestimmungen und das bleibt auch so,
denn bestehende Regelungen werden nicht
Wieso ist der VCS gegen TTIP und Co.? angegriffen. Wird TISA aber unterzeichnet
und der Kanton Bern will seine Daten eben-
Die Abkommen wollen die Privatisierung und Liberalisierung mehrerer Branchen einführen. Ob-
falls von externen bearbeiten lassen, ist die
schon die Schweiz bei TISA den öffentlichen Verkehr explizit ausklammern möchte, ist nicht klar, ob
Vorgabe, dass die Daten in der Schweiz ge-
es uns gelingen wird, das durchzusetzen.
speichert werden, nicht mehr zulässig – denn
Das würde in erster Linie bedeuten, dass Unternehmen wie PostAuto oder SBB noch stärker auf damit werden Inländer bevorzugt und das
Rentabilität setzen müssen, anstatt den Service public für alle Einwohner, auch in abgelegeneren ist eine Diskriminierung. Schweizer Steuer-
Gegenden, zu garantieren. daten könnten somit auf Servern auf den Fi-
dschi-Inseln landen: Und dass das die SVP
Insbesondere TTIP würde es erlauben, Handelshemmnisse bei privaten Schiedsgerichten einzukla- will, kann ich mir schlicht nicht vorstellen!
gen, darunter könnte das Nachtfahrverbot, die 40-Tonnen-Limite oder die LSVA fallen, über den Kopf
des Souveräns hinweg.
Die Freihandelsverträge fördern Transporte über weite Distanzen. Solange der Transport aber seine
Weitere Informationen:
externen Kosten nicht zahlt und grosse umweltrelevante Probleme verursacht (CO2, Schwefel, Stick-
www.verkehrsclub.ch/unsere-themen/politik/ttip
oxid usw.), und daher zu billig ist, erachtet der VCS das als sehr problematisch.
Offener Brief: http://konzerndiktatur-stoppen.ch/
Dem VCS ist wichtig, dass unsere demokratischen Prozesse nicht von Freihandelsverträgen unter- offener-brief-an-johann-schneider-ammann
laufen werden. Kampagnenseite vpod: http://tisa-vpod.ch
16 VCS MAGAZIN 1/17Publireportage
POLITIK
Radlerland Rügen
Rügen, Deutschlands grösste Insel, eignet sich bestens für kurze
und lange Radtouren. Auf vielen gut ausgeschilderten Wegen
kann man das schöne, wilde Eiland abseits der grossen Strandbä-
der erkunden, dabei einsame Buchten, kleine Dörfer mit Bodden-
häfen und das weite Hinterland im Innern entdecken. Zum Ausru-
hen laden feinkörnigen Strände ein.
Eine besonders schöne Radtour Die kürzeste Fährverbindung Nord-
beginnt in Putbus, das man mit deutschlands wird nicht mit gross-
dem Zug bequem via Hamburg en Schiffen unterhalten, sondern
oder Berlin und Stralsund erreicht. mit einem Ruderboot, in dem bis
zu 15 Personen Platz finden. Fahr- Platz am Meer: eine kleine Radlerpause am Bodden bei Lauterbach © TMV/Würtenberger
Die Route führt rund 30 Kilometer räder, E-Bikes und Kinderwagen
weit über Lauterbach, Groß Stre- dürfen ebenfalls mit übersetzen.
sow und Moritzdorf bis hin zur stil-
Vom Ostseebad Baabe führt die zurück nach Putbus fahren oder
len Halbinsel Mönchgut. Oft geht
Route über den Dünenweg, der sich am Sandstrand und in der Ost-
es dabei direkt am Bodden ent-
Radweg geht nah am Strand ent- see von den Strapazen der Tour
lang, einem vom offenen Meer ab-
lang, ein kleiner Nadelwald trennt erholen .
getrennten Küstengewässer, dann
ihn von der Straße. In Göhren, mit
durch kleine Waldstücke, in denen
knapp 1300 Einwohnern einer der Informationen und Angebote
es nach Pilzen riecht, und über Hü-
wichtigsten Erholungsorte der für Ihre Ferien auf Rügen:
gel, die tolle Ausblicke auf die
Halbinsel, wird das Ziel dieser Tour www.auf-nach-mv.de
Landschaft im Südosten bieten.
erreicht. Hier kann man auf den
info@auf-nach-mv.de,
«Rasenden Roland», die histori-
In Moritzdorf setzt die Ruderfähre Buchungsservice:
sche, dampfbetriebene Schmal-
über nach Baabe auf die Halbinsel +49 (0)381 40 30 500
Lange Tradition: Kay-Uwe Strandmann ist Kapitän der spurbahn, umsteigen und wieder
Mönchgut. Ruderfähre in Moritzdorf © TMV/Würtenberger
Das stilvolle
Erlebnis im Alltag.
Die Urban-E-Bikes von FLYER.
Jetzt die FLYER Vielfalt entdecken und Ihr
Lieblingsmodell Probe fahren
www.flyer-bikes.com/flyer_e-bikes_sortiment
VCS MAGAZIN 1/17 5Viel Handarbeit steckt hinter unserer Mobilität.
Operation graue Energie
Von Dominique Eva Rast Mobilität ist selbstverständlich – aber woher kommen
unsere Velos, Züge und Autos? Im Dossier werfen wir einen
Blick hinter die Kulissen.
18 VCS MAGAZIN 1/17DOSSIER
© VCS/François Gribi
E nergie, die vom Verbraucher nicht di-
rekt eingekauft wird, jedoch für die
Herstellung von Gütern sowie für Trans-
anfängt, zu forschen, kommt vom Hun-
dertsten ins Tausendste. Nur schon die
Frage, aus wie vielen Einzelteilen etwa
am frühen Morgen vollbesetzt durchs
Land, braucht der einzelne Reisende im
Vergleich viel Strom.
port, Lagerung und Entsorgung benötigt ein Velo besteht, führt sogar bei einem Wer seine Mobilität hinterfragt, leis-
wird: Das ist die Definition von grauer Velohersteller zu Gelächter und dann tet einen grossen Beitrag dazu, unsere
Energie. Es geht also um die Energie hin- zu einem ratlosen Gesicht. Ein Zug – so Umwelt zu schützen und zu erhalten.
ter dem Endprodukt, weder um den CO2- die Auskunft von Stadler Rail – besteht Niemand streitet ab, dass Autofahren ab
Ausstoss noch um die Betriebsenergie. aus mehreren Millionen Einzelteilen. All und zu nötig ist. Und die Tendenz vieler,
So weit, so gut: Aber woher kommt diese Einzelteile haben bei der Fertigung gerade junger Menschen, Autos zu teilen
denn nun unsere Mobilität? Was braucht Energie verbraucht. Ist ein Zug dann mal oder Mitfahrgelegenheiten zu nutzen,
es für eine moderne, nachhaltige Mobi- auf der Schiene, kommt die Betriebs- gehen in die richtige Richtung. Der Ein-
lität, die Mensch und Umwelt gerecht energie ins Spiel. Fährt ein Zug also halb stieg in diese neue Mobilitätswelt mag
wird? Das Thema ist abstrakt und wer leer statt wie in der Hauptverkehrszeit kompliziert wirken. Aber sie ist nötig.
VCS MAGAZIN 1/17 19DOSSIER
Graue Energie, Konsum,
Reparatur: Und bei Ihnen?
Graue Energie ist ein spannendes Thema, über das zu wenig gesprochen wird. Aber was ist das eigent-
lich genau? Was bedeutet es für den Konsum? Und was ist wichtiger: Preis, Qualität oder Ethik? Wir
haben uns in den Strassen von Biel umgehört, um mehr über Ihre Konsumgewohnheiten zu erfahren.
Hier ein paar Auszüge. Vinzenz Schläfli und Camille Marion
Was ist graue Energie? wähle. Meine Kinder werden bald ihren Füh-
rerschein haben, das ändert die Dinge.»
Jean-Joseph «Hat das etwas mit dem Wetter von heute zu
Brunner, 83-jährig tun? (lacht) Nein, im Ernst, ich weiss nicht, «Ich besitze kein Auto, werde mir aber ein ge-
was das ist.» brauchtes kaufen.»
Nathalie Bousquet, «Graue Energie? Nie etwas davon gehört …»
50-jährig Martin Schober, 25-jährig
Alban Trachsel, «Ich glaube, das hat etwas mit den Autos zu Wie sehen Ihre Konsum- und Reparaturgewohnheiten für
23-jährig tun, oder? Ich bin mir nicht sicher, denke Ihre Alltagsgegenstände aus? Wenn zum Beispiel das Ra-
aber an eine Art Verschmutzung.» dio oder das Telefon nicht mehr funktioniert, welche Lösung
wählen Sie?
«Keine Ahnung. Ich kenne nur die grüne Ener-
gie. Vermutlich ist graue Energie etwas zwi- Christine Weber, «Eigentlich lasse ich die Dinge, die nicht
schen guter und schlechter Energie» 55-jährig mehr funktionieren, gerne reparieren,
manchmal geht das jedoch nicht. Leider
Florian Heiniger, 31-jährig ist es oft so, dass man besser etwas Neues
kauft.»
Haben Sie ein Auto? Wenn ja, ist es ein Occasions-Auto?
Hassan Dhagane «Ich kaufe ein neues. Eigentlich sollte ich
Sylvie Rohrbach, «Ich habe ein Auto, das ich als Occasion ge- Mohidin, 57-jährig versuchen, die Dinge reparieren zu lassen,
59-jährig kauft habe. Wenn ich ein neues haben müss- doch das kommt teurer, als ein neues Pro-
te, wäre es vermutlich wieder eine Occasion.» dukt zu kaufen.»
Hassan Dhagane «Im Moment besitze ich kein Auto. Ich Alban Trachsel, «Meistens lasse ich die Dinge reparieren,
Mohidin, 57-jährig möchte gerne eine Occasion kaufen, leider 23-jährig wenn sie nicht mehr funktionieren. Ich
habe ich nicht die Mittel dazu.» weiss, dass mich das manchmal mehr kostet,
als wenn ich ein neues Produkt kaufen wür-
Christine Weber, «Ich habe kein Auto, benutze aber regelmäs- de, aber ich versuche einfach, nicht zu viele
55-jährig sig das meines Freundes. Wenn ich eines Abfälle zu produzieren und Überkonsum zu
kaufen müsste, würde ich vermutlich einen vermeiden. In der Theorie ist das allerdings
Neuwagen nehmen, mich aber bei den Elek- einfacher als in der Praxis!»
tromodellen oder den etwas saubereren
Energien umsehen.» «Mein eigenes Auto habe ich oft reparieren
lassen. In meinem Alter kaufe ich aber sicher
Nathalie Bousquet, «Ich habe ein Auto, das ich als Neuwagen ge- kein neues Auto mehr.»
50-jährig kauft habe. Aber wenn es mal nicht mehr läuft,
weiss ich nicht, ob ich wieder einen Neuwagen Christian Grünig, 78-jährig
20 VCS MAGAZIN 1/17Sie können auch lesen