TRANSFORMATION DER BRANCHE - MULTRA GMBH

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TRANSFORMATION DER BRANCHE - MULTRA GMBH
FOTO: GETTYIMAGES / PAPER BOAT CREATIVE
Die Digitalisierung macht auch vor der Beraterbranche keinen Halt.

  CONSULTING 4.0

  TRANSFORMATION DER BRANCHE
  Auch vor Beratungsunternehmen macht die Digitalisierung keinen Halt. Intelligent genutzt, kann sie ein
  Baustein sein, um wirkungsvolles Wachstum zu generieren und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

  I
      n Zeiten von Big Data stehen viele Berater vor einer Heraus-        am Ende des Beratungsprojekts abgeschlossen. Mitunter fehlte
      forderung: Einerseits erwarten ihre Kunden die perfekte Lösung      den Beratungsergebnissen jedoch die praktische Relevanz. Dieses
      für ihr spezifisches Problem. Andererseits sind sie nicht bereit,   Defizit führte zu Consulting 2.0, dem Changemanagement: Die
  für die nötige Grundlagenarbeit Geld zu zahlen. Die Branche muss        Branche ging dazu über, die entwickelten Konzepte im Rahmen eines
  deshalb neue Geschäftsmodelle entwickeln. Wie andere Industrien         Changemanagement-Prozesses durch Projektteams aus Beratern
  auch, passt sich die Beraterbranche permanent an wechselnde             und Mitarbeitern des Kunden implementieren zu lassen.
  Rahmenbedingungen an. Derzeit treibt die fortschreitende Digita-            Doch häufig ging das aufwendig erarbeitete Wissen nach der
  lisierung die Transformation der Branche zu Consulting 4.0 voran.       Projektumsetzung wieder verloren. Dies brachte Consulting 3.0 –
       Beim Consulting 1.0 – der strategischen Unternehmensbera-          das Inhouse-Consulting – hervor. Hierbei wurde das für die Ver-
  tung – stand die Ausarbeitung von Konzepten auf Basis umfang-           änderung nötige Fachwissen in unternehmensinternen Workshops
  reicher Analysen und Studien im Vordergrund. Das Fullfillment           mit den Fachabteilungen erarbeitet. So sollte sich die Bereitschaft
  war mit der Übergabe von Foliensammlungen und Empfehlungen              der Mitarbeiter des Kunden erhöhen, die Ergebnisse konsequent

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Digitale Wirtschaft

umzusetzen. Consulting 4.0 ist die Digitalisierung der Beratung            Kostenintensive Analysearbeiten des Beraters zu Kundenpro-
mit dem Zweck, kostenintensive Analysearbeiten zu eliminieren.         zessen, denen kein unmittelbar nutzbares Ergebnis gegenübersteht,
    Der Trend zu einer hohen Spezialisierung von Wissen ist in vol-    werden überflüssig. Denn die präzise Analyse der individuellen
lem Gange, während die Halbwertzeit von Know-how sich immer            Situation erfolgt gemeinsam on the road und stellt sicher, dass die
weiter verringert. Wissen wird immer mehr zum Massengut, die           grundlegenden Fakten kundenspezifisch weiterverarbeitet werden.
Beratungswirtschaft zu einer Wissensaustauschwirtschaft. Umfang-       Der Berater kann also auf einer Productized-Consulting-Plattform
reiche Analysen und Studien – früher selbstverständlicher Teil der     ein individuelles Beratungsmodul für das kundenspezifische Problem
Beratung – werden durch Big-Data-Anbieter überflüssig. Denn diese      generieren und dem Kunden eine maßgeschneiderte Gesamtlösung
verfügen über exzellente Daten und können auf Mausklick präzise        liefern.
Prognosen bereitstellen. Vom Berater wird deshalb erwartet, dass           Kunden profitieren dabei insbesondere durch die Reduktion von
er nur einzelne Teilleistungen einer Beratung erbringt – natürlich     Opportunitätskosten. Sie können zunächst mit einem Beratungs-
ohne Abstriche in der Qualität.                                        produkt starten und sich seniores Expertenwissen für ihr Problem
    Das Dilemma dabei ist, dass der Berater sich in der Regel erst     abrufen – und zwar genau dann, wenn sie es brauchen. Sobald ein
Wissen zur Arbeitsweise und den individuellen unternehmensin-          spezifisches Problem Beratungsleistungen erfordert, die nicht über
ternen Gegebenheiten und Prozessen des Kunden aneignen muss,           die Plattform erbracht werden können, erscheint der Berater vor
um gut beraten zu können. Andernfalls ist mit Reklamationen und        Ort. Nach der Problemlösung steht er wieder virtuell zur Verfügung.
Leistungsnachforderungen zu rechnen. Denn er geht das Risiko ein,      Gleichzeitig gehen die Ergebnisse aus Beratungsprojekten nicht
dass seine Beratungsleistung nicht zu 100 Prozent den Bedürfnissen     mehr verloren, sondern stehen in einem Wissenspool validiert zur
und Wünschen des Kunden entspricht. Seine Kunden haben mit             Verfügung. Kundeninterne Fachabteilungen sind so immer auf dem
einem anderen Dilemma zu kämpfen: Wenn spezialisierte Experten         aktuellsten Wissensstand, werden durch den Kompetenztransfer zur
in einem Beratungsprojekt interdisziplinär zusammenarbeiten, ist       selbstständigen Umsetzung von speziellen Lösungen befähigt und
es ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor, dass alle Beteiligten   können eine signifikant bessere Implementierung von kosteneffi-
immer wieder auf denselben Wissensstand gebracht werden müssen.        zienten Lösungen gewährleisten.
    Doch die digitale Revolution bringt nicht nur Probleme, sondern        Die eingangs geschilderten Schwierigkeiten, mit denen die
auch ihre Lösungen – sofern es gelingt, ihre Stärken zu nutzen. In     meisten Berater heute zu kämpfen haben, werden durch die Trans-
anderen Branchen hat sich gezeigt, dass neue Geschäftsmodelle          formation des Beratungsgeschäftsmodells auf Consulting 4.0 gelöst.
quasi über Nacht lange etablierte Strukturen außer Kraft setzen        Der Einsatz von Productized-Consulting-Plattformen lässt sich in
können. Die neuen Modelle beruhen auf neuartigen Technologien,         jedes beliebige Beratungsgeschäftsmodell integrieren und wird dazu
die disruptive Innovationen genannt werden, weil sie auf einen         führen, dass virtuelle Beratungsunternehmen heranwachsen. Auf
Schlag alles Bisherige über den Haufen werfen.                         diese Weise können Berater monetarisierte Kundennetzwerke auf-
    Es gibt nun eine disruptive Technologie, die es Beratern ermög-    bauen, bei denen jeder Kunde jeweils nur für die von ihm gewünschte
licht, ihre wissensintensiven Beratungsleistungen gewinnbringend       Leistung zahlt. Das Kernproblem von Beratungsunternehmen – die
online zu verkaufen. Die Rede ist von Productized-Consulting-          Zeit von Beratern nur einmal verkaufen zu können – wird ausgehe-
Plattformen, worunter Onlineplattformen zu verstehen sind, auf         belt. Sicher ist der Einsatz einer Productized-Consulting-Plattform
denen sich Beratungsleistungen ganz einfach mit nur wenigen Klicks     nicht die einzige Option hierfür. Jedoch ist es eine einfache und
digitalisieren lassen, um modulare Beratungsprodukte für einzelne      wirkungsvolle Möglichkeit, um in der Wissenswirtschaft hochwer-
Glieder der Beratungswertschöpfungskette digital zu liefern. So kön-   tige Beratungsleistungen zu allgemein akzeptierten Konditionen
nen Berater ihr Know-how und ihre Expertise mehreren relevanten        anzubieten.
Kunden gleichzeitig anbieten. Es ist nicht mehr notwendig, für jeden       Viele Berater werden besonders schätzen, dass sie sich mit einer
einzelnen Kunden ganz grundsätzlich zu recherchieren. Vielmehr         eigenen Plattform unabhängig vom Lärm der sozialen Netzwerke
kann der Berater verschieden zugeschnittene Beratungspakete            machen, in denen auch viele unqualifizierte Stimmen um Aufmerk-
anbieten: sowohl Standardwerke auf der Basis von allgemeinen           samkeit konkurrieren. In der digitalen Ära können Productized-
Grundlageninformationen als auch individuelle Beratungsleistungen      Consulting-Plattformen den Beratungsunternehmen helfen, die
nach Bedarf und auf Abruf.                                             Geschäfte der Zukunft zu sichern und etablierte Kunden genauso
    Auf einer Productized-Consulting-Plattform können Berater          wie neue, kleine Märkte gewinnbringend zu bedienen.               ❙
und Kunden hochkomplexes Wissen im Beratungsdialog online
austauschen, um individuelle Kundenprobleme zu lösen. Der Infor-
                                                                                                   AUTOREN
mationsaustausch erfolgt über interaktive Medienformate, die ein                                   ONIK MIA            VERONIKA TINNIS
Gesprächspartner erstellt und auf die alle anderen ebenfalls Zugriff                               Geschäftsführer,    Wissensmanagerin,
                                                                                                   Multra, Frankfurt   Multra, Frankfurt
haben. Auch der Kunde kann den ersten Lösungsentwurf, den der                                      onik.mia@multra-    veronika.tinnis@
Berater zur Verfügung stellt, mit wenigen Klicks verändern und                                     gmbh.com            multra-gmbh.com
anpassen. Dabei kann der Kundeninput als Briefing für den Berater
dienen. So wird aus einem Standardmodul eine individuelle Lösung
für das spezifische Kundenproblem.

IHK WirtschaftsForum 10.16                                                                                                                 21
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139. Jahrgang        10.16

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DIGITALE WIRTSCHAFT                                        8 – 29
KUNDENDATEN, DIE NEUE WÄHRUNG – LEAN PRODUCTION –
CYBERSICHERHEIT – CONSULTING 4.0 – DAS ENDE DER ISDN-ÄRA

  STANDORTPOLITIK        AUSBILDUNG              INNOVATION                INTERNATIONAL
  Interview: Nachhal­    IHK-Fosa: Integration   Newsletter: Keine         Argentinien: Neue
  tig­keit in der Com­   in den deutschen        zweite Chance für         Zeitrechnung hat
  merzbank-Arena42      Arbeitsmarkt48         ersten Eindruck54        begonnen58
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Speisen: aus den besten Zutaten.
                                                             Lohn: in den besten Händen.
                                                                            Mit meinem Steuerberater.

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Vorwort

                                                       Den eigenen Weg finden

                                                       Liebe Leserinnen, liebe Leser!

                                                       D
                                                                ie schlanke Produktion hat in Deutschland einen langen Weg hin-
                                                                ter sich. In den Neunzigerjahren machten vor allem Automobil-
                                                                OEM (Erstausrüster) und ihre Zulieferer die ersten Gehversuche
                                                       mit Themen wie 5S, Schnellrüsten, Kanban und Gruppenarbeit. In einer
                                                       zweiten Lean-Welle, die Anfang des vergangenen Jahrzehnts unter dem
                                                       Begriff Wertstrommanagement nach Deutschland schwappte, machte
                                                       man das Streben nach Fluss in der Produktion zur Richtschnur. Mit
                                                       dem Ziel, Prozesse zu stabilisieren und Durchlaufzeiten zu reduzieren,
                                                       wurden Lean-Projekte eingeführt. Deutliche Verbesserungen von Qua-
                                                       lität, Produktivität und Beständen waren die Folge.
                   „Zwischen Lean und Industrie 4.0         Um die nächste Stufe der Exzellenz zu erreichen, muss der Lean-
                        gibt es keinen Widerspruch.“   Gedanke alle Unternehmensbereiche – von der Entwicklung bis zum
                                                       Vertrieb – erfassen. Damit wird in vielen Unternehmen Lean Production
                                                       schrittweise zum Lean Management.
                                                            Einige Verwirrung stiftet das aktuelle Thema Industrie 4.0 in der
                                                       Lean-Gemeinde. Es verspricht Optimierung statt kontinuierlicher Ver-
                                                       besserung. Es erlaubt Komplexität und Selbststeuerung, wo Stabilität
                                                       das Credo über viele Jahre war. Jenseits einer ideologischen Diskussion
                                                       gibt es jedoch keinen Widerspruch zwischen Lean und Industrie 4.0.
                                                            Damit vor allem kleinere und mittelständische Unternehmen digitale
                                                       Chancen nicht verpassen, hat das Bundesministerium für Wirtschaft die
                                                       Mittelstand-4.0-Kompetenzzentren ins Leben gerufen. Im Kompetenz-
                                                       zentrum Darmstadt machen wir die Möglichkeiten der Digitalisierung
                                                       durch praxisorientierte Anwendungsbeispiele in unseren Lernfabriken
                                                       erlebbar. Doch es geht um mehr: Unternehmen sollen methodisch
                                                       befähigt werden, ihren eigenen Weg in die Digitalisierung zu finden.

                                                       Prof. Joachim Metternich
                                                       Wissenschaftlicher Leiter,
                                                       Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum Darmstadt

IHK WirtschaftsForum 10.16                                                                                                   3
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08–29

INHALT 10.16        VORWORT 3
               03 Den eigenen Weg finden Prof. Joachim Metternich, Wissenschaft­
                  licher Leiter, Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum Darmstadt

                    SPECIAL DIGITALE WIRTSCHAFT 3
               08   Industrie 4.0 Die Zukunft beginnt jetzt
               10   Geschäftsmodelle Digitale Zerstörung
               12   E-Commerce Kundendaten, die neue Währung
               14   Cybersicherheit „Auf Mithilfe angewiesen“
               16   Tailoring Digitalisierte Kommunikation
               18   Lean Management Schlank verwalten
               20   Consulting 4.0 Transformation der Branche
               22   Fintech-Start-ups Herausragendes Ökosystem
               24   Digitalisierung Den Mittelstand fit machen
               26   Voice-over-IP Das Ende der ISDN-Ära naht
               28   Neue EU-Grundverordnung Den Datenschutz harmonisieren

4                                                           IHK WirtschaftsForum 10.16
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                                                  52                                                                      42

      UNTERNEHMENSREPORT 3                                                 INNOVATION UND UMWELT 3
30 Serie Existenzgründung Wasser des Lebens                          52 The Mindfactory Ticket nach Neu-Delhi gelöst
                                                                     53 E-Mail-Marketing Keine zweite Chance
      STANDORTPOLITIK 3                                              56 Elektromobilität Am Stecker tanken
32 IHK-Sommerempfang Dialog als Erfolgsgarant
34 IHK-Mittelstandsbericht Mittelstand weiter auf Kurs                     INTERNATIONAL 3
36 Elektromobilität „Ein mutiges Ziel“                               58 Argentinien Neue Zeitrechnung
38 Corporate Social Responsibility Der Bericht wird Pflicht          60 Brasilien Krise als Chance
40 Blaue Plakette Versorgungssicherheit gefährdet
42		Commerzbank-Arena „Wir sehen uns als Vorreiter“                        RECHT UND STEUERN 3
44 Nachhaltigkeit in Stadien Von Ankermietern abhängig               62 Firmennamen Nomen est Omen
                                                                     64 Arbeitsvertragsrecht Vertragliches Risiko minimieren
      AUS- UND WEITERBILDUNG 3
48 Ausländische Berufsabschlüsse Wichtiger Schritt zur Integration   67 VORSCHAU | IMPRESSUM |
50 Gebrüder Heinemann Den Bildungsnerv getroffen                           UNTERNEHMENSREPORT 3

                                                                     Beilagenhinweis: Dieser Ausgabe liegen Beilagen der Engelbert Strauss GmbH & Co. KG,
                                                                     Biebergemünd, und der Druck- und Verlagshaus Zarbock GmbH & Co. KG, Frankfurt, sowie eine
                                                                     Teilbeilage der IHK Frankfurt bei.

IHK WirtschaftsForum 10.16                                                                                                                                   5
TRANSFORMATION DER BRANCHE - MULTRA GMBH
KURZMELDUNGEN
                                                                         UMWELT
STANDORTPOLITIK
                                                                         DIHK befürchtet Wettbewerbsnachteile
Landesstraßenbauetat 2017:
                                                                                                              „Eine ständig wechselnde Be-
­Erneut unterfinanziert

                                                                         FOTO: GETTYIMAGES / ULTRA.F
                                                                                                              steuerung von Energieträgern im
„Der von Hessens Verkehrsmi-         infrastruktur gehen. Der gute                                            nationalen Alleingang würde zu
nister Tarek Al-Wazir angekün-       Ansatz, die Sanierungsplanung                                            schwerwiegenden Wettbewerbs-
digte Etat für die Planung und       strategisch anzugehen und für                                            nachteilen deutscher Unterneh-
den Erhalt der Landesstraßen         fünf Jahre festzulegen, droht                                            men gegenüber Wettbewerbern
ist noch immer deutlich zu           nun an den fehlenden Finanz-                                             aus dem Ausland führen“, sagt
niedrig“, so Matthias Gräßle,        mitteln zu scheitern. Die IHK-                                           Achim Dercks, stellvertretender
Geschäftsführer, IHK-Arbeits-        Arbeitsgemeinschaft bezweifelt,     Das Bundeswirtschaftsministerium     DIHK-Hauptgeschäftsführer. Denn
gemeinschaft Hessen. Werde           dass sich mit der Erhöhung          denkt über einen Anpassungsme-       die Konkurrenten würden weiter-
diese Politik so fortgesetzt, wür-   des Planungsetats um sieben         chanismus nach, der bei sinkenden    hin von Preissenkungen an den
den sich der Substanzabbau           ­Millionen Euro die Planungszei-    Sprit-, Strom- oder Gaspreisen       Rohstoffmärkten profitieren. Nicht
des hessischen Straßennet-            ten beschleunigen lassen. Wich-    automatisch zu einer Anhebung        zu vernachlässigen seien auch
zes weiter beschleunigen und          tig ist, dass Hessen Mobil mit     der Energiesteuern führt. Der DIHK   die indirekten Kosten, die sich
die Sanierungskosten immer            genügend hoch qualifizierten       hat diese Überlegungen wegen         aus dem enormen Nachweis- und
schneller steigen. Trotz des gu-      Mitarbeitern ausgestattet wird,    drohender Wettbewerbsnachteile       Prüfaufwand bei Unternehmen und
ten Willens der Landesregie-          die die komplexen Planungspro-     und Bürokratiekosten abgelehnt.      Verwaltung ergeben würden. ❙
rung, mehr Geld im Haushalt           zesse beherrschen. Der Verweis
2017 bereitzustellen, klafft noch     auf zu geringe Erstattungen des
immer eine Lücke von min-             Bundes für die Planungsleis-       KULTUR
destens 60 Millionen Euro pro
Jahr, um den verkehrssicheren
                                      tungen von Hessen ist richtig.
                                      Hier muss der Betrag, im Rah-
                                                                         Kommen und Gehen –
Erhalt der Landesstraßen zu           men der Erhöhung des Bun-          von Courbet bis Kirkeby
garantieren. Die notwendige           desetats für die Fernstraßen,
Haushaltssanierung dürfe nicht        entsprechend den Aufgaben          Die Region FrankfurtRheinMain        erscheinen ließen. Jedoch erfolgte
zulasten wichtiger Verkehrs-          erhöht werden.               ❙    ist von ständiger Zu- und Ab-        die Zu- und Abwanderung nicht
                                                                         wanderung geprägt. Auch vie-         immer frei von Zwängen. In den
                                                                         le Künstler kamen und gingen,        Jahren 1933 bis 1945 mündete
                                                                         verbrachten hier eine zeitlich       staatlicher Terror in Vertreibung
RECHT                                                                    begrenzte Lebens- und Schaf-         und Vernichtung. Nach Kriegs-

Weniger Bürokratie: Entlastungen                                         fensphase. An ausgewählten
                                                                         Persönlichkeiten thematisiert
                                                                                                              ende ermöglichte der erneute
                                                                                                              Zuzug auswärtiger Künstler den
helfen besonders KMU                                                     die Ausstellung „Kommen und          Anschluss an das internationale
                                                                         Gehen – von Courbet bis Kirkeby“     Kunstgeschehen. Bis 21. Janu-
Im August hat das zweite Büro-        vierteljährlich anzumelden und     im Museum Giersch der Goethe-        ar, weitere Infos online unter
kratieentlastungsgesetz (BEG II)      Rechnungen bis 200 Euro müs-       Universität die Wechselbezie-        www.museum-giersch.de.          ❙
die Zustimmung des Bundeska-          sen nicht alle steuerrechtlichen   hungen zwischen Künstlern und
binetts erhalten, ab 2017 soll es     Pflichtangaben enthalten. Wich-    ihrer temporären Wahlheimat. Vor
                                                                                                                                                      FOTO: MUSEUM GIERSCH /
                                                                                                                                                                UWE DETTMAR

seine Entlastungswirkung ent-         tig ist auch die Vereinfachung     allem die Aussicht auf Verkaufs-
falten. Dann werden vor allem         für die vorfällig zu zahlenden     und Verdienstmöglichkeiten be-
kleine Betriebe etwas aufatmen        Sozialversicherungsbeiträge:       wog die Kunstschaffenden zum
können: Lieferscheine müssen          Die Unternehmen können die         Ortswechsel. Familie, Freunde,
in der Regel nicht mehr aufbe-        Meldung künftig anhand des         Lehrer, aber auch Sammler und
wahrt werden, die Lohnsteuer          letzten Monats vornehmen und       Händler vermittelten Kontakte,
ist bis zu einer jährlichen Grenze    brauchen erst im Folgemonat        die den Aufenthalt in der Region
von nun 5 000 Euro nur noch           exakt nachzumelden.           ❙   FrankfurtRheinMain als förderlich

6                                                                                                                        IHK WirtschaftsForum 10.16
TRANSFORMATION DER BRANCHE - MULTRA GMBH
AUSBILDUNG                                                                   UNTERNEHMENSFÖRDERUNG

Assistierte Ausbildung kommt gut an Immer mehr Home Offices
Für die assistierte Ausbildung         wegen individueller Schwierigkei-     Deutsche Unternehmen bieten ih-

                                                                                                                   FOTO: GETTYIMAGES / MORSA IMAGES
schwächerer Azubis interessieren       ten ihre Ausbildung allein kaum       ren Beschäftigten immer häufiger
sich immer mehr Betriebe und           durchstehen würden, erhalten          die Möglichkeit, gelegentlich zu
Jugendliche. Das Modell hat die        professionelle Unterstützung          Hause zu arbeiten. Dieser Anteil
Allianz für Aus- und Weiterbil-        durch Bildungsdienstleister. Dabei    stieg von 30 Prozent (2012) auf
dung mit Unterstützung des DIHK        werden zum Beispiel Sprach- und       39 Prozent in diesem Jahr. Das
im vergangenen Jahr eingeführt,        Bildungsdefizite beseitigt oder       ergibt sich aus der ifo-Randstad-
um Leistungsschwächeren und            fachtheoretische Kenntnisse ge-       Personalleiter-Befragung. Das
Betrieben beim Einstieg in die         fördert. Die Betreuer helfen aber     Büro zu Hause bieten vor al-
Ausbildung unter die Arme zu           auch den Betrieben – etwa bei         lem größere Unternehmen über
greifen. Dazu hat die Bundes-          Verwaltung, Organisation und          500 Beschäftigte an (65 Prozent),     (Mehrfachnennungen möglich)
agentur für Arbeit im Ausbil-          Durchführung der Ausbildung.          bei Firmen unter 50 Mitarbei-         sind längere Präsenzphasen er-
dungsjahr 2015 / 2016 insgesamt        Damit will die Allianz für Aus-       tern sind es nur 29 Prozent. In       forderlich. Nur in 26 Prozent der
5 400 Plätze bereitgestellt. Knapp     und Weiterbildung die berufliche      allen Größenklassen wurde das         Fälle gibt es keinerlei Anwesenheit
5 000 Jugendliche haben vom            Bildung insgesamt stärken. DIHK       Angebot aber in den vergange-         in der Firma. In den Unternehmen,
Projekt profitiert. In diesem Aus-     und IHKs werden weiter für eine       nen Jahren ausgebaut. Und 23          die kein Home Office anbieten,
bildungsjahr sollen bis zu 7 350       intensive Nutzung der assistierten    Prozent der Unternehmen wollen        antworteten 63 Prozent der Per-
Azubis mit assistierter Ausbildung     Ausbildung bei Betrieben und          Home Office in den kommenden          sonaler, die Anwesenheit der Mit-
gefördert werden. Azubis, die          Jugendlichen werben.            ❙    Jahren verstärkt nutzen, nur drei     arbeiter in der Firma sei zwingend
                                                                             Prozent wollen diese Arbeitsform      erforderlich. Dort, wo das nicht
                                                                             zurückfahren. Die Heimarbeit be-      der Fall war, begründeten die
                                                                             deutet aber keine völlige zeitliche   Personalleiter ihre Ablehnung
 FOTO: PICTURE-ALLIANCE / DPA

                                                                             Freiheit, sie ist in 72 Prozent der   mit erschwerter Kommunikation
                                                                             Unternehmen mit häufiger An-          bei Home Office (41 Prozent),
                                                                             wesenheit im Büro verbunden.          IT-Sicherheit (31 Prozent) und
                                                                             In 43 Prozent der Unternehmen         Datenschutz (25 Prozent).        ❙

                                                                             RECHT

                                                                             Nicht jede Reise ist eine
                                                                             Pauschalreise
STANDORTPOLITIK
                                                                             Der Vorschlag des DIHK, eine          mit Pauschalreisen gleichstellen.

DIHK-Forderung umgesetzt:                                                    Neuregelung für Reisebüros im
                                                                             Referentenentwurf zur Pauschal-
                                                                                                                   Dies hätte jedoch zur Folge, dass
                                                                                                                   zukünftig fast alle Reiseleistun-
3+2-Regelung ohne Altersgrenze                                               reiserichtlinie zu streichen, stieß   gen als Pauschalreise angesehen
                                                                             bei der Anhörung am 23. August        würden. Anbieter oder Vermittler
Mit dem Integrationsgesetz ist         kenntnisse und geringer Qualifi-      im Bundesjustizministerium auf        solcher Einzelleistungen wären
Anfang August die vom DIHK ge-         kation können Flüchtlinge in den      Interesse. Hintergrund ist die        dann Reiseveranstalter mit erheb-
forderte 3+2-Regelung in Kraft         meisten Fällen nicht schon kurz       neue EU-Pauschalreiserichtlinie.      lichen Pflichten im Hinblick auf
getreten. Asylbewerber und Gedul-      nach ihrer Ankunft in Deutschland     Sie muss bis 2017 in nationales       Information, Fürsorge und Insol-
dete erhalten nun einen gesicherten    eine Ausbildung aufnehmen. Auch       Recht umgesetzt werden. Sie soll      venzabsicherung. Damit wäre die
Aufenthalt für die gesamte Dauer       die dreijährige Aussetzung der Vor-   den Verbraucher vor den Auswir-       Zukunft von vielen kleinen und
einer Ausbildung und einer anschlie-   rangprüfung für Asylbewerber und      kungen einer Insolvenz von Reise-     mittelständischen Reisebüros,
ßenden zweijährigen Beschäftigung.     Geduldete in 133 der 156 Arbeits-     anbietern schützen. Mit dem neu       Hotels und Pensionen gefährdet.
Der Wegfall der Altersgrenze von 21    agenturbezirke ist eine wichtige      eingeführten Paragrafen 651 u         Der DIHK plädiert dafür, dass
Jahren für den Beginn einer Aus-       Erleichterung. In diesen Regionen     im Bürgerlichen Gesetzbuch will       sich der Gesetzgeber auf den ur-
bildung ist dabei ebenfalls richtig.   ist nun auch eine Tätigkeit in der    das Bundesjustizministerium nun       sprünglichen Zweck der Regelung
Denn aufgrund fehlender Sprach-        Zeitarbeit möglich.              ❙   auch einzelne Reiseleistungen         besinnt.                       ❙

IHK WirtschaftsForum 10.16                                                                                                                            7
TRANSFORMATION DER BRANCHE - MULTRA GMBH
FOTO: GETTYIMAGES / FELIX MACKEL
INDUSTRIE 4.0

DIE ZUKUNFT BEGINNT JETZT
Nach anfänglicher Euphorie sind in jüngster Zeit auch kritischere Stimmen zu hören, wenn es um die vierte industrielle
Revolution – kurz Industrie 4.0 – geht. Dabei gibt es eine Reihe erfolgreicher digitaler Geschäftsmodelle.

I
   ndustrie 4.0 schreibt Erfolgsgeschichten, eine von vielen ist Cewe   Standard, weil sie die extrem begrenzten Öffnungszeiten der Banken
   Color. Der Foto-Dienstleister hat den Wandel von der analogen        umgehen helfen. Auch der Online-Flohmarkt Ebay, der zahlungsbereite
   zur digitalen Fotowelt geschafft. Cewe hat ein neues Geschäfts-      Kunden für fast alles findet, ist eine der frühen Erfolgsgeschichten
modell eingeführt, welches das Internet nutzt, um dem Kunden            der digitalen Revolution. Bestellungen von genormten Produkten wie
eine Dienstleistung anzubieten, die er gerne kauft: selbst gestaltete   Büchern oder CDs werden auch sehr gut angenommen, weil es bequem
Fotoalben. Mit dem Angebot konnte sich das in Oldenburg ansässige       ist, im Internet nach der neuesten Musik des Lieblingskünstlers zu
Unternehmen vor der drohenden Pleite retten – ganz im Gegensatz         suchen, diese vom Sessel aus zu kaufen und dabei unter Umständen
zu Kodak, die die Digitalisierung nicht überstanden haben.              sogar noch Geld zu sparen.
                                                                             Erinnert sei daran, dass der Begriff Industrie 4.0 von einigen
Internetaffine Kunden                                                   Politikberatern aus Bitcom und Acatech vor zwei Jahren eingeführt
Cewe hat lange vor der Einführung des Begriffs Industrie 4.0 ein        wurde, um den weltweiten Techniktrend der Digitalisierung für die
Produkt entwickelt, das der internetaffine und moderne Kunde            deutsche Industrie unter einem griffigen Namen zu etablieren. Der
gerne nutzt, weil es ihm Zeit- und Kostenersparnis und Spaß bringt.     Hintergrund war ehrenwert: Nach Halbleitern, Hardware und Software,
Auch Bankgeschäfte von zu Hause sind für viele Kunden seit Jahren       die schwerpunktmäßig in den USA erfunden, entwickelt und produziert

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Digitale Wirtschaft

wurden, sollte nicht erneut eine große technische Entwicklung an der           der heutigen Sensorik viel mehr Informationen digital erfasst werden
deutschen Wirtschaft vorbeigehen.                                              als noch vor einigen Jahren. Hier kommt man in einen Bereich, der mit
    Die Politik hat deshalb fünf Kompetenzzentren Industrie 4.0 ein-           Big-Data-Auswertung umschrieben wird. Dieser kann teilweise nur mit
geführt, die für das Thema sensibilisieren und schulen sollen. Denn            Methoden der künstlichen Intelligenz – also selbstlernenden Maschi-
die Akteure in der Wirtschaft halten sich noch vielfach zurück bei             nen – angemessen ausgewertet werden. In einer sinnvollen Reihenfolge
der Digitalisierung. Die Klagen in der Presse, wie in der VDE-Umfrage          bei der Einführung von Industrie 4.0 käme laut Fraunhofer-Institut für
„Wird Deutschland beim IoT (Internet der Dinge) abgehängt?“, sind              Arbeitswirtschaft und Organisation zunächst die Informationsverarbei-
vielfältig. Vielleicht sind die Unternehmen aber noch nicht so weit            tung, dann die Vernetzung beziehungsweise Interaktion der Maschinen
oder deren Leidensdruck ist noch nicht groß genug.                             und Menschen und in einem dritten, heute noch sehr visionären Schritt
                                                                               die Intelligenz, womit die eigenständige Entscheidung von Maschinen
In anderen Zeiträumen denken                                                   (Robotern) gemeint ist. Die Unternehmen, die sich jetzt auf den Weg
In der Rückschau zu den früheren industriellen Revolutionen müssen aber        in Richtung Industrie 4.0 machen, müssen nicht zwangsläufig sofort
sicher auch andere Zeiträume eingeplant werden. Wie bei Einführung             alle Stufen der digitalen Evolution und die Digitalisierung auch nicht in
der Automatisierung (Roboter), die nach über 30 Jahren längst noch             allen Unternehmensbereichen in derselben Geschwindigkeit einführen.
nicht abgeschlossen ist, wird auch die Vision der sich selbst steuernden,
intelligenten Fabrik mit Sensoren, Aktoren, RFID-Markierung an den Werk-       Vorsprung vor der Konkurrenz
stücken, mit selbstlernenden Maschinen und Robotern, welche direkt die         Wenn die Produkte den Kontakt zum Hersteller halten und als cyber-
Produktionsmaschinen nach Wünschen der Kunden steuern, noch auf sich           physische Systeme ihren Zustand über das Internet an den Hersteller
warten lassen. Es gibt diese Beispiele in der Holzbearbeitung, beispiels-      melden, ist die höchste Stufe im Rahmen einer Industrie-4.0-Entwick-
weise bei Fertigküchen und -häusern, wo bereits flexible Zentimetermaße        lung erreicht. Dann kann ein Hersteller nicht nur sein Produkt, sondern
hergestellt werden können. Normbreite von Möbeln war gestern, heute            eine Servicelösung im Rahmen eines ganz neuen Geschäftsmodells
kann sich die Fertigungsstraße an Kundenwünsche anpassen. Und bei              anbieten. Ein solchermaßen intelligent weiterentwickeltes Produkt
der Automobilproduktion wird bereits seit Längerem mit derartig vielen         kann beispielsweise ein Baustellenfahrzeug sein. Abgerechnet wird
Varianten gearbeitet, dass schon jetzt von Losgröße 1 gesprochen kann.         Leistung (zum Beispiel Kubikmeter Erdbewegung). Da der Hersteller von
                                                                               der Maschine informiert wird, wenn ein Teil Verschleiß zeigt, oder ein
Digitale Evolution                                                             Füllstand (Öl) zu niedrig ist, kann er frühzeitig und maschinenschonend
Was hier seit Jahren evolutionär wirkt, ist vielleicht gar nicht vollständig   erforderliche Wartungsarbeiten veranlassen.
neu. Es sind die Ideen von Lean Production, kombiniert mit den Möglich-            Der Satz der HP-Chefin Carly Fiorina, „alles, was digitalisiert werden
keiten der Digitalisierung. Die Nähe von Lean und Industrie 4.0 wird sehr      kann, wird digitalisiert“, sollte Unternehmen ein Ansporn sein, jetzt
deutlich beim Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum Darmstadt (siehe                mit dem Prozess der Digitalisierung zu beginnen, um einen Vorsprung
S. 24 f.). Das ist am Fachgebiet Produktionsmanagement, Technologie            vor der Konkurrenz zu behalten.                                         ❙
und Werkzeugmaschinen im Fachbereich Maschinenbau angesiedelt,
wo seit Jahrzehnten die Prinzipien von Lean in der Produktion gelehrt
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werden. Das Institut für angewandte Arbeitswissenschaft der Universität                                                              DR. KAI BLANCK
Düsseldorf (ifaa) geht davon aus, dass Industrie 4.0 nichts anderes ist                                                              Referent, IHK-In-
                                                                                                                                     novationsberatung
als die digitalisierte, internetbasierte Lean Production.                                                                            Hessen, Frankfurt
    Nur wenn Prozesse in der Produktion klar definiert und diese ohne                                                                k.blanck@frankfurt-
                                                                                                                                     main.ihk.de
Medienbrüche organisiert sind, können sie digitalisiert werden. Das ist
fast trivial, denn nur immer gleich ablaufende Prozesse können mit
einer Software automatisiert werden. Selbstverständlich können mit

  Lean-Konferenz 2017
  Freitag, 24. Februar, 9 bis 19 Uhr, IHK Frankfurt
  Lean Production und Industrie           sich intensiver mit dem Zusam-         Industrie 4.0 vorstellen. Leit-        sich in der begleitenden Fachaus-
  4.0 spielen für die Industrie eine      mentreffen von Lean und Indus-         thema ist die Einführung und           stellung über die neuesten Trends
  bedeutende Rolle. So hat Lean           trie 4.0 zu beschäftigen. Auf der      Verankerung von Lean Production        zu informieren. Die Teilnahme
  wesentlich dazu beigetragen,            Lean-Konferenz werden Experten         und Industrie 4.0 im Mittelstand.      kostet 249 Euro. Weitere Infos
  dass die Industrie ihre Produktion      aus Industrie, Forschung und           Die Teilnehmer haben zudem die         und Anmeldung online unter
  und Prozesse stetig verbessert          Beratung ihre Erfahrungen zu           Möglichkeit, an verschiedenen          www.ihk-hessen-innovativ.de
  hat. Daher ist es entscheidend,         Lean Production im Kontext von         Fachforen teilzunehmen oder            (Veranstaltungen).             ❙

IHK WirtschaftsForum 10.16                                                                                                                                 9
FOTO: GETTYIMAGES / BEN MINERS
Mit dem digitalen Wandel ändern sich die Geschäftsmodelle. Mo-
bile Komponenten sind mittlerweile für viele Branchen ein Muss.

  GESCHÄF TSMODELLE

 DIGITALE ZERSTÖRUNG
  WhatsApp zerstört das klassische SMS-Geschäft, Spotify revolutioniert die Musikbranche
  und Airbnb bringt das Hotel- und Gastgewerbe in Bedrängnis. Derweil greifen Google und Apple
  mit selbstfahrenden Autos unsere – als sicher geglaubte – Kernindustrie Automotive an.

  N
           atürlich bleibt abzuwarten, ob Google und Apple mit ihren Invest-     Unternehmen werden sich in Gewinner und Verlierer spalten. Erfolgreich
           ments in selbstfahrende Autos erfolgreich sein werden. Schließlich    werden nach wie vor jene Unternehmen sein, die sich am Kundennutzen
           sind Autos deutlich sicherheitskritischere Systeme als etwa die       ausrichten. Diesen unter Berücksichtigung der rechtlichen, technologischen
  Musikplattform iTunes oder die Suchmaschine Google. Internet- versus           und anderen Rahmenbedingungen zu maximieren, ist seit eh und je Ziel
  Industrieunternehmen: Ein bisschen erinnert das an die Geschichte von          kundenorientierter Unternehmungen.
  Microsoft Windows: Das Betriebssystem stellte jahrelang die Hardware               Mit dem digitalen Wandel oder genauer mit dem mobilen Internet
  in den Schatten. Wie diesmal die Sache auch immer ausgehen wird – das          haben sich die Rahmenbedingungen für Unternehmen grundlegend
  Internet macht vor nichts und niemandem halt. Seit es mobil geworden           verändert. Smartphones, Tablets und das Internet der Dinge – also die
  ist und sich in immer mehr Alltagsgegenständen einnistet, verändert            Vernetzung von Alltagsgegenständen wie Thermostaten, Zahnbürsten
  es unaufhaltsam Geschäftsprozesse und -modelle. Zugleich entstehen             und Kühlschränken – erlauben neue Dienste und Nutzungsszenarien. Der
  sogenannte disruptive Geschäftsmodelle (vergleiche „schöpferische              Druck von Plattformen, Vernetzung und Mobile ist so groß, dass selbst
  Zerstörung“, Schumpeter), die Branche für Branche auf den Kopf stellen.        einigen digitalen Geschäftsmodellen des stationären Webs – also ohne
       „Ein nicht unerheblicher Teil der Unternehmen wird in den nächsten        eine mobile Komponente – der Bedeutungsverlust droht.
  Jahren untergehen und aus ihrer Asche wird Neues entstehen“, prophe-               Noch mal zurück zum Kundennutzen: Den digitalen Kunden zu ver-
  zeit Alain Veuve, Experte für digitale Transformation, AOE Switzerland.        stehen, ist für Prof. Klemens Skibicki, Cologne Business School, zentrale
                                                                                 Voraussetzung, um überhaupt neue und bessere Services entwickeln zu
                                                                                 können. Vielen Unternehmen fehle die strategische Denkweise, die den
       BIEG HESSEN                                                               Kunden und seinen Nutzen in den Mittelpunkt der Betrachtung stellt, wie
       Neutral und kostenfrei unterstützt das BIEG Hessen seit mehr als          es beispielsweise im Business-Modell Canvas der Fall ist. Canvas hat den
       15 Jahren kleine und mittelständische Unternehmen in ihrer Online­        Anspruch, eine „gemeinsame Sprache zur Beschreibung, Visualisierung,
       strategie. Das Angebot erstreckt sich vom Website-Check über Fachver-
                                                                                 Bewertung und Veränderung von Geschäftsmodellen zu sein“, erklärt
       anstaltungen bis hin zu Leitfäden. Das BIEG Hessen ist eine Einrichtung
       der IHKs Frankfurt, Offenbach, Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern und           Alexander Osterwalder, der die Methode 2004 konzipierte.
       Fulda. Weitere Infos online unter www.bieg-hessen.de.                         Die Methode gilt mittlerweile weltweit als Mittel der Wahl, um
                                                                                 innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln. Laut Zukunftsforscher

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Digitale Wirtschaft

Joachim Graf, Hightext-Verlag, benötigen Unternehmen für ihre digi-            Digitalisierung beginnt in den Köpfen. Deshalb: Sorgen Sie für
tale Transformation zum einen eine Vision, in der sie die Welt sehen       entsprechend (junge) Mitarbeiter, auch, um konkretes Fachwissen aus
können, wie sie sein wird: „Auf den Hasen wird auch nur mit Vorhalt        der Onlinewelt aufzubauen und die Anforderungen der Digitalbranche
geschossen.“ Und schließlich ein Ziel: „Wo soll mein Unternehmen in        besser zu kennen. Onlinemarketing-Vordenker Dr. Torsten Schwarz,
fünf Jahren stehen.“ Auch wenn mit so einem Zukunftsplan die digi-         Absolit, spricht davon, „digitale Rampensau“ zu sein, und meint damit
tale Zukunft nicht vorhergesagt werden kann, sollten Unternehmen           besonders internetaffine Menschen ab Generation Y (geboren zwischen
wenigstens versuchen, sie zu prognostizieren.                              1980 und 1999). Damit einhergehen muss auch ein Kulturwandel:
     Für ein Unternehmen mit Tausenden Mitarbeitern und komplexer          abteilungsübergreifende Teams, individuelle Freiräume, agile Arbeits-
Organisationsstruktur ist es natürlich deutlich schwerer, agil zu sein     weisen. Als Vermittler zwischen beiden Welten (on- / offline) könnte
und schnell auf Veränderungen am Markt zu reagieren. Für Thomas            ein sogenannter Digital Change Officer die Brücke schlagen, empfiehlt
Ramge, Brand eins, handelt das Management gar rational, wenn es            Gründel. Am besten sei dieser in einer Stabsstelle angesiedelt. Zu guter
sich auf kontinuierliche Verbesserungen konzentriert. Auf schöpfe-         Letzt: Ist die Digitalisierung die Lösung aller Probleme? Sicherlich nicht.
rische Zerstörung können nur Gründer setzen, die viel zu gewinnen          Denn wie schon Thorsten Dirks, Telefónica Deutschland, sagte: „Wenn
und nichts zu verlieren haben. Zudem spielt die Unternehmenskultur         Sie einen Scheißprozess digitalisieren, dann haben Sie einen scheiß
eine entscheidende Rolle. Digitalisierung sei vor allem eine mentale       digitalen Prozess.“                                                      ❙
Transformation und beginne in den Köpfen, meint Prof. Wolfgang
Henseler, Sensory-Minds.
                                                                                                                                   AUTOR
     Die aktuelle Gründergeneration denke fast immer in Plattformen                                                                DANIEL WEICHERT
und begreife Digitalisierung als Chance, Marktstrukturen grundlegend                                                               Fachlicher Leiter,
                                                                                                                                   BIEG Hessen,
zu verändern. Beispielsweise besitzt der weltweit größte Anbieter von                                                              Frankfurt
Übernachtungen, Airbnb, keinerlei Immobilien, der umsatzstärkste                                                                   daniel.weichert@
                                                                                                                                   bieg-hessen.de
Großhändler der Welt, Alibaba, keinerlei Warenbestand und die welt-
größten Anbieter von Telefondienstleistungen, WhatsApp und WeChat,
keine eigenen Telekommunikations-Infrastrukturen. Bei den etablierten
Unternehmen herrsche hingegen die Wahrnehmung, es digitalisieren
sich nur Verkaufskanäle und Produkte.
     Wie wichtig Plattformen und Ökosysteme in der digitalen Welt von

                                                                               HCS
heute sind, beschreibt Blogger Sascha Lobo mit seinem Begriff Plattform-
Kapitalismus. Er verweist dabei auf die Prognose von Star-Investor und
Entwickler einer der ersten Webbrowser „Mosaic“ Marc Andreessen:
„Software will eat the world.“ Für Lobo sind Plattformen „Meta-Händler“,      EDV-Service
vergleichbar mit klassischen Mittelsmännern. Sie bestimmen die Regeln
im Spiel und verdienen Geld, indem sie Dritten ermöglichen, Geld zu
verdienen. Klar, ohne Hardware geht gar nichts. Aber wenn die Her-
steller durch eine Plattform abgeschnitten sind von der Kundenschicht         Wir sind der richtige Partner,      Beratung, Verkauf,
und somit auch von der neuen Währung „Kundendaten“ (vergleiche Big            wenn es um Drucker,
                                                                              Multifunktionsgeräte sowie          Vor-Ort-Service –
Data), verschiebt sich die Macht in Richtung Plattform.                       Reparatur- und Wartungs-            alles aus einer Hand!
     Laut Verena Gründel, HighText-Verlag, prallen bei vielen Traditi-        service von Brother geht.
onsunternehmen auch in den Arbeitswelten digitale und analoge Welt            Von einem einzelnen Gerät
                                                                              bis zum Geräte-Pool beste-
hart aufeinander. Als Beispiel nennt sie interne Facebook-Sperren,            hend aus unterschiedlichen
Homeoffice-Verbote oder ein zehnstufiges Controlling, bevor die               Modellen, wir bieten Ihnen
Social-Media-Abteilung einen Tweet absetzen darf. Solche Verbote sind         bedarfsgerechte Komplett-
natürlich für junge digitale Fachkräfte No-Gos. Wer Digitalexperten           lösungen mit garantiertem
                                                                              Next-Business-Day Service,
rekrutieren will, um die digitale Transformation voranzutreiben, muss         darauf können Sie sich
die offene Firmenkultur schon heute leben.                                    verlassen.
     Nun stellt sich die Frage, was Unternehmen tun können, um sich auf
die digitale Transformation einzustellen. Zuerst einmal geht es darum,         HCS EDV-Service GmbH
den digitalen Kunden zu verstehen. Analysieren Sie sein Nutzungsverhal-        Eschborner Landstr. 42-50
                                                                               60489 Frankfurt
ten: Was treibt er mit dem Smartphone? Wie kommuniziert er? Welche
                                                                               tel. 069-7530033
Dienste nutzt er wann und wo? So lassen sich leichter Wünsche und              info@hcs-edv-service.de
Bedürfnisse ableiten. Denken und entwickeln Sie für maximale Nutzen-
und Lösungsorientierung mit der Kundenbrille: Was ist das elementare           www.hcs-edv-service.de
Bedürfnis meines Kunden? Braucht es dazu ein und insbesondere mein
Produkt? Oder geht es eher in Richtung Services und Dienste?

IHK WirtschaftsForum 10.16                                                                                                                         11
E-COMMERCE

KUNDENDATEN, DIE NEUE WÄHRUNG
Die effiziente Auswertung von Kundendaten bietet Unternehmen enorme Chancen: mehr Umsatz durch passendere
Produkte und bessere Kundenbindung. Bei aller Euphorie darf der Datenschutz darüber aber nicht vergessen werden.

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                                                                                                             FOTO: GETTYIMAGES / TONGRO IMAGES
                                                                                                                   ein Unternehmen nicht nur wichtige
                                                                                                                   Erkenntnisse über das vergangene
                                                                                                                   Kundenverhalten, sondern kann mit-
                                                                                                                   hilfe sogenannter Forecasts oder
                                                                                                                   Nowcasts Vorhersagen über zukünf-
                                                                                                                   tige Ereignisse oder Nutzerverhalten
                                                                                                                   treffen. Es werden – wie einst im
                                                                                                                   Tante-Emma-Laden – persönliche
                                                                                                                   Kundenvorlieben erkannt und ins
                                                                                                                   digitale Zeitalter übersetzt.
                                                                                                                        So sind individuelle Angebote
                                                                                                                   durch Segmentierung und Perso-
                                                                                                                   nalisierung innerhalb der Zielgruppe
                                                                                                                   möglich. Unternehmen lernen ihre
  Mithilfe von Big-Data-Analysen werden persönliche Kun-
  denvorlieben identifiziert und ins digitale Zeitalter übersetzt.                                                 Kunden nun Schritt für Schritt besser
                                                                                                                   kennen und verringern durch spe-
                                                                                                                   zifische Angebote Streuverlust und

B
       ig Data – ein Buzzword im Marketing. Doch ist das Thema auch          Werbekosten. Unternehmen sollten sich dabei unter anderem folgende
       relevant für E-Commerce-Betreiber im Mittelstand? Ja. Denn im         Fragen stellen: Welche Marketingmaßnahmen hatten bisher den meisten
       E-Commerce und Onlinemarketing haben Unternehmen heute die            Erfolg? Wie stelle ich meinen Kunden zufrieden (Thema Kundenbindung)?
Chance, anhand des Klickverhaltens oder der Verweildauer auf einer Website   Und mit welchen Maßnahmen steigere ich meinen Umsatz?
oder in einem Onlineshop genau zu analysieren, welche Bereiche für den            Einen Bestandskunden zu binden, ist im Schnitt etwa fünfmal weniger
Besucher interessant sind, und dadurch im nächsten Schritt passgenaue        kostenintensiv, als einen neuen Kunden zu gewinnen. Big Data bietet vor
Angebote zu erstellen. Früher war das nicht so einfach. Es fehlten die       allem für KMU im E-Commerce die Möglichkeit, sich durch passgenaue
Möglichkeiten, spezifische Kundendaten zu erfassen und auszuwerten.          Angebote von der Konkurrenz abzuheben und ihre Produkte noch ge-
Unternehmen kommunizierten ihre Produkte einfach mit dem Gießkan-            zielter als bisher zu entwickeln und zu vermarkten. Aktuell sind deshalb
nenprinzip an alle Kunden. Botschaft und Kommunikation waren für alle        schon zwei Drittel des deutschen Mittelstands der Auffassung, dass die
Zielgruppen gleich und anhand des Umsatzes ließ sich der Erfolg ablesen.     Analyse und Nutzung von Big Data Wettbewerbsvorteile schaffe (2014
Das hat sich im digitalen Zeitalter grundlegend geändert.                    waren rund ein Drittel der Unternehmen dieser Meinung).
    Die immer größer werdenden, oft unterschiedlich strukturierten                Doch wie geht ein KMU mit Big Data am besten um? Wichtig ist
Datenmengen, die ein Unternehmen täglich produziert, vereinen sich           eine Kombination aus flexiblem Kundenmanagementsystem (CRM)
unter dem Begriff Big Data. Im E-Commerce kommen diese beispielsweise        und modernen Analysetools, um den Datenwust in brauchbare Daten
durch Website-, Social-Media- oder E-Mail-Marketing-Tracking (teils          zu verwandeln. Noch wichtiger ist es, die gewonnenen Erkenntnisse
in Echtzeit) zustande und basieren unter anderem auf demografischen          anschließend in operative Entscheidungs- und Geschäftsprozesse zu
Daten, Klicks oder Käufen. Bisher waren die Kosten dafür enorm – was         integrieren. Ein Beispiel: Ein unbekannter User besucht einen Onlineshop,
insbesondere an dem teuren Speicher für die gewonnenen Daten und             um Wein zu kaufen. Er sieht sich verschiedene Rotweine aus Italien an,
seiner Verwaltung lag. Big Data wurde daher nur von größeren Unter-          wird fündig und schließt seinen Kauf ab. Anschließend gibt er seine
nehmen genutzt. Doch digitale Entwicklungen wie beispielsweise Cloud         personenbezogenen Daten (zum Beispiel E-Mail-Adresse) im Kaufpro-
Computing machen Big Data, auch aufgrund der gesunkenen Kosten für           zess ein und wird dadurch identifizierbar. Auch das nächste Mal kauft
Speicherplatz, für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) mit         der Kunde im Onlineshop italienischen Rotwein der gleichen Marke.
kleinerem IT-Budget erschwinglich.                                                Durch die Auswertung seines Kaufverhaltens ist ein gezieltes Bespielen
    Die Nutzung von Big Data birgt einige Herausforderungen für              mit Werbemaßnahmen möglich, beispielsweise im E-Mail-Marketing. Das
Mittelständler, zum Beispiel die sinnvolle Auswertung von riesigen Da-       Unternehmen weiß nun, welche Art Wein (Rotwein) aus welchem Land
tenmengen, die einen wichtigen Wettbewerbsvorteil darstellen können.         (Italien) und sogar in welcher Preisklasse (sechs bis acht Euro) der Kunde

12                                                                                                                                               IHK WirtschaftsForum 10.16
Digitale Wirtschaft

                                                                                    Daten aus Google oder Facebook mit einer Datawarehouse-Lösung zu
    UMGANG MIT BIG DATA                                                             verknüpfen. So lassen sich die gewonnenen Daten in Relation zueinander
    ❙❙ Bestandsaufnahme: Welche Daten liegen dem Unternehmen schon                 stellen und es ist möglich, den Kunden mit passgenauen Inhalten anzuspre-
      vor? Diese beinhalten wertvolle Informationen über die Kunden.                chen. Unternehmen sollten darauf achten, diese personalisierte Behandlung
    ❙❙ Festlegung einer Datenstrategie: Welchem Zweck dienen die gesam-
                                                                                    über alle Kanäle und alle verfügbaren Geräte hinweg zu gewährleisten.
      melten Daten?
    ❙❙ Erhebung neuer Daten, zum Beispiel von Google Analytics oder Face-               Der Kunde von heute erwartet von Unternehmen individuelle In-
      book. Diese werden mit den vorhandenen Daten zusammengeführt.                 halte und personalisierte Ansprachen. Gleichzeitig jedoch hinterfragt
    ❙❙ Unternehmen sollten ein verantwortliches Team aus allen beteiligten         und fordert er immer kritischer die Einhaltung des Datenschutzes. Dies
        Abteilungen (IT, Vertrieb und Marketing) bilden, das die entstehenden
                                                                                    stellt Unternehmen mit Sicherheit vor eine Herausforderung, ist jedoch
        Daten untersuchen und einordnen kann.
    ❙❙ Aus den gewonnenen Daten sollten Unternehmen anschließend Maß-              kein Ding der Unmöglichkeit. Die Verknüpfung von verschiedensten
        nahmen für ihre strategischen und operativen Entscheidungs- und             Daten, die an sich anonym und unproblematisch sind, ergeben durch
        Geschäftsprozesse ableiten.                                                 Big Data für Unternehmen plötzlich ein persönliches Kundenprofil.
    ❙❙ Datenschutz nicht vergessen: Um personalisierte Daten zu erheben,
                                                                                    Oft liegt aber genau dafür keine Einverständniserklärung des Kunden
        benötigen Unternehmen eine ausdrückliche Einwilligung ihrer Kun-
        den. Eine Opt-out-Möglichkeit reicht in diesem Fall nicht aus.              vor. Wie können Unternehmen also datenschutzkonform agieren und
                                                                                    trotzdem Kundendaten effektiv einsetzen?
                                                                                         Generell brauchen Unternehmen bei einer personenbezogenen
 bevorzugt. Diese Informationen können zukünftig genutzt werden, um ihn             Datenverarbeitung entweder eine Erlaubnis durch den Betroffenen
 beispielsweise mit einem Rabatt-Gutschein seines Lieblingsweins oder mit           (durch eine Einwilligung, vergleiche §§ 4a Bundesdatenschutzgesetz
 einem Kennenlern-Angebot anderer italienischer Rotweine anzusprechen.              (BDSG), 13 Abs. 2 Telemediengesetz (TMG)) oder es muss eine gesetz-
 Das Unternehmen geht auf die Wünsche und Vorlieben seines Kunden                   liche Regelung gegeben sein (§ 4 Abs. 1 BDSG, § 12 Abs. 1 TMG, Art. 7
 ein. So wird durch personalisierte Inhalte aus einem vormals anonymen              EU-Datenschutzrichtlinie (DSRL)). Eine Einwilligung besteht dann, wenn
 Kunden im besten Fall ein loyaler Bestandskunde.                                   der Betroffene über die verarbeitende Stelle, die Art der Verarbeitung,
      Aufgrund dieser veränderten Möglichkeiten steht nicht mehr der rei-           den Zweck und den Datenumfang informiert ist und hierzu ausdrücklich
 ne Kaufabschluss im Fokus, sondern die gesamte Kundenreise (Customer               und freiwillig seine Zustimmung erteilt hat (§ 4a BDSG, Art. 2 lit. h EU-
 Journey). Zudem betrifft diese Entwicklung aber auch alle beteiligten              DSRL). Konkret bedeutet dies, dass Big Data und Datenschutz nicht im
 Abteilungen – von der IT / Business Analytics über den Vertrieb bis hin            Widerspruch stehen. Basis ist allerdings eine offene und transparente
 zum Marketing. Eine enge Zusammenarbeit der Abteilungen sowie ein                  Kommunikation, in der dem Kunden erklärt wird, was mit seinen Daten
 ganzheitliches Kundendenken und der Austausch von Daten sind die                   passiert, wozu diese verwendet werden und welchen Mehrwert er durch
 Grundvoraussetzung. Einzelkämpfer- und klar getrenntes Abteilungs-                 die Nutzung seiner Daten erfährt. Dann steht der Freude durch passende
 denken stehen dem Erfolg im Weg.                                                   Angebote nichts mehr im Wege.                                          ❙
      Bevor Unternehmen den Schritt in Richtung Big Data gehen, ist es
 sinnvoll, zuerst Schritt für Schritt zu analysieren, welche Daten innerhalb
                                                                                                                                          AUTORIN
 des Unternehmens schon vorliegen, sozusagen Small Data. Unternehmen                                                                      CORINA HEINZ
 nutzen aktuell noch nicht einmal alle vorhandenen Daten, um Marketing-                                                                   Referentin,
                                                                                                                                          BIEG Hessen,
 ziele zu erreichen. Oft bringt die Auswertung der Daten, die über Business-                                                              c/o IHK Frankfurt
 Analytics-, Website- und Social-Media-Analyse-Tools gewonnen wurden,                                                                     corina.heinz@
                                                                                                                                          bieg-hessen.de
 schon wichtige Erkenntnisse über bestehende Kunden, wie beispielsweise
 Einkaufsverhalten oder Besuchsfrequenz. Ziel sollte es sein, die vorhandenen
 Kundendaten (zum Beispiel aus dem Onlineshop) mit den gewonnenen
  SAV Anzeige IHK Wirtschafts Forum 210 X 72 mm plus 3 RZ.pdf          05.09.2016    14:02:11 Uhr

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„Durch die Einschaltung der SAV konnten
                                                                                                                                        aktives
wir Kredit- und Avalprovisionen                                             Kredit- und Avalverfahrung                                 Avalmanagement
                                                                           seit über 18 Jahren
im sechsstelligen Bereich einsparen“
                        CEO Projektentwicklungsgesellschaft, Berlin                                                            nachhaltige Reduzierung
                                                                                         Serviceleistungen
                                                                                                                              Avalkosten / Kreditkosten
                                                                                        aus einer Hand

            Ansprechpartner: Torsten Steinwachs
            Rechtsanwalt / Wirtschaftsmediator / geschäftsführender Partner der SAV / seit 18 Jahren im Avalbereich tätig   www.avalvermittlung.com
            Wiesenhüttenplatz 26, 60329 Frankfurt am Main, Tel.: +49 69 8740309-0, Fax: +49 69 8740309-10, Mail: steinwachs@avalvermittlung.com
CYBERSICHERHEIT

„AUF MITHILFE ANGEWIESEN“
Ein Gespräch mit Peter Beuth, hessischer Innenminister, über die besondere Attraktivität des Wirtschaftsstandorts
Hessen für Cyberkriminelle, geeignete Präventionsmaßnahmen und die hessische Agenda für Cybersicherheit.

                                                                     FOTO: GETTYIMAGES / PETER DAZELEY
                                                                                                                                     Peter Beuth, hessischer Innenminister: „Ein
                                                                                                                                     vollständiger Schutz gegen Cyberkriminali-
                                                                                                                                     tät ist nur schwer umzusetzen. Doch es gibt
                                                                                                                                     Standardvorkehrungen, die das Sicherheits-
                                                                                                                                     niveau mit vergleichsweise kleinem Aufwand
                                                                                                                                     deutlich anheben. Es gilt, bildlich gespro-
                                                                                                                                     chen, offene Eingangstüren zu schließen.“

                                                                                                         sonders durch Aktivitäten der Wirtschaftsspionage durch fremde
                                                                                                         Nachrichtendienste sowie durch Konkurrenzausspähung gefährdet.
                                                                                                         Hessen beherbergt viele Weltmarktführer und Hidden Champions.
                                                                                                         Diese Spitzenpositionen stehen bei Wirtschaftskriminellen besonders
                                                                                                         im Fokus. Das gilt insbesondere auch für kleine und mittelständische
                                                                                                         Unternehmen mit hoher Innovationskraft.

                                                                                                         Können Unternehmen die staatlichen Stellen in ihrer Arbeit unter­-
                                                                                                         stützen?
                                                                                                         BEUTH: Cybersicherheit kann nur als Gemeinschaftsleistung erfolgreich
Herr Beuth, mit der Digitalisierung der Geschäftsprozesse steigt für                                     sein, von daher sind die Sicherheitsbehörden auf die Mithilfe der Wirtschaft
Unternehmen auch die Bedrohung durch Cyberkriminalität. Was                                              angewiesen. Für uns ist besonders wichtig, dass wir erfahren, wie die Täter
genau ist unter diesem Begriff aus polizeilicher Sicht zu verstehen?                                     vorgehen. Auch das Landesamt für Verfassungsschutz Hessen beschäftigt
BEUTH: Bei Cyberkriminellen handelt es sich um Straftäter, die übli-                                     sich mit dieser Problematik. Fremde Nachrichtendienste versuchen, die
cherweise den Computer als Tatmittel benutzen. Wir beobachten dieses                                     eigene Wirtschaft bei der Erschließung moderner Technologien illegal zu
Kriminalitätsphänomen mit großer Aufmerksamkeit. Das beginnt bei                                         fördern. Werden Betriebsgeheimnisse ausgespäht, ist das eine Gefahr für
der Wirtschaftsspionage, geht über mögliche Angriffe auf kritische                                       die hessischen Unternehmen. Dies müssen wir entschieden verhindern.
Infrastrukturen bis hin zu den klassischen Betrugsdelikten, die sich
dann nun mal nicht in der realen, sondern der virtuellen Welt abspielen.                                 Gibt es überhaupt Möglichkeiten für Unternehmen, um sich vor
Die Intensität der verschiedenen Bedrohungen ist sehr unterschiedlich,                                   cyberkriminellen Angriffen zu schützen?
aber wir nehmen sie alle sehr ernst.                                                                     BEUTH: Ein vollständiger Schutz gegen Cyberkriminalität ist nur
                                                                                                         schwer umzusetzen. Nicht nur rein technisch, sondern auch, was die
Welche Konsequenzen hat das Land Hessen daraus gezogen?                                                  sehr hohen Kosten angeht. Doch es gibt Standardvorkehrungen, die
BEUTH: Wir haben die hessischen Sicherheitsbehörden in diesem                                            das Sicherheitsniveau mit vergleichsweise kleinem Aufwand deutlich
Bereich personell und technisch verstärkt. Gleichzeitig arbeiten wir
mit Hochdruck an der Umsetzung des IT-Sicherheitsgesetzes und der
hessischen Agenda für Cybersicherheit. Denn Cybersicherheit ist ein                                         KONTAKTE
Grundpfeiler der öffentlichen Sicherheit in Deutschland, deshalb muss                                       ❙❙ Zentrale Ansprechstelle im Hessischen Landeskriminalamt: ­
unsere Botschaft sein: Virtuelle Straftaten haben reale Konsequenzen.                                         www.polizei.hessen.de (Suchbegriff „Landeskriminalamt“)
                                                                                                            ❙❙ Wirtschaftsschutz des Landesamts für Verfassungsschutz Hessen:
                                                                                                              www.lfv.hessen.de
Ganz konkret: Wie gefährdet ist die hessische Wirtschaft?                                                   ❙❙ Computer-Emergency-Response-Team im hessischen Ministerium
BEUTH: Hessen ist als zentraler Wirtschaftsstandort in Deutschland                                            des Innern: www.hessen@hmdis.hessen.de
und Europa neben allgemeinen Formen von Cyberkriminalität be-

14                                                                                                                                                             IHK WirtschaftsForum 10.16
Digitale Wirtschaft

                                                                                                               Wichtig ist auch: Nur wenn Straftaten zur Anzeige gebracht werden,
Cyberkriminalität in Deutschland                                                                               können die hessischen Sicherheitsbehörden handeln.
                                                                                        Entwicklung im
Im Jahr 2015 wurden 45 793 Straftaten im Bereich Cybercrime erfasst.                    Vergleich zu
Davon:                                                                                  2014 in Prozent:

Computerbetrug
                                                                                                               Wie unterstützt das Land Hessen die Unternehmen?
Missbrauch von gestohlenen Daten                                               23 562         + 5,6 %          BEUTH: Wir haben für den Haushalt 2017 beschlossen, den Bereich Cyber-
(z. B. beim Onlinebanking)
                                                                                                               crime und organisierte Kriminalität mit zusätzlichen Stellen bei der Polizei zu
Ausspähen/Abfangen von Daten                                                                                   stärken. Das ist eine bewusste Schwerpunktsetzung und wichtige Investition
Diebstahl digitaler Zugangsdaten                                       9 629                 - 19,0
und Identitäten (z. B. durch Phishing)                                                                         in die Sicherheit von Unternehmen und Bürgern. Es gilt, mit dieser Expertise
Fälschung urkundlicher Daten,
                                                                                                               der Sicherheitsbehörden auch kritische Infrastrukturen besser zu schützen.
Täuschung im Rechtsverkehr
                                                               7 187                         - 10,3            Wir haben auch zahlreiche Informationsangebote initiiert, die Unternehmen
Vortäuschen einer Person bzw. Firma,
um an Daten oder Geld zu gelangen                                                                              helfen können, sich gegen Cyberkriminalität zu schützen. Außerdem bringt
Datenveränderung,                                                                                              das Land gemeinsam mit dem hessischen Forschungshotspot Cybersicherheit
Computersabotage
Verbreitung von Schadsoftware
                                                       3 537                                 - 37,6            am Standort Darmstadt über den runden Tisch „Cybersicherheit Hessen“
(Trojaner, Viren und Würmer)
                                                                                                               praxisnahe und handhabbare Lösungen auf den Weg, die den Unternehmen,
Betrug mit Zugangsberechtigungen
Manipulation v. Telekommunikationsanlagen
                                                                                                               der Verwaltung und den Bürgern mehr Sicherheit bieten.                       ❙
                                                   1 878                                       - 8,6
(z. B. teure Auslandstelefonverbindungen
durch Zugriff auf Router)

Quelle: Bundeskriminalamt (2016)                                                        © Globus       11172
                                                                                                                                                                          INTERVIEW
                                                                                                                                                                          MATTHIAS
                                                                                                                                                                          WERNER
                                                                                                                                                                          Pressesprecher,
   anheben. Es gilt, bildlich gesprochen, offene Eingangstüren zu schließen.                                                                                              IHK Limburg
   Jedes Unternehmen sollte individuell eine Risikoabwägung durchführen                                                                                                   m.werner@
                                                                                                                                                                          limburg.ihk.de
   und sich für pragmatische und effiziente Maßnahmen entscheiden. Die
   hessischen Sicherheitsbehörden helfen Unternehmen, dieses Verbes-
   serungspotenzial festzustellen und geeignete Maßnahmen zu treffen.

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